,Segmentierte Polyurethan-Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen'
Die vorliegende Erfindung betrifft reaktive Polyurethan-Schmelzklebstoff- Zusammensetzungen auf der Basis von Polyether- bzw. Polyester basierten isocyanatgruppenhaltigen Prepolymeren sowie reaktiven segmentierten Blockcopolymeren.
Reaktive Polyurethan- Kleb- und -Dichtstoffe auf der Basis von Prepolymeren mit freien Isocyanatgruppen zeichnen sich durch ein sehr hohes Leistungsprofil aus. Daher konnten in den letzten Jahren zunehmend neue Anwendungen für diese Kleb-/Dichtstoffe erschlossen werden. Zusammensetzungen für derartige Klebstoffe und/oder Dichtstoffe sind bereits aus sehr vielen Patentanmeldungen und sonstigen Veröffentlichungen bekannt. Hierzu zählen insbesondere auch reaktive, einkomponentige, feuchtigkeitshärtende Polyurethan-Schmelzklebstoffe.
Diese sind bei Raumtemperatur fest und werden in Form ihrer Schmelze als Klebstoff appliziert, die polymeren Bestandteile der Polyurethan-Schmelzklebstoffe enthalten Urethangruppen sowie reaktionsfähige Isocyanatgruppen. Durch das Abkühlen dieser Schmelze nach dem Auftrag und Fügen der zu verbindenden Substrat-Teile erfolgt zunächst eine rasche physikalische Abbindung des Schmelzklebstoffes durch dessen Erstarren. Daran schließt sich eine chemische Reaktion der noch vorhandenen Isocyanatgruppen mit Feuchtigkeit aus der Umgebung zu einem vernetzten unschmelzbaren Klebstoff an. Reaktive Schmelzklebstoffe auf der Basis von isocyanatterminierten Polyurethanprepolymeren sind z.B. bei H.F. Huber und H. Müller in "Shaping Reactive Hotmelts Using LMW Copolyesters", Adhesives Age, November 1987, Seite 32 bis 35 beschrieben.
Kaschierklebstoffe können entweder ähnlich aufgebaut sein wie die reaktiven Schmelzklebstoffe oder sie werden als einkomponentige Systeme aus der Lösung in organischen Lösungsmitteln appliziert. Eine weitere Ausführungsform besteht aus zweikomponentigen lösungsmittelhaltigen oder lösungsmittelfreien Systemen, bei denen die polymeren Bestandteile der einen Komponente Urethangruppen sowie reaktionsfähige Isocyanatgruppen enthalten und die zweite Komponente Polymere bzw. Oligomere mit Hydroxylgruppen, Aminogruppen, Epoxigruppen und/oder Carboxylgruppen enthält. Bei diesen zweikomponentigen Systemen werden die isocyanatgruppenhaltige Komponente und die zweite Komponente unmittelbar vor der Applikation gemischt, im Normalfall mit Hilfe eines Misch- und Dosiersystems.
Der Hauptvorteil von Schmelzklebern gegenüber anderen Klebstoffsystemen liegt in ihrer Fähigkeit, sehr schnell abzubinden, sowie in dem Fehlen von Wasser und Lösemitteln in ihrer Zusammensetzung.
Entsprechende feuchtigkeitshärtende Polyurethan-Schmelzkleber zum Verkleben diverser Trägermaterialien sind vorbekannt.
So beschreibt DE-A-32 36 313 einen Schmelzkleber, der ein prepolymeres Isocyanat, ein thermoplastisches Polymer sowie ein Kunstharz von niedrigem Molekulargewicht, ausgewählt aus der Gruppe der Ketonharze, Keton-Aldehyd- Kondensationsharze und / oder Hydrierungsprodukten von Acetophenon- Kondensationsharzen, enthält. Bei dem prepolymeren Isocyanat handelt es sich um ein reaktives Polyurethan-Präpolymer eines aromatischen Diisocyanats und/oder ein Präpolymer dieses Diisocyanats mit einem kurzkettigen Diol sowie eines Polyethers oder Polyesters, der neben OH-Gruppen auch ein kurzkettiges Diol enthält.
Gemäß EP-A-248 658 sind Polyurethan-Schmelzkleber aus einem Reaktionsprodukt von Diisocyanaten und kristallinen Polyester-Diolen herstellbar, wobei letztere aus symmetrischen aromatischen Dicarbonsäuren synthetisiert werden und einen Säuregehalt von mindestens 50 Mol-% aufweisen. Bei bevorzugten Ausführungsformen werden dabei die freien Isocyanatgruppen
blockiert, z.B. mittels Acetylaceton. Diese Maßnahme verringert die Feuchtigkeitsempfindlichkeit des Schmelzklebers und erhöht damit seine Lagerbeständigkeit, andererseits wird jedoch die Abbindegeschwindigkeit wesentlich erniedrigt, da die Isocyanat-Gruppe mit Blick auf die Anwendungstemperatur zunächst mittels eines Entblockierungsschritts wieder in ihre reaktive Form überführt werden muss.
EP 0293602 B1 beschreibt kompatible Mischungen zur Bildung von reaktiven Schmelzklebstoffen auf Basis von Polyurethanen enthaltend ein Reaktionsprodukt eines Polyalkylenpolyols und eines Isocyanates sowie thermoplastische Polymere mit reduzierter Polarität. Konkret genannt werden Polymere aus Ethylen- Vinylmonomeren, die einen Vinylmonomergehalt von etwa 1 bis 45 mol% haben, Polyolefinpolymere, radiale A-B-A-Blockcopolymere, A-(B-A)n-B-Blockcopolymere oder A-B-A-Blockcopolymere in Kombination mit verträglichen, klebrigmachenden Harzen. Es wird ausgeführt, dass diese Klebstoffe gute Hitzestabilität, gute Anfangshaftfestigkeit, gute Lagerstabilität und eine gute Durchhärtung haben. US 47775719 beschreibt eine thermisch stabile, feuchtigkeitshärtende Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen mit einer niedrigen Viskosität, einer sehr hohen Anfangsfestigkeit und Endfestigkeit. Diese Zusammensetzung soll ein flüssiges Polyurethan-Prepolymer, ein aromatisches oder aliphatisch- aromatisches klebrigmachendes Harz sowie eine polymere Polyethylen- Vinylmonomere enthaltende Komponente aufweisen, die einen Ethylenanteil von bis zu 55 Gew. % haben soll.
US-A-3931077 beschreibt eine Klebstoff-Zusammensetzung enthaltend ein reaktives Polyurethan-Prepolymer, ein thermoplastisches Harz auf der Basis von Ethylen-Vinylacetatcopolymeren, Ethylen-Acrylsäurecopofymeren, Ethylen- Acrylatcopolymeren, ataktischen Polypropylenen oder linearen
Polyethylenterephthalat-Polymeren sowie ein klebrigmachendes Harz aus der Gruppe der Abietinsäureharze (Kolophoniumharze), deren aktiver Wasserstoff oder Doppelbindungen ganz oder teilweise durch Veresterung entfernt wurde sowie Terpen-Phenolcopolymere.
DE-A-2014170 beschreibt thermoplastische Polyurethane, die als Schmelzklebstoffe verwendet werden können. Diese Zusammensetzungen sind Reaktionsprodukte eines Isocyanatgruppen-haltigen Prepolymers mit einem OH- Gruppen terminierten Polyester, wobei der OH-terminierte Polyester im Überschuss eingesetzt werden soll. Demzufolge kann ein derartiger Schmelzklebstoff nicht mehr mit Feuchtigkeit unter Vernetzung aushärten.
WO 91/15530 beschreibt eine Urethanschmelzklebstoff-Zusammensetzung aus einem nicht reaktiven Polyester-Polyethercopolymer und einem Polyisocyanatprepolymer aus einem Polyol und einem polyfunktionellen Isocyanat mit einer Isocyanatfunktionalität von 2 oder mehr. In dem Polyester- Polyether- Copolymer soll der Säurebaustein überwiegend eine cyclische Carbonsäure sein. Dieser Schmelzklebstoff soll die Charakteristiken eines thermoplastischen Schmelzklebstoffes und eines reaktiven Klebstoffes haben, Flexibilität aufweisen und sowohl für klebende als auch abdichtende Funktionen eingesetzt werden können. Nachteilig ist bei derartigen Zusammensetzungen, dass sie einen sehr hohen Erweichungspunkt aufweisen und somit eine sehr hohe Auf Schmelztemperatur zum Verflüssigen des Klebstoffes erfordern.
WO01/96436 beschreibt Zusammensetzungen enthaltend Umsetzungsprodukte eines Polyisocyanats mit einem Polyester-Block-Copolymer und ein Verfahren zu deren Herstellung. Dabei soll der Carboxyl-terminierte Polyesterblock aus aliphatischen Dicarbonsäuren, ausgewählt aus Adipinsäure, Pimelinsäure, Korksäure, Azelainsäure, Sebacinsäure, Undecandisäure, Dodecandisäure, oder deren Mischungen und difunktionellen Alkoholen ausgewählt aus Butandiol, Hexandiol, Octandiol, Decandiol, Dodecandiol oder deren Mischungen aufgebaut sein und mindestens ein Block durch (-(CH2)4-0-(CH2)4-)o , (-C3H6-0-C3H6-)o , (- C2H4-0-C2H4-)p, den Rest eines Polybutadiens, Polycarbonates oder eines Polycaprolactons oder deren Kombination gebildet werden. Diese Zusammensetzungen eignen sich als feuchtigkeitshärtender Schmelzklebstoff. Gegebenenfalls kann die Schmelzklebstoffzusammensetzung noch ein Umsetzungsprodukt eines Polyisocyanats mit einem Polyesterpolyol und/oder ein Umsetzungsprodukt eines Polyisocyanats mit einem Polyetherpolyol enthalten.
Derartige Polyurethan-Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen sollen gute Kriechbeständigkeits- und Grenzflächen-Haftungswerte auf Kunststoffen aufweisen und sehr hohe Festigkeitswerte zeigen.
WO01/46330 beschreibt Zusammensetzungen enthaltend Umsetzungsprodukte eines Polyisocyanats mit einem Polyester-Polyether-Copolymer und ein Verfahren zu deren Herstellung. Das Polyester-Polyether-Copolymer soll dabei aus dem Block eines Carboxyl-terminierten Polyesters und dem Block eines Poly(oxy- tetramethylen)glycols, Poly(oxypropylen)glycols, Poly(oxyethylen)glycols oder deren Copolymeren aufgebaut sein. Der Carboxyl-terminierte Polyesterblock wird gemäß der Lehre dieser Schrift aus aliphatischen oder aromatischen Dicarbonsäuren, ausgewählt aus Adipinsäure, Pimelinsäure, Korksäure, Azelainsäure, Sebacinsäure, Undecandisäure, Dodecandisäure, Phthalsäure, Terephthalsäure, Isophthalsäure oder deren Mischungen und difunktionellen Alkoholen ausgewählt aus Ethylenglycol, Propylenglycol, Butandiol, Diethylenglycol, Triethylenglycol, Dipropylenglycol, Tripropylenglycol, Hexandiol, Octandiol, Decandiol, Dodecandiol oder deren Mischungen aufgebaut. Diese Zusammensetzungen sollen sich als feuchtigkeitshärtende Schmelzklebstoffe eignen, die gute Kriechbeständigkeits- und Grenzflächen-Haftungswerte auf Kunststoffen zeigen und sehr hohe Festigkeitswerte aufweisen.
Angesichts dieses Standes der Technik haben sich die Erfinder die Aufgabe gestellt, einen Klebstoff bereitzustellen, der ähnliche Eigenschaften wie ein
Haftschmelzklebstoff hat, der jedoch nachvernetzend ist und der niedrige Temperaturen zum Aufschmelzen benötigt.
Die erfindungsgemäße Lösung der Aufgabe ist den Ansprüchen zu entnehmen, sie besteht im wesentlichen in der Bereitstellung einer Klebstoff- Zusammensetzung enthaltend
a.) ein Umsetzungsprodukt eines Polyisocyanats im stöchiometrischen
Überschuss mit einem hydroxyfunktionellen Polyester-ether -Block-
Copolymer auf der Basis aromatischer Dicarbonsäuren b.) ein Umsetzungsprodukt eines Polyisocyanats mit einem Polyesterpolyol und/oder c.) ggf. ein Umsetzungsprodukt eines Polyisocyanats mit einem
Polyetherpolyol sowie d.) ggf. nicht reaktive thermoplastische Polymere.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung derartiger Zusammensetzungen zum Verkleben von flächigen Laminierungen, z.B. Küchenarbeitsplatten in der Möbelindustrie, Caravanseitenteilen und Paneele in der Bauindustrie, insbesondere eignen sich diese Klebstoff-Zusammensetzungen für Substrate, die sehr geringe Temperaturbelastung vertragen und für Anwendungen, bei denen der Klebstoff großflächig aufgetragen werden muss.
Die aromatischen Dicarbonsäuren des Polyester-ether -Block-Copolymers werden dabei ausgewählt aus Terephthalsäure, Isophthalsäure, Phthalsäure, Dibenzoesäure, Bis(p-carboxyphenyl)methan, p-Oxy(p-carboxyphenyl)- benzoesäure, Ethylen-bis(p-oxybenzoesäure), Ethylen-bis(p-benzoesäure), Tetramethylen-bis(p-oxybenzoesäure), 1 ,5-Naphthalindicarbonsäure, 2,6- Naphthalindicarbonsäure, 2,7-Naphthalindicarbonsäure, Phenanthren- dicarbonsäure, Anthracendicarbonsäure, 4,4'-Sulfonyldibenzoesäure,
Indendicarbonsäure, sowie deren Kern-substituierte Derivative wie Ci -C10- Alkyl, Halogen-, Alkoxy- oder Aryl- Derivate, p-(ß-hydroxyethoxy)benzoesäure oder deren Mischungen, wobei der Anteil an Terephthalsäure vorzugsweise mindestens 75 Gew.% der Dicarbonsäuremischung ausmacht. Gegebenenfalls können anteilig aliphatische oder cycloaliphatische Dicarbonsäuren zur Herstellung des Polyester- ether- Block- Copolymers mitverwendet werden.
Als kurzkettige Diolkomponente des Polyester-ether -Block-Copolymers werden dabei C2- bis Cι2- Alkandiole, vorzugsweise Ethylenglycol, Propylenglycol, Butandiol, Hexandiol, Octandiol oder deren Mischungen verwendet.
Als Polyetherbaustein für das Block- Copolymer werden Polypropylenglycol, Poly- ethylenglycol, Copolymer aus Ethylenoxid und Propylenoxid, Poly(oxytetra- methylen)glycol (Poly-THF), 1 ,2-Polybutylenglycol, oder deren Mischungen verwendet. Bevorzugte Molekulargewichtsbereiche für die Polyetherol- Bausteine liegen zwischen von 400 und 20000, vorzugsweise im Bereich von 1000 bis 6000.
Die erfindungsgemäß verwendeten hydroxyfunktionellen Polyester-ether -Block- Copolymere weisen Hydroxylzahlen zwischen 2 mg KOH/g und 50 mg KOH/g, vorzugsweise zwischen 4 mg KOH/g und 20 mg KOH/g, ganz besonders bevorzugt zwischen 5 mg KOH/g und 10 mg KOH/g auf.
Als Polyole für die Komponenten b) und c) können dabei eine Vielzahl von höhermolekularen Polyhydroxyverbindungen verwendet werden. Als Polyole eignen sich vorzugsweise die bei Raumtemperatur flüssigen, glasartig fest/amorphen oder kristallinen Polyhydroxyverbindungen mit zwei bzw. drei Hydroxylgruppen pro Molekül im Molekulargewichts-Bereich von 400 bis 20000, vorzugsweise im Bereich von 1000 bis 6000. Beispiele sind di- und/oder trifunktionelle Polypropylenglycole, es können auch statistische und/oder Blockcopolymere des Ethylenoxids und Propylenoxids eingesetzt werden. Eine weitere Gruppe von vorzugsweise einzusetzenden Polyethern sind die Polytetramethylenglykole (Poly(oxytetramethylen)glycol, Poly-THF), die z.B. durch die saure Polymerisation von Tetrahydrofuran hergestellt werden, dabei liegt der Molekulargewichts-Bereich der Polytetramethylenglykole zwischen 600 und 6000, vorzugsweise im Bereich von 800 bis 5000.
Weiterhin sind als Polyole die flüssigen, glasartig amorphen oder kristallinen Polyester geeignet, die durch Kondensation von Di- bzw. Tricarbonsäuren, wie z.B. Adipinsäure, Sebacinsäure, Glutarsäure, Azelainsäure, Korksäure, Undecandisäure, Dodecandisäure, 3,3-Dimethylglutarsäure, Terephthalsäure, Isophthalsäure, Hexahydrophthalsäure, Dimerfettsäure oder deren Mischungen mit niedermolekularen Diolen bzw. Triolen wie z.B. Ethylenglycol, Propylenglycol, Diethylenglycol, Triethylenglycol, Dipropylenglycol, 1 ,4-Butandiol, 1 ,6-Hexandiol,
1 ,8-Octandiol, 1,10-Decandiol, 1 ,12-dodecandiol, Dimerfettalkohol, Glycerin, Trimethylolpropan oder deren Mischungen hergestellt werden können. Eine weitere Gruppe der erfindungsgemäß einzusetzenden Polyole sind die Polyester auf der Basis von ε-Caprolacton, auch "Polycaprolactone" genannt. Es können aber auch Polyesterpolyole oleochemischer Herkunft verwendet werden. Derartige Polyesterpolyole können beispielsweise durch vollständige Ringöffnung von epoxidierten Triglyceriden eines wenigstens teilweise olefinisch ungesättigte Fettsäure-enthaltenden Fettgemisches mit einem oder mehreren Alkoholen mit 1 bis 12 C-Atomen und anschließender partieller Umesterung der Triglycerid-Derivate zu Alkylesterpolyolen mit 1 bis 12 C-Atomen im Alkylrest hergestellt werden. Weitere geeignete Polyole sind Polycarbonat-Polyole und Dimerdiole (Fa. Henkel) sowie Rizinusöl und dessen Derivate. Auch die Hydroxyfunktionellen Polybutadiene, wie sie z.B. unter dem Handelsnamen "Poly-bd" erhältlich sind, können für die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen als Polyole ebenso eingesetzt werden wie deren hydrierte Analoga.
Weiterhin eignen sich als Polyole lineare und/oder schwach verzweigte Acrylester- Copolymer-Polyole, die beispielsweise durch die radikalische Copolymerisation von Acrylsäureestern, bzw. Methacrylsäureestern mit Hydroxy-funktionellen Acrylsäure- und/oder Methacrylsäure-Verbindungen wie Hydroxyethyl- (meth)acrylat oder Hydroxypropyl(meth)acrylat hergestellt werden können. Wegen dieser Herstellungsweise sind die Hydroxylgruppen bei diesen Polyolen in der Regel statistisch verteilt, so daß es sich hierbei entweder um lineare oder schwach verzweigte Polyole mit einer durchschnittlichen OH-Funktionalität handelt. Obwohl für die Polyole die difunktionellen Verbindungen bevorzugt sind, können auch, zumindest in untergeordneten Mengen, höherfunktionelle Polyole verwendet werden.
Als Polyisocyanate können prinzipiell eine Vielzahl von aliphatischen, cycloaliphatischen oder aromatischen Polyisocyanaten eingesetzt werden.
Beispiele für geeignete aromatische Polyisocyanate sind: Alle Isomeren des Toluylendiisocyanats (TDI) entweder in isomerenreiner Form oder als Mischung
mehrerer Isomerer, Naphthalin-1 ,5-Diisocyanat, Diphenylmethan-4,4'-Diisocyanat (MDI), Diphenylmethan-2,4'-Diisocyanat sowie Mischungen des 4,4'- Diphenylmethandiisocyanats mit dem 2,4'-lsomeren oder deren Mischungen mit höherfunktionellen Oligomeren (sogenanntes Roh-MDI), Xylylen-diisocyanat (XDI), 4,4'-Diphenyl-dimethylmethandiisocyanat, Di- und Tetraalkyl-diphenyl- methandiisocyanat, 4,4'-Dibenzyldiisocyanat, 1 ,3-Phenylendiisocyanat, 1 ,4- Phenylendiisocyanat. Beispiele für geeignete cycloaliphatische Polyisocyanate sind die Hydrierungsprodukte der vorgenannten aromatischen Diisocyanate wie z.B. das 4,4'-Dicyclohexylmethandiisocyanat (Hι MDI), 1 -lsocyanatomethyl-3- lsocyanato-1 ,5,5-Trimethyl-cyclohexan (Isophoron-Diisocyanat, IPDI),
Cyclohexan-1 ,4-Diisocyanat, hydriertes Xylylen-Diisocyanat (H6XDI), 1-Methyl-2,4- diisocyanato-cyclohexan, m- oder p-Tetramethylxylendiisocyanat (m-TMXDI, p- TMXDI) und Dimerfettsäure-Diisocyanat. Beispiele für aliphatische Polyisocyanate sind Tetramethoxybutan-1 ,4-diisocyanat, Butan-1 ,4-diisocyanat, Hexan-1 ,6- Diisocyanat (HDI), 1,6-Diisocyanato-2,2,4-Trimethylhexan, 1 ,6-Diisocyanato-2,4,4- Trimethylhexan sowie 1 ,12-Dodecandiisocyanat (C12DI), ganz besonders bevorzugt sind dabei Diphenylmethan^^'-Diisocyanat, oder Diphenylmethan-2,4'- Diisocyanat oder deren höhermolekularen Addukte an Diole mit Molekulargewichten unter 1000 gemäß der Lehre der WO01/40342 oder der noch unveröffentlichten DE- 10150722.4.
Als nicht reaktive thermoplastische Polymere d) können dabei thermoplastische Polyurethane, thermoplastische Polyester Block- Copolymere, thermoplastische Polyetheramide oder niedermolekulare Polymere von ethylenisch ungesättigten Monomeren verwendet werden. Konkrete Beispiele hierfür sind (Co)polymere aus einem oder mehreren der folgenden Monomeren: CrC18-Alkylester der Acrylsäure oder Methacrylsäure, Acrylsäure, Methacrylsäure, Ethylen, Vinylacetat, Vinylpropionat, Vinylversatat, Vinylether, Alkylfumarate, Alkylmaleate, Styrol, Alkylstyrol, Acrylnitritil und / oder Butadien oder Isopren sowie Hydrierungsprodukte der letztgenannten Dien- Copolymeren, wie z.B. Styrol- Ethylen- Propylen- oder Styrol- Ethylen- Butylen- Di- oder Tri-blockcopolymere. Üblicherweise haben diese Thermoplasten ein relativ niedriges Molekulargewicht. Niedriges Molekulargewicht bedeutet in diesem Zusammenhang ein
durchschnittliches Molekulargewicht unterhalb von 60 000, vorzugsweise liegt das Molekulargewicht derartiger thermoplastischer Polymeren zwischen 10000 und 40000. „Nicht reaktiv" im Sinne dieser Erfindung sind dabei alle solche Thermoplasten, die praktisch keinen Zerewitinoff-aktiven Wasserstoff enthalten.
Weiterhin können die erfindungsgemäßen Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen noch klebrigmachende Harze, wie z.B. Abietinsäure, Abietinsäureester, Terpenharze, Terpenphenolharze, Poly-α-methylstyrol oder aliphatische, aromatische oder aromatisch-aliphatische Kohlenwasserstoffharze oder Coumaron-Inden-Harze enthalten. Gegebenenfalls können diese klebrigmachenden Harze aktive Wasserstoffatome enthalten, so dass diese bei der Umsetzung mit den Di- oder Polyisocyanaten mit in die Bindemittelmatrix des Schmelzklebstoffes eingebaut werden. Konkrete Beispiele hierfür sind hydroxyfunktionelle Ester der Abietinsäure oder auch hydroxylierte Terpenphenolharze. Weiterhin können die Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen noch Füllstoffe (z.B. Silikate, Talk, Calciumcarbonate, Tone oder Ruß), oder Thixotropiermittel (z.B. Bentone, pyrogene Kieselsäuren, Harnstoffderivate, fibrillierte oder Pulp-Kurzfasern), Farbpasten bzw. Pigmente oder Leitfähigkeitsadditive wie Leitfähigkeitsruße oder Lithiumperchlorat enthalten.
Ggf. können die erfindungsgemäßen Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen noch Weichmacher enthalten, vorausgesetzt, dass diese Weichmacher nicht die Funktionen der übrigen Bestandteile beeinträchtigen. Beispielhaft erwähnt seien die flüssigen Phthalatweichmacher, Weichmacher auf Basis aromatischer Ester wie z.B. Ester der Benzoesäure oder auch feste Weichmacher wie die Dicyclohexylphthalat, Cyclohexandimethanoldibenzoat und dergleichen. Weiterhin können die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen noch Katalysatoren, Stabilisatoren, Antioxidantien, UV-Absorptionsmittel, Wachse oder Haftvermittler (z.B. auf der Basis organofunktioneller Silane) oder migrationsfähige, haftungsverstärkende Polyisocyanate gemäß der Lehre der WO 01/40342 und andere konventionelle Hilfsmittel- und Zusatzstoffe enthalten.
Die Auswahl der einzelnen Komponenten der Klebstoff -Zusammensetzung richtet sich dabei in erster Linie nach den geplanten Anwendungsfeldern für diese Klebstoffe. Generell soll das Umsetzungsprodukt b) und / oder c) in der Klebstoff- Zusammensetzung als sogenanntes Weichsegment dienen, dieses soll die Phasenseparation des Hartsegmentes aus dem Umsetzungsprodukt a) unterstützen. Das Hartsegment wird dabei durch die Polyester-Gruppierung des Polyester-Polyether(Block-)Copolymeren gebildet. Aus diesem Grunde sollte vorzugsweise der Anteil an Terephthalsäure im Carbonsäuregemisch des Polyether-Polyester-Blockcopolymeren mindestens 75 Gew. % des gesamten Carbonsäuregemisches betragen, weiterhin sollte das "Weichsegment" des Polyester-Polyether-Blockcopolymeren vorzugsweise aus Poly-THF, hydroxyfunktionellem Polybutadien bzw. hydriertem hydroxyfunktionellen Polybutadien bestehen.
Gegenüber dem Bekannten Stand der Technik weisen die erfindungsgemäßen Schmelzklebstoffe - Zusammensetzungen die folgenden Vorteile auf:
Nicht reaktive Polyester-Polyether-Blockcopolymere müssen zur Erzielung des gleichen Effektes ein wesentlich höheres Molekulargewicht haben, was zwangsläufig zu einer sehr viel höheren Schmelztemperatur der Schmelzklebstoff- Zusammensetzung führt.
Aufgrund der reaktiven Isocyanatgruppen wird das Polyester-Polyether- Blockcopolymer-Umsetzungsprodukt fest in die Klebstoffmatrix eingebaut, dies führt zu einer höheren Wärmestandfähigkeit und besseren Hydrolysebeständigkeit und besseren Verträglichkeit der erfindungsgemäßen Schmelzklebstoff- Zusammensetzungen.
Bevorzugte erfindungsgemäße Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen enthalten die folgenden Bestandteile:
1. 5 bis 50 Gew.%, vorzugsweise 5 bis 30 Gew.%, besonders bevorzugt 10 bis 20 Gew.% des Umsetzungsproduktes aus einem Polyisocyanat und dem Polyester-Polyether-Blockcopolymeren (Komponente a)),
2. 5 bis 60 Gew.%, vorzugsweise 10 bis 40 Gew. % des Umsetzungsproduktes eines Polyisocyanates mit einem Polyester-Polyol und / oder einem Polyether- Polyol (Komponente b) und / oder c)), wobei dieses Umsetzungsprodukt auch aus Mischungen von Polyester-Polyolen und Polyether-Polyolen und Polyisocyanaten hergestellt werden kann,
3. 0 bis 30 Gew.%, vorzugsweise 5 bis 15 Gew.% eines thermoplastischen Polymers gemäß d),
4. 0 bis 60 Gew.%, vorzugsweise 5 bis 40 Gew.% eines klebrigmachenden Harzes sowie
5. ggf. weitere Hilfs- und Zusatzstoffe ausgewählt aus der Gruppe der Füllstoffe, Thixotropiermittel, Farbpigmente, Leitfähigkeitsadditive, Stabilisatoren und Alterungsschutzmittel sowie haftvermittelnde Zusätze, wobei die Summe sämtlicher Zusammensetzungsbestandteile 100 Gew.% ergibt.
Die erfindungsgemäßen Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen eignen sich insbesondere zur Verklebung von flächigen Laminierungen, z.B. Küchenarbeitsplatten in der Möbelindustrie, Caravanseitenteilen und Paneele in der Bauindustrie.
Die nachfolgenden Beispiele sollen die Erfindung näher erläutern, wobei die Auswahl der Beispiele keine Beschränkung des Umfanges des Erfindungsgegenstandes darstellt. Bei den Zusammensetzungen sind dabei alle Mengenangaben Gewichtsteile, wenn nicht anders angegeben.
Beispiele:
1. Ein OH-terminierter Blockcopolyester wurde aus 350 g Butandiol-1 ,4, 1000 g Dimethylterephthalat und 2000 g Poly-THF (Molekulargewicht 1000) hergestellt. Es resultierte ein hydroxyfunktionelles Copolymer mit den folgenden Kennzahlen:
OH-Zahl 7mg KOH/g, Schmelzpunkt 145°C, Viskosität 19 000 mPas bei 190°C (Brookfield-Viskosimeter mit Thermosel® Einrichtung)
2. In gleicher Weise wurden aus 1000 g Dimethylterephthalat, 250 g Isophthalsäure, 450g Butandiol-1 ,4 und 2000 g Poly-THF 1000 durch Kondensationsreaktion ein hydroxyfunktionelles Blockcopolymer mit den folgenden Eigenschaften hergestellt:
OH-Zahl: 11 mg KOH/g, Schmelzpunkt 140°C, Shore-D-Härte14, Shore-A- Härte 75
3. Im gleicher Weise wurde aus 1000 g Dimethylterephthalat,
350 g Butandiol-1 ,4 und 2000 g Poly-THF 1000 ein hydroxyfunktionelles Blockcopolymer mit der OH-Zahl 14 mg KOH/g, Schmelzpunkt 140 °C, Viskosität 24 000 mPa.s bei 190°C, Shore-D-Härte 20, Shore-A-Härte 81 gebildet.
4. Herstellung eines Prepolymers aus Polyester-Polyol und Polyether-Polyol Aus einer Mischung im Gewichtsverhältnis 1 :2 eines teilkristallinen hydroxfunktionellen Polyesters auf Basis Adipinsäure und Hexandiol und Poly-THF (Molekulargewicht 2000) mit 4,4'- Diphenylmethandiisocyanat bei einem NCO-OH-Verhältnis von 2,1 :1 wurde ein Polyurethanprepolymer mit Ester und Ethergruppierungen gebildet.
5. Herstellung eines Schmelzklebstoffes
Ein Poly-α-Methylstyrol (Erweichungspunkt, Ring & Ball 99 °C, Molekulargewicht etwa 1400) wurde in einem Rührkessel auf 190 °C erhitzt, bei dieser Temperatur wurde das Umsetzungsprodukt des Copolyesters mit dem Polyisocyanat gemäß Beispielen 1 bis 3 unter Rühren in dem Poly- α- Methylstyrol vollständig gelöst, anschließend erfolgte unter Rühren bei der gleichen Temperatur die Zugabe eines Ethylen-Vinylacetat-Copolymers (Vinylacetatanteil:.50% Schmelzindex (MFI, ISO 1133): bei 190°C / 21,2 N: 3). Nach Erreichen einer vollständig homogenen Mischung wurde das Prepolymer gemäß Beispiel 4 zugegeben.
Von den so erhaltenen Schmelzklebstoff-Zusammensetzungen sowie dem Vergleichsbeispiel auf der Basis der Lehre der EP 0544672 B1 wurden jeweils die Viskosität, der Anstieg der Viskosität über die Zeit unter Temperaturbelastung sowie die Schälfestigkeit bei 90 °C bestimmt.
Meßmethoden:
Viskosität: nach Brookfield mit Thermosel® Zusatz, Spindel 27, 5 UpM Alterung erfolgte durch Bestimmung der Viskosität über 16 h offen im Brookfield Viskosimeter bei der angegebenen Temperatur.
Schälfestigkeit:
Der Klebstoff wurde auf eine MDF-Prüfplatte (Medium Density Fibreboard) aufgerakelt (150μm). Anschließend wurden direkt Prüfstreifen (2x12 cm,
Kraftpapier) auf den Klebstofffilm aufgebracht. Mittels Silikonpapier wurde ein Teil des Klebstofffilms vorher abgedeckt so dass eine Federwaage oder Klemmbacken der Zugprüfmaschine an die Prüfstreifen befestigt werden konnten.
Die Prüfkörper wurden mit 3 N/cm2 Druck für 10 sek. verpresst.
Im Trockenschrank wurden diese bei 90°C für 5 min bzw. 30 min gelagert und die
Schälfestigkeit entsprechend bestimmt
Schmelzpunkt: Mittels Kofier Heizbank
Die Versuchsergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt.
Kristallex F 100: Poly-α-methylstyrol (Erweichungspunkt 99 °C, MW 1400, Fa. Eastman)
Levamelt 500: Ethylen-Vinylacetat-Copolyrner (Fa. Bayer)
Hytrel 3078: Polyether-Ester-Block-Copolymer, MFI (Meet Flow Index): 5,0 g/10 min bei 190 °C und 2,16 kg Gewicht, Fa. Du Pont