Verfahren zum Bestimmen des Anteils der Rezirkulation in einer Fistel und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistelrezirkulation und kardiopulmonaler Rezirkulation
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Bestimmen des Anteils der Rezirkulation in einer Fistel und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistelrezirkulation und kardiopulmonaler Rezirkulation für eine extrakorporale Blutbehandlung mit einem extrakorporalen Blutkreislauf, der eine erste Kammer eines durch eine Membran in die erste Kammer und eine zweite Kammer unterteilten Dialysators oder Filters einschließt, und einem Flüssigkeitssystem, dass die zweite Kammer des Dialysators oder Filters einschließt, wobei der ersten Kammer des Dialysators oder Filters Blut mit einer bestimmten Blutflussrate zugeführt wird und dem Blut stromauf oder stromab der ersten Kammer des Dialysators oder Filters Substitutionsflüssigkeit mit einer bestimmten Substitutionsrate zugeführt wird und dem Blut über die Membran des Dialysators oder Filters mit einer bestimmten Flussrate Flüssigkeit entzogen wird.
Darüber hinaus betrifft die Erfindung eine Vorrichtung zur Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistelrezirkulation und kardiopulmonaler Rezirkulation für eine Vorrichtung zur extrakorporalen Blutbehandlung. Des Weiteren betrifft die Erfindung eine extrakorporale Blutbehandlungsvorrichtung mit einer Vorrichtung zur Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation.
Zur Entfernung von harnpflichtigen Substanzen und zum Flüssigkeitsentzug werden verschiedene Verfahren zur extrakorporalen Blutbehandlung bzw. -reinigung eingesetzt. Bei der Hämodialyse wird das Blut des Patienten außerhalb des Körpers in einem Dialysator gereinigt. Der Dialysator weist eine Blutkammer und eine Dialysierflüssigkeitskammer auf, die durch eine semipermeable Membran getrennt sind. Während der Behandlung strömt Blut des Patienten durch die Blutkammer. Um das Blut
effektiv von harnpflichtigen Substanzen zu reinigen, wird die Dialysierflüssigkeitskammer kontinuierlich von frischer Dialysierflüssigkeit durchströmt.
Während bei der Hämodialyse (HD) der Transport der kleineren molekularen Substanzen durch die Membran des Dialysators im Wesentlichen durch die
Konzentrationsunterschiede (Diffusion) zwischen der Dialysierflüssigkeit und dem Blut bestimmt wird, werden bei der Hämofiltration (HF) im Plasmawasser gelöste Substanzen, insbesondere höhermolekulare Stoffe, durch einen hohen Flüssigkeitsstrom (Konvektion) durch die Membran des Dialysators effektiv entfernt. Bei der Hämofiltration fungiert der Dialysator als Filter. Eine Kombination aus beiden Verfahren ist die Hämodialfiltration (HDF).
Bei der Hämo(dia)filtration wird ein Teil der dem Blut durch die Membran des Dialysators entzogenen Flüssigkeit durch eine sterile Substitutionsflüssigkeit ersetzt, die im Allgemeinen entweder stromauf des Dialysators oder stromab des Dialysators dem extrakorporalen Blutkreislauf zugeführt wird. Die Zufuhr der Substitutionsflüssigkeit stromauf des Dialysators wird auch als Prädilution und die Zufuhr stromab des Dialysators als Postdilution bezeichnet.
Es sind Vorrichtungen zur Hämo(dia)filtration bekannt, bei denen die Dialysierflüssigkeit online aus Frischwasser und Dialysierflüssigkeitskonzentrat und die Substitutionsflüssigkeit online aus der Dialysierflüssigkeit hergestellt werden.
Bei den bekannten Hämo(dia)filtrationsvorrichtungen wird die Substitutionsflüssigkeit (Substiruat) dem extrakorporalen Blutkreislauf von dem Flüssigkeitssystem der Maschine über eine Substituatzuführleitung zugeführt. Bei der Prädilution fuhrt die Substituatleitung zu einer Anschlussstelle an der arteriellen Blutleitung stromauf des Dialysators oder Filters, während bei der Postdilution die Substituatleitung zu einer Anschlussstelle an der venösen Blutleitung stromab des Dialysators oder Filters führt. Die Substituatleitung weist beispielsweise einen Konnektor auf, mit dem sie entweder an die venöse oder arterielle Blutleitung angeschlossen werden kann. Zum Unterbrechen der Flüssigkeitszufuhr ist an
der Substituatleitung eine Klemme oder dgl. vorgesehen. Ein derartiges Hämo(dia)filtrationsgerät ist beispielsweise aus der EP-A-O 189 561 bekannt.
Bei den bekannten Verfahren der chronischen Blutreinigungstherapie, wie Hämodialyse, Hämofiltration und Hämodiafiltration, wird als Zugang zum Blutgefaßsystem des Patienten häufig operativ eine arteriovenöse Fistel angelegt. Ebenso ist der Einsatz eines Implantats möglich. Wenn nachfolgend von einer „Fistel" die Rede ist, wird darunter jede Art der Verbindung zwischen einer Vene und einer Arterie des Patienten verstanden.
Das durch die Fistel fließende Blut wird nur während der eigentlichen Dialysebehandlung benutzt. Im dialysefreien Zeitraum entspricht der Blutfluss in der Fistel einem funktionellen Links/Rechts-Shunt, bei dem ein Anteil des arteriellen Blutes aus dem Herzminutenvolumen (HMV) unter Umgehung einer peripheren Nutzung direkt dem venösen System und dem Herzen zugeführt wird. Der Fistelfluss rezirkuliert über Herz und Lungen. Der fraktionelle Anteil des Fistelflusses am Herzminutenvolumen wird als kardiopulmonale Rezirkulation definiert.
Die kardiopulmonare Rezirkulation hat nicht nur Auswirkungen auf die Kreislaufbelastung des Patienten, sondern auch auf die Effizienz der Dialyse. Da das dialysierte Blut aus dem extrakorporalen Kreislauf unter Umgehung der systemischen Kreislaufgebiete dem venösen Rückstrom aus dem großen Körperkreislauf beigemischt wird, kommt es zu einer systematischen Reduktion in der Konzentration dialysierbarer Bestandteile im arteriellen Blut (D. Schneditz et al.: Cardiopulmonary recirculation during hemodialysis. Kidney Int. 42: 1450 - 1456, 1992).
Für die Funktionsfähigkeit der Fistel ist deren Perfusion von Bedeutung. Sinkt der Fistelfluss unter einen kritischen Wert, dann steigt das Risiko einer Fistelthrombose mit dem möglichen Verlust des Gefaßzuganges, was in der Dialysebehandlung eine erhebliche Komplikation darstellt (W. Bay et al.: Color Doppler flow predicts PTFE graft failure, J. Am. Soc. Nephral. 5: 407 (1994)). Ist der Fistelfluss während der Dialysebehandlung kleiner als der extrakorporale Blutfluss (QB), kommt es zur lokalen Fistelrezirkulation, wobei eine Fraktion des dialysierten und mit der venösen Blutleitung zur Fistel
zurückgeführten Bluts über die arterielle Blutleitung dem Dialysator wieder zugeführt wird. Die Fistelrezirkulation RA bewirkt eine bedeutende Verminderung der Dialyseefϊizienz (F. Gotch: „Models to predict recirculation and its effect on treatment time in single-needle dialysis" First Intl. Symposium on Single-Needle Dialysis, Hrsg.: S. Rignoir. R. Vanholder und P. Invanovich, Cleveland, ISAO Press, 1984, Seite 305 ff.). Die Messung der Qualität des Gefäßzuganges ist somit ein wichtiges Mittel zur Qualitätssicherung bei der Dialysebehandlung.
Aufgrund ihrer klinischen Bedeutung sind verschiedene Verfahren zur Messung der Fistelrezirkulation (RA) bekannt. Allen gemeinsam ist die Messung einer physikalischen oder chemischen Kenngröße des Blutes, die im venösen Zweig des extrakorporalen Kreislaufs verändert wird. Die physikalische oder chemische Kenngröße des Blutes kann durch eine manuelle Injektion eines Indikators oder auch mittelbar über die Dialyseaufbereitungseinheit geändert werden.
Aus EDTNA-ERCA Journal 19, 6 (1993) ist ein als Thermodilution bezeichnetes Verfahren zur Rezirkulationsmessung bekannt. Bei dem bekannten Verfahren wird ein kurzzeitiger Temperaturabfall im Dialysierflüssigkeitskreislauf iniziert, der sich auf den venösen Zweig des extrakorporalen Kreislaufs überträgt und zu einem nachweisbaren Temperatursprung im arteriellen Zweig des extrakorporalen Kreislaufs dann führt, wenn eine Rezirkulation auftritt.
Eine bekannte Vorrichtung zur Durchführung des als Thermodilution bezeichneten Verfahrens weist einen im arteriellen Zweig und einen im venösen Zweig des extrakorporalen Kreislaufs angeordneten Temperaturfühler auf. Mit dem venösen Temperaturfühler wird der Temperatursprung aufgenommen, der auf den im Dialysierflüssigkeitskreislauf erzeugten Temperaturabfall zurückzuführen ist. Der gemessene Temperatursprung wird zeitlich integriert oder anders charakterisiert und nachfolgend mit dem im arteriellen Messfühler registrierten Temperaturverlauf verglichen. Das Verhältnis der beiden Temperatur-Integrale oder anderer Kenngrößen zueinander ist ein Maß für die gesamte Effizienzminderung der Dialysebehandlung durch fistel- und kardiopulmonale Rezirkulation.
Die bekannte Vorrichtung zur Rezirkulationsmessung hat sich in der Praxis bewährt. Als nachteilig erweist sich jedoch, dass nur die nachfolgend als Rezirkulation R bezeichnete Gesamtrezirkulation gemessen werden kann, die der Summe der Fistelrezirkulation RA und der kardiopulmonalen Rezirkulation Rcp entspricht.
Ein Verfahren zur Messung der Rezirkulation R, d.h. der Summe der Fistelrezirkulation (RA) und der kardiopulmonalen Rezirkulation RCP, ist auch aus der DE 197 02441 Cl bekannt. Bei dem bekannten Verfahren wird eine physikalische oder chemische Kenngröße der Dialysierflüssigkeit im Dialysierflüssigkeitsweg stromauf des Dialysators verändert, die zu einer Änderung der physikalischen oder chemischen Kenngröße auf der Blutseite führt. Die Änderung der Kenngröße der Dialysierflüssigkeit auf der Blutseite führt zu einer Änderung der Kenngröße der Dialysierflüssigkeit stromab der Dialysierflüssigkeitskammer des Dialysators. Zur Bestimmung der Rezirkulation wird die Kenngröße im Dialysierflüssigkeitsweg stromab des Dialysators gemessen und aus dem zeitlichen Verlauf der Änderung der Kenngröße wird die Rezirkulation R bestimmt. Als physikalische oder chemische Kenngröße kann die Dialysierflüssigkeits-Ionen- Konzentration, beispielsweise die Na-Konzentration der Dialysierflüssigkeit, oder auch die Temperatur der Dialysierflüssigkeit verändert und gemessen werden. Nachteilig ist jedoch wieder, dass mit dem bekannten Verfahren nicht zwischen der Fistelrezirkulation RA und der kardiopulmonalen Rezirkulation RCP unterschieden werden kann.
Die DE-A- 195 28 907 Cl beschreibt ein Verfahren zur Bestimmung der kardiopulmonalen Rezirkulation. Die Messung der kardiopulmonalen Rezirkulation beruht auf zwei kurz aufeinander folgenden Messungen der Rezirkulationsfraktion, die automatisch vor und nach der Umkehrung des Blutflusses durchgeführt werden. Nachteilig ist, dass das bekannte Verfahren die Umkehr des Blutflusses erfordert.
Aus der US 6 537 240 B2 ist ein Verfahren zur Bestimmung der Rezirkulation bekannt, das auf einer Änderung der Zusammensetzung des Bluts im extrakorporalen Blutkreislauf auf Grund einer Erhöhung oder Verringerung der Ultrafiltrationsrate innerhalb eines vorgegebenen Zeitintervalls beruht.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, ein Verfahren anzugeben, das die Bestimmung des Anteils der Rezirkulation in einer Fistel und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistelrezirkulation und kardiopulmonaler Rezirkulation erlaubt. Darüber hinaus ist eine Aufgabe der Erfindung, eine Vorrichtung zur Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistelrezirkulation und kardiopulmonaler Rezirkulation bereitzustellen. Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist, eine extrakorporale Blutbehandlungsvorrichtung zu schaffen, die über eine Vorrichtung zur Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation verfugt.
Die Lösung dieser Aufgaben erfolgt erfindungsgemäß mit den Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche. Vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfmdungsgemäße Vorrichtung zum Bestimmen des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation, die nachfolgend auch als Rezirkulation bezeichnet wird, setzt eine extrakorporale Blutbehandlung voraus, bei der dem Blut stromauf oder stromab der ersten Kammer des Dialysators oder Filters Substitutionsflüssigkeit mit einer bestimmten Substitutionsrate zugeführt wird und dem Blut über die Membran des Dialysators oder Filters mit einer bestimmten Flussrate Flüssigkeit entzogen wird. Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung beruhen darauf, dass stromauf oder stromab des Dialysators oder Filters die Substitutionsrate um einen vorgegebenen Betrag verändert wird, während die Flussrate der durch die Membran des Dialysators entzogenen Flüssigkeit verändert wird.
Vor der Veränderung der Substitutionsrate oder der Flussrate der durch die Membran des Dialysators oder Filters entzogenen Flüssigkeit wird das Blutvolumen RBV(I1) oder eine mit dem Blutvolumen korrelierende Größe, beispielsweise der Hämatokrit Hct(ti), die Blutdichte oder Hämoglobin-Konzentration bestimmt. Wenn das Blutvolumen oder der Hämatokrit vor der Veränderung der Substitutionsrate oder der Flussrate der durch die
Membran entzogenen Flüssigkeit bekannt ist, erübrigt sich die Messung des Blutvolumens oder des Hämatokrits.
Nach der Veränderung der Substitutionsrate oder der Flussrate der durch die Membran entzogenen Flüssigkeit wird wieder das Blutvolumen oder die mit dem Blutvolumen korrelierende Größe bestimmt, um die Änderung des Blutvolumens oder der mit dem Blutvolumen korrelierenden Größe infolge der Veränderung der Substitutionsrate oder der Flussrate der durch die Membran entzogenen Flüssigkeit erfassen zu können. Grundsätzlich ist es nicht erforderlich, das Blutvolumen vor und nach der Veränderung der Flussraten als absolute Größen zu bestimmen, sondern es genügt, die Bestimmung der Veränderung des Blutvolumens infolge der Veränderung der Substitutionsrate oder der Flussrate der durch die Membran des Dialysators entzogenen Flüssigkeit. Beispielsweise ist es ausreichend, den Quotienten aus dem relativen Blutvolumen vor und nach der Veränderung der Flussraten zu bestimmen.
Die Fistelrezirkulation RA wird auf der Grundlage des Vergleichs des Blutvolumens oder der mit dem Blutvolumen korrelierenden Größe vor und nach der Veränderung der Substitutionsrate und der Flussrate der durch die Membran entzogenen Flüssigkeit bestimmt. Die Bestimmung der Fistelrezirkulation RA ist also allein auf Grund der Änderung des Blutvolumens möglich. Da die geänderten Blutvolumenwerte relativ schnell erreicht werden, zeichnet sich die Messung der Fistelrezirkulation durch eine relativ kurze Messzeit aus, die in der Praxis zwischen 1 und 2 Minuten liegen kann. Die relativ kurze Messzeit hat zur Folge, dass nur der Anteil der Fistelrezirkulation, nicht aber der Anteil der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Rezirkulation R, d.h. der Summe von Fistelrezirkulation und kardiopulmonaler Rezirkulation, erfasst wird. Da die kardiopulmonale Rezirkulation erst nach Ablauf der relativ kurzen Messzeit auftritt, wird dieser Anteil an der Rezirkulation nicht erfasst.
Zur Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation RA an der Rezirkulation R wird die Rezirkulation R nach den bekannten Verfahren ermittelt. Die Rezirkulation R kann beispielsweise nach dem als Thermodilution bekannten Verfahren bestimmt werden
(EDTNA-ERCA Journal 19,6 (1993)). Es ist aber auch möglich, die Rezirkulation nach anderen bekannten Verfahren zu bestimmen.
Sobald die Rezirkulation R bestimmt ist, wird der Anteil der Fistelrezirkulation RA an der Rezirkulation R und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation Rcp an der Rezirkulation R bestimmt. Die kardiopulmonale Rezirkulation RCP kann nach der Bestimmung der Fistelrezirkulation RA aus der Differenz der Rezirkulation R und der Fistelrezirkulation RA berechnet werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung zeichnen sich also im Wesentlichen durch die Kombination einer schnellen Bestimmung der Fistelrezirkulation auf der Grundlage einer Veränderung der Substitutionsrate und der Flussrate der durch die Membran des Dialysators oder Filters entzogenen Flüssigkeit und der Bestimmung der Summe von Fistelrezirkulation und kardiopulmonaler Rezirkulation aus, um die jeweiligen Anteile von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation an der Rezirkulation bestimmen zu können.
Die Bestimmung der Fistelrezirkulation auf der Grundlage der Veränderung der Substitutionsrate und der Flussrate der durch die Membran entzogenen Flüssigkeit ist darauf zurückzuführen, dass die Veränderung dieser Flussraten eine Veränderung der Dichte des Blutes oder die Konzentration eines Blutinhaltsstoffes zur Folge hat. Es bildet sich im extrakorporalen Blutkreislauf eine Art verdickte oder verdünnte „Blutsäule" aus, die einen zeitlich begrenzten „Bolus" darstellt, der so schnell in der Fistel rezirkuliert, dass er im extrakorporalen Blutkreislauf nachgewiesen werden kann, bevor die langsamere kardiopulmonare Rezirkulation einsetzt. Folglich wird mit der relativ schnellen Messung die Fistelrezirkulation, nicht aber die kardiopulmonale Rezirkulation nachgewiesen, so dass nach der Messung der Summe von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation mit den bekannten Mess verfahren die jeweiligen Anteile von Fistel- und/oder kardiopulmonaler Rezirkulation an der Rezirkulation bestimmt werden können. Grundsätzlich ist es unerheblich, ob das Blutvolumen oder die mit dem Blutvolumen korrelierende Größe, beispielsweise der Hämatokrit im arteriellen oder venösen Zweig des extrakorporalen Blutkreislaufs bestimmt wird, da nach einer Messung dieser
charakteristischen Größe im arteriellen bzw. venösen Zweig die Größe im venösen bzw. arteriellen Zweig des extrakorporalen Kreislaufs berechnet werden kann.
Eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens bzw. der erfindungsgemäßen Vorrichtung sehen eine Verringerung der Substitutionsrate und der Flussrate der durch die Membran des Dialysators oder Filters entzogenen Flüssigkeit um den gleichen Betrag vor.
Bei einer weiteren Ausführungsform wird die Zufuhr von Substitutionsflüssigkeit stromauf oder stromab des Dialysators oder Filters und der Entzug von Flüssigkeit über die Membran des Dialysators oder Filters vollständig unterbrochen. Die Unterbrechung erfolgt vorzugsweise für ein vorgegebenes Zeitintervall, so dass sich nach Ablauf des Zeitintervalls wieder die ursprünglichen Verhältnisse einstellen.
Es ist aber grundsätzlich auch möglich, dass die Substitutionsrate und die Flussrate der durch die Membran des Dialysators oder Filters entzogenen Flüssigkeit, vorzugsweise um den gleichen Betrag, vergrößert wird oder eine Zufuhr von Substitutionsflüssigkeit stromauf oder stromab des Dialysators oder Filters und ein Entzug von Flüssigkeit über die Membran des Dialysators oder Filters vorgenommen wird, wobei das Blutvolumen oder die mit dem Blutvolumen korrelierende Größe vorher und nachher gemessen wird. Auch dabei kommt es wieder zu der Ausbildung einer „Blutsäule", wobei sich das Blut bei der Postdilution verdünnt und bei der Prädilution verdickt.
Die Implementierung des erfindungsgemäßen Verfahrens in die bekannten Blutbehandlungsvorrichtungen erfordert keinen großen apparativen Aufwand, da es lediglich erforderlich ist, die Substitutionspumpe kurzzeitig zu stoppen und den Dialysator oder Filter von dem extrakorporalen Blutkreislauf zu trennen, so dass Flüssigkeit nicht über die Membran des Dialysators oder Filters entzogen werden kann. Beispielsweise kann die Messung zusammen mit den bekannten Druckhaltetests bei
Blutbehandlungsvorrichtungen durchgeführt werden, bei denen die Substitutionspumpe angehalten und der Dialysator in einen Bypass geschaltet wird.
Im folgenden wird ein Ausfiihrungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Blutbehandlungsvorrichtung, die über eine erfindungsgemäße Vorrichtung zum Bestimmen des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation verfugt, unter Bezugnahme auf die Zeichnungen im Einzelnen beschrieben.
Es zeigen:
Fig. 1 eine extrakorporale Blutbehandlungsvorrichtung mit einer Vorrichtung zum
Bestimmen des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Summe von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation in stark vereinfachter schematischer Darstellung,
Fig. 2 das relative Blutvolumen als Funktion der Zeit während einer extrakorporalen Blutbehandlung und
Fig. 3 eine vergrößerte Darstellung des zeitlichen Verlaufs des relativen
Blutvolumens während eines Abschnitts der extrakorporalen Blutbehandlung.
Fig. 1 zeigt nur die wesentlichen Komponenten der extrakorporalen Blutbehandlungsvorrichtung in schematischer Darstellung, die für die Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Rezirkulation relevant sind.
Bei der vorliegenden Blutbehandlungsvorrichtung handelt es sich um eine Hämo(dia)filtrationsvoπichtung, die einen Dialysator 1 aufweist, der durch eine semipermeable Membran 2 in eine von Blut durchflossene erste Kammer 3, die nachfolgend als Blutkammer bezeichnet wird und eine von Dialysierflüssigkeit durchflossene zweite Kammer 4 getrennt ist, die als Dialysierflüssigkeitskammer
bezeichnet wird. Die erste Kammer 3 ist in einen extrakorporalen Blutkreislauf 5 A geschaltet, während die zweite Kammer 4 in das Dialysierflüssigkeitssystem 5 B der Hämo(dia)filtrationsvomchtung geschaltet ist.
Der extrakorporale Blutkreislauf 5 A umfasst eine arterielle Blutleitung 6, die zu dem Einlass 3a der Blutkammer 3 führt, und eine venöse Blutleitung 7, die von dem Auslass 3b der Blutkammer 3 des Dialysators 1 abgeht. Das Blut des Patienten wird durch die Blutkammer 3 des Dialysators 1 mit einer arteriellen Blutpumpe 8, insbesondere Rollenpumpe gefördert, die an der arteriellen Blutleitung 6 angeordnet ist. Die Blutpumpe führt der Blutkammer 3 des Dialysators Blut mit einer bestimmten Blutflussrate Qb zu. Die Blutleitungen 6, 7 und der Dialysator 3 bilden ein zur einmaligen Verwendung bestimmtes Disposable, das für die Dialysebehandlung in die Dialysevorrichtung eingelegt wird. Zur Eliminierung von Luftblasen können in die arterielle und venöse Blutleitung Luftabscheider (Tropfkammer) geschaltet sein.
Die frische Dialysierflüssigkeit wird in einer Dialysierflüssigkeitsquelle 9 bereitgestellt. Von der Dialysierflüssigkeitsquelle 9 führt eine Dialysierflüssigkeitszuführleitung 10 zu dem Einlass 4a der Dialysierflüssigkeitskammer 4 des Dialysators 1. Von dem Auslass 4b der Dialysierflüssigkeitskammer 4 führt eine Dialysierflüssigkeitsabführleitung 11 zu einem Abfluss 12. In die Dialysierflüssigkeitszufuhrleitung 10 ist eine erste Dialysierflüssigkeitspumpe 13 und in die Dialysierflüssigkeitsabführleitung 11 ist eine zweite Dialysierflüssigkeitspumpe 14 geschaltet. Die erste Dialysierflüssigkeitspumpe 13 fördert Dialysierflüssigkeit von der Dialysierflüssigkeitsquelle mit einer bestimmten Dialysierflüssigkeitszuführrate Qdi zu dem Einlass 4a der Dialysierflüssigkeitskammer 4, während die zweite Dialysierflüssigkeitspumpe 14 von dem Auslass 4b der Dialysierflüssigkeitskammer 4 Dialysierflüssigkeit mit einer bestimmten Dialysierflüssigkeitsabführrate Qd0 zu dem Abfluss 12 fördert.
Während der Dialysebehandlung kann Dialysierflüssigkeit aus dem Dialysierflüssigkeitssystem 5B als Substitutionsflüssigkeit über eine Substitutionsflüssigkeitsleitung 15 dem extrakorporalen Blutkreislauf 5 A zugeführt werden, die stromauf der ersten Dialysierflüssigkeitspumpe 13 von der
Dialysierflüssigkeitszufiihrleitung 10 abzweigt.
Die Substitutionsflüssigkeitsleitung 15 weist zwei Leitungsabschnitte 15a und 15b auf, von denen der eine Leitungsabschnitt 15a zu der arteriellen Blutleitung 6 und der andere Leitungsabschnitt 15b zu der venösen Blutleitung 7 fuhrt.
Die Substitutionsflüssigkeit wird mittels einer Substitutionspumpe 16, insbesondere Rollenpumpe gefördert, in die die Substitutionsflüssigkeitsleitung 15 eingelegt ist. In die Substitutionsflüssigkeitsleitung 15 ist stromauf der Substitutionspumpe ein in zwei Kammern 17a, 17b unterteiltes Sterilfilter 17 geschaltet. Die Substitutionspumpe zusammen mit den zugehörigen Leitungen und dem Sterilfilter bilden die Substitutionseinrichtung der Dialysevorrichtung. Zum Abklemmen der beiden Leitungsabschnitte 15a, 15b der Substitutionsflüssigkeitsleitung 15 können Absperrorgane, beispielsweise Schlauchklemmen vorgesehen sein, die aber der besseren Übersichtlichkeit halber nicht dargestellt sind.
Die Blutpumpe 8, die erste und zweite Dialysierflüssigkeitspumpe 13 und 14 sowie die Substitutionspumpe 16 sind über Steuerleitungen 8', 13', 14' 16' mit einer zentralen Steuer- und Regeleinheit 18 verbunden, von der die Pumpen unter Berücksichtigung der vorgegebenen Behandlungsparameter angesteuert werden.
Zum Betrieb der Hämo(dia)filtrationsvorrichtung als Hämodialysevorrichtung werden die Blutpumpe 8 sowie die erste und zweite Dialysierflüssigkeitspumpe 13 und 14 betrieben, wobei Dialysierflüssigkeit durch die Dialysierflüssigkeitskammer 4 des Dialysators 1 strömt. Zum Betrieb der Hämo(dia)filtrationsvorrichtung als
Hämodiafiltrationsvorrichrung wird die Substitutionspumpe 16 betrieben, so dass über den Sterilfilter 17 sterile Dialysierflüssigkeit als Substitutionsflüssigkeit wahlweise zu der arteriellen Zugabestelle 15A stromab der Blutpumpe 8 und stromauf der Blutkammer 3 (Prädilution) oder zu der venösen Zugabestelle 15B stromab der Blutkammer (Postdilution) strömt. Es ist aber auch ein Betrieb der Hämo(dia)filtrationsvorrichtung nur als Hämofiltrationsvorrichtung möglich, wenn die erste Dialysierflüssigkeitspumpe 13 nicht betrieben wird und somit der Zufluss von Dialysierflüssigkeit in die
Dialysierflüssigkeitskammer des Dialysators unterbrochen wird.
Die Vorrichtung zur Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Rezirkulation ist Bestandteil der extrakorporalen Blutbehandlungsvorrichtung. Die Vorrichtung verfügt über eine Steuereinheit, die Bestandteil der zentralen Steuer- und Recheneinheit 18 der Blutbehandlungsvorrichtung ist.
Weiterhin weist die Vorrichtung eine Einheit 19 zum Bestimmen des relativen Blutvolumens RBV(t) oder einer mit dem Blutvolumen korrelierenden Größe, beispielsweise des Hämatokrits Hct(t) auf. Diese Einheit ist in Fig. 1 nur schematisch dargestellt, da Geräte zum Messen des Blutvolumens oder Hämatokrits dem Fachmann bekannt sind. Es können grundsätzlich alle bekannten Geräte zum Messen dieser Größen eingesetzt werden. Bei dem vorliegenden Ausführungsbeispiel wird das relative Blutvolumen oder der Hämatokrit in dem Blut bestimmt, das durch die arterielle Blutleitung 6 strömt.
Darüber hinaus weist die Vorrichtung eine Einheit 20 zum Bestimmen der Summe von Fistelrezirkulation RA und kardiopulmonaler Rezirkulation Rcp auf. Derartige Geräte sind dem Fachmann ebenfalls bekannt. Beispielsweise kann ein Gerät eingesetzt werden, das die Rezirkulation R nach dem als Thermodilution bekannten Verfahren bestimmt (EDTNA-ERCA Journal 19,6 (1993)). Grundsätzlich können aber auch alle anderen bekannten Geräte zur Bestimmung der Rezirkulation R eingesetzt werden.
Des Weiteren weist die Vorrichtung eine Auswerteinheit 21 auf, die über Datenleitungen 22, 23 mit der Einheit 19 zum Bestimmen des relativen Blutvolumens oder Hämatokrits und mit der Einheit 20 zum Bestimmen der Rezirkulation verbunden. Über eine weitere Datenleitung 24 kommuniziert die Auswerteinheit mit der zentralen Steuereinheit 18.
Während der extrakorporalen Blutbehandlung steuert die Steuereinheit 18 die Blutpumpe 8 derart an, dass Blut in die Blutkammer 3 des Dialysators 1 mit der Blutflussrate Qb strömt, und steuert die erste und zweite Dialysierfiüssigkeitspumpe 13, 14 derart an, dass
Dialysierflüssigkeit mit der Dialysierflüssigkeitsrate Qdi in die Dialysierflüssigkeitskammer 4 strömt und Dialysierflüssigkeit mit der Dialysierflüssigkeitsrate Qdo aus der Dialysierflüssigkeitskammer 4 strömt. Die Steuereinheit 18 steuert die Substitutionspumpe 16 derart an, dass Substitutionsflüssigkeit mit der Substitutionsrate Qs dem Blut wahlweise stromauf (Prädilution) und/oder stromab (Postdilution) der Blutkammer 3 zugeführt wird.
Zunächst wird der Fall der Postdilution beschrieben, bei dem die Substitutionspumpe 16 Substitutionsflüssigkeit mit der Substitutionsrate Qs dem Blut stromab der Blutkammer zuführt. In diesem Fall strömt die Substitutionsflüssigkeit über den Leitungsabschnitt 15b der Substitutionsflüssigkeitsleitung, während der Leitungsabschnitt 15a abgesperrt ist.
Während der extrakorporalen Blutbehandlung wird mit der Einheit 19 das relative Blutvolumen RBV(t) oder der Hämatokrit Hct(t) fortlaufend überwacht. Fig. 2 zeigt den zeitlichen Verlauf des relativen Blutvolumens während der mehrstündigen Blutbehandlung.
Zur Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation und/oder der kardiopulmonalen Rezirkulation an der Rezirkulation steuert die Steuereinheit 18 die Substitutionspumpe 16 derart an, dass deren Förderrate vorzugsweise nur für ein vorgegebenes Zeitintervall um einen vorgegebenen Betrag vorzugsweise verringert wird oder die Substitutionspumpe 16 vorzugsweise für ein vorgegebenes Zeitintervall angehalten wird. Gleichzeitig steuert die Steuereinheit 18 die erste und zweite Dialysierflüssigkeitspumpe 13 und 14 derart an, dass die Flussrate QFM, d.h. die Flussrate, mit der Flüssigkeit über die Membran des Dialysators dem extrakorporalen Blutkreislauf entzogen wird, innerhalb des gleichen Zeitintervalls um den gleichen Betrag verringert wird, wie die Substitutionsrate verringert wird, oder der Entzug von Flüssigkeit über die Membran innerhalb des gleichen Zeitintervalls gänzlich unterbrochen wird. Dies ist besonders einfach bei Dialysegeräten zu bewerkstelligen, bei denen die Funktion der beiden Dialysierflüssigkeitspumpen 13 und 14 durch ein 1:1 bilanzierendes System sowie eine getrennte Ultrafiltrationsleitung realisiert werden, wie es beispielsweise bei dem Dialysiergerät der Fall ist, das in der US 4267040 beschrieben ist. In diesem Fall zweigt die Substitutionsflüssigkeitsleitung 15 vorzugsweise stromabwärts
des Bilanziersystems von der Dialysierflüssigkeitszufiihrleitung 10 ab. Wird dann die Substitutionspumpe abgeschaltet, verringert sich auch die Flussrate entsprechend, mit der Flüssigkeit über die Membran des Diaysators dem extrakorporalen Blutkreislauf entzogen wird. Wird dann der Dialysator durch einen nicht gezeigten Bypass zwischen Dialysierzufuhr- und -abfϊihrleitung abgekoppelt, so kommt es zur Unterbindung jedweder Ultrafiltration im Dialysator.
Fig. 2 zeigt den Fall, dass die Substitutionspumpe 16 für ein vorgegebenes kurzes Zeitintervall abgeschaltet wird und gleichzeitig die erste und zweite Dialysierflüssigkeitspumpe 13, 14 derart angesteuert werden, dass über die Membran des Dialysators Flüssigkeit (Ultrafϊltrat) nicht entzogen wird. Das Anhalten der Substituatpumpe bei gleichzeitiger Unterbrechung des Entzugs von Flüssigkeit über die Membran des Dialysators fuhrt zu einer kurzzeitigen Änderung des relativen Blutvolumens RBV(t) oder des Hämatokrits Hct(t). Die Änderung des Blutvolumens RBV(t) ist in Fig. 2 als kurzeitiger Einbruch (Peak) deutlich zu erkennen. Da die Substitutionspumpe während der Blutbehandlung in vorgegebenen Abständen für ein vorgegebenes Zeitintervall angehalten wird, ergeben sich eine Vielzahl von kurzfristigen Einbrüchen des Blutvolumens.
Fig. 3 zeigt die kurzzeitigen Änderungen des Blutvolumens in Folge des Abschaltens der Substitutionspumpe bei gleichzeitiger Unterbrechung des Entzugs von Ultrafiltrat während eines Abschnitts der Blutbehandlung in vergrößerter Darstellung. Es zeigt sich, dass das relative Blutvolumen RBV(t) immer um den gleichen Betrag abnimmt. Entsprechendes gilt für eine mit dem Blutvolumen korrelierende Größe, beispielsweise den Hämatokrit. Nach dem Abschalten der Substitutionspumpe und der Unterbrechung des Entzugs von Substituat bildet sich im extrakorporalen Kreislauf eine Art verdickte „Blutsäule" aus, die „einen Bolus" darstellt, der zu einer Änderung des Blutvolumens RBV oder des Hämatokrits führt.
Die Abnahme des relativen Blutvolumens bzw. die Zunahme der Dichte des Blutes oder eines Blutinhaltsstoffes ist bei der Postdilution darauf zurückzufuhren, dass unmittelbar nach der Verringerung der Substitutionsrate Qs, mit der Substitutionsflüssigkeit dem Blut
zugeführt wird, und der gleichzeitigen Verringerung der Flüssigkeitsrate QFM, mit der dem Blut über die Membran des Dialysators oder Filters Flüssigkeit entzogen wird, dem nunmehr aus dem Dialysator strömenden Blut über die Membran noch eine entsprechende Menge an Flüssigkeit entzogen worden ist, ohne dass es zu einer entsprechenden Verdünnung stromab des Dialysators mit Substitutionsflüssigkeit gekommen ist. Dadurch ist das aus dem Dialysator oder Filter fließende Blut unmittelbar nach der Verringerung der Raten Qs und QFM eingedickt. Eine Verringerung der Menge der dem Blut nach dem Durchtritt durch den Dialysator zugeführten Substitutionsflüssigkeit (Postdilution) führt daher unmittelbar zu einem Anstieg der Dichte des Bluts oder des Blutinhaltsstoffes im Blutkreislauf stromab des Dialysators. Wenn bei einer Prädilution die Raten Qs und QFM hingegen verringert werden, ist das im Dialysator oder Filter befindliche Blut bereits durch den vorherigen Zufluss von Substitutionsflüssigkeit verdünnt worden. Da die dem Substituatfluss entsprechende Filtration im Dialysator verringert wird oder ausbleibt, nimmt die Dichte des zum Patienten zurückzuströmenden Bluts in diesem Fall ab bzw. das relative Blutvolumen nimmt zu.
Die Einheit 19 zum Bestimmen des relativen Blutvolumens bestimmt das relative Blutvolumen (RBV(tO) vor dem Anhalten und das relative Blutvolumen (RBV(t2)) nach dem Anhalten der Substitutionspumpe und Unterbrechung des Entzugs von Ultrafiltrat. Dabei fällt der Zeitpunkt, zu dem die Zufuhr von Substitutionsflüssigkeit und der Entzug von Ultrafiltrat unterbrochen wird, nicht mit dem Zeitpunkt U bzw. t2 zusammen, zu dem das relative Blutvolumen gemessen wird. Die Messung erfolgt vielmehr zu einem Zeitpunkt, der ein bestimmtes Zeitintervall vor bzw. nach der Änderung der obigen Flussraten liegt, da es nach dem Abschalten der Pumpen eine gewisse Zeit dauert, bis die „Blutsäule" am Messpunkt ankommt. Auf der Grundlage des Verhältnisses k von dem Blutvolumen (RBV(t2))/(RBV(ti)) vor und nach dem Anhalten der Substitutionspumpe wird dann die Fistelrezirkulation RA berechnet, wie nachfolgend im Einzelnen beschrieben wird.
Die einzelnen Größen werden wie folgt bezeichnet:
RA : Rezirkulation in Shunt/Fistel
Hctp Hämatokrit des Dialysepatienten HctA Hämatokrit in der arteriellen Blutleitung zwischen arterieller Nadel und
Blutpumpe
Hcty Hämatokrit in der venösen Blutleitung zwischen venöser Tropfkammer und venöser Nadel
BPR Förderrate der Blutpumpe
UFR Netto-Ultrafiltrationsrate
Qs Förderrate der Substitutionspumpe a Verhältnis der UFR zur Förderrate der Blutpumpe ßx Berechnungsfaktor bei Post-Dilution ßi Berechnungsfaktor bei Pre-Dilution RBV relatives Blutvolumen
QFM Flussrate, mit der Flüssigkeit über die Membran des Dialysators dem Blut entzogen wird
Es gilt: QFM = QS + UFR
Zunächst wird der Fall der Postdilution betrachtet. Es sei angenommen, dass zum Zeitpunkt tι die Blutpumpe 8 mit der Förderrate BPR Blut durch den extrakorporalen Kreislauf 5 A pumpt, während die Substitutionspumpe 16 dem Blut im extrakorporalen Kreislauf mit der Förderrate Qs Substitutionsflüssigkeit stromab der Blutkammer 3 des Dialysators 1 oder Filters zuführt und über die Membran 2 des Dialysators Flüssigkeit mit der Flussrate Qs entzogen wird.
R
A(t,))+Hctv(t0- RA(I
1) (1)
HcMt0= 1) (2) \ - a
UFRJfx) a = (3) BPRQ1)
HctA(t,)=Hctp(ti)-(l- RA(I1)) •- ! " (4) l-αr-RA(f,)
Nunmehr wird angenommen, dass die Substitutionspumpe zum Zeitpunkt t
2 angehalten und gleichzeitig der Entzug von Flüssigkeit über die Membran des Dialysators unterbrochen wird. Die Förderrate BPR der Blutpumpe bleibt hingegen unverändert
Hct
A(t
2)=Hct
P(t
2)(l-R
A(t
2))-
OT».(0 + Q.(0 BPRQ)
Aus Gleichung (4) und (5) ergibt sich:
HctA(t,) (l-a) (l-ß-RA(t2)) HCtM-(I-RM) HctA(t2) (1-P)-(I-CC-RM) Hctp{t3y<l-RA(.t3))
Unter der Annahme, dass sich der Hämatokrit des Patienten und die Rezirkulation nicht ändern, d.h. HctpftO = Hctp(t2) = R(ti)=R(t2)=R ergibt sich mit
k= HcUC1)/ HcUt2) = RBV(t2)/RBV(t0 <1
Nach Umformung der Gleichung (8) ergibt sich:
"-V aV-*
(X = UFR( —O und
BPR(O
UFR(Q + Q5(Q BPR(t)
Für den Fall der Prädilution ergibt sich:
(l - αHl - lHl - *) ^
(10) (\ - a) - k - (\ - ß)
a = — und (3)
BPR(O
= UFR(Q - QS(Q BPR(t)
k= HcUt1)/ HCtXt2) = RBV(t2)/RBV(t0 >l (12)
Die Auswerteinheit 21 berechnet die Rezirkulation also für den Fall der Postdilution nach Gleichung (9) und für den Fall der Prädilution nach Gleichung (10) aus der Ultrafiltrationsrate UFR und der Förderrate der Blutpumpe BPR und der Förderrate Qs der Substitutionspumpe sowie dem Verhältnis k des mit der Einheit 19 zum Zeitpunkt t] vor der Unterbrechung der Substitution und Ultrafiltration und zum Zeitpunkt t2 nach der Unterbrechung der Substitution und Ultrafiltration gemessenen Hämatokrits Hct^ (ti) und HctΛ (t2) des Bluts in der arteriellen Blutleitung.
Anstelle des Hämatokrits kann der Koeffizient k auch aus dem Quotienten des relativen Blutvolumens RBV(t2) zum Zeitpunkt t2 nach der Unterbrechung der Substitution und Ultrafiltration und dem relativen Blutvolumen RBV(t0 zum Zeitpunkt ti vor der Unterbrechung der Substitution und Ultrafiltration berechnet werden. Folglich kommt es nur auf das Verhältnis des relativen Blutvolumens vor und nach der Unterbrechung oder
des Verhältnisses einer mit dem Blutvolumen korrelierenden Größe, beispielsweise des Hämatokrits an.
Zur Bestimmung des Anteils der Fistelrezirkulation RA an der gesamten Rezirkulation R hält die Steuereinheit 18 die Substitutionspumpe 16 für ein vorgegebenes Zeitintervall an (Qs = 0) und stellt die Förderraten der Dialysierflüssigkeitspumpen 13 und 14 derart ein, dass über die Membran des Dialysators dem Blut keine Flüssigkeit innerhalb des vorgegebenen Zeitintervalls entzogen wird (QFM = 0). Daraus folgt, dass die Ultrafiltration unterbrochen ist (UFR = 0). Dabei können auch die Förderraten der Dialysierflüssigkeitspumpen 13 und 14 gleich null eingestellt werden (Qd, = Qd0= 0). Ein solcher Zustand stellt sich beispielsweise ein, wenn der Dialysator im Rahmen eines Druckhaltetest durch einen Bypass überbrückt wird. Nach Ablauf des Zeitintervalls stellt die Steuereinheit 18 wieder die ursprünglichen Förderraten für die Pumpen ein.
Vor und nach der Unterbrechung der Substitution und der Ultrafiltration bestimmt die Einheit 19 das relative Blutvolumen RBV(ti) und RBV(t2) oder den Hämatokrit Hct^ (ti) und HCt^t2). Die Auswerteinheit 21 berechnet aus den Werten des relativen Blutvolumens oder des Hämatokrits den Koeffizienten k. Darüber hinaus berechnet die Auswerteinheit aus der Netto-Ultrafiltrationsrate UFR vor der Unterbrechung der Substitution und Ultrafiltration und der vor und nach der Unterbrechung der Substitution und Ultrafiltration gleich bleibenden Förderrate der Blutpumpe BPR den Koeffizienten αrnach Gleichung (3). Aus der Netto-Ultrafiltrationsrate UFR und der Substitutionsrate Qs und der Förderrate BPR der Blutpumpe berechnet die Recheneinheit nach Gleichung (6) den Koeffizienten/?. Die Fistelrezirkulation RA berechnet die Recheneinheit dann nach Gleichung (9) für den Fall der Postdilution.
Für den Fall der Prädilution berechnet die Recheneinheit den Koeffizienten α nach Gleichung (3) und den Koeffizienten ß nach Gleichung (11). Die Fistelrezirkulation RA für den Fall der Prädilution berechnet die Recheneinheit dann nach Gleichung (10).
Da die Messung der Rezirkulation sehr schnell erfolgt, wird nur die Fistelrezirkulation RA, nicht aber die Summe R von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation erfasst. Die
Summe R von Fistelrezirkulation RA und kardiopulmonaler Rezirkulation RCP bestimmt die Einheit 20 nach den bekannten Verfahren, beispielsweise nach dem als Thermodilution bekannten Verfahren (EDTNA-ERCA Journal 19,6 (1993).
Daraufhin berechnet die Auswerteinheit 21 den Anteil der Fistelrezirkulation RA an der Summe R von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation. Die kardiopulmonale Rezirkulation Rcp wird in der Auswerteinheit dadurch berechnet, dass die Differenz zwischen der gemessenen Summe R von Fistel- und kardiopulmonaler Rezirkulation und der berechneten Fistelrezirkulation RA bestimmt wird.
Die Rezirkulationswerte können auf einer nicht dargestellten Anzeigeeinheit angezeigt werden und/oder zur Berechnung weiterer für die extrakorporale Blutbehandlung charakteristischer Größen herangezogen werden.