Akustik-Verkleidungsteil für ein Fahrzeug
Die Erfindung betrifft ein Verkleidungsteil für ein Fahr¬ zeug und insbesondere ein Motorraum- oder Unterboden- Verkleidungsteil für ein Kraftfahrzeug, wovon im folgenden beispielhaft ausgegangen werden soll .
Es ist bekannt , Unterbodenverkleidungen bzw . Motorraumver¬ kleidungen in einem Pressverfahren mit hohen Werkzeuginnen¬ drücken aus glasfaserverstärkten Kunststoffen zu pressen . Die Glasfaserverstärkung besteht üblicherweise aus gewobe¬ nen Matten oder aus Vliesmatten, aber auch aus losen, aber möglichst unorientierten Glasfasern, welche in eine Kunst¬ stoffmatrix aus überwiegend Polypropylen eingebracht sind. Die Halbzeuge, die hierfür zur Verfügung stehen., sind in der Regel Platten aus einem glasfaserverstärkten Thermo¬ plast (GMT) oder Stäbchengranulate (LFT : Long Fiber Thermo¬ plast) . Die Stäbchengranulate bestehen aus einem Glasfaser- Filamentbündel von ca . 20mm Länge , welches von einem Po¬ lypropylen-Mantel umschlossen ist . Vor dem Verpressen wer- den die Platten in einem Wärmeofen aufgeheizt bzw . die LFT-
BESTATIGUNGSKOPIE
Granulate in einer Plastifiziereinheit aufgeschmolzen, um danach in das offenen Werkzeug der Presse gelegt zu werden.
Mittlerweile ist es auch üblich, die Glasfaser in einem Di- rekteinzugsverfahren zusammen mit Kunststoffgranulat in ei¬ ner Plastifiziereinheit zu verarbeiten (D-LFT) , ohne den Zwischenschritt über das LFT-Halbzeug gehen zu müssen. Bei erhöhten Temperaturanforderungen ist es auch üblich, als Kunststoffmatrix einen glasfaserverstärkten duroplastischen Werkstoff aus Polyesterharz zu verwenden, welcher in einem geheizten Werkzeug ausreagiert (SMC: Sheet Moulded Com¬ pound)
Die entstehenden Bauteile haben üblicherweise eine Dicke von ca. 1,5-2,5 mm und ein Flächengewicht von ca. 2kg/m2. Die derzeit maximal mögliche Bauteilgröße beträgt etwa 1,0 bis 1,5 m2 , bedingt durch die sehr hohen Preßdrücke von ca. 200-300bar und die damit verbundenen hohen Maschinenkosten für Pressen mit einer Presskraft von mehr als 3000 t.
Neue Produktionsverfahren ermöglichen leichtere und gro߬ flächigere Bauteile mit wesentlich geringeren Pressdrücken herzustellen. Hierzu wird als Halbzeug eine Vliesmatte aus Glasfasern und Kunststofffasern wie bspw. Polypropylen oder Polyester erstellt und mit zwei Kunststoff-Deckfolien wie bspw. ebenfalls Polypropylen auf beiden Seiten abgedeckt (LWRT: Low Weight Reinforced Thermoplast) . Die Kernschicht dieses Verbunds hat die Eigenschaft beim Erhitzen zu expan¬ dieren (loften) . Mit diesem auf ca 10mm Gesamtdicke gelof- teten Material lässt sich durch geeignete Werkzeuggestal¬ tung der Randbereich kompakt (voll konsolidiert) verpres- sen, während im restlichen Bereich die Struktur des Vlies¬ kerns mit den Deckfolien beibehalten werden kann. Diese Struktur führt zu sehr eigensteifen Bauteilen mit ver- gleichsweise geringem Flächengewicht von unter l,5kg/m2. Da
in diesem Verfahren die Werkzeugkavität nicht durch eine fliesende Masse ausgeformt werden muss, ergeben sich we¬ sentlich geringere Pressdrücke (ca.lObar) und es ist ohne weiteres möglich, mit Aufspannflächen von 4m2 und mehr zu pressen. Nachteilig bei diesem Verfahren ist, dass sich versteifende bzw. für zusätzlich Funktionalität benötigte Strukturen wie Stege, Naca-Öffnungen, Befestigungsdome etc. gar nicht oder nur in eingeschränktem Maße einbringen las¬ sen. Neuere Entwicklungen auf dem Gebiet von LWRT besitzen als Kernschicht einen Schaumstoff und als Deckschicht ein glasfaserverstärktes PP-Vlies. Hierbei ist bei vergleichba¬ rer Steifigkeit eine weitere Gewichtsreduktion möglich.
Weiterhin ist es bekannt, diese Motorraumabschirmungen und Unterbodenverkleidungen auf der dem Motor- bzw. der Abgas¬ anlage zugewandten Seite mit Wärmeabschirmungen und Schall¬ absorbern zu versehen.
Schallabsorber bestehen in der Regel aus verhautetem PUR- Schaum oder verhautetem Polyestervlies, aber auch aus tief- gezogenen Kammerstrukturen oder mikroperforierten Folien und Platten. Üblicherweise werden derartige Schallabsorpti- ons-Formteile nachträglich auf die Motorraumabschirmung ge¬ klebt, geklipst oder geschweißt. Es ist aber auch bekannt, eine komplette Geräuschkapsel, also Träger und Kästchenab¬ sorber im Blasverfahren in einem Fertigungsschritt herzu¬ stellen. Hierbei besteht jedoch prozessbedingt eine erheb¬ liche Einschränkung in der Werkstoffauswahl von Träger und Absorber und somit auch in den physikalischen Eigenschaf- ten, insbesondere was die Glasfaserverstärkung dieses Bau¬ teils und damit dessen Eigenschaften bzgl. Steifigkeit, Festigkeit und Schlagzähigkeit betrifft.
Wärmeabschirmungen bestehen aus vorgeformtem Aluminium, welches aufgeklipst oder über eine spezielle Verbindungs-
schicht aufgesiegelt wird. Auch das Ansiegeln und Verformen von siegelbarem Aluminium im Werkzeug ist bekannt.
Neuerdings ist auch die Kombination von Schallabsorption und Wärmeisolation in Form von Aluminium-Membranabsorbern und mikroperforierten Aluminiumfolien bekannt.
Weiterhin ist es bekannt, Radhausverkleidungen aus Vlies bzw. Kombinationen aus Vlies und Folien herzustellen. Vliesvarianten besitzen Vorteile bezüglich der Herstellkos¬ ten und des Bauteilgewichts verglichen mit spritzgegossenen Radhausverkleidungen. Es hat sich insbesondere gezeigt, dass dieses Vlies akustisch günstig gegen Spritzwasser und Steinschlaggeräusche wirkt.
Neuerdings geht man dazu über, Vlies auch auf der Straßen¬ seite der ünterbodenverkleidungen und Geräuschkapseln anzu¬ bringen. Dabei hat sich gezeigt, dass das Geräusch von Mo¬ tor, Getriebe und Abgasanlage durch diese straßenseitige Kaschierung vermindert wird und zwar sogar dann, wenn der
Unterboden schon komplett durch Geräuschkapseln geschlossen ist. Um das Potential voll nutzen zu können, sollte die Vliesdicke deutlich über den derzeit üblichen Vliesdicken von etwa 1 mm liegen.
Der hier beschriebenen Erfindung liegt die Aufgabe zu Grun¬ de, ein Verkleidungsteil für ein Fahrzeug insbesondere für die ünterboden-, Geräuschkapsel- oder Radhausverkleidung zu schaffen, bei dem die Eigenschaften der oben beschriebenen Systeme für Akustik und Wärmeisolation unter Beibehaltung der Steifigkeits-, Schlagzähigkeits- und E-Modul-Eigen- schaften der glasfaserverstärkten Bauteile integriert ist.
Erfindungsgemäß wird die Trennung der Bauteilkomponenten glasfaserverstärkte Trägerplatte, Schallabsorber, Wärmeiso-
lation, Vlieskaschierung etc. in ihrer funktionalen Anord¬ nung und in deren sukzessiver Herstellung überwunden. Die Eigenschaften werden in einer einzigen Werkstoff- bzw. Schichtenanordnung kombiniert, wobei in einem einzigen Formgebungsprozeß die Herstellung einer Motorraumverkleii- dung, einer Unterbodenverkleidung, eines Radhauses oder an¬ derer eigensteifer Bauteile aus einem derartigen Werkstorff- verbund erfolgt. Dies hat deutliche Kostensenkung gegenüber den meisten bekannten mehrstufigen Herstellverfahren zur Folge. Schließlich ist im Hinblick auf die derzeitige Ent¬ wicklung, im Unterbodenbereich immer großflächigere Bautei¬ le zu verwenden, ein Verfahren vorteilhaft, das auch dies¬ bezüglich keiner Kompromisse bedarf und beispielsweise die Herstellung einer kompletten, geschlossenen Unterbodengr\ip- pe aus einer einzigen großen Platte ermöglicht.
Das erfindungsgemäße Verfahren bietet die Voraussetzungen zu Erstellung von Bauteilen, die sämtliche der oben genann¬ ten Eigenschaften besitzen, wobei sowohl die Herstellung vereinfacht und damit verbilligt wird, als auch die funkti¬ onellen Eigenschaften beibehalten oder sogar gesteigert werden können.
Grundidee der Erfindung ist es, eine poröse Kernschicht mit akustisch transparenten bzw. absorbierenden Deckschichten derart zu kombinieren, dass sich sowohl die mechanischem Eigenschaften der klassischen Trägerwerkstoffe als auch die akustischen Eigenschaften der klassischen Absorber ergeb>en. Der Träger wird somit selbst zum Absorber und trägt mit seiner Materialstärke zu der akustisch wirksamen Gesamtdi- cke des Bauteils bei. Aber auch die akustisch wirksame Flä¬ che wird erhöht, da nun auch Bereiche akustisch wirksam werden, die aus Bauraumgründen bisher ohne zusätzlichen Ab¬ sorber ausgestattet waren. Der zusätzlich und nachträgl-Lch aufgebrachte Absorber ist nicht mehr notwendig.
Das für die Verarbeitung von porösen Materialien notwendige Niederdruck-Pressverfahren führt dazu, dass sämtliche Mate- rialkomponenten in einem Schritt verformt und verbunden werden können.
Der verfahrenstechnische Aspekt liegt insbesondere darin, dass durch den Niederdruckprozess bei der LWRT-Herstellung die akustisch und thermisch wirksamen Schichten zusammen mit dem LWRT-Kern in einem Ein-Stufen-Prozess umgeformt und verbunden werden.
Vorteile gegenüber dem Stand der Technik:
Kein separates Vorformen und Stanzen des Trägers nötig;
Kein separates Vorformen und Stanzen von Absorber oder Hitzeschutz-Alu-Folie nötig;
Kein separates Verbinden von Absorber bzw. Hitzeschutz- Alu-Folie mit dem Träger nötig.
Ein mitverpresstes Vlies behält weitgehend seine Ur¬ sprungsdicke und damit seine akustische Leistungsfähig¬ keit bei.
Ein bauteiltechnischer Aspekt liegt insbesondere darin, dass durch geeignete Auswahl und Formgebung der Abdeck¬ schichten der LWRT-Kernschicht (Glasfaser-PP-Kernschicht bzw. der porösen Schaumschicht) die Kernschicht als akus- tisch wirksames Luftvolumen mit genutzt wird und damit die akustisch wirksame Gesamtdicke des Bauteils nochmals um die Kernschichtdicke wächst.
Ofüenporige, poröse Materialien wie Schäume und Vliese sind akustisch absorbierend, wenn deren Strömungswiderstand ge-
wisse Parameter einnimmt. Bei Vliesen erfolgt die Einstel¬ lung dieses Strömungswiderstandes üblicherweise durch ge¬ eignete Verdichtung der Fasern. Auch das PP-Glasfaserge- misch eines LWRT-Kernes lässt sich geeignet verpressen und ermöglicht somit diese akustische Einstellbarkeit, wobei die versteifenden Eigenschaften der gebundenen Glasfaser¬ struktur erhalten bleiben.
Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass die Abdeckschichten der porösen Glasfaser-PP-Kernschicht bzw. der porösen
Schaumschicht eine akustische Transparenz bzw. sogar eigene absorptive Wirksamkeit besitzen. Weiterhin kann die Kern¬ schicht durch geeignete Dimensionierung der Fasern und der Faserdichte bzw. der Schaumstruktur in dessen akustischer Wirksamkeit eingestellt und verbessert werden wobei der
Strömungswiderstand der Kernschicht die entscheidende Rolle für die akustische Abstimmung dieser Schicht spielt. Die Dimensionierung des längenbezogenen Strömungswiderstandes Ξ bei gegebenen Schichtdicken und geforderter unterer Grenz- frequenz ist in "Technischer Lärmschutz" von Werner Schir¬ mer (VDI Verlag ISBN 3-540-62128-8) beschrieben. Darin ist empfohlen, dass die optimale Anpassung erfolgt bei ΞOptd = 800 bis 2400 Ns/m3. Dies ist jedoch nicht zwingend für eine gute akustische Auslegung des Gesamtsystems, da auch über eine gute Auslegung der Deckschichten die Gesamt¬ akustik maßgebend beeinflusst werden kann.
Ein offenporiger poröser Absorber hat bei optimal einge¬ stelltem Strömungswiderstand (Ξoptd = 800 bis 2400 Ns/m3) mit wachsender Frequenz einen nahezu geradlinigen Anstieg der Schallabsorption von 0 auf 100% um auf dann bei weite¬ rer Frequenzsteigerung oszillierend auf einem Niveau nahe 100% zu verharren. Der Zusammenhang zwischen der Dicke d des porösen Absorbers und der ersten Frequenz des 100% Ma-
ximums ist näherungsweise gegeben durch den Zusammenhang f = c*N/(4*d); N= 1,3,5 (c: Ausbreitungsgeschwindigkeit in Luft) . Dies folgt aus der Tatsache, dass eine poröser Ab¬ sorber Absorptionsmaxima besitzt, wo eine Schwingung mit einer 1/4-, einer 3/4- , einer 5/4- Wellenlänge usw. in den Absorber passt oder anders ausgedrückt, wo die Schall¬ schnelle an der Absorberoberfläche einen Schwingungsbauch besitzt.
Jedoch auch geschlossenporige Schäume zeigen akustische Ab¬ sorptionseigenschaften, wenn die Poren eine gewisse Größe erreichen und die Zellwände elastisch sind. In diesem Fall verhält sich der Kern akustisch als Hintereinanderschaltung von kleinen Membranen. Auch lässt sich geschlossenzelliger Schaum durch Nadeln anperforieren bzw. durchpexforieren, was zu einer weiteren Steigerung der Schallabsorptionsei¬ genschaft beiträgt. Sinnvolle Materialstärken für die Kern¬ schicht liegen zwischen 1 mm und 20 mm und insbesondere zwischen 1,5 mm und 10 mm, unabhängig davon, o3o als Kern- schicht ein Vlies oder ein Schaumstoff verwendet wird.
Die akustische Transparenz der Deckschichten exreicht man einerseits durch Perforieren. Im Falle von Locliflächenver- hältnissen > 30 % erhält man weitgehende Transparenz. Bei Lochflächenverhältnissen unter 10% erhält die Folie eigene Dämpfungseigenschaften und somit Absorptionseigenschaften, wenn die Lochgrößen dabei zwischen 0,01 und lirtnα, bevorzugt zwischen 0,05 und 0,2mm, liegen.
Verwendet man andererseits als Abdeckschicht ein Vlies so lässt sich über dessen längenbezogenen Strömuαgswiderstand Ξ ebenfalls die Transparenz bzw. absorptive Eigenschaft einstellen.
Schließlich lässt sich akustische Transparenz auch durch eine dünne Folie realisieren, wobei diese nicht starr in das Kerngerüst eingebunden sein darf. Ein Losungsweg ist, Schaumfolie zu verwenden, wie sie auch bei den gängigen Kammerabsorbern Verwendung findet oder andererseits durch Ausbildung von Kammern im Formgebungsprozess (über Vakuum- tiefziehen oder Formblasen) nur partiell die Abdeckfolie an den Kern anzubinden. Im Fall der Schaumfolie können han¬ delsübliche PP-Schäume eingesetzt werden, wie bspw. das Al- veolen NPFRG 2905,5 von Alveo oder das Procell-P 150-2,5 SF40 von Polymer-Tee, im Falle der Kompaktfolien eignen sich gängige Folien von 0,1 -0,8 mm, wenn durch Kammerbil¬ dung der Verbund zum Kern unterbrochen ist oder Folien < lOOμm, wenn sich die Folie in direktem Verbund mit dem Kernmaterial befindet. Im Falle der Abdeckung mit Folien oder Schäumen ergibt sich ein Resonanzabsorber dessen Reso¬ nanzfrequenz sich aus der gedämpften Luftsteifigkeit und der Masse der Abdeckschicht näherungsweise errechnet mit fres = 1/2PI* (Flächensteifigkeit/Flächenmasse)H mit Flä- chensteifigkeit = rho*c2/d (mit rho=Luftdichte; c=Schall- geschwindigkeit; d=Dicke der Schicht) . Auch hier sieht man, dass die Dicke der Luftschicht entscheidend für die untere Grenzfrequenz ist.
Die Materialstärke der Abdeckschichten sollte bei Kompakt- Folien zwischen 20μm und 500μm und insbesondere zwischen 20μm und lOOμm, bei Schaumfolien zwischen lmm und 8mm und insbesondere zwischen 2mm und 6mm, und bei Vliesen zwischen 0,5mm und 5mm und insbesondere zwischen lmm und 3mm liegen.
Für zumindest eine Abdeckschicht oder auch für beide Ab¬ deckschichten kann ein mit Fasern, insbesondere mit Glasfa¬ sern verstärktes Faservlies verwendet werden, das vorzugs¬ weise aus 60 Gew.% bis 80 Gew.% thermoplastischen Kunst- stofffasern, beispielsweise PP-Fasern, und aus 20 Gew.% bis
40 Gew . % Verstärkungsfasern, beispielsweise Glasfasern be¬ steht . In bevorzugter Ausgestaltung ist vorgesehen, das Vlies der Abdeckschicht mit einem Flächengewicht von 400 g/m2 bis 500 g/m2 aus etwa 75 Gew . % PP-Fasern und 25 Gew . % Glasfasern aufzubauen.
Um zu vermeiden, dass die Glasfasern außenseitig hervorste¬ hen, kann auf der Abdeckschicht bzw . den J\bdeckschichten eine weitere dünne PET-Faser-Vliesabdeckung mit einem Flä- chengewicht von 15 g/m2 bis 50 g/m2 angeordnet sein .
Als Kernschicht hat sich in diesem Zusammenhang ein Faser¬ vlies mit ca . 60 Gew . % PP-Fasern und ca . 40 Gew . % Glasfa¬ sern bewährt , das ein Flächengewicht von 400 g/m2 bis 1200 g/m2 und insbesondere von 500 g/m2 bis 70 O g/m2 aufweist .
Die Herstellung eines Bauteils erfolgt vorzugsweise da¬ durch, dass das Halbzeug, welches aus einer oder mehreren Schichten von Folien, Schäumen und Vliesen besteht , in ei- ner Kontakt- oder Strahlerheizung aufgeheizt wird und da¬ nach in einem abkühlenden Werkzeug verpresst wird . Schich¬ ten, die dem Aufheizprozess nicht unterworfen werden sol¬ len, wie beispielsweise die Abdeckvliese oder die Alufolie bei Strahlerheizung, werden direkt in das Werkzeug gebracht und zusammen mit dem aufgeheizten Kernmaterial verpresst .
Auch ist es denkbar, sämtliche Schichten separat zuzuführen und geeignet vorgeheizt erst im Werkzeug zu verbinden . So¬ mit spart man sich die Erstellung eines Halbzeugs , was wie¬ derum eine Kostenersparnis zur Folge hat .
In einer bevorzugten Ausführung der Erfincdung wird bei¬ spielsweise ein LWRT-Halbzeug, das aus einem versteifenden Glasfaser-PP-Kernvlies besteht und mit zwei stabilisieren¬ den Folien abgedeckt ist, so modifiziert, dass einerseits das Glasfaser-PP-Kernvlies in seiner Struktur akustisches
Potential entfaltet, andererseits auch die Deckschichten Funktionalität erhalten, die über die reine Abdeck- und Versteifungsfunktion hinausgehen.
Bei einer derartigen Unterbodenverkleidung aus einer porö¬ sen Kernschicht und mindestens einer Deckschicht auf jeder Seite kann die Abdeckfolie beispielsweise überall oder in Teilbereichen membranartig schwingfähig sein, wobei die membranartige Schwingfähigkeit der Abdeckfolie durch Mate- rialauswahl einer besonders biegeweichen Folie erzielt wer¬ den kann. Kunststofffolien aus PP, PET, PA, PU usw. mit ei¬ ner Dicke < lOOμm sind in diesem Sinne grundsätzlich biege¬ weich, ohne dass besondere weichmachende Zusatzstoffe not¬ wendig sind.
Bei einem eigenstabilen, akustisch absorbierenden Bauteil bzw. Formteil kann die membranartige Schwingfähigkeit da¬ durch erreicht werden, dass die Anbindung an das Kernmate¬ rial in Teilflächen unterbrochen ist. Dies kann beispiels- weise dadurch erfolgen, dass die Folie bzw. Schaumfolie vor dem Zusammenfahren der Werkzeughälften mit Vakuum in Kam- merkavitäten des Werkzeugs gezogen wird bzw. durch Vakuum oder Druckluft nach dem Zusammenfahren wieder von der Kern¬ schicht weggedrückt wird.
Bei dem Verfahren zur Herstellung einer eigenstabilen, akustisch absorbierenden Unterbodenverkleidung kann vorge¬ sehen sein, dass die abdeckenden Schichten aus hochschmel¬ zenden und niedrigschmelzenden Fasern bestehen und damit die Faserstruktur der hochschmelzenden Fasern trotz Aufhei¬ zen erhalten bleiben, während die niedrigschmelzenden Fa¬ sern als Bindefasern dienen. Alternativ können statt der Fasern auch Verbundfolien aus hoch- und niedrigschmelzenden Folien verwendet werden.
Bei dem Verfahren zur Herstellung einer eigenstabilen, akustisch absorbierenden Unterbodenverkleidung kann vorge¬ sehen sein, dass als abdeckende Schicht eine hochschmelzen- de Folie, z.B. eine Aluminiumfolie, mit kernmaterialseiti- ger niedrigschmelzender Thermoplastschicht oder Haftver¬ mittlerschicht ins Werkzeug gebracht wird und zusammen mit dem aufgeheizten Kernmaterial verformt wird und dabei die Aktivierung der Klebeschicht erfolgt, was schließlich zu einem Verbund zwischen Kernmaterial und der hochschmelzen¬ den Folie führt.
Statt Aluminium können auch hochmelzende Kunststofffolien aus PA, PET und PUR verwendet werden. Beispiele sind: Polyamidfolie 20-50μm, Polyesterfolie 20-50μm, Polyurethan¬ folie 20-50μm jeweils mit einer dünnen einseitigen ode'r beidseitigen Kleber- oder Thermoplastschicht beispielsweise aus Polypropylen, welche als niedrigschmelzende Verbin¬ dungsschicht dienen kann. Das Polypropylen schmilzt, wäh- rend die eigentliche Abdeckfolie das Aufheizen oder Aufsie¬ geln ohne Schmelzen übersteht. Dies ist insbesondere vor¬ teilhaft beim Einsatz von mikroperforierten Folien, da die Löcher beim Aufheizen erfahrungsgemäß ihre Größe verändern.
Generell gilt, dass die Abdeckschichten sowohl aus hoch- und hiedrigschmelzenden Fasergemischen als auch aus hoch- und niedrigschmelzenden Folienkombinationen bestehen kön¬ nen, wobei bei den Folien die niedrigschmelzenden Schichten auch auf beiden Seiten angebracht sein können, wenn eine weitere äußere Schicht mit angepresst werden soll.
Erfindungsgemäß kann vorgesehen sein, dass die abdeckenden Schichten nur in den Bereichen des Bauteils partiell aufge¬ bracht werden, wo sie aus funktionellen Gründen benötigt werden. Das partielle Aufbringen der abdeckenden Schichten
kann dabei dadurch erfolgen, dass die abdeckenden Schichten nur in Teilbereichen mit dem Kernmaterial verbunden werden. In einer möglichen Ausgestaltung ist dabei vorgesehen, dass die abdeckende Folie durch partielles Erhitzen, partielles Ultraschallschweißen, partielles Hochfrequenzschweißen oder partielles Reibschweißen nur in Teilbereichen mit dem Kern¬ material verbunden wird. Alternativ ist es möglicht, dass die abdeckende Folie, die eine hochschmelzende Schicht und eine kernseitige niederschmelzende Schicht aufweist, auf eine Temperatur erwärmt wird, die nur die niederschmelzende Schicht zum Schmelzen bringt, und anschließend von der dem Kernmaterial abgewandten Seite an den Kern angedrückt und dadurch partiell an diesem angebunden wird. Die nieder¬ schmelzende Schicht kann sich dabei über die gesamte hoch- schmelzende Schicht erstrecken, es ist jedoch auch möglich, dass die kernseitige, niederschmelzende Schicht nur in Teilbereichen der hochschmelzenden Schicht angeordnet ist.
Bei der eigenstabilen, akustisch absorbierenden Unterboden- Verkleidung kann das Kernmaterial aus PP-Schaumfolie oder aus PUR-Schaumstoff bestehen. PP-Schaum ist üblicherweise geschlossenzellig, könnte aber durch Perforieren oder Ein¬ bringen von Ausstanzungen derart modifiziert werden, dass ebenfalls eine vergleichbare Wirkung zu den Faserkern- schichten entsteht. Die Perforationsparameter sollten ähn¬ lich zu den mikroperforierten Deckschichten derart gewählt werden, dass der Lochdurchmesser bzw. die Schlitzweite zwi¬ schen 0,01mm und lmm, bevorzugt zwischen 0,05mm und 0,2mm, und das Verhältnis von Lochfläche zur Gesamtfläche im Be- reich von 0,1% und 10%, bevorzugt zwischen 3% und 8% liegt. Überraschenderweise hat sich gezeigt, dass auch bei einem nur oberflächlichen Einstechen, d.h. ohne Durchstoßen der Schicht, eine erhebliche akustische Wirksamkeit entsteht. Die Ausstanzungen und die dazwischenliegenden Stege sollten sich im Bereich von 5 bis 50mm bewegen mit runder, quadra-
tischer oder wabenförmiger Geometrie. Ein weiterer Vorteil ist eine Gewichtsverminderung.
In den beigefügten Abbildungen sind Ausbildungsformen der Erfindung beschrieben. Es zeigen:
Fig. Ia, Ib, Ic bekannte Aufbauten eines Verkleidungs¬ teils,
Fig. 2a, 2b, 2c erfindungsgemäße Aufbauten eines Ver¬ kleidungsteils,
Fig. 3a, 3b, 3c
3d, 3e, 3f weitere erfindungsgemäße Ausgestalt- ungen eines Verkleidungsteils und
Fig . 4 eine schematische Darstellung des Ver¬ fahrens zur Herstellung eines Verklei¬ dungsteils .
Die Figuren Ia, Ib und Ic zeigen verschiedene bekannte, derzeit im Einsatz befindliche Geräuschkapselsysteme aus einer Verkleidungsplatte aus bspw. GMT, D-LFT oder LWRT und zusätzlich aufgebrachten Schallabsorbern.
In Figur Ia ist schematisch ein poröser Absorber 2 aus bei¬ spielsweise einen Polyestervlies oder einen PUR-Schaum dar¬ gestellt, der mit einer dünnen PUR- oder Polyesterfolie Ia gegen flüssige Medien abgedeckt ist und auf einen Träger 3 aus beispielsweise GMT aufgebracht ist.
In Figur Ib ist schematisch ein poröser Absorber 2 aus bei¬ spielsweise Basaltsteinwolle dargestellt, der mit einer mikroperforierten Aluminiumfolie Ib abgedeckt ist und auf einen Träger 3 aus beispielsweise SMC aufgebracht ist.
In Figur Ic ist schematisch ein Kammer-absorber 10 aus PP- Schaum dargestellt, der auf einen Träger 3 aus beispiels¬ weise LWRT aufgebracht ist.
Die Figuren 2a, 2b und 2c zeigen in Analogie zu den Figuren Ia, Ib und Ic erfindungsgemäße Ausführungsformen, in wel¬ chen die Funktionalität der Akustik in. den LWRT-Kern über¬ tragen wurde.
In Figur 2a ist eine akustisch wirksame Glas f aser-PP-Kern- schicht 4 zwischen zwei Abdeckschichte n 5a und 5b aus Folie eingeschlos sen . Die Kernschicht 4 mit einem Flächengewicht von 1200g/m2 hat eine Dicke von 5mm un d set zt sich zusammen aus 40 Gewichtsprozent Glasfaser mit 1 5-20μm Faserdurchmes¬ ser und 60 Gewichtsprozent PP , welches aufgeschmol zen ist und die Glas fasern bindet . Die Folien bes it zen mehr oder weniger ausgeprägte akustische Funktio n j e nach Biegeeigen¬ schaften und Anbindung an den Glasf ase r-PP-Kern 4 .
In Figur 2b ist die akustisch wirksame Glas f aser-PP-Kern- schicht 4 auf der oberen Seite mit ein er l O Oμm dicken mik- roperforierten Folie beispielsweise au s Aluminium 5c abge¬ deckt . Diese ist akustisch absorbieren d eingestellt mit beispielsweise einem Lochdurchmesser von l O Oμm und einem Lochabstand von 500μm. Der Werkstoff Aluminium erlaubt es , dieses Verkleidungsteil auch in unmitt elbarer Nähe des Ab¬ gasstrangs des Fahrzeugs anzubringen und ermöglicht somit auch einen geschlossenen Unterboden .
In Figur 2 c ist der Gesamtaufbau aus den Abdeckfolien 5a und 5b und der Glasf aser-PP-Kernschich t 4 in eine Kammer¬ struktur 6 verformt . Die Kammerseitenf lächen bilden ein Quadrat mit Seitenlängen von 10 bis 10 Omm und die Höhe der Kammer liegt im Bereich von 5 bi s 30mm- , wobei das Verhält-
nis Seitenlänge zu Höhe etwa 1 bis 2 betragen sollte. Die Kammern erweitern die akustische Abstimmbarkeit des Bau¬ teils über die Kammergeometrie (Resonatoreffekt) und ermög¬ lichen darüber hinaus eine zusätzliche Ver- oder Entstei- fung des Gesamtbauteils, je nach Geometrie und Anordnung der Kammern.
Weitere Ausbildungsformen der Erfindung sind in den Figuren 3a bis 3f dargestellt
In Figur 3a ist die LWRT-Kernschicht 4 mit einer Schaumfo¬ lie 5d wie bspw. das Alveolen NPFRG 2905,5 von Alveo oder das Procell-P 150-2,5 SF40 von Polymer-Tee abgedeckt.
Figur 3b zeigt den gleichen Materialaufbau, wobei hier zu¬ sätzliche Kammern 6 in das Bauteil eingebracht sind.
In Figur 3c ist die Unterseite des Bauteils mit einer Folie 5b und einem 2mm dicken akustisch wirksamen PP-Vlies 5e mit einem Flächengewicht von 500g/m2 abgedeckt. Die Oberseite 5a besitzt eine Abdeckung aus Aluminiumfolie 5c für die Wärmeabschirmung gegen die Temperaturen des Abgasstrangs.
In Figur 3d ist die Unterseite des Bauteils ebenfalls mit einer Folie 5b und einem akustisch wirksamen Vlies 5e abge¬ deckt. Die 0,05mm dicke Aluminiumfolie 5c der Oberseite ist mikroperforiert mit Lochdurchmesser von 0,2mm und einem Lochabstand von 1,5mm, was die akustische Wirksamkeit des Bauteils nochmals deutlich steigert.
In Figur 3e ist die Oberseite und die Unterseite des Bau¬ teils mit einer mikroperforierten Folie 5f abgedeckt.
In Figur 3f sind die Oberseite und die Unterseite des Bau- teils mit einer 0,05mm dicken mikroperforierten Folie 5f
mit einem Lochdurchmesser von 0,2mm und einem Lochabstand von 1,5mm abgedeckt und diese jeweils nochmals mit einem akustisch wirksamen Vlies 5g bedeckt. Diese Ausführungsform hat den Vorteil, dass die Vliese 5f hochfrequent wirken und die Kernschicht zusammen mit den mikroperforierten Abde¬ ckungen mittel- und tieffrequent abgestimmt werden kann. Bei geeigneter oleo- und hydrophober Ausrüstung der Vliese bewirken diese, dass z. B. Spritzwasser nicht in die Perfo¬ ration und damit in das Kernmaterial eindringen kann.
Es sind natürlich noch weitere Ausführungsformen denkbar und sinnvoll, je nach Anforderungen an die akustische und thermische Funktion des Bauteils. Insbesondere ist es auch sinnvoll, einzelne Abdeckschichten bzw. deren Strukturie- rung in Kammern etc. nur partiell vorzunehmen.
Figur 4 zeigt das Herstellverfahren, wobei die Kernschicht 4 mit eventuellen Abdeckfolien 5a, 5b in einer Strahlerhei¬ zung oder Kontaktheizung 7 aufgeheizt werden und dabei die Kernschicht zum Loften gebracht wird. Dieses geloftete Ma¬ terial wird anschließend mit weiteren nicht vorgeheizten Abdeckschichten 5c und 5d in ein Presswerkzeug 8 gebracht und verpresst.
Letztendlich ist es anzustreben, möglichst großflächige
Bauteile zu schaffen, da einerseits die Absorption mit der Fläche proportional zunimmt, andererseits durch diese Gro߬ flächigkeit der Verschlussgrad der Unterbodens zunimmt und damit zusätzlich der Schallaustritt verhindert wird. Beide Effekte führen zu einer überproportionalen Verbesserung des Außengeräuschs. Derartige Unterbodenverklei'dungen sind mit dem beschriebenen Bauteilkonzept und dem einhergehenden Herstellverfahren wirtschaftlich herstellbar, womit sich neuartige Möglichkeiten in der akustischen und aerodynami- sehen Gestaltung von Fahrzeugen ergeben.