VORRICHTUNGEN UND VERFAHREN ZUM STECKBLASFORMEN EINES BEHÄLTERS UND DIE ENTSPRECHENDE VERWENDUNG
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Blasformen eines Behälters nach dem Oberbegriff der Ansprüche 1 bzw. 8, sowie die Verwendung eines tubulären elektrischen Linearmotors in einer solchen Vorrichtung.
Derartige Blasvorrichtungen werden beispielsweise in Hohlkörper-Streckblasmaschinen eingesetzt, bei denen ein Vorformling bei einer thermischen Konditionierung innerhalb einer Blasform von der Reckstange gereckt und durch Blas- druckeinwirkung in den Behälter umgeformt wird. Bei einer Behälterformung durch Blasdruckeinwirkung werden Vorformlin- ge aus einem thermoplastischen Material, beispielsweise Vor- formlinge aus PET (Polyethylenterephthalat) , innerhalb einer Blasmaschine unterschiedlichen Bearbeitungsstationen zugeführt .
Typischerweise weist eine derartige Blasmaschine mehrere Blasstationen auf, die auf einem gemeinsamen Blasrad angeordnet sind, und die jeweils eine Blasvorrichtung sowie ein Formwerkzeug umfassen, in dem der zuvor temperierte Vorformling durch biaxiale Orientierung zu einem Behälter expandiert wird. Eine Heizstation zum Vorwärmen der Vorformlinge ist dabei üblicherweise nicht auf dem Blasrad selbst, sondern in einem vorhergehenden Durchlaufofen angesiedelt. Die Expansion der Vorformlinge erfolgt üblicherweise mit Hilfe von Druckluft, die in den zu expandierenden Vorformling eingeleitet wird, während gleichzeitig die Reckstange zum Führen des Vorformlings ausgefahren wird.
Im Hinblick auf die verwendeten Blasstationen sind unter- schiedliche Ausführungsformen bekannt. Bei Blasstationen, die auf rotierenden Transporträdern angeordnet sind, ist eine buchartige Aufklappbarkeit der Formträger häufig anzutreffen. Es ist aber auch möglich, relativ zueinander ver-
schiebliche oder andersartig geführte Formträger einzusetzen. Bei ortsfesten Blasstationen, die insbesondere dafür geeignet sind, mehrere Kavitäten zur Behälterformung aufzunehmen, werden typischerweise parallel zueinander angeordne- te Platten als Formträger verwendet.
Die Reckstangen werden hierbei häufig von pneumatischen Zylindern und meist in Kombination mit einer mechanischen Kulisse positioniert, wodurch die Blasvorrichtungen nicht nur eine enorme Bauhöhe erreichen, sondern auf Grund der schwe- ren beweglichen Teile sowie der durch die Gegenwirkung in der Kulisse auftretenden Kräfte, auch noch eine besonders stabile Auslegung erfordert. Dadurch wird das schon hohe Gewicht einer solchen Vorrichtung zusätzlich erhöht, und deren z.B. rotatorische Bewegung in einer Blasmaschine benötigt viel Energie. Ebenso ist der Energieverbrauch durch Verwendung von Druckluft als Antriebsmedium sehr hoch. Eine pneumatisch / mechanische Positionierung der Reckstangen erhöht damit gleichermassen die Herstellungs- wie Betriebskosten einer derart ausgelegten Blasmaschine.
Aus der DE-OS 103 25 229 ist es bereits bekannt, zur Positionierung einer Reckstange einen elektrischen Linearantrieb einzusetzen, der ähnlich zum Funktionsprinzip des Transra- pid-Bahnsystems konstruiert ist. Derartige Linearmotoren ermöglichen eine hochgenaue Reproduzierbarkeit bei der Durch- führung von Reckbewegungen, weisen jedoch ein vergleichsweise hohes Baugewicht und einen hohen Preis auf.
Die WO 2006/108380 versucht dieses Problem durch Kombination eines Fluidantriebs und eines elektrischen Linearmotors zu lösen, und damit die Vorteile der jeweiligen AntriebsSysteme miteinander zu vereinen. Fluidantriebe, insbesondere pneumatische oder hydraulische Antriebe, ermöglichen im Rahmen von Steuerungen eine sehr schnelle Durchführung von Positionierbewegungen bei hohen erzeugbaren Kräften und geringem Baugewicht . Insbesondere bei einer sehr schnellen Durchführung
von Positionierbewegungen weisen die Fluidantriebe jedoch Nachteile hinsichtlich der Positioniergenauigkeit auf, da Regelungsvorgänge unter Berücksichtigung der Systemträgheiten nur eingeschränkt realisierbar sind. Durch die Kombina- tion eines Fluidantriebs mit einem elektrischen Linearmotor soll es nun möglich sein, einen Linearmotor mit relativ geringer Leistung und somit auch geringem Preis und geringem Baugewicht zu verwenden und diesen lediglich zu einer Korrektur der Beschleunigungs- bzw. Bremskräfte des Flui- dantriebs zu verwenden. Ein entscheidender Nachteil dieser Kombination besteht allerdings darin, dass weder das Gewicht noch die Baugrösse einer Blasmaschine entscheidend verringert werden kann, da zusätzlich zu dem Fluidantrieb auch noch ein elektrischer Linearmotor zu integrieren ist. Zudem verwendet diese Lösung nach wie vor einen Fluidantrieb und damit eine sehr teure Energieform.
Die EP 1 484 160 zeigt eine Antriebseinrichtung, die ebenfalls als ein Linearmotor ausgebildet ist. Die Einrichtung ist mit einem Regler verbunden, der eine Stellgrösse für den Linearmotor in Abhängigkeit von einem Vergleich zwischen einem Sollwertverlauf und einem messtechnisch erfassten Istwert für eine jeweilige Positionierung der Reckstange vorgibt. Der Sollwertverlauf ist dabei im Bereich eines SoIl- wertspeichers abgelegt. Durch die Ausbildung der An- triebseinrichtung als Linearmotor sollen geringe räumliche Abmessungen eine hohe mechanische Belastbarkeit bereitstellt und zur Erzeugung genau dosierbarer grosser Kräfte verwendet werden. Durch den Regelkreis und die unmittelbare messtechnische Auswertung einer aktuellen tatsächlichen Positionie- rung der Reckstange soll ein vorgegebenes Bewegungsprofil exakt eingehalten werden, da der Linearmotor mit einer hohen Dynamik und somit nur geringen zeitlichen Verzögerungen geregelt werden kann. Hier besteht der Nachteil aber darin, dass nur ein entsprechend dimensionierter, grosser und schwerer und damit sehr teurer Linearmotor die Kräfte aufzu-
bringen vermag, die üblicherweise von einem Fluidantrieb bereit gestellt werden.
Der Stand der Technik betrifft damit durchweg Rotationsmaschinen, die alle mechanisch und/oder pneumatisch aufgebaut sind. Die mit elektrischen Antrieben versehenen Maschinen weisen trotz aller erhofften Vorteile Mängel auf und wurden in der Folge auch nie umgesetzt. So ist ein Servomotor mit Spindel bzw. Riemen aufwendig und teuer und zeigt erheblichen Verschleiss . Ein Linearmotor wie in EP 1 484 160 wie- derum ist flach, allerdings auch teuer und benötigt weitere Bauteile wie Linearführungen etc. Ein Linearmotor wie in WO 2006/108380 wird lediglich zur Regelung des Weges verwendet und bringt die erforderliche Kraft nicht auf. Er wird daher pneumatisch/hydraulisch unterstützt, wodurch alle Nachteile von Zylindern wieder auftauchen, wie hoher Luftverbrauch, Zylinderverschleiss usw.
Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die Nachteile des Stands der Technik zu überwinden und eine Vorrichtung zum Blasformen eines Behälters aus einem Vorformling zur Verfü- gung zu stellen, die kompakt aufgebaut und leicht sowie kostengünstig herstellbar ist.
Diese Aufgabe wird durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst .
Danach wird eine Verbindung zwischen dem Blaszylinderund ei- nem tubulären elektrischen Linearmotor geschaffen, dessen Läufer mit der Reckstange verbunden ist und dessen Stator sich gegen den Blaszylinder abstützt. Der Blaszylinder stellt dabei diejenige Komponente dar, die durch Ausführen eines Hubs, der bislang pneumatisch erzeugt wird, an die Flasche andockt und durch den sowohl Blasluft als auch die Reckstange in die Flasche eingeführt werden. Der tubuläre elektrische Motor vereint alle Vorteile des Stands der Technik, da er die ausreichende Kraft aufbringt, kostengünstig
und verschleissarm ist. Grundsätzlich können derartige Motoren sowohl nach dem Lorenzkraftprinzip wie auch nach dem Maxwellkraftprinzip aufgebaut werden. Der Unterschied zu den flachen oder U-förmigen Linearmotoren besteht dabei darin, dass die Erregerwicklung des Stators die Magnete im stabför- migen Läufer kreisförmig (tubulär) umfasst.
In der modernen Servomotortechnik hat sich die Verwendung von Seltenerden-Magneten für die Erzeugung des Flusses allgemein durchgesetzt. Bei einem tubulären elektrischen Line- armotor befinden sich die Permanentmagnete, meist Neodymmagnete, seltene Erde Magnete O.A., in einem nichtmagnetischen Stahlrohr. Die einzelnen Magnete wie Scheiben- oder Ringmagnete werden gegenpolig in dieses Präzisionsstahlrohr eingefügt, so dass auf der Aussenseite des Stahlrohres eine N-S- N-S Feldverteilung entsteht. Der Stator besteht aus einem Eisenrohr, das als Rückschluss für den magnetischen Fluss dient . Innerhalb des Eisenrohres befinden sich die Wicklungen, die typischerweise als Zwei- oder Dreiphasenwicklungen ausgeführt werden. Die Wicklungen selber werden auf einen Wicklungsträger aufgebracht, der zugleich die Funktion eines Gleitlagers besitzt. Damit kann in vielen Fällen auf eine zusätzliche Führung verzichtet werden, oder es entfällt zumindest die aufwendige Ausrichtung zwischen Läufer und Stator. Da die magnetischen Anziehungskräfte zwi- sehen Läufer und Stator bzw. dem Eisenrückschluss sich radial kompensieren, entsteht gegenüber den flachen oder U- förmigen Linearmotoren zudem eine sehr viel geringere Lagerbelastung. Gegenüber einer einfachen Lagerung des Läufers an beiden Enden des Stators besitzt die integrierte Lagerung über die ganze Länge des Stators den Vorteil, dass der Läufer kürzer gewählt werden kann und die Belastung des Gleitlagers aufgrund der grossen Auflagefläche bedeutend geringer ist, so dass daraus eine entsprechend längere Lebensdauer resultiert. Moderne industrielle Linearmotoren dieses Typs können je nach Anwendung bis zu mehrere Milliarden Hübe aus-
führen. In der Mitte des Stators befinden sich sogenannte Hall -Effekt -Sensoren, welche die magnetischen Feldlinien der Magnete im Läufer erfassen. Mit einer sogenannten Sinus- Cosinus-Auswertung lässt sich aufgrund dieser Felderfassung die relative Position zwischen Läufer und Stator bestimmen. Eine zusätzliche externe Sensorik in Form eines Glasmassstabes oder eines Magnetbandes wird nur dann benötigt, wenn extreme Genauigkeitsanforderungen unterhalb von ca. 0,05 mm gefordert werden.
Neben den Wicklungen und den Positionssensoren befindet sich bei modernen tubulären elektrischen Linearmotoren ein Mikro- controller im Stator. Dieser dient zur seriellen Kommunikation mit der Ansteuerelektronik, so dass im Betrieb weitere relevante Daten wie etwa die Temperatur in verschiedenen Bereichen des Stators, Motortyp, Seriennummern oder allgemeine Informationen, die zu einem Condition-Monitoring gehören, ausgetauscht werden können. Angesteuert werden Linearmotoren z.B. durch Controller mit PWM-Modulation und Positionsregelkreisen, wie sie von rotativen Servomotoren her bekannt sind. Allerdings bedingt die spezielle Topologie von
Linearmotoren einige zusätzliche Funktionen auf dem Controller, sofern ein Optimum an Leistung erzielt werden soll. Derartige Controller für Linearmotoren werden typischerweise mittels Feldbus-Schnittstellen wie Profibus, DeviceNet, Ca- nOpen oder ETHERNET an die übergeordnete Steuerung (SPS, PC) angeschlossen. Aufgrund ihres einfachen und robusten Aufbaus sind tubuläre elektrische Linearmotoren prädestiniert für den Einsatz in der rauen industriellen Umgebung.
Konstruktiv gesehen entsteht so ein Antriebselement, das Ähnlichkeiten mit einem pneumatischen oder hydraulischen Zylinder aufweist. Insbesondere ist dessen Kraftentwicklung vergleichbar, da alle Kräfte in Wirkrichtung ausgerichtet sind und keine seitlichen Kräfte entstehen. Im Vergleich zu einem pneumatischen oder hydraulischen Zylinder lässt sich ein solches Antriebselement aber deutlich genauer, dynami-
scher und flexibler positionieren und weist zudem erheblich reduzierte Abmessungen bei zudem geringerem Gewicht auf. Darüber hinaus arbeitet es schneller als rotative Servoantriebe, die ihre translatorische Bewegung über einen Spindelantrieb erzeugen. Im Vergleich zu einer pneumatischen oder hydraulischen Lösung wird auch kein Ansteuerdruck mehr benötigt, der üblicherweise mit hohen Energiekosten verbunden ist. Im Vergleich dazu liegt der elektrische Energieverbrauch unter der Hälfte dieser Kosten. Da auch keine Ver- schleissteile mehr vorhanden sind, kann ein solches Antriebselement besonders kostengünstig betrieben werden. Dessen Anschaffungskosten können sich bereits nach einem Betriebsjahr durch Einsparungen im Energieverbrauch amortisieren.
Zudem wird ein besonders einfacher Aufbau einer Blasvorrichtung möglich, da im Vergleich zur pneumatischen oder hydraulischen Lösung weniger und billigere Bauteile und insbesondere keine Linearführung mehr benötigt werden. Zudem wird die Bauhöhe und damit das Gewicht einer solchen Vorrichtung erheblich reduziert. Da die Endposition, Geschwindigkeit usw. über den Controller gesteuert werden können, ist eine solche Vorrichtung auch äusserst flexibel. Falls z.B. unterschiedliche Flaschenformen oder -grossen verwendet werden, muss nicht mehr eine ganze Kulisse ausgetauscht oder modifi- ziert werden, vor allem wenn die Hubhöhe der Reckstange verändert werden muss. Da keine Kulisse mehr vorhanden ist, sind auch unterschiedliche Geschwindigkeiten möglich, ohne dass ein vorheriger Umbau von mechanischen Komponenten wie der Kulisse vorgenommen werden müsste. Auch bei prozessbe- dingt langsamer laufendem Blasrad kann somit ein gleichbleibend schneller Reckstangenvorschub beibehalten werden. Dadurch kann die Maschine einen variablen Ausstoss von Flaschen liefern. Da die Blasvorrichtung auch keinen massiven Aufbau mehr erfordert, sind rotierende Blasvorrichtungen keinem starken Verschleiss mehr ausgesetzt, was deren Le-
bensdauer erheblich verlängert. Die Hauptvorteile der Massenreduktion liegen allerdings in einer besseren Dynamik, einem geringeren Energieaufwand durch reduzierte bewegte Massen, in Kostenvorteilen, da weniger Material verbaut ist, und darin, dass eine kompaktere Maschine selbst möglich ist; gleichzeitig ist deren Herstellung bei neuerdings hohem Stahlpreis günstiger.
Bevorzugte Weiterbildungen der vorliegenden Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
Ein besonders einfacher Aufbau einer Blasvorrichtung ergibt sich dann, wenn ein Blaskolben vorgesehen ist, der die Reckstange umgreift, und an dessen einem Ende die Blasdüse angeordnet ist und dessen anderes Ende axial verschiebbar in dem Blaszylinder gelagert ist. Dabei kann der Kolben durch den Zylinder hindurch mit Druckluft beaufschlagt werden, um aus diesem heraus bewegt zu werden. In eingefahrenem Zustand des Kolbens kann der Vorformling damit besonders einfach in die Blasdüse aufgenommen werden. In ausgefahrenem Zustand wird die Blasdüse dichtend gegen die Hohlform gedrückt, in welcher der Vorformling schliesslich zu einem Behälter geblasen wird. Zur Beladung der Blasvorrichtung ist es damit nicht erforderlich, diese in Gänze zu verfahren, was deren Lagerung und Kinematik deutlich vereinfacht und deren Höhenbedarf reduziert .
Eine noch kompaktere Bauform der Vorrichtung wird dadurch erzielt, dass der Blaszylinder und der Läufer des Motors so geformt und dimensioniert sind, dass der Läufer wenigstens teilweise in den Blaszylinder hinein verfahrbar ist. Damit ist eine weitere Reduktion der Bauhöhe und des Gewichts der bereits vorstehend beschriebenen Vorrichtung möglich, was die dort genannten Vorteile noch einmal verstärkt . Eine besonders kompakte und dennoch sehr einfache Bauform wird erzielt, wenn der Läufer so tief wie möglich, d.h. bis kurz vor den Vorformling bzw. die Flaschenform in den Blaszylin-
der eintaucht. Eine optimale Verkürzung der Bauhöhe einer solchen Vorrichtung wird insbesondere dann erreicht, wenn eine Hubhöhe des Läufers vollständig innerhalb einer Bauhöhe des Blaszylinders liegt, d.h. dessen blasdüsenseitiges Ende sich nicht aus dem Blaszylinder heraus bewegt. Eine derartige Integration von Motor und Zylinder macht einen besonders kompakten und längenverkürzten Aufbau der Blasvorrichtung möglich.
Die Verbindung zwischen Läufer und Reckstange kann dabei je nach Anforderung der spezifischen Anwendung (Rotationsblas- maschine, Linearblasmaschine usw.) unterschiedlich gewählt sein. Eine besonders stabile Verbindung wird z.B. bereitgestellt, wenn der Läufer und die Reckstange einstückig ausgeführt sind. Eine leicht wechselbare und zudem stabil mit dem Läufer verbundene Reckstange kann dagegen durch Verschrau- bung des Läufers mit der Reckstange bereitgestellt werden. Dazu kann der Läufer z.B. eine axiale Gewindebohrung und die Reckstange ein entsprechendes Aussengewinde aufweisen. Eine besonders schnelle Wechselbarkeit der Reckstange kann schliesslich ermöglicht werden, indem der Läufer und die Reckstange lediglich in axialer Richtung miteinander gekoppelt sind, so dass sich die Reckstange z.B. in radialer Richtung oder Umfangsrichtung „aushaken" lässt. Dabei können Kupplungen wie ein Bajonettverschluss, eine T-Nuten- Einführung oder eine Kupplung mit Axial- und Winkelausgleich zwischen Läufer und Reckstange verbaut werden, welche einen besonders schnellen Wechsel der Reckstange ermöglichen.
Die vorstehende Aufgabe wird auch durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 8 gelöst. Dieser sieht eine al- ternative Anordnung des tubulären elektrischen Linearmotors in einem Abstand parallel zum Blaszylinder vor. Im Sinne einer kinematischen Umkehr wird dabei nicht mehr der Läufer des Motors bewegt, sondern dessen Stator, der wiederum über einen Ausleger mit der Reckstange verbunden ist. Diese Kopp- lung kann ähnlich wie bereits beschrieben erfolgen, also
einstückig, verschraubt oder in axiale Richtung ausgeführt sein. Die parallele Anordnung des Motors hat insbesondere den Vorteil, dass die Bauhöhe gegenüber den vorstehenden Ausführungsformen reduziert ist, da keine Läuferstange nach oben herausfährt und die Zugänglichkeit für den Austausch der Reckstange vereinfacht ist . Zudem lässt sich der Motor besonders einfach und wirkungsvoll kühlen, so dass eine Leistungssteigerung um bis zu 30 % erzielt werden kann.
Eine nochmals kompaktere Bauform der Vorrichtung wird da- durch erzielt, dass der Läufer als Teil der Reckstange ausgebildet ist. Die Reckstange kann z.B. direkt mit Magneten befüllt werden und als Läufer in dem Motor fungieren. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn zukünftig die magnetische Kraft tubulärer elektrischer Linearmotoren weiter ge- steigert wird, und sich gleichzeitig die tatsächlich benötigte Prozesskraft beim Recken von Behältern durch verbesserte Materialien oder z.B. dünnwandige Flaschen reduziert, oder sich z.B. Flaschenöffnungen und damit Reckstangendurchmesser vergrössern.
Eine noch weiter komprimierte Bauform wird schliesslich dadurch erreicht, indem der Stator des Motors wenigstens teilweise von dem Blaszylinder umschlossen oder als integraler Bestandteil des Blaszylinders ausgeführt ist, d.h. im optimalen Fall der Stator vollständig in den Zylinder integriert ist. Um den Blaszylinder selbst dadurch nicht zu verlängern, ist es bevorzugt vorgesehen, dass der Stator des Motors wenigstens teilweise von dem Blaskolben umschlossen ist oder als integraler Bestandteil des Blaszylinders ausgeführt ist. Diese Lösung ist insbesondere für Körper mit einer grosseren Öffnung als einem Flaschenhals von Vorteil. Für Gefässe mit dünnerem Flaschenhals ist dagegen denkbar, dass die Prozess- kräfte durch immer dünnwandigere Gefässe sinken. Die möglichen Kräfte der Linearantriebe können dabei durch stärkere Permanent- und Elektromagnete gesteigert werden. Eine grös- sere Wärmebildung kann durch entsprechende Luft- und/oder
Wasserkühlung des Stators aufgefangen werden.
Bevorzugte Weiterbildungen aller vorstehenden Ausführungs- formen sind in den Unteransprüchen angegeben und betreffen insbesondere die Kühlung des Motors .
So ist es von Vorteil, wenn der Läufer des Motors als Hohl- magnetstange ausgeführt ist, durch die kühlende Blasluft geführt ist. Dadurch wird der Motor über den Läufer zusätzlich gekühlt, wobei es auch möglich ist, diesen Luftstrom generell zur Motorkühlung zu nutzen. Wenn auch die Reckstange als Hohlstange ausgeführt ist, und die Blasluft durch den Läufer und die Reckstange geführt ist, kann diese auch zur Kühlung der Blasform verwendet werden. Dabei braucht z.B. das PET im Formwerkzeug nicht so stark gekühlt werden. Statt dessen wird über die Reckstange von innen kühlende Blasluft zugeführt. Insbesondere dann, wenn der Läufer z.B. als integraler Teil der Reckstange ausgeführt ist, entsteht damit eine besonders einfache Luftführung zur Kühlung eines blasgeformten Behälters. Die Blasluft kann dabei über einen Schlauchanschluss zugeführt werden, der direkt oben auf dem Läufer des Motors angeflanscht ist, von dort in die
Reckstange hinein und an deren unterem Ende in die Blasform hinaus geleitet und schliesslich über die Blasdüse hinweg abgeführt werden. Neben einem koaxialen Austritt der Blas- luft am unteren Ende der hohlen Reckstange kann auch vorge- sehen sein, dass diese mit radialen Austrittsöffnungen versehen ist, über welche die Blasluft in die Blasform geleitet wird.
Alternativ oder zusätzlich kann wenigstens ein Zu- luftstrompfad und/oder wenigstens ein Abluftstrompfad für Druckluft zu bzw. von der Blasdüse vorgesehen sein, wobei wenigstens einer der Pfade durch den Stator und/oder am Stator des Motors vorbei geführt ist. Dabei wird möglichst nahe bei den Spulen eine Wärmeabfuhr erzielt, was die Dauerleistung des Motors erheblich erhöht. Diese Kühlwirkung kann
noch dadurch erhöht werden, indem wenigstens ein Strompfad zur Wasserzufuhr vorgesehen ist, der durch den Stator und/oder am Stator des Motors vorbei geführt ist.
Die Abluft beim Blasen von Behältern kann dabei z.B. vor ei- nem Schalldämpfer mit einem Druckniveau von ca. 6 bar abgezweigt und über ein Rückschlagventil in einen Puffer, d.h. in einen kleinen Drucklufttank, geführt werden, von wo aus die Abluft gedrosselt am Motor vorbei und/oder über dessen Stator geführt werden kann. Nebst dem Vorteil der Motorküh- lung wird dadurch eine minimal schnellere Entlüftung erreicht .
Ein weiterer Vorteil entsteht, wenn wenigstens ein Zu- luftstrompfad und wenigstens ein Abluftstrompfad für Druckluft zu bzw. von der Düse vorgesehen ist, wobei wenigstens einer der Pfade so über den Motor geführt ist, dass dieser luftgekühlt wird. Alternativ oder zusätzlich kann aber auch ein Strompfad zur Wasserzufuhr vorgesehen sein, der so über den Motor geführt ist, dass dieser wassergekühlt wird. In einer besonders einfachen alternativen oder zusätzlichen Lo- sung können auch Kühlrippen zum Luftkühlen des Motors vorgesehen sein.
Durch die vorstehend beschriebene Kühlung des Stators, also des Spulenträgers Motors, kann dessen Leistung derart gesteigert werden, dass bereits ein herkömmlicher, kompakter tubulärer elektrischer Linearmotor als alleiniger Antrieb der Blasvorrichtung ausreichend ist. Die Kühlung geschieht dabei vorteilhafterweise mit Medien, die sowieso auf der Maschine vorhanden sind. Insbesondere kann die Kühlluft als Abfallprodukt beim Entlüften der Flasche nebst der normalen Arbeitsluft in der Maschine zum Kühlen verwendet werden. Üblicherweise ist auch Kühlwasser vorhanden, da die Flaschenform gekühlt werden muss .
Um die Belastung durch den wirkenden Blasdruck auf die Reckstange nicht durch Motorkraft kompensieren zu müssen, ist bevorzugt ein Anschlag vorgesehen, gegen den der Läufer in einer oberen Ruhelage anliegt . Eine Dauerbelastung des Motors kann dadurch verringert werden, indem ein elastisch federndes Rückstellelement vorgesehen ist, welches das Eigengewicht bewegter Teile, insbesondere der Reckstange und/oder des Läufers kompensiert .
Um sicherzustellen, dass im erfindungsgemässen Linearmotor- konzept die Reckstange mechanisch gesichert nach oben geführt wird, ist es von Vorteil, wenn die Rückstellung der Reckstange durch einen kurzen, temporären Druckluftstoss unterstützt wird. Dadurch kann z.B. eine Kollision auf dem Blasrad verhindert werden, wenn die fertige Flasche entnom- men werden soll, die Reckstange aber steckengeblieben ist. Im einfachsten Fall kann diese Druckluft aus der Blasabluft stammen, sie kann aber auch gezielt von der Maschinenarbeitsluft von ca. 7 bar entnommen werden.
Eine hohe Dauerbelastung des tubulären elektrischen Linear- motors kann dabei dadurch vermieden werden, indem die
Reckstange nach Abschluss des Blasformungsvorgangs möglichst früh zurückgezogen wird. Obwohl der Blasvorgang selbst ca. 1,6 Sekunden lang dauert, könnte die Reckstange bereit kurz nach Erreichen ihrer Endposition wieder zurückgefahren wer- den. Zum Halten der Stange gegen die Kraft welche durch den in der Flasche wirkenden Druck entsteht, kann dabei der schon erwähnte Anschlag dienen, gegen den die Stange dann in der oberen Ruhelage anliegt. Dies verringert die Standkraftbelastung des Motors, die bei ausgefahrener Reckstange gegen den Blasdruck aufzubringen ist.
In jedem Fall soll aber ein tubulärer elektrischer Linearmotor bevorzugt zum alleinigen Antreiben der Reckstange in einer Vorrichtung zum Blasformen von Behältern aus einem Vor- formling verwendet werden.
Die Erfindung wird im Folgenden unter Bezugnahme auf die beigelegten' Figuren näher erläutert . Gleiche oder gleichwirkende Teile sind mit gleichen Bezugsziffern versehen. Es zeigen :
Figur 1 eine erste kompakte Ausführungsform einer erfin- dungsgemässen Vorrichtung zum Blasformen von Behältern aus Vorformlingen;
Figur 2 eine zweite, noch kompaktere Ausführungsform einer erfindungsgemässen Vorrichtung;
Figur 3 eine dritte, alternative Ausführungsform einer er- findungsgemässen Vorrichtung nach Figur 1 bzw. 2 ;
Figur 4 eine vierte, nochmals kompaktere Ausführungsform einer erfindungsgemässen Vorrichtung, und
Figur 5 eine fünfte, noch weiter komprimierte Ausführungs- form einer erfindungsgemässen Vorrichtung.
Die Figur 1 zeigt eine erste kompakte Ausführungsform 10 einer erfindungsgemässen Vorrichtung zum Blasformen von Behältern aus Vorformlingen R. Diese besteht aus einem Blaszylinder 11 und einer daran gehaltenen Blasdüse 12, an welcher der Vorformling R aufgenommen ist. Eine Reckstange 13 ist durch die Düse 12 hindurch in den Vorformling R hinein und wieder heraus verfahrbar und wird von dem Zylinder 14 umgriffen. Der Düse 12 wird über Öffnungen 14, 14' in dem Zylinder 11 Druckluft zugeführt, um denVorformling R gleich- zeitig oder zeitversetzt zum Reckvorgang gegen eine Hohlform (nicht dargestellt) aufzublasen. Die Reckstange 13 wird über eine tubulären elektrischen Linearmotor 15 angetrieben, dessen Läufer 15-2 mit der Reckstange 13 verschraubtist . Alternative Verbindungen können aber auch einen Schnellverschluss oder eine Kupplung vorsehen. Dadurch ist ein schneller Wechsel der Reckstange 13 abhängig von der Behälterproduktion möglich. Der Stator 15-1 des Motors 15 ist in einem Gehäuse
untergebracht, das mit Kühlrippen K versehen ist. Alternativ oder zusätzlich kann auch eine Wasserkühlung vorgesehen sein, die wie die Kühlrippen K zu einer erheblichen Leistungssteigerung des Motors 15 beiträgt . Zum raschen und ein- fachen Einbringen desVorformlings R ist die Vorrichtung 10 mit einem Blaskolben 16 versehen, dessen eines Ende axial beweglich in dem Zylinder 11 aufgenommen ist, und dessen anderes Ende die Düse 12 trägt. Der Kolben 16 wird dabei vor dem eigentlichen Blasvorgang luftdicht gegen die Hohlform zur Anlage gebracht.
Im Vergleich zu einer konventionellen pneumatischen oder hydraulischen Blasvorrichtung mit entsprechend grossen und schweren Zylindern ist durch den tubulären elektrischen Linearmotor die Bauhöhe der erfindungsgemässen Vorrichtung 10 deutlich verkürzt. Da der Aufbau weniger und einfachere Bauteile und insbesondere keine Linearführung mehr erfordert, sind die Herstellungskosten zudem erheblich geringer. Gleichzeitig wird das Gewicht wesentlich reduziert, was insbesondere in einer Blasmaschine mit Blasstationen, die auf einem Laufrad rotieren, geringere Massenträgheitskräfte erzeugt. Dadurch wiederum verringert sich der Verschleiss der Anlage und somit deren Betriebskosten. Während z.B. ein Pneumatiksystem nur lediglich ein Jahr hält, ist ein Reckantrieb mit einem tubulären elektrischen Linearmotor praktisch verschleissfrei . Das gewichtsreduzierte System lässt zudem den Energiebedarf sinken, was zu einer weiteren Verringerung der Betriebskosten beiträgt .
Die Figur 2 zeigt eine zweite, noch kompaktere Ausführungsform 20 einer erfindungsgemässen Vorrichtung. Im Unterschied zur Vorrichtung 10 der Figur 1 ist sowohl ein Blaszylinder
21 wie auch ein darin gelagerter Blaskolben 26 so auf einen Läufer 25-2 eines tubulären elektrischen Linearmotors 25 an- gepasst, dass dieser Läufer in einer Hubbewegung (von ungefähr 400 mm) bis kurz vor den Vorformling R in den Zylinder 21 eingefahren werden kann. Der Kolben 26 weist dazu im Be-
reich eines freien Endes Öffnungen 24, 24' auf, die schräg auf eine an diesem Ende gehaltene Düse 22 zulaufen, und denen über entsprechende Öffnungen im Zylinder 21 Druckluft zugeführt wird. Im Vergleich zur Vorrichtung 10 erlaubt die- se Konstruktion eine weitere Verkürzung der Vorrichtung 20, und verstärkt die dort bereits genannten Vorteile. Eine Reckstange 23 ist dabei wie in Figur 1 bereits beschrieben mit dem Läufer 25-2 des Motors 25 verschraubt, um einen schnellen Wechsel abhängig von der Behälterproduktion zu ge- währleisten. Abhängig von der Hubhöhe der Reckstange 23 ist ein Stator 25-1 des Motors 25 so nahe wie möglich am Zylinder positioniert, um ein Optimum an Verkürzung zu erhalten. Eine besonders kurze Bauform der Vorrichtung 20 wird erreicht, wenn die Hubhöhe der Reckstange 23 vollständig in- nerhalb des Zylinders 21 liegt.
Die Figur 3 zeigt eine dritte, zu den Figuren 1 bzw. 2 alternative Ausführungsform 30 einer erfindungsgemässen Vorrichtung. Abweichend von den genannten Figuren ist dabei ein tubulärer elektrischer Linearmotor 35 in einem Abstand pa- rallel zu einem Blaszylinder 31 angeordnet. In diesem Beispiel bewegt sich der Motor 35 entlang eines Läufers 35-2, und nimmt über einen Stator 35-1 eine Reckstange 33 mit, die mit diesem über einen Ausleger 37 verbunden ist. Dabei können der Zylinder 31, ein darin gelagerter Blaskolben 36 mit Öffnungen 34, 34' und eine an dessen freiem Ende gehaltene Blasdüse 32 wie in Figur 2 oder Figur 1 gestaltet sein. Auch die alternative Anordnung des Motors 35 in der gezeigten Art und Weise verkürzt den Aufbau der Vorrichtung 30 erheblich, mit den bereits genannten Vorteilen.
Die Figur 4 zeigt eine vierte, nochmals kompaktere Ausführungsform 40 einer erfindungsgemässen Vorrichtung. Eine weitere Verkürzung deren Aufbaus wird dadurch erzielt, dass der Läufer 45-2 eines tubulären elektrischen Linearmotors 45 als ein Teil einer Reckstange 43 ausgebildet ist. Dadurch ent- fällt eine konstruktive Anpassung des gesamten Kopfes der
Vorrichtung wie in Figuren 2 und 3. Ein Blaszylinder 41 inklusive Öffnungen 44, 44', ein Blaskolben 46 und eine Blasdüse 42 können unverändert aus der Vorrichtung der Figur 1 entnommen werden. Der Motor 45 samt Stator 45-1 kann somit direkt oberhalb des Zylinders 41 angeordnet werden, da die Bewegung seines Läufers 45-2, also hier der Reckstange 43, nicht durch die maximale Tiefe des Zylinders 41 begrenzt ist.
Die Figur 5 schliesslich zeigt eine fünfte, noch weiter komprimierte Ausführungsform 50 einer erfindungsgemässen Vorrichtung. Wie bereits in Figur 4 gezeigt ist der Läufer 55-2 eines tubulären elektrischen Linearmotors 55 als Teil einer Reckstange 53 ausgebildet, wodurch eine erste Reduktion der Bauhöhe erzielt wird. Zusätzlich ist aber auch der Stator 55-1 des Motors 55 vollständig in einen Blaszylinder 51 integriert, der zusammen mit einem darin gelagerten Blas- kolben 56 entsprechend konstruktiv angepasst ist. Der Stator 55-1 ist dabei zugleich in den Kolben 56 eingebaut und wird von diesem mitbewegt. Alternativ dazu ist es natürlich auch möglich, dass der Motor 55 in ähnlicher Einbauposition vom
Gehäuse gehalten wird und sich der Kolben 56 unabhängig davon bewegt. Eine am freien Ende des Kolbens 56 gehaltene Blasdüse 52 wird über ein Öffnung 54 in dem Zylinder 51 mit Druckluft versorgt .
Eine derartige Integration des Antriebs in die Blasvorrichtung stellt dabei die kompaktest mögliche Bauform dar. Deren einfacher und gewichtsoptimierter Aufbau macht sowohl niedrige Herstellungs- wie auch Betriebskosten möglich, da deutlich reduzierte Energiekosten und praktisch keine Wartungs- kosten anfallen. Die Verwendung eines tubulären elektrischen
Linearmotors als Antriebselement garantiert darüber hinaus eine hohe Positioniergenauigkeit bei gleichzeitig erhöhter Flexibilität, sowohl hinsichtlich unterschiedlicher Einfahrlängen der Reckstange als auch deren Bewegungsgeschwindig- keit.