erkzeug zum Schneiden von Gewinden
Die Erfindung betrifft ein Werkzeug zum Schneiden von Gewinden gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Ein derartiges Werkzeug ist beispielsweise aus der DE 36 35 655 AI bekannt. Dieses als Gewindebohrer ausgebildete Gewindeschneidwerkzeug trägt an seinem Kopf mehrere über den Umfang verteilt angeordnete Gewindeschneideinsätze, die radial ausgerichtet sind. Um den Gewindebohrer als Mehrzweckwerkzeug für die Herstellung verschiedenartigster Gewinde verwenden zu können und um im Falle einer Abnutzung nur eine Teilerneuerung vornehmen zu müssen, sind die Schneideneinsätze durch Spannschrauben auswechselbar gehalten und tragen an ihren außenliegenden Stirnseiten ein Gewindeprofil.
Ferner ist aus der DE 43 25 999 C2 ein rundlaufendes Schneidwerkzeug bekannt, das pro Schneidenebene vier über den Umfang verteilt angeordnete Schneidplatten aufweist . Auch bei diesem Schneidwerkzeug sind die Schneidplatten mit Spannschrauben am Werkzeugkörper lösbar, aber fest angeordnet. Allerdings dient dieses Werkzeug nicht zum Anfertigen von Bohrungen mit Gewinde.
Aus der DE 42 14 355 AI ist ferner ein Schneidwerkzeug bekannt, an dessen Kopf eine Gewindeschneidplatte mittels einer Spannschraube befestigbar ist. Die Gewindeschneidplatte weist dabei bis zu drei Schneidkanten auf, von denen jeweils eine bis zu ihrem Verschleiß verwendet wird.
Schließlich ist aus der DE 100 18 861 AI noch ein Befestigungssystem für einen Schneidkörper an einem Werkzeug bekannt, bei dem statt der üblichen Spannschraube ein spezielles Klemmelement Verwendung findet . Genau wie der erfindungsgemäße Gewindeschneider gemäß Patentanspruch 1 ist auch dieses Werkzeug mit zwei über den Umfang verteilten Schneidplatten versehen, die beim nach der DE 100 18 861 AI bekannten Werkzeug allerdings in unterschiedlichen Axialebenen angeordnet sind.
Bezüglich ihres vorgesehenen Verwendungszwecks haben sich die oben genannten Werkzeuge insoweit bewährt. Ausgangspunkt der Erfindung ist der Herstellungsprozess von Innengewinden an Vollkörpern mit wahlweise Durchgangs- oder Sackbohrung sowie auch von Außengewinden an Bolzen oder dergleichen. Zur Herstellung beispielsweise eines Innengewindes sind üblicher Weise folgende Arbeitsschritte erforderlich:
Zunächst wird beispielsweise mit einem Vollbohrer eine Bohrung in das Werkstück eingebracht. Als nächstes wird mit Hilfe eines sogenannten Stechstahls der Gewindeanschnitt und -auslauf eingedreht. Danach wird mit einem Gewindeschneidstahl ein Gewinde in die Bohrung geschnitten. Schließlich wird nochmals mit dem Stechstahl der Gewindeanschnitt und -auslauf entgratet . Bei Bedarf wird auch das Gewinde selbst nochmals mit dem Gewindeschneidstahl überdreht.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Werkzeug der eingangs genannten Art bereitzustellen, mit dessen Hilfe sich der am Beispiel eines Innengewindes beschriebene Gewinde- schneidprozess vereinfachen läßt.
Diese Aufgabe ist mit einem Werkzeug zum Schneiden von Gewinden der eingangs genannten Art durch die im Kennzeichen des Patentanspruchs 1 genannten Merkmale gelöst.
Nach der Erfindung ist also vorgesehen, am Werkzeugkörper eine speziell zum Entgraten und zum Einbringen des Gewindeanschnitts und -auslaufs ausgebildete Stech- bzw. Schneidplatte vorzusehen, die wechselweise zur Gewindeschneidplatte zum Einsatz kommt. Bezogen auf den oben beschriebenen Ablauf vereinfacht sich die Herstellung des Innengewindes also wie folgt (entsprechend übertragen gilt dies auch für ein Außengewinde) :
Zunächst wird ebenfalls beispielsweise mit einem Vollbohrer eine Bohrung in das Werkstück eingebracht. Als nächstes wird mit der am erfindungsgemäßen Werkzeug befestigten Stechplatte
bzw. mit deren schräg verlaufenden Schneidenabschnitten der Gewindeanschnitt und -auslauf in das Werkstück eingedreht. Zur Einbringung des Gewindes wird das erfindungsgemäße Werkzeug dann wahlweise gedreht oder quer zur Werkzeuglängsachse verschoben (je nach dem ob mit feststehendem Werkzeug und drehendem Werkstück oder umgekehrt gearbeitet wird) , so dass der Gewindeschneidstahl mit dem Werkstück in Eingriff kommt. Mit diesem wird dann ein Gewinde in die Bohrung geschnitten. Schließlich werden, und zwar ohne jeden Werkzeugwechsel, nach nochmaligem Umstellen des Werkzeugs der Gewindeanschnitt, der Gewindeauslauf aber auch das Gewinde selbst mit der Stechplatte entgratet, wobei zur Feinentgratung erforderlichenfalls auch nochmals der Gewindeschneidstahl zum Einsatz kommt.
Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Werkzeugs enfallen also schon in dessen einfachster Ausführungsform zwei Werkzeugwechselzeiten, da für verschiedene Bearbeitungsschritte ein einziges Werkzeug (mit mindestens zwei verschiedenen Schneiden) verwendet werden kann und der üblicherweise eingesetzte, die Werkzeuge aufnehmende Revolver nicht mehr gedreht werden muss, was auch zusätzlich zu einer Verringerung an MaßSchwankungen und zu einem zusätzlichen Werkzeughalteplatz am Revolver der Werkzeugmaschine führt.
Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen, die nachfolgend noch genauer erörtert werden.
Das erfindungsgemäße Werkzeug einschließlich seiner vorteilhaften Weiterbildungen gemäß der abhängigen Ansprüche wird nachfolgend anhand der zeichnerischen Darstellung eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigt
Fig. 1 in Vorderansicht das Werkzeug mit der erfindungsgemäßen Stechplatte;
Fig. 2 in vergrößerter Darstellung die Stechplatte gemäß Fig. 1;
Fig . 3 das Werkzeug gemäß Fig. 1 in Draufsicht;
Fig . 4 in Rückansicht das Werkzeug gemäß Fig. 1 mit einer drei Schneiden aufweisenden Gewindeschneidplatte;
Fig . 5 einen unbearbeiteten Vollkörper;
Fig . 6 teilweise geschnitten den Vollkörper gemäß Fig.5 mit einer Sackbohrung;
Fig . 7 teilweise im Schnitt der Vollkörper gemäß Fig. 6 mit einem in die Bohrung eingedrehten Geweinde;
Fig . 8 der Vollkörper gemäß Fig. 7 mit Gewindeanschnitt und -auslauf nach Einsatz der erfindungsgemäßen Stechplatte; und Fig. 9 in vergrößerter Darstellung die Stechplatte zur Herstellung des Gewindeanschnitts und -auslaufe in Fig. 8.
In den Figuren 1 bis 4 ist das erfindungsgemäße Werkzeug zum Schneiden von Gewinden (auch konische Gewinde) in Vorder-, Drauf- und Rückansicht dargestellt. Das Werkzeug umfasst einen bolzenförmigen Werkzeugkörper 1, der vorzugsweise im wesentlichen zylindrisch ausgebildet ist, aber an mindestens einer Stelle eine von der Zylinderform abweichende Ausprägung aufweist, um einen guten Formschluss des Werkzeuges mit dem An¬ triebselement zu gewährleisten. Das Werkzeug weist darüber hinaus einen an mindestens einem Ende vorgesehenen Werkzeuganordnungsbereich 2 auf, an dem über den Umfang verteilt mindestens zwei Bereiche 3, 4 zur Aufnahme von Schneidplatten 5, 6 vorgesehen sind. Ferner ist vorteilhaft vorgesehen, dass der Werkzeuganordnungsbereich 2 in Form eines gewindedurchmesser- angepaßten Absatzes mit den Bereichen 3, 4 zur Aufnahme der Schneidplatten 5, 6 ausgebildet ist. Diese Schneidplatten 5, 6 sind mittels Spannelementen 7 an den wie Auflagerflächen ausgebildeten Bereichen 3, 4 lösbar, aber fest angeordnet, wobei die Spannelemente 7 vorzugsweise in Form von die Schneidplatten 5, 6 durchgreifenden Schrauben ausgebildet sind, die je¬ weils in in den Bereichen 3, 4 zur Aufnahme der Schneidplatten 5, 6 vorgesehene Gewinde eingreifen. Mindestens eine der Schneidplatten 5, 6 ist als Gewindeschneidplatte ausgebildet. Diese Schneidplatte 5 ist ferner, wie dargestellt, vorzugsweise mit mehreren Schneiden (hier drei) versehen, um bei Abnut-
zung zumindest nicht sofort vollständig ausgetauscht werden zu müssen.
Wesentlich für das erfindungsgemäße Werkzeug ist nun, dass mindestens eine weitere, als sogenannte Stechplatte ausgebildete Schneidplatte 6 einen der Gewindelänge entsprechenden Bereich und beidseitig dieses Bereiches jeweils zusätzliche, schräg zur Gewindesachse verlaufende Schneidenabschnitte 9, 10 zur Erzeugung eines Gewindeanschnitts und -auslaufs aufweist. Dabei ist der genannte Bereich, wie dargestellt, vorzugsweise als parallel zur Gewindeoberfläche verlaufender Schneidenabschnitt 8 zum Entgraten des Gewindes ausgebildet.
Mit Verweis auf Fig. 2 ist insbesondere zur Herstellung eines guten Übergangs zwischen Vollkörper und Gewinde vorteilhaft vorgesehen, dass die schräg zur Gewindeachse verlaufenden Schneidenabschnitt 9, 10 an der Stechplatte 6 jeweils einen Winkel zwischen 30° und 60°, vorzugsweise 45°, mit der Gewindeachse einschließen. Darüber hinaus ist für spezielle Gewindegeometrien vorgesehen, dass an der Stechplatte 6 mindestens an einer Seite neben den Schneidenabschnitten 8, 9, 10 ein weiterer Schneidenabschnitt 11 zur Bearbeitung des Bereiches neben dem Gewinde angeordnet ist .
Wie insbesondere aus Fig. 3 ersichtlich, ist vorgesehen, die Bereiche 3, 4 zur Aufnahme der Schneidplatten 5, 6 an gegenüberliegenden Seiten des Werkzeugkörpers 1 anzuordnen (hier 180°), wobei die Schneidplatten 5, 6 zur Realisierung eines günstigen Schneidwinkels vorzugsweise zueinander in einem einen Winkel von 165° bzw. 195° angeordnet sind (nicht dargestellt) .
Um das Werkzeug vor Überhitzung und damit vor Beschädigung zu bewahren, ist, wie dargestellt, am Werkzeugkörper 1 eine Kühl- und/oder Schmiermittelzuführung 12 vorgesehen, wobei jeweils eine Austrittsöffnung 13, 14 für das Schmier- und/oder Kühlmittel in den Bereichen 3, 4 zur Aufnahme der Schneidplatten 5, 6 angeordnet ist.
In den Figuren 5 bis 8 ist ein Anwendungsbeispiel des erfindungsgemäßen Werkzeugs dargestellt:
Fig. 5 zeigt dabei zunächst einen bezüglich des vorzusehenden Gewindes unbearbeiteten Vollkörper. In diesen wird gemäß Fig. 6 mit einem Bohrer eine für das vorgesehene Gewinde geeignete Bohrung eingebracht. Dabei und auch bei allen weiteren Bearbeitungsschritten kann entweder das Werkzeug oder das Werkstück gedreht werden, denn entscheidend für die Bearbeitung ist allein die Relativbewegung zwischen Werkzeug und Werkstück.
Fig. 7 zeigt den Vollkörper mit Bohrung, in die bereits mit der Gewindeschneidplatte 5 ein Gewindegang eingeschnitten worden ist. Dieses Gewinde ist aber noch nicht entgratet und aus- serdem fehlen diesem Gewinde Anschnitt und Auslauf, d. h. das Einschrauben einer passenden Schraube wäre in diesem Bearbeitungszustand noch nicht gut möglich, zumal darüber hinaus die Gefahr besteht, sich an den scharfkantigen Gewinderändern zu verletzen.
Dieses Problem wird durch den nächsten Bearbeitungsschritt mit der erfindungsgemäßen Stechplatte 6 gelöst. Wie aus Fig. 8 zu erkennen, weist das Gewinde gemäß Fig. 7 nunmehr einerseits einen Gewindeanschnitt und andererseits einen Gewindeauslauf auf, wobei ersterer mittels des Schneidenabschnittes 10 und zweiterer mittels des Schneidenabschnittes 11 der in Fig. 9 dargestellten Stechplatte 6 erzeugt wurde. Darüber hinaus ist das Gewinde gemäß Fig. 7 mittels des Schneidenabschnittes 8 entgratet worden, was zeichnerisch nicht genauer darstellbar ist .
Die Stechplatte 6 gemäß Fig. 9 unterscheidet sich im übrigen von der gemäß Fig. 2 darin, dass der zusätzliche Schneidenabschnitt 11 rechtwinklig ausgebildet ist, d. h. dieser erzeugt, wie in Fig. 8 dargestellt, einen zylindrischen Abschluss am Gewindeauslauf .
Bezugs zeichenliste
1 Werkzeugkörper
2 Werkzeuganordnungsbereich
3 Bereich für Schneidplatte
4 Bereich für Schneidplatte
5 Schneidplatte
6 Schneidplatte
7 Spannelement
8 Schneidenabschnitt
9 Schneidenabschnitt
10 Schneidenabschnitt
11 Schneidenabschnitt
12 Kühlmittelzuführung
13 Austrittsöffnung
14 Austrittsöffnung