Beschreibung
Regelverfahren und Regelvorrichtung mit mehrkanaliger Rückführung
Die Erfindung betrifft ein Regelverfahren, insbesondere ein Stromregelverfahren für induktive Lasten, wie z. B. Servomotoren. Das Regelverfahren zeichnet sich durch eine zwei- bzw. mehrkanalige Auswertung der Regelgröße aus, mit der eine schnelle und genaue Regelung realisiert werden kann. Die vor¬ zugsweise mithilfe der Pulsweitenmodulation realisierte Rege¬ lung weist eine hohe Störunterdrückung und gleichzeitig eine hohe Bandbreite auf. Die Erfindung betrifft auch eine ent¬ sprechende Regelvorrichtung mit einer zwei- bzw. mehrkanali- gen Rückführung.
Viele technische Prozesse erfordern das Halten einer Regel¬ größe auf einem durch eine Führungsgröße vorgegebenen Soll¬ wert. Hierzu werden Regelsysteme verwendet, bei denen die Re- gelgröße fortlaufend erfasst, mit der Führungsgröße vergli¬ chen und abhängig von diesem Vergleich über entsprechendes Einstellen einer Stellgröße im Sinne einer Angleichung an die Führungsgröße angepasst wird. Der daraus entstehende Wir¬ kungsablauf findet in einem geschlossenen Regelkreis statt. Abhängig von der jeweiligen Anwendung kommen als Regelgröße verschiedene physikalischen Größen in Frage, z. B. Druck, Temperatur, Drehzahl, Geschwindigkeit, Spannung, Stromstärke, etc. Dabei können die für einen geschlossenen Regelkreis charakteristischen und für den Wirkungsablauf notwendigen Kompo- nenten, z. B. Mess-, Vergleichs-, Regel- oder Stelleinrichtung, je nach Anwendung sehr unterschiedlich ausfallen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen, werden moderne Regelsysteme fast ausschließlich schaltungstechnisch realisiert. Dies trifft vor allem auf komplexere Regelsysteme zu. Das Spektrum dieser Regelsysteme reicht dabei von einfachen analogen Regelschal¬ tungen bis zu digitalen Reglern. Neben einer schaltungstechnischen Lösung kann ein digitaler Regelalgorithmus auch in
Form eines Programms realisiert werden, das auf einem Mikro¬ prozessor oder in einen programmierbaren Baustein (FPGA) abläuft. Aufgrund der digitalen Signalverarbeitung und der damit verbundenen Modifizierbarkeit eignet sich der Digitalreg- ler besonders gut für komplexere Regelaufgaben, bei denen es auf eine besonders hohe Genauigkeit und exakt reproduzierbare Parameter ankommt.
Bei den Reglern kann unter anderem zwischen stetigen Reglern und Abtastreglern unterschieden werden. Einen typischen stetigen Regler stellt ein analoger Regler dar. Da der analoge Regelalgorithmus praktisch ohne Verzögerungen auf Änderungen der Eingangsgröße reagieren und eine entsprechende Ausgangs¬ größe auf seinem Ausgang legen kann, bestehen Eingangs- und Ausgangsgröße dieses Reglertyps charakteristischer Weise aus kontinuierlichen Signalen. Im Unterschied hierzu handelt es sich bei einem digitalen Regler um einen Abtastregler. Seine Übertragungsfunktion wird durch eine Folge arithmetischer O- perationen realisiert, die nacheinander durchgeführt werden. Aufgrund der benötigten Rechenzeit für den digitalen Regelal¬ gorithmus tritt zwischen dem Erfassen der Eingangsgröße und dem Ausgeben der Ausgangsgröße eine zeitliche Verzögerung auf. Da während der Ausführung des Regelalgorithmus typi¬ scherweise keine erneute Erfassung und Berechnung der Ein- gangsgröße stattfindet, wird die Regelgröße nicht kontinuier¬ lich, sondern nur zu bestimmten Abtastzeitpunkten erfasst. Folglich liefert die digitale Abtastung diskontinuierliche, zeitdiskrete Signale, wobei die Signalgröße nur zu diskreten Zeitpunkten vorliegt. Die Zeit zwischen zwei aufeinander fol- genden Abtastzeitpunkten (Zykluszeit TA) bestimmt die Abtast¬ rate bzw. die Abtastfrequenz fA. Eine hohe Abtastrate ist notwendig, um auch höherfrequente Signalanteile der Regelgrö¬ ße erfassen zu können. Die für einen Digitalregler kennzeichnende obere Grenze der Abtastrate wird in erster Linie durch die für den Rechenalgorithmus benötigte Rechenzeit bestimmt. Sie hängt somit von der Rechengeschwindigkeit des verwendeten Mikroprozessors, MikroControllers bzw. vom FPGA ab.
Zur Realisierung eines Regelsystems werden Regler benötigt, die ein auf die jeweilige Anwendung zugeschnittenes Regelver¬ halten aufweisen. Hierzu existiert eine Reihe einfacher Re- gelglieder, deren charakteristische Regeleigenschaften sich jeweils mittels elementarer Übertragungsfunktionen beschreiben lassen. Durch Kombination mehrerer solcher Regelglieder lassen sich komplexere Regler aufbauen, deren Regelverhalten besser an die Vorgaben der jeweiligen Anwendung angepasst werden kann.
Eine typische Reglerkombination stellt z. B. der PI-Regler dar. Dieser Reglertyp umfasst einen Proportionalregler und einen parallel dazu geschalteten Integralregler. Während das Proportionalglied den Eingangswert mit einem festen Faktor multipliziert, führt das Integralglied eine parametrierbare zeitliche Integration der Regelabweichung durch. Der relativ schnelle Proportionalregler bildet dabei eine gute Ergänzung zu dem vor allem auf länger andauernde Regelabweichungen an- sprechenden Integralregler. Da der PI-Regler die Regeleigenschaften seiner beiden Komponenten in sich vereinigt, kann er sowohl relativ schnell auf Änderungen der Regel- oder Führungsgröße reagieren als auch kleine statische Regelabwei¬ chungen stationär gegen Null führen. Ein solches Regelverhal- ten ist in vielen technischen Anwendungen gewünscht, was mitunter den Grund für eine weite Verbreitung dieses Reglertyps darstellt .
Ein sehr wichtiges Anwendungsgebiet des PI-Reglers stellt die Stromregelung elektrischer Antriebe dar. Solche Antriebe weisen als zentrale Komponente einen Elektromotor auf, der als Energiewandler die ihm zugeführte elektrische Energie in me¬ chanische Energie umsetzt. Die mechanische Energie stellt ein rotatorischer Motor als Drehbewegung an einer Motorwelle zur Verfügung, während ein Linearmotor diese als Translation an einem beweglichen Schlitten zur Verfügung stellt. Dabei tritt abhängig von der zugeführten elektrischen Energie an der Mo-
torwelle bzw. am Motorschlitten ein bestimmtes Drehmoment bzw. eine bestimmte Kraft auf, woraufhin die Motorwelle bzw. der Motorschlitten abhängig von den wirksamen Gegenkräften eine Bewegung ausführt. Um diese Bewegung zu steuern, weist der elektrische Antrieb eine Stromregelvorrichtung auf, die einen zentralen Regelkreis einer Antriebssteuerung bildet. Mithilfe der vorzugsweise auf einem PI-Regler aufbauenden Stromregelvorrichtung wird der durch die Motorwicklung fließende Strom und damit die vom Elektromotor abgegebene mecha- nische Energie unmittelbar beeinflusst. Um die dem Elektromo¬ tor zugeführte elektrische Energie zu portionieren, wird eine Stelleinrichtung verwendet. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, die an der Motorwelle bzw. am Motorschlitten wirkenden Kräfte entsprechend der Vorgabe des PI-Reglers einzustellen. Stell- einrichtungen moderner elektrischer Antriebe verwenden Leistungshalbleiter, wie z. B. Leistungstransistoren, über die die elektrische Energiezufuhr zum Motor an- und abgeschaltet werden kann.
Lagegeregelte Antriebe und insbesondere die in der indus¬ triellen Fertigung eingesetzte Servoantriebe benötigen eine sehr genaue Stromregelung, um das Drehmoment bzw. die Kraft und die sich daraus ergebende Bewegung des Servomotors präzi¬ se steuern zu können. Eine schnelle und genaue Stromregelung ist ferner für eine hohe Steifigkeit des Antriebs und hohe Kreisverstärkungen eines überlagerten Drehzahlregelkreises erforderlich. Mithilfe einer genauen Stromregelung können auch Vorsteuerungen effizient genutzt werden. Eventuell auf¬ tretende Strom- bzw. Drehmomentfehler müssen dann nicht erst vom langsameren Drehzahlregler kompensiert werden.
Da für eine schnelle Reaktion des Regelkreises auf Schwankun¬ gen der Regelgröße die genaue Kenntnis des aktuellen Istwerts der Regelgröße notwendig ist, ist die Schnelligkeit und die Genauigkeit der Istwert-Erfassung eine äußerst wichtige Ei¬ genschaft des Regelkreises. Zur Erfassung des Istwerts der Regelgröße können grundsätzlich verschiedene Messmethoden
verwendet werden, wobei sich die einzelnen Messmethoden im Hinblick auf ihre Genauigkeit und Schnelligkeit teilweise deutlich unterscheiden. Neben der kontinuierlichen Regelgrößen-Erfassung, die vor allem für analoge Regler charakteris- tisch ist, kann die Regelgröße auch diskontinuierlich mithil- fe eines Abtastverfahrens erfasst werden. Insbesondere bei digitalen Reglern ist das Abtasten der Regelgröße mit einer durch den Arbeitstakt des Reglers vorgegeben Abtastfrequenz üblich .
Beim Abtasten der Regelgröße muss allerdings das Abtasttheo¬ rem berücksichtigt werden, um mögliche Messfehler durch hö- herfrequente Anteile des Messsignals zu vermeiden. Hierzu bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Zum einen kann die Re- gelgröße mithilfe eines Anti-Aliasing-Tiefpassfilters bandbe¬ grenzt werden. Hierbei werden hochfrequente Anteile des Mess¬ signals herausgefiltert. Allerdings eignet sich diese Methode aufgrund der damit verbundenen Phasenverschiebung nicht für jede Anwendung. Die höherfrequenten Anteile können ferner durch eine Mittelung der Messwerte über einen geeigneten
Zeitraum unterdrückt werden. Als geeigneter Zeitraum bietet sich insbesondere bei einem mithilfe einer Pulsmodulation, wie z. B. einer Pulsweitenmodulation (PWM), arbeitenden Regelverfahren eine Schaltperiode der Pulsmodulation an. Aller- dings bringt die mit der Mittelwertbildung verbundene zusätz¬ liche Totzeit ebenfalls eine unerwünschte Phasenverschiebung mit sich. Schließlich kann die Regelgröße bei einem Regelverfahren, das eine Pulsmodulation zum Einstellen der Regelgröße nutzt, auch synchron zu der Pulsmodulation abgetastet werden. Diese Messmethode ist allerdings abhängig von der Existenz und der Kenntnis bestimmter oberschwingungsfreier Zeitpunkte der Regelgröße, was sie auch sehr anfällig gegenüber Störungen macht .
Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Stromregelung bereitzustellen, die die Vorteile mehrerer Messmethoden miteinander kombiniert,
ohne jedoch die Nachteile der einzelnen Methoden aufzuweisen. Diese Aufgabe wird durch ein Regelverfahren nach Anspruch 1, eine Regelvorrichtung nach Anspruch 12 sowie ein Regelsystem nach Anspruch 26 gelöst. Weitere vorteilhafte Ausführungsfor- men der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben .
Gemäß der Erfindung ist ein Regelverfahren vorgesehen, bei dem eine erste Rückführgröße durch Abtasten einer Regelgröße mit einer bestimmten Abtastfrequenz ermittelt wird, wobei der Istwert der Regelgröße jeweils zu einem durch die Abtastfre¬ quenz vorgegebenen Zeitpunkt erfasst und als erste Rückführ¬ größe zur Verfügung gestellt wird. Eine erste Regelabweichung wird anschließend durch einen Vergleich der ersten Rückführ- große mit einer Führungsgröße ermittelt. Mithilfe eines ers¬ ten Reglers wird dann aus der ersten Regelabweichung eine erste Einzelreglerausgangsgröße gebildet. Ferner wird eine zweite Rückführgröße durch Mitteln der Regelgröße über einen Zeitraum ermittelt, wobei der Istwert der Regelgröße z. B. über den gesamten Abtastzyklus erfasst und ein Mittelwert der in diesem Zeitraum erfassten Istwerte gebildet wird, der als die zweite Rückführgröße zur Verfügung gestellt wird. An¬ schließend wird eine zweite Regelabweichung durch einen Vergleich der zweiten Rückführgröße mit der Führungsgröße ermit- telt. Aus der so gebildeten zweiten Regelabweichung wird eine zweite Einzelreglerausgangsgröße gebildet. Schließlich wird aus der Summe der beiden Einzelreglerausgangsgrößen eine Reglerausgangsgröße gebildet, die zum Einstellen der Regelgröße verwendet wird, so dass die Regelgröße der Führungsgröße folgt. Vorteilhaft dabei ist, dass durch die Kombination der beiden Messmethoden zwei unterschiedliche Messwerte des Ist¬ werts der Regelgröße zur Verfügung stehen, die sich hinsicht¬ lich der Eigenschaften Genauigkeit und Schnelligkeit deutlich voneinander unterscheiden. Während die Abtastung sehr aktuel- Ie Messwerte liefert und somit eine schnelle Regelung ohne zusätzliche Totzeit ermöglicht, ist durch die Mittelwertbil¬ dung eine Unterdrückung hochfrequenter Störungen und damit
ein genauer Messwert möglich. Indem beide Messwerte als sepa¬ rate Rückführgrößen zwei verschiedenen Regelgliedern zur Verfügung gestellt werden, lässt sich das Regelverhalten jedes einzelnen Regelglieds und damit auch des Gesamtreglers opti- mieren.
In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, dass die erste Einzelreglerausgangsgröße mithilfe eines Proportionalreglers gebildet wird. Ferner soll die zweite Einzelreglerausgangsgröße aus der zweiten Regelabwei¬ chung mithilfe eines Integralreglers gebildet werden. Durch die Verwendung eines Proportionalreglers als ersten Regler steht diesem schnellen Reglertyp die mithilfe der Abtastung gewonnene aktuelle erste Regelabweichung zur Verfügung. Hin- gegen steht dem zweiten Regler ein sehr genauer Wert für die Regelabweichung zur Verfügung. Bei Verwendung eines Integralreglers kann die Genauigkeit dieses Reglertyps noch weiter erhöht werden kann. Durch die Optimierung der beiden Einzelregler können die Vorteile beider Regler genutzt werden. Der kombinierte Regler weist somit die die Vorteile beider Mess¬ methoden / Reglertypen auf, wobei die Nachteile der beiden Messmethoden / Einzelregler im Wesentlichen kompensiert werden .
Eine vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung sieht vor, dass die zweiten Rückführgröße durch eine Integration des Istwerts der Regelgröße über den Zeitraum, wie z. B. eine PWM-Schaltperiode, ermittelt wird. Die Integration erlaubt eine besonders schnelle Mittelwertbildung, die sich darüber hinaus relativ einfach realisieren ist.
In einer weiteren vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung wird die Regelgröße mittels einer mit einer Schaltfrequenz getakteten Stellgröße eingestellt. Dabei erfolgt das Abtasten der Regelgröße mit der doppelten Schaltfrequenz.
Ferner wird der Mittelwert der Regelgröße über einen Zeitraum gebildet, der einer durch die Schaltfrequenz der Stellgröße
vorgegebene Schaltperiode entspricht. Beide Methoden sind ge¬ eignet solche Messfehler zu minimieren, die aufgrund der aus der Taktung der Stellgröße bei der Regelgröße resultierenden Oberschwingungen auftreten. Vorteilhaft ist es, wenn das Ab- tasten der Regelgröße synchron zu dem Taktsignal erfolgt, mithilfe dessen die Stellgröße getaktet wird. Hierdurch ist es besonders einfach möglich, die Abtastung zu Zeitpunkten durchzuführen, die oberschwingungsfrei sind. Dies wiederum erlaubt genauere Messungen.
Eine weitere vorteilhafte Ausführung der Erfindung sieht vor, dass die Taktung der Stellgröße mithilfe einer Pulsweitenmo¬ dulation erfolgt. Die Pulsweitenmodulation eignet sich besonders gut zum Einstellen einer Stellgröße, wie z. B. der Mo- torspannung. Die typischerweise für Pulsweitenmodulation verwendete feste Schaltfrequenz ermöglicht mit den oben genannten Maßnahmen eine besonders genaue Messung der Regelgröße. Da die Pulsweitenmodulation stets mit einer begrenzten Anzahl von Schaltzuständen arbeitet, kann durch den Einsatz eines Pulsweitenmodulators die Stelleinrichtung und damit das je¬ weilige Regelsystem besonders einfach und kostengünstig rea¬ lisiert werden.
In einer weiteren vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, dass die Regelgröße mithilfe eines Digital¬ reglers geregelt wird. Dieser Reglertyp erlaubt eine sehr ge¬ naue Regelung und kann aufgrund seiner Modifizierbarkeit der jeweiligen Anwendung optimal angepasst werden. Sofern die Digitalisierung analoger Signale mithilfe eines Delta-Sigma- Modulators erfolgt, kann der Algorithmus zur Abtastung bzw. zur Integration der Regelgröße kostengünstig in handelsübli¬ chen programmierbaren Logikbausteinen implementiert werden.
Eine vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung sieht vor, dass als Regelgröße der Strom einer Last geregelt wird. Da die Regelgenauigkeit in vielen Stromregelanwendungen eine wesentliche Eigenschaft darstellt, kann mithilfe der Erfindung
besonders einfach eine geeignete Stromregelvorrichtung reali¬ siert werden. Das ist beispielsweise bei Stromreglern für e- lektrische Antriebe der Fall. Da insbesondere Servomotoren eine besonders präzise Stromregelung benötigen, lässt sich mithilfe der erfindungsgemäßen Regelvorrichtung besonders kostengünstig eine schnelle und genaue Servoregelung reali¬ sieren .
Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfin- düng umfasst eine Regelvorrichtung eine Messeinrichtung, die eine erste Rückführgröße durch Abtasten der Regelgröße ermit¬ telt, indem der Istwert der Regelgröße jeweils zu einem durch die Abtastfrequenz bestimmten Zeitpunkt erfasst und als erste Rückführgröße bereitgestellt wird. Ferner ermittelt die Mess- einrichtung eine zweite Rückführgröße durch Mitteln der Re¬ gelgröße, indem der Istwert der Regelgröße über einen Zeit¬ raum erfasst, gemittelt und der gemittelte Istwert als zweite Rückführgröße bereitgestellt wird. Ferner weist die Regelvor¬ richtung eine Vergleichseinrichtung mit einem ersten und ei- nem zweiten Vergleichsglied auf. Jeder der beiden Vergleichs¬ glieder empfängt über einen separaten Kanal jeweils eine Rückführgröße und bildet aus ihr durch einen Vergleich mit einer Führungsgröße jeweils eine eigene Regelabweichung. Die Regelvorrichtung umfasst ferner eine Regeleinrichtung mit ei- nem ersten und einem zweiten Regler, wobei der erste Regler aus der ersten Regelabweichung eine erste Einzelregleraus¬ gangsgröße und der zweite Regler aus der zweiten Regelabwei¬ chung eine zweite Einzelreglerausgangsgröße bildet. Eine Sum¬ miereinrichtung der Regelvorrichtung bildet aus den beiden Einzelreglerausgangsgrößen eine gemeinsame Reglerausgangsgrö¬ ße, die eine Stelleinrichtung zum Einstellen der Regelgröße verwendet .
Schließlich sieht eine weitere vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung vor, dass die Messeinrichtung eine Integriereinrichtung umfasst, um den gemittelten Istwert durch eine Integration der Regelgröße über den Zeitraum zu bilden. Mit-
hilfe eines Integralgliedes lässt sich die Mittelwertbildung besonders einfach realisieren.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 ein Blockschaltbild eines Regelkreises zur Stromrege¬ lung einer Last mithilfe eines PI-Reglers und einer Pulswei¬ tenmodulation, Fig. 2 einen zeitlichen Spannungs-/Stromverlauf bei einer mithilfe der Pulsweitenmodulation realisierten Stromregelung, Fig. 3 einen zeitlichen Spannungs-/Stromverlauf bei einer Strommessung mithilfe eines Anti-Aliasing Tiefpassfilters, Fig. 4 einen zeitlichen Spannungs-/Stromverlauf bei einer Strommessung durch Integration über eine Periode der Schaltfrequenz,
Fig. 5 einen zeitlichen Spannungs-/Stromverlauf bei einer Strommessung durch synchrones Abtasten des Stromverlaufs zu bestimmten oberschwingungsfreien Zeitpunkten, Fig. 6A ein Blockschaltbild eines neuen Stromreglers mit ei¬ ner zweikanaligen Stromrückführung,
Fig. 6B ein Blockschaltbild eines neuen Stromreglers mit ei¬ ner dreikanaligen Stromrückführung, Fig. 7 ein Blockschaltbild einer neuen Stromregelvorrichtung für einen Servomotor,
Fig. 8 ein Blockschaltbild eines Stromreglers für einen Dreh¬ strommotor, bei dem zwei verschiedene Stromkomponenten unabhängig voneinander erfasst und geregelt werden, und Fig. 9 ein Blockschaltbild eines Regelsystems mit einer der Stromregelvorrichtung überlagerten Drehzahlregelvorrichtung.
Im Folgenden soll die Erfindung anhand eines Stromreglers für einen Elektromotor näher erläutert werden. Sie ist jedoch ohne weiteres auch auf andere Regler anwendbar.
Die Figur 1 zeigt die geschlossenen Wirkungsablauf einer ty¬ pischen Stromregelvorrichtung. Dabei wird als Regelgröße x
der Strom i einer Last, insbesondere einer induktiven Last, wie z. B. eines Elektromotors geregelt. Die Regelvorrichtung 1 umfasst mehrere miteinander zusammenwirkende Komponenten, die einen geschlossenen Regelkreis bilden. Als Führungsgröße w der Stromregelvorrichtung 1 dient ein Stromsollwert xsoii, der z. B. von einem übergeordneten Drehzahlregelkreis 2 bereit gestellt wird. Ein Vergleichsglied 20, das den Eingangs¬ bereich der Regelvorrichtung 1 bildet, vergleicht den Stromsollwert Xsoii mit einem Strom-Istwert xlst des durch die Mo- torwicklung fließenden Stroms x. Der Strom-Istwert xlst wird mithilfe einer Messeinrichtung 10 erfasst und dem Vergleichs¬ glied 20 als Rückführgröße r über einen Rückkopplungskanal bereitgestellt. Die vom Vergleichsglied 20 gebildete Regelab¬ weichung e wird einer Regeleinrichtung 30 zur Verfügung ge- stellt, die aus der Regelabweichung e mithilfe ihrer Übertra¬ gungsfunktion eine Reglerausgangsgröße m bildet. Die Regler¬ ausgangsgröße m dient zur Steuerung einer Stelleinrichtung 50. Als Stromregler 30 wird in der Regel ein PI-Regler verwendet, dessen Regelverhalten der jeweilige Anwendung ange- passt wird. Der PI-Regler 30 umfasst einen Proportionalregler (proportionales Glied mit Proportionalbeiwert KP) und einen parallel dazu wirkenden Integralregler (integrales (I-) Glied mit Integrierbeiwert K1 = KP / Tn und Nachstellzeit Tn) . Jeder der beiden Einzelregler bildet dabei aus der an seinem Ein- gang anliegenden Eingangsgröße e eine eigene Einzelregleraus¬ gangsgröße. Die beiden Einzelreglerausgangsgrößen werden dann zu einer gemeinsamen Regelausgangsgröße m summiert, die einer Stelleinrichtung 50 zugeführt wird. Die Stelleinrichtung 50 umfasst im vorliegenden Fall einen Pulsweitenmodulator, um den durch die Reglerausgangsgröße m vorgegebenen Wert für die Motorspannung in ein pulsweitenmoduliertes Stellsignal umzu¬ setzen. Das Stellsignal dient zur Ansteuerung von Leistungsschaltern eines Stellers, wodurch eine Taktung der an der Motorwicklung anliegenden Spannung erzielt wird. Der hieraus resultierende Motorstrom x wird durch die integrie¬ rende Wirkung der Motorwicklung L geglättet. Wie das Blockschaltbild der Figur 1 verdeutlicht, können verschiedene
Störgrößen z auf die Regelstrecke einwirken und so die Regel¬ größe Strom x negativ beeinflussen.
Die Figur 2 zeigt den prinzipiellen Spannungs- und Stromver- lauf eines Elektromotors bei einer Pulsweitenmodulation
(PWM) . Die Motor- bzw. Spulenspannung wird dabei durch die Pulsweitenmodulation in zeitdiskreter Form vorgegeben. Typisch für diese Ansteuerungsmethode ist, dass die Breite der einzelnen PWM-Pulse unmittelbar mit der zeitlichen Entwick- lung der Eingangswerte des Pulsweitenmodulators korreliert ist und die Spannungsänderung im Raster eines durch eine Schaltfrequenz fs der Pulsweitenmodulation vorgegebenen Zeitintervalls T3 erfolgt. Die so erzeugte Ansteuerspannung weist einen nahezu rechteckförmigen Verlauf mit nur zwei Spannungs- niveaus auf. Typischerweise weist die pulsweitenmodulierte
Spannung sehr steile Flanken auf, um mögliche Schaltverluste zu minimieren. Die gewünschte Grundwelle der Ansteuerspannung ergibt sich durch das schnelle Schalten zwischen den beiden Spannungszuständen . Die Pulsweitenmodulation verwendet in der Regel konstante Frequenzen, wie z. B. 4 kHz, 8 kHz oder 16 kHz. Als PWM-Trägersignal dient im vorliegenden Fall eine dreieckförmige Spannung. Aufgrund der glättenden Wirkung der Motorwicklung L folgt der Spulenstrom x der Spulenspannung nur sehr träge. Hierdurch ergibt sich ein sägezahnartiger Stromverlauf, wobei der Spulenstrom mit der Schaltfrequenz T3 der Pulsweitenmodulation um den Mittelwert hin und her pendelt. Die als Oberschwingung des Spulenstroms x wirkende Pen¬ delbewegung des Spulenstroms kann aufgrund möglicher Alia- sing-Effekte zu einer erheblichen Verfälschung der Abtastmes- sung führen. Eine fehlerhafte Messung resultiert letztendlich in einem insbesondere im Hinblick auf Genauigkeit schlechte¬ ren Regelverhalten des Stromregelkreises 1 und damit auch des übergeordneten Drehzahlregelkreises 2.
Um diese Abtastfehler zu vermeiden und somit das Regelverhal¬ ten des Regelkreises zu optimieren, muss das Abtasttheorem
beachtet werden. Dies lässt sich mithilfe verschiedener Mess¬ methoden erreichen.
Durch die Verwendung eines geeigneten Anti-Aliasing- Tiefpassfilters können die höherfrequenten Anteile des Spu¬ lenstroms eliminiert werden. Hierdurch ergibt sich für den gefilterten Spulenstrom x' ein in der Figur 3 gezeigter Verlauf, der im Wesentlichen dem Mittelwert des ungefilterten Spulenstroms x entspricht. Allerdings bewirkt die Verwendung eines Anti-Aliasing Tiefpass-Filters erster Ordnung eine Pha¬ senverschiebung von bis zu 90°, durch die die Phasenreserve des Regelkreises und damit auch die maximal mögliche Kreis¬ verstärkung deutlich verringert wird. Dies macht diese Mess¬ methode insbesondere für die industrielle Praxis weniger ge- eignet.
Eine weitere Messmethode zur genauen Erfassung des Istwerts xlst der Regelgröße Strom x stellt die Mittelwertbildung dar. Bei der z. B. auch in digitalen Multimetern verwendeten Me- thode wird der Messwert x über einen geeigneten Zeitraum er- fasst und ein Mittelwert aus den erfassten Messwerten gebil¬ det. Die Erfassung des Messwerts kann sowohl kontinuierlich, als auch mittels schneller Abtastung erfolgen. Als geeigneter Zeitraum kommt bei der Verwendung der Pulsweitenmodulation insbesondere eine PWM-Schaltperiode T3 infrage. Eine solche Mittelwertbildung über eine PWM-Schaltperiode T5 ist in der Figur 4 dargestellt. Da die zeitliche Entwicklung der Strom¬ stärke x des Servomotors sich mithilfe einer stetigen Funkti¬ on beschreiben lässt, kann die Bestimmung des Mittelwerts des Strom-Istwerts xlst durch eine Integration über eine PWM- Periode T3 erfolgen:
χi* = 7~ \xdt
Wie aus der Figur 4 ersichtlich, ist die durch die Integration unterhalb der Stromkurve gebildete Fläche proportional zum mittleren Strom-Istwert xint in der PWM-Periode T5. Um den
tatsächlichen mittleren Strom-Istwert xint in dem Zeitinter¬ vall T5 zu erhalten, wird das Flächenintegral durch die In¬ tegrationszeit T3 dividiert.
Es ist vorteilhaft das Integral über ein Zeitintervall zu bilden, der mit der durch das Taktsignal der Pulsweitenmodu¬ lation vorgegebenen PWM-Periode T3 übereinstimmt. Die Integ¬ ration muss jedoch nicht zwingend genau zwischen den durch das Taktsignal vorgegebenen Zeitpunkten ti, t2, t3, t4 erfol- gen, sondern kann auch dazu zeitlich versetzt stattfinden.
Wie aus der Figur 4 ersichtlich ist, heben sich durch die Integration über eine vollständige PWM-Periode die durch die Pulsweitenmodulation bedingten oberen und unteren Ausschläge des Stromsignals im Idealfall gegenseitig auf. Das hierbei ermittelte Integral gibt dann in sehr guter Näherung den je¬ weiligen mittleren Strom-Istwert wieder. Allerdings ist es nicht zwingend notwendig, dass die Mittelwertbildung über ei¬ ne ganze PWM-Periode erfolgt. Beispielsweise kann als Integ¬ rationszeitraum auch ein längerer Zeitraum (z. B. ein Vielfa- ches der PWM-Periode) gewählt werden. Auch ein kürzerer Zeit¬ raum als eine PWM-Periode ist grundsätzlich möglich. Allerdings können dann Abweichungen des ermittelten Mittelwerts vom tatsächlichen Mittelwert auftreten, da sich in diesem Fall die durch die Oberschwingung bedingten Ausschläge des Stromsignals gegenseitig nicht vollständig aufheben. Eventu¬ elle Abweichungen vom tatsächlichen Mittelwert können jedoch gegebenenfalls mithilfe einer entsprechenden Korrektur berücksichtigt werden.
Da sich die durch die höherfrequenten Anteile bedingten
Schwankungen des Messsignals bei der Mittelwertbildung typischerweise gegenseitig aufheben, ist diese Messmethode beson¬ ders unempfindlich gegenüber Störungen, die beispielsweise durch Schaltvorgänge oder durch EMV hervorgerufen werden. Da- her eignet sich die grundsätzlich bei allen Pulsmodulations¬ verfahren anwendbare Integralmessung sehr gut für den Einsatz
in der industriellen Praxis, insbesondere dann, wenn eine genaue Regelung erforderlich ist.
Allerdings muss bei der Mittelwertbildung auch eine zusätzli- che Totzeit Tt = T3 / 2 = TA berücksichtigt werden. Dies stellt im Hinblick auf die Istwert-Erfassung in einem Regelkreis einen Nachteil dar, da die durch die zusätzliche Tot¬ zeit Tt verursachte Phasenverschiebung φ = CO-Tt auch hier die Phasenreserve des Regelkreises und damit die maximal mögliche Kreisverstärkung verringert.
Eine besonders schnelle Möglichkeit zur Messung des Strom- Istwerts x
lst bildet hingegen das Abtasten der Regelgröße x zu bestimmten Zeitpunkten ti, t
2, t
3, t
4. Um zu verhindern, dass die Messung durch die höherfrequenten Anteile der Regelgröße x zu sehr verfälscht wird, werden für das Abtasten vorzugs
¬ weise solche Zeitpunkte ti, t
2, t
3, t
4 gewählt, in denen die Regelgröße im Wesentlichen dem Mittelwert entspricht. Dies setzt allerdings voraus, dass solche oberschwingungsfreien Zeitpunkte ti, t
2, t
3, t
4 überhaupt existieren. Darüber hinaus müssen sie auch bekannt sein. Dies ist beispielsweise bei Stromregelverfahren der Fall, die zum Ansteuern des Stroms eine (z. B. mittels Pulsmodulation) getaktete Spannung verwenden. Wie in der Figur 5 gezeigt ist, treten aufgrund der durch die Taktung der Ansteuerspannung verursachten Oszillation des Motorstroms x in einer PWM-Schaltperiode T
5 in der Regel jeweils genau zwei oberschwingungsfreie Zeitpunkte ti, t
2, t
3, t
4 auf. Die Lage dieser Zeitpunkte innerhalb des durch die PWM-Schaltperiode T
3 vorgegebenen Zeitfensters kann von der jeweiligen Methode abhängen, mit der die Ansteuerspannung getaktet wird. Sofern alle Abtastzeitpunkte in einem festen zeitlichen Verhältnis zu dem PWM-Taktsignal liegen, kann die Abtastung mit einer mit dem PWM-Taktsignal korrelierten Abtastfrequenz f
A = 1/T
A erfolgen. Bei Verwendung einer PuIs- weitenmodulation zur Ansteuerung des Motorstroms x stimmen die oberschwingungsfreien Zeitpunkte im Wesentlichen mit den durch das PWM-Taktsignal vorgegebenen Zeitpunkten ti, t
2, t
3,
t
4 überein. Daher kann in einem solchen Fall die Regelgröße x synchron zum PWM-Taktsignal abgetastet werden, d.h. jeweils zu den Zeitpunkten, an denen das dreieckförmige PWM- Trägersignal einen Umkehrpunkt aufweist. Als Abtastfrequenz f
A ist dabei vorzugsweise die doppelte Schaltfrequenz f
s ge
¬ wählt :
Eine höhere Abtastrate ist in der Regel nicht sinnvoll. Hier¬ bei müsste auch die Pulsweitenmodulation schneller schalten, was jedoch technisch in der Regel nicht erwünscht bzw. nicht möglich ist. Auch eine geringere Abtastrate macht wenig Sinn, da die Regelung in diesem Fall unnötig langsam erfolgen würde .
Die Abtastmessung der Regelgröße x stellt grundsätzlich eine sehr schnelle Messmethode dar. Sie eignet sich daher insbe¬ sondere für eine schnelle Regelung, zumal keine zusätzliche Totzeit die Bandbreite des Regelkreises begrenzt. Aus diesem Grund kommt diese Messmethode in der industriellen Praxis oft zum Einsatz. Allerdings können hochfrequente Störungen oder ungenaues Abtasten das Messergebnis stark beeinflussen. Ferner benötigt diese Methode ein geeignetes PWM-Verfahren oder ein anderes geeignetes Pulsmodulationsverfahren für den Motorstrom, bei dem oberschwingungsfreie Zeitpunkte bekannt sind oder zumindest abgeschätzt werden können.
Im Folgenden soll gezeigt werden, wie durch eine Kombination verschiedener Messverfahren sowie der zwei- bzw. mehrkanali- gen Rückführung der dabei gebildeten Rückführgrößen eine Re- gelung realisiert werden kann, die die Vorteile der verwende¬ ten Messmethoden ohne ihre Nachteile miteinander kombiniert. Hierzu wird der kombinierte Regler in seine Einzelregler auf¬ geteilt, die zwar jeweils eine eigene Regelabweichung als Eingangsgröße erhalten aber eine gemeinsame Reglerausgangs- große bilden.
Die Figur 6A zeigt ein Blockschaltbild eines Teilbereichs des erfindungsgemäßen Stromregelkreises 1 mit einer zwei Vergleichsglieder 21, 22 umfassenden Vergleichseinrichtung 20, einer vorzugsweise einen PI-Regler umfassenden Regeleinrich- tung 30 und einer Summiereinrichtung 40. Der PI-Regler ist dabei in ein P-Regelglied 32 und ein parallel geschaltetes I- Regelglied 31 aufgeteilt, wobei dem P-Regelglied 31 ein ers¬ tes Vergleichsglied 21 und dem I-Regelglied 32 ein zweites Vergleichsglied 22 zugeordnet ist. Jedes der beiden Ver- gleichsglieder 21, 22 verfügt über einen eigenen Rückführkanal, über den das entsprechende Vergleichsglied 21, 22 eine Rückführgröße ri, r2 von einer Messeinrichtung 10 empfängt. Als Rückführgrößen rlf r2 dienen zwei verschiedene Strom- Istwerte, die mit verschiedenen Messverfahren ermittelt wur- den. Zur Erfassung des Strom-Istwerts kann grundsätzlich jede geeignete Messmethode verwendet werden. Neben einer direkten Messung des Ansteuerstroms kann dieser auch alternativ aus bestimmten Betriebsgrößen abgeleitet werden. Die beiden Messverfahren werden vorzugsweise so gewählt, dass die damit er- mittelten Istwerte für den jeweiligen Reglertyp optimiert sind. Jedes der beiden Vergleichsglieder 21, 22 vergleicht die ihm zugeordnete Rückführgröße ri, r2 mit der an einem ge¬ meinsamen Eingang anliegenden Führungsgröße w und gibt als Ergebnis diese Vergleichs eine Regelabweichung ei, e2 an das ihm jeweils zugeordnete Regelglied 31, 32 aus. Die beiden Re¬ gelglieder 31, 32 bilden mithilfe ihrer jeweiligen Übertragungsfunktion aus den ihnen zugeführten Regelabweichungen ei, e2 jeweils eine Einzelreglerausgangsgröße mi, m2. Die Einzel¬ reglerausgangsgrößen mi, m2 werden anschließend an eine ge- meinsame Summiereinrichtung 40 weitergereicht, die daraus ei¬ ne Reglerausgangsgröße m bildet. In der Regel wird die Reg¬ lerausgangsgröße m dabei durch eine einfache Addition der beiden Einzelreglerausgangsgrößen mi, m2 gebildet. Allerdings können auch beliebige Operationen, wie z. B. eine Gewichtung der Einzelreglerausgangsgrößen mi, m2 mit verschiedenen Faktoren, vorgenommen werden, um die kombinierte Reglerausgangs¬ größe m aus beiden Einzelreglerausgangsgrößen mi, m2 zu bil-
den. Die kombinierte Reglerausgangsgröße m der Regeleinrich¬ tung 30 dient dann einer Stelleinrichtung 50 als Eingangsgröße, um die Regelgröße x einzustellen.
Die in der Figur 6A gezeigte Regeleinrichtung 30 kann grundsätzlich auch weitere Regelglieder umfassen. Beispielsweise lässt sich ein drittes Regelglied 33 (z. B. ein differentia- les (D-) Glied mit Differenzierbeiwert KD bzw. Vorhaltzeit Tv) parallel zu den beiden Regelgliedern 31, 32 vorsehen. Das zu- sätzliche Regelglied 33 kann dabei eine der bereits vorlie¬ genden Regelabweichungen ei, e2 als Eingangsgröße verwenden. Ferner ist es auch möglich, für das zusätzliche Regelglied 33 eine eigene Eingangsgröße bereitzustellen. Dies kann bei¬ spielsweise mithilfe eines zusätzlichen Vergleichsglieds 23 erfolgen, das eine dritte Rückführgröße r3 mit der Führungs¬ größe w vergleicht. Als weitere Rückführgröße r3 kann dabei ein mithilfe eines dritten Messverfahrens ermittelter Strom- Istwert dienen. Die Ausgangsgröße des dritten Regelglieds 33 kann als eine dritte Einzelreglerausgangsgröße m3 der gemein- samen Summiereinrichtung 40 zugeführt werden, die die Reglerausgangsgröße m aus allen drei Einzelreglerausgangsgrößen mi, m2, m3 bildet. Eine solche Regeleinrichtung 30 ist in der Figur 6B gezeigt.
Die dritte Rückführgröße r3 kann auch identisch Null gewählt werden. In diesem Fall wird durch das Regelglied 33 nur die Führungsgröße w differenziert. Hierdurch ergibt sich ein vor¬ teilhafter Sonderfall der in der Figur 6B gezeigten Ausführungsform. Hierbei kann der Regelkreis 1 besonders schnell auf Änderungen der Führungsgröße w reagieren.
Die Figur 7 zeigt ein Blockschaltbild einer erfindungsgemäßen Regelvorrichtung 1 mit der Regeleinrichtung 30 aus Figur 6A, die eine zweikanalige Rückführung aufweist. Die vorzugsweise zum Regeln des Stroms eines Elektromotors ausgebildete Regel¬ vorrichtung 1 umfasst ferner eine Messeinrichtung 10, mit deren Hilfe der Istwert der Regelgröße Motorstrom erfasst wird.
Hierzu greift die Messeinrichtung 10 den Strom x des Elektro¬ motors 60 an einer geeigneten Stelle der Regelstrecke ab. Die Messeinrichtung 10 ist dabei ausgebildet, den Strom-Istwert xlst mithilfe von zwei verschiedenen Messmethoden zu erfassen und die Messergebnisse der beiden Messungen jeweils als eine Rückführgröße ri, r2 über die beiden separaten Rückführkanäle an die Vergleichseinrichtung 20 weiterzureichen. Hierzu um- fasst die Messeinrichtung 10 zwei Untereinheiten, die hier schematisch als eine Abtasteinrichtung 11 und eine Integrier- einrichtung 12 ausgebildet sind. Die Abtasteinrichtung 11 ermittelt die erste Rückführgröße ri durch Abtasten der Regel¬ größe x mit einer vorgegebenen Abtastfrequenz fA. Die Abtas¬ tung erfolgt dabei vorzugsweise synchron zu der Pulsweitenmo¬ dulation, mit deren Hilfe die Ansteuerspannung einer Leis- tungsendstufe 52 für den Motorstrom x gebildet wird. Dabei wird als Abtastfrequenz fA vorzugsweise die doppelte PWM- Schaltfrequenz fs gewählt. Hingegen ermittelt die Integriereinrichtung 12 die zweite Rückführgröße r2 durch eine Mittel¬ wertbildung der Regelgröße x. Vorzugsweise erfolgt dies durch eine Integration der Regelgröße x über einen PWM-Zyklus T5.
Die Algorithmen zur Abtastung und Integration der Regelgröße x können sowohl als zwei strukturell voneinander getrennte Einrichtungen 11, 12 als auch als eine gemeinsame Einrichtung der Messeinrichtung 10 realisiert werden. Bei einem Digitalregler 1 müssen ferner alle analog vorliegenden Signale, wie z. B. die Regelgröße x, digitalisiert werden, bevor sie wei¬ ter verarbeitet werden können. Hierzu umfasst die Messein¬ richtung 10 einen geeigneten Digitalisierer 13. Vorzugsweise erfolgt die Digitalisierung der analogen Signale mithilfe von Sigma-Delta (ΣΔ) Modulatoren. In diesem Fall kann der Algorithmus zur Abtastung bzw. zur Integration der Messgröße x auch kostengünstig in handelsüblichen programmierbaren Halbleiterbausteinen, wie z. B. FPGAs (field programmable gate array) , implementiert werden.
Wie bereits weiter oben beschrieben, bildet die Vergleichs¬ einrichtung 20 aus den beiden Rückführgrößen ri, r2 zwei voneinander unabhängige Regelabweichungen ei, e2, aus denen de¬ rer die beiden Regelglieder 31, 32 der Regeleinrichtung 30 die beiden Einzelreglerausgangsgrößen mi, m2 erzeugen. Durch die Kombination der Einzelreglerausgangsgrößen mi, m2 mithil- fe der Summiereinrichtung 40 steht am Eingang der Stelleinrichtung 50 die Reglerausgangsgröße m zur Verfügung. Die Stelleinrichtung 50 umfasst dabei ein Stellglied 51 und einen Steller 52. Das Stellglied 51 setzt den durch die Regleraus¬ gangsgröße m vorgegebenen Wert in eine Stellgröße y für das Stellglied 52 um. Im vorliegenden Fall wird die digital vor¬ liegende Reglerausgangsgröße m mithilfe eines Pulsweitenmodu¬ lators 51 in ein pulsweitenmoduliertes Spannungssignal y um- gesetzt, mit dem der Steller 52 angesteuert wird. Der typi¬ sche Steller 52 umfasst Leistungsschalter, die nur in zwei Kennpunkten (sperrend oder durchgeschaltet) betrieben werden. Anhand der pulsweitenmodulierten Stellgröße y führt der Stel¬ ler 52 eine Taktung des Motorstroms x durch.
Die in der Figur 7 gezeigte Regelvorrichtung regelt unmittelbar den durch die Wicklungen des angeschlossenen Elektromotors 60 fließende Strom. Bei einer mehrphasigen Maschine setzt sich der Motorstrom aus mehreren, jeweils durch ver- schiedene Wicklungen des Motors fließenden Stromkomponenten zusammen. Im Falle eines Drehstrommotors wird ein Drehstrom oder Dreiphasenwechselstrom verwendet, dessen drei in einem vorgegebenen Phasen- und Amplitudenverhältnis zueinander stehenden Stromkomponenten ia, ib, ic jeweils separat einge- stellt werden. Da sich alle drei Drehstromkomponenten ia, ib, ic in jeder Phase zu Null summieren, kann jede Stromkomponente aus den beiden anderen Stromkomponenten ermittelt werden. Daher genügt es, wenn nur zwei ia, ib der drei Stromkomponen¬ ten ia, ib, ic gemessen und geregelt werden. Dies erlaubt eine vereinfachte Drehstromregelung mit nur zwei voneinander unabhängigen Regelkreisen.
Eine weitere Optimierung der Regelung kann durch Verwendung eines geeigneten Koordinatensystems erfolgen. Je nach Anwendung (Synchron-, Asynchronmotor, etc.) kommt hierbei ein Ständer- oder ein Feld- oder ein Läuferkoordinatensystem in- frage. Zum Beispiel können die in dem ursprünglichen ortsfesten Ständerkoordinatensystem vorliegenden Stromkomponenten ia und ib durch eine einfache Transformation als entsprechende Stromkomponenten iα und iß eines orthogonalen α/ß-Koordinaten- systems dargestellt werden. Mithilfe eines Koordinatendrehers ist die Regelung auch in einem feldorientierten d/q-Koordina- tensystem möglich, bei dem die beiden Stromkomponenten id, iq als zwei einfach zu regelnde Gleichströme ausgebildet sind. Da die flussbildende Stromkomponente id keinen Beitrag zur Drehmomentbildung liefert, kann die Eingangsgröße des ent- sprechenden Regelkreises identisch Null vorgegeben werden, um die Maschine verlustoptimal zu betreiben. In diesem Fall liegt der Stellwert eines überlagerten Drehzahlreglers w nur am Eingang des für die momentbildende Stromkomponente id zu¬ ständigen Regelkreises an.
Die Figur 8 zeigt eine entsprechende Stromregelvorrichtung 1 für einen Drehstrommotor 60. Die Regelvorrichtung 1 umfasst im vorliegenden Beispiel zwei voneinander unabhängige Regel¬ kreise für die beiden Stromkomponenten iα und iß des recht- winkligen Ständerkoordinatensystems. Jeder Stromkomponente iα und ip ist dabei eine eigene Messeinrichtung 10', 10" und ei¬ ne eigene Regeleinrichtung 30', 30" zugeordnet. Jede der bei¬ den Messeinrichtungen 10', 10" erfasst die ihr zugeordnete Stromkomponente ia, ib vorzugsweise mithilfe verschiedener Messmethoden, wie z. B. einer Abtast- und einer Mittelwertmessung. Die dabei ermittelten Strom-Istwerte ilst werden je¬ weils einer Vergleichseinrichtung 20', 20" zugeführt. In der Figur 8 sind hierfür beispielsweise zwei Rückführkanäle pro Messeinrichtung 10', 10" vorgesehen. Anhand der Ausgangsgrö- ßen einer Vergleichseinrichtung 20', 20" bilden in der zugehörigen Regeleinrichtung 30', 30" mehrere Einzelregler eine entsprechende Anzahl von Einzelreglerausgangsgrößen, die an-
schließend durch eine Summiereinrichtung 40', 40" zu einer Reglerausgangsgröße des jeweiligen Regelkreises zusammenge- fasst werden. Mithilfe der Reglerausgangsgrößen der beiden Regelkreise wird schließlich eine Stelleinrichtung 50 ange- steuert, die die einzelnen Drehspannungskomponenten ua, ub, uc einstellt. Dabei müssen die im vorliegenden Beispiel im rechtwinkligen α/ß-Ständerkoordinatensystem vorliegenden Reglerausgangsgrößen so umgesetzt werden, dass die Stelleinrichtung 50 die drei Drehspannungskomponenten ua, ub, uc ein- stellt. Um die Genauigkeit der Regelung zu erhöhen, können auch alle drei Stromkomponenten ia, ib, ic des Drehstroms di¬ rekt gemessen werden. In diesem Fall umfasst die Regelvorrichtung 1 vorzugsweise drei Messeinrichtungen, jeweils eine für jede Phase (hier nicht gezeigt) . Die Regelung kann auch in diesem Fall in einem zweiachsigen Koordinatensystem erfolgen .
Bei rotierenden Maschinen wird häufig eine Regelung benötigt, mit deren Hilfe die Drehzahl auf einem vorgegebenen Wert gehalten werden kann. Eine solche Drehzahlregelung kann z. B. mithilfe einer so genannten Kaskadenregelung realisiert werden, bei der ein Stromregelkreis einem Drehzahlregelkreis un¬ terlagert ist. Hierbei wird zunächst die Hilfsgröße Motor¬ strom mit einem schnellen inneren Regelkreis geregelt, dessen Führungsgröße durch die Stellgröße des äußeren, langsameren Regelkreises (Drehzahlregelkreis) gebildet wird. Die Ineinan- derverschachtelung der beiden Regelkreise untergliedert die Gesamtregelstrecke in kleinere Teilstrecken, die übersichtli¬ cher sind und besser geregelt werden können als die Gesamtre¬ gelstrecke. Hierdurch kann oft eine höhere Regelgenauigkeit erreicht werden.
Die Figur 9 zeigt ein Blockschaltbild eines solchen Drehzahl¬ regelsystems 3 für einen Servomotor mit der in der Figur 7 gezeigten erfindungsgemäßen Stromregelvorrichtung 1 und einer überlagerten Drehzahlregelvorrichtung 2. Während der innere Stromregelkreis 1 mithilfe seiner Messeinrichtung 10 als Re¬ gelgröße x den Motorstrom erfasst, greift der übergeordnete
Drehzahlregelkreis 2 mithilfe einer entsprechenden Messeinrichtung 70 die Drehzahl des Elektromotors 60 im Antriebs¬ strang ab. Aus einem Vergleich des mithilfe der Messeinrichtung 70 ermittelten Drehzahl-Istwerts mit einem durch eine Führungsgröße u vorgegebenen Drehzahl-Sollwert generiert eine Vergleichseinrichtung 80 des Drehzahlreglers 2 eine Drehzahl- Regelabweichung. Ein PI-Regler 90 des Drehzahlregelkreises bildet anhand dieser Regelabweichung eine entsprechende Reg¬ lerausgangsgröße, die dem Stromregelkreis 1 schließlich als Führungsgröße w bereitgestellt wird. Sofern zusätzlich eine Vorsteuerung vorgesehen ist, kann die Führungsgröße w des Stromregelkreises 1 auch durch eine Kombination der Reglerausgangsgröße des Drehzahlregelkreises 2 mit einer Vorsteue¬ rungsgröße gebildet werden.
Der in der Figur 9 gezeigte Drehzahlregelkreis 2 kann eben¬ falls als ein innerer Regelkreis einer übergeordneten Regelvorrichtung ausgebildet sein. Insbesondere lagegeregelte An¬ triebe, wie z. B. Servoantriebe, besitzen noch einen dem Drehzahlregler 3 übergeordneten Lageregelkreis (hier nicht dargestellt) , wobei die Ausgangsgröße des Lagereglers die Führungsgröße u des Drehzahlreglers 3 bildet.