BeSchreibung
Titel
Vibrationsdosimeter zur Ermittlung der Vibrationsbelastung
Die Erfindung bezieht sich auf ein Vibrationsdosimeter zur
Ermittlung der Vibrationsbelastung von Personen, die durch den Betrieb eines Werkzeugs mechanischen Schwingungen ausgesetzt sind, nach dem Anspruch 1.
Stand der Technik
In der DE 101 19 252 Al wird eine Einrichtung zur personengebundenen Messung von Schwingungsbelastungen beschrieben, die auf eine Bedienungsperson einwirken, welche an einem Werkzeug arbeitet. Die Einrichtung umfasst eine
Schwingungssensorik sowie Kontaktsensoren, über die ein Kontakt der Bedienperson mit der Schwingungserzeugenden Maschine festgestellt werden soll.
Aufgrund gesetzlicher Vorschriften müssen bei Arbeiten mit Schwingungserzeugenden Maschinen Auslöse- und
Expositionsgrenzwerte berücksichtigt werden, die eine maximal zulässige, tägliche Schwingungsbelastung kennzeichnen und nicht überschritten werden dürfen. Diese Grenzwerte hängen von gerätespezifischen Vibrationskennwerten ab, die einer unterschiedlich starken Schwingungserzeugung am jeweiligen Werkzeug Rechnung tragen. Für eine korrekte Ermittlung der Vibrationsbelastung ist daher die Berücksichtigung des gerätetypischen Vibrationskennwertes unerlässlich .
Offenbarung der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, mit einfach durchzuführenden Maßnahmen ein Vibrationsdosimeter zur Ermittlung der Vibrationsbelastung von Personen zu schaffen, die durch den Betrieb eines Werkzeugs mechanischen Schwingungen ausgesetzt sind, wobei sich das Vibrationsdosimeter durch eine hohe Messgenauigkeit und zugleich durch eine hohe Bedienerfreundlichkeit auszeichnen soll.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Die Unteransprüche geben zweckmäßige Weiterbildungen an.
Das erfindungsgemäße Vibrationsdosimeter zur Ermittlung der Vibrationsbelastung von Personen, die durch den Betrieb eines Werkzeugs mechanischen Schwingungen ausgesetzt sind, weist eine Betriebsdauer-Ermittlungseinrichtung zur Ermittlung der effektiven Betriebsdauer des Werkzeugs auf, eine Rechnereinrichtung zum Berechnen der zulässigen Arbeitszeit an dem Werkzeug und eine Vergleichseinrichtung zum Vergleichen der effektiven Betriebsdauer mit der zulässigen Arbeitszeit. Die zulässige Arbeitszeit hängt von dem werkzeugspezifischen Vibrationskennwert ab, mit dem die von dem jeweiligen Werkzeug erzeugten und produktspezifischen Schwingungen charakterisiert werden. Über den Vibrationskennwert ist sichergestellt, dass bei Werkzeugen mit starken Vibrationen die maximal zulässige
Arbeitszeit auf einen geringeren Wert gesetzt wird als bei Werkzeugen mit niedrigeren Vibrationen.
Um einerseits eine flexible Anwendung des Vibrationsdosimeters auf verschiedene Werkzeugtypen zu ermöglichen und andererseits die Handhabung soweit wie möglich zu vereinfachen, ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass der werkzeugspezifische Vibrationskennwert über eine Schnittstelle in das Vibrationsdosimeter eingelesen wird. Eine manuelle Eingabe des Vibrationskennwertes ist somit nicht erforderlich. Das Einlesen des Kennwerts über die Schnittstelle erfolgt automatisch nach Aktivierung des Vibrationsdosimeters, wodurch Fehleingaben
ausgeschlossen sind. Das Einlesen des Kennwertes über die Schnittstelle ermöglicht einen einfachen Wechsel des Vibrationsdosimeters zwischen verschiedenen Werkzeugen ohne die Notwendigkeit einer manuellen Eingabe des Kennwertes.
Die Schnittstelle kann auf verschiedene Art und Weise realisiert sein. Infrage kommt sowohl eine drahtlose
Kommunikationsschnittstelle als auch eine hardwaregebundene Schnittstelle, wobei bei drahtlosen Schnittstellen beispielsweise Bluetooth-, WLan-, Infrarot-, Barcode-, UPC-
(Universal Product Code) , RFID- (Radio Frequency Identification) oder Funk-Schnittstellen in Betracht kommen. Bei hardwaregebundenen Schnittstellen werden die jeweiligen Schnittstellenteile am Werkzeug und am Vibrationsdosimeter im oder am Gehäuse des Werkzeugs in Kommunikationsverbindung gebracht .
Über die Schnittstelle können ggf. auch zusätzliche Gerätefunktionen übertragen werden, beispielsweise verschiedene Betriebszustände des Werkzeugs. So können bei Bohrhämmern der Schlagbohrbetrieb und der Meißelbetrieb unterschieden werden, die verschiedenartige Belastungen auf die bedienende Person ausüben.
Die Übertragung über die Schnittstelle kann sowohl vom
Vibrationsdosimeter in Richtung auf das Werkzeug als auch in Gegenrichtung erfolgen. Der Vibrationskennwert wird von einem Speicher im Werkzeug oder im Netzstecker auf das Vibrationsdosimeter übertragen und dort einer weiteren Verarbeitung unterzogen, in Gegenrichtung können von dem
Vibrationsdosimeter über die Schnittstelle beispielsweise bei Erreichen eines Grenzwertes Deaktivierungssignale zum Abschalten des Werkzeugs übertragen werden.
Um die Vibrationsbelastung auf eine Bedienungsperson kumulativ ermitteln zu können, ist im Vibrationsdosimeter zweckmäßig eine Speichereinrichtung vorgesehen, in der insbesondere die aktuelle
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Betriebsdauer und/oder aktuelle Belastungswerte abgespeichert werden können. Dadurch ist es möglich, bei einem Wechsel des Werkzeugs das Vibrationsdosimeter personengebunden auf das neue Werkzeug zu übertragen, wobei die Betriebsdauer bzw. die Belastungsdauer aus dem vorangegangenen Arbeitsvorgang über die Speichereinrichtung im Vibrationsdosimeter berücksichtigt und zu der aktuellen Vibrationsbelastung hinzuaddiert werden können. Über die Berücksichtigung des jeweils geltenden Vibrationskennwerts lässt sich kumulativ eine zulässige Gesamtbelastung ermitteln, ungeachtet eines etwaigen Wechsels des Werkzeugtyps. Der jeweils werkzeugspezifische Belastungswert ermittelt sich hierbei aus der effektiven Betriebsdauer und dem jeweiligen Vibrationskennwert.
Das Vibrationsdosimeter weist darüber hinaus vorteilhafterweise auch eine Anzeigeeinrichtung auf, um den aktuellen Status der Vibrationsbelastung darzustellen .
Weitere Vorteile und zweckmäßige Ausführungen sind den weiteren Ansprüchen, der Figurenbeschreibung und den Zeichnungen zu entnehmen. Es zeigen:
Fig. 1 eine perspektivische Darstellung eines Handwerkzeugs, mit einem aufsetzbaren Vibrationsdosimeter, das über eine Schnittstelle mit einer Steuerungseinrichtung des Werkzeugs zu verbinden ist,
Fig. 2 eine schematisierte Darstellung des
Vibrationsdosimeters einschließlich diverser Schnittstellen,
Fig. 3 das zwischen den Netzstecker des Handwerkzeugs und die Steckdose zwischengeschaltete
Vibrationsdosimeter,
Fig. 4 das Vibrationsdosimeter aus Fig. 3 einschließlich eingestecktem Netzstecker in vergrößerter
Darstellung, Fig. 5 der Netzstecker des Handwerkzeugs in zwei Ansichten.
Bei dem in Fig. 1 dargestellten Werkzeug 1 handelt es sich um eine handgeführte Werkzeugmaschine, insbesondere einen Bohrhammer. Das Vibrationsdosimeter 2 wird auf das Gehäuse des Werkzeugs 1 aufgesetzt und ist mit einer Schnittstelle 3 versehen, die in Kommunikationsverbindung mit einem Steuerungsgerät tritt, welches im Werkzeug 1 angeordnet ist. Die Schnittstelle 3 ist bevorzugt als drahtlose Kommunikationsschnittstelle ausgeführt, beispielsweise als Bluetooth- oder Infrarot-Schnittstelle. Gegebenenfalls kommt aber auch eine Hardwareverbindung der Schnittstelle 3 am Vibrationsdosimeter 2 mit einer zugeordneten, geräteseitigen Schnittstelle des Steuergerätes in Betracht. Das Vibrationsdosimeter 2 wird in der Weise am Gehäuse des Werkzeugs 1 angeordnet, dass ein versehentliches Lösen des Dosimeters durch die Vibrationen und Schwingungen des Werkzeugs ausgeschlossen ist.
Gegebenenfalls kommt auch eine Anordnung des Vibrationsdosimeters 2 innerhalb des Gehäuses des Werkzeugs in Betracht. Auch in diesem Fall ist aber vorteilhaft das Vibrationsdosimeter lösbar mit dem Steuergerät im Werkzeug zu verbinden .
Wie der schematisierten Darstellung gemäß Fig. 2 zu entnehmen, weist das Vibrationsdosimeter 2 verschiedene Baueinheiten auf, die untereinander bzw. mit der Steuerungseinrichtung im Werkzeug kommunizieren. Das Vibrationsdosimeter 2 besteht aus einem Netzteil 4, einer Anzeige- und Bedieneinrichtung 5 und einer Auswerteelektronik 6, die verschiedene Rechnerfunktionen ausführt bzw. umfasst. In der Auswerteelektronik 6 ist eine Betriebsdauer-Ermittlungseinrichtung zur Ermittlung der effektiven Betriebsdauer des Werkzeugs realisiert, außerdem befindet sich in der Auswerteelektronik eine Recheneinrichtung zur Berechnung der zulässigen Arbeitszeit an dem Werkzeug als
Funktion eines werkzeugspezifischen Vibrationskennwerts. Dieser Vibrationskennwert wird automatisch über die Schnittstelle 3 vom
Steuergerät des jeweiligen Werkzeugs eingelesen, wodurch sich eine manuelle Eingabe des Vibrationskennwerts in das Vibrationsdosimeter 2 erübrigt. Vorteilhafterweise umfasst die Auswerteelektronik 6 auch eine Speichereinrichtung zum Abspeichern und Wiederauslesen der Betriebsdauer und/oder von Belastungswerten, die bei Arbeiten an dem Werkzeug bereits angefallen sind und für eine Wiederaufnahme der Arbeit am gleichen Werkzeug oder einem anderen Werkzeug kumulativ berücksichtigt werden. In die Auswerteelektronik kann außerdem eine Abschalteinrichtung zum Abschalten des Werkzeugs bei Überschreitung eines Grenzwerts integriert sein.
Die Anzeige- und Bedieneinrichtung 5 dient zur Darstellung des aktuellen Status der Vibrationsbelastung sowie der manuellen Eingabe bzw. Steuerung des Vibrationsdosimeters .
Die Schnittstelle 3 ist als drahtlose
Kommunikationsschnittstelle ausgeführt. Zusätzlich ist eine Hardware-Schnittstelle 8 vorgesehen, die mit einer zugeordneten Schnittstelle auf Seiten der Steuereinrichtung im Werkzeug verbunden werden kann, so dass ein Datenaustausch auch über die Hardware-Schnittstelle 8 durchgeführt werden kann.
Des Weiteren ist eine PC-Schnittstelle 7 zum Datenaustausch mit einem Computer vorgesehen.
Über einen Netzstecker 9 ist das Vibrationsdosimeter mit einer Stromquelle zu verbinden.
In der Auswerteelektronik 6 wird die effektive Betriebsdauer des Werkzeugs ermittelt, insbesondere als Funktion von Messwerten, die von einer Messeinheit des Vibrationsdosimeters zur Ermittlung der Vibrationen des Werkzeugs dienen. Die Messeinheit misst beispielsweise die auftretenden Beschleunigungen. Die zulässige, maximale Arbeitszeit an dem Werkzeug wird in der Auswerteelektronik als Funktion des werkzeugspezifischen Vibrationskennwerts ermittelt, der über die Schnittstelle in das
Vibrationsdosimeter eingelesen wird. Anschließend wird in der Auswerteelektronik ein Vergleich mit der zuvor ermittelten effektiven Betriebsdauer durchgeführt, wobei je nach Ergebnis des Vergleichs weitere Maßnahmen wie die Anzeige in der Anzeigeeinrichtung oder eine Deaktivierung des Werkzeugs durchgeführt werden.
In den Figuren 3 bis 5 ist ein weiteres Ausführungsbeispiel dargestellt, bei dem das Vibrationsdosimeter 2 sich zwischen dem Netzstecker 11 des Werkzeugs 1 und der Steckdose befindet. Der Netzstecker 11 am Stromkabel 10 des Werkzeuges 1 wird in die Schnittstelle 3 (Fig. 4) des Vibrationsdosimeters 2 eingesteckt, das über den Netzstecker 9 verfügt, welcher in die Steckdose eingesteckt wird. Gemessen wird in diesem Fall von dem Vibrationsdosimeter 2 die Stromaufnahme des Werkzeuges 1.
Wie Fig. 4 zu entnehmen, verfügt das Vibrationsdosimeter 2 über ein verhältnismäßig großes Display als Bestandteil der Anzeige- und Bedieneinrichtung 5. In dem Display wird der aktuelle Belastungszustand dargestellt.
Am Netzstecker 11 des Werkzeuges befindet sich, wie Fig. 5 zu entnehmen, ein RFID-Chip 12, über den der werkzeugspezifische Vibrationskennwert des Werkzeuges 1 auf das Vibrationsdosimeter 2 zur Weiterverarbeitung übertragen wird. Der Vibrationskennwert wird von dem RFID-Chip 12 über die Schnittstelle 3 in die Auswerteelektronik des Vibrationsdosimeters eingespeist.