WÄRME- UND TRITTSCHALLDÄMMSTOFF MIT GERINGEN BINDEMITTELGEHALTEN
10 Technisches Gebiet Die Erfindung betrifft Dämmstoffe für Wärme- und Trittschalldämmung, welche auf Basis von Schaumstoffgranulaten und zementösen Bindemitteln formuliert werden.
15 Stand der Technik Wärme- und Trittschalldämmungen sind im modernen Gebäudebau sehr wichtig. Es ist bekannt, dass Schaumstoffe gute Dämmeigenschaften aufweisen. Weit verbreitet sind Schaumstoffe auf Basis von Polystyrol oder Polyurethan, sowie Steinwoll- oder Mineralwolleplatten. Üblicherweise werden
20 diese Platten anschliessend mit einer Deckschicht, zum Beispiel erdfeucht verarbeitetem Unterlagsmörtel, beziehungsweise Beton, („Estrich" genannt) oder Fliessestrichen oder Plattenkonstruktionen (Holz, etc.), als Tragschicht überdeckt. Der Unterbau unter diesen Tragschichten besteht daher hauptsächlich im Moment aus zwei separat zu verarbeitenden Teilen. Zuerst
25 wird eine Schüttung beispielsweise aus Splitt (gebunden oder ungebunden) als Niveauausgleich eingebracht, dann werden Platten sehr aufwendig durch Zuschneiden verlegt. Um dies zu umgehen, wurden deshalb Anstrengungen gemacht, fugenlose Dämmstoffe auf Zementbasis und Schaumstoffgranulate zu entwickeln, die durch Wasser gehärtet werden. Da hierfür jedoch die
30 Schaumstoffgranulate durch die Zementmatrix verfestigt werden müssen, weist ein solcher Dämmstoff, welcher lediglich auf einem Zementbindemittel aufgebaut ist, einen sehr hohen Zementgehalt und dadurch bedingt, neben einem hohen spezifischen Gewicht, eine sehr schlechte Wärme- und
Trittschalldämmung auf. Üblicherweise sind hier Mindestbindemittelgehalte von 120 kg Zement pro m3 notwendig, um ausreichende Tragkraft zu erreichen. Es wurde deshalb versucht den Zementgehalt zu reduzieren. So wurde in DE 3345550 A1 gefunden, dass der Zusatz von hydrolysierter Kieselsäure eine solche Reduktion des Zementes in einem Polystyrol enthaltenden Wärmedämmputz für die Aussenseite von Gebäuden erlaubt. EP 0 819 662 beschreibt einen Dämmstoff zur Wärme- und Trittschalldämmung eines Bodens, der neben einem Schaumstoffgranulat und einem zementösen Bindemittel einen Anteil von amorpher Kieselsäure von wenigstens 10 Gew.-%, bezogen auf den Zement, aufweist. Die Wirkungsweise wird hierbei durch die puzzolane Wirkung der eingesetzten Kieselsäure erklärt. Diese mineralischen Bindemittel des Standes der Technik ermöglichen realistischerweise eine Reduktion des Bindemittelgehalts auf lediglich 60 kg und mehr pro m3 Styroporgranulatschüttung. Diese Schüttungen -ausreichend tragfähig ausgeführt- sind relativ starr und weisen nach dem Erhärten eine dynamische Steifigkeit vor Begehung zwischen 40 und 60 MN/m3 auf und zeigen daher nur eine mittlere Trittschallminderung. Im Gegensatz zu den hoch zementhaltigen Schüttungen (100 kg und mehr) brechen jedoch beim direkten Begehen vor der Applikation des Zementestrichs die zementösen Bindungen zwischen den Granulatkörnern teilweise und die Schüttung setzt sich und erweicht. Für die Bestimmung der Dämmeigenschaften werden einerseits die Wärmeleitfähigkeit [W/mK] und andererseits die Trittschallminderung [dB], beziehungsweise, damit verbunden, die dynamische Steifigkeit [MN/m3] ermittelt. Gebundene Granulatschüttungen gemäss dem Stand der Technik weisen typischerweise Wärmeleitfähigkeiten von grösser 0.044 W/mK und dynamischen Steifigkeiten von ca. 20 MN/m3 nach Belastung auf. Wünschenswert sind daher Systeme, die mit deutlich verbesserter Bindekraft und verbessertem Rückstellverhalten gleichwertige oder bessere Wärme- und Trittschalleigenschaften aufweisen, und damit in der Anwendung deutlich sicherer sind.
Darstellung der Erfindung Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es Dämmstoffe auf Basis eines zementösen Bindemittels zu entwickeln, die einen möglichst geringen
Anteil an Zement aufweisen und trotzdem nach Aushärtung mit Wasser eine grosse Eigenfestigkeit sowie exzellente Wärme- und Trittschalldämmung, insbesondere auch nach erfolgter mechanischer Belastung, aufweisen. Es wurde gefunden, dass dies durch eine Dämmstoffzusammensetzung erreicht wird, die neben einem polymeren geschlossenzelligen Schaumstoffgranulat und einem zementöses Bindemittel zusätzlich mindestens ein Wasserruckhaltemittel und mindestens einen Dispersionskunststoff umfasst. Überraschenderweise wurde gefunden, dass diese Verbesserung gegenüber dem Stand der Technik durch den kombinierten Einsatz der
Inhaltsstoffe erreicht wird. Insbesondere als einzigartig wurde eine synergistische Wirkung von Wasserruckhaltemittel und Dispersionskunststoff gefunden. Es hat sich gezeigt, dass die erfindungsgemässe ausgehärtete
Dämmstoffzusammensetzung im Vergleich zum Stand der Technik stark elastifiziert ist, was sich in einem erhöhten Rückstellverhalten äussert, da die Bindungen zwischen den Schaumstoffkugeln unter üblicher Belastung nicht mehr brechen. Die Erhöhung der Elastizität des ausgehärteten Dämmstoffes geht mit exzellenten Dämmeigenschaften gegenüber Wärme- oder Trittschallenergie einher. Bei Belastung eines solchen elastifizierten Dämmstoffes, wie sie zum Beispiel durch Begehen eines Estrichbodens erfolgen, bleiben - trotz einem stark verringertem Zementanteil - die Bindekräfte innerhalb des Dämmstoffs bedeutend länger erhalten.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen Im folgenden werden anhand der Zeichnungen Ausführungsbeispiele der Erfindung näher erläutert. Gleiche Elemente sind in den verschiedenen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
Fig. 1 einen Estrichbodenaufbau im Querschnitt im Wandbereich
Fig. 2 einen Estrichbodenaufbau im Querschnitt mit Leitungen
Fig. 3 ein Messdiagramm eines Dämmstoffprobekörpers
Fig. 4 die Messanordnung für die Bestimmung der dynamischen Steifigkeit Fig. 5 die schematische Messanordnung gemäss Fig.4
Weg zur Ausführung der Erfindung Die vorliegende Erfindung betrifft eine Dämmstoffzusammensetzung zur Trittschall- und Wärmedämmung, umfassend ein polymeres geschlossen- zelliges Schaumstoffgranulat, ein zementöses Bindemittel sowie mindestens ein Wasserruckhaltemittel und mindestens ein Dispersionskunststoff.
Die Dämmstoffzusammensetzung enthält ein zementöses Bindemittel, welches zumindest einen Zement, insbesondere mindestens einen Zement gemäss Euronorm EN 197, enthält. Bevorzugt sind Portlandzemente, Sulfo- alumiπatzemente und Tonerdeschmelzzemente, insbesondere Portlandzement. Mischungen von Zementen können zu besonders guten Eigenschaften führen. Besonders geeignet sind Mischungen von mindestens einem Portlandzement mit mindestens einem Sulfoaluminatzement oder mindestens einem Tonerdeschmelzzement. Für eine schnelle Aushärtung kommen vor allem zementöse Schnellbindemittel zum Einsatz, die vorzugsweise mindestens einen Tonerdeschmelzzement oder eine andere Aluminatquelle, wie beispielsweise aluminatspendende Klinker, und gegebenenfalls Calciumsulfat, in Form von Anhydrit, Halbhydrat- oder Dihydratgips; und/oder Calciumhydroxid enthalten.
Der Anteil des Zementes ist mit 100 kg/m3 der mit Wasser angemachten Dämmstoffstoffzusammensetzung nach oben begrenzt. Das zementöse Bindemittel kann weiterhin Bestandteile ausgewählt aus der Gruppe der Gipse und Calciumhydroxid enthalten.
Die Dämmstoffzusammensetzung enthält weiterhin ein polymeres geschlossenzelliges Schaumstoffgranulat. Dieses Schaumstoffgranulat weist
vorzugsweise eine Schüttdichte zwischen 10 und 20 kg/m3, insbesondere zwischen 12 und 18 kg/m3 auf. Bevorzugt sind Polystyrolgranulate, insbesondere recyclierte Polystyrolgranulate. Üblicherweise wird das Schaumstoffgranulat derart eingesetzt, dass das Verhältnis des Schaumstoffgranulats zu Zement zwischen 20 Gew.-% und
120 Gew.-% liegt. Bevorzugt liegt dieses Verhältnis zwischen 30 Gew.-% und
100 Gew.-%, insbesondere zwischen 50 Gew.-% und 75 Gew.-%. Besonders bevorzugt ist ein Verhältnis von 60 bis 75 Gew.-%. Es versteht sich, dass es unter gewissen Umständen von Vorteil sein kann, mehrere verschiedene polymere geschlossenzellige Schaumstoffgranulate einzusetzen, sowohl in Bezug auf deren chemische Zusammensetzungen als auch in Bezug auf deren mittleren Partikeldurchmesser. Die eingesetzten Schaumstoffgranulate weisen stets eine gewisse Partikelgrössen- Verteilung auf. Üblicherweise liegt die Partike Ig rosse zwischen 0 und 8 mm. Vorzugsweise ist der Anteil unter 1 mm geringer als 10 Gew.-% und der Anteil über 2 mm bei über 75 Gew.-%, da der Bindemittelbedarf durch kleinere Partikel zusätzlich erhöht wird.
Die Dämmstoffzusammensetzung enthält weiterhin mindestens ein Wasserruckhaltemittel. Ein „Wasserruckhaltemittel" wird in dieser gesamten Schrift wie folgt definiert: Ein Wasserruckhaltemittel ist im Sinne dieses Patentes eine Substanz, welche nach einer modifizierten Wolf-Il-Methode, wie im Folgenden erklärt, ein Wasserrückhaltevermögen aufweist: - von mehr als 85 % für ein organisches Wasserruckhaltemittel bei einem Wasser/Zement-Verhältnis (="w/z") von 0.7 - von mehr als 33% für ein anorganisches Wasserruckhaltemittel bei einem w/z von 0.4 - von mehr als 85 % bei einem w/z von 0.7 für eine Mischung von organischen und anorganischen Wasserruckhaltemittel: Es wird auf einer ebenen Glasplatte ein Zellulosefilterpapier (Schleicher & Schuell, D-37582 Dassel, Nr. 2294 0 11 cm), dann ein dünnes Zellulosevlies (Schleicher & Schuell, D-37582 Dassel, Nr. 0980/1 0 11 cm)
aufgelegt und darauf ein Plastikring (Innendurchmesser 90 mm und Höhe 15 mm) gelegt. Der Zementleim wird durch Mischen während 3 Minuten mit einem Kunststoffspatel von Zement (Milke Cem I 52.5 R Werk Geseke), Wasser, entsprechend einem gewichtsbezogenen Wasser/Zement-Verhältnis (="w/z") von 0.7, beziehungsweise 0.4, und der jeweils als Wasserruckhaltemittel zu testenden Substanz hergestellt und sogleich bündig mit der Oberkante in den Ring eingefüllt (Bedarf ca. 180g Zementleim). Die Dosierung der zu testenden Substanz muss für diesen Test zwischen 0.4 Gew.-% und 5 Gew.-% für ein organisches Wasserruckhaltemittel und zwischen 12 Gew.-% und 15 Gew.-% für ein anorganisches Wasserruckhaltemittel betragen. Für eine Mischung von anorganischen und organischen Wasserrückhaltemitteln beträgt für diesen Test die Dosierung zwischen 0.4 Gew.-% und 5 Gew.-% für das organische Wasserruckhaltemittel und zwischen 12 Gew.-% und 15 Gew.-% für das anorganisches Wasserruckhaltemittel. Nach 3 Minuten Einwirkdauer ab Ringbefüllung wird die Wasserabgabe an das Zellulosefilterpapier durch Differenzwiegung desselben vor und nach der Wasseraufnahme ermittelt und jeweils auf 100g Zementleim rückgerechnet. Aus der so bestimmten Wasserabgabe mx für die als Wasserruckhaltemittel zu testende Substanz und mref für den Nullversuch, d.h. Zement ohne Substanz, wird das Wasserrückhaltevermögen (WRV) nach der folgenden Formel bestimmt. WRV = ^ m f — m L mref Das Wasserruckhaltemittel kann eine organische oder eine anorganische Verbindung sein. Anorganische Wasserruckhaltemittel lassen sich typischerweise bei den Mehrschichtsilikaten wie Bentonit, Smektit, Montomorillonit, oder auch bei kalzinierten Kaolinen, insbesondere Metakaolin, finden. Als besonders geeignetes anorganisches Wasserruckhaltemittel hat sich Metakaolin erwiesen.Organische Wasserruckhaltemittel lassen sind typischerweise bei Celluloseethern, Methylcellulosen, Hydroxypropylmethyl-
cellulosen, Hydroxyethylcellulosen, Carboxymethylcellulosen, und weiteren Cellulosederivaten, Stärkeethern, Welan Gum oder synthethischen Verdickern wie Polyacrylsäure oder PU-Acrylaten finden. Als besonders geeignet haben sich Hydroxyalkylmethylcellulosen, insbesondere Hydroxypropyl- ethylcellulosen und Hydroxyethylmethylcellulosen gezeigt. Der verwendete Gewichtsanteil der Summe aller Wasserruckhaltemittel hängt stark von den erwünschten Dämm- und mechanischen Eigenschaften der ausgehärteten Dämmstoffzusammensetzung sowie des verwendeten Wasserrückhaltemittels ab und bewegt sich typischerweise zwischen 0.1 und 25 Gew.-%, bezogen auf den Zement. Anorganische Wasserruckhaltemittel werden vorteilhaft in einer Konzentration zwischen 0.2 und 25 Gew.-%, bevorzugt zwischen 0.5 und 9 Gew.- %, insbesondere zwischen 0.5 und 3 Gew.-%, bezogen auf den Zement eingesetzt. Organische Wasserruckhaltemittel werden vorteilhaft in einer Konzent- ration zwischen 0.1 und 9 Gew.-%, bevorzugt zwischen 0.5 und 5 Gew.-%, insbesondere zwischen 1 und 4 Gew.-%, bezogen auf den Zement eingesetzt. Besonders bevorzugt werden organische Wasserruckhaltemittel.
Die Dämmstoffzusammensetzung enthält weiterhin mindestens einen Dispersionskunststoff. Unter einem Dispersionskunststoff wird in der gesamten vorliegenden Schrift ein organisches Copolymer verstanden, welches in einer wässrigen Dispersion oder als redispergierbares Pulver, beispielsweise erhalten durch eine Sprühtrockung einer Dispersion, vorliegt Solche Pulver sind dem Fachmann auch als Kunststoffdispersionspulver bekannt. Dieses Copolymer ist insbesondere ein Copolymer von mindestens zwei, bevorzugt von zwei, unterschiedlichen ethylenisch ungesättigten Monomeren, von welchen mindestens ein Co-Monomer, bevorzugt alle Co-Monomere, ausgewählt sind aus der Gruppe umfassend Ethylen, Butadien, Methacrylsäure, Acrylsäure, Methacrylsaureestern, Acrylsaureestern, Styroi, Vinylacetat und Acrylonitril. Im allgemeinen als geeignet gezeigt haben sich die Copolymere Acryl- säure/Styrol, Methacrylsäure/Styrol, Styrol/Butadien und Vinylacetat Ethylen.
Unter gewissen Umständen ist es jedoch vorteilhaft Vinylacetat-freie Polymere zu verwenden. Besonders bevorzugt sind Acrylsäure/Styrol- und Methacryl- säure/Styrol-Copolymere. Diese Copolymere werden nach den üblichen dem Fachmann bekannten Polymerisationsverfahren hergestellt. Der Dispersionskunststoff weist typischerweise ein Molekulargewicht im Bereich zwischen 30O00 und 10'OOOOOO g/mol, insbesondere zwischen 100O00 und 5O00O00 g/mol, auf. Besonders bevorzugt sind Molekular- gewichte zwischen 200O0O und 2'OOOOOO g/mol. Die Partikel des Dispersionskunststoff sind in einer feinteiligen wässrigen Kunststoffdispersion vorteilhaft zwischen 0.04 bis 0.5 μm, insbesondere zwischen 0.1 bis 0.2 μm, oder in einer grobdispersen wässrigen
Dispersion vorteilhaft zwischen 2 bis 5 μm, und als Kunstoffdispersionspulver 0.5 bis 10 μm nach Redispergierung. Überraschenderweise hat sich weiterhin gezeigt, dass bei gleichbleibender Elastizität der Dämmung höhere Bindefestigkeiten mit Dispersionskunststoffen, die einen geringen elastischen Charakter, also einer hohen Glasumwandlungstemperatur, aufweisen, erreicht werden. Der Dispersionskunststoff wird in einem Anteil von 2 bis 15 Gew.-%
Feststoff bezogen auf den Zement eingesetzt. Besonders bevorzugt sind Mengen des Dispersionskunststoff zwischen 5 und 15 Gew.-%.
Gegebenenfalls weist die Dämmstoffzusammensetzung zusätzlich noch mindestens einen Füllstoff auf, welcher kein geschlossenzelliges Schaumstoffgranulat, kein zementöses Bindemittel, kein Wasserruckhaltemittel und kein Dispersionskunststoff ist und dessen mittlere Teilchengrösse so gewählt ist, dass das Verhältnis mittlere Teilchengrösse des Füllstoffs zu mittlere Teilchengrösse des geschlossenzelligen Schaumstoffgranulates kleiner 1, besonders zwischen 0.01 und 0.5, insbesondere zwischen 0.02 und 0.25 ist. Solche Füllstoffe können elastisch oder starr sein. Bevorzugt sind jedoch elastische Füllstoffe. Als starre Füllstoffe kommen beispielsweise
Glaskugeln, Glashohlkugeln, Blähglaskugeln, Sand, Quarzmehl in Betracht. Als elastische Füllstoffe kommen insbesondere Gummi oder Kautschuk, bevorzugt in Granulat- oder Pulverform, in Betracht. Der Einsatz dieser Füllstoffe ist speziell dann vorteilhaft, wenn ein Dämmstoff mit geringem Anteil an zementösem Bindemittel, typischerweise im Bereich von zwischen 15 und 30 kg pro m3 der Zusammensetzung, erzielt werden soll. Im Falle von grösseren Anteilen an zementösen Bindemitteln, typischerweise einem Bindemittelanteil von mehr als 25 kg pro m3 der Zusam- mensetzung, kann die Dämmstoffzusammensetzung spezielle Feststoffpartikel enthalten, wie zum Beispiel Glimmerplättchen, recycliertes Altreifengranulat, wasseraufnehmende Kunststoff-Fasern, hydrophobe Kunststoffpartikel, wie beispielsweise Fetzen von Polyethylen- oder Polypropylenfolien. Durch diese Partikel können beabsichtigt Sollbruchstellen in das Dämmmaterial eingebracht werden, was zu geringeren dynamischen Steifigkeiten, bis zu 5 MN/m3, und damit zu besseren Dämmeigeπschaften, verglichen mit denselben Zusammensetzungen ohne diese Feststoffpartikel, führt, ohne dass die mechanische Belastbarkeit allzu stark verringert wird. Die Partikelgrösse ist sehr stark abhängig von der individuellen Zusammensetzung beziehungsweise den Produktanforderungen und muss im Einzelfall durch den Fachmann im Rahmen seines Wissens bestimmt, beziehungsweise optimiert, werden. Die Dämmstoffzusammensetzung kann des weiteren noch andere Bestandteile enthalten. Solche Bestandteile sind beispielsweise Pigmente, Flammschutzmittel, UV-Stabilisatoren, Komplexbildner, Erhärtungs- und/oder Abbinde-Beschleuniger, Filmbildehilfsmittel, Erhärtungs- und/oder Abbinde- Verzögerer, Korrosionsinhibitoren, Hydrophobierungsmittel, Luftporen bildner, Entschäumer, Farbstoffe, Tenside, Geruchsstoffe oder Biozide. Es kann unter Umständen weiterhin von Vorteil sein, dass die Dämm- stoffzusammensetzung frei von amorpher Kieselsäure ist. Der Fachmann kann sein Fachwissen über Granulometrie heranziehen, um die Dämmstoffzusammensetzung auf die Teilchengrösse der einzelnen Bestandteile hin zu optimieren.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung hat sich gezeigt, dass das Zufügen von lediglich Dispersionskunststoff zu zementösem Bindemittel und Schaumstoffgranulat nicht den gewünschten Effekt gibt. Zwar wurde gefunden, dass durch die Zugabe von Dispersionskunststoff, sowohl als Pulver oder als wässrige Dispersion, Dämmstoffe mit höheren mechanischen Werten bei Belastung erreicht werden. Dies erforderte jedoch einerseits einen sehr hohen Einsatz an Dispersionskunststoffen, typischerweise von 30 bis zu 200 Gew.-% Dispersionskunststoff, bezogen auf den Zementgehalt. Andererseits wiesen diese so gefertigten Körper nach Aushärtung keine merkliche Verringerung der dynamischen Steifigkeit, d.h. Werte unter 25 MN/m3 auf, und es wurde - damit verbunden- keine markante Verbesserung der Dämmeigenschaften erreicht. Diese hohen dynamischen Steifigkeiten werden durch sehr feste Bindungen zwischen den Granulatkörnern bei gleichzeitiger Versteifung der normaler- weise elastischen Körner durch die dicke, feste Bindemittelschicht rund um die Körner, erklärt. Des weiteren wiesen solche Systeme sehr lange Trockenzeiten von typischerweise mindestens 3 Tagen auf. Schliesslich führte der notwendig hohe Anteil des eingesetzten Dispersionskunststoff zu sehr hohen Kosten der fertigen Dämmstoffzusammensetzung. Aufgrund all dieser Punkte konnte gezeigt werden, dass der Zusatz von lediglich Dispersionskunststoffen unter praxisrelevanten Aspekten keine genügende Verbesserung verglichen mit den Dämmstoffen des Standes der Technik ergibt. Wird lediglich ein Wasserruckhaltemittel zum zementösen Bindemittel und dem geschlossenzelligen polymeren Schaumstoffgranulat hinzugegeben, lassen sich zwar Dämmstoffe mit einem wesentlich kleineren Anteil an Zement als sie aus dem Stand der Technik bekannt sind, realisieren, welche zudem eine akzeptable Festigkeit aufweisen. Es werden aber nicht derart gute Eigenschaften erreicht, wie sie in Kombination von Wasserruckhaltemittel mit Dispersionskunststoff erreicht werden. Erst der kombinierte Einsatz von Wasserruckhaltemittel und
Dispersionskunststoff ermöglicht es, einerseits den Gehalt an Zement noch bedeutend mehr zu reduzieren, beziehungsweise den Gehalt an geschlossen-
zelligen polymeren Schaumstoffgranulaten zu erhöhen, was zu besseren Dämmeigenschaften mit lediglich geringen Einbussen an Festigkeiten führt. Weiterhin lassen sich mit dem kombinierten Einsatz von Wasserruckhaltemittel und Dispersionskunststoff selbst bei tiefen Zementgehalten ohne Reduktion der Dämmeigenschaften höhere Festigkeiten erreichen. Ein Dämmstoff basierend auf der Technologie des Standes der Technik weist -insbesondere bei tieferem Zementanteil- einen bedeutend schlechteren Verbund im ausgehärteten Dämmstoff auf, das heisst, dass bei dessen Belastungen, wie sie beispielsweise durch ein Begehen entstehen, die Bindungen zwischen den Granulatpartikeln brechen und in grossem Ausmass Schaumstoffgranulat-Partikel ausbrechen, und demzufolge der Dämmstoff „zerkrümmelt". Die vorteilhafte Wirkung des Wasserrückhaltemittels wird dadurch erklärt, dass in den Dämmstoffen des Standes der Technik das eingesetzte Wasser , welches für die hydraulische Aushärtung des Zementes benötigt wird, durch den Schaumstoff üblicherweise in beträchtlichem Umfang aufgenommen wird, so dass an deren Oberfläche die Zementaushärtung gestört ist, und deshalb an der Schaumstoffoberfläche kein richtiger Verbund entsteht. Dies ist umso ausgeprägter je kleiner der Anteil des Zementes bezogen auf den Schaumstoff und je geringer die Anmachwassermenge ist. Durch den Einsatz von Wasserrückhaltemitteln wird dies verhindert und der Zement bildet nach der Aushärtung mit der Schaumstoffoberfläche einen ausgezeichneten Verbund, auch wenn der Anteil des Zementes im Vergleich zum Schaumstoff klein ist. Es konnte gezeigt werden, dass dadurch dass anstelle von Wasserruckhaltemittel lediglich mehr Wasser eingesetzt wird, das heisst, indem der w/z erhöht wird, das Problem nicht zufriedenstellend gelöst werden kann, weil dadurch die Aushärtung massiv verzögert wird und zu schlechten mechanischen Eigenschaften führt. Die Wirkungsweise des Dispersionskunststoffs wird dadurch erklärt, dass die Dispersionskunststoffteilchen die Haftfestigkeit des erhärteten, starren Zementbindemittels an den elastischen Polymerschaumgranulat-Teilchen wesentlich verbessert. So hat eine Mikroskopanalyse gezeigt, dass die circa nur 20 - 30 μm dicke Bindemittelschicht auf den Granulatkugeln selbst bei
Stauchung der elastischen Kugeln auf einen Bruchteil der ursprünglichen Dicke sich nicht ablöst. Die volle Entfaltung der Elastifizierungswirkung des Dispersionskunststoffes auf die Dämmstoffzusammensetzung entfaltet sich jedoch offensichtlich erst im Zusammenspiel mit dem Wasserruckhaltemittel. Es ist äusserst überraschend, dass bereits eine relativ geringe Zugabe eines Dispersionskunststoff den gewünschten Effekt im Dämmstoff ergibt. Es können Dämmstoffzusammensetzungen formuliert werden, die einen sehr schnellen Festigkeitsaufbau und Trocknungszeiten aufweisen, so dass beispielsweise eine daraus gefertigte Dammschüttung bereits nach einem bis zwei Tagen begangen werden kann. Speziell in diesen Fällen kommen die bereits erwähnten zementösen Schnellbinder zum Einsatz. Um möglichst gute Dämmeigenschaften zu erreichen, ist, wie bereits erwähnt wurde, generell darauf hin zu arbeiten, möglichst wenig zementöses Bindemittel, beziehungsweise möglichst viel Schaumstoffgranulat einzusetzen. Andererseits muss gewährleistet werden, dass ein Verbund zwischen den einzelnen Schaumstoffgranulat-Partikeln für die Gewährung der mechanischen Belastung des Dämmstoffes vorhanden ist. Durch die Reduktion des zementösen Bindemittels muss auch das Wasser für die Wasser-Zementreduktion stark reduziert werden. Damit wird die Verarbeitung sehr schwierig, insbesondere unter Berücksichtigung, dass viele Schaumstoffgranulate selber Wasser aufnehmen, im Falle von Polystyrol sind dies typischerweise 70 - 90 Liter Wasser pro m3 Granulat. Somit ist bei erwünscht tiefen Gehalten an Zement, wie beispielsweise 15 - 30 kg pro m3 der Dämmstoffzusammensetzung, eine praxisgerechte Verarbeitung selbst unter starker Abweichung von den betontechnologisch üblichen Wasser/Zement- Verhältnissen nicht mehr möglich. Durch den Einsatz von Wasserruckhaltemittel wird es nun ermöglicht, selbst bei sehr geringen Anteilen an Wasser noch genügend gute Verarbeitung als auch gute Festigkeiten zu erreichen. So wird erreicht, dass mit Wasser/Zement- Faktoren von etwa 1.0 bis etwa 2.0 Dämmstoffzusammensetzungen mit sehr guter Verarbeitung und Festigkeiten erhalten werden.
Weiterhin wird durch die Reduktion des Zementanteils die Menge des Zementleims, welcher die Schaumstoffgranulatpartikel verfestigt, derart verringert, dass die Schichten des Zementleimes sehr dünn werden und demzufolge der Verbund relativ spröde wird. Bereits eine relativ geringe Zugabe eines poiymeren Dispersionskunststoffes in Mengen von beispielsweise 3 bis 15 %, bezogen auf das zementöse Bindemittel, führt zu einer ausreichenden Verfestigung der Bindungen zwischen den Schaumstoffgranulatpartikeln. Wird eine derartige zementöse Bindemittelzusammensetzung lediglich mit Wasser angemischt, das heisst in Abwesenheit des Schaumstoffgranulates, ergibt sich ein starrer betonähnlicher Mörtel. Ein solcher Mörtel ist umso starrer, je weniger Kunststoffdispersion er enthält. Bekannterweise steigt die Elastizität (sinkt der E-Modul) von zementösen Mörteln, je grösser das Verhältnis Kunststoff / Zement ist. Zur Elastifizierung von allen Arten von Mörtel werden daher üblicherweise erhöhte Mengen von Kunststoffdispersionen, speziell für starke Elastifizierungen sehr weiche Dispersionen mit einem Glasübergangspunkt unter 0°C oder tiefer, eingesetzt. Es ist demzufolge umso überraschender, dass beim Einsatz zementöser Bindemittel für Schaumstoffgranulatschüttungen der umgekehrte Effekt eintritt, so dass mit geringerer Menge einer relativ starren Kunststoffdispersion niedrigere dynamische Steifigkeiten (= elastischere Systeme) erhalten werden als mit grossen Mengen dieser oder einer weicheren Kunststoffdispersion Es ist demzufolge umso überraschender, dass der Dämmstoff derartig gutes Rückstellverhalten nach Belastung aufweist. Die Dämmstoffzusammensetzung kommt mit Wasser vermischt zum Einsatz. Die Menge des eingesetzten Wassers hängt stark von der Zementmenge ab. Das Wasser/Zement- Verhältnis kann jedoch abweichen von demjenigen, welches der Zement- beziehungsweise Betontechnologe üblicherweise anwendet. Das Wasser/Zement- Verhältnis liegt typischerweise im Bereich von 0.7 bis 3, insbesondere im Bereich von 0.7 bis 2.5, bevorzugt im Bereich von 1.1 bis 2.5. Die Dämmstoffzusammensetzung kann unmittelbar vor Anwendung aus den einzelnen Bestandteilen oder Halbfabrikaten hergestellt werden oder
sie kann industriell gefertigt und/oder vermischt an den Ort der Applikation transportiert werden. Das Wasser wird unmittelbar vor der Applikation zur Dämmstoffzusammensetzung oder beim Mischen der einzelnen Komponenten davon zugemischt. Hierfür sind unterschiedliche Varianten der Herstellung geeignet. In einer ersten Variante wird das zementöse Bindemittel mit dem Wasserruckhaltemittel zusammen mit dem Grossteil, typischerweise etwa 90%, des Schaumstoffgranulates vermischt. Hierzu werden anschliessend zuerst das Wasser, dann der Dispersionskunststoff und anschliessend der Rest des Schaumstoffgranulates zugemischt. Falls eine Kunststoffdispersion verwendet wird, kann diese vorab mit dem Wasser vermischt und somit gleichzeitig mit dem Wasser zugefügt werden. Wird ein Kunststoffdispersionspulver eingesetzt, so kann dieses auch vor der Wasserzugabe mit dem zementösen Bindemittel, dem Wasserruckhaltemittel und dem Schaumstoffgranulat vermischt werden. Es kann sich als vorteilhaft erweisen, wenn das Wasser und die Kunststoffdispersion nicht auf einen Schlag sondern portionenweise unter Rühren zugegeben werden. Eine weitere Variante der Herstellung besteht darin, dass das Schaumstoffgranulat vorgelegt wird, dann das Wasser, hierauf das Wasserruckhaltemittel, dann das zementöse Bindemittel und anschliessend der Dispersionskunststoff, gegebenenfalls in Form einer Dispersion zugemischt wird. In einer bevorzugten Variante der Herstellung wird das zementöse Bindemittel mit dem Wasserruckhaltemittel sowie dem Dispersionskunststoff vorgemischt, sodann wird das Bindemittel mit dem Wasser angemischt und schliesslich wird das Schaumstoffgranulat beigemischt. Es kann sich auch hier als vorteilhaft erweisen, wenn die Komponenten nicht auf einen Schlag, sondern portionenweise unter Rühren zugegeben werden. Eine weitere bevorzugte Variante der Herstellung besteht darin, dass zuerst das zementöse Bindemittel, mit den Wasserrückhaltemitteln gemischt werden, ein Teil des Wassers und anschliessend diese Vormischung dem
Schaumstoffgranulat in zumindest zwei Stufen unter dosierter Zugabe des
Wassers zugemischt wird. Das Mischgefäss wird zunächst mit etwa drei Viertel
der Gesamtmenge des Schaumstoffgranulates beschickt, bevor der vorgemischte Bindemittelanteil mit dem dosierten Anmachwasser zugegeben wird. Anschliessend, oder mit dem Anmachwasser gemischt, wird der Dispersionskunststoff beigefügt. Das restliche Schaumstoffgranulat wird dann während des Mischvorganges eingefüllt. Eine weitere Ausführungsform der Herstellung besteht darin, dass das Schaumstoffgranulat mit dem zementösen Bindemittel, Wasserrückhaltemitteln und dem Dispersionskunststoff gemischt werden, und anschliessend das Wassers zugemischt wird. Bei allen beschriebenen Herstellvarianten wird der Mischvorgang vorteilhaft in einem für eine Druckluftförderung des Mischgutes ausgelegten Mischkessel durchgeführt. Nach dem Mischvorgang, kann die jeweilige angemachte Mischung dann mit Hilfe von Druckluft ausgefördert und über eine Schlauchleitung zum Einbringungsort transportiert werden. Eine weitere Möglichkeit der Herstellung besteht auch darin, dass die einzelnen Komponenten im richtigen Verhältnis kontinuierlich dosiert und in einer kurzen Mischstrecke kontinuierlich gemischt und gefördert werden. Zur Wärmedämmung wird die Dämmstoffzusammensetzung zwischen zwei Materialien unterschiedlicher Temperatur angebracht und hat die Funktion, zwischen diesen den Wärmeenergietransfer zu verhindern. Es ist klar, dass deshalb diese Dämmstoffzusammensetzung einerseits zur Wärmeisolation oder aber auch zur Kälteisolation verwendet werden kann. Zur Trittschalldämmung ist es wichtig, die Fläche, welche typischerweise im wesentlichen horizontal angeordnet ist, auf welcher die Schritte erfolgen, oder einer damit direkt verbundenen Struktur von der restlichen Gebäudestruktur durch Anbringen einer Dämmstoffzusammensetzung dazwischen voneinander akustisch abzukoppeln. Die beschriebenen Dämmstoffzusammensetzungen weisen bereits in geringen Schichtdicken von wenigen Zentimetern exzellente Dämmeigenschaften auf. Die Dämmstoffzusammensetzung findet insbesondere in der
Herstellung von Estrichboden Verwendung. Daneben kann sie jedoch auch als Verfüllung von Hohlräumen, welche durch im wesentlichen vertikal
angeordneten Flächen begrenzt sind, verwendet werden. Ein Bespiel für eine solche Anwendung ist die Isolation zwischen zwei Mauern. Ein Estrichbodenaufbau erfolgt typischerweise wie in Figur 1 und Figur 2 schematisch dargestellt. Auf den Boden 1 des Bauwerks wird die mit Wasser vermischte D mmstoffzusammensetzung 2 in einer üblichen Schichtdicke zwischen 7 und 10 cm aufgebracht. In dieser Schicht sind gegebenenfalls Installationsrohre 3 vorhanden. Falls solche Rohre vorhanden sind, ist darauf zu achten, dass sie gut durch die Dammstoffzusammensetzung 2 umhüllt werden, so dass sich keine Brücken für Schall- oder Wärmeenergie bilden können. Frühestens sobald die Dammstoffzusammensetzung genügend Festigkeit aufgebaut hat, so dass sie begehbar ist, kann gegebenenfalls eine dünne Trennfolie 6, üblicherweise aus Polyethylen, und gegebenenfalls Fuss- bodenheizungsrohre 4 verlegt werden. Anschliessend wird ein Zementestrich 5 aufgebracht. Um eine gute Wärme- und Trittschalldämmung zu erreichen, ist darauf zu achten, dass der Zementestrich 5 oder darauf angebrachte Deckbelege stets durch weitere Dämmmaterialien 7 wie Schaumstoffstreifen durch die Dämmschicht 2 durchlaufende Rohre oder Leitungen 9 genügend abgedämmt ist. Eine solche Trennungsschicht mit Dämmeigenschaften ist vorteilhaft ebenfalls im Wandbereich zwischen Wand 8, typischerweise aus Beton oder Backstein gefertigt, und Zementestrich 5 anzubringen. Die Dämmschicht hat neben der Dämmfunktion gleichzeitig noch die Funktion einer Ausgleichsschicht zum Ausgleichen von Bodenunebenheiten und erleichtert den Einbau von Leitungs- und Installationsrohren. Dies ist besonders wichtig in Renovationsarbeiten, wo für das Einlegen der Leitungen und Rohre der aufwendige und - insbesondere bei einem Betonboden- mühsame Arbeitsschritt des Aufspitzens oder Einfräsens entlang des Bodens wegfällt. Zudem ist es durch das stark reduzierte Gewicht, im Vergleich zu einem konventionellen Ausgleichsboden, möglich auch Böden mit kleiner Tragkraftreserve effizient abzudämmen. Die erfindungsgemässe Dammstoffzusammensetzung erhärtet mit
Wasser zu einer Masse, bei der die Schaumstoffgranulate durch die Zementmatrix miteinander verbunden sind. Die Schichtdicke des Zementes ist klein und beträgt typischerweise weniger als 0.1 mm.
Es ist selbstverständlich auch möglich, durch den Einsatz von mehr zementösem Bindemittel, und damit weniger Schaumstoffgranulat, die Festigkeit der Dammstoffzusammensetzung zu erhöhen, wodurch allerdings bei markanter Erhöhung die guten Dämmeigenschaften weitgehend verloren gehen. In Fällen, wo die Dämmeigenschaften nicht von primärem Interesse ist oder gar nicht notwendig ist, kann eine solche Zusammensetzung durchaus interessante Anwendungen haben. So liesse sich beispielsweise das Gewicht eines Bodens für höhere Belastungen markant reduzieren, ohne dass starke Einbussen an der Festigkeit zu erwarten sind. Für den Einsatz als Dämmstoff ist jedoch ein möglichst grosser
Schaumstoffgranulatanteil wie von der Eigenfestigkeit der ausgehärteten Dammstoffzusammensetzung her noch akzeptierbar anzustreben. Durch die vorliegende Erfindung ist es möglich, den Schaumstoffgranulatanteil bis auf 120 Gew. -% bezogen auf den Zement zu steigern. Aufgrund der Konsistenz der mit Wasser vermischten Dammstoffzusammensetzung ist einerseits das Egalisieren der Oberfläche vereinfacht und andererseits ein Anbringen auf einer geneigten Fläche ermöglicht. So ist beispielsweise mit der selben Dammstoffzusammensetzung möglich ein Flachdach, aber auch ein Steildach abzudämmen. Es wird ermöglicht mit geringem Aufwand eine fugenlose, und damit einwandfrei dämmende, Wärme- und Trittschall-Dämmschicht auch in grossen Schichtstärken zu erstellen, welche nach kurzer Zeit bereits belastbar, beispielsweise begehbar, ist. Die erfindungsgemässe Dammstoffzusammensetzung verfügt nach Aushärtung mit Wasser über erstaunlich gute Wärme- und Trittschalldämmungseigenschaften. Es können Wärmedämmeigenschaften bis unter 0.045 W/mK erreicht werden. Es können dynamische Steifigkeiten von unter 20 MN/m3, insbesondere tiefer als 10 MN/m3 erreicht werden. Solche Werte führen erfahrungsgemäss zu einer Trittschallminderung von mehr als 30 dB. Die Dämmstoffe sind nach kurzer Zeit bereits belastbar.
Typsicherweise ist der Festigkeitsaufbau mit zementösen Schnellbindemittels derart, dass sie bereits nach einem bis zwei Tagen begehbar sind.
Die ausgehärteten Dämmstoffe zeichnen sich wesentlich dadurch aus, dass sie bei einer mechanischen Belastung weniger zerstört werden, beziehungsweise nicht stark komprimiert bleiben, sondern ein hohes Rückstellverhalten aufweisen. Dadurch wird gewährleistet, dass die dynamische Steifigkeit und damit die Trittschalldämmung nach einer mechanischen Belastung im wesentlichen unverändert erhalten bleibt. Diese Aussage gilt entsprechend auch für die Wärmedämmung. Es ist klar, dass dieses Rückstellverhalten durch die Geschwindigkeit und das Ausmass der mechanischen Belastung beeinflusst wird. Durch Variation der Bestandteile der Dammstoffzusammensetzung wird das
Rückstellverhalten deshalb vorzugsweise für die Bereiche der Belastungen optimiert, wie sie beim Verlegen eines Estrichbodens auftreten.
Beispiele Die folgenden Beispiele illustrieren die vorliegende Erfindung.
Verwendete Rohstoffe
Tabelle 1. Eingesetzten Rohstoffe.
Wasserruckhaltemittel Die Substanzen in Tabelle 2 wurden, wie beschrieben, bei einem w/z- Verhältnis von 0.7 bzw. 0.4 auf das Wasserrückhaltevermögen hin mittels modifiziertem Wolf-Il-Methode untersucht.
Tabelle 2. Wasserruckhaltemittel.
Dammstoffzusammensetzung- und Probekörper-Herstellung Zur Herstellung der Probekörper wurde als Basisbindemittel ein sehr frühhochfester Portlandzement (Milke Cem I 52.5 R aus dem Werk Geseke) verwendet. Es wurden die erfindungsgemässen (B1 , B2) sowie Vergleichs-( ?e .'f bis Ref. 4) Zusammensetzungen gemäss Tabelle 3 hergestellt. Die dort angegebenen Mengen der mit Wasser vermischten Dämmstoffzusammensetzungen beziehen sich auf kg/m3 der unausgehärteten Nassmischung. Die Mischungen wurden in einem 10L-Hobart-Mischer wie folgt hergestellt. Recyclat-Polystyrolgranulat (0-8 mm; Schüttdichte 15 kg/m3) und das zementöse Bindemittel mit allenfalls Wasserruckhaltemittel und Dispersionskunststoff wurde vorgelegt und anschliessend das Wasser während dem Mischen zugeben. Die Mischung wurde 5 Minuten gemischt, 10 Minuten ruhen gelassen und dann unter leichter Verdichtung in 20 x 20 x 8cm Formen gefüllt. Alle Proben wurden leicht verdichtet, entsprechend 15 kg
Polystyroporgranulat je m3 Schüttung. Es wurden jeweils 3 Probekörper obiger Abmessungen hergestellt und 28 Tage erhärten gelassen. Das Referenzbeispiel Ref. 4 wies nach der Herstellung eine derart schlechte Festigkeit aus, dass der Probekörper bereits beim Herausnehmen aus der Form zu einem wesentlichen Teil zerbröselte und deshalb nicht den Messungen unterzogen werden konnte.
bezogen auf Zusammensetzung^ 00%.
An jeweils zwei der 8 cm dicken Probekörper (20 x 20 cm Querschnitt) der jeweiligen Dämmstoff-Zusammensetzungen aus Tabelle 3 wurden Druck- E-Modul gemessen, wobei in einer servohydraulischen Druckprüfmaschine linear mit einem Vorschub von 1 mm/sek. bis zu einer Stauchung von 10mm mittels Druckplatte belastet, anschliessend entlastet, die Reststauchung gemessen und neuerlich mit einem Vorschub von 1 mm/sek. bis auf 10 mm belastet wurde. Die notwendige Kraft wurde in Abhängigkeit der Einfederung aufgezeichnet. Im linearen Bereich der Stauchung Kraft(/)-Weg(/)-Diagramm wurde der E-Modul [N/mm2] aus der Steigung der an die Kurve angelegte
Ausgleichsgerade durch Multiplikation mit der Dicke (80mm) und Division durch die Fläche (200mm*200mm) des Probekörpers bestimmt, wie dies im Messdiagramm in Figur 3 für B2 beispielsweise dargelegt wird. So wurden die erste Ausgleichsgerade (©) für die erste Stauchung (O) und die zweite Ausgleichsgerade (©) für die zweite Stauchung (θ) ermittelt., In diesem Kraft(/)-Weg(/)-Diagramm ist die erste Stauchung mit (O) und die zweite Stauchung mit (θ) bezeichnet. Zum besseren Vergleich wurde in Tabelle 4 auch die prozentuale Zunahme bezogen auf die jeweilige Referenz, die weder Wasserruckhaltemittel noch Dispersionskunstoff enthält, angegeben. Des weiteren wurde die maximale Kraft (bei 10 mm (= 12.5 %)
Stauchung bestimmt und daraus in eine Belastung in kg/m2 umgerechnet. Alle Resultate sind die Mittelwerte der zwei Messungen. Die dritte Probe 10 jeder Zusammensetzung aus Tabelle 3 wurde mit 8 cm Estrich 11 beschichtet und nach 28 Tagen die dynamische Steifigkeit vor und nach 5 mm Stauchung mittels Ausschwingversuch über Ermittlung der Eigenfrequenz der Probe bestimmt. Die Messanordnung ist hierfür in Figur 4 und Fig. 5 abgebildet. Auf die Estrichschicht 11 wurde der Beschleunigungsaufnehmer „PSB 302B03" 12 aufgesetzt. Durch einen leichten Stoß mit einem Impulshammer 13 wurden nun Schwingungen in den Dämmstoff induziert, welche mit dem Beschleunigungsaufnehmer detektiert und in dem FFT- Analysator „AND AD-3524 FFT Analyzer" 14 weiterverarbeitet wurden. Dadurch war es möglich, die Eigenfrequenz des Dämmstoffes zu bestimmen, aus der sich die dynamische Steifigkeit Cd [MN/m3] wie folgt errechnet:
/ = gemessene Eigenfrequenz in Hz m = schwingende Masse (Estrich) A = Auflagefläche der Proben
bezogen auf Ref.1 bzw. auf Ref. 5. nicht bestimmbar
Die Versuche Ref. 1 bis Ref. 3 und B1 in Tabelle 4 mit einem Polystyrol/Zement- Verhältnis von annähernd 25 Gew.-%, beziehungsweise einem Zementgehalt zwischen 54 - 59 kg/m3, zeigen, dass die durch ein Wasserruckhaltemittel -Metakaolin (Ref. 2) bzw. Celluloseether (Ref. 3) - allein modifizierten Proben bereits deutlich verbesserten Festigkeiten aufweisen, welche durch den Einsatz einer sprühgetrockneten Kunststoffdispersion nochmals deutlich verbessert werden konnten (B1 ). Der Vergleich von Ref. 3 und B1 zeigt, dass die erfindungsgemasse Zusammensetzung B1 zwar höhere Druck-E-Modul-Werte aufweisen und trotzdem markant niedrigere dynamische Steifigkeiten aufweisen. Somit ist eine weitere Reduktion des Zementes, respektive eine Erhöhung Polystyrol/Zement-Verhältnisses, möglich, so dass die Dämmeigen- schatten stark verbessert werden, und die Festigkeitswerte in Rahmen eines Systems des Standes der Technik liegt.
Die Versuche Ref. 5, Ref. 6 und B2 mit einem Polystyrol/Zement- Verhältnis von annähernd 70 Gew.-%, beziehungsweise einem Zementgehalt von etwa 21.5 kg/m3, zeigen, dass, weil wie bereits erwähnt, der Nullvergleich Ref. 4 nicht gemessen werden konnte, sowohl der Zusatz von lediglich Dispersionskunststoff (Ref. 5) oder lediglich Wasserruckhaltemittel (Ref. 6) bereits deutlich verbesserten Festigkeiten aufweisen. Diese Festigkeit wird nochmals signifikant bei der erfindungsgemässen Zusammensetzung B2, welche Dispersionskunststoff und Wasserruckhaltemittel enthält, gesteigert. Die Probe mit lediglich Dispersionskunststoff (Ref. 5) zeigte einen markanten Einbruch im E-Modul bei der zweiten Belastung, was auf die
Zerstörung der Bindungen durch die erste Belastung hindeutet. Dies ist bei der
Probe B2 nicht der Fall und zeigt dass die Bindungen nicht oder massiv weniger zerstört werden. Es sind somit mit den erfindungsgemässen Zusammensetzungen mechanisch belastbare Dämmstoffe erhältlich, die ein ausserst hohes
Polystyrol/Zement- Verhältnis, und damit ausserst hohe Dämmeigenschaften aufweisen, wie sie mit den dem Stand der Technik entsprechenden zementösen Systemen nicht erreichbar sind. Tabelle 5 zeigt, dass die Erhöhung des Dispersionskunststoffgehaltes in der Zusammensetzung nicht zu einer Reduktion der dynamischen Steifigkeit, sprich nicht zu einer Verbesserung der Dämmeigenschaft, sondern zu einem Anstieg der dynamischen Steifigkeit führt.
Resultate. * bezogen auf Zusammensetzung^ 00%. **Stauchung hier bei fixer Belastungskraft (30kN/m
2) gemessen