Motorrad mit Rückhalteeinrichtunq
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Motorrad mit einer Rückhalteeinrichtung gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
Aus der DE 198 36 304 A1 ist eine Rückhalteeinrichtung für Motorradfahrer bekannt. Bei dem dort beschriebenen System ist der Motorradfahrer über einen Gurt, der am Motorradanzug befestigt ist, mit dem Motorrad verbunden. Diese Rückhalteeinrichtung soll den Motorradfahrer beim Bremsen bzw. Beschleunigen am Motorrad halten. Bei einem Sturz bzw. Unfall, bei dem eine vorgegebene Gurtzugkraft überschritten wird, öffnet sich der Schließmechanismus und der Fahrer fliegt über das Motorrad hinweg.
Aufgabe der Erfindung ist es, eine Rückhalteeinrichtung zu schaffen, die dem Motorradfahrer eine verbesserte passive Sicherheit bietet.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
Die Erfindung geht von einem Motorrad mit einer Rückhalteeinrichtung für den Motorradfahrer bzw. für den Sozius aus, bei der der Motorradfahrer bzw.
der Sozius über ein Verbindungselement mit dem Motorrad verbunden ist. Während einer ersten Phase eines Auffahrunfalls wird der Motorradfahrer durch das Verbindungselement am Motorrad gehalten. Das Verbindungselement übt dabei eine „Rückhaltekraft" aus, die der Trägheitskraft des Motorradfahrers entgegenwirkt.
Der Kern der Erfindung besteht darin, dass das Verbindungselement während der ersten Phase kinetische Energie des Motorradfahrers abbaut. Wesentlich hierbei ist, dass der Motorradfahrer durch das Verbindungs- element nicht vollkommen fest mit dem Motorrad verbunden ist. Vielmehr ist das Verbindungselement so konzipiert bzw. am Motorrad angeordnet, das es während der ersten Phase eine Relativverschiebung des Motorradfahrers relativ zum Motorrad ermöglicht. Durch die Relativverschiebung des Motorradfahrers entgegen der Rückhaltekraft des Verbindungselements wird Arbeit verrichtet, d.h. kinetische Energie des Motorradfahrers abgebaut. Anschließend wird aus Sicherheitsgründen das Verbindungselement ohne Zutun des Motorradfahrers gelöst.
Vorzugsweise handelt es sich bei dem Verbindungselement um einen Rück- haltegurt mit Aufrollautomatik, der an der Kleidung des Motorradfahrers festschnallbar ist. Ähnlich wie bei einem Sicherheitsgurt aus dem PkW-Be- reich kann vorgesehen sein, dass der Rückhaltegurt im „normalen angeschnallten" Zustand durch Aufbringen einer relativ geringen „Ausziehkraft" ausziehbar ist und somit dem Motorradfahrer im angeschnallten Zustand eine weitgehend ungehinderte Bewegungsfreiheit auf dem Motorrad ermöglicht.
Bei Vorliegen eines Auffahrunfalls wird der Rückhaltegurt während der ersten Phase des Auffahrunfalls durch eine „Feststelleinrichtung" gegen weiteres „ungehindertes Ausziehen" gesichert. Während der ersten Phase des Auffahrunfalls kann der Rückhaltegurt zwar weiter „ausgezogen" werden. Die
hierfür erforderliche Kraft ist jedoch wesentlich größer als die „normale" Ausziehkraft. Die Anordnung ist vorzugsweise so ausgelegt, das ein Ausziehen durch die Trägheitskraft des Motorradfahrers möglich ist.
Bei der Feststelleinrichtung kann es sich um eine rein mechanische Feststelleinrichtung handeln, ähnlich wie bei Sicherheitsgurtsystemen im Pkw- Bereich. Vorzugsweise handelt es sich jedoch um eine durch eine Elektronik ansteuerbare Feststelleinrichtung, was den Vorteil hat, dass „Ausziehkennlinien" elektronisch hinterlegt sein können.
Der Begriff „Ausziehen" ist sehr breit zu verstehen. Denkbar ist eine Anordnung mit einem Gurtaufwickler, der in der ersten Phase des Auffahrunfalls mit einer relativ großen Kraft, d.h. durch die Trägheitskraft des Motorradfahrers weiter abwickelbar ist. Alternativ dazu könnte aber auch ein Gurt- abwickler vergesehen sein, der in der ersten Phase drehgesperrt ist und der entgegen einer Federkraft verschiebbar am Motorrad angeordnet ist.
Nach einer Weiterbildung der Erfindung ist eine Crashsensorik vorgesehen, die anhand eines oder mehrerer Fahrzustandsparameter erkennt, ob ein Auffahrunfall vorliegt.
Vorzugsweise wird das Verbindungselement durch die Elektronik gesteuert gelöst. Hierzu kann zwischen dem motorradseitigen Ende des Verbindungselementes und dem Motorrad ein „elektronisch ansteuerbarer" Auslöse- mechanismus vorgesehen sein. Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass der elektronisch auslösbare Auslösmechanismus nach einer vorgegebenen Zeitdauer nach Erkennen eines Auffahrunfalls geöffnet wird. Alternativ oder ergänzend dazu kann vorgesehen sein, dass das Verbindungselement in Abhängigkeit von der Neigung des Motorrads gelöst wird. Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass das Verbindungselement gelöst wird, wenn das Motorrad einen vorgegebenen Kippwinkel um eine Querachse überschreitet,
das heißt wenn die Gefahr besteht, dass sich das Motorrad nach vorne überschlägt. Alternativ oder ergänzend dazu kann vorgesehen sein, dass das Verbindungselement gelöst wird, wenn das Motorrad droht, seitlich umzukippen, das heißt wenn der seitliche Kippwinkel des Motorrads einen vorge- gebenen Wert überschreitet.
Entscheidend kann die passive Sicherheit durch einen Airbag verbessert werden, der im Lenkerbereich des Motorrads angeordnet ist und der bei einem Auffahrunfall auslöst. Der Motorradfahrer wird also durch das Ver- bindungselement zunächst am Motorrad gehalten und durch den Airbag vor einem Aufprall auf den Vorderbau des Motorrads geschützt.
Im folgenden wir die Erfindung im Zusammenhang mit der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 ein Motorrad in Seitenansicht mit einer Rückhalteeinrichtung gemäß der Erfindung;
Figur 2 einen möglichen Kraftzeitverlauf am Verbindungselement.
Figur 1 zeigt ein Motorrad 1 , bei dem im Bereich des Lenkers 2 ein hier nur schematisch dargestellter Airbag 3 vorgesehen ist. Der Airbag 3 wird ausgelöst, wenn durch eine Crashsensorik und eine Elektronik erkannt wird, dass das Motorrad 1 einen Unfall hat.
Ferner ist schematisch ein Fahrer 4 dargestellt. Der Motorradanzug des Fahrers 4 ist über ein hier nur schematisch dargestelltes Verbindungselement bzw. über einen Rückhaltegurt 5 an der Sitzbank 6 des Motorrads 1 festgeschnallt.
Zur Verbindung des Fahrers 4 mit dem Rückhaltegurt 5 kann beispielsweise am Motorradanzug des Fahrers eine Schnalle, Gurtschloss oder ähnliches vorgesehen sein. In normalen Fahrsituationen kann der Rückhaltegurt 5 ähnlich wie der Sicherheitsgurt bei einem Pkw mit einer sehr geringen Aus- ziehkraft ausgezogen werden. In normalen Fahrsituationen kann sich also der Fahrer im angeschnallten Zustand im wesentlichen ungehindert auf dem Motorrad bewegen.
Figur 2 zeigt ein mögliches Kraftzeitdiagramm der Auszugskraft des Ver- bindungselementes. Angenommen das Motorrad fahre im Zeitpunkt T=0 auf ein Hindernis auf. Dann dauert es eine gewisse Zeitspanne, bis die Crash- sensorik bzw. Elektronik erkennt, dass eine Auffahrunfall vorliegt. Anschließend wird entweder rein mechanisch, ähnlich wie bei den meisten Pkw- Sicherheitsgurtsystemen, oder alternativ dazu elektronisch gesteuert der Rückhaltegurt im Zeitpunkt Ti gesperrt.
„Sperren" bedeutet hier, dass der Rückhaltegurt nicht mehr mit der relativ geringen Ausziehkraft wie im Normalzustand ausgezogen werden kann. Jedoch kann der Rückhaltegurt durch die wesentlich größere Trägheitskraft des Motorradfahrers ausgezogen werden. In Figur 2 ist eine entsprechende lineare Kennlinie dargestellt. Der Rückhaltegurt wird im „gesperrten" Zustand zwischen den Zeitpunkten Ti und T durch die Trägheitskraft des Fahrers weiter ausgezogen. Dabei wird der Fahrer abgebremst, das heißt es wird kinetische Energie abgebaut. Im Zeitpunkt T2 löst der Rückhaltegurt aus. „Auslösen" bedeutet, dass die Verbindung zwischen dem Fahrer und dem Motorrad getrennt wird, zum Beispiel durch einen mechatronischen Auslösemechanismus, durch ein elektrisch ansteuerbares Gurtschloss oder ähnliches. Ab dem Zeitpunkt T2 ist der Fahrer nicht mehr am Motorrad „festgehängt".
Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die „Ausziehkennlinie" des Rückhaltegurtes nicht unbedingt, wie in Figur 2 dargestellt, einen linearen Verlauf haben muss. Vielmehr sind beliebige andere Verläufe denkbar, zum Beispiel progressive oder degressive Kraft-Zeit- Verläufe. Wesentlich ist, dass kontrolliert Bewegungsenergie abgebaut wird.