Verfahren zur Rekonstruktion von Zähnen
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Rekonstruktion fehlender, zerstörter und/oder abradierter Zähne.
Der Ersatz natürlicher Zähne durch Herstellung künstlicher Zähne aus den Vorlagen von natürlichen Zähnen und deren Einsatz in ein Gebiss stellt normalerweise kein Problem dar.
Problematisch ist jedoch die Rekonstruktion von fehlenden, zerstörten und/oder abradierten Zähne, d. h. von Zähnen, für die der Originalzahn nicht mehr oder nicht mehr vollständig zur Verfügung steht. Wenn nicht "zufällig" ein Foto des Patienten mit einem Foto des Gesichts vorhanden war, in welchem, z. B. durch ein Lächeln, die Zähne sichtbar waren, konnten künstliche Zähne bezüglich ihrer Form und Größe lediglich aufgrund von Schätzungen und des vorhandenen Platzes im Mund eingesetzt werden.
Dabei bestand auch die Gefahr, dass das Aussehen des Patienten verändert wurde, insbesondere wenn mehrere Zähne des Oberkiefers oder sogar der gesamte Oberkiefer ersetzt werden musste.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu schaffen, durch das auch bei fehlenden, zerstörten und/oder abradierten Zähnen Ersatzzähne hergestellt werden können, die in ihrer Form und Größe so weit wie möglich den natürlichen Zähnen entsprechen.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren gelöst, wobei eine Rekonstruktion fehlender, zerstörter und/oder abradierter Zähne mittels Gesichtsanalyse erfolgt, wobei zur Bestimmung der Formen und Größen der Zähne das Gesicht eines Patienten, für den die Zähne vorgesehen sind, mittels ein oder mehrerer bildlicher Aufnahmen vermessen wird, wonach aus den erhaltenen Werten proportional die jeweilige Zahngröße und Zahnform ermittelt wird.
Der Erfinder hat in langwierigen und aufwändigen Versuchsreihen herausgefunden, dass sich Formen und Größen der Zähne aus bestimmten Merkmalen, Formen und Maßen des Gesichtes des Patienten entnehmen lassen. Dies gilt auch dann, wenn die Zähne des Patienten bereits fehlen oder (teil) zerstört sind. Diese Erkenntnis wurde vom Erfinder planmäßig zur Rekonstruktion der natürlichen Zähne verwendet. Hierzu wurde vom Patienten eine bildliche Aufnahme, z. B. eine fotografische Abbildung, des Gesichtes in einer Frontalaufnahme gemacht. Anhand des erstellten Fotos wurde das Gesicht des Patienten vermessen, wonach anschließend die erhaltenen Werte in einem entsprechenden Verhältnis auf die Zahngrößen und Zahnformen geschlossen werden konnte.
Eine sehr vorteilhaftes und der Realität sehr nahekommendes Verfahren kann darin bestehen, dass zur Rekonstruktion des Abstandes der Spitzen der beiden Eckzähne des Patienten voneinander die Originalbreite der Nasenbasis ermittelt wird, wobei der ermittelte Wert entsprechend proportional für die Ermittlung der Breiten der anderen Zähne proportional vorgesehen wird.
Mit dieser Erkenntnis lassen sich dann die sechs wichtigsten Zähne eines Gebisses, nämlich die beiden Frontzähne, die beiden seitlichen Schneidezähne und die beiden Eckzähne bezüglich ihrer jeweiligen Breite entsprechend den Originalzähnen bestimmen.
Aus weiteren Merkmalen des Gesichts, wie z. B. der Umriss des Gesichts zur Herstellung des mittleren Frontzahnes, das Breitenverhältnis von Nasenbasis und Nasenwurzel, die Winkellinien des unteren Endes der Nase und der Nasenflügel für den zweiten Schneidezahn und den Verlauf der Wange für den Eckzahn, lassen sich dann Formen und Größen aller anderen Zähne bestimmen.
Der Erfinder hat auch festgestellt, dass man aus dem Gesicht die jeweils stärker aufgestellte Seite eines Patienten erkennen kann, mit der daraus resultierenden Tatsache, dass das Gebiss auf der stärker aufgestellten Seite im allgemeinen harmonischer ist, während auf der schwächer aufgestellten Seite die Zähne nicht so gleichmäßig sind.
Erfindungsgemäß wird deshalb zur Rekonstruktion der stärker aufgestellten Seite des Patienten der Abstand der Bipupillarlinie zur Mundwinkellinie bestimmt, wobei die Seite, die eine größere Länge ergibt, als harmonische Seite festgelegt wird.
Bei Berücksichtigung dieser Tatsache werden die künstlichen Zähne bzw. das künstliche Gebiss noch stärker an die Originalzähne bzw. das Originalgebiss angepasst.
Vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen und aus dem nachfolgend anhand der Zeichnung prinzipmäßig beschriebenen Ausführungsbeispiel.
Es zeigt:
Fig. 1 in Strichdarstellung das Gesicht eines Patienten in Frontalansicht ;
-A -
Fig. 2 zwei Frontzähne des Patienten aus dem Oberkiefer;
Fig. 3 eine weitere Darstellung des Gesichts des Patienten gemäß Fig. 1;
Fig. 4 das Gesicht des Patienten mit Rekonstruktion eines der beiden seitlichen Schneidezähne;
Fig. 5 Ansicht der beiden Frontzähne und der beiden seitlichen Schneidezähne;
Fig. 6 das Gesicht des Patienten mit Rekonstruktion eines Eckzahns;
Fig. 7 Ansicht des oberen Gebisses mit den Frontzahnen, den beiden Schneidezähnen und den beiden Eckzähnen; und
Fig. 8 das Gesicht des Patienten mit der Bipupillarlinie und der Mundwinkellinie.
Zur Vereinfachung und zur besseren Darstellung ist das Gesicht des Patienten in den Figuren in Form einer Strichzeichnung dargestellt. In der Praxis wird zur Rekonstruktion der Zähne hierfür eine Aufnahme des Patienten mit geschlossenem Mund hergestellt. Die Aufnahme kann auf beliebige Weise erfolgen, z. B. in digitaler Form, wodurch die Möglichkeit besteht, verschiedene Ausgestaltungen und Rekonstruktionen der Zähne in Verbindung mit der fotografischen Abbildung darzustellen. Ebenso ist eine Bildbearbeitung auf diese Weise und eine Übernahme in einen Computer möglich. Auf diese Weise können die nachfolgend durchgeführten Maßnahmen zur Vermessung des Gesichtes des Patienten für eine Rekonstruktion der Zähne auch über ein Computerprogramm mit einer entsprechenden Software erfolgen.
Bei dem nachfolgenden Ausführungsbeispiel wird die Rekonstruktion der beiden Frontzahne 1, der beiden Schneidezähne 2 und der beiden Eckzähne 3 des Oberkiefers beschrieben. Im allgemeinen ist eine möglichst getreue Rekonstruktion der Zähne des Oberkiefers für die Gesichtsform des Patienten wichtig.
Gemäß Fig. 1 werden die Umrisse 4 des Gesichts des Patienten ermittelt. Dabei stellt die Stirn des Patienten die Oberseite des Frontzahnes 1 mit der Schneidekante dar und zwar ein Übergang 5 zwischen der Stirn zu dem sich daran anschließenden Schädelbogen. Das Kinn 6 stellt den Zahnhals dar.
Zur Bestimmung der Gesamtbreite der Frontzähne 1, der seitlichen Schneidezähne 2 und der Eckzähne 3 wird die Breite der Nasenbasis 7 des Patienten ermittelt. Dies erfolgt jedoch nicht anhand der bildlichen Darstellung, sondern direkt an dem Gesicht des Patienten, um die Originalbreite zu erhalten. Die Originalbreite der Nasenbasis 7 entspricht der Gesamtbreite der sechs Zähne von Eckzahnspitze zu Eckzahnspitze. Mit dieser ermittelten Gesamtbreite lässt sich dann in Kenntnis der einzelnen Zahnbreiten der Zähne zueinander und in Verbindung mit den nachfolgenden Bestimmungen die Breite jedes Zahnes rekonstruieren.
Für die beiden Frontzähne 1 des Oberkiefers wird gemäß Fig. 2 die aus Fig. 1 aus den Gesichtsumrissen erhaltene Form um 180° gedreht, damit die Schneidekante nach unten zeigt. In einfacher Weise kann die erhaltene Form des einen Frontzahnes durch eine Spiegelung an einer vertikalen Linie 8 kopiert werden. Auf diese Weise erhält man eine Rekonstruktion auch des zweiten Frontzahns 1.
Die Rekonstruktion der beiden seitlichen Schneidezähne 2 wird aus den Figuren 2 bis 6 ersichtlich.
Gemäß Fig. 3 wird die Breite der Nasenbasis 7 und die Breite der Nasenwurzel 9 anhand der bildlichen Aufnahme (hier der Strichzeichnung) vermessen. Gleichzeitig werden zwei Winkellinien 10 und 11 erstellt, die das untere Ende der Nase definieren und zwar den Verlauf von der Nasenmitte über die beiden seitlichen Nasenflügel. Die erhaltenen entsprechend verlängerten Winkellinien 10 und 11 geben den Verlauf der Schneidekanten 12 der Frontzähne 1, der Schneidezähne 2 und der Eckzähne 3 wieder. Die Übertragung der beiden Winkellinien 10 und 11 zur Rekonstruktion dieser Schneidekanten ist insbesondere aus den Figuren 5 und 7 ersichtlich. Für eine detailliertere und damit genauere Übernahme hat sich herausgestellt, dass es hierfür günstiger ist, wenn die dazu verwendete Abbildung größer, vorzugsweise doppelt so groß, ist wie die vorstehend aufgezeigte und zur Vermessung verwendete fotografische Abbildung. Die Winkellinien 10' und 11' verlaufen dabei durch die Kreuzungspunkte der jeweiligen Mittellinien der Zähne an den Schneidekanten.
Die Breite des Schneidezahns 2 wird auf folgende Weise rekonstruiert. Der aus Fig. 3 erhaltene Breitenwert der Nasenbasis 7 wird durch den Breitenwert der Nasenwurzel 9 geteilt. Gleichzeitig wird die gesamte Gesichtsbreite in der Fig. 3 entsprechend der Linie 13 ermittelt. Der Quotient aus dem Ergebnis der Teilung Nasenbasis : Nasenwurzel wird als Teiler für den Wert der gesamten Gesichtsbreite gemäß Bild eingesetzt. Das auf diese Weise erhaltene Ergebnis entspricht der Breite des zu rekonstruierenden Schneidezahns 2 im Verhältnis zu dem Frontzahn 1.
Beispiel: Breite der Nasenbasis gemäß Foto 20,5 mm, der Nasenwurzel 14 mm und der gesamten Gesichtsbreite gemäß Foto 52 mm.
Nasenbasis (20,5) : Nasenwurzel (14) = 1,46. Gesamte Gesichtsbreite (52) : 1,46 = 35,6.
Dies bedeutet, das Breitenverhältnis des Frontzahnes 1 zu dem Schneidezahn 2 beträgt 52 : 35,6.
Die Außenform des Schneidezahns 2 wird durch die Kontur des Gesichtes aus der zweiten Aufnahme (von der gleichen Seite) festgelegt. Die Innenform des Schneidezahns 2 wird frei angepasst.
Die Fig. 5 zeigt die Vorderansicht der beiden Frontzähne 1 mit den beiden Schneidezähnen 2, wobei - falls erforderlich - Spiegelungen zum Kopieren an der vertikalen Linie 8 vorgenommen werden.
Aus der Fig. 6 wird die Rekonstruktion eines Eckzahnes 3 ersichtlich. Die jeweils zur Gesichtsaußenseite gerichtete Außenform 14 des Eckzahnes 3 entspricht beim linken Eckzahn dem Verlauf der linken Wangenform. Der Verlauf der Außenform des rechten Eckzahns entspricht in gleicher Weise dem Verlauf der rechten Wangenform, sofern der rechte Eckzahn nicht an der vertikalen Linie 8 durch Spiegelung des linken Eckzahns rekonstruiert wird (siehe Fig. 7) .
Die Höhe bzw. Länge des Eckzahns 3 wird auf folgende Weise bestimmt: Die Winkellinie 10 wird parallel verschoben und als Tangente 10" an die Mittellinie des Frontzahnes 1 im Schnittpunkt zur Schneidekante angelegt. Anschließend wird die bildliche Aufnahme so "verschoben", dass die Tangente 10" beim rechten Eckzahn 3 durch die rechte Augenbraue verläuft.
Ebenso wie für den Verlauf der Schneidekante 12 hat sich für den Verlauf der Außenform 14 des Eckzahnes 3 in der Praxis herausgestellt, dass im Vergleich zu den für die Rekonstruktion verwendeten Darstellungen gemäß den Figuren 1 und 3 größere Darstellungen bzw. Abbildungen von Vorteil sind, um eine höhere Detailgenauigkeit zu erreichen.
Da die Breite eines Eckzahnes 3 im allgemeinen 80 % von frontal gesehen der Breite eines Schneidezahnes 2 beträgt, lässt sich auch die Breite des Eckzahnes 3 rekonstruieren.
Da im allgemeinen jeder Mensch eine "starke" und eine "schwache" Seite hat, welche sich auch in dem menschlichen Gebiss widerspiegelt, sollte bei einer Rekonstruktion auch dieser Umstand berücksichtigt werden.
Die Ermittlung der stärker aufgestellten Seite des Patienten wird aus der Fig. 8 ersichtlich. Hierzu wird eine sogenannte Bi- pupillarlinie 15 zwischen die beiden Augen und eine Mundwinkellinie 16 durch den geschlossenen Mund des Patienten gezogen. Die beiden Linien, nämlich die Bipupillarlinie 15 und die Mundwinkellinie 16 sind im allgemeinen nicht exakt horizontal bzw. parallel zueinander. Misst man die Abstände 17 und 18 zu beiden Seiten der Nase im äußeren Bereich des Gesichts, so wird man feststellen, dass im allgemeinen eine Abstandslinie länger ist als die andere. Bei dem darstellten Ausführungsbeispiel ist die Abstandslinie 17 etwas länger als die Abstandslinie 18. Dies bedeutet, da es sich dabei um die rechte Seite des Patienten handelt und damit die rechte Seite des Gebisses stärker aufgestellt werden sollte.
In Kenntnis dieses Umstandes kann dann die rechte Seite des Gebisses als harmonische Seite festgelegt werden.