Verfahren zur Korrektur von Bildmesswerten
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Korrektur von mittels einer bildpunktweise arbeitenden fotoelektrischen Bildmesseinrichtung ermittelten Bildmesswerten eines Messobjekts, insbesondere eines Druckbogens, gemέLss dem Oberbegriff des unab¬ hängigen Anspruchs 1.
Färb- und Dichtemesswerte von Druckbögen werden heute oft schon mit einer mehr- kanaligen, parallelisierten Messtechnik erfasst. Eine rnehrkanalige, parallelisierte Messtechnik wird im Folgenden als Bildmesstechnik bezeichnet, da sie typischer¬ weise zur bildpunktweisen Erfassung der Messdaten eines ganzen Bildes oder eines Bildausschnitts verwendet wird. Dem Vorhandensein, von Bildmesswerten kommt im Zeitalter digitaler Arbeitsabläufe und der direkten Verwendung digitaler Daten aus der Vorstufe für die Druckmaschinensteuerung immer grossere Bedeutung zu. Bild¬ messwerte erlauben eine effiziente Qualitätskontrolle des Druckprodukts und werden auch für die Farbkontrolle und Farbregelung im Bild verwendet.
Die (bildpunktweise) Erfassung von Bildmesswerten kann mit bekannten Techniken durchgeführt werden. Eine bekannte Möglichkeit ist die Kameramesstechnik. Sie wird in Rollendruckmaschinen, in digitalen Druckma.schin.en und auch in Bogen- Offsetdruckmaschinen zur Qualitätsüberwachung eingesetzt. Bekannt sind Zeilenka- meras, bei der sequentiell eine Bildzeile nach der anderen parallel erfasst wird. Alter- nativ kommen auch zwei-dimensionale Kamerasysterne zum Einsatz, welche parallel ein beschränktes zweidimensionales Bildfeld erfassen und grossere Bildflächen aus mehreren Messungen mit mechanischem Versatz zusammensetzen. Beispiele für Kameramesstechnik in der Druckmaschine sind die Produkte der Firma Eltromat GmbH. Als besonderes Beispiel kann die Patentanmeldung EP1213569A2 genannt werden, welche ein Kamerasystem beschreibt, das speziell für die Farbmesstechnik ausgelegt ist.
AIs alternative Bildmesssysteme können handelsübliche Scanner verwendet werden, bei denen der Druckbogen auf einer Auflage von einem Messbalken sequentiell ab¬ tastet wird. Als einfachste Realisierung kann die Messeinheit eines kommerziellen Flachbett-Scanners verwendet werden. Eine bessere Qualität der Messdaten erhält man, wenn ein spezifisch für die Farbmessung optimiertes System eingesetzt wird. Solche Systeme sind zum Beispiel im Patent US-A 6,028,682 (~ DE-A 196 50 223) oder in der hier vorliegenden Patentanmeldung beschrieben.
Die Verwendung der Bildmesswerte für Farbanwendungen oder Dichtemessungen erfordert, dass die Bildmesswerte in die entsprechenden Grossen umgewandelt wer¬ den können. Die Umrechnung wird als farbmetrische Kalibration bezeichnet und kann nach bekannter Art durchgeführt werden. Vorzugsweise wird mittels einer Aus¬ gleichsrechnung anhand von Referenzmesswerten eine Korrekturmatrix bestimmt, welche die Bildmesswerte in die gewünschte Einheiten (Normfarbwerte CIE XYZ oder Dichtefilterwerte) transformiert.
Die Bildmesswerte liegen typischerweise als R-GB-Werte, Multi-Filter-Messwerte (mehr als 3 Messwerte pro Bildpixel) oder als spektrale Messdaten (pro Bildpunkt bzw. Pixel) vor. Die farbmetrische Messgenauigkeit des Systems wird in der Regel erhöht, je mehr verschiedene spektrale Messwerte pro Bildpixel vorhanden sind oder je genauer die Filterfunktionen des Messsystems an die gewünschten Auswertungsfil¬ ter (zum Beispiel die farbmetrischen Normalbeobachter-Funktionen oder die Dichte¬ filterfunktionen) angepasst sind.
Die farbmetrische Kalibration alleine ist aber nicht ausreichend für die Anwendung der Bildmesstechnik im Druckumfeld. Die Messleistungsfähigkeit des Systems wird auch durch Prozessparameter des Druckverfahrens und Abhängigkeiten in Funktion des Druckmediums beeinflusst.
Ein Problem ist die bekannte Nass-Trocken Problematik, welche vor allem im Offset- Druckverfahren Schwierigkeiten für die Messtechnik verursacht. Der Drucker muss die Druckqualität während des Druckbetriebs prüfen können. Zu diesem Zeitpunkt ist der Farbauftrag aber noch frisch. Die Farbschicht auf dem Substrat ist nass und be-
sitzt einen starken Glanz. Während des Trocknungsprozesses nimmt die Farbschicht die Struktur der Substratoberfläche an, was den Glanz verringert und vor allem für matte Papiere deutliche zeitliche Änderungen der Messwerte (während der Trock¬ nungsphase) verursacht.
Der Unterschied zwischen an nassem und trockenem Substrat ermittelten Messwerten kann mit dem an sich bekannten Polarisationsfilter-Messverfahren reduziert werden. Bei diesem Messverfahren wird die Probe mit polarisiertem Licht beleuchtet, und im Sammelkanal wird ein zur Polarisationsrichtung des Beleuchtungslichts orthogonaler Polarisationsfilter als Analysator verwendet. Die orthogonalen Polarisationsfilter eli¬ minieren die Komponente im Messlicht, welche von der Oberfläche reflektiert wird und den variablen Teil ausmacht.
Die Polarisationsfilter-Messtechnik wird hauptsächlich für die Dichtemessung ver- wendet und wird in den handelsüblichen Handmessgeräten, wie zum Beispiel dem Spektralphotometer SpectroEye der Firma GretagMacbeth, angeboten. Die Polarisa¬ tionsfilter-Messtechnik hat bis jetzt keine Anwendung in bildgebenden Farbmess- systemen für die Druckprozesskontrolle gefunden. Die Ursache dafür ist, dass Pro- zesskontrolsysteme schnell messen müssen und die orthogonalen Polarisationsfilter einen Lichtverlust von einem Faktor 8 bis 10 verursachen, der durch entsprechend längere Messzeiten ausgeglichen werden müsste, was wiederum für die Druckpro¬ zesskontrolle zu langsam wäre. Aus diesem Grund sind Bildmesssysteme, wie sie z.B. in Patent US-A 6,028,682 (~ DE-A 196 50 223) beschrieben sind, ohne Polarisa¬ tionsfilter ausgerüstet. ,
In vielen Anwendungen besteht aber die Forderung, dass das Messsystem Dichtewer¬ te gemäss Polarisationsfilter-Messtechnik: ausgeben können muss. Ausserdem bietet die Polarisationsfilter-Messtechnik auch für die farbmetrische Charakterisierung von Proben mit hohen Dichten, wie sie zum Beispiel bei hochpigmentierten Farben auf- treten, eine bessere Linearität der Messwerte in Funktion von Schichtdickenänderun¬ gen. Die Polarisationsfilter-Messtechnik Λvürde somit auch eine verbesserte farbmet¬ rische Regelung des Farbauftrags der Druckmaschine ermöglichen.
In bekannten Messsystemen, wie in Patent US-A 6,028,682 (~ DE-A 196 50 223) be¬ schrieben, werden Polarisationsfilter-Dicritewerte mit einem Korrekturmodell aus den Messwerten ohne Polarisationsfilter berechnet. Das Korrekturmodell funktioniert mit festen Parametern. Als Eingangsvariable für das Modell kann der Drucker nur zwi- sehen einer begrenzten Anzahl von Papierqualitäten (Substraten) auswählen. Für die¬ se Papierqualitäten wurden die entsprechenden Korrekturparameter vorgängig expe¬ rimentell bestimmt. Das Korrekturmodell entspricht in seiner einfachsten Form der Subtraktion eines Offsetwertes vom ohne Polarisationsfilter gemessenen Remissi¬ onswert. Die dabei erreichte Qualität der Korrektur ist jedoch nicht zufriedenstellend. Die Genauigkeit der Korrektur wird dureti die Vielzahl von verschiedenen Drucksub¬ straten mit unterschiedlichen Oberflächen. eigenschaften limitiert. Das begrenzte Set von typischen Papierqualitäten kann diese Vielfalt nicht nachbilden. Ausserdem ist das Modell mit der Offset-Korrektur besonders ungenau für die Anwendung auf ho¬ hen Dichten, und zudem ist die Implementierung nicht ausreichend parametrisiert für die Anwendung auf spektrale oder farbmetrische Messwerte. Messwerte im Absorp¬ tionsbereich, in den Flanken oder im Transmissionsbereich eines Spektrums zeigen unterschiedliche Differenzen zwischen Messungen mit und ohne Polarisationsfilter, was ein komplexeres Korrekturmodell verlangt.
Die unterschiedlichen Oberflächeneigenschaften der Druckproben verursachen auch eine Problematik für die Messgeometrie. In der Bildmesstechnik können aus ver¬ schiedenen Gründen die in der Farbmesstechnik vorgeschriebenen Messwinkel (i.e. 4570°-Messgeometrie) oft nicht genügend genau eingehalten werden. Die Winkel¬ abweichungen verursachen Differenzen in den Messwerten gegenüber einem Farb- messgerät mit Normgeometrie. Die Differenzen der Messwerte sind aber zudem noch abhängig von der verwendeten Papierqualität. Einmalige Charakterisierung der Messunterschiede bei der Herstellung des Geräts und eine entsprechende fest pro¬ grammierte Korrektur ist daher nicht ausreichend für die anschliessende Anwendung mit verschiedenen Substraten (Papierqualitäten).
Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, d.ass Bildmesssysteme oft zeilenorientiert aufgebaut sind, wie zum Beispiel das in der US-A 6,028,682 (~ DE-A 196 50 223) beschriebene System. In diesem Fall kann, aus geometrischen Gründen nur aus einer
Winkelrichtung beleuchtet werden. Diese Einschränkung fuhrt auf Proben mit einer rauhen Oberfläche zu richtungsabhängigerx Messfehlern je nachdem, wie die Probe unter dem Messgerät orientiert ist. Die richitungsabhängigen Farbdifferenzen können auf Naturpapier grösser als dE*ab = 5 und die entsprechenden Dichteabweichungen grösser als 10% sein. Diese Toleranzen sind für viele Anwendungen inakzeptabel oder zumindest sehr störend.
Ausgehend von diesem Stand der Technik soll durch die vorliegende Erfindung eine Lösung für diese bekannten Problematiken geboten und ermöglicht werden, eine ein- fach gestaltete Bildmesstechnik oder irgendein einfach gestaltetes Farbmesssystem für die qualifizierte Prozess- und Farbkontrolle während des Druckbetriebs zu ver¬ wenden und dabei störende Medien- und Geometrieabhängigkeiten zu reduzieren.
Konkreter soll durch die vorliegende Erfindung eine grundlegende Verbesserung für die Korrektur der Bildmesswerte auf MessΛverte gemäss Polarisationsfilter-Messtech¬ nik ermöglicht werden. Die Korrektur soll nicht nur für die Dichtewerte, sondern für das ganze Remissionsspektrum anwendbar sein. Ausserdem sollen zusätzliche Mess¬ unterschiede, welche durch Abweichungen in der Messgeometrie oder durch die Be¬ leuchtungsanordnung verursacht werden, kompensiert werden.
Die Lösung dieser der Erfindung zugrundeliegenden Aufgabe ergibt sich aus den im kennzeichnenden Teil des unabhängigen Anspruchs 1 beschriebenen Merkmalen. Be¬ sonders vorteilhafte Ausgestaltungen und "Weiterbildungen sind Gegenstand der ab¬ hängigen Ansprüche. ,
Gemäss dem allgemeinsten Gedanken der Erfindung werden die Korrekturen mit einem parametrisierbaren Modell implementiert, bei welchem die im Modell ver¬ wendeten Korrekturparameter anhand von Referenzmesswerten auf dem gleichen Medium (Substrat) vorzugsweise automatisch und ohne zusätzliche Eingabe be- stimmt werden.
Im folgenden wird die Erfindung anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
- G -
Fig. 1 eine vereinfachte Gesamtansicht einer für die Erfindung besonders gut ge¬ eigneten Abtastvorrichtung,
Fig. 2 einen teilweisen Längsschnitt parallel zur Koordinatenebene y-z durch den Messwagen der Abtastvorrichturig,
Fig. 3 einen teilweisen Längsschnitt parallel zur Koordinatenebene x-y durch den Messwagen der Abtastvorrichtung,
Fig. 4 eine Skizze des grundsätzlichen Aufbaus der im Messwagen angeordneten Messeinrichtung,
Fig. 5 ein Flussdiagram für die Korrektur der Messdaten in Bezug auf medienab¬ hängige und messgeometrische Einflüsse sowie Fluoreszenzeffekte mit ei- nem parametrisierten Modell gexnäss der Erfindung,
Fig. 6 ein Flussdiagramm für die Bestimmung der Korrekturparameter für die Korrektur von medienabhängigen und messgeometrischen Einflussgrös- sen,
Fig. 7 ein Flussdiagramm zur Verdeutlichung des parametrisierten Modells für die Umrechnung der unpolarisierten Bildmesswerte in polarisierte Mess¬ werte und
Fig. 8 ein Flussdiagramm zur V rdeutlichung der Berechnung der Parameter des parametrisierten Modells für die Umrechnung von unpolarisierten in pola¬ risierte Messwerte.
Die Figuren 1-4 zeigen eine bevorzugte Realisierung der Abtastvorrichtung. Sie ent- spricht in ihrem generellen Aufbau den üblichen Messapparaturen, wie sie z.B. in der grafischen Industrie typischerweise zur puriktweisen fotoelektrischen Ausmessung von einem Druckprozess entnommenen Druckbögen verwendet werden. Solche
Druckbögen werden im folgenden gleichwertig auch als Messobjekt oder Probe be¬ zeichnet.
Die Abtastvorrichtung umfasst einen Unterbau in Form eines Messtischs MT mit üb- licherweise geneigter rechteckiger Oberfläche, auf der das Messobjekt S - der auszu¬ messende Druckbogen - positioniert werden kann. Der Druckbogen S enthält typi¬ scherweise einige (hier beispielsweise vier) grafische Darstellungen P1-P4 und einen (oder mehrere) Farbmessstreifen CMS. Zur Positionierung des Messobjekts S sind am Messtisch MT nicht dargestellte Anschläge vorgesehen. Die Fixierung des Messob- jekts S auf dem Messtisch MT erfolgt vorzugsweise auf elektrostatischem Wege oder mittels bekannter Saugmechanismen. Auf dem Messtisch MT ist ein länglicher Mess¬ balken bzw. Messwagen MC angeordnet, auf bzw. in dem sich eine Messeinrichtung MD (Fig.2) befindet. Der Messwagen MC erstreckt sich über die Tiefe des Mess¬ tischs MT in Koordinatenrichtung y und ist motorisch über dessen Breite in Koordi- natenrichtung x linear hin und her beweglich, wobei entsprechende Antriebs- und Steuereinrichtungen am Messwagen MC und am bzw. unter dem Messtisch MT vor¬ gesehen sind. Die Antriebseinrichtung ist in der Zeichnung nur symbolisch durch das Bezugszeichen D angedeutet, die Beweglichkeit des Messwagens MC in x-Richtung durch den Pfeil Al. Innerhalb des Messwagens MC ist die eigentliche Messeinrich- tung MD mittels nicht dargestellter konventioneller Antriebseinrichtungen in Rich¬ tung der Koordinatenachse z relativ zur Messtischoberfläche heb- und senkbar und in bestimmten Ausführungsvarianten ausserdem noch in Richtung der Koordinatenachse y (beschränkt) verfahrbar. Diese beiden Bewegungsmöglichkeiten sind in Fig. 2 durch die Pfeile A2 und A3 symbolisiert. ,
Auf dem Messtisch MT befindet sich parallel zum Messwagen MC eine Weissrefe¬ renz WR. Diese dient der Kalibrierung der Messeinrichtung MD. Die Kalibrierung wird typischerweise vor jedem Messlauf durchgeführt, indem die Messeinrichtung MD die Weissreferenz ausmisst. Die Weissreferenz wurde zuvor (typischerweise im Werk) mit Hilfe eines externen Gerätes ausgemessen und die Messwerte im Speicher der Abtastvorrichtung, in der Regel im Rechner C, hinterlegt. Eine solche Kalibrie¬ rung ist bei Spektralphotometern üblich und als solche Stand der Technik.
Die Abtastvorrichtung umfasst ferner noch eine Verarbeitungseinrichtung in Form eines (ev. auch externen) Rechners C mit einer Tastatur K und einem Farbmonitor M. Der Rechner C arbeitet mit einer hier nicht dargestellten Mess- und Antriebssteue¬ rung am Messtisch MT bzw. im Messwagen MC zusammen und verarbeitet die von der im Messwagen MC befindlichen Messeinrichtung MD erzeugten und ihm über die Mess- und Antriebssteuerung MDC zugeführten Messsignale, wobei er unter an¬ derem auch die Bildinformation des abgetasteten Messobjekt S auf dem Monitor M darstellen kann. Der Rechner C kann über die Mess- und Antriebssteuerung ferner auch die Bewegungen des Messwagens MC und der darin befindlichen Messeinrich- tung MD veranlassen und steuern. Die Abtastvorrichtung entspricht soweit dem be¬ kannten Stand der Technik, wie er z.B. durch kommerziell erhältliche Geräte der Firma Heidelberger Druckmaschinen AG oder durch die US-A 6,028,682 (entspre¬ chend DE-A- 196 50 223) gegeben ist. Der mechanische Aufbau und die Realisierung der motorischen Verfahrbarkeit von Messwagen MC und Messeinrichtung MD sind in der US-A 6,028,682 detailliert beschrieben, so dass der Fachmann diesbezüglich keiner weiteren Erläuterung bedarf. Es versteht sich, dass der Messwagen MC auch parallel zur Koordinatenrichtung x angeordnet sein kann, wobei dann alle anderen Ausrichtungen und Bewegungsrichtungen sinngemäss ebenfalls um 90° gedreht wä¬ ren.
Die im Messwagen MC befindliche Messeinrichtung MD umfasst als wesentlichste Bestandteile eine Beleuchtungseinrichtung zur Beaufschlagung des Messobjekts mit Beleuchtungslicht, Aufpickoptikmittel zum Auffangen des vom Messobjekt remittier¬ ten Messlichts und eine wellenlängenbereichselektive fotoelektrische Empfängerein- richtung zur Umwandlung des remittierten Messlichts in elektrische Messsignale. Diese Elemente dienen zur bildpunktweisen Abtastung des gesamten Druckbogens und werden im folgenden gesamthaft als Bildmesseinheit bezeichnet.
Die Messeinrichtung MD ist zusätzlich zur erwähnten Bildmesseinheit noch mit ei- nem unabhängigen Spektralmesskopf für die spektrale Ausmessung einzelner Bild¬ elemente ausgestattet, so wie dies in der Fig. 3 schematisch angedeutet ist. Dieser Spektralmesskopf 300 ist über einen in der Figur durch einen Pfeil A4 symbolisch angedeuteten motorischen Antrieb unabhängig von den übrigen Komponenten der
Messeinrichtung in y-Richtung bewegbar und damit in Verbindung mit der Bewe¬ gung des Messwagens MC in x-Richtung über jedem beliebigen Bildelement des Messobjekts positionierbar. Der Spektralmesskopf 300 und sein Antrieb in y-Rich¬ tung wird selbstverständlich auch, von der Mess- und Steuereinrichtung gesteuert. Dei Spektralmesskopf 300 ist mit einem Polarisationsfilter 301 ausgestattet, das fernge¬ steuert in den Messstrahlengang eingeführt bzw. wieder aus diesem entfernt werden kann, so dass wahlweise Spektralmessungen mit und ohne Polarisationsfilter möglich, sind. Die Bewegung des Polarisationsfilters 301 ist in der Fig. 3 durch einen Pfeil A5 symbolisiert. Das Polarisationsfilter 301 umfasst zwei konzentrische Teile, deren Po¬ larisationsrichtungen zueinander gekreuzt sind. Der äussere Teil wird vom Beleuch¬ tungsstrahlengang durchsetzt, der innere Teil vom Messlichtstrahlengang. Um Mes¬ sungen mit verschiedenen Filtern, zeitgleich durchführen zu können, kann auch mehr als ein unabhängiger Spektralmesskopf vorgesehen sein, um z.B. mit zwei Spektral¬ messköpfen Messungen mit und ohne Polarisationsfilter zu erhalten.
Der Spektralmesskopf 300 wird in der praktischen Anwendung für hochpräzise (spektrale) Messungen an relativ wenigen ausgewählten Bildelementen des Messob¬ jekts S eingesetzt. Typischerweise wird damit der auf Druckbögen üblicherweise vor¬ handene Farbkontro listreifen CMES (Fig.l) aus gemessen. Dies kann in einem eigenen Abtastdurchlauf oder aber auch zusammen mit dem oder einem der Abtastdurchläufe der Messeinrichtung MD erfolgen. In beiden Fällen ist es aufgrund der a priori nicht genau bekannten Lage von ausgewählten Bildelementen besonders vorteilhaft, die von der Messeinrichtung erfasste Bildinformation dahingehend zu interpretieren, dass diese zur Positionierung des unabhängigen Spektralmesskopfes auf spezifische BiId- elemente verwendet werden kann. So kann insbesondere die genaue Lage des Farb- kontrollstreifens CMS während des Messvorgangs bestimmt und damit der unabhän¬ gige Spektralmesskopf gezielt über den interessierenden Bildelementen positioniert werden.
Der spektrale Messkopf ist als qualitativ hochwertiges Farbmesssystem ausgelegt. Er erfüllt alle Anforderungen an die Messtechnik der internationalen Normen zur Farb- messtechnik (zum Beispiel ISO 13655 oder DIN 5033). Im speziellen ist der spektrale Einzelmesskopf 300 mit einer ringförmigen oder zirkulären Messgeometrie ausgelegt,
so dass keine richtungsabhängigen Effekte auftreten, wenn die Probe unter dem spektralen Einzelmesskopf gedreht wird. Ein Beispiel für die Realisierung eines sol¬ chen Spektralmesskopf ist das Spektralphotometer SpectroEye der Firma Gretag- Macbeth AG, welches als spektraler Messkopf in der Messvorrichtung eingesetzt werden kann. Ausserdem ist es vorteilhaft, wenn der spektrale Messkopf und die Bildmesseinheit ein Beleuchtungsspektrum im Messlicht ohne ultra- violetten (UV-) Anteil aufweisen. Diese Charakteristik kann erreicht werden, wenn in der Beleuch¬ tungsoptik ein Kantenfilter eingesetzt wird, welches den spektralen Anteil im Be¬ leuchtungsspektrum unterhalb der Wellenlänge von 400 nm unterdrückt. Für solche Filter werden handelsübliche Absorptionsfiltergläser zum Beispiel von der Firma Schott angeboten. Die Unterdrückπαng des UV- Anteils erleichtert die Korrektur der Messdaten, da die nichtlinearen Effekte für die unterschiedliche Anregung von opti¬ schen Aufhellern im Substrat nicht berücksichtigt werden. Wenn keine UV-Un¬ terdrückung verwendet wird, muss eine Kompensation der Fluoreszenzeffekte der optischen Aufheller im Korrekturrnodell berücksichtigt werden. Idealerweise wird diese Kompensation im erfmdungsgemässen Korrekturmodell für den Einfluss der Messgeometrie und Medienabhängigkeit mitberücksichtigt. Beide Varianten sind weiter unten im Detail beschrieben. Der Spektralmesskopf 300 wird im folgenden auch als Referenzmesseinrichtung bezeichnet.
Die Fig. 4 zeigt den prinzipiellen Aufbau der Bildmesseinheit der Messeinrichtung MD. Die Messeinrichtung bildet insgesamt einen (bezüglich Wellenlängenbereichen) mehrkanaligen Zeilen-Scanner, wobei in der Fig. 4 der Übersichtlichkeit halber nur die zu einem Farbkanal (Wellenlängenbereich) gehörigen Elemente dargestellt sind. Eine vollständige Messeinrichtung MD enthält in x-Richtung zu einander parallel versetzt mehrere der in Fig. 4 gezeigten Konfigurationen. Beispielsweise kann die Messeinrichtung sechs solche Konfigurationen aufweisen.
Die Beleuchtungseinrichtung umfasst pro Farbkanal eine grossere Anzahl von Licht- quellen 11 in Form von Leuchtdioden, welche in y-Richtung linear aneinandergereiht sind. Sie umfasst ferner vorzugsweise pro Lichtquelle 11 je eine (zylindrische) Kolli¬ matorlinse 12 sowie eine durchgehende, sich in Längsrichtung parallel zur y-Koordi- nate erstreckende Schlitzblende 13. Die Lichtquellen 11 beaufschlagen das Messob-
jekt S innerhalb eines in Längsrichtung parallel zur y-Koordinate verlaufenden und sich wenigstens über einen Teil des Messobjekts S erstreckenden Beleuchtungsstrei¬ fens 15 mit Beleuchtungslicht. Die Anordnung ist dabei so getroffen, dass jedes in¬ nerhalb des Beleuchtungsstreifens 15 liegende abzutastende Bildelement des Messob- jekts S unter einem definierten, für die Farbmessung geeigneten Einfallswinkel (typi¬ scherweise 4570°, z.B. DIN 165361, Teil 2) mit Beleuchtungslicht beaufschlagt wird. Dies wird durch die Kollimator linsen 12 und die Schlitzblende 13 erreicht. Die KoI- limatorlinsen 12 erzeugen einen nahezu parallelen Strahlengang. Die Brennweite der Linsen ist so gewählt, dass der JDivergenzwinkel des kollimierten Strahlengangs (in. y- Richtung) kleiner gleich 5-10° ist. Diese Implementierung ermöglicht eine weitge¬ hend uniforme durchgehende Linienbeleuchtung. Der Beleuchtungsstrahlengang ist in Fig. 4 mit 1 Ia bezeichnet. Die Schlitzblende 13 begrenzt den Einfallswinkel quex zur Längserstreckung des Beleiαchtungsstreifens, also in Richtung der x- Achse. Für die Leuchtdioden 11 kann beispielsweise der „weiss" strahlende Typ Luxeon DS 25 der Firma Lumileds Lighting LLC, San Jose, CA, USA eingesetzt werden.
Die fotoelektrische Empfängereinrichtung umfasst (pro Farbkanal) einen Zeilensen.- sor 21 und einen vorgeschalteten Farbfilter 22, welcher den Zeilensensor auf seinen Wellenlängendurchlassbereich sensibilisiert. Der Zeilensensor besteht aus einem oder mehreren sog. CIS-Elementen (contact image sensor), die wiederum je auf einem
Chip in einer geraden Zeile integriert eine grosse Anzahl von einzelnen Lichtsensoren enthalten. Ein geeignetes CIS-Element ist z.B. der Typ PI6045J der Firma Peripheral Imaging Corporation, San Jose, CA, USA mit einer Auflösung von 600 dpi.
Die Aufpickoptikmittel umfassen (pro Farbkanal) eine linienförmige Optikanordnuαcig 31, die vorzugsweise durch eine im wesentlichen lineare Anordnung von Gradienten¬ index-Linsen, sog. Selfoc-Linsen-Arrays, implementiert ist. Die linienförmige OptLk- anordnung 31 erstreckt sich wie der Zeilensensor 21 parallel zur y-KoordinatenricbL- tung. Bei einem typischen, kommerziell erhältlichen Aufbau eines Selfoc-Linsen- Arrays 31 befinden sich zwei Reihen von Gradientenindex-Linsen zwischen zwei äusseren Wänden, wobei die Zwischenräume zwischen den Linsen-Fasern und den Wänden mit einem opaken Kunststoff vergossen sind. Geeignete Selfoc-Linsen- Arrays werden von der Firma NTSG vertrieben.
Die lineare Optikanordnung 31 lenkt das von den mit Beleuchtungslicht beaufschlag¬ ten Bildelementen des Messobjekts S remittierte Messlicht auf den zugeordneten. Zei¬ lensensor 21 (Messlichtstrahriengang 21a). Die Optikanordnung 31 ist dabei so aiαsge- bildet und angeordnet, dass sie aus jedem abgetasteten Bildelement das remittierte Messlicht nur unter einem definierten, für Farbmessungen geeigneten Ausfallswin¬ kelbereich auffängt (typiscrierweise 0° +/- 5°, z.B. DIN 165361, Teil 2). Die (pro Farbkanal) abgetastete Bildelementzeile ist in Fig. 4 mit 16 bezeichnet.
Für die Praxis ist es wichtig, dass die Schlitzblende 13 im Beleuchtungsstrahlengang möglichst nah am Messobjekt S positioniert ist. Die Schlitzblende 13 begrenzt die ausgeleuchtete Fläche auf dem Messobjekt. Sie hat typischerweise eine Öffnungsbrei¬ te von 1 mm oder kleiner. Die beleuchtete Fläche des Messobjekts (Beleuchtungs¬ streifen 15) hat dadurch eine Breite (in x-Richtung), welche kleiner als das Sichtfeld der Optikanordnung bzw. Selfoc-Linsen-Arrays 31 (in x-Richtung) ist. Dies verbes¬ sert die Streulichtunterdrüclcung und ermöglicht Dichtemessungen von kleinen ]V_Iess- feldern mit hoher Dichte in weissem Umfeld.
Ein grundsätzliches Problem der Linienbeleuchtung besteht darin, dass ein Punkt im Messfeld Licht von allen Lichtquellen (Leuchtdioden) erhält. Dabei trifft das Liclht von längs der Linie versetzten Leuchtdioden nicht mehr mit 45°, sondern mit grosse¬ ren Winkeln auf das Messfeld. Die grosseren Winkel verstossen aber gegen die nor¬ mierte Farbmessgeometrie, welche nur Beleuchtungswinkel im Bereich 40° bis 50° (45°+/-5°) zulässt. Abweicrrungen von der Normgeometrie verursachen Messfehler, welche durch einen unterschiedlichen Oberflächeneffekt und durch andere Absorpti¬ onswege durch die Farbschicht verursacht werden.
Der effektive B eleuchtungsΛvinkelb ereich muss deshalb eingeschränkt werden. E>ies kann z.B. mittels einer Lamellenstruktur realisiert werden, welche zwischen den ein- zelnen Leuchtdioden einer Linie und dem Messfeld angeordnet ist. Die Lamellen, dür¬ fen aber nicht zu gross sein, weil sonst relativ viel Licht verloren geht. Jeder Mess¬ punkt sieht nur das Licht einer einzigen LED im zulässigen Winkelbereich.
Eine verbesserte Möglichkeit zur Begrenzung der Beleuchtungswinkel gemäss den Anforderungen der Normgeometrie wird durch den Einsatz der schon erwähnten JKoI- limatorlinsen 12 erreicht, welche längs jeder Leuchtdioden-Linienquelle vorgesehen und vorzugsweise körperlich zu Linsen- Arrays zusammengefasst (mehrere Linsen aus einem einzigen Kunststoffteil) sind.
Jede Kollimatorlinse 12 eines Linsen- Arrays kollimiert das Licht von hauptsächlich einer Leuchtdiode 11 (oder, bei Verwendung von vielen kleinen Leuchtdioden-Ctiips, einer räumlich begrenzten Anordnung von mehreren Leuchtdioden-Chips). Die Brennweiten der Kollimatorlinsen 12 sind so gewählt, dass der Divergenzwinkel "und die Randwinkel der Beleuchtung des Messfeld in Längsrichtung der Leuchtdioden- Linie (y-Richtung) kleiner als +/- 10° sind. Auf diese Weise wird innerhalb des B e- leuchtungsstreifens 15 eine Überlappung und eine homogene Beleuchtungsstärke^ver- teilung erzielt. Die schon erwähnten Blendenlamellen zwischen den Leuchtdioden 11 verhindern, dass Licht einer Leuchtdiode via Linsen einer Nachbar-Leuchtdiode auf das Messobjekt gelangen kann.
Es ist ausreichend, wenn für die Kollimatorlinsen 12 Zylinderlinsen eingesetzt wer¬ den, welche die Lichtstrahlen in Längsrichtung der Leuchtdioden-Linie kollimieren. Die Leuchtdioden-Linienlichtquelle hat in der Richtung senkrecht zur Linie eine be¬ grenzte Ausdehnung, so dass in dieser Dimension die Anforderungen der Normgeo¬ metrie auch ohne zusätzliche Optik erfüllt sind. Ausserdem begrenzt die Schlitzblen¬ de 13 die Breite des Beleuchtungsstreifens 15.
Die Abtastung eines Messobjekts, speziell eines Druckbogens, muss kontaktlos erfol¬ gen. Die Auflagefläche des Bogens ist über die relativ grosse Bogenfläche in der IRe- gel nicht perfekt eben. Es treten deshalb beim Abtasten Abstandsänderungen zwi¬ schen dem Messobjekt und der Messeinrichtung auf. Diese dürfen die Messwerte nicht beeinflussen. Dies erfordert, dass die Beleuchtungs- und die Messoptik über den tolerierten Bereich von ein paar Zehntelmillimeter abstandsunabhängig sein müssen.
Das Sichtfeld der Messoptik (Optikanordnung 31) wird von der Beleuchtung über¬ leuchtet (der Beleuchtungs streifen 15 ist breiter als die Breite der von der Optikan-
ordnung 31 erfassten Abtastlinie 16). Da die Erfassungswinkel der Optikanordnύng 31 sehr eingeschränkt sein müssen (gemäss den Farbmessnormen sind nur Erfas¬ sungswinkel von +/- 5° tolerierbar), wird mit der Optikanordnung die Leuxht- oder Strahldichte im Messfeld gemessen, welche unabhängig vom Abstand ist. Die Be- leuchtung muss also nur eine konstante, vom Abstand unabhängige Bestrahlungsstär¬ ke erzeugen.
Für eine abstandsunabhängige Beleuchtung unter 45° ist bereits ein Konzept bekannt, bei welchem eine Strahlungsquelle mit Lambertscher Abstrahlcharakteristik parallel zur Ebene des Messfelds angeordnet wird. Die Position der Strahlungsquelle relativ zum Messfeld wird so gewählt, dass das Licht im Winkel von 45° auf das Messfeld trifft. Gemäss dem photometrischen Grundgesetz wird so eine Abstandsunempfind- lichkeit über einen für die Praxis ausreichend grossen Abstandsvariationsbereich rea¬ lisiert. Dieses an sich bekannte Konzept ist, wie aus der Fig. 4 erkennbar, auch bei der hier beschriebenen Abtastvorrichtung angewandt.
Zur Ausmessung des Messobjekts in mehreren Farbkanälen ist die Messeinrichtung MD, wie schon erwähnt, mit mehreren Konfigurationen gemäss Fig. 4 ausgestattet. Diese Konfigurationen (Lichtquellen 11, Kollimatorlinsen 12, Schlitzblertde 13, Zei- lensensor 21, Farbfilter 22, lineare Optikanordnung 31) sind parallel zu einander in geringem gegenseitigen Abstand (in x-Richtung) angeordnet und unterschieiden sich lediglich durch unterschiedliche Farbfilter 22.
Die linearen Optikanordnungen 31 und die Zeilensensoren 21 der einzelnen Farbka- näle sind in x-Richtung gegeneinander versetzt. Deshalb empfängt jeder der Zeilen¬ sensoren 21 zu einem gegebenen Zeitpunkt Messlicht aus unterschiedlichen, in y- Richtung verlaufenden Bildelementzeilen 16 des Messobjekts S. Durch B ewegen des Messwagens MC und damit der Messeinrichtung MD in x-Richtung über das Mess¬ objekt S werden aber alle Zeilensensoren 21 zeitlich sequentiell mit Mess licht aus allen Bildelementzeilen 16 des Messobjekts S beaufschlagt. Wenn die Messeinrich¬ tung MD an einer Druckmaschine montiert ist, ergibt sich die Relativbewegung zwi¬ schen Messeinrichtung und Messobjekt durch den unter der Messeinrichtung durch¬ laufenden Druckbogen.
Es versteht sich, dass mit zunehmender Anzahl von Farbkanälen (auf unterschiedliche Wellenlängenbereiche sensibilisierten Zeilensensoren) und gleichzeitig abneJαmender Bandbreite der Wellenlängenbereiche eine zunehmend präzisere Farbmessung mög- lieh ist. Bei 14-16 Farbkanälen im Abstand von je 20 nm ist die spektrale Au-ilösung gleich derjenigen klassischer Spektralmessköpfe. Mit zunehmender Anzahl von Farb¬ kanälen steigt aber auch der konstruktive Aufwand und der Rechenaufwand für die Verarbeitung der Messwerte. Umgekehrt ist bei einer zu geringen Anzahl von Farb¬ kanälen keine für die anvisierten Einsatzzwecke ausreichend präzise Farbmessung mehr möglich. Ein optimaler Kompromiss bez. Messgenauigkeit und Herstellkosten liegt gemäss einem Aspekt der Erfindung bei 6-12 Farbkanälen im sichtbaren Bereich plus ev. einem zusätzlichen Kanal im nahen Infrarot-Bereich.
Die Figuren 1-4 zeigen eine bevorzugte Realisierung der Abtastvorrichtung. Für die Zwecke der vorliegenden Erfindung sind aber auch andere Messkonfigurationen ge¬ eignet. Im Messwagen MC kzann zum Beispiel nur der spektrale Messkopf angeordnet sein. Die Bildmesseinheit kann direkt in der Druckmaschine eingebaut sein, "wie zum Beispiel in den bekannten „Web-inspection" Systemen. Alternativ kann der IMesswa- gen nur die Bildmesseinheit beinhalten oder - äquivalent - die Bildmesseinheit ist in der Druckmaschine eingebaut und als spektraler Messkopf wird ein externes Hand¬ messgerät verwendet. Der Vorteil der ersten beiden Anordnungen ist, dass die Mes¬ sung mit beiden Einheiten voll automatisiert ausgeführt werden kann. Bei dex zuletzt genannten Anordnung muss der Drucker die Messungen mit dem externen G-erät von Hand ausführen, was zeitaufwendig und fehleranfällig ist. ,
Der Messablauf wird im folgenden für die bevorzugte Abtastvorrichtung der Figuren 1-4 beschrieben. Für die anderen Abtastvorrichtungen oder Abtastkonfigurationen kann ein entsprechender Messablauf analog implementiert werden.
Der Drucker legt einen Druckbogen auf die Auflage unterhalb des Messbalkens und löst die Bildmessung aus. Der Messbalken wird über die Vorlage bewegt. Dabei wird mit der Bildmesseinheit die Vorlage ganz oder teilweise gemessen. Die mittels der Bildmesseinheit ohne Polarisationsfilter erfassten Bildmesswerte (die Gesamtheit der
Messwerte aller Bildpuiikte des Druckbogens) werden mit der Gerätefarbkali~bration in Remissionswerte umgewandelt und beispielsweise in einem externen Rechner C abgespeichert. Vorzugsweise noch während des Messdurchlaufs wird der spelrtrale Messkopf definiert an Referenzmessstellen geführt und misst diese mit und oline Po- larisationsfilter 301 aus. Als Referenzmessstellen werden vorzugsweise die Felder des Farbmessstreifens CMS auf dem Druckbogen S verwendet. Wenn sich kein Farbmessstreifen auf dem Bogen befindet, werden mit dem spektralen Messkopf vor¬ definierte Positionen im Bild abgefahren und mit und ohne Polarisationsfilter gemes¬ sen. Die vom spektralen Messkopf mit und ohne Polarisationsfilter an den Referenz- messstellen erfassten Rernissionsspektren dienen als Referenzwerte und werden eben¬ falls auf dem Rechner C gespeichert.
In der Konfiguration, bei der die Bildmesseinheit in der Druckmaschine eingebaut ist, werden direkt die Messdaten von mehreren bedruckten Bögen während dem Druck- prozess erfasst und die entsprechenden Messwerte dem externen Rechner zugeführt. Wenn der Drucker einen Bogen zieht und den Farbmessstreifen des Bogens mit dem spektralen Messkopf automatisiert oder von Hand einmisst, werden entsprechende Referenzmesswerte für die Korrektur generiert. Sie entsprechen dem aktuellen Zu¬ stand der Druckmaschine. Für eine verbesserte Auswertung können die Bildmess- werte über alle im entsprechendem Zeitraum gespeicherten Bogen gemittelt werden.
Der Vorteil der speziellen Abtastvorrichtung gemäss den Figuren 1-4 ist, dass der spektrale Messkopf 300 Referenzwerte für die Korrektur der Bildmesswerte auf dem selben Messobjekt und gleichzeitig mit der Bildmessung generiert. Es können deshalb für jedes Druckmedium präzise Korriekturwerte (Korrekturparameter) bestimmt wer¬ den. Die Genauigkeit gegenüber einem Verfahren, das nur mit vordefinierten. Werten arbeitet, wird dadurch deutlich verbessert. Die Vielfalt an verschiedenen Beiruck- stoffen (Substraten, Papierqualitäten) stellt keine Limitierung mehr dar. Ausserdem wird die zeitliche Abhängigkeit der Messung vom Trockungsprozess der Farbe eliminiert. Der Einfluss von Fluoreszenz durch unterschiedliche Bewertung von optischen Aufhellern im Substrat oder durch lumineszierende Farbstoffe in der Farb¬ schicht kann korrigiert werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Berechnung der Kor¬ rekturwerte automatisch durchgeführt werden kann. Der Drucker muss keine Papier-
qualität mehr manuell bei der Definition der Druckparameter auswählen, was die Feh¬ lerquote reduziert.
Für die weiter unten erläuterte Berechnung der im erfindungsgemässen Korrekturver- fahren verwendeten Korrekturparameter werden mindestens Referenzwerte für eine Papierweissmessung und eine Messung auf einer bedruckten Probe (Referenzmess¬ stelle) mit hoher Dichte mit dem spektralen Messkopf mit und ohne Polarisationsfilter benötigt. Ausserdem müssen die gleichen Messfelder bzw. Messstellen mit der Bild¬ messeinheit ausgemessen werden. Vorteilhaft wird aber der gesamte Farbrnessstreifen mit dem spektralen Messkopf und der Bildmesseinheit gemessen, so dass Referenz¬ werte für jede Farbe in der Druckmaschine im Vollton und als Rastertonwert vorlie¬ gen. Details sind weiter unten ausgeführt.
Bei der bildpunktweisen Ausmessung des Messobjekts bzw. Druckbogens mit der Bildmesseinrichtung wird das Messergebnis, wie schon einleitend ausgefülrrt, durch verschiedene Einflussgrössen beeinflusst. Diese Einflussgrössen sind z.B. Abwei¬ chungen der Messgeometrie der Bildmesseinrichtung von der Normgeometrie, Be¬ schaffenheit/Struktur der Oberfläche des Messobjekts und ggf. das Vorhandensein von optischen Aufhellern im Druckmedium (Fluoreszenzeffekte). Aber auch das Feh- len von Polarisationsfiltern in der Bildmesseinrichtung ist insofern als Einflussgrösse anzusehen, als dadurch, ein anderes Messergebnis erzielt wird als bei Messungen un¬ ter Verwendung von Polarisationsfiltern.
Durch das erfindungsgemässe Korrekturverfahren für die mit der Bildmessemrich- tung ermittelten Bildmesswerte soll ganz allgemein der messtechnische Effekt einer oder mehrerer dieser Einflussgrössen so weit wie möglich kompensiert bzw. elimi¬ niert werden. Das heisst konkreter, die aus der Korrektur resultierenden korrigierten Bildmesswerte sollen Bildmesswerten möglichst nahe kommen, welche unter Bedin¬ gungen gemessen werden, bei denen die Einflussgrössen nicht vorhanden sind oder keine Wirkung haben. Für den konkreten Fall der Polarisationsfilterprob lematik sol¬ len also aus den ohne Polarisationsfilter gemessenen Bildmesswerten durcüh die erfin¬ dungsgemässe Korrektur korrigierte Bildmesswerte berechnet werden, die mit Polari¬ sationsfilter gemessenen Bildmesswerten entsprechen.
Bei dem beschriebenen Spektralmesskopf 300 mit Normgeometrie und Ringbeleuch¬ tung ist die Einflussgrösse abweichende Messgeometrie nicht vorhanden. Wenn der Spektralmesskopf mit Polarisationsfilter verwendet wird, ist auch die Einflussgrösse fehlendes Polarisationsfilter nicht vorhanden. Ferner hat die Einflussgrösse Oberflä- chenbeschaffeniieit des Druckmediums keine Wirkung. Der Spektralmesskopf ist da¬ her ideal als Referenzmesseinrichtung geeignet.
Die erfindungsgemässe Umrechnung oder Korrektur der Bildmesswerte erfolgt bei- spielsweise ebenfalls im externen Rechner.
Die erfindungsgemässe Korrektur wird vorteilhaft in zwei Schritten durchgeführt, wobei jeder Schritt für sich bereits zu einer Verbesserung führt, die Kombination der beiden Schritte aber optimal und deshalb bevorzugt ist.
In einem ersten Korrekturschritt werden die Bildmesswerte und die Referenzwerte des spektralen IVlesskopfs ohne Polarisationsfilter aufeinander abgeglichen und dabei der medienabhäxigige Einfluss der Richtungsabhängigkeit und der Messgeometrie be¬ seitigt. Die Messwerte werden so optimal an Messwerte, wie sie mit einem normge- rechten Farbmessgerät ohne Polarisationsfilter gemessen werden, angepasst. Dieser Schritt kann ggf. auch eine Fluoreszenzkorrektur beinhalten, wenn der spektrale Ein¬ zelmesskopf und die Bildmesseinheit unterschiedliche Beleuchtungslichtquellen auf¬ weisen.
In einem zweiten Korrekturschritt wjrd dann die Umrechnung der (ohne Polarisati¬ onsfilter ermittelten) Bildmesswerte zu Messwerten durchgeführt, welche den bei ei¬ ner Messung mit Polarisationsfilter gewonnenen Messwerten entsprechen. Diese Messwerte werden im folgenden als Polarisationsfilter-(Bild)Messwerte bezeichnet.
Der Ablauf des ersten Korrekturschritts ist schematisch in der Fig. 5 dargestellt. Die am Farbmessstreifen oder anderen geeigneten Referenzfeldern (ohne Polarisationsfil¬ ter) gemessenen Referenzwerte der Bildmesseinheit und des spektralen IVlesskopfs liegen im Rechner vor und sind in der Fig.5 durch die Blöcke 101 und 102 symboli-
siert. In einer Parameterberechnungsstufe 103 werden anhand der Referenzwerte 101 und 102 der Bildmesseinheit und des Spektralmesskopfs Korrekturparameter 104 bestimmt und einem Korrekturmodell 105 zugeführt. Dieses korrigiert die (ohne Po¬ larisationsfilter) am Bildinhalt des Druckbogens gemessenen Bildmesswerte der Bildmesseinheit (Block 106) nach vorgängiger Separation in Einzelfarben (Block 107) für jeden Bildmesspunkt und rechnet sie dabei in medium- und geometriekorri¬ gierte Bildmesswerte 108 um, welche im Rechner abgespeichert werden. Die Berech¬ nung der Korrekturparameter 104 und die Korrektur 105 der Bildmesswerte werden automatisch bei jeder Messung durchgeführt.
Das Korrekturmodell 105 kann mit unterschiedlicher Komplexität implementiert werden. Ein einfaches Korrekturmodell, das eine vernünftige Verbesserung ermög¬ licht, verwendet zwei Parameter: eine Offsetanpassung und einen Skalierungsfaktor. Der Skalierungsfaktor ist ein konstanter Wert für die Korrektur von Messgeometrie- einflüssen. Für die Korrektur von Fluoreszenzeffekten wird der Skalierungsfaktor als Kennlinienfunktion implementiert, welche abhängig vom gemessenen Remissions¬ wert ist und spektral abhängig im Bereich der Fluoreszenzanregung angewendet wird.
Die Figur 6 zeigt schematisch die Bestimmung der Korrekturparameter für die me- dienabhängigen und rnessgeometrischen Einflussgrössen sowie der Frixoreszenzeffek- te für unpolarisierte Messwerte. Der Ablauf wird im Folgenden genauer beschrieben.
Es wird, wie anhand Fig.5 erläutert, von den am Farbmessstreifen oder anderen ge¬ eigneten Referenzmessstellen (ohne Polarisationsfilter) gemessenen R_eferenzwerte 101 der Bildmesseintieit und den Referenzwerten 102 des spektralen Messkopfs aus¬ gegangen. Wenn die Bildmesseinheit Messresultate mit gegenüber dem spektralen Messkopf reduzierter spektraler Auflösung liefert, werden die Referenzwerte 102 des spektralen Messkopfs an die spektrale Auflösung der Referenzwerte 1 01 der Bild¬ messeinheit angepasst. Dies kann über eine Mittelung über das Wellenlängenintervall der entsprechenden Bildmesswerte ausgeführt werden. Die Gewichtung kann auch mittels einer spektralen Bewertungsfunktion erfolgen, die z.B. den bekannten Nor¬ malbeobachterfunktionen für CIE XYZ oder den Auswertungsfunktionen für Tristi-
mulus-Werte oder Dichtefilter entsprechen. Diese ev. erforderliche spelctrale Auflö- sungsanpassung ist in der Fig.6 durch den Block 102a symbolisiert.
Die Referenzwerte 1Ol Bildmesseinheit und die ggf. spektral angepassten Referenz- werte 102 des spektralen Messkopfs werden als Eingangs grossen der Parameterbe¬ rechnungsstufe 103 zugeführt. Diese umfasst das schon genannte Korrekturmodell und eine Ausgleichsrechnung mit den Referenzwerten als Eingangsgrössen und den zu berechnenden Korrekturparametern als Variablen.
Das Korrekturmodell selbst ist mehrfach gegliedert. Es umfasst eine Offset-Anpas¬ sung, eine Skalierung und ggf. eine Fluoreszenz- und Farbschi chtkorrelctur.
Bei der Offsetanpassung wird von allen Messdaten der Bildmesseinheit ein Offset¬ wert subtrahiert. Für die Bestimmung des Offsetwerts wird die Differenz der Refe- renzwerte 101 und 102 aus Referenzfeldern hoher Dichte gebildet und gemittelt. Der Mittelwert bestimmt den Offsetwert. In der Figur ist dieser Vorgang durch den Block 103 a angedeutet, der resultierende Offsetwert oder Offset-Korrekturparameter ist mit 104a bezeichnet.
Bei der anschliessenden Skalierung werden alle (offsetangepassten) Bildmesswerte mit einem Skalierungsfaktor multipliziert. Der Skalierungsfaktor wird aus dem Ver¬ hältnis der beiden Papierweissmessungen bestimmt (Block 103b). Für die Korrektur wird ein mittlerer Skalierungsfaktor über alle spektralen Messwerte als Skalierungs¬ faktor-Korrekturparameter 104b berechnet. ,
Bei der späteren Anwendung des parametrisierten Korrekturmodells wird von allen Messdaten der Bildmesseinheit zuerst der Offsetwert subtrahiert, dann, werden alle Bildmesswerte mit dem Skalierungsfaktor multipliziert. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine Werte ausserhalb des physikalisch gültigen Bereichs auftreten. Ist dies der Fall, werden die berechneten Werte auf den gültigen Bereich begrenzt.
Wenn die beiden Messsysteme (Bildmesseinheit und Referenzmesseiririchtung bzw. Spektralmesskopf) keine Unterdrückung des UV-Anteils im Beleuchtungslicht ver-
wenden, müssen auch Fluoreszenzeffekte, welche durch unterschiedliche Anregung der optischen Aufheller im Substrat erzeugt werden, für die Korrektur berücksichtigt werden. Diese Effekte sind medienspezifisch und können mit der in den Fig.1-4 dar¬ gestellten Abtastvorrichtung charakterisiert und behoben werden. Diese Korrektur der Fluoreszenzeffekte wird vorteilhaft auch in der ersten Korrekturstufe durchgeführt.
Für ein einfaches, industriell anwendbares Modell kann die Fluoreszenzkorrektur in den Skalierungsfaktor für den Ab gleich auf Papierweiss integriert werden. In diesem Fall reicht aber ein für alle spektralen Wellenlängen gemeinsamer konstanter Korrek- turwert nicht mehr aus. Die Korrektur muss für jeden spektralen Messwert im aktiven Bereich der Fluoreszenzemission unterschiedlich ausgeführt werden. Für die opti¬ schen Aufheller entspricht dies den spektralen Messwerten im Wellenlängenbereich von 420 nm bis 550 nm.
Die spektral abhängigen Skalierungsfaktoren werden durch die Division der Remissi¬ onswerte von den Papierweissmessungen mit dem spektralem Messk;opf und der Bildmesseinheit im aktiven Wellenlängenbereich der Fluoreszenzanregung berechnet.
Zusätzlich muss auch der Einfluss der Farbschicht über dem Substrat berücksichtigt werden. Dies erfordert eine zusätzliche nicht-lineare Kennlinienkorrektur für jede spektrale Stützstelle im aktiven Wellenlängenbereich. Die Kennlinienkorrektur ent¬ spricht der Multiplikation der spektralen Skalierungsfaktoren auf Papierweiss mit ei¬ nem zusätzlichen Faktor, der vom gemessenen Remissions wert an der jeweiligen spektralen Stützstelle abhängt. Die Kennlinie kann gleichwertig in Funktion des Re- missionswerts oder des Rastertonwerts implementiert werden. Die Klennlinienkorrek- tur kann z.B. durch eine Potenzfunktion F
implementiert werden, wobei R für den auf eins normalisierten Remissionswert und γ für den Korrekturparameter steht.
Alternativ kann die Kennlinienfunktion auch durch eine Polynomannäherung be¬ schrieben werden.:
F = C0 + C1 * R + c2 * R2 + c3 * R3 + ... , wobei cθ, cl, c2, c3, ... die Korrekturparameter darstellen.
Die Korrekturparameter werden mittels einer an sich bekannten Ausgleichsrechnung anhand der Referenzmesswerte 101 und 102 bestimmt. Dabei wird die Ausgleichs¬ rechnung so geführt bzw. werden die Korrekturparameter so berechnet, dass die mit dem Korrekturrnodell (unter Anwendung der Parameter) korrigierten Referenzwerte möglichst gut mit den Referenzwerten 102 übereinstimmen, z.B. in an sich bekannter Weise nach der Methode des kleinsten quadratischen Fehlers. Dieser Teil der Parame- terberechnung ist in Fig. 6 durch den Block 103 c symbolisiert, die entsprechenden Kennlinien-Korrekturparameter sind mit 104c bezeichnet.
Die Ausgleichsrechnung für die Berechnung der Korrekturparameter wird anhand der Messwerte von Papierweiss, von mindestens einem Rastertonwert mit nicht zu hoher Flächendeckung (<=40%) und von einer Vollton-Messung für jede Einzelfarbe durch¬ geführt. Wenn keine Messwerte von Rasterfeldern vorliegen, kann eine vordefinierte typische Kennlinie angenommen werden, die den relativen Verlauf zwischen Papier- weissmessung und Volltonmessung beschreibt.
Wenn der Farbaufbau in einer Bildmessung bekannt ist, wird die Kennlinienkorrektur des Messwerts an einem Bildpunkt als gewichteter Mittelwert der Korrekturparameter jeder Farbe berechnet. Die Gewichtung entspricht dabei den Flächendeckungskoeffi- zienten der Farbe im Farbaufbau der Probe.
Der Farbaufbau in einem Bildpunkt kann aus den Vorstufendaten bekannt sein oder mit bekannten Methoden bestimmt werden. Für den Vierfarbendruck: kann die Theo¬ rie von Neugebauer angewendet werden. (Hans E. J. Neugebauer „Die theoretischen Grundlagen des Mehrfarbendrucks" Zeitschrift für wissenschaftliche Photographie, Photophysik und Photochemie, 36, 1937). Dabei kann der Schwarzanteil durch einen Messwert im nahen Infrarotbereich ermittelt werden.
Wenn der Farbaufbau nicht bekannt ist, werden die Korrekturparameter aus den Mit¬ telwerten der Korrekturparameter der verschiedenen Einzelfarben bestimmt und für die Umrechnung aller Messwerte verwendet.
Eine Fluoreszenzkorrektur kann alternativ auch mit der Verwendxmg eines physikali¬ schen Modells implementiert werden. Das Modell von Kubelka-Munk mit Saunder- son-Korrektur für die Oberflächeneffekte beschreibt die physikalischen Zusammen¬ hänge beim MEessen einer Farbschicht auf einem streuenden Substrat. In diesem Mo¬ dell kann der diffuse Reflexionskoeffizient des Substrats in Funktion der effektiven integralen Absorption im UV Wellenlängenbereich parametrisiert werden. Eine Mö¬ glichkeit ist in der Dissertation von P. Emmel „Modeies de prediction de couleurs appliquees a l'impression jet d'encre", these NO. 1857 (1998) Ecole Polytechnique Federale de Lausanne, beschrieben. Dem Einfluss von Rastertonfeldern kann zusätz¬ lich nach der Methode von H. Neugebauer Rechnung getragen werden.
Der zweite Korrekturschritt ist die Transformation der Bildmesswerte ohne Polarisa¬ tionsfilter in äquivalente Messwerte mit Polarisationsfilter (Polarisationsfilter- Messwerte). Für diese Transformation (Polarisationsfilter-Umrechnung) werden die Messwerte jedes Bildpixels mit einem parametrisierten Modell transformiert, dessen Parameter aus den mit und ohne Polarisationsfilter gemessenen Referenzspektren des spektralen Einzelmesskopfs aus ausgewählten Bildelementen bestimmt werden. Als ausgewählte Bildelemente werden typischerweise diejenigen des Farbmessstreifens CMS im Messobjekt S verwendet. Die Fig. 7 verdeutlicht diese Zusammenhänge.
Aus den mit und ohne Polarisationsfilter mit dem Spektralmesskopf ermittelten Refe¬ renzmessdaten 201 und 202 werden in einer Parameterberechnurigsstufe 203 Parame¬ ter 204 für ein Korrekturmodell 205 gebildet und dem Modell zαgefuhrt. Dieses rech¬ net dann die (ohne Polarisationsfilter ermittelten) Bildmessdaten 206 der Bildmess¬ einheit in entsprechende Polarisationsfiltermessdaten 407 um. Die Parameter werden ggf. in einer Stufe 210 an die spektrale Auflösung der Bildmesseinheit angepasst. Die Bildmessdaten 206 werden in Einzelfarben separiert (Block 208) und ferner noch in spektrale Korrekturbereiche (Block 209). Die Umrechnung in Polarisationsfilter¬ messdaten 207 wird automatisch bei jeder Messung durchgeführt.
Die Berechnung der Parameter des parametrisierten Korrekturmodells 205 für die Po¬ larisationsfilter-Umrechnung der Bilddaten ist in der Fig. 8 schematisch dargestellt und wird im folgenden näher beschrieben.
Die Korrektur auf Polarisationsfilter-Messwerte ist komplexer als die anhand der Fi¬ guren 5 und 6 erläuterten Korrektur der Medienabhängigkeit und des Messgeome¬ trieeinflusses. Es muss für eine farbmetrische Anwendung eine spektrale Korrektur angewendet werden. Eine Korrektur mit einem pro Farbe konstantem Wert, wie sie für die Umrechnung der Dichtewerte verwendet wird, ist nicht ausreichend. Deshalb muss ein spektraler Messkopf für die Referenzmessungen zur Bestimmung der spekt¬ ralen Korrekturparameter eingesetzt werden.
Für die Korrektur müssen zwei physikalische Effekte berücksichtigt werden. Erstens die Änderung der Oberflächenstruktur während dem Trocknungsprozess der Farb¬ schicht. Diese Änderung wird mit einem Offset-Korrekturpararrieter im Modell be¬ rücksichtigt, der von den Remissionswerten ohne Polarisationsfilter subtrahiert wird. Der zweite Effekt betrifft den unterschiedlichen Depolarisierungsgrad des von der Probe gestreuten Messlichts. Der Depolarisierungsgrad variiert deutlich zwischen verschiedenen Substrattypen. Diese Komponente kann mit einer Skalierungsfaktor- Korrektur beschrieben werden. Der Depolarisierungsgrad wird durch die spektrale Absorption der Farbschicht beeinflusst, deshalb muss diese Korrektur abhängig vom spektralen Remissionswert oder der spektralen Dichte mit einer Kennlinienfunktion, ähnlich wie bei der oben beschriebenen Fluoreszenzkorrektur, implementiert werden. Ausserdem verhalten sich bei Rasterdruckverfahren die Kennlinien im Absorptions¬ bereich und im Transmissionsbereich eines Farbspektrums anders. Deshalb wird die Korrektur farbspezifisch durchgeführt. Das Spektrum jeder Farbe wird in mindestens zwei spektrale Bereiche zerlegt, für welche unterschiedliche Korrekturfaktoren be¬ stimmt werden.
Für die Berechnung der Korrekturparameter in der Parameterberechnungsstufe liegen die Referenzinesswerte des Farbmessstreifens, welche zuvor mit dem spektralen Messkopf mit und ohne Polarisationsfilter ermittelt worden sind, im externen Rech-
ner; sie sind wieder mit 201 und 202 bezeichnet. Die Referenzinesswerte beinhalten für jede Farbe Volltonmessungen und Rastertonmessungen soΛvie eine Papierweiss- messung in beiden Messmodi.
Zuerst werden in einer Stufe 211 die Remissionsspektren für j ede Farbe in die unter¬ schiedlichen spektralen Korrekturbereiche unterteilt. Die Unterteilung in Absorpti- ons- und Transmissionsbereich kann mit den Volltonspektren anhand eines Schwel¬ lenwerts, zum Beispiel eines Remissionswerts von 0.2, durchgeführt werden.
Dann wird für jeden spektralen Korrekturbereich ein Offset-Korrekturparameter 204a bestimmt. Dieser Wert wird durch die Differenz der Remissionswerte bei den spekt¬ ralen Messwerten mit der höchsten Dichte bestimmt. Da der Offset-Korrekturpara¬ meter von der Messung ohne Polarisationsfilter subtrahiert wird, muss darauf geach¬ tet werden, dass bei höheren Dichten im Bild keine Überkorrelctur zu negativen Messwerten stattfinden darf. Wenn dieses Risiko besteht, wird nur eine reduzierte Komponente dieses Differenzwerts als Offset-Korrekturparameter verwendet. Die entsprechende Berechnungsstufe ist mit 203a bezeichnet.
Nach der Offset-Korrektur 203a werden die Papierweissspektren (pro spektralen Kor- rekturb ereich) durch einen spektralen Skalierungsfaktor aufeinander abgestimmt. Der Skalierungsfaktor wird durch den Quotienten der Remissionswerte mit und ohne Po¬ larisationsfilter gebildet und ist mit 204b bezeichnet. Die entsprechende Berech¬ nungsstufe ist durch den Block 203b symbolisiert.
Als weiterer Schritt werden für j edeη. spektralen Korrekturbereich in einer Stufe 203c Kemilinien-Korrekturparameter 204c berechnet. Die Kennlinie wird im Absorptions¬ bereich, in Funktion des Dichtewertes, d.h. in Funktion des negativen Logarithmus des Retnissionswerts, parametrisiert. Im Transmissionsbereichi kann die Kennlinie in Funktion des Remissionswerts oder des Dichtewerts implementiert werden. Die Kennlinienfunktion kann durch eine Potenzfunktion oder durch einen Polynom- An¬ satz, wie bei der Fluoreszenzkorrektur, beschrieben werden. Die Parameter der Kenn¬ linienfunktion werden anhand der Vollton-, Rastertonwert- und Papierweissmesswer- te durch Ausgleichsrechnung bestimmt. In der Ausgleichsrechtnung werden die Mess-
werte ohne Polarisationsfilter in die Kennlinienfunktion eingesetzt und ausgewertet. Das Ziel für die Optimierung ist das Parameterset zu bestimmen, welches die quadra¬ tischen Unterschiede zu den Referenzmesswerten mit Polarisationsfilter minimali- siert.
Das Parameterset (die Gesamtheit aller Korrekturparameter) wird bei jeder Messung auf jedem. Bogen automatisch bestimmt. Fehlen charakteristische Messwerte, welche für die Bestimmung der Kennlinienkorrektur benötigt werden, wird eine vorgängig bestimmte typische Kennlinie angenommen.
Für die Urnrechnung in Polarisationsfiltermesswerte gemäss Fig. 7 wird das so ermit¬ telte Korrekturparameterset 204 dem Korrekturmodell 205 übergeben und auf die Bildmesswerte angewendet. Wenn die Bildmesswerte nicht in spektraler Form vorlie¬ gen, werden die spektralen Korrekturparameter zuerst über die entsprechenden spekt- ralen Bereiche der einzelnen Bildmesswerte gemittelt.
Dann wird an jedem Bildpunkt der Farbaufbau bestimmt, d.h. welche Einzelfarben mit welcher Flächendeckung verwendet werden. Der Farbaufbau kann aus den Vor- stufendaten übermittelt oder, wie im Zusammenhang mit der Fluoreszenzkorrektur beschrieben, aus den Messwerten berechnet werden. Anhand des Farbaufbaus werden die spektralen Korrekturparameter in den unterschiedlichen spektralen Bereichen mit den entsprechenden Flächendeckungskoeffizienten gewichtet gemittelt und auf die Bilddaten analog der Parameterberechnung angewendet. Wenn, der Farbaufbau fehlt, wird aus dem spektralen Korrekturparameterset für alle Einzelfarben eine beste Mit- telwertskorrektur für das Korrekturmodell ermittelt, welche dann für alle Messwerte angewendet wird.
Die erfincLungsgemässe Umrechnung in Polarisationsfiltermesswerte kann auch ohne separaten Spektralmesskopf implementiert werden, wenn die Bildmesseinrichtung mit einfahrbaren Polarisationsfiltern ausgestattet ist. In diesem Fall wird der Druck¬ bogen mit der Bildmesseinrichtung ohne Polarisationsfilter komplett eingemessen. Dann wird in die Messeinrichtung MD ein Polarisationsfilter in den Beleuchtungs¬ und Sammelkanal eingeschwenkt und in einem separaten speziellen Abtastgang mit
ungefähx 10 mal kleinerer Abtastgeschwindigkeit nur ein Teilbereich des Bildes mit Polarisationsfilter ausgemessen. Dieser Teilbereich beinhaltet vorteilhaft den Farb- kontrollstreifen CMS oder einen Teil des Farbmessstreifens. Durch die geringere Ab¬ tastgeschwindigkeit stehen die beim Einsatz von Polarisationsfiltern wegen des Lichtverlusts erforderlichen, ungefähr 10 mal längeren Messzeiten (Integrationszei¬ ten) zur Verfügung. In diesem Fall wird also die Bildmesseinrichtung (mit eingefah¬ renen Polarisationsfiltern) selbst als Referenzmesseinrichtirng verwendet. Die Be¬ stimmung der Umrechnungsparameter und die Umrechnung der Messwerte erfolgt dann analog der anhand der in den Figuren 7 und 8 erläuterten Methode, wobei aber an die Stelle der vom Spektralmesskopf ermittelten Messwerte die aus dem ausge¬ wählten Teilbereich des Bildes stammenden Messwerte der Messeinrichtung MD mit und ohne Polarisationsfilter treten. In der Fig. 4 ist ein aus zwei Teilen mit gekreuzten Polarisationsrichtungen bestehendes Polarisationsfilter symbolisch dargestellt und mit 18 bezeichnet. Die Verstellbarkeit in die Strahlengänge und aus den Strahlengängen ist durch den Pfeil 18a symbolisiert.