Positionssicherung für Personen in Land- und Luftfahrzeugen
Die Erfindung betrifft eine Positionssicherung für abwechselnd sitzende und stehende Personen in Land- und Luftfahrzeugen gemäß den Merkmalen im Oberbegriff des Anspruchs 1.
In Land- und Luftfahrzeugen, insbesondere solchen, die zur Rettung und zum Transport von Verletzten vorgesehen sind, wie beispielsweise Notarztwagen oder Rettungshubschrauber, gibt es für die hierin beschäftigten Einsatzkräfte Situationen, in denen sie sowohl in einer sitzenden Position als auch in einer stehenden Position diverse Tätigkeiten durchführen müssen. Dabei wird angestrebt, dass die Einsatzkräfte in beiden Positionen sowohl im eigenen Interesse als auch im Interesse der z u b etreuenden Menschen g esichert s ind. A uch b ei e inem W echsel v on e iner sitzenden in eine stehende Position und umgekehrt dürfen die Einsatzkräfte nicht gefährdet sein. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn bei einem Landfahrzeug eine unverhoffte Bremsung oder bei einem Luftfahrzeug eine Flugbewegung mit einer abrupten Änderungen der Flugrichtung erfolgt. Bei all diesen Bewegungen der Fahrzeuge dürfen die Einsatzkräfte einerseits durch das angelegte Gurtzeug in ihren Tätigkeiten nicht behindert werden und müssen andererseits einwandfrei lagegesichert sein.
Das zum Einsatz gelangende Gurtzeug besteht bei den hier angesprochenen Land- und Luftfahrzeugen in der Regel aus einem zweigeteilten Beckengurt, zwei Oberschenkelgurten, einem Gesäßgurt, zwei Schultergurten, einem Rückengurt und einem bauchseitigen Zentralverschluss. Den Beckengurthalften sowie den Schultergurten sind Retraktoren zugeordnet, welche in der internationalen Fachsprache Emergency Locking Retractor (ELR) genannt werden. Die gesamte Positionssicherung, bestehend aus Gurtzeug und Retraktoren, nennt man in der Fachsprache High Mobility Restraint (HMR).
Bei d en bekannten H MR können d ie Einsatzkräfte durchaus j ederzeit d ie s itzende Position verlassen und sich auch wieder hinsetzen, ohne dass das Gurtzeug
abgelegt werden muss. Die hierbei zur Anwendung gelangenden, insbesondere die den Beckengurthalften zugeordneten Retraktoren weisen aber die Eigenschaft auf, dass die in die Retraktoren eingeführten und hier spiralförmig aufgewickelten Enden der Gurte bei einer außergewöhnlichen Bewegung des jeweiligen Fahrzeugs über eine Sensorik erst einmal eine Beschleunigung der Gurte erkennen müssen. Erst dann werden die Retraktoren verriegelt, um ein weiteres Abwickeln der Gurte zu verhindern und somit eine Rückhaltewirkung zu erzielen.
Dieser Ablauf von Vorgängen führt aufgrund des so genannten "Filmspuleneffekts" der spiralförmig aufgewickelten Gurtenden meistens zu einer ungewollten Verlängerung der Gurte mit dem Ergebnis, dass das Gurtzeug dann nicht mehr, wie beabsichtigt, die Person eng umschließt und sie dadurch direkt an das Fahrzeug anbindet. Die Person ist vielmehr weitgehend ungeschützt den abrupten Verzögerungen und Beschleunigungen ausgesetzt. Diese Eigenschaften sind insbesondere bei den Beckengurthalften zu beobachten, die bedingt durch die Masseverteilung eines menschlichen Körpers während einer abrupten Bewegung eines Fahrzeugs und damit einhergehender höherer Verzögerung oder Beschleunigung besonders stark belastet werden. Solche hohen Beanspruchungen führen daher automatisch zu größeren Dehnungen der Gurte, was letztlich unakzeptabel große Verlagerungen der Beckenpartien der Einsatzkräfte zur Folge hat.
Nun wäre es denkbar, eine relative Verbesserung dadurch zu erreichen, dass in die Retraktoren Sensoren eingegliedert werden, welche direkt die Verzögerung oder Beschleunigung eines Fahrzeugs messen und im Falle einer Überschreitung eines vorgegebenen Grenzwerts eine Sperrfunktion der Retraktoren herbeiführen. Solche bekannten Sensoren besitzen eine sogenannte "Nulllage", von der aus die Verzögerungen und Beschleunigungen der Fahrzeuge eingemessen werden.
Da die Einwirkung einer Geschwindigkeitsänderung auf einen Sensor auch einer bestimmten Winkellage entspricht, muss ein Refraktor mit einem derartigen Sensor fest am Fahrzeug montiert werden.
Mit Rücksicht auf die unterschiedlichsten Anwendungen der bekannten HMR ist die Montage der ELR an den Sitzstrukturen der Fahrzeuge und hier in unterschiedlichen
Winkellagen erforderlich. Eine jede Winkellage eines Retraktors würde folglich eine individuelle Lage des jeweiligen Sensors erfordern und daher unpraktikabel sein.
Weiterhin erfolgt die Benutzung des Gurtzeugs in sitzender und in stehender Position mit unterschiedlichen Winkeln, unter denen die Gurte in den jeweiligen Montagepositionen aus den Retraktoren abgezogen werden. Solche unterschiedlichen Winkellagen erfordern aufwändige Gurtführungen, um stets ein faltenloses Einführen der Gurte in die Retraktoren zu gewährleisten.
Eine einfache Lösung dieses Problems wäre das Nachführen der Retraktoren in die jeweilige A bzugsrichtung d er G urte. H ierbei würde s ich a ber d ie E inbaulage e ines Sensors aus der vorbestimmten Nulllage entfernen, was dann zu einer erhöhten Empfindlichkeit bis hin zur möglichen Dauersperrung des Gurts in eine Richtung führt. Ein derartiger Lösungsvorschlag wäre demnach als Undefiniert zu beurteilen und unter den Gesichtspunkten einer sicheren Nutzung sowie der nationalen und internationalen Zulassungsvorschriften nicht akzeptabel.
Darüber hinaus ist es vorstellbar, in Landfahrzeugen integrierte HMR mit elektrisch angesteuerten Sperrmechanismen zu versehen, die durch extern und lagefest montierte Sensoren angesteuert werden. Ein solcher Vorschlag kann indessen in der Luftfahrt nicht akzeptiert werden. Es müsste eine Stromversorgung bereitgestellt werden, die in das Bordnetz des Luftfahrzeugs eingreift. Dies wäre mit extrem hohen Auflagen verbunden. Außerdem ist hierbei zu berücksichtigen, dass die Sitze in Luftfahrzeugen, für die ein HMR in Frage kommt, häufig um 360° drehbar sind. Hier wäre eine Stromzufuhr per Kabel sehr störanfällig. Schleifringübertrager wären zwar denkbar, indessen viel zu aufwändig.
Zur Lösung der anstehenden Probleme könnten theoretisch auch solche Retraktoren eingesetzt werden, die unter bestimmten Einsatzbedingungen dauerhaft sperren und Gurte nur noch aufwickeln, aber nicht mehr freigeben. Derartige Retraktoren werden in der internationalen Fachsprache Automatic Locking Retractor (ALR) genannt. Bei ALR, die für einen Einsatz in einem HMR abgestimmt sind, müssten demnach bei einer sitzenden Person die Retraktoren entriegelt sein. Dies ist sicherheitstechnisch aber nicht akzeptabel. Auch könnten diese Retraktoren so ausgebildet sein, dass sie permanent gesperrt sind und nur durch eine gezielte Betätigung entriegelt werden,
damit Gurte freigegeben werden und die Personen von ihren Sitzen aufstehen können. ALR s perren aber d as weitere Abwickeln d er G urte von den Retraktoren, sobald d ie Personen nur e ine k leine R ückwärtsbewegung d urchgeführt h aben u nd somit eine geringe Strecke an Gurten aufgewickelt wurde. Dies hat zur Folge, dass die Personen keine Bewegung nach vorne machen können. Eine Bewegung ist nur noch in Richtung der Sitze möglich. Demzufolge ist eine solche Sperrsituation eines ALR erkennbar nicht praktikabel.
Wie vorstehend bereits angedeutet, haben alle bekannten Ausführungen von Retraktoren die Eigenart, dass sie Gurte spiralförmig aufwickeln und speichern. Bedingt durch die nur begrenzte Rückzugskraft der in den Retraktoren vorgesehenen Wickelfedern, der Eigensteifigkeit der Gurte sowie ihrer nicht kompakten Struktur und Oberfläche sind die Gurte in den Retraktoren aber nicht optimal gewickelt. Eine stramme Wicklung Lage auf Lage erfolgt erst dann, wenn die Achse der Wickeltrommel verriegelt ist und eine Zugkraft auf einen Gurt einwirkt. Hierbei nimmt jedoch nicht nur der Durchmesser der gewickelten Gurtpackung ab, sondern auch die Gesamtlänge des gespeicherten Gurts. Das Ergebnis ist ein aus dem Refraktor freigegebener längerer Gurtabschnitt.
In Luftfahrzeugen sind ELR mit Fahrzeugsensibilität nicht praktikabel. Eingesetzt werden könnten nur solche ELR, die auf einen Auszug eines Gurts aus einem Refraktor reagieren. Da raue Flugbewegungen jedoch zu Körperdeplatzierungen relativ zum Sitz führen können, ohne dass die Ansprechwerte derartiger ELR überschritten werden, ist eine sichere Zurückhaltung einer Person im Sitz nicht gewährleistet. Aus diesem Grund sind ELR zumindest im Zusammenwirken mit Beckengurten von in Luftfahrzeugen verwendeten Gurtzeugen nicht erlaubt.
Der Erfindung liegt - ausgehend vom Stand der Technik - die Aufgabe zugrunde, eine Positionssicherung für abwechselnd sitzende und stehende Personen in Land- und Luftfahrzeugen zu schaffen, die allen notwendigen Bewegungen der Personen während ihres Einsatzes sowohl in stehender oder sitzender Position als auch bei einer Verlagerung aus der sitzenden in die stehende Position und umgekehrt in sicherheitstechnischem Umfang Rechnung trägt.
Diese Aufgabe wird mit den im kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 angegebenen Merkmalen gelöst.
Kerngedanke der Erfindung ist der Sachverhalt, dass eine sitzende Person in dieser Position mindestens über die Beckengurthalften so lagegesichert ist, dass die Verdrehbarkeit der Wickeltrommeln in den federunterstützten Retraktoren gegen ein Abspulen der Zugmittel gesperrt ist, d.h., dass die Beckenpartien der Personen fest am Sitz gehalten sind. Dennoch haben die Personen die Möglichkeit, den Oberkörper und damit auch die Arme bewegen zu können, wenn die Schultergurte mit zumindest einem ELR (gurt- oder fahrzeugsensitiv ausgestaltet) am Fahrzeug fixiert sind. Ein bei sitzender Position einer Person dauerhaft gesperrter Refraktor hat die Funktion eines ALR und sichert somit die Person permanent, ohne auf eine Sensorik oder Verzögerungs- bzw. Beschleunigungswerte eines Fahrzeugs angewiesen zu sein. Damit sind die Voraussetzungen auch für die Zulassung in der Luftfahrt geschaffen.
Die mit den Beckengurthalften gekoppelten Retraktoren sind so ausgestaltet, dass der gefährliche Filmspuleneffekt nicht eintreten kann.
Die über die Wickeltrommeln der Retraktoren geführten Zugmittel können die Enden der B eckengurthälften s ein. V orstellbar s ind a ber a uch i n d ie B eckengurthälften i n beliebiger Form integrierbare Zugmittel, die von ihrer Konfiguration her von den Gurten abweichen.
Will sich eine zu sichernde Person aus dem Sitz erheben und stehend Handlungen durchführen, so wird von der Person eine Steuerung manuell betätigt, mit deren Hilfe die Sperrstellung der Wickeltrommeln aufgehoben wird. Dies kann unter Einsatz von elektrischer, pneumatischer, hydraulischer oder mechanischer Energie erfolgen. Während der Bewegung aus der sitzenden in die stehende Position ist dennoch weiterhin eine beschleunigungssensorische Auszugssperre in den Retraktoren aktiviert. Diese tritt dann in Funktion, wenn durch plötzliche Verzögerungen oder Beschleunigungen des jeweiligen Fahrzeugs die Standsicherheit der Person gefährdet ist. Diese Auszugssperre verriegelt dann die Retraktoren, so dass die Person in der jeweiligen Position im Gurtzeug sicher gehalten ist. Nach Beendigung der V erzögerungs- o der B eschleunigungsphase k ann d ie P erson d ann d ie w eitere
Verlagerung aus der einen in die andere Position durchführen, sofern die Steuerung zum Aufheben der Sperrstellung der Wickeltrommel noch aktiviert ist.
Erfindungsgemäß erlaubt es die Steuerung darüber hinaus, dass sich die Person in stehender Position, beispielsweise an einer offenen Tür eines Hubschraubers, dauerhaft fixieren kann, i ndem s ämtliche d em G urtzeug zugeordneten Retraktoren gesperrt sind.
Ferner ist es in der stehenden Position möglich, dass nur die den Beckengurthalften zugeordneten Retraktoren gesperrt sind, wohingegen die den Schultergurten zugeordneten Retraktoren weiterhin als ELR wirksam sind.
Bewegt sich die Person aus der stehenden Position in die sitzende Position, so werden die Gurte automatisch in den Retraktoren aufgespult. Kurz vor Erreichen der sitzenden Position schaltet die Steuerung selbstständig zumindest die den Beckengurthalften zugeordneten Retraktoren in die ALR-Funktion um. Jetzt kann sich die Person nur noch weiter in Richtung auf die sitzende Position bewegen, wobei die Beckengurthalften ständig körpereng gehalten werden und quasi die Sicherheit wie bei einem statischen Beckengurt gewährleistet wird.
Die Erfindung schafft demnach eine Positionssicherung für abwechselnd sitzende und stehende Personen in Land- und Luftfahrzeugen, die d en Personen nicht nur permanent die notwendige eigene Standsicherheit gewährleistet, sondern es den Personen auch erlaubt, soweit sie im Sitzen oder Stehen Tätigkeiten durchführen müssen (z.B. Verletzte bergen oder versorgen, Lasten abwerfen, usw.), diese Tätigkeiten sicher erledigen zu können.
Das Zugmittel kann ein gesonderter Gurt sein oder aus dem Ende einer Beckengurthälfte bestehen. In diesem Fall ist es zur Vermeidung des Filmspuleneffekts notwendig, die dauerhafte Sperrung des Retraktors mit einer Gurtklemmeinrichtung zu bewerkstelligen. Vorteilhafter ist es aber gemäß Anspruch 2, dass das Zugmittel die Wickeltrommel wendeiförmig umschlingt. Hierzu kann das Zugmittel als Kette, Zahnriemen oder Seil ausgebildet sein. Eine wendeiförmige Wicklung vermeidet im Gegensatz zu einer spiralförmigen Wicklung den Filmspuleneffekt und erfordert keine zusätzliche Gurtklemmeinrichtung.
Ein eine Wickeltrommel wendeiförmig umschlingendes Zugmittel ist nach Anspruch 3 bevorzugt als Seil ausgebildet. Dieses kann als Stahlseil oder auch als textiles Seil ausgebildet sein. Zur einwandfreien Führung eines solchen Seils auf der Wickeltrommel weist diese eine im Querschnitt gerundete, an die Kontur des Seils angepasste wendeiförmige Seilnut auf.
Bei Verwendung einer Kette oder eines Zahnriemens als Zugmittel ist die Oberfläche der Wickeltrommel dann entsprechend gestaltet.
Gemäß den Merkmalen des Anspruchs 4 ist der Wickeltrommel mindestens eine Zahnscheibe zugeordnet, die mit einer an einem Gehäuse des Refraktors gegen die Rückstellkraft einer Feder schwenkbar gelagerten Sperrklinke zusammenwirkt. Bevorzugt weist die Wickeltrommel an beiden Seiten eine Zahnscheibe auf. Folglich ist auch die Sperrklinke so ausgebildet, dass sie dann gleichzeitig mit beiden Zahnscheiben zusammen wirkt. Wird die Rückstellkraft der Feder überwunden, kann sich die Sperrklinke von den Zahnscheiben lösen, so dass dann die Wickeltrommel freigegeben ist.
Damit die Sperrklinke problemlos betätigt werden kann, ist sie nach Anspruch 5 über ein Zugelement mit der Steuerung verbunden. Ein solches Zugelement kann z.B. ein Bowdenzug sein.
Gemäß der Ausführungsform des Anspruchs 6 weist die Sperrklinke einen Rückstellhebel auf, der oberhalb einer vorbestimmten Beschleunigung des Zugmittels unter dem Einfluss einer Trägheitsmasse über eine mit der Wickeltrommel drehende Rastklinke mit einem verzahnten Steuerring zusammenwirkt. Diese weitere Ausgestaltung des Refraktors trägt Sorge dafür, dass bei einer plötzlichen Verzögerung oder Beschleunigung des Fahrzeugs eine frei drehende Wickeltrommel sofort gesperrt wird und ein Abspulen des Zugmittels von der Wickeltrommel nicht mehr möglich ist. Bevorzugt weist der Steuerring eine Innenverzahnung auf. Die Trägheitsmasse ist mit einem Steuerzapfen versehen, welcher die Rastklinke in die Verzahnung des Steuerrings drückt, damit eine weitere Relativverdrehung sperrt und zugleich die Sperrklinke in Eingriff mit den Zahnscheiben bringt.
Ein einwandfreies Zusammenwirken zwischen dem Rückstellhebel an der Sperrklinke und dem Steuerring wird gemäß den Merkmalen des Anspruchs 7 dadurch bewirkt, dass der Steuerring eine den Rückstellhebel umgreifende Mitnehmergabel aufweist. Auf diese Weise ist eine nur kurze Schwenkbewegung der Mitnehmergabel notwendig, um den Rückstellhebel zu verdrehen und damit die Sperrklinke mit den Zahnscheiben in Eingriff zu bringen.
Die Merkmale des Anspruchs 8 stellen sicher, dass bei einem nahezu vollständig auf die Wickeltrommel gespulten Zugmittel dieses auf den Taststift drückt und dieser über eine Hebelanordnung die Sperrklinke mit den Zahnscheiben in Eingriff bringt. Dies hat zur Folge, dass nur noch der Rest des Zugmittels aufgespult, jedoch kein Zugmittel mehr zum Abspulen freigegeben wird.
Entsprechend den Merkmalen des Anspruchs 9 weist die Steuerung einen in drei Positionen verlagerbaren Handhebel auf, der über einen Bowdenzug mit jeder Auszugssperre in einem Refraktor verbunden ist. Die Steuerung befindet sich so im Bereich des Tätigkeitsfeldes der zu sichernden Person, dass sie ihn problemlos betätigen kann. In der mittleren Position ist der Handhebel auf Neutral gestellt, d.h. dass die Retraktoren die gewünschten Automatikfunktionen wahrnehmen können, wie sie vorstehend beschrieben worden sind. Wird der Handhebel aus der neutralen Position in die Öffnungsposition verschwenkt, so bedeutet dies eine Entsperrung der Wickeltrommeln in den Retraktoren mit der Folge, dass die Person sich frei aus einer sitzenden Position in eine stehende Position und umgekehrt verlagern kann. Das Verschwenken des Handhebels in die andere Richtung bedeutet die Aktivierung einer Sperrfunktion der W ickeltrommel, z.B. dann, wenn sich die Person an einer offenen Tür eines Hubschraubers befindet und dort tätig sein muss. Die Steuerung ist so aufgebaut, dass eine Verlagerung des Handhebels aus der Neutralposition in die Öffnungsposition automatisch mit einer Rückstellung des Handhebels in die Neutralposition verbunden ist, wenn der Handhebel losgelassen wird. Die Rückführung des Handhebels aus der Sperrposition in die Neutralposition muss jedoch gezielt durchgeführt werden.
Denkbar ist aber auch eine Ausführungsform (Anspruch 10), bei welcher die Steuerung zwei jeweils in zwei Betriebsstellungen verlagerbare Handhebel aufweist,
die über Bowdenzüge mit den Auszugssperren verbunden sind. Hierbei sind in der Grundposition des 1. Handhebels die Wickeltrommeln gesperrt und die Sensorfunktion aktiviert, wenn die Person steht. Auch die Grundposition des 2. Handhebels erfüllt diese Funktion, also die Sperrung der Wickeltrommeln in der sitzenden Position der Person und eine Sensorfunktion, wenn die Person steht. Wird der 1. Handhebel verschwenkt, so wird eine Entsperrung der Wickeltrommel herbeigeführt, so dass die Person aufstehen kann. Dazu verbleibt der 2. Handhebel in der Grundposition. Wird hingegen der 2. Handhebel aus der Grundposition verschwenkt, so erfolgt eine Sperrung der Wickeltrommel, wenn die Person sitzt oder steht.
Da die in Rede stehende Positionssicherung häufig für Personen eingesetzt wird, die mit der Versorgung und den Transport von Verletzten befasst sind, besteht leicht die Möglichkeit, dass das Gurtzeug, insbesondere mit Blut, verschmutzt wird. Ein derartig kontaminiertes Gurtzeug muss dann unverzüglich ausgetauscht werden. Dies sollte, insbesondere mit Rücksicht auf einen Katastrophenfall, ohne Zuhilfenahme besonderer Werkzeuge durchgeführt werden können. Dazu sieht die Erfindung gemäß Anspruch 11 vor, dass die Zugmittel lösbar mit den Beckengurthalften gekoppelt sind. Diese Kopplung der Zugmittel mit den Beckengurthalften ist so zu gestalten, dass sie nicht unbemerkt aufgehoben werden kann. Auf der anderen Seite müssen diese Kopplungsbereiche so ausgebildet sein, dass sie leicht und ohne Beschädigungen hervorzurufen auch über die Kanten von Sitzpolstern gleiten können.
Die Erfindung ist nachfolgend anhand eines in den Zeichnungen veranschaulichten Ausführungsbeispiels näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 in schematischer perspektivischer Darstellung eine Positionssicherung für eine abwechselnd sitzende und stehende Person in einem Landoder Luftfahrzeug;
Figur 2 ein Detail der Darstellung der Figur 1 gemäß einer weiteren Ausführungsform;
Figur 3 in vergrößerter perspektivischer Darstellung den Ausschnitt III der Figur 1 und
Figur 4 in schematischer perspektivischer Darstellung das Innere eines Refraktors der Positionssicherung der Figur 1.
In der Figur 1 ist mit 1 eine Positionssicherung für eine abwechselnd sitzende und stehende Person in einem Land- oder Luftfahrzeug 2, beispielsweise ein Notarztwagen oder ein Hubschrauber (nachfolgend kurz Fahrzeug genannt), bezeichnet.
Die Positionssicherung 1 umfasst zunächst ein Gurtzeug 3 aus einem Beckengurt 4 mit zwei Beckengurthalften 5, zwei Oberschenkelgurten 6, einem Gesäßgurt 7, zwei Schultergurten 8, einem Y-förmigen Rückengurt 9 und einem bauchseitigen Zentralverschluss 10. Die Beckengurthalften 5 und die Schultergurte 8 sind jeweils über eigene Verschlusszungen 11 mit dem Zentralverschluss 10 verbunden. Die mit einem Ende an den Beckengurthalften 5 fixierten Oberschenkelgurte 6 weisen eine gemeinsame Verschlusszunge 12 auf, die in den Zentralverschluss 10 eingesteckt ist. Der Gesäßgurt 7 ist im Bereich der Befestigungen der Oberschenkelgurte 6 ebenfalls an den Beckengurthalften 5 festgelegt.
Die Schultergurte 8 sind im Bereich eines Verankerungsbands 13 zusammengeführt und mit diesem verbunden. Außerdem ist zu erkennen, dass die beiden oberen Längenabschnitte 14 des mit dem Gesäßgurt 7 verbundenen Rückengurts 9 mit den Schultergurten 8 verbunden sind.
Das Verankerungsband 13 ist über eine lösbare Schlaufenverbindung 15 mit einem Gurt 16 eines Emergency Locking Retractors (ELR) 17 verbunden, dessen Gehäuse 18 an das Fahrzeug 2 angelenkt ist.
Die Beckengurthalften 5 sind über lösbare Koppelstellen 19 mit Zugmitteln 20 in Form von Seilen verbunden. Die Zugmittel 20 bilden Bestandteile von Multiple Function Retractors (MFR) 21. Das Gehäuse 22 jedes MFR 21 ist in nicht näher dargestellter Weise um eine Achse 23 schwenkbar mit dem Fahrzeug 2 verbunden.
Vom ELR 17 und von jedem MFR 21 führen Bowdenzüge 24 zu einer Steuerung 25 mit einem Handhebel 26. Der Handhebel 26 ist in nachstehend noch näher erläuterter Weise aus einer neutralen Position I einmal in die eine Richtung in eine Öffnungsposition II und einmal in die andere Richtung in eine Sperrposition III schwenkbar.
Die Koppelstelle 19 einer Beckengurthälfte 5 mit dem Zugmittel 20 eines MFR 21 ist in der Figur 3 näher veranschaulicht.
Das Gehäuse 22 des MFR 21 weist einen hülsenartigen Seilauslauf 27 auf. Das aus dem Seilauslauf 27 tretende Zugmittel 20 ist mit seinem Ende in eine Seilkausche 28 eingeführt. Die Seilkausche 28 wird von einem rohrförmig gebogenen Abschnitt 29 eines mit einem Ende der Beckengurthälfte 5 verbundenen metallischen Trägers 30 umschlossen. Der rohrförmige Abschnitt 29 ist mit einem Außengewinde 31 versehen. Mittels einer Überwurfmutter 32 wird der rohrförmige Abschnitt 29 auf die Seilkausche 28 gepresst und damit das Zugmittel 20 in der Seilkausche 28 festgelegt.
Die Seilkausche 28 ist durch eine an dem Träger 30 vorgesehene Nase 33 gegen eine axiale Verlagerung gesichert.
An ihrem dem Seilauslauf 27 zugewandten Ende 34 ist die Überwurfmutter 32 gerundet ausgebildet, um bei einem Kontakt mit z.B. einem Sitzpolster weder anzuhaken noch dieses zu beschädigen. Entsprechend der Rundung der Überwurfmutter 32 ist auch das Innere 35 des Seilauslaufs 27 gestaltet.
Jeder aus den Figuren 1 und 3 erkennbare MFR 21 umfasst entsprechend der Darstellung der Figur 4 eine federunterstützte drehbare Wickeltrommel 36 mit einer umfangsseitigen gerundeten wendeiförmigen Seilnut 37. Die Seilnut 37 ist von ihrem Querschnitt her an den Querschnitt des Zugmittels 20 angepasst. Die Steigung der Seilnut 37 ist gleich dem Durchmesser des Zugmittels 20 bemessen. Das Aufspulen des Zugmittels 20 auf die Wickeltrommel 36 erfolgt - in der Zeichnungsebene gesehen - von oben nach unten entgegen dem Uhrzeigersinn US. Die Abspulrichtung des Zugmittels 20 verläuft in der Zeichnungsebene nach rechts, entsprechend dem Pfeil PF.
Beiderseits der Wickeltrommel 36 befinden sich mit der Wickeltrommel 36 verbundene Zahnscheiben 38. Die Zahnscheiben 38 wirken mit einer am Gehäuse 22 des MFR 21 gegen die Rückstellkraft einer nicht näher veranschaulichten Feder schwenkbar gelagerten Sperrklinke 39 zusammen, welche über in die Verzahnungen 40 der Zahnscheiben 38 eingreifende Klinken 41 verfügt. Dabei sind die Verzahnungen 40 so ausgebildet und die Klinken 41 der Sperrklinke 39 so angeordnet, dass bei einem Eingriff der Klinken 41 in die Verzahnungen 40 eine Verdrehung der Wickeltrommel 36 im Uhrzeigersinn US ausgeschlossen ist.
Die Sperrklinke 39 ist mit einem radial einwärts gerichteten Rückstellhebel 42 versehen, der von einer Mitnehmergabel 43 umgriffen wird. Die Mitnehmergabel 43 bildet Bestandteil eines mit einer Innenverzahnung 44 versehenen Steuerrings 45. Im Innern des Steuerrings 45 ist eine um eine Achse 46 schwenkbare Rastklinke 47 vorgesehen, die mit der Verzahnung 44 des Steuerrings 45 zusammenwirken kann. Die Rastklinke 47 dreht mit der Wickeltrommel 36. Die Verzahnung 44 des Steuerrings 45 ist so ausgebildet, dass bei in die Verzahnung 44 eingreifender Rastklinke 47 eine Verdrehung des Steuerrings 45 gegen den Uhrzeigersinn US ausgeschlossen ist.
Zum MFR 21 gehört ferner eine scheibenförmige Trägheitsmasse 48, die unterseitig mit einem Zapfen 49 versehen ist (in der Figur 4 getrennt von der Trägheitsmasse 48 dargestellt), der, wie nachfolgend noch erläutert, das Einschwenken der Rastklinke 47 in die Verzahnung 44 des Steuerrings 45 bewirkt.
Im Bereich der letzten, in der Zeichnungsebene untersten Windung der Seilnut 37 ist ein Taststift 50 angeordnet, der über eine nicht näher dargestellte Hebelanordnung 51 mit einem Schwenkhebel 52 zusammenwirkt. Wenn beim Aufspulen die letzte Windung der Seilnut 37 mit dem Zugmittel 20 belegt wird, verlagert sich der Taststift 50 unter der Radialbelastung durch das Zugmittel 20 nach innen und verdreht über die Hebelanordnung 51 den Schwenkhebel 52 so, dass dieser die Sperrklinke 39 in die dargestellte Sperrstellung bringt. In dieser Betriebssituation kann das Zugmittel 20 nicht mehr abgespult werden. Es ist nur noch möglich, den Restabschnitt des Zugmittels 20 aufzuspulen.
Wird von der sitzenden Person, die das Gurtzeug 3 benutzt der Handhebel 26 aus der Neutralposition I in die Öffnungsposition II verlagert, so werden über die Bowdenzüge 24 die Wickeltrommeln 36 in den beiden MFR 21 und auch die nicht näher veranschaulichte Wickeltrommel in dem ELR 17 entsperrt, d.h., die Sperrklinken 39 werden außer Eingriff mit den Verzahnungen 40 der Zahnscheiben 38 gebracht. Die Wickeltrommeln 36 sind gegen die Rückstellkraft ihrer nicht näher veranschaulichten Federn frei drehbar. Die Person kann sich von der sitzenden Position in die stehende Position erheben.
Hält die Person den Handhebel 26 in der Öffnungsposition II fest, kann sie sich frei positionieren, wobei über die Rückstellfedern in den MFR 21 und im ELR 17 die Zugmittel 20 und der Retraktorgurt 16 stramm gehalten werden. Lässt sie den Handhebel 26 los, schwenkt dieser von selbst in die Neutralposition I zurück. Die Sperrklinken 39 fallen in die Verzahnung 40 ein.
Bei einer durch eine entsprechende Bewegung des Fahrzeugs 2 hervorgerufenen plötzlichen Verzögerung oder Beschleunigung der Person, verbunden mit einer Längsbeanspruchung zumindest der Zugmittel 20, verharrt die Trägheitsmasse 48, während die Wickeltrommel 36, bedingt durch den Auszug des Zugmittels 20, weiterdreht. Der Zapfen 49 an der Trägheitsmasse 48 verlagert dann die mit der Wickeltrommel 36 weiterdrehende Rastklinke 47 so, dass sie in die Verzahnung 44 der Steuerrings 45 eingreift. Dieser wird folglich mitgedreht und schwenkt über die Mitnehmergabel 43 den Rückstellhebel 42 i n dem Sinne, d ass d ie Klinken 41 d er Sperrklinke 39 in die Verzahnungen 40 der Zahnscheiben 38 eingreifen. Ein weiteres Abspulen des Zugmittels 20 wird unterbunden.
Bei Verlagerung des Handhebels 26 in die Sperrposition III wird die Sperrklinke 39 sofort mit den Verzahnungen 40 der Zahnscheiben 38 in Eingriff gebracht, so dass dann keine Verdrehung der Wickeltrommeln 36 in Abspulrichtung PF möglich ist.
Die Figur 2 zeigt eine Variante 25a der Steuerung, wonach ein 1. Handhebel 53 die Veränderung der Neutralposition I in die Öffnungsposition II und ein 2. Handhebel 54 die Veränderung der Neutralposition I in die Sperrposition III übernehmen.
Bezugszeichenaufstellung 1 - Positionssicherung 2 - Fahrzeug 3 - Gurtzeug 4 - Beckengurt v. 3 5 - Beckengurthalften v. 3 6 - Oberschenkelgurte v. 3 7 - Gesäßgurt v. 3 8 - Schultergurt v. 3 9 - Rückengurt v. 3 10 - Zentralverschluss 11 - Verschlusszungen v. 5 und 8 12 - Verschlusszunge v. 6 13 - Verankerungsband 14 - Längenabschnitte v. 9 15 - Schlaufenverbindung 16 - Gurt v. 17 17 - ELR 18 - Gehäuse v. 17 19 - Koppelstellen zwischen 5 und 20 20 - Zugmittel v. 21 21 - MFR 22 - Gehäuse v. 21 23 - Achse v. 21 24 - Bowdenzüge
- Steuerung- Handhebel v. 25 - Seilauslauf - Seilkausche - Abschnitt v. 30 - Träger v. 5 - Außengewinde an 29 - Überwurfmutter - Nase an 30- Ende v. 32- Inneres v. 27 - Wickeltrommel- Seilnut auf 36 - Zahnscheiben- Sperrklinke - Verzahnungen v. 38 - Klinken v. 39 - Rückstellhebel an 39 - Mitnehmergabel - Innenverzahnung v. 45 - Steuerring - Achse v. 47 - Rastklinke - Trägheitsmasse - Zapfen an 48
0 - Taststift1 - Hebelanordnung2 - Schwenkhebel3 - 1. Handhebel v. 25a4 - 2. Handhebel v. 25a
F - Abspulrichtung v. 20 - Uhrzeigersinn v. 36
a - Steuerung