Verfahren und Vorrichtung zum Beschichten einer Innenfläche einer hohlen Endlosgeometrie, insbesondere eines Rohres
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Beschichten einer Innenfläche einer hohlen Endlosgeometrie, insbesondere eines Rohres.
In der nachfolgenden Beschreibung steht die Anwendung der Erfindung bei Rohren, insbesondere Trinkwasserrohren im Mittelpunkt, jedoch ist die Erfindung nicht darauf beschränkt. Denn beliebige Anwendungen von endlosen Hohlprofilen können mit der Erfindung verbessert werden. Endlose Hohlprofile sind demnach neben Trinkwasserrohren auch allgemein Schläuche, Dichtungsprofile, lebensmittelführende Leitungen, medizinische Produkte führende Leitungen, Katheter, Industrierohre, Treibstoffleitungen, Schmierstoffleitungen, Reinstgas- und -Flüssigkeitsleitungen sowie Hydraulikleitungen. Diese Aufzählung ist nicht abschließend, sondern beispielhaft zu verstehen.
Bei allen zuvor genannten Anwendungen kommt es darauf an, dass aus dem Material des Rohres keine oder nur sehr geringe Mengen an Stoffen an die Phasengrenze migrieren und dort ins Medium gelangen können. Dabei stellt es insbesondere im Trinkwasserbereich eine strenge Anforderung dar, dass keine potentiell schädlichen Substanzen in das Wasser eindringen. Daher ist eine
Inertisierung der Innenfläche des Rohres erforderlich, um das mit dem Rohr geleitete Medium vor dem Material des Rohres abzuschirmen.
Gerade bei Kunststoffröhren, die als Trinkwasserleitungen verwendet werden, muss sichergestellt werden, dass keine Zusatzstoffe oder Additive des Kunststoffes wie Weichmacher oder Stabilisatoren ausgewaschen werden und somit ins Trinkwasser gelangen können. Ebenso muss verhindert werden, dass der Kunststoff selber in seinen Bestandteilen ausgewaschen wird und diese ins Trinkwasser gelangen .
Eine mögliche Lösung dieses Problems besteht in einem Rohr, das einen Edelstahlinliner aufweist. Zur Herstellung des Rohres wird also zunächst ein dünnwandiges Rohr aus Edelstahl benötigt, das mit dem eigentlichen Rohrmaterial, insbesondere bestehend aus einem Kunststoff ummantelt wird. Ein derartiger Rohraufbau hat den Nachteil, dass der Edelstahlinliner sehr leicht knickt und somit das gesamte Rohr in seiner Anwendung unbefriedigende Eigenschaften hat. Letztlich ist die Edelstahlschicht zu dick, um eine ausreichende Elastizität aufzuweisen, um auch kleinere Biegungsradien auszuhalten .
Ein weiteres Problem besteht in den begrenzt realisierbaren Rohrdurchmessern, denn sowohl sehr kleine als auch größere Rohrquerschnitte sind nicht mit Edelstahlinlinern herstellbar.
Der Erfindung liegt daher das technische Problem zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Beschichten einer Innenfläche einer hohlen Endlosgeometrie, insbesondere eines Rohres, anzugeben, die für eine größere Vielfalt an Querschnitten einsetzbar sind. Ein weiteres technisches Problem besteht darin, sehr dünne Beschichtungen der Innenfläche herstellen zu können, die auch kleine Biegeradien des somit hergestellten Rohres zu ermöglichen.
Das zuvor aufgezeigte technische Problem wird zunächst durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst, bei dem ein mindestens einen Precursor aufweisendes Gasgemisch in die Endlosgeometrie eingeführt wird, bei dem die Endlosgeometrie durch mindestens eine Elektrodeneinheit hindurchgeführt wird, bei dem eine wechselnde elektrische Spannung an die Elektrodeneinheit angelegt wird, bei dem im Bereich der Elektrodeneinheit das Gasgemisch innerhalb der Endlosgeometrie zumindest teilweise in einen Plasmazustand überführt wird, bei dem durch das Plasma ein Reaktionsprodukt im Gasgemisch aus dem Precursor erzeugt wird und bei dem das Reaktionsprodukt an der Innenfläche der Endlosgeometrie abgeschieden wird.
Bei einer bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens wird die Atmosphäre in der Endlosgeometrie vor dem Einführen des Gasgemisches durch Spülen mit einem precursorfreien bzw. precursorarmen Gasgemisch eingestellt. Dadurch wird somit ein Vorspülvorgang mit einem precursorfreien Gas oder Gasgemisch zur Verdrängung der vorhandenen Atmosphäre realisiert.
Weiterhin ist es bevorzugt, dass die Innenwandung der Endlosgeometrie durch Zündung eines Plasmen im precursorfreien bzw. precursorarmen Gasgemisch gereinigt bzw. aktiviert wird. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, unerwünschte Nebenreaktionen zu verhindern bzw. zu vermindern.
Dabei ist es vorteilhaft, wenn die Reinigung bzw. Aktivierung in einem separaten Arbeitsgang durchgeführt wird. Dadurch wird eine gegenseitige Beinflussung der Vorgänge vermieden.
Eine besonders effektive Ausgestaltung besteht darin, dass das precursorfreie bzw. precursorarme Gasgemisch als Trägergasgemisch zuerst ohne Precursor zur Einstellung der gewünschten Atmosphäre innerhalb der Endlosgeometrie eingeführt wird und bei dem nachfolgend das Gasgemisch mit beigemischtem Precursor bzw. Precursorengemisch eingeführt wird. Somit braucht das precursorfreie bzw. precursorarme Gasgemisch nicht erst gegen das den Precursor bzw. die Precursoren enthaltene Gasgemisch ausgetauscht werden. Jedoch ist diese Vorgehensweise auf kurze Längen an Endlosgeometrien beschränkt, da zu lange Geometrien nicht erst mit dem precursofreien Gasgemisch gefüllt und anschließend erst mit dem angereicherten Gasgemisch befüllt werden können.
Unter Plasma wird bei der zuvor angegebenen Beschreibung des Verfahrens ein Gaszustand verstanden, bei dem ein nennenswerter Anteil freier Ladungsträger wie Ionen und Elektronen vorhanden ist. Die geladenen Teilchen werden
im elektrischen Feld beschleunigt und angeregt und erzeugen somit weitere Ladungsträger, so dass das Plasma fortlaufend aufrecht erhalten wird bzw. sich immer wieder neu entwickelt.
Eine Besonderheit des Verfahrens besteht darin, dass das Plasma unter normalem Druck in einem begrenzten Raum erzeugt wird. Dadurch kommt es einerseits nicht zu einer schädlichen Vermischung mit unerwünschten Gasen, beispielsweise mit Umgebungsluft wie bei anderen atmosphärischen Plasmaanwendungen. Andererseits ist es nicht erforderlich das Volumen zu evakuieren, um ein Niederdruckplasma zu erzeugen. Bei Endlosgeometrien wäre eine solche Evakuierung auch technisch nur unter großem Aufwand machbar. Denn hohle Endlosgeometrien können beispielsweise in einer Länge von mehreren Tausend Metern hergestellt werden, die insgesamt mit einer inerten bzw. Additiv-Migration verhindernden Beschichtung versehen werden sollen.
Es gibt grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten ein Plasma im Hohlraum der Endlosgeometrie zu erzeugen. Beispielhaft sollen hier zwei Möglichkeiten genannt werden, die sich insbesondere in der Art der an die Elektrodeneinheit angelegten Spannung unterscheiden.
Zum einen kann eine Mikrowellenentladung gezündet werden, wobei eine Mikrowellenstrahlung im Frequenzbereich in der Größenordnung von 1 MHz bis zu mehreren GHz erzeugt wird. Durch die mittels der Mikrowellenstrahlung in den Hohlraum eingekoppelte Energie werden die geladenen oder polaren Gasteilchen (Atome, Moleküle, Ionen, Elektronen) zu starken Schwingungen angeregt, die zu einer
weitgehenden Ionisierung und Anregung des Gasgemisches führen. Dabei entstehen typischer Weise keine Entladungsfunken oder Streamer, da die Frequenzen zu groß sind, als dass es zu einer Ausbildung von solchen Streamern kommt. Die eingekoppelte Anregungsenergie wird dann zur Umwandlung der Precursoren in die Reaktionsprodukte genutzt, die sich wiederum an der Innenfläche des Rohres als Beschichtung ablagern oder abreagieren, wie z.B. pfropfen und polymerisieren .
Zum anderen kann eine dielektrisch behinderte Entladung oder Barriereentladung, die auch als Koronaentladung bezeichnet wird, angewendet werden. Dazu dient das Material des Kunststoffrohres selbst als Dielektrikum bzw. als Barriere. Die zeitabhängige Spannung wird innerhalb des Hohlraumes mit einer Frequenz eingekoppelt, die beispielsweise 50 bis 60 Hz (Netzspannungsfrequenz) oder auch bis zu 100 kHz oder darüber betragen kann. Es wird im Einzelfall von der Geometrie und weiteren Randbedingungen abhängen, die Spannungswerte in geeigneter Weise einzustellen. Jedenfalls werden bei Anwendung einer Barriereentladung im Hohlraumvolumen Entladungsfunken oder Streamer einzeln oder in Büscheln erzeugt, die das Gasgemisch zumindest teilweise in den Plasmazustand versetzen. Die Umwandlung des Precursors bzw. der Precursoren in das auf der Innenfläche abzuscheidende Reaktionsprodukt bzw. die reaktiven Spezies, die bei der Anlagerungsreaktion das Reaktionsprodukt bilden, findet dann aufgrund der Wechselwirkung des Gasgemisches mit den Streamern selbst und/oder mit den in großer Anzahl vorliegenden hochangeregten Gasteilchen (Atome, Moleküle und Molekülfragmente, Ionen und Elektronen) statt. Dabei ist
es bevorzugt, das Plasma so einzustellen, dass die Energie der Atome, Molekel und Ionen geringer als die der Elektronen ist. Man kann auch von einem thermischen Ungleichgewicht sprechen. Daher sind nicht-thermische Plasmen bevorzugt, da sie das Material der Endlosgeometrie nicht angreifen. Dennoch ist es möglich, auch thermische Plasmen einzusetzen, wenn die Betriebsbedingungen des Plasmas so eingestellt sind, dass es zu keiner Beschädigung des Materials kommt. Beispielsweise kann die Verarbeitungsgeschwindigkeit groß gewählt werden, so dass die Einwirkungszeit des Plasmas kurz ist.
Die zuvor beschriebenen elektrischen wechselnden Spannungen bzw. elektrischen Wechselfelder sind zeitabhängig und können als Wechselspannung, also mit wechselndem Vorzeichen der Spannungswerte, oder als zeitlich variierende Gleichspannung, also mit Spannungswerten mit gleichem Vorzeichen, ausgebildet sein. Die Form der zeitlichen Änderung ist ebenfalls variabel, so können sinusförmige Spannungsverlaufe, gepulste Spannungsverlaufe oder auch Kombinationen davon angewendet werden.
Zuvor ist die Elektrodeneinheit jeweils allgemein beschrieben worden. Diese kann je nach Anwendung eine Mehrzahl von Spannung fuhrenden Elektroden aufweisen. Bevorzugt ist es allerdings, dass die mindestens eine Elektrodeneinheit zwei Elektroden aufweist, die die Endlosgeometrie von zwei Seiten umgeben. Die Endlosgeometrie wird also zwischen den beiden Elektroden hindurchgefuhrt, wobei sich das elektrische Feld durch die Wandung der Endlosgeometrie in den Hohlraum hinein
erstreckt und dort die Plasmaentladung erzeugen kann. Alternativ kann die Elektrodeneinheit mehr als zwei Elektroden aufweisen, um ein komplexeres elektrisches Feld erzeugen zu können. Beispielsweise können mit vier Elektroden umlaufende elektrische Felder erzeugt werden, die die Effektivität der Plasmaerzeugung verbessern.
In bevorzugter Weise ist eine Mehrzahl von Elektrodeneinheiten vorgesehen und die Endlosgeometrie wird nacheinander durch die Elektrodeneinheiten geführt. Dadurch werden mehrere Plasmen hintereinander erzeugt, so dass die Abscheidung nicht mit einer thermischen Schädigung des Materials der Endlosgeometrie einhergeht und trotzdem die erforderlichen Schichtdicken erreicht werden können. Die mehreren Plasmen sind dann zu einem erheblichen Teil unabhängig bzw. getrennt voneinander, so dass eine jeweils zwischen zwei durchlaufenen Abschnitten mit Plasma eine Abkühlung erfolgen kann.
Ebenso kann kaskadenähnlich die Endlosgeometrie mit elektrischen Feldern beaufschlagt werden, die sich in ihrer Ausrichtung und in den Spannungsparametern Frequenz, Amplitude und Phase unterscheiden können. Somit kann beispielsweise zumindest die als erste von der Endlosgeometrie durchlaufene Elektrodeneinheit für das Zünden des Plasmas eingesetzt werden und die mindestens eine nachfolgende Elektrodeneinheit kann zur Abscheidung der gewünschten Schichtdicke in mehreren Schritten eingesetzt werden. Dadurch wird ebenfalls eine thermische Schädigung der Endlosgeometrie ausgeschlossen bzw. minimiert, während gleichzeitig eine integral erhöhte Abscheidungsrate und somit applizierte Schichtdicke erreicht wird. Die Anzahl der Elektrodeneinheiten und
deren Betriebsparameter können daher auf jede Anwendung angepasst werden.
Für eine Inertisierung der Innenfläche des Rohres ist als ausreichend erkannt worden, eine wenn auch sehr dünne Schicht eines inertisierenden Materials abzuscheiden. Letztlich muss die Schicht nur ausreichend dicht sein, um das Material des Rohres zuverlässig abzudecken. Eine eigenständige Stabilität braucht diese Schicht nicht aufzuweisen. Daher kann die Schicht auch erheblich dünner als ein im Stand der Technik verwendeter Edelstahlinliner sein .
Die dünne abgeschiedene Beschichtung kann dann aufgrund der geringen Dicke zumindest so elastisch sein, dass eine verbesserte Knickstabilität und somit kleinere Biegeradien bei dem Rohr erreicht werden.
Das Reaktionsprodukt wird vorzugsweise also als geschlossene Fläche abgeschieden. Diese Schicht ist dann vollständig inertisierend, also abdichtend, so dass ein direkter Kontakt des Materials der Rohrwandung mit dem geleiteten Medium vermieden wird.
Ebenso kann alternativ das Reaktionsprodukt auf mindestens einem vorgegebenen Anteil der Innenfläche der Endlosgeometrie abgeschieden werden. Dieser Anteil kann mindestens 95 % Flächenanteil oder mindestens 90 % Flächenanteil betragen. Auch kleinere Flächenanteile sind möglich. Diese Ausgestaltung der Erfindung ist dann anwendbar, wenn es bei dem Rohr nicht auf eine vollständige Inertisierung des Rohres ankommt, wenn also
noch restliche Abschnitte der Innenfläche des Rohres einen direkten Kontakt mit dem geleiteten Medium bekommen können .
Das Gasgemisch wird von einer Seite her in die Endlosgeometrie, also beispielsweise in das Rohr eingeleitet, durchströmt den Abschnitt der Plasmaentladung und strömt dann am anderen offenen Ende der Endlosgeometrie wieder heraus. Somit werden mit dem Gasstrom die Reaktionsprodukte des Gasgemisches, die nicht abgeschieden worden sind, und Abfallprodukte mit dem gleichen Gasstrom abtransportiert.
Eine weitere Variante des beschriebenen Verfahrens besteht darin, dass die Transportgeschwindigkeit der Endlosgeometrie durch die mindestens eine Elektrodeneinheit kleiner als die
Strömungsgeschwindigkeit des Gasgemisches eingestellt wird. Dadurch wird gewährleistet, dass im Bereich der mindestens einen Elektrodeneinheit fortlaufend ein frisches, also unverbrauchtes Gasgemisch vorliegt und die Plasmaentladung jedenfalls überwiegend mit einem kontinuierlichen Zustrom unverbrauchten Precursors ablaufen kann.
Eine weitere bevorzugte Ausgestaltung des Verfahrens besteht darin, dass die Endlosgeometrie, also beispielsweise das Rohr auf einer Trommel aufbewahrt wird und bei dem innerhalb der Trommelnabe das Gasgemisch der Endlosgeometrie zugeführt wird. Dazu wird beispielsweise eine das Gasgemisch unter Druck aufbewahrende Flasche innerhalb der Trommelnabe angeordnet und mittels eines geeigneten Anschlusses mit der Endlosgeometrie verbunden.
Eine weitere Ausgestaltung des Verfahrens bezieht sich auf den Zeitpunkt der Inertisierung der Innenfläche der Endlosgeometrie .
So kann eine Endlosgeometrie, die in einem Extrusionsprozess hergestellt wird, direkt nach der Extrusion durch die mindestens eine Elektrodeneinheit durchgeführt werden. Somit wird direkt nach der Herstellung der Endlosgeometrie die Innenfläche inertisiert, so dass das fertige Produkt unmittelbar nach dem Extrusionsprozess vorliegt.
Bei der zuvor erläuterten Durchführung des Verfahrens bei einem Extrusionsprozess ist es vorteilhaft, das Gasgemisch der extrudierten Endlosgeometrie durch den Extrusionskanal zuzuführen. Das Gasgemisch wird dann nach der Plasmabehandlung am anderen offenen Ende der fertigen Endlosstruktur herausgelassen. Dazu kann innerhalb der Extrusionsvorrichtung ein hohler Kalibrierdorn verwendet werden, durch den das Gasgemisch in die extrudierte Endlosgeometrie eingelassen wird. Die Verbindung mit einer Extrudierung des Rohres ist insbesondere vorteilhaft für eine direkte Konfektionierung für kürzere Längen der zu fertigenden Endlosgeometrie, beispielsweise mit einer Länge von etwa 50 bis 150 Metern. Generell muss beachtet werden, dass der Druck des eingeführten Gasgemisches nicht zu groß ist, damit die extrudierte Masse der Endlosgeometrie nicht aufgebläht wird und somit den Herstellungsprozess gestört wird.
Eine Alternative zu der Inertisierung kurz nach der Extrusion kann bei aus einem zu vernetzenden Kunststoff
hergestellten Endlosgeometrien durchgeführt werden. Dazu wird die Endlosgeometrie zunächst einem
Aushärtungsprozess unterzogen, insbesondere durch eine Strahlungsvernetzung, und anschließend wird das Gasgemisch zugeführt und die Endlosgeometrie der mindestens einen Elektrodeneinheit zugeführt. Somit wird der Inertisierungsvorgang zu einem Zeitpunkt vorgenommen, in dem der Kunststoff bereits seinen endgültigen Zustand angenommen hat und nur noch wenige Veränderungen an der Innenfläche der Endlosgeometrie entstehen können. Dieses führt zu stabilen Inertisierungsschichten .
Für das zuvor beschriebene Verfahren gibt es verschiedene Gasgemischzusammensetzungen, die zu unterschiedlichen Abscheidungsprodukten führen. Generell ist bei der nachfolgenden Beschreibung zu beachten, dass die in einem Plasma ablaufenden Prozesse weitgehend unbekannt sind. Denn die durch die Entladungsvorgänge entstehenden Fragmente der Precursoren und des Trägergases sind vielfältig, die wiederum nahezu beliebig miteinander und mit den unfragmentierten Bestandteilen des Gasgemisches reagieren können. Daher werden nachfolgend lediglich die verwendeten Stoffe und die sich daraus ergebenden Beschichtungen bzw. deren Eigenschaften genannt.
Als erste Alternative wird ein Gemisch aus Inertgas oder Luft einerseits und aus Hexamethyldisiloxan (HMDSO) oder Hexamethyldisilazan (HMDSN) andererseits angegeben. Dieses Gasgemisch ermöglicht die Abscheidung gläserner bzw. glasähnlicher Schichten, die aufgrund ihrer Struktur eine wirksame Barriere für verschiedenste Medien, Verbindungen und Gase darstellen. Härte bzw. Flexibilität können u.a. durch den Sauerstoffanteil im Gasgemisch
eingestellt werden. Alternativ zu HMDSO und HMDSN bieten sich verschiedenste andere siliciumhaltige Verbindungen zur Abscheidung gläserner oder glasähnlicher Schichten an. An dieser Stelle seien beispielhaft einige Verbindungen und Verbindungsklassen genannt: Tetraalkoxysilane (z.B. Tetramethoxysilan, TMOS, Tetraethoxysilan, TEOS) , Trialkoxyalkylsilane, Dialkoxydialkylsilane, zyklische Dimethylsiloxanoligomere (z.B. D3, D4), Bis (trialkoxysilyl) alkylene .
Als zweites Beispiel eines Gasgemisches wird ein Gemisch aus Acetylen oder Ethylen und Luft Inertgas angegeben, aus dem unter Anwendung des Plasmas eine hochvernetzte Carbonschicht entsteht, die eine Diffusionssperre zwischen dem Endlosgeometriewerkstoff und dem Medium darstellt .
Als drittes Ausführungsbeispiel eines Gasgemisches wird ein fluorhaltiges Gasgemisch angegeben, dass durch Fluorierung der Innenwand der Endlosgeometrieinnenwand eine wirkungsvolle Sperrschicht für organische Moleküle verschiedenster Ausprägung darstellt.
Als viertes Ausführungsbeispiel eines Gasgemisches wird bei dem ein fluorcarbonhaltiges fluorkohlenwasserstoffhaltiges Gasgemisch angegeben. Es entsteht eine sog. Fluorcarbonbeschichtung, bestehend aus einer hochvernetzten Carbonschicht, deren übrige Valenzen durch Fluorsubstituenten abgesättigt und welche dadurch hydrophob und lipophob eingestellt ist.
Das oben aufgezeigte technische Problem wird erfindungsgemäß auch durch eine Vorrichtung zum
Beschichten einer Innenfläche einer hohlen Endlosgeometrie, insbesondere eines Rohres, mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Die Vorrichtung weist dafür eine Gaszuführeinrichtung zum Zuführen eines Gasgemisches in die Endlosgeometrie und mindestens eine Elektrodeneinheit zum Erzeugen eines elektrischen Feldes in der Endlosgeometrie auf.
Vorzugsweise ist weiterhin mindestens eine Transporteinrichtung zum Zuführen einer Endlosgeometrie und gegebenenfalls mindestens eine Transporteinrichtung zum Abführen der Endlosgeometrie vorgesehen, um einen reibungslosen An- und Abtransport der Endlosgeometrie zur und von der Elektrodeneinheit zu gewährleisten. Bei der Integration des Prozesses in eine laufende Endlosgeometriefertigung wie beispielsweise Extrusion kann die Transportvorrichtung durch eine Zentrier- bzw. Kalibriereinrichtung ersetzt werden, da es dann nicht auf einen Vorschub der Endlosgeometrie, sondern lediglich um deren Führung und Zentrierung ankommt. Somit ist die Vorrichtung in der Lage, ein oben beschriebenes Verfahren durchzuführen. Die Endlosgeometrie wird der mindestens einen Elektrodeneinheit zugeführt, während die
Gaszuführeinrichtung das Gasgemisch von einer Seite der Endlosgeometrie zuführt. Im Bereich der Elektrodeneinheit wird das Gasgemisch zumindest teilweise in den Plasmazustand überführt und das Abscheiden des aus dem Precursor entstehenden Reaktionsproduktes auf der Innenfläche kann stattfinden.
Weitere Ausgestaltungen und Vorteile des Verfahrens und der Vorrichtung werden im Folgenden anhand von in der
Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen näher erläutert. In der Zeichnung zeigen
Fig. 1 ein erstes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Beschichten einer Innenfläche eines Rohres in einer schematischen Darstellung,
Fig. 2 ein zweites Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Beschichten einer Innenfläche eines Rohres in einer schematischen Darstellung,
Fig. 3 ein erstes Ausführungsbeispiel einer
Elektrodeneinheit mit zwei Elektroden im Querschnitt,
Fig. 4 ein zweites Ausführungsbeispiel einer
Elektrodeneinheit mit vier Elektroden im Querschnitt,
Fig. 5 ein auf einer Trommel aufgerolltes Rohr mit einer in der Trommelnabe angeordneten Gaszuführung im Querschnitt,
Fig. 6 ein zweites Ausführungsbeispiel einer
Elektrodeneinheit mit zwei Elektroden im Querschnitt, wobei die Elektroden die Endlosgeometrie jeweils umschließen und das Plasma sich zwischen den beiden Elektroden in einem endlichen Rohrinkrement ausbildet, und
Fig. 7 ein Ausführungsbeispiel einer Gaszuführung innerhalb eines Extruders zur Herstellung eines Kunststoffrohres .
Fig. 1 zeigt ein erstes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Beschichten einer Innenfläche einer hohlen Endlosgeometrie, vorliegend eines Rohres 2. Das Rohr 2 ist mit einer
Gaszuführeinrichtung 4 zum Zuführen eines Gasgemisches in das Rohr 2 verbunden, wobei die Gaszuführvorrichtung beispielhaft als Gasflasche ausgebildet ist. Des Weiteren ist eine Elektrodeneinheit 6 zum Erzeugen eines elektrischen Feldes im Rohr 2 vorgesehen.
Durch Anlegen einer zeitlich veränderbaren Spannung an die beiden Elektroden 8 und 10 wird im Inneren des Rohres 2 ein variierendes elektrisches Feld erzeugt, das das Gasgemisch im Innern des Rohres 2 zumindest teilweise in einen Plasmazustand versetzt. Der im Gasgemisch enthaltene Precursor wird chemisch umgesetzt und das Reaktionsprodukt scheidet sich an der Innenfläche des Rohres 2 als Beschichtung ab bzw. reagiert bevorzugt dort zu der gewünschten Inertisierungsschicht ab.
Wie Fig. 1 weiterhin zeigt, ist sowohl eine Transporteinrichtung 12 zum Zuführen des Rohres und eine Transporteinrichtung 14 zum Abführen des Rohres 2 vorgesehen, dabei ist die Gaszuführeinrichtung 4 stationär, so dass das Rohr 2 unterbrochen dargestellt ist. Der Abschnitt des Rohres 2 zwischen der Gaszuführeinrichtung 4 und der Elektrodeneinheit 6 sowie dahinter kann in geeigneter Weise zwischengelagert bzw. gelagert sein. Die Transportvorrichtungen 12 und 14
weisen jeweils zwei zusammenwirkende Rollen 13 bzw. 15 auf, die das Rohr 2 fördern. Anstelle der Rollen können auch Förderbänder oder andere bekannte Fördereinrichtungen verwendet werden.
Fig. 2 zeigt ein zweites Ausführungsbeispiel einer Vorrichtung gemäß Fig. 1, bei der im Unterschied zum ersten Ausführungsbeispiel drei Elektrodeneinheiten 6 vorgesehen sind. Es können prinzipiell auch noch mehr Elektrodeneinheiten 6 vorgesehen sein, dieses ist abhängig von der speziellen Anwendung und kann entsprechend gewählt werden.
In Fig. 3 ist eine Elektrodeneinheit 6 mit zwei Elektroden 8 und 10 dargestellt, die jeweils eine an die runde Form des Rohres 2 angepasste gekrümmte Form aufweisen. Dadurch haben beide Elektroden 8 und 10 zum Rohr einen gleichmäßigen Abstand zur Rohraußenseite und das elektrische Feld wird weitgehend gleichmäßig in das Innere des Rohres 2 eingekoppelt.
Fig. 4 zeigt eine weitere Ausführung der
Elektrodeneinheit 6 mit vier Elektroden 8, 10, 16 und 18. Damit lässt sich eine andere Geometrie des elektrischen Feldes im Inneren des Rohres 2 erzeugen.
Fig. 5 zeigt, dass das Rohr 2 auf einer Trommel 20 aufgewickelt ist und dass über einen Anschluss 22 das mit der Trommelnabe 24 verbundene Ende des Rohres 2 mit der Gasflasche 4 verbunden ist. Die Gasflasche 4 rotiert beim Abrollen des Rohres 2 mit der Trommel 20 mit und kann kontinuierlich die Gaszuführung in das Rohr 2 hinein sicherstellen .
Fig. 6 zeigt eine weitere Variante einer
Elektrodenanordnung 6, bei der die Elektroden 26 und 28 nicht über bestimmte Winkelabschnitte verteilt, sondern axial verteilt angeordnet sind. Somit wird durch ein an die Elektroden 26 und 28 angelegtes elektrisches Wechselfeld eine Entladung in axialer Richtung erzeugt und somit ein größerer Bereich des Rohres 2 erfasst, als es für die in den Fig. 3 und 4 dargestellte Ausgestaltung der Elektrodeneinheit der Fall ist.
Fig. 7 zeigt das Befüllen eines in einem Extruder 30 extrudierten Rohres 2 mit einem Gas/Precursorgemisch. Dazu ist im Extruder 30 ein verlängerter hohler Kalibrierdorn 32 vorgesehen, der an einer Gaszuführvorrichtung 4 in Form einer oder mehrerer über eine Mischvorrichting miteinander gekoppelten Gasflaschen angeschlossen ist. Durch den hohlen Kalibrierdorn wird das Gasgemisch in das laufend extrudierte Rohr 4 eingeführt. Das extrudierte Rohr 2 verläuft anschließend durch eine Kühlvorrichtung 34, um die Form des Rohres 2 zu stabilisieren. Eine der zuvor beschriebenen Elektrodenanordnungen 6 schließt sich dann in Fig. 7 nach rechts hin an, um im Hohlraum des abgekühlten Rohres 2 ein Plasma zu erzeugen.