Anordnung und Verfahren zur Verankerung von faserverstärkten Zugstangen
Die Erfindung betrifft eine Anordnung zum Verankern von faserverstärkten Zugstangen nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1. Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zur Herstellung einer Verbindung zwischen einer Zugstange und Verankerungsmitteln nach dem Oberbegriff des Anspruchs 3.
Die Erfindung dient der werkstoff- und kraftfiussgerechten Anbringung eines metallischen Krafteinleitungselements an Zugstreben, Zugstangen, Zugankern und Zugstäben sowie Wanten und Stagen (im folgenden zusammengefasst: „Zugstangen") aus lang- und endlosfaserverstärktem Thermoplast. Das Krafteinleitungselement ist dabei das für die Verankerung der Zugstange entscheidende Bindeglied zur weiteren lasttragenden Struktur bzw. zu einem Fundament.
Auf Grund der problematischen Krafteinleitung in Faserverbundstangen werden vorwiegend Stahlstangen als Zugstangen verwendet. In Bereichen, bei denen Leichtbau, Korrosionsbeständigkeit oder elektrische Isolationswirkung von entscheidender Bedeutung sind, sind verschiedene Lösungen für die Verankerung von Faserverbundstangen bekannt.
Kunststoffstangen mit axialer Endlosfaserverstärkung, die zum Beispiel durch Pultrusion hergestellt werden können, besitzen ausgezeichnete Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften. Das technische Problem besteht darin, Zugkräfte werkstoffgerecht und kraftflussgerecht in solche Zugstangen einzuleiten.
In Michaeli, Wegener: Einführung in die Technologie der Faserverbundwerkstoffe, Kap. 6: Verbindungstechnik ist die Fertigung von Zugstangen als Endlosschlaufe beschrieben. Hierbei bildet die Zugstange eine Schlaufe um einen Bolzen zur Krafteinleitung. Die Schlaufe kann als einfache Schlaufe, als Doppelschlaufe oder geteilte Schlaufe ausgebildet sein.
Die Fertigung von Endlosschlaufen aus Faserverbundwerkstoff ist sehr aufwendig, da zur Formgebung ein u. U. sehr langes Werkzeug benötigt wird. Für jede Zugstangenlänge wird ein Werkzeug benötigt.
Aus EP 0 001 235 Al ist eine kraftschlüssige Verbindung zwischen dem Ende einer Zugstange und einem Krafteinleitungselement bekannt. Das Krafteinleitungselement besteht aus einem inneren konusförmigen Teil, das in ein äußeres Teil mit entsprechender Innenkontur eingesetzt und mit diesem verspannbar ist. Der innere Teil weist eine abgestufte zentrische Bohrung auf, in der das Ende der Zugstange geklemmt ist.
Die kraftschlüssigen Verbindungen neigen zu Unsicherheiten durch schwankende Reibverhältnisse und Vorspannung. Schwingreib verschleiß ist möglich.
Aus der DE 39 42 535 Al ist eine stoffschlüssige Verbindung (Klebeverbindung und Vergussverankerung) zum Befestigen einer Zugstange in einem Krafteinleitungselement bekannt.
In der DE 100 10 564 Cl ist eine Kombination von Stoff- und Kraftschluss bildender Verbindung (konische Vergußverankerungen) zwischen Zugstange und Krafteinleitungselement beschrieben.
Eine Verankerung für Hochleistungsfaserverbundwerkstoff-Drähte ist aus EP 0 710 313 Bl bekannt.
Für Verklebungen und Vergussverankerungen muss eine ausreichende Klebefläche verfügbar sein. Diese Klebeflächen können zu Bauraumproblemen führen. Für einen Faserverbundstab mit einem Durchmesser von 12 mm beträgt die notwendige Klebelänge etwa 500 bis 700 mm.
Aus der CH 693 102 A5 ist weiterhin eine Verankerung für Kohlenstofffaserverbunddrähte bekannt. Hierbei wird ein Formschluss durch elastisches Aufspreizen eines längs aufgespaltenen Faserverbundstabes realisiert. Während die Aufspaltung des Stangenendes eine Vorschädigung darstellt, führt die elastische Spreizung der Stangensegmente zu einer zusätzlichen Biegebelastung in diesen Segmenten.
Die Aufgabe besteht darin, eine einfach herstellbare und leicht zu montierende Anordnung zur Verfügung zu stellen, die aus preiswert produziertem Faserverbundhalbzeug (z. B. pultrudierten Stangen) und aus einfach anzubringenden metallischen Krafteinleitungselementen besteht, die mittels eines sicheren und reproduzierbaren Verfahren mit den Enden der Zugstange verbunden werden können. Das System aus Zugstange und Anordnung soll dabei eine hohe Verbindungsfestigkeit gewährleisten.
Die Aufgabe der Erfindung wird durch eine Anordnung mit den im Anspruch 1 genannten Merkmalen gelöst. Weiterhin wird die Aufgabe durch ein Verfahren mit den im Anspruch 3 genannten Verfahrensschritten gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Varianten sind Gegenstand von abhängigen Unteransprüchen.
Durch die Verwendung von Faserverbundstangen mit thermoplastischer Matrix wird eine weitreichende Warmumformbarkeit dieser Stangen gewährleistet. Durch einen warmumformtechnisch erzeugten Formschluss werden die Zugstangen aus faserverstärktem Thermoplast an den Enden mit einem metallischen Krafteinleitungselement (KEE) verbunden. Dafür wird ein Spreizkörper zwischen die Verstärkungsfasern am Stangenende eingeschoben, wobei das Stangenende aufgeweitet und damit der Querschnitt an dieser Stelle vergrößert wird. Hinter dem Spreizkörper wird das Stangenmaterial wieder zusammengeführt, verdichtet und neu konsolidiert, so dass der Spreizkörper formschlüssig und u. U. auch stoffschlüssig in das Stangenende eingebettet ist. Die entstandene Aufdickung am Stangenende findet formschlüssig Halt in einer etwa trichterförmigen Innenkontur eines metallischen Krafteinleitungselements.
Durch die erzeugte Verdickung am Stangenende entsteht ein Formschluss zwischen Faserverbundstange und Lasteinleitungselement, durch die schmelzflüssige Matrix kann zusätzlich ein Stoffschluss entstehen. Die angepasste Trichterkontur des KEE begünstigt auch einen kraftflussgerechten Faserverlauf, so dass Spannungsüberhöhungen am Übergang vom metallischen zum Faserverbundwerkstoff minimiert werden.
Mit konventionellen Verbindungstechniken wie etwa Gewinde-, Bolzen- oder Gelenkanschluss wird das Krafteinleitungselement mit der angrenzenden lastragenden Struktur verbunden. Die jeweilige Verbindungstechnik wird bei der Gestaltung des Lasteinleitungselements berücksichtigt.
Das Profil des Stangenhalbzeugs kann anwendungsspezifisch variieren. Die Gestalt des Lasteinleitungselements muss auf dieses Profil abgestimmt sein. Für die einfache Fertigung bieten sich jedoch Stangen mit Kreisquerschnitt und rotationssymmetrische Krafteinleitungselemente an.
Durch einen ausreichenden Faservolumenanteil können störende thermoplasttypische Kriech-, Setz- und Quelleffekte unterdrückt werden.
Zur Durchführung des Verfahrens ist eine Montagevorrichtung geeignet, die u. a. aus einer Heizstation sowie aus drei Linearantrieben besteht. Die Heizstation bewirkt hierbei eine Erwärmung des Stangenendes. Die Linearantriebe schieben jeweils ein Krafteinleitungselement auf, führen einen Spreizkörper ein und betätigen ein Formwerkzeug für die Neuformung des Stangenendes.
Die mechanische Umformenergie kann für Varianten der Montagevorrichtung z. B. mit pneumatischen, hydraulischen oder elektromechanischen Antrieben oder manuell aufgebracht werden.
Die Erwärmung des Stangenendes kann direkt durch Wärmestrahlung oder Konvektion erfolgen oder mit einem speziellen Heizwerkzeug durch Wärmeleitung. Durch Erwärmung des Lasteinleitungselements oder Spreizelements z. B. durch Induktionsheizung kann durch Wärmeleitung auch das Stangenende indirekt erwärmt werden.
Zur Anfertigung von Zugstangen aus faserverstärktem Kunststoff kann aufpreiswertes pultrudiertes Faserverbundhalbzeug in Standardlängen zugegriffen werden. Die Metallteile sind geometrisch einfach und damit preiswert. Die Montagezeit ist sehr kurz. Die individuelle Länge der Zugstange entsteht durch geeignetes Ablängen des Halbzeugs und Positionieren der Lasteinleitungselemente, daraus ergibt sich eine besondere Flexibilität in der Fertigung unterschiedlicher Längen.
Die Erfindung wird nachfolgend an Hand von Ausfuhrungsbeispielen noch näher erläutert. In den Zeichnungen zeigen:
Fig. 1 einen Längsschnitt durch eine erfindungsgemäße Anordnung mit Zugstange und montiertem Krafteinleitungselement und eingepresstem Spreizkörper
Fig. 2 eine Darstellung zur Veranschaulichung des Verfahrens unter Verwendung eines metallischen Spreizkörper
Fig. 3 eine Darstellung zur Veranschaulichung des Verfahrens unter Verwendung eines Spreizkörper aus verstärktem Thermoplast
Fig. 4 eine schematische Darstellung einer Montagevorrichtung
In Fig. 1 ist ein Längsschnitt durch die Krafteinleitungszone des Zugstangensystems mit montiertem Krafteinleitungselement dargestellt, wobei die Geometrie der einzelnen Komponenten deutlich wird. Das Ende der Zugstange 1 ist kelchförmig aufgespreizt und wird vom Krafteinleitungselement umschlossen. Das Krafteinleitungselement 2 besitzt eine durchgehende Kavität mit variablem Querschnitt. Im Bereich des Stangeneintritts entspricht der Querschnitt der Kavität dem Querschnitt der unverformten Zugstange 1. Am anderen Ende weist die Kavität einen vergrößerten Innenquerschnitt auf, der etwa dem zwei- bis vierfachen Stangenquerschnitt entspricht. Dazwischen befindet sich ein Übergangsbereich, der die beiden Querschnitte ineinander überführt. Wegen der einfachen Fertigung ist eine Gestaltung mit Kreisquerschnitten vorteilhaft. Die Innenkontur des Krafteinleitungselement ist somit etwa trichterförmig.
Der Spreizkörper 3 ist so gestaltet, dass der sich ergebende Ringraum zwischen Spreizkörper 3 und Krafteinleitungselement 2 einen Querschnittsflächeninhalt aufweist, der etwa dem Querschnittsflächeninhalt der unverformten Zugstange 1 entspricht. Das kelchartig geformte Ende der Zugstange 1 füllt dann bei vornehmlich axialer Faserorientierung diesen Ringraum vollständig aus.
Die Kraftweiterleitung wird beispielsweise über ein Außengewinde auf dem Krafteinleitungselement 2 ermöglicht.
Der Spreizkörper 3 kann aus metallischem Werkstoff oder aus dem Stangenwerkstoff bestehen. Wird der Spreizkörper wie die Stange aus faserverstärktem Thermoplast hergestellt, so ergibt sich eine zusätzliche stoffschlüssige Verbindung zwischen Spreizkörper 4 und Stangenende 1 (Fig.l, Einzelzeichnung B).
Die in Fig. 2 dargestellten Einzelzeichnungen (A, B, C) zeigen beispielhaft und schematisch wesentliche Stufen des umformtechnischen Fügeprozesses bei Verwendung eines metallischen Spreizkörpers 3. Die Zugstange 1 wird hierbei kraftschlüssig in einer Vorrichtung mittels Spannbacken 21 gegen axiales Verschieben gesichert. Ein lineargetriebener Schlitten 17 trägt einen Heizkörper 14, der mit einer Heizpatrone 15 beheizbar ist. Das Krafteinleitungselement 2 wird vom Heizkörper 14 aufgenommen und ist koaxial der Stange 1 zuführbar. Der Spreizkörper 3 und das Stauchwerkzeug 6 sind ebenfalls lineargetrieben und koaxial zur Zustange 1 zuführbar.
Gemäß dem Verfahren wird entsprechend Fig. 2 (A) zunächst der Spreizkörper 3 mit einer niedrigen Vorkraft FSKI in das Krafteinleitungselement 2 eingeschoben, um den Spreizkörper 3 im Krafteinleitungselement 2 zu zentrieren. Das Krafteinleitungselement 2 wird durch die Heizpatrone 15 auf eine Temperatur etwas oberhalb der Erweichungstemperatur der verarbeiteten Thermoplastmatrix erwärmt. Das Krafteinleitungselement 2 wird gemäß Fig. 2 (B) mit der Vorschubkraft FKEEI über das Ende der Zugstange geschoben, wobei das Stangenende auf den zentrierten mitgeführten Spreizkörper trifft. Der Spreizkörper weicht beim weiteren Vorschieben des KEE etwas zurück, so dass der Ringraum zwischen Krafteinleitungselement und Spreizdorn für das Einfließen des thermisch plastifizierten Stangenmaterials freigegeben wird. Spreizkörper und Krafteinleitungselement werden dann synchron mit VKEEI = vsκ2 weiter vorgeschoben, so dass ausreichend plastifiziertes Stangenmaterial über den Spreizkörper hinaussteht.
Um den Spreizkörper formschlüssig einzufassen, wird entsprechend Fig. 2 (C ) das über den Spreizkörper hinausstehende Stangenmaterial durch das Stauchwerkzeug mit der Stauchkraft Fwzi neu verdichtet und angelegt. Während die Vorschubkraft des Spreizkörpers FsK2 sowie die Stauchkraft Fwzi gehalten werden, wird durch eine niedrige Vorspannkraft FJCEE2 auf das Krafteinleitungselement die Fügezone vorgestreckt, so dass sich Fasern in Richtung der Beanspruchung orientieren können.
Nach dem Abkühlen des Systems wird das Krafteinleitungselement vom Heizkörper gelöst und die Klemmvorrichtung kann geöffnet werden.
Die in Fig. 3 dargestellten Einzelzeichnungen (A, B, C) zeigen schematisch wesentliche Stufen des erfindungsgemäßen Verfahrens bei Verwendung eines
Spreizkörpers 4 aus faserverstärktem Thermoplast.
Es wird zunächst gemäße Fig. 3 (A) ein metallischer Hilfsspreizdorn 22 eingesetzt, der die Zentrier- und Spreizaufgabe übernimmt.
Nach dem Aufspreizen des Stangenendes wird entsprechend Fig. 3 (B) bei gehaltener
Spreizkörpervorschubkraft Fsκ2 die Fügezone mit der niedrigen Vorspannkraft FKEE2 vorgestreckt und abgekühlt.
Nach dem Abkühlen des Systems wird der Hilfsspreizkörper 22 entfernt und der
Spreizkörper aus faserverstärktem Thermoplast entsprechend Fig. 3 (C ) eingesetzt.
Das über den Faser-Thermoplast-Spreizkörper 4 hinausstehende Stangenmaterial wird nach erneutem thermischen Plastifizieren mit dem Stauchwerkzeug angelegt und verdichtet. Durch den erneuten Wärmeeintrag verschweißt dabei der Spreizdorn mit dem Stangenmaterial.
In der Fig. 4 ist schematisch ein Ausführungsbeispiel einer Montagevorrichtung zum Herstellen von Zugstangensystemen aus einer Faserverbundstange und metallischen Krafteinleitungselementen dargestellt. Das Krafteinleitungselementen 2, Spreizkörper 3 und Stauchwerkzeug 6 werden durch drei Pneumatikzylinderantriebe 8; 10; 13 betätigt. Der Spreizkörperträger 5 ist konzentrisch durch das Stauchwerkzeug und den zugehörigen Pneumatikzylinder geführt. Die Pneumatikantriebe 8; 10 für Spreizkörper und Stauchwerkzeug sowie das Heizmodul 14; 15 sind auf einen Schlitten 18 montiert, der auf der Basis 19 lineargeführt ist 17. Der Vorschub des Schlittens wird durch den Pneumatikantrieb 13 ausgeführt. Der nach dem Zentriervorgang notwendige Rückhub des Spreizdorns 3 oder 22 ist durch eine Rückhubbegrenzung 16 definierbar.
Bezugszeichenliste