Beschreibung
THERMISCHE VORRICHTUNG ZUR BESTIMMUNG UND/ODER ÜBERWACHUNG DES MASSEDURCHLAUPS EINES MESSMEDIUMS
[001] Die Erfindung bezieht sich auf eine thermische bzw. kalorimetrische Vorrichtung zur Bestimmung und/oder Überwachung des Durchflusses eines durch eine Rohrleitung oder durch ein Messrohr strömenden Messmediums. Bei dem Messmedium handelt es sich um ein fließfähiges Medium, insbesondere um ein flüssiges, ein dampfförmiges oder ein gasförmiges Medium.
[002] Herkömmliche thermische Durchflussmessgeräte verwenden meist zwei möglichst gleichartig ausgestaltete Temperatursensoren. Für industrielle Anwendung sind beide Temperatursensoren üblicherweise in ein Messrohr eingebaut, in dem der Durchfluss eines Messmediums gemessen wird. Einer der beiden Temperatursensoren ist ein sog. passiver Temperatursensor; er erfasst die aktuelle Temperatur des Messmediums. Bei dem zweiten Temperatursensor handelt es sich um einen sog. aktiven Tempera¬ tursensor, der über eine Heizeinheit beheizt wird. Als Heizeinheit ist entweder eine zu¬ sätzliche Widerstandsheizung vorgesehen, oder bei dem Temperatursensor selbst handelt es sich um ein Widerstandselement, z.B. um einen RTD (Resistance Temperature Detector) Temperatursensor, der selbst durch Umsetzung einer elektrischen Leistung (z.B. durch erhöhten Messstrom) erwärmt wird. Entsprechende Tiemperatursensoren werden beispielsweise von der Firma Honey well angeboten und vertrieben.
[003] Die beiden Temperatursensoren sind stiftförrnig bzw. gerade und parallel zueinander angeordnet. Dabei verändern sich das Messsignal und folglich auch der in der Rohrleitung bzw. in dem Messrohr gemessene Durchfluss des Messmediums in Abhängigkeit von dem Winkel, den die beiden Temperatursensoren bezüglich der Strömungsrichtung des Messmediums einnehmen.
[004] Gemäß einer bekannten Ausgestaltung wird der beheizbare Temperatur-sensor so beheizt, dass sich eine feste Temperaturdifferenz zwischen den beiden Tempera¬ tursensoren einstellt. Alternativ ist es auch bekannt gewor-den, über eine Regel- /Steuereinheit eine zeitkonstante Heizleistung einzuspeisen.
[005] Tritt in dem Messrohr kein Durchfluss auf, so erfolgt die Ableitung der Wärme von dem beheizten Temperatursensor über Wärmeleitung, Wärmestrahlung und ggf. auch freie Konvektion innerhalb des Messmediums. Ist das zu messende Medium in Bewegung, kommt eine zusätzliche Abkühlung des beheizten Temperatursensors durch das vorbeiströmende kältere Medium hinzu. Durch das vorbeiströmende Messmedium tritt hier zusätzlich ein Wärmetransport infolge einer erzwungenen
Konvektion auf. Um unter diesen Umständen die feste Temperaturdifferenz zwischen den beiden Temperatur-sensoren aufrecht zu erhalten, ist folglich eine höhere Heizleistung für den beheizten Temperatursensor erforderlich. Im Falle der Einspeisung einer zeitkonstanten Heizleistung verringert sich infolge des Durchflusses des Messmediums die Temperaturdifferenz zwischen den beiden Temperatur-sensoren.
[006] Es besteht ein funktionaler Zusammenhang zwischen der zum Beheizen des Tempe¬ ratursensors notwendigen Heizenergie und dem Durchfluss, insbe-sondere dem Masse- durchfluss eines vorgegebenen Messmediums durch eine Rohrleitung bzw. durch das Messrohr. Parameter sind - wie bereits ange-deutet - die thermophysikalischen Ei¬ genschaften des Messmediums selbst und der im Messmedium herrschende Druck. Sind die entsprechenden vom Durchfluss abhängigen Kennlinien für diese Parameter erstellt bzw. sind die entsprechenden Parameter in den Funktionsgleichungen bekannt, lässt sich der Massedurchfluss des Messmediums exakt bestimmen. Thermische Messgeräte, die auf dem zuvor beschriebenen Prinzip beruhen, werden von Endress+Hauser unter der Bezeichnung 't-mass' angeboten und vertrieben.
[007] Die Einbauposition des Durchflussmessgeräts in die Rohrleitung ist dabei stets so zu wählen, dass gewährleistet ist, dass das Messmedium mit den Temperatursensoren in stetigem thermischem Kontakt ist. Mögliche Einbaupositonen sind die seitliche Ein- baupositon bei vertikal angeordneten Rohrleitungen, oder die Temperatursensoren befinden sich bei einer waagerecht angeordneten Rohrleitung im oberen, im unteren Bergich oder im seitlichen Bereich der Rohrleitung. Im letzten Fall ist dje Posi¬ tionierung im seitlichen Bereich der Rohrleitung insofern günstig, da bei dieser Art der Montage weder Ablagerungen nach Luftpolster die Funktion des Messgeräts negativ beeinflussen können. Je nach Einbauposition tritt nun aber bei den bekannten parallel angeordneten, stiftförmigen Temperatursensoren das Problem auf, dass die Messwerte in Abhängigkeit von der Einbauposition variieren: So können die beiden stiftförmigen Temperatursensoren einmal hintereinander und ein anderes Mal nebeneinander relativ zur Strömungs-richtung des Messmediums angeordnet sind.
[008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein kalorimetrisches Durchfluss- messgerät vorzuschlagen, dessen Messwerte-Bereitstellung im wesentlichen unabhängig ist von der Einbauposition in dem Messrohr bzw. in der Rohr-leitung.
[009] Die Aufgabe wird durch eine Vorrichtung mit den folgenden Komponenten gelöst:
[010] Einen ersten Temperatursensor und einen zweiten Temperatursensor, wobei die beiden Temperatursensoren im wesentlichen rotationssymmetrisch ausgestaltet und in dem dem Messmedium zugewandten Bereich eines Gehäuses derart angeordnet sind, dass sie in direktem oder indirektem thermischem Kontakt mit dem durch die Rohrleitung bzw. durch das Messrohr strömende Medium sind. Der erste Tempera¬ rarsensor stellt Information über die aktuelle Temperatur des Messmediums bereit;
zumindest bei dem zweiten Temperatursensor handelt es sich um einen beheizbaren Temperatursensor, dem eine Heizeinheit zugeordnet ist. Weiterhin ist eine Regel- /Auswerte-einheit vorgesehen, die die Heizeinheit derart ansteuert, dass die Heizeinheit dem zweiten Temperatur-sensor eine definierte Heizleistung zuführt. Weiterhin ermittelt die Regel-/ Auswerteeinheit anhand der Temperatur-differenz und/ oder anhand der dem zweiten Temperatursensor zugeführten Heizleistung den Durchfluss des Messmediums durch die Rohrleitung bzw. durch das Messrohr.
[011] Durch die im wesentlichen rotationssymmetrische Anordnung und Ausge-staltung der beiden Temperatursensoren wird eine weitgehende Richtungs-unabhängigkeit bei der Durchflussmessung erreicht. Dadurch ist es auch möglich, die Genauigkeit und die Reproduzierbarkeit der Messergebnisse im Vergleich zu den herkömmlichen Messgeräten zu erhöhen.
[012] Bevorzugt haben der erste Temperatursensor und der zweite Temperatur-sensor die
Form eines offenen Rings. Weiterhin sind die beiden Temperatursensoren im we¬ sentlichen konzentrisch angeordnet.
[013] Alternativ wird gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der erfindungs-gemäßen
Vorrichtung angeregt, dass die beiden Temperatursensoren zumindest in den an¬ grenzenden Bereichen der beiden Ringe eine zacken-förmige, verzahnte Struktur aufweisen. Hierdurch lässt dich die Fläche der Temperatursensoren, die mit dem Messmedium in thermischem Kontakt ist, optimal vergrößern.
[014] Gemäß einer günstigen Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Vorrichtung sind die beiden Temperatursensoren in Dünnfilmtechnik auf eine dielektrische scheibenförmige Struktur aufgebracht.
[015] Eine bevorzugte Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Vorrichtung sieht vor, dass die beiden Temperatursensoren in parallel zueinander verlaufenden Ebenen angeordnet sind. Zwischen den beiden Temperatursensoren ist eine Isolationsschicht angeordnet.
[016] Als besonders vorteilhaft wird es im Zusammenhang mit der vorliegenden
Erfindung angesehen, wenn es sich bei dem ersten Temperatursensor und bei dem zweiten Temperatursensor um RTDs - also um Resistance Temperature Detector - Sensoren handelt.
[017] Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung steuert die Regel-/Auswerteeinheit die
Heizeinheit bzw. den beheizbaren Temperatursensor so an, dass die Heizeinheit den zweiten Temperatursensor mit einer konstanten Heizleistung beaufschlagt; anhand der Temperaturdifferenz zwischen dem ersten Temperatursensor und dem zweiten Tempe¬ ratursensor bestimmt die Regel-/Auswerteeinheit den Durchfluss des Messmediums in der Rohrleitung bzw. in dem Messrohr.
[018] Alternativ wird vorgeschlagen, dass die Regel-/Auswerteinheit die Heizeinheit so ansteuert, dass zwischen dem ersten Temperatursensor und dem zweiten Tempera-
tursensor eine näherungsweise konstante Temperaturdifferenz herrscht; anschließend bestimmt die Regel-/Auswerteeinheit anhand der dem zweiten Temperatursensor zu¬ geführten Heizleistung den Durchfluss des Messmedium in der Rohrleitung bzw. in dem Messrohr.
[019]
[020] Darüber hinaus wird vorgeschlagen, dass die Regel-/Auswerteeinheit entweder den
Durchfluss kontinuierlich misst, und/oder aber sie erkennt, ob der Durchfluss zumindest einen vorgegebenen Grenzwert unter- oder überschreitet. Im zuletzt genannten Fall wird die erfindungsgemäße Vorrichtung also als Durchflussschalter genutzt.
[021] Darüber hinaus schlägt eine vorteilhafte Ausgestaltung der erfindungs-gemäßen
Vorrichtung vor, dass die Regel-/Auswerteeinheit so ausgestaltet ist, dass sie den Durchfluss kontinuierlich misst, und/oder dass sie erkennt, in welcher zeitlichen Abfolge bzw. innerhalb welcher Zeitspanne der Durchfluss zumindest zwei vorgegebene Grenzwerte unter- oder überschreitet.
[022] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist darüber hinaus vorgesehen, dass die Regel-/Auswerteeinheit so ausgestaltet ist, dass sie die Ansteuerung bzw. Auswertung der beiden Temperatursensoren umschalten kann, womit jeder Temperatursensor jeweils entweder beheizbarer Temperatursensor oder Temperatursensor für die aktuelle Temperatur des Messmediums sein kann. In diesem Zusammen-hang lässt sich beispielsweise über eine Mittelung der Werte der Temperatur-sensoren die Messgenauigkeit erhöhen.
[023] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden Figuren näher erläutert. Es zeigt:
[024] Fig. 1 : eine schematische Darstellung der erfindungsgemäßen Vorrichtung,
[025] Fig. 2: eine Draufsicht auf eine erste Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Anordnung der Temperatursensoren,
[026] Fig. 3: eine Draufsicht auf eine zweite Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Anordnung der Temperatursensoren,
[027] Fig. 4: eine Draufsicht auf eine dritte Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Anordnung der Temperatursensoren und
[028] Fig. 5: einen Querschnitt durch eine vierte Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Vorrichtung.
[029] Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung des erfindungsgemäßen Durch- flussmessgeräts 1. Das Durchflussmessgerät 1 ist über ein Schraubgewinde 9 in einem Stutzen 4, der sich an der Rohrleitung 2 befindet, befestigt. In der Rohrleitung 2 bzw. in dem Messrohr befindet sich das strömende Mess-medium 3. Die Strömungsrichtung ist mit S gekennzeichnet.
[030] Die Temperaturmesseinrichtung 6 befindet im dem Messmedium 3 zuge-wandten
Bereich des Gehäuses 5. Unterschiedliche Ausgestaltungen der im wesentlichen rotati¬ onssymmetrischen und auf konzentrischen Kreisen liegenden Temperatursensoren 11, 12 sind in den Figuren Fig. 2 - Fig.4 dargestellt.
[031] Die Temperatursensoren 11, 12 sind in den gezeigten Fällen auf einer dielektrischen
Trägerstruktur 13 angeordnet, die sich an der Stirnfläche des Gehäuses 5 befindet. Wahrend die in den Figuren Fig. 2 und Fig. 3 gezeigten Ringstrukturen eine in den ang renzenden Bereichen der beiden Temperatur-sensoren 11, 12 glatt ausgestaltet sind, weisen die beiden in Fig. 4 gezeigten ringförmigen Temperatursensoren 11, 12 eine verzahnte Form auf.
[032] Die Ansteuerung der Temperatursensoren 11, 12 und/oder die Auswertung der von den Temperatursensoren 11, 12 gelieferten Messsignale erfolgt über die Regel- /Auswerteeinheit 10, die im gezeigten Fall im Umformer 7 ange-ordnet ist. Über die Verbindung 8 erfolgt die Kommunikation mit einer entfernten, in der Fig. 1 nicht gesondert dargestellten Kontrollstelle.
[033] Wie bereits zuvor erwähnt, kann es sich bei den beiden Temperatursensoren 11, 12 um elektrisch beheizbare Widerstandselemente, sog. RTD-Sensoren, handeln. Selbst¬ verständlich kann auch in Verbindung mit der erfindungs-gemäßen Lösung auch ein üblicher Temperatursensor, z.B. ein PtIOO oder PtIOOO eingesetzt werden, dem eine thermisch angekoppelte Heizeinheit 14 zugeordnet ist. Die Heizeinheit 14 ist in der Fig. 1 im Gehäuse 5 angeordnet. Die Heizeinheit 14 ist thermisch an den beheizbaren Temperatursensor 11, 12 gekoppelt, aber von dem Messmedium weitgehend entkoppelt. Die Ankopplung bzw. die Entkopplung erfolgt bevorzugt über die Auffüllung der entsprechenden Zwischenräume mit einem thermisch gut leitenden bzw. einem thermisch schlecht leitenden Material. Bevorzugt kommt hierzu ein Ver¬ gussmaterial zum Einsatz.
[034] Wie bereits an vorhergehender Stelle beschrieben, ist es mit dem erfindungs¬ gemäßen Durchflussmessgerät 1 möglich, den Durchfluss entweder kontinuierlich zu messen; alternativ ist es möglich, das erfindungsgemäße Durchflussmessgerät 1 als Durchflussschalter zu verwenden, der immer dann die Änderung eines Schaltzustandes anzeigt, wenn zumindest ein vorge-gebener Grenzwert unter- oder überschritten wird.
[035] Vorteilhafter Weise ist darüber hinaus vorgesehen, dass beide Temperatur-sensoren 11, 12 beheizbar ausgestaltet sind, wobei die gewünschte Funktion des ersten Tempe¬ ratursensors 11 oder des zweiten Temperatursensors 12 von der Regel/Auswerteeinheit 10 bestimmt ist. Beispielsweise ist es möglich, dass die Regel-/Auswerteeinheit 10 die beiden Temperatursensoren 11, 12 alternierend als aktiven oder passiven Tempera¬ tursensor 11, 12 ansteuert und den Durchflussmesswert über eine Mittelung der von beiden Temperatur-sensoren 11, 12 gelieferten Messwerte bestimmt.
[036] In Fig. 4 ist ein Querschnitt einer vierten Ausgestaltung der erfindungs-gemäßen
Vorrichtung dargestellt. In diesem Fall sind die beiden im wesentlichen rotations¬ symmetrisch angeordneten Temperatursensoren 11, 12 in im wesentlichen parallel zueinander angeordneten Ebenen zu finden. Im gezeigten Fall sind die beiden Tempe¬ ratursensoren 11, 12 z.B. in Dünnfilm-technik auf eine isolierende Trägerstruktur 13 aufgebracht.