Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii
Die vorliegende Erfindung betrifft eine neue NADPH abhängige Oxidoreduktase aus Hefen, beispielsweise der Gattung Metschnikowia, insbesondere aus Metschnikowia zobellii, ein enzymatisches Verfahren zur enantioselektiven Reduktion organischer Ketoverbindungen zu den entsprechenden Hydroxyverbindungen und ein enzymatisches Verfahren zur enantioselektiven Gewinnung von Hydroxyverbindungen im Zwei-Phasen-System unter Verwendung der isolierten rekombinant überexprimierten Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii.
Optisch aktive Hydroxyverbindungen sind wertvolle chirale Bausteine mit breiter Anwendung für die Synthese von pharmakologisch wirksamen Verbindungen, aromatischer Substanzen, Pheromonen, Agrochemikalien oder Enzym- inhibitoren.
Die Zahl der für großtechnische Anwendungen in der Biokatalyse geeigneter und in ausreichendem Maße preiswert zur Verfügung stehender Carbonyl- reduktasen ist dabei sehr begrenzt. Bei den bisher in Form von isolierten Enzymen einsetzbaren Alkoholdehydrogenasen handelt es sich weitgehend um sekundäre Alkoholdehydrogenasen, deren Substratspektrum auf Substrate mit einer großen und einer kleinen Seitenkette in Nachbarschaft zur Car- bonylfunktion beschränkt ist, wobei die maximale Länge der kleineren der beiden Seitenketten drei C-Atome betragen darf.
Solche Enzyme sind beispielsweise
Aikohoidehydrogenase aus Pferdeleber (HLADH) (Enzyme Engineering, Vol 6,
1982, Seite 107).
Aikohoidehydrogenase aus Hefe (YADH) (Alcohoi dehydrogenases: The Enzymes, (1963) Seiten 25-83. New York: Academic Press), Carbonylreduktase aus Candida parapsilosis (CPCR) (US 5,523,223 und US 5,763,236) oder Pichia capsulata ADH (DE10327454.4).
Carbonylreduktase aus Rhodococcus erythropolis (RECR) (US 5,523,223) und Norcardia fusca (Biosci. Biotechnol. Biochem.,63 (10) (1999), Seiten 1721- 1729),
Alkohodehydrogenase aus Candida boidinii (Biochim,. Biophys. Acta 716, (1982), Seiten 298-307) oder
Aikohoidehydrogenase aus Sulfolobus solfataricus (FEMS Microbiology Letters, 170 (1999), Seiten 31-39).
R-spezifische sekundären Alkoholdehydrogenasen aus Organismen der Gattung Lactobacillus (Lactobacillus kefir (US5200335), Lactobacillus brevis (DE 19610984 A1), Lactobacillus minor (DE10119274) oder Pseudomonas (US 05385833).
Des weiteren werden noch Enzyme aus den Organismen Candida magnoliae (WO 98/35025), Kluyveromyces lactis (JP-A Hei 11-187869) und Sporo- bolomyces salmonicolor (FEMS Microbiology Letters 70 (1990) 45-48) zur Ketoredukion verwendet. Bei diesen Enzymen handelte es sich um Homologe zur Untereinheit des Fettsäuresynthasekomplexes deren Anwendung bisher auf die Reduktion von 4-Chloracetoacetat beschränkt blieb.
Wenige der genannten Carbonylreduktasen haben bisher großtechnisch Anwendung gefunden. Der Hauptgrund hierfür ist neben den oft zu engen Substratspektren oder der geringen Enantioselektivität der Enzyme vor allem die Verfügbarkeit dieser Enzyme. Die meisten der genannten Enzyme konnten bisher nicht rekombinant in ausreichendem Maße zu günstigen Preisen zur Verfügung gestellt werden.
Es wurde nun gefunden, dass durch eine neue Oxidoreduktase die genannten Nachteile der Verfahren aus dem Stand der Technik behoben werden können. Bei der erfindungsgemäßen Oxidoreduktase handelt es sich um eine neuartige Oxidoreduktase die keinerlei Verwandtschaft oder Homologie zu bereits bekannten Carbonylreduktasen aufweist.
Die Stereoselektivität der erfindungsgemäßen Oxidoreduktase wird dabei nicht nur durch die Größe der die Carbonylgruppe flankierenden Seitenketten sondern auch durch deren Hydrophobizität bestimmt. Dadurch unterscheiden sich Substratspektrum und Enantioselektivität der erfindungsgemäßen Oxido- reduktase deutlich von der bekannter Enzymklassen.
Die erfindungsgemäße Oxidoreduktase ist dadurch gekennzeichnet, dass sie in Anwesenheit von NADPH und Wasser Carbonylverbindung zu den entsprechenden chiralen Hydroxyverbindungen reduziert. Sie kann beispielsweise aus Hefen der Gattung Metschnikowia, insbesondere aus Metschnikowia zobellii gewonnen werden.
Bevorzugt ist eine Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii, die die DNA- Sequenz gemäß SEQ ID NO: 12 und die Aminosäuresequenz gemäß SEQ ID NO: 13 aufweist, wie im anliegenden Sequenzprotokoll beschrieben.
Gegenstand der Erfindung ist weiterhin eine Oxidoreduktase, in der mehr als 70 % der Aminosäuren identisch sind mit der Aminosäuresequenz SEQ ID NO: 13 und sie eine spezifische Aktivität von mehr als 1 μmol pro mg Protein aufweist, bezogen auf die Umsetzung von 2-Oxo-4-phenylbuttersäureethylester zu (R)-2- Hydroxy-4-phenylbuttersäureethylester. Bevorzugt ist eine Oxidoreduktase, in der 80 % bis 99,5 %, insbesondere 90 % bis 99,5 %, insbesondere bevorzugt 99 % bis 99,5 % der Aminosäuren identisch sind mit der Aminosäuresequenz von SEQ ID NO: 13. Die Messung der spezifischen Aktivität der Oxidoreduktase gemäß SEQ ID NO: 13 oder seiner wie nachfolgend definierten Derivate oder Analogons erfolgt mit dem Testsystem, das in Beispiel 1 beschrieben wird.
Geeignet sind auch Oxidoreduktasen, die 1 bis 40 Aminosäuren zusätzlich oder 1 bis 40 Aminosäuren weniger aufweisen als die Oxidoreduktase mit der Aminosäuresequenz SEQ ID NO: 13 und die eine spezifische Aktivität von mehr als 1 μmol pro mg Protein zeigt, bezogen auf die Umsetzung von 2-Oxo- 4-phenylbuttersäureethylester zu (R)-2-Hydroxy-4-phenylbuttersäureethylester. Bevorzugt sind die Oxidoreduktasen, in denen 1 bis 25 Aminosäuren,
insbesondere 2 bis 20 Aminosäuren, insbesondere bevorzugt 3 bis 10 Aminosäuren mehr oder weniger in der Aminosäuresequenz SEQ ID NO: 13 vorkommen.
Verwendbar ist auch eine Oxidoreduktase, die die Aminosäuresequenz von SEQ ID NO: 13 aufweist und ein-, zwei-, drei-, vier- oder fünffach derivatisiert ist durch ein wasserlösliches Polymer und die eine spezifische Aktivität von mehr als 1 μmol pro mg Protein aufweist, bezogen auf die Umsetzung von 2-Oxo-4- phenylbuttersäureethylester zu (R)-2-Hydroxy-4-phenylbuttersäureethylester. Ein wasserlösliches Polymer ist beispielsweise Polyethylenglykol. Die Bindung des Polyethylenglykols erfolgt bevorzugt am N-terminalen Ende des Proteins gemäß SEQ ID NO: 13 . Die Oxidoreduktase gemäß SEQ ID NO: 13 kann auch an einen Festkörper, bevorzugt aus Polyethylen, Polystyrol, Polysaccharid, Cellulose oder einem Cellulosederivat, gebunden sein.
Die Erfindung betrifft ferner Proteinfragmente der Aminosäuresequenz SEQ ID NO: 13 mit 5 bis 30 Aminosäuren je Fragment. Bevorzugt sind Fragmente von SEQ ID NO: 13 mit einer Kettenlänge von 6 bis 25 Aminosäuren, bevorzugt 8 bis 20 Aminosäuren, besonders bevorzugt 10 bis 18 Aminosäuren. Diese Fragmente können beispielsweise zum Auffinden der erfindungsgemäßen Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii oder aus beliebig anderen Mikroorganismen eingesetzt werden.
Die Erfindung betrifft ferner ein Fusionsprotein, das die Oxidoreduktase mit der Aminosäuresequenz SEQ ID NO: 13 oder ein Fragment davon mit 5 bis 30 Aminosäuren umfaßt, die mit einem weiteren Polypeptid am N-terminalen oder Carboxy-terminalen Ende peptidisch verbunden sind. Fusionsproteine können beispielsweise leichter von anderen Proteinen abgetrennt werden oder werden in einer größeren Menge in den Zellen exprimiert.
Die Erfindung betrifft ferner Antikörper, die spezifisch an die Oxidoreduktase gemäß SEQ ID NO: 13 binden. Die Herstellung dieser Antikörper erfolgt nach bekannten Methoden durch Immunisierung von geeigneten Säugetieren und
anschließender Gewinnung der Antikörper. Die Antikörper können monoklonal oder polyklonal sein.
Die Erfindung betrifft auch die (isolierte) Nukleinsäuresequenz, die für die Oxidoreduktase gemäß SEQ ID NO: 13 kodiert.
Die Erfindung betrifft ferner die (isolierte) Desoxyribonukleinsäuresequenz (DNA-Sequenz) der Oxidoreduktase, die die Reduktion von Carbonyl- verbindung in Anwesenheit von NADPH und Wasser zu den entsprechenden Hydroxyverbindungen katalysiert, wobei die DNA-Sequenz ausgewählt wird aus der Gruppe
a) DNA-Sequenz, welche die Nukleotidsequenz gemäß SEQ ID NO: 12, SEQ ID NO: 7 oder SEQ ID NO: 8 aufweist oder der jeweils komplemen- täre Strang, b) DNA-Sequenz, welche mit einer oder mehrerer der DNA-Sequenzen gemäß a) oder seiner komplementären Stränge hybridisiert, wobei die Hybridisierung unter stringenten Bedingungen wie beschrieben (Sambrok and Rüssel, Molecular Cloning a laboratory Manual , Vol 1 , Chapter 1 Protocol 30-32) erfolgt, und c) DNA-Sequenz, welche auf Grund der Degeneration des genetischen Codes, ein Protein kodiert, das durch eine oder mehrere der DNA- Sequenzen gemäß a) oder b) kodiert wird.
Die Erfindung betrifft ferner eine DNA-Sequenz, in der mehr als 70 % der Nukleinsäurebasen identisch sind mit der DNA-Sequenz gemäß SEQ ID NO: 12 oder deren komplementären Stränge und die für eine Oxidoreduktase kodiert, die eine spezifische Aktivität von mehr als 1 μmol pro mg Protein aufweist, bezogen auf die Umsetzung von 2-Oxo-4-phenyl-buttersäureethylester zu (R)- 2-Hydroxy-4-phenyl-buttersäureethylester. Bevorzugt sind DNA-Sequenzen, in denen 80 % bis 99,5 %, bevorzugt 90 % bis 99,5 %, besonders bevorzugt 99 % bis 99,5 %, der Nukleinsäurebasen identisch sind mit der DNA-Sequenz gemäß SEQ ID NO: 12.
Die Erfindung betrifft ferner eine Nukleinsäuresequenz mit 10 bis 50 Nukleinsäurebasen, die eine Sequenz aufweist, die einen Teile oder mehrere Teile der DNA-Sequenz gemäß SEQ ID NO: 12 oder deren komplementären Strängen entspricht. Bevorzugt ist eine Nukleinsäuresequenz mit 15 bis 45 Nuklein- säurebasen, insbesondere 20 bis 40 Basen, insbesondere bevorzugt 30 bis 40 Nukleinsäurebasen der genannten DNA-Sequenzen. Die genannten Nuklein- säuresequenzen sind geeignet als molekulare Proben oder als Primer für die Polymerase-Ketten-Vervielfältigungsreaktion (PCR).
Die Erfindung betrifft ferner einen Klonierungsvektor, enthaltend eine oder mehrere der obengenannten Nukleinsäure- oder DNA-Sequenzen. Die Erfindung betrifft ferner einen Expressionsvektor, der sich in einer Bakterien-, Insekten-, Pflanzen- oder Tierzelle (insbesondere Säugetierzelle) befindet und eine oder mehrere der obengenannten Nukleinsäure- oder DNA-Sequenzen enthält, die in geeigneter Weise mit einer Expressionskontrollsequenz verbunden sind. Die Erfindung betrifft ferner eine Wirtszelle, die eine Bakterien-, Hefe-, Insekten-, Pflanzen- oder (Säuge-)Tierzelle ist und mit einem der obengenannten Expressionsvektoren transformiert oder transfektiert wurde.
Die Identitäten der vorgenannten DNA-Sequenzen oder Aminosäuresequenz werden dadurch berechnet, dass man die Anzahl der Aminosäuren oder Nukleinsäurebasen summiert, die mit Teilsequenzen der jeweiligen Proteine oder DNA-Sequenzen identisch sind, durch die Gesamtzahl der Aminosäuren oder Nukleinsäurebasen dividiert und mit Hundert multipliziert.
Geeignete Klonierungsvektoren sind beispielsweise ppCR-Script, pCMV-Script , pBluescript (Stratagene), pDrive cloning Vector (Qiagen, Hilden, Deutschland), pS Blue, pET Blue, pET LIC-Vektoren (Novagen, Madison, USA) sowie TA- PCR Klonierungsvektoren (Invitrogen, Karlsruhe, Deutschland).
Geeignete Expressionsvektoren sind beispielsweise pKK223-3, pTrc99a, pUC, pTZ, pSK, pBluescript, pGEM, pQE, pET, PHUB, pPLc, pKC30, pRM1/pRM9, pTrxFus,pAS1 , pGEx, pMAL oder pTrx.
Geeignete Expressionskontrollsequenzen sind beispielsweise trp-lac (tac)- Promotor, trp-lac (trc) promotor, lac-Promotor, T7-Promotor oder λpL-Promotor.
Die Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii ist ein Monomer mit einem Molekulargewicht bestimmt im SDS-Gel von 36 + 2 kDa. Das Temperaturoptimum der Oxidoreduktase liegt im Bereich von 20 °C bis 25 °C und das pH- Optimum für die Reduktionsreaktion liegt im Bereich von 5,5 bis 6,5. Die Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii ist im pH-Bereich von 5,5 bis 8,5 und im Temperaturbereich von 15 °C bis zu 30 °C für 5 Stunden stabil und zeigt ferner eine gute Stabilität in organischen Lösungsmitteln.
Das Enzym ist insbesondere aus Hefen der Gattung Metschnikowia isolierbar und kann im spektrophotometrischen Test über die Abnahme von NADPH bei 340 nm in Gegenwart eines entsprechenden Substrates, beispielsweise 2-Oxo- 4-phenyl-buttersäureethylester, nachgewiesen werden.
Eine erfindungsgemäße Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii wurde kloniert und konnte in Escherichia coli (E. coli) mit Aktivitäten von 1000 bis 10 000 U/g E. coli Feuchtgewicht überexprimiert werden. Das Enzym ist somit preiswert und in großen Mengen verfügbar.
Sequenzvergleiche in Datenbanken ergaben, dass die Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii keine direkte Homologie zu bekannten Enzymen aufweist, eine entfernte Verwandschaft konnte zur Gruppe der Hydroxysteroid- dehydrogenasen festgestellt werden.
Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Gewinnung der Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii. Dazu wird die DNA, die für die Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii kodiert, beispielsweise in einem geeigneten pro- karyotischen oder eukaryotischen Mikroorganismus exprimiert. Bevorzugt wird die Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii in einen E. coli Stamm transfor-
miert und exprimiert, insbesondere in E. coli BL21star (DE3) Zellen (Invitrogen, Katalognummer C6010-03).
Die Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii lässt sich beispielsweise so gewinnen, dass die oben genannten rekombinanten E. coli Zellen kultiviert werden, die Expression der Oxidoreduktase induziert wird und anschließend nach etwa 10 bis 18 Stunden die Zellen durch Ultraschallbehandlung oder durch Naßvermahlung mit Glasperlen in einer Kugelmühle (Retsch, GmbH, Haan Deutschland 10 min, 24 Hz) aufgeschlossen werden. Der erhaltene Zellextrakt kann entweder direkt verwendet oder weiter gereinigt werden. Dazu wird der Zellextrakt beispielsweise zentrifugiert und der erhaltene Überstand wird einer hydrophoben Interaktionschromatographie unterworfen, beispielsweise an Octylseparose Fast Flow® (Pharmacia).
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur enantioselektiven Reduktion von Carbonylverbindungen zu den entsprechenden chiralen Hydroxyverbindungen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass man a) eine Carbonylverbindung in Anwesenheit der erfindungsgemäßen Oxidoreduktase, NADPH und Wasser zur entsprechenden chiralen Hydroxy-verbindung reduziert, und b) die gebildete chirale Hydroxyverbindung isoliert.
Das erfindungsgemäße Verfahren weist eine hohe Standzeit auf, eine enantiomeren Reinheit von mehr als 90 % der hergestellten chiralen Hydroxyverbindungen und eine hohe Ausbeute bezogen auf die eingesetzte Menge der Carbonylverbindung.
Unter dem Begriff „NADPH" wird reduziertes Nicotinamid-adenin-dinucleotid- phosphat verstanden. Unter dem Begriff „NADP" wird Nicotinamid-adenin- dinucleotid-phosphat verstanden.
Unter dem Begriff „Carbonylverbindung" werden beispielsweise Verbindungen der Formel I R1-C(0)-R2 (I) verstanden.
R1 steht beispielsweise für 1 ) (Cι-C20)Alkyl, das gerad kettig oder verzweigt ist, 2) (C2-C20)Alkenyl, das geradkettig oder verzweigt ist und, je nach Kettenlänge, ein, zwei, drei oder vier Doppelbindungen enthält, 3) (C2-C2o)Alkinyl, das geradkettig oder verzweigt ist und, je nach Kettenlänge, ein, zwei, drei oder vier Dreifachbindungen enthält, 4) (C6-C14)Aryl, 5) (C1-C8)Alkyl-(C6-C14)Aryl, 6) einen (C5-Cι4)Heterocyclus, der unsubstituiert oder ein- bis dreifach substituiert ist, bevorzugt durch Halogen, Hydroxyl, Amino oder Nitro, oder 7) (C3-C7)Cycloalkyl, wobei die oben unter 1) bis 7) genannten Reste unsubstituiert sind oder ein-, zwei- oder dreifach substituiert sind unabhängig voneinander durch a) -OH, b) Halogen, wie Fluor, Chlor, Brom oder Jod, c) -N02 oder d) -NH2.
R2 steht beispielsweise für 1) (Ci-CßJAlkyl, das geradkettig oder verzweigt ist, 2) (C2-C6)Alkenyl, das geradkettig oder verzweigt ist und, je nach Kettenlänge, ein, zwei oder drei Doppelbindungen enthält, 3) (C2-C6)Alkinyl, das geradkettig oder verzweigt ist und, je nach Kettenlänge, ein oder zwei Dreifachbindungen enthält, oder
4) (C0-C10)Alkyl-C(O)-O-(C1-C6)Alkyl, worin Alkyl gerade oder verzweigt ist und unsubstituiert oder ein- bis dreifach substituiert ist durch Halogen, Hydroxyl, Amino oder Nitro, wobei die oben unter 1) bis 4) genannten Reste unsubstituiert sind oder ein-, zwei- oder dreifach substituiert sind unabhängig voneinander durch a) -OH, b) Halogen, wie Fluor, Chlor, Brom oder Jod, c) -N02 oder d) -NH2.
Unter dem Begriff chirale Hydroxyverbindung werden beispielsweise Verbindungen der Formel II R1-C(OH)-R2 (II)
verstanden, wobei die -OH Gruppe in Abhängigkeit der Reste R1 und R2 in R- oder in S-Konfiguration zum Kohlenstoffatom steht an das sie gebunden ist und R1 und R2 dieselbe Bedeutung wie in Formel I haben.
Unter dem Begriff Aryl werden aromatische Kohlenstoffreste verstanden mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen im Ring. (C6-C14)Arylreste sind beispielsweise Phenyl, Naphthyl, zum Beispiel 1-Naphthyl, 2-Naphthyl, Biphenylyl, zum Beispiel Biphenyl-2-yl, Biphenyl-3-yl und Biphenyl-4-yl, Anthracenyl oder Fluorenyl. Biphenylylreste, Naphthylreste und insbesondere Phenylreste sind bevorzugte Arylreste. Unter dem Begriff "Halogen" wird ein Element aus der Reihe Fluor, Chlor, Brom oder Jod verstanden. Unter dem Begriff "(Cι-C20)Alkyl wird ein Kohlenwasserstoffrest verstanden, dessen Kohlenstoffkette geradkettig oder verzweigt ist und 1 bis 20 Kohlenstoffatome enthält. Beispiele sind Methyl, Ethyl, Propyl, Isopropyl, Butyl, tert.-Butyl, Pentyl, Hexyl, Heptyl, Octyl, Nonyl oder Decyl. Unter "C0-Alkyl" soll im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung eine kovalente Bindung verstanden werden.
Unter dem Begriff ,,(C3-C7)Cycloalkyl" werden cyclische Kohlenwasserstoffreste verstanden wie Cyclopropyl, Cylobutyl, Cyclopentyl, Cyclohexyl oder Cycloheptyl.
Der Begriff "(Cs-C-^Heterocyclus" steht für einen monocyclischen oder bicycli- schen, 5-gliedrigen bis 14-gliedrigen heterocyclischen Ring, der teilweise oder vollständig gesättigt ist. Beispiele für Heteroatome sind N, O und S. Beispiele für die Begriffe (C5-Cι4)Heterocyclus sind Reste, die sich von Pyrrol, Furan, Thiophen, Imidazol, Pyrazol, Oxazol, Isoxazol, Thiazol, Isothiazol, Tetrazol, 1 ,2,3,5-Oxathiadiazol-2-Oxide, Triazolone, Oxadiazolone, Isoxazolone, Oxa- diazolidindione, Triazole, die durch F, -CN, -CF3 oder -CO-0-(Cι-C4)Alkyl substituert sein können, 3-Hydroxy-pyrrolidin-2,4-dione, 5-Oxo-1 ,2,4-thia- diazole, Pyridin, Pyrazin, Pyrimidin, Indol, Isoindol, Indazol, Phthalazin, Chinolin, Isochinolin, Chinoxalin, Chinazolin, Cinnolin, Carbolin und benz- anellierte, cyclopenta-, cyclohexa- oder cyclohepta-anellierte Derivate dieser Heterocyclen ableiten. Insbesondere bevorzugt sind die Reste 2- oder 3- Pyrrolyl, Phenylpyrrolyl wie 4- oder 5-Phenyl-2-pyrrolyl, 2-Furyl, 2-Thienyl, 4- Imidazolyl, Methyl-imidazolyl, zum Beispiel 1-Methyl-2-, -4- oder -5-imidazolyl, 1 ,3-Thiazol-2-yl, 2-Pyridyl, 3-Pyridyl, 4-Pyridyl, 2-, 3- oder 4-Pyridyl-N-oxid, 2- Pyrazinyl, 2-, 4- oder 5-Pyrimidinyl, 2-, 3- oder 5-lndolyl, substituiertes 2-lndolyl, zum Beispiel 1 -Methyl-, 5-Methyl-, 5-Methoxy-, 5-Benzyloxy-, 5-Chlor- oder 4,5- Dimethyl-2-indolyl, 1-Benzyl-2- oder -3-indolyl, 4,5,6,7-Tetrahydro-2-indolyl, Cyclohepta[b]pyrrol-5-yl, 2-, 3- oder 4-Chinolyl, 1-, 3- oder 4-lsochinolyl, 1-Oxo- 1 ,2-dihydro-3-isochinolyl, 2-Chinoxalinyl, 2-Benzofuranyl, 2-Benzo-thienyl, 2- Benzoxazolyl oder Benzothiazolyl oder Dihydropyridinyl, Pyrrolidinyl, zum Beispiel 2- oder 3-(N-Methyl-pyrrolidinyl), Piperazinyl, Morpholinyl, Thiomorpho- linyl, Tetrahydrothienyl oder Benzodioxolanyl.
Bevorzugte Verbindungen der Formel l sind beispielsweise 2-Oxo-4-phenyl- buttersäureethylester, Ethylphenylglyoxylat, 1-Phenyl-2-propanon, 2,3-Dichlor- acetophenon, 2-Octanon, 8-Chlor-6-oxo-octansäureethylester, 3-Oxo-octan-1 ,8- disäuredimethylester, 2-Oxo-cyclohexancarbonsäureethylester, 2-Methyl-cyclo- hexanon oder 3-Methyl-cyclohexanon .
Die entsprechend gebildeten S-Alkohole sind beispielsweise (R)-2-Hydroxy-4- phenylbuttersäureethylester, Ethyl-(R)-mandelat, (S)-2-Octanol oder (R)-Ethyl- 8-chlor-6-hydroxy-octansäure, (S)-1-Phenyl-2-propanol oder (R)-2-Chlor-1-(3- chlorphenyl)-ethan-1 -ol.
Geeignete Oxidoreduktasen stammen beispielsweise aus Metschnikowia zobellii. Die Oxidoreduktase kann in dem erfindungsgemäßen Verfahren entweder vollständig gereinigt oder teilweise gereinigt eingesetzt werden oder mit Zellen, enthaltend die erfindungsgemäße Oxidoreduktase, durchgeführt wer- den. Die eingesetzten Zellen können dabei nativ, permeabilisiert oder lysiert vorliegen. Bevorzugt wird die Monierte Oxidoreduktase gemäß SEQ ID NO: 13 eingesetzt.
Die Volumenaktivität der eingesetzten Oxidoreduktase beträgt von 100 Units/ml (U/ml) bis 5000 U/ml, bevorzugt etwa 500 U/ml.
Je kg umzusetzender Verbindung der Formel I werden 5000 bis 2 000 000 U Oxidoreduktase eingesetzt, bevorzugt etwa 10 000 bis 500 000 U. Der Enzymeinheit 1 U entspricht dabei der Enzymmenge die benötigt wird um 1 μmol der Verbindung der Formel I je Minute (min) umzusetzen.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur enantioselektiven Reduktion von Carbonylverbindungen zu den entsprechenden chiralen Hydroxyverbindungen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass man a) eine Carbonylverbindung in Anwesenheit von Oxidoreduktase, NADPH und Wasser zum entsprechenden chiralen Hydroxyverbindung reduziert, b) das durch die Oxidoreduktase gebildete NADP mit einer Dehydrogenase und einem Cosubstrat gleichzeitig zu NADPH reduziert, und c) die gebildete chirale Hydroxyverbindung isoliert.
Geeignete Dehydrogenasen sind beispielsweise sekundäre Alkohol-Dehydro- genasen aus Thermoanaerobium brockii, Lactobacillus kefir oder Lactobacillus
brevis, wobei diese Enzyme als Coenzym NADPH benötigen (DE 19 610 984, EP 0 456 107, WO 97/32012).
Geeignete Cosubstrate für die eingesetzte Alkohol-Dehydrogenase sind Alkohole wie 2-Propanol (Isopropanol), 2-Butanol, 2-Pentanol oder 2-Octanol.
Ferner kann die NADP-Reduktion auch mit den bekannten zur Regenerierung von NADPH verwendeten Enzymen durchgeführt werden, beispielsweise mit Glucose-Dehydrogenase oder NADPH abhängiger Formiat-Dehydrogenase (Tishkov et al., J. Biotechnol. Bioeng. [1999] 64, 187-193, Pilot-scale production and isolation of recombinant NAD and NADP specific formate dehydrogenase).
Das geeignte Cosubstrat für das erfindungsgemäße Verfahren ist bei Einsatz der Glucose-Dehydrogenase Glucose. Geeignete Cosubstrate der Formiat- Dehydrogenase sind beispielsweise Salze der Ameisensäure wie Ammonium- formiat, Natriumformiat oder Calciumformiat.
Bevorzugt werden die Alkoholdehydrogenasen aus Lactobacillus minor (DE 101 19274) oder Thermoanerobium brockii eingesetzt.
Die Alkohol-Dehydrogenase kann in dem erfindungsgemäßen Verfahren entweder vollständig gereinigt oder teilweise gereinigt eingesetzt werden oder es können ganze Zellen, die die Alkohol-Dehydrogenase enthalten, verwendet werden. Die eingesetzten Zellen können dabei nativ, permeabilisiert oder lysiert vorliegen.
Je kg umzusetzender Verbindung der Formel I werden 10 000 U bis 2 000 000 U Alkohol-Dehydrogenase eingesetzt, bevorzugt etwa 20 000 U bis 500 000 U. Der Enzymeinheit 1 U entspricht dabei der Enzymmenge die benötigt wird um 1 μmol des Cosubstrates (z.B. 2-Propanol) je Minute (min) umzusetzen.
Dem Wasser wird bevorzugt ein Puffer zugesetzt, beispielsweise Kaliumphosphat-, Tris/HCI- oder Triethanolamin-Puffer mit einem pH-Wert von
5 bis 10, vorzugsweise ein pH-Wert von 6 bis 9. Die Pufferkonzentration beträgt von 10 mM bis 200 mM, bevorzugt von 50 mM bis 150 mM, insbesondere 100 mM.
Der Puffer kann zusätzlich noch Ionen zur Stabilisierung oder Aktivierung beider Enzyme enthalten, beispielsweise Magnesiumionen zur Stabilisierung der Alkohol-Dehydrogenase aus Lactobaillus minor.
Weiterhin kann der Puffer Detergenzien enthalten, beispielsweise ©Triton X100, Triton X45, Triton X114, Triton X450 zur Reaktionsvermittlung.
Die Temperatur beträgt bei den erfindungsgemäßen Verfahren beispielsweise von etwa 10 °C bis 30 °C, bevorzugt von 20°C bis 25 °C.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur enantioselektiven Reduktion von Carbonylverbindungen zu den entsprechenden chiralen Hydroxyverbindungen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass man a) eine Carbonylverbindung in Anwesenheit der erfindungsgemäßen Oxido- reduktase, NADPH und Wasser zur entsprechenden chiralen Hydroxyverbindung reduziert, b) das durch die Oxidoreduktase gebildete NADP mit einer Dehydrogenase und einem Cosubstrat gleichzeitig zu NADPH reduziert, c) die Reaktionen in Anwesenheit eines organischen Lösungsmittel durchführt und d) die gebildete chirale Hydroxyverbindung isoliert.
Die bevorzugten organischen Lösungsmittel sind beispielsweise tertiär- Butylmethylether, Diisopropylether, Heptan, Hexan oder Cyclohexan oder deren Gemische unterschiedlicher Zusammensetzung.
Der Reaktionsansatz besteht beim Einsatz zusätzlicher Lösungsmittel allgemein aus einer wäßrigen Phase und einer organischen Phase. Die organische Phase
wird durch ein geeignetes Lösungsmittel in dem das Substrat gelöst vorliegt oder wird durch das wasserunlösliche Substrat selbst gebildet. Die organische Phase hat dabei allgemein einen Anteil von etwa 5 bis 80 %, bevorzugt 10 bis 40 %, bezogen auf das gesamte Reaktionsvolumen.
Das Wasser bildet im Zwei-Phasen-System die eine flüssige Phase und das organische Lösungsmittel bildet die zweite flüssige Phase. Gegebenenfalls kann auch noch eine feste oder weitere flüssige Phase vorliegen, die beispielsweise durch nicht vollständig gelöste Oxidoreduktase und/oder Alkohol-Dehydrogenase oder durch die Verbindung der Formel I entsteht. Bevorzugt sind jedoch zwei flüssige Phasen ohne feste Phase. Die zwei flüssigen Phasen werden bevorzugt mechanisch gemischt, so dass große Oberflächen zwischen den beiden flüssigen Phasen erzeugt werden.
Die Konzentration des Cofaktors NADPH bezogen auf die wässrige Phase beträgt von 0,001 mM bis 1 mM, insbesondere von 0,01 mM bis 0,1 mM.
Bevorzugt wird im erfindungsgemäßen Verfahren noch ein Stabilisator der Alkohol-Dehydrogenase eingesetzt. Geeignete Stabilisatoren sind beispiels- weise Glycerin, Sorbit oder Dimethylsulfoxid (DMSO).
Die Verbindungen der Formel I werden im erfindungsgemäßen Verfahren in einer Menge von 2 % bis 30 % (w/v) bezogen auf das Gesamtvolumen eingesetzt, bevorzugt von 5% bis 20 % (w/v), insbesondere 8 % bis 15 % (w/v).
Die Menge des Cosubstrats für die Regenerierung von NADP zu NADPH wie Isopropanol beträgt von etwa 2 % bis 30 % bezogen auf das Gesamtvolumen, bevorzugt von 5 % bis 20 % , insbesondere von 8 % bis 15 % .
Das erfindungsgemäße Verfahren wird beispielsweise in einem geschlossen Reaktionsgefäß aus Glas oder Metall durchgeführt. Dazu werden die Komponenten einzeln in das Reaktionsgefäß überführt und Rühren unter einer Atmosphäre von beispielsweise Stickstoff oder Luft gerührt. Je nach Substrat
und eingesetzter Verbindung der Formel I beträgt die Reaktionszeit von 1 Stunde bis 96 Stunden, insbesondere von 2 Stunden bis 24 Stunden.
Anschließend wird das Reaktionsgemisch aufgearbeitet. Dazu wird die wässrige Phase abgetrennt, die organische Phase wird gefiltert. Die wässrige Phase kann gegebenenfalls noch einmal extrahiert werden und wie die organische Phase weiter aufgearbeitet werden. Danach wird gegebenenfalls das Lösungsmittel aus der klaren organischen Phase verdampft. Man erhält so beispielsweise das Produkt (R)-2-Hydroxy-4-phenylbuttersäureethylester mit einer Enantiomerenreinheit von mehr als 90 %. Die Gesamtausbeute der Prozesses beträgt nach Destillation des Produktes etwa 50 % bis 95 %, bezogen auf die Menge Ausgangsmaterials.
Die Erfindung soll mit folgenden Beispielen erläutert werden:
Beispiel 1
Screening von Hefen nach Carbonylreduktasen zur Darstellung von (R)-2-
Hydroxy-4-phenylbuttersäureethylester
Zum Screening wurden eine Reihe verschiedene Hefestämme in folgendem Medium kultiviert: Die Angaben in der Klammer beziehen sich jeweils auf g pro Liter Wasser: Hefeextrakt (3), Malzextrakt (3), Peptone (5) und Glucose (10).
Das Medium wurde bei 121 °C sterilisiert und die Hefen wurden ohne weitere pH-Regulierung bei 25 °C und auf einem Schüttler bei 160 Umdrehungen pro Minute (rpm) kultiviert.
Anschließend wurden 125 mg Zellen mit 800 μl Aufschlusspuffer (100 mM Triethanolamin (TEA), pH = 7,0) resuspendiert, mit 1 g Glasperlen versetzt und 10 Minuten (min) bei 4 °C und 24 Hz in der Kugelmühle aufgeschlossen (Retsch). Der nach 2 min Zentrifugation bei 12000 rpm erhaltene Überstand (Lysat) wurde im folgenden Aktivitätsscreening und zur Bestimmung des
Enantiomerenüberschusses (ee-Wert) eingesetzt. Als Substrat wurde 2-Oxo-4- phenyl-buttersäureethylester eingesetzt.
Ansatz für das Aktivitätsscreening: 860 μl 0,1 M TEA pH = 7,0 20 μl NADPH oder NADH (10 mM) 20 μl Lysat
10O μl 2-Oxo-4-phenyl-buttersäureethylester (10 mM)
Die Reaktion wurde 1 min bei 340 nm verfolgt.
Ansatz für die ee-Wert-Bestimmung: 20 μl Lysat
10O μl NADPH (50 mM) 2 μl 2-Oxo-4-phenyl-buttersäureethylester
Die Ansätze zur ee-Bestimmung wurden nach 24 Stunden (h) mit Chloroform extrahiert und mittels Gaschromatographie (GC) wurde der Enantiomeren- überschuss bestimmt.
Der Enantiomerenüberschuss wurde wie folgt berechnet: ee(%) = ((R-Alkohol -S-Alkohol)/(R-Alkohoi+ S-Alkohol)) x 100.
Tabelle 1
DSMZ steht für Deutschen Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen, Mascheroder Weg 1b, 38124 Braunschweig Definition der Enzymeinheiten: 1 U entspricht der Enzymmenge die benötigt wird um 1 μmol Substrat pro min umzusetzen.
Beispiel 2 Isolierung einer NADPH-abhängigen Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii
Zur Isolierung der NADPH abhängigen Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii wurde der Mikrorganismus wie unter Beispiel 1 beschrieben kultiviert. Nach Erreichen der stationären Phase wurden die Zellen geerntet und durch Zentrifugation vom Medium getrennt. Die Enzymfreisetzung erfolgte durch Nassvermahlung mittels Glasperlen, kann aber auch durch andere
Aufschlussmethoden erreicht werden. Dazu wurden 66 g Metschnikowia zobellii mit 264 ml Aufschlusspuffer (100 mM Triethanolamin, pH =7,0) suspendiert und mittels einer French press homogenisiert.
Der nach Zentrifugation (7000 rpm) erhaltene Rohextrakt wurde dann mittels FPLC (fast protein liquid chromatography) weiter aufgereinigt.
Die erfindungsgemäße Oxidoreduktase konnte durch Kombination von hydrophober Interaktionschromatographie an Octylsepharose Fast Flow, Butylsepharose HiTrap (Pharmacia) und lonenaustauschchromatographie an Uno Q (Biorad, München, Deutschland) in drei Schritten aufgereinigt werden.
Dazu wurde das nach Zentrifugation erhaltene Lysat direkt auf eine mit 100 mM Triethanolaminpuffer pH = 7,0 1 M (NH4)2S0 äquilibrierte Octylsepharose FF- Säule aufgetragen und mit fallendem linearen Salzgradienten eluiert. Die Oxidoreduktase wurde dabei bei 0,2 bis 0,3 M (NH )2S04 eluiert. Die oxidoreduktase-enthaltenden Fraktionen wurden vereinigt und mittels Ultrafiltration (Ausschlussgrenze 10 kDa) auf ein geeignetes Volumen eingeengt.
Anschließend wurde die eingeengten Fraktionen der Oxidoreduktase mittels Uno Q weiter aufgereinigt. Dazu wurde die Oxidoreduktase direkt auf eine mit 50 mM Kaliumphosphatpuffer pH = 7,0 äquilibrierte UnoQ-Säule (Biorad) aufgetragen und mit steigendem linearen Salzgradienten eluiert, wobei die Oxidoreduktase ohne Bindung bei 0 M NaCI eluierte, während ein Großteil der Verunreinigungen gebunden wurde und bei höheren Salzkonzentrationen eluiert werden konnte.
Der dritte Reinigungsschritt wurde an einer Butylsepharose HiTrap Säule (Pharmacia) durchgeführt, wobei dieselben Puffer wie beim ersten Reinigungsschritt eingesetzt wurden und die Oxidoreduktase bei einer Konzentration von 0,6 bis 0,5M (NH4)2S0 eluierte.
Danach wurde das Molekulargewicht der erhaltenen aufgereinigten Oxidoreduktase mit Hilfe von Gelpermeation (Superdex 200 HR; Pharmacia, 10O mM Triethanolamin, pH = 7, 0,15 M NaCI ) bestimmt. Als Molekulargewichtsstandards wurden Catalase (232 kDa), Aldolase (158 kDa), Albumin (69,8kDa) und Ovalbumin (49,4 kDa) verwendet.
Die folgende Tabelle 2 fasst die erhaltenen Ergebnisse zusammen:
Tabelle 2:
Die Enzymaktivität der Oxidoreduktase wurde im Testsystem gemäß Beispiel 1 , (Ansatz Aktivitätsscreening, Messung mit NADPH) bestimmt und die Bestimmung der Proteinmenge erfolgte gemäß Lowry et al. Journal of Biological Chemistry 193 (1951) 265-275 oder Peterson et al., Analytical Biochemistry, 100 (1979) 201-220). Der Quotient von Enzymaktivität zu Proteinmenge ergibt die spezifische Aktivität, wobei der Umsatz von 1 μmol pro min 1 Unit (U) entspricht.
Das mittels Gelpermation bestimmte Molekulargewicht der erfindungsgemäßen Oxidoreduktase betrug im nativen Zustand 36 ± 2 kDa.
Beispiel 3
Bestimmung zweier interner Peptide nach In-Gelverdau
Die SDS-PAGE- Bande des gereinigten Proteins wurde mit Dithiothreitol reduziert, carboxymethyliert und mit Endoproteinase Lys-C verdaut. Die erhaltenen Peptide wurden über eine 300 μm x 150 mm Kapillar-HPLC-Säule (Vydac RP18, LC Packings getrennt. Fraktionen wurden manuell gesammelt und mittels MALDI MS (Voyager-DE STR (PE-Biosystems) auf für die Sequenzierung geeignete Peptide geprüft. Zwei geeignete Fraktionen wurden mittels automatischem Edman-Abbau sequenziert und lieferte folgende Sequenzen:
SEQ ID 1 :
ELLLPAVEGTK
SEQ ID 2:
LGPNDEVPSQ(SHW)(GSC)(G)FVDV
Beispiel 4
Klonierung der Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii
Der eukaryotische Mikrorganismus Metschnikowia zobellii gehört zu der Familie Metschnikowiaceae. Die Genomstruktur dieses Organismus weist eine Exon- Intron Anordnung auf. Daher wurde für die Identifizierung der Gensequenz, die für die enantioselektive Oxidoreduktase kodiert, eine cDNA Bibliothek aus den aktiven Zellen der Metschnikowia zobellii angelegt.
4.1 Präparation der gesamten RNA aus den Zellen von Metschnikowia zobellii
600 mg frische Zellen von Metschnikowia zobellii wurden in 2,5 ml eiskalten
LETS Puffer (10 mM Tris-HCI, pH = 7,4, 10 mM EDTA, 100 mM LiCI, 0,2 % SDS) resuspendiert. Zu der Zellsuspension wurden 5 ml (etwa 20 g) in Salpetersäure gewaschener und mit 3 ml Phenol (pH 7.0) equilibrierte Glasperlen zugegeben. Der gesamte Ansatz wurde dann abwechselnd jeweils 30 Sekunden (sec) geschüttelt (Vortex Genie 2, Scientific Industries Inc., New York, USA) und 30 sec auf Eis gekühlt und insgesamt 10 min behandelt. Anschließend wurden weitere 5 ml eiskalter LETS Puffer dazugegeben. Diese Zellsuspension wurde für 5 min bei 11000 g bei 4 °C zentrifugiert. Die wässrige Phase wurde abgenommen und mit dem gleichen Volumen an Phenol: Chloroform: 3-Methyl-1-butanol (24:24:1) zweimal extrahiert. Anschließend erfolgte eine Extraktion mit Chloroform. Nach der letzten Extraktion wurde die gesamte erhaltene RNA durch die Zugabe von 1/10 Vol von 5 M LiCI bei -20 °C für 4 Stunden präzipitiert.
1 mg der oben isolierten RNA wurde für die m-RNA Anreicherung mittels Oligo- dT Cellulose (mRNA PräpKit, Qiagen) eingesetzt.
4.2 Herstellung einer cDNA Bibliothek ausgehend von der mRNA aus Metschnikowia zobellii
Nach der anschließenden Präzipitation wurden 5 μg mRNA für die cDNA Synthese (pBluescript IIXR cDNA Library Construction kit, Stratagene) verwendet. Die nach den Angaben des Herstellers konstruierte Bibliothek wurde in XL-10 Gold E. coli transformiert und mit einem Titer von 4 x 106 colony forming units (cfu) nach der blau-weiß Selektion etabliert.
4.3 Identifizierung der für eine NADPH-abhängige Oxidoreduktase kodierenden cDNA
4.3.1 Identifizierung des N-Terminus.
Ausgehend von den Peptidsequenzen Seq ID 1 und Seq ID 2 wurden an Metschnikowia Codon Nutzung angepasste degenerierte Primer abgeleitet
(Seq. 3; Seq. 4; Seq. 5; Seq. 6) und in die Polymerase-Ketten Reaktion eingesetzt. Dabei diente aus XL-10 Gold Zellen isolierte Plasmid cDNA Bibliothek als Matrize für die erste PCR Runde. Da cDNA Bibliothek als eine Plasmid Bibliothek etabliert wurde, war es möglich auch stationären Primer in Kombination mit abgeleiteten, degenerierten Primern in die PCR Reaktion einzusetzen. Dabei wurden Primer T3 und T7 verwendet, die jeweils an die 5'- bzw. 3'- cDNA-lnserts flankierende Sequenz im Plasmid Rückgrad binden.
Seq ID 3 = Oligo MBme1-for: 5 '- CCNGCHGTDGAAGGWACWAAR - 3'
Seq ID 4 = Oligo MBme1-rev1 : 5'- YTTWGTWCCTTCHACDGCMGG - 3'
Seq ID 5 = Oligo MBme2-for: 5'- GGNCCNAAYGATGARGTNCC - 3'
Seq lD 6 = Oligo MBme2-rev: 5' - GGNACNTCATCRTTNGGRCC - 3'
Seq ID 14 = Oligo T3-for: 5' - AATTAACCCTCACTAAAGGG - 3'
Seq ID 15 = Oligo T7-rev: 5'- TAATACGACTCACTATAGGG - 3'
Die PCR-Reaktion wurde in folgendem Reaktionsgemisch durchgeführt:
10 mM Tris-HCI (pH 8,3), 50 mM KCI, 2 mM MgCI2, 1mM dNTP Mix, 30 pMol je
Primer MBme2-rev und T3-for und 2.5 U AmpliTag Gold (Applied Biosystems)
Nach einer Aktivierung der AmpliTag Gold Polymerase (5 min, 95 CC) und folgenden 25 Zyklen PCR (95° C, 45 sec; 55 °C, 45 sec; 70 ° C, 45 sec) wurde die Reaktion auf 4° C abgekühlt und teils auf ein 1 % Agarose Gel zur Analyse aufgetragen.
In einer darauffolgenden PCR Reaktion wurde das Amplifizierungssignal durch „nested" PCR verstärkt. Dabei wurden in die Polymerase-Ketten-Reaktion die Primer MBme1-rev und T3-for eingesetzt. Als Matrize dienten 2 μl PCR Reaktion aus der ersten Reaktion. Die Reaktion wurde in einem PCR Puffer [10
mM Tris-HCI (pH 8.3), 50 mM KCI, 2 mM MgCI2, 1 mM dNTP Mix, 30 pMol je Primer MBme1 -rev und T3-for und 2,5 U AmpliTag Gold (Applied Biosystems) durchgeführt.
Ein spezifisches Fragment von 500 bp wurde identifiziert, mittels Qiagen Gel Extraktionskit aufgereinigt und in pCR2.1 Vektor (Invitrogen) zwecks nachfolgender Sequenzierung ligiert. Die Analyse des somit entstandenen Plasmids lieferte eine cDNA Sequenz, die dem N-Terminus der gesuchten Oxidoreduktase entsprach (Seq. ID 7) und die N-terminale Aminosäuresequenz Seq ID 16 aufwies.
4.3.1 Identifizierung des C-Terminus.
Für die Identifizierung des C-Terminus des gesuchten Oxidoreduktase-Gens wurde eine Polymerase-Ketten-Reaktion mit den Primern MBme2-for und T7 durchgeführt. Als Matrize diente die Plasmid Präparation aus der XL-10 Gold cDNA Plasmid Bibliothek. Die Amplifizierungsreaktion wurde in folgendem Reaktionsgemisch bei 4 verschiedenen Bindungstemperaturen (53 °C; 55 °C; 57 °C; 59 °C) durchgeführt.
Reaktionsgemisch:
10 mM Tris-HCI (pH 8,3), 50 mM KCI, 2 mM MgCI2, 1mM dNTP Mix, 30 pMol je
Primer MBme2-for und T7-rev und 2.5 U AmpliTag Gold (Applied Biosystems)
Nach einer Aktivierung der AmpliTag Gold Polymerase (5 min, 95 °C) und folgenden 25 Zyklen PCR (95° C, 45 sec; 55 °C, 45 sec; 70 ° C, 45 sec) wurde die Reaktion auf 4 °C abgekühlt und teils auf ein 1 % Agarose Gel zur Analyse aufgetragen.
Eine spezifische Bande einer Größe von 500 Basenpaaren (bp) wurde in allen Ansätzen der Gradienten PCR identifiziert. Nach einer Aufreinigung aus dem Gel mittels Qiagen Gel Extraktionskit wurde das identifizierte PCR Fragment für eine nachfolgende Sequenzierung in den Vektor pCR2.1 (Invitragen) ligiert. Die
Analyse der Nukleotidfolge dieses Fragmentes lieferte die Sequenz, die dem C- Terminus der gesuchten Oxidoreduktase entsprach (Seq. ID 8) und die C- terminale Aminosäuresequenz Seq ID 17 aufwies. 4.4 Herstellung des Expressionskonstruktes für die rekombinante Produktion der Oxidoreduktase von Metschnikowia zobellii
Basierend auf Sequenzen No: 7 und No: 8 wurden spezifische Primer für eine Klonierung des Vollänge-Gens in ein passendes Expressionssystem kon- struiert. Dabei wurden 5'-Primer mit einer Erkennungssequenz für Nde I und 3'- Primer mit einer Erkennungssequenz für Hind III für die Klonierung in den pET21 a Expressionsvektor modifiziert (Seq. 9, Seq. 10). Für die Klonierung in Vektoren der pQE Serie wurde der 5' Primer mit einer Erkennungssequenz für die Bam Hl Restriktions-endonuclease versehen (Seq. 11).
Die im Plasmid pBluescript (Stratagene) etablierte cDNA Bibliothek von Metschnikowia zobellii diente als Matrize für die Polymerase Ketten-Reaktion. Die PCR-Reaktion wurde in einem PCR-Puffer [10 mM Tris-HCI, (pH 8,0); 50 mM KCI; 1 0 mM MgS04; 1 mM dNTP Mix; je 30 pMol Primer und 2.5 U Platinum Pfx DNA-Polymerase (Invitrogen)] mit 300 ng Template und folgenden Temperatur- Zyklen durchgeführt:
Zyklus 1 : 94 ° C, 2 min
Zyklus 2 x 30: 94 ° C, 15 sec 58 ° C, 30 sec 68 ° C, 75 sec Zyklus 3: 68 ° C, 7 min 4 ° C, oo
Das Amplifikat (etwa 1000 bp) wurde nach der Reinigung über ein 1 % Agarose Gel mit Hilfe der Endonukleasen Nde I und Hind III, oder mit den Endo- nucleasen Bam Hl und Hind III verdaut, und in das mit gleichen Endonukleasen behandelten Rückrad des pET21a Vectors (Novagen), oder pQE30 Vectors
(Qiagen) ligiert. Nach der Transformation von 2 μl des Ligationsansatzes in E. coli Top 10 F Zellen (Invitrogen) wurden Plasmid-DNA's Ampicillin-resistenter Kolonien mittels einer Restriktionsanalyse mit Endonukleasen Nde I und Hind III, oder Endonucleasen Bam Hl und Hind III auf das Vorhandensein eines 1000 bp großen Inserts getestet. Der Expressionskonstrukt pET21-MEvl#1 und pQE-30 -Mevl #9 wurden sequenziert. Das für eine Oxidoreduktase kodierende Transkript aus Metschnikowia zobellii besitzt einen offenen Leserrahmen von insgesamt 1014 bp (Seq. 12) was einem Protein von 338 Aminosäuren entspricht. (Seq. 13).
4.5 Produktion der rekombinanten Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii in Escherichia coli
4.5.1 BL 21 (De3) Zellen
Kompetente Escherichia coli StarBL21 (De3) Zellen (Invitrogen) wurden mit dem für die erfindungsgemäße Oxidoreduktase kodierendem Expressionskonstrukt pET21-MEvl#1 transformiert.
Der Stamm wurde in LB Medium kultiviert (1% Trypton, 0,5 % Hefeextrakt, 1 % NaCI, Ampicillin 50 μg/ml) und bei Erreichen einer optischen Dichte von 0,5, gemessen bei 500 nm, mit 1 mM IPTG (Isopropylthiogalaktosid) induziert. Die erreichte Aktivität betrug 4000 U / g Biofeuchtgewicht.
4.5.2 E.coli RB791
Kompetente Escherichia coli RB791 Zellen wurden mit dem für die erfindüngs- gemäße Oxidoreduktase kodierendem Expressionskonstrukt pQE30-MEvl#9 transformiert.
Der Stamm wurde in LB Medium kultiviert (1% Trypton, 0,5 % Hefeextrakt, 1 % NaCI, Ampicillin 50 μg/ml) und bei Erreichen einer optischen Dichte von 0,5, gemessen bei 500 nm, mit 1 mM IPTG (Isopropylthiogalaktosid) induziert.
Die erreichte Aktivität betrug 320 U / g Biofeuchtgewicht.
Beispiel 5 Charakterisierung der rekombinanten Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii
5.1 pH-Optimum
Es wurden die in Tabelle 3 aufgeführten Puffer hergestellt. Die Konzentration der jeweiligen Pufferkomponenten betrug jeweils 50 mM.
Tabelle 3
Messansatz (25 °C): 870 μl der jeweils in Tabelle 3 genannten Puffersysteme 20 μl NADPH 10 mM (8,6 mg/ml Wasser) 10 μl Enzym verdünnt
Es wurde etwa 2 bis 3 min inkubiert, danach erfolgte die Zugabe von 100 μl Substratlösung (100mM 2-Oxo-4-phenyl-buttersäureethylester).
Zur Bestimmung des pH-Optimums wurde die enzymatische Reaktion in dem jeweiligen in Tabelle 3 aufgeführten Puffer bestimmt. Zur Bestimmung des pH- Optimums für die Reduktion wurde als Cofaktor NADPH und als Substrat 2- Oxo-4-phenylbuttersäureethylester eingesetzt. Dabei konnte für das erfindungsgemäße Enzym ein pH-Optimum von 5,5 bis 6,5 für die Reduktionsreaktion ermittelt werden.
5.2.1 Temperatur-Optimum Zur Bestimmung der optimalen Testtemperatur wurde die Enzymaktivität im Temperaturbereich von 15 °C bis 70 °C im Standardmessansatz gemessen. Wie aus Tabelle 4 ersichtlich hat das Enzym seine maximale Aktivität bei 25 °C, anschließend sinkt die Aktivität rapide ab.
Tabelle 4
5.3 Temperatur-Stabilität
In analoger Weise wie unter Beispiel 5.2 beschrieben wurde die Temperatur- Stabilität für den Bereich von 15 °C bis 70 °C bestimmt. Dazu wurde jeweils eine 1 :20 Verdünnung der gereinigten Oxidoreduktase für 60 min und 180 min bei
der jeweiligen Temperatur inkubiert und anschließend bei 30 °C mit dem obigen Testansatz gemessen. Auch hier wurde als Ausgangswert der Messwert herangezogen, den man unmittelbar nach Verdünnung der gereinigten Oxidoreduktase in Kaliumphosphatpuffer 50 mM bei pH = 7,0 erhält. Dieser Wert wurde auch in diesem Beispiel als 100%-Wert gesetzt.
Das Enzym erwies sich dabei bei Temperaturen unter 25 °C als stabil über mehrere Tage während die Enzymaktivität bei Temperaturen über 25 °C innerhalb von wenigen Stunden rapide abnimmt.
5.4 Substratspektrurn/Enantiomerenüberschuss
Das Substratspektrum der erfindungsgemäßen Oxidoreduktase wurde durch Messung der Enzymaktivität mit einer Reihe von Ketonen, Oxosäureestern und cyclischen Ketonen bestimmt. Dazu wurde der Standard Messansatz gemäß Beispiel 5.1 mit unterschiedlichen Substraten verwendet Die Aktivität mit 2-Oxo- 4-phenyl-buttersäureet ylester wurde gleich 100% gesetzt und alle anderen Substrate wurden dazu ins Verhältnis gesetzt.
Für die ee-Wert-Bestirnmung wurden für ausgewählte Substrate folgender Reaktionsansatz verwendet:
100 μl TEA 100 rnM pH = 7
100 μl NADPH (50 mM) 60 μl Substrat (100 mM)
+ 1 bis 2 U der erfindungsgemäßen Oxidoreduktase
Die Ansätze zur ee- Bestimmung wurden nach 24 h mit Chloroform extrahiert und mittels GC wurde der Enantiomerenüberschuss des resultierenden Alkohols bestimmt.
Tabelle 5
n.b. bedeutet nicht bestimmt Wie aus Tabelle 5 ersichtlich, werden von der erfindungsgemäßen Oxidoreduktase ein breites Spektrum an aliphatischen und zyklischen Carbonyl-
Verbindungen, insbesondere 2-Oxosäureestern enantioselektiv reduziert. Kurz- kettige sekundäre Alkohole werden nicht akzeptiert. Das bedeutet, dass hier die substratgekoppelte Coenzymregenerierung mit sekundären Alkoholen als Cosubstrat nicht angewendet werden kann.
5.5 Umsetzungsbeispiele
5.5.1 Reduktion von 2-Oxo-4-phenylbuttersäureethylester zu (R)-2-Hydroxy- 4-phenyl-buttersäureethylester
Zur Reduktion von 2-Oxo-4-phenylbuttersäureethylester wurde ein Gemisch aus 800 μl Puffer (100 mM TEA, pH = 8, 10 % ©Triton X 100), 100 μl Isopropanol (1 ,3, mmol), 0,1 mg NADP (0,1 μmol) 10 U rekombinante Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii und 5 Units Aikohoidehydrogenase aus Thermoanerobium brockii mit 50 μl 2-Oxo-4-phenyl-buttersäureethylester (0,25 mmol) gelöst in 600 μl n-Heptan überschichtet und für 24 h bei 25 °C unter ständiger Durchmischung inkubiert.
Nach 24 h waren 92% des eingesetzten 2-Oxo-4-phenyl-buttersäureethylester reduziert. Der Enantiomerenüberschuss des erhaltenen (R)-2-Hydroxy-4- phenyl-buttersäureethylester betrug mehr als 90 %.
5.5.2. Reduktion von 8-Chlor-6-oxo-octansäureethylester zu (R)-8-Chlor-6- hydroxy-octansäureethylester
Zur Reduktion von 8-Chloro-6-oxo-octansäureethylester wurde ein Gemisch aus 800 μl Puffer (100mM TEA, pH = 8, 5 % Triton X 100), 80 μl Isopropanol (1 ,04 mmol), 0,1 mg NADP (0,1 μmol) 25 U rekombinante Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii und 5 Units Aikohoidehydrogenase aus Thermoanerobium brockii mit 50 μl 8-Chlor-6-oxo-octansäureethylester (0,23 mmol) gelöst in 600 μl Cyclohexan überschichtet und für 24 h bei 25 °C unter ständiger Durchmischung inkubiert.
Nach 24 h waren 55% des eingesetzten 8-Chlor-6-oxo-octansäureethylesters reduziert. Der Enantiomerenüberschuss des erhaltenen (R)-8-Chlor-6-hydroxy- octansäureethylesters betrug mehr als 97 % .
5.5.3. Reduktion von 2-Chlor-1-phenyl-ethan-1-on zu (1 R)-2-Chlor-1-phenyl- ethan-1-ol
Zur Reduktion von 2-Chlor-1-phenyl-ethan-1-on wurde ein Gemisch aus 800 μl Puffer (100mM TEA, pH = 8, 5 % Triton X 100), 100 μl Isopropanol (1 ,3 mmol), 0,1 mg NADP (0,1 μmol) 20 U rekombinante Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii und 10 Units Aikohoidehydrogenase aus Thermoanerobium brockii mit 50 rng 2-Chlor-1-phenyl-ethan-1-on (0,33 mmol) gelöst in 400 μl Cyclohexan/tert.-Butyl-methylether (50:50) überschichtet und für 24 h bei 25 °C unter ständiger Durchmischung inkubiert.
Nach 48 h waren 75% des eingesetzten 2-Chlor-1-phenyl-ethan-1-ons reduziert. Der Enantiomerenüberschuss des erhaltenen (1 R)-2-Chlor-1-phenyl- ethan-1-ols betrug mehr als 94 %.
5.5.4. Reduktion von Ethylphenylglyoxylat zu (1 R)-Ethylmandelat
Zur Reduktion von Ethylphenylglyoxylat wurde ein Gemisch aus 800 μl Puffer (100mM TEA, pH = 8, 5 % Triton X 100), 100 μl Isopropanol (1 ,3 mmol), 0,1 mg NADP (0,1 μmol) 20 ü rekombinante Oxidoreduktase aus Metschnikowia zobellii und 10 Units Aikohoidehydrogenase aus Thermoanerobium brockii mit 50 μl Ethylphenylglyoxylat (0,31 mmol) gelöst in 600 μl Cyclohexan überschichtet und für 24 h bei 25 °C unter ständiger Durchmischung inkubiert.
Nach 48 h waren 50% des eingesetzten Ethylphenylglyoxylat reduziert. Der Enantiomerenüberschuss des erhaltenen (I R)-Ethylmandelat betrug mehr als 99%.