Vorrichtung und Verfahren zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases
Die Erfindung betrifft grundsätzlich eine Vorrichtung sowie ein
Verfahren zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases.
Zunächst betrifft die Erfindung eine Vorrichtung zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases aus kohlenstoffhaltigen Materialien, vorzugsweise Holz, mit einem Reaktor, der eine Schleuseneinrichtung für die kohlenstoffhaltigen Materialien, eine Absaugeinrichtung für das entstehende Gas sowie ein Rost zur Lagerung des kohlenstoffhaltigen Materials aufweist.
Verfahren zur Pyrolyse und Vergasung von kohlenstoffhaltigen
Rohstoffen zur Erzeugung eines brennbaren Gasgemisches zur ottomotorischen Verwendung in Gasmotoren sind schon seit ca. 150 Jahren bekannt. Bedeutung erlangte zu Beginn des 20ten Jahrhunderts die Vergasung von Kohle zur Bereitstellung eines hautsächlich kohlenstoffmonoxidhaltigen Brenngases, welches als Stadtgas bezeichnet wurde. Während und kurz nach dem zweiten Weltkrieg erlangte die Pyrolyse von Holz (Imbert-Verfahren) zum Betrieb von Fahrzeugen mit Pyrolysegas eine besondere Bedeutung. Beide Verfahren konnten sich nicht durchsetzen, da das durch Pyrolyse erzeugte Brenngas hoch mit Teer kontaminiert ist. Auch ist dieses Verfahren verglichen mit dem Einsatz von fossilen Energieträgern, z.B. Benzin, unwirtschaftlich.
Die Holzpyrolyse könnte wirtschaftlich betrieben werden, wenn es gelingt, Gasreinigungsverfahren zu entwickeln, welche vor allem die hohen Teerbelastungen aus dem Pyrolysegas entfernen. Eine wirksame Möglichkeit besteht darin, einen Teil des erzeugten Pyrolysegases dazu zu verwenden, die Teere partiell zu verbrennen. Hierdurch wird die Holzpyrolyse allerdings wieder unwirtschaftlich, da
durch die partielle Verbrennung der Heizwert des übrig bleibenden Brenngases sinkt. Ohne auf die verschiedenen Vergasertypen einzugehen kann festgestellt werden, dass die Gasqualität sich mit zunehmender Temperatur verbessert. Dies bezieht sich sowohl auf den Heizwert, als auch auf die Gasreinheit.
Die Vergasung von Kohle erfolgt bei Temperaturen über 1.000 C°. Als Vergasungsmittel wird CO2 benötigt, welches bei hohen Temperaturen zusammen mit Kohlenstoff zu Kohlenstoffmonoxid reduziert wird. Entsprechend der Boudouardschen Reaktion in der Vergaserzone (Gleichgewichtsreaktionen) werden bereits bei 1.0000C 99% des CO2 zu CO reduziert. Entsprechend dieser Boudouardschen Reaktionen entstehen bei 4500C CO2 und CO in einem Verhältnis von 98% CO2 zu 2% CO. Bei 6000C 77% zu 23%, bei 800°C 6% zu 94% und bei 9000C 3% zu 97%. Das derart erzeugte Brenngas kann daraufhin beispielsweise ottomotorisch eingesetzt werden. Zum Beispiel zum Betrieb eines geeigneten Gasmotors welcher einen Generator antreibt und derart elektrische Energie zur Verfügung stellt.
Der Nachteil einer derartigen Vergasung von Kohlenstoff mit dem
Vergasungsmittel Kohlendioxid besteht in der Erzeugung der erforderlichen hohen Temperaturen. Kurz beschrieben erfolgt die Kohlevergasung dadurch, dass ein Teil der eingebrachten Kohle mit Luftsauerstoff reagiert, und das derart erzeugte CO2 durch ein Kohlebett geleitet wird, welches durch die oxidierende Kohle auf die erforderliche Temperatur erhitzt wird. Nachteilig müssen hierzu sehr große Mengen an Kohle umgesetzt werden um das Kohlebett auf die erforderliche Temperatur zu bringen. Dies liegt vor allen Dingen darin begründet, dass Kohle ein schlechter Wärmeleiter ist, so dass beim Oxidieren Temperaturen von 1.2000C keine Seltenheit sind, um im Kohlebett, in dem die Reduktion von CO2 zu 2CO erfolgt, noch eine Temperatur von 900°C bis 1.0000C zur Verfügung zu haben. Es ist also ersichtlich, dass der Heizwert des bei der Kohlevergasung entstehenden Brenngases umso höher ist, je höher die Temperatur in
der Reduktions- bzw. Vergasungszone ist. Auch bedeutet eine hohe Temperatur die Reduzierung von unverbrannten Kohlenwasserstoffen und somit eine reinere Gasqualität.
Vorrichtungen zur Ausübung der bereits oben beschriebenen
Verfahren zur Pyrolyse und Vergasung von kohlenstoffhaltigen Rohstoffen sind aus dem druckschriftlich nicht belegbaren Stand der Technik allgemein bekannt, wobei die Qualität und die Menge der erzeugten Brenngase den hohen Anforderungen für die ottomotorische Verbrennung nicht genügt.
Hintergrund ist der Umstand, dass bei der thermochemischen Umwandlung je nach Reaktorart unterschiedliche, aber stets zu große Mengen an Störstoffen im brennbaren Synthesegas entstehen, bei denen es sich im Wesentlichen um Partikel und Teere handelt und die durch aufwändige Gasreinigungsverfahren vor der Weiterverwertung des Gases entfernt werden müssen. Darüber hinaus besteht auch bei allen bekannten Verfahren (s. Imbert-Vergasung, Holzvergasung, Kohlevergasung, Lurgi-Vergasung etc.) das grundsätzliche Problem, dass die erzeugte Synthesegasmenge pro Gewichtseinheit eingesetzten kohlenstoffhaltigen Materials zu gering ist.
Die Aufgabe der Erfindung besteht deshalb darin, eine neue Vorrichtung zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases aus kohlenstoffhaltigen Materialien zu schaffen, mit der nicht nur mehr brennbares Synthesegas pro Gewichtsanteil kohlenstoffhaltigen Materials erzeugt werden kann, sondern gleichzeitig die Qualität des erzeugten Gases deutlich höher ist.
Die Lösung der Aufgabe ergibt sich aus den Merkmalen des
Anspruchs 1 , insbesondere den Merkmalen des Kennzeichenteils, wonach zum Zwecke des Erreichens einer Temperatur von mindestens 1.4000C eine Einrichtung zur Erzeugung von hochfrequenten elektromagnetischen Wellen, nachfolgend HEM-Wellen, vorhanden ist.
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Der wesentliche Vorteil der erfindungsgemäßen Vorrichtung besteht darin, dass mit Hilfe der Vorrichtung auf relativ einfache Weise hohe Temperaturen im Reaktionsbereich erreicht werden können, damit eine nahezu vollständige Umsetzung des Kohlenstoffes in brennbare Gase erfolgt, wobei das erzeugte Gas einerseits von hoher Qualität ist und andererseits einen geringen Anteil an Störstoffen aufweist.
In vorbereitenden praktischen Experimenten wurde bereits 2008 gezeigt, dass es mit elektromagnetischen Feldern einer bestimmten hohen Frequenz möglich ist, kohlenstoffhaltige Materialien auf sehr hohe Temperaturen zu erhitzen. Diese Möglichkeit besteht, da
HEM-Wellen die Elektronen des Kohlenstoffes in schnelle
Schwingungen versetzen und durch Reibung hohe Temperaturen erzeugt werden (dielektrischer Verlust). Bei Einbringen von z.B.
Holzkohle in ein derartiges HEM-FeId wurden Temperaturen von mehr als 1.4000C erzeugt. Hieraus wurde ein auf dieses grundlegende
Funktionsprinzip konzipierter Reaktor konstruiert und als kleines
Labormuster erfolgreich getestet, welcher zunächst kurz beschrieben werden soll:
Der Reaktor produziert als Abfallprodukt einer Pyrolyse ein Brenngas und Holzkohle. Ein Teil der derart erzeugten Holzkohle wird mit Luftsauerstoff oxidiert, um die für die Pyrolyse des Holzes erforderliche Temperatur von ca. 5500C zu erzeugen, und weiterhin das erforderliche CO2 als Vergasungsmittel für die restliche Holzkohle zur Verfügung zu stellen. Aus der Oxidation der Holzkohle mit Luft werden bereits Temperaturen von ca. 9000C in der Holzkohle erzeugt. In dem Bereich, durch den das Pyrolysegas und das erzeugte CO2 geleitet wird, erfolgt mit Hilfe einer HEM-WeIIe eine Temperaturerhöhung auf etwa 1.4000C. In diesem Bereich, der Hot-Spot genannt wird, erfolgt eine Reduktion des CO2 zu 2CO sowie eine Reduktion des im Pyrolysegas enthaltenen CO2 ebenfalls zu 2CO. Durch die bei dieser hohen Temperatur erfolgenden Thermolyse von vormals im Holz und in
der Luft enthaltenen Wassers entstehen weiterhin Wasserstoff, Methan sowie weiteres Kohlenmonoxid.
Das derart erzeugte Synthesegas besteht somit zum wesentlichen Teil aus brennbaren Bestandteilen, Stickstoff, einem geringen Rest CO2 sowie nicht oxidierten Bestandteilen der Luft.
Eine erste Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist gekennzeichnet durch einen Hohlleiter, der die von der Einrichtung zur Erzeugung von HEM-Wellen erzeugten Wellen in den Reaktor leitet. Vorzugsweise geschieht dies so, dass der Hohlleiter die HEM-Wellen einem Reaktionsbereich / Hot-Spot (erster Oxidationsbereich) zuführt, in dem Temperaturen von mindestens 1.400°C erreicht werden. Auf vorteilhafte Weise werden die HEM-Wellen in einem Resonator eines Magnetrons erzeugt und in den Hohlleiter geleitet, wo sie an den Innenwänden reflektiert werden und am offenen Ende des Hohlleiters sich die HEM-Wellen im Reaktionsbereich ausbreiten. Dort werden die Elektronen des Kohlenstoffs durch die HEM-Wellen in schnelle Schwingungen versetzt (Dipol- oder Multipol-Schwingungen), wodurch aufgrund der entstehenden inneren Reibung hohe Temperaturen erzeugt werden (dielektrischer Verlust).
Bei einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist der Hohlleiter zum Schutz gegen Eindringen von Fremdkörpern, insbesondere Staub, mit einer für HEM-Wellen durchlässigen Platte, vorzugsweise aus Glimmer, endseitig verschlossen.
Bei einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung weist das unterhalb des Hohlleiters angeordnete Rost zur Lagerung des kohlenstoffhaltigen Materials sowie zum Durchtritt von Luft Zwischenräume zwischen den Stegen auf, die kleiner sind als die Wellenlänge der HEM-Wellen. Dadurch wird sichergestellt, dass die HEM-Wellen nicht durch das Rost hindurchtreten, sondern reflektiert werden, wodurch wiederum im oberen Bereich des Reaktors die
Elektronen des Kohlenstoffs in schnelle Schwingungen versetzt werden.
Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform weist der Reaktor unterhalb des Rostes einen zweiten Oxidationsbereich mit
Temperaturen von etwa 7500C auf, in dem bei unterstöchiometrischer
Zugabe von Luft zusätzliches Kohlendioxid als Vergasungsmittel erzeugbar ist. Bei dieser Vorrichtung entsteht auf vorteilhafte Weise zusätzliches Kohlendioxid, so dass die vollständige Umsetzung des Kohlenstoffes in brennbares Synthesegas ermöglicht wird.
Letztlich weist eine Ausführungsform der Erfindung einen Reaktor auf, der unterhalb der Schleuseneinrichtung ein Rührwerk zur gleichmäßigen Verteilung des kohlenstoffhaltigen Materials aufweist.
Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Einsatz in einer Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 7, bei dem zunächst eine Pyrolyse (Verschwelung) unter Erzeugung von brennbarem Synthesegas und Holzkohle stattfindet, wobei die erzeugte Holzkohle zum Teil mit Luftsauerstoff oxidiert wird, damit die für die Pyrolyse erforderlichen Temperatur von mindestens 5500C erreicht wird.
Ausgehend von dem oben dargelegten Stand der Technik sowie der ebenfalls oben dargelegten Aufgabe besteht die Lösung der Erfindung in den Merkmalen des Anspruchs 8, insbesondere in den Merkmalen des Kennzeichenteils, wonach der Kohlenstoff mit Hilfe von H EM-Wellen in einem Reaktionsbereich / Hot Spot (ersten Oxidationsbereich) auf mindestens 1.4000C erhitzt wird.
Zusammenfassend weist das erfindungsgemäße Verfahren die grundsätzlichen Vorteile auf, dass bei geringem Einsatz von kohlenstoffhaltigem Material einerseits eine große Synthesegasmenge und andererseits eine hohe Gasqualität und -reinheit erzielbar ist. Zur
Vermeidung von Wiederholungen wird auf die obigen Ausführungen in der allgemeinen Beschreibung hingewiesen.
Darüber hinaus wird festgestellt, dass diese Anmeldung die Priorität der deutschen Ursprungsanmeldung 10 2009 005 269.0 beansprucht, deren gesamter Offenbarungsgehalt hiermit durch Bezugnahme eingeschlossen ist.
Auf vorteilhafte Weise kann beim erfindungsgemäßen Verfahren der Kohlenstoff mit Hilfe von HEM-Wellen mit einer Frequenz zwischen 1 ,8 Gigahertz und 9,5 Gigahertz und einer Wellenlänge von 16,66 cm bis 3,15 cm auf mindestens 1.4000C erhitzt werden. Diese HEM-Wellen werden umgangssprachlich auch als Mikrowellen (Millimeter-, Dezimeter-, Zentimeterwellen) bezeichnet.
Bei einer vorteilhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der Kohlenstoff mit Hilfe von HEM-Wellen erhitzt, die eine Frequenz von 2,45 Gigahertz und eine Wellenlänge von 12,2448 cm aufweisen, wobei der Vorteil darin besteht, dass in diesem Frequenzbereich bereits vorhandene Einrichtungen zur Erzeugung von hochfrequenten elektromagnetischen Wellen Verwendung finden können, die aus dem Haushalts- und Industriebereich (Mikrowellen) bekannt sind.
Ebenso ist es jedoch auch möglich, dass der Kohlenstoff mit Hilfe von HEM-Wellen mit einer Frequenz von 5,8 Gigahertz auf mindestens 1.4000C erhitzt wird.
Bei einem bevorzugten erfindungsgemäßen Verfahren wird zum Ingangsetzen des Verfahrens der Kohlenstoff durch HEM-Wellen bis zur Oxidationstemperatur erhitzt, wobei beim Erreichen dieser Temperatur lediglich durch Sauerstoffzufuhr eine automatische Zündung erfolgt. Bei diesem Verfahren wird auf vorteilhafte Weise eine spezielle Zündvorrichtung eingespart.
Letztlich wird bei einem besonders bevorzugten erfindungsgemäßen Verfahren analog des Boudouardschen
Gleichgewichtes (Boudouardsche Gleichgewichtsreaktionen in der Vergaserzone) durch die hohen Temperaturen im Reaktor
Kohlenstoffdioxid mit Kohlenstoff zu Kohlenstoffmonoxid reduziert, wobei gleichzeitig durch die Thermolyse von Wassermolekülen bei
Temperaturen über 1.200°C diese zu Wasserstoff und Sauerstoff zerfallen und der Sauerstoff mit Kohlenstoff zu Kohlenmonoxid sowie der Wasserstoff mit Kohlenstoff zu Methan reagiert.
Durch dieses Verfahren wird zusammenfassend eine nahezu vollständige Umsetzung des Kohlenstoffes in brennbares Synthesegas erreicht, wobei sich folgende, wesentliche gasbildende Reaktionen ergeben:
CO2 → CO
4
O + C → CO 2H2O→2H2 + C → CH4
4 2O + 2C → 2CO
Weitere Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung zweier Ausführungsbeispiele. Es zeigen:
Fig. 1 Darstellung einer ersten Ausführungsform einer Vorrichtung zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases aus kohlenstoffhaltigen Materialien, in der die jeweiligen chemischen Produkte in den jeweiligen Bereichen eingezeichnet sind,
Fig. 2 Darstellung einer Vorrichtung zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases aus kohlenstoffhaltigen Materialien gemäß Fig. 1, in der nur die wesentlichen Bauteile eingezeichnet sind,
Fig. 3 Darstellung einer zweiten Ausführungsform einer Vorrichtung zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases aus kohlenstoffhaltigen Materialien, in der die wesentlichen Bauteile bezeichnet sind und
Fig. 4 Darstellung einer Vorrichtung zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases aus kohlenstoffhaltigen Materialien gemäß Fig. 3, in der die jeweiligen chemischen Produkte und Temperaturen in den jeweiligen Bereichen eingezeichnet sind.
Eine erste erfindungsgemäße Vorrichtung ist in den Fig. 1 und 2 dargestellt.
Dort werden durch ein Schleusensystem A Holzpellets oder
Holzhackschnitzel in den Reaktor gegeben. Durch Zünden und Zufuhr von Außenluft wird bei erstmaliger Befüllung das Holz im unteren Oxidationsbereich B des Reaktors letztendlich zu Holzkohle oxidiert. Hierzu sind keinerlei Zündquellen und/oder Zündvorrichtungen mehr notwendig, da das kohlenstoffhaltige Material durch die HEM-Wellen auf eine Temperatur oberhalb der Zündtemperatur erhitzt wird und erst bei Zufuhr von Luftsauerstoff oxidieren kann. Die Abwärme dieser Oxidation strahlt in den oberen Bereich des Reaktors ab, wo ab mindestens ca. 2200C die Pyrolyse beginnt. In diesem Pyrolysebereich C entsteht ein brennbares Pyrolysegas sowie der Austritt von im Holz enthaltenen Wasser. Durch Absaugen durch ein sich im Rotationsmittelpunkt des Reaktors befindliches Rohr D entsteht im Reaktor ein stetiger Unterdruck, welcher das Pyrolysegas durch die Kohle unterhalb des unteren Endes dieses Rohres leitet.
Außerhalb des Reaktors befindet sich ein Resonator F zur Erzeugung der HEM-Wellen. Die HEM-Wellen werden durch das Rohr D geleitet und treffen an dessen unterem Ende auf die Holzkohle. Da dieses Rohr einen Außenmantel aus Metall besitzt, und HEM-Wellen
von Metall reflektiert werden, dient dieses Rohr gleichzeitig als Hohlleiter für die HEM-Wellen. Entspricht der untere Bereich des Rohres D, aus dem die Wellen austreten, räumlich mindestens der Wellenlänge der HEM-Wellen, so erhitzt sich die sich dort befindliche Holzkohle auf eine Temperatur von mehr als 1.4000C. In diesem Hot- Spot genannten Reaktionsbereich E sind kaum mehr Sauerstoffatome vorhanden, so dass dort lediglich Reduktionsreaktionen entsprechend der Boudouardschen Gleichgewichtsreaktionen erfolgen können. Sowohl das metallische Rohr D als auch das metallische Außengehäuse des Reaktors sind innen mit hochtemperaturbeständigem keramischem Material ausgekleidet. Durch das Absaugen der Gase durch das Rohr D wird während des Betriebes Außenluft durch einen gusseisernen Ascherost I von unten her in den Oxidationsbereich B gesaugt. Die Menge der angesaugten Außenluft ist über ein Regelventil H einstellbar. Die somit dort oxidierende Holzkohle erzeugt wie bereits erwähnt nicht nur die erforderliche thermische Energie für die Pyrolyse, sondern ebenfalls das für die Reduktion erforderliche CO2. Die bei der Oxidation übrig bleibende Asche fällt durch das gusseiserne Rost, während durch den Unterdruck das CO2 durch den heißen Hot-Spot E des Reaktionsbereichs gesaugt wird. Hierbei wird das CO2 durch die hohe Temperatur zu brennbarem 2CO reduziert. Das CO2 Molekül zerfällt in ein CO Molekül und ein Sauerstoffatom. Dieses verbindet sich mit einem Kohlenstoffatom zu einem zusätzlichen CO Molekül. Das wesentliche Vergasungsmittel zur Vergasung von festem Kohlenstoff zu einem brennbaren Gas (CO) stellt somit das CO2 aus dem Oxidationsbereich sowie das während der Pyrolyse C entstandene CO2 dar.
Weitere wesentliche gasbildende Reaktionen ergeben sich aus der Thermolyse des in den Reaktor gelangten Wassers. Das Holz, welches in den Reaktor eingebracht wurde, enthält einen gewissen Restanteil an Wasser. Während das Holz auf die für die Pyrolyse erforderliche Temperatur gebracht wird, tritt dieses Wasser aus und
wird in Form von Wasserdampf zusammen mit dem Pyrolysegas durch den Hot-Spot E gesaugt.
Das Wassermolekül zerfällt oberhalb einer Temperatur von 1.2000C in ein Sauerstoff- und zwei Wasserstoffatome. Das
Sauerstoffatom reagiert mit einem Kohlenstoffatom zu CO, die
Wasserstoffatome mit Kohlenstoff im Wesentlichen zu Methan.
Dasselbe betrifft in der angesaugten Außenluft enthaltenes Wasser.
Durch die hohe Temperatur des Hot-Spots ist somit der Einsatz der Vergasungsmittel CO2 und H2O in Form von Wasserdampf zu einem brennbaren Gas möglich.
Es ergeben sich folgende wesentliche gasbildende Reaktionen:
CO2 CO
4
O + C CO
2H2O→2H2 + C CH4
I 2O + 2C 2CO
Als weiterer Vorteil des Hot-Spots ergibt sich, dass bei Temperaturen oberhalb von 1.1000C Teere sowie zyklische und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe gecrackt werden und Verunreinigungen, durch z.B. Teer, nicht mehr erfolgen können. Das heiße Brenngas verlässt das Rohr D über den Brenngasaustritt G, wird gekühlt und über einen Staubabscheider einer ottomotorischen Verwendung zugeführt. Die Standardenthalpien der gaserzeugenden Reaktionen werden durch den Energieüberschuss aus dem Oxidationsbereich bei Oxidation des Kohlenstoffes gedeckt.
In den Fig. 3 und 4 ist eine zweite Ausführungsform einer Vorrichtung zur Erzeugung eines brennbaren Synthesegases
dargestellt. Eine derartige Vorrichtung weist zunächst eine Schleuse A* zum Einbringen des Primärbrennstoffes, vorzugsweise Holz, auf, über die der Primärbrennstoff in den Innenraum der Vorrichtung transportiert wird. Dort wird mit Hilfe eines Rührwerks B* der eingebrachte Brennstoff gleichmäßig verteilt.
An der Vorrichtung ist eine Einrichtung C* zur Erzeugung von hochfrequenten elektromagnetischen Wellen (nachfolgend H EM-Wellen genannt) angeordnet. Die HEM-Wellen werden über einen separaten Hohlleiter D* zum ersten Oxidationsbereich M* geleitet. Die Vorrichtung muss nur durch einen separaten Hohlleiter D* zum Transport der Mikrowellen ergänzt werden, wenn das zentrale Absaugrohr K* im Durchmesser größer ist als die von der Einrichtung C* erzeugte Wellenlänge. Vorteilhafterweise wird der Hohlleiter D* im Zentrum des Absaugrohres K* angeordnet. Diese Anordnung im Zentrum des Absaugrohres K* ergibt sich aus der Tatsache, dass dies die einzige Stelle in der Vorrichtung ist, wo ein auf den ersten Oxidationsbereich M* ausgerichteter Hohlleiter D* angeordnet werden kann, ohne diesen durch das glühende Kohlebett oder den ebenfalls heißen Bereich des zweiten Oxidationsbereiches O* zu führen.
Die Vorrichtung ist unterhalb des ersten Oxidationsbereichs M* durch ein Rost N* begrenzt, wobei unterhalb des Rostes N* ein zweiter Oxidationsbereich O* angeordnet ist. Nicht nur der erste Oxidationsbereich M*, sondern auch der zweite Oxidationsbereich O* weisen jeweils eine Primärluftzufuhr F* bzw. G* auf. Oberhalb des ersten Oxidationsbereichs M* ist ein Absaugrohr für das brennbare Synthesegas angeordnet, in dem mittig zusätzlich der Hohlleiter D* zumindest teilweise verläuft. Der Hohlleiter D* ist endseitig zum Schutz gegen Eindringen von Fremdkörpern mit einer Glimmerplatte P * versehen, die für HEM-Wellen durchlässig ist.
Die Vorrichtung weist unterhalb der Schleuse A* zum Einbringen des Primärbrennstoffes einen Trocknungsbereich mit einer Temperatur
von mindestens 7O0C auf, der in einen so genannten Pyrolysebereich mit einer Temperatur > 22O0C übergeht, in dem die entstehende Holzkohle nach und nach entgast. Im Pyrolysebereich steigt die Temperatur insgesamt von 220°C auf 5500C. Unterhalb des Pyrolysebereichs im Bereich einer Temperatur zwischen 5500C und 95O0C wird das weitgehend ausgegaste Holz zu Holzkohle verkohlt. Während dieses Verschwelungsvorganges entstehen die größten Anteile an aromatischen sowie polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen.
Zwischen dem Rost N* und dem Ausgang des Absaugrohres K* bzw. des Hohlleiters D* befindet sich der erste Oxidationsbereich, auch Reaktionsbereich bzw. Hot-Spot genannt. In diesem Bereich liegt die Temperatur zwischen 9500C und mehr als 1.4000C. Während oberhalb von 1.1000C eine Spaltung der aromatischen, polyzyklischen aromatischen sowie unverbrannten Kohlenwasserstoffe hauptsächlich in Kohlenmonoxid stattfindet, erfolgt ab Temperaturen von 1.2000C die Thermolyse von Wassermolekülen zu Wasserstoff und Sauerstoff. Da die Oxidation von Holzkohle allein lediglich eine mittlere Durchschnittstemperatur im ersten Oxidationsbereich von ca. 8500C bis 950°C erzeugt, muss eine Temperaturerhöhung durch den Einsatz von hochfrequenten elektromagnetischen Wellen erreicht werden. Durch die bei den Elektronen des Kohlenstoffs erzeugten Schwingungen und die sich daraus ergebende starke innere Reibung werden letztlich Temperaturen von mindestens 1.4000C erreicht (dielektrischer Verlust), weshalb durch die hohen Temperaturen analog des Boudouardschen Gleichgewichtes (Boudouardsche Gleichgewichtsreaktionen in der Vergaserzone) Kohlenstoffdioxid mit Kohlenstoff zu Kohlenstoffmonoxid reduziert wird und gleichzeitig durch die Thermolyse von Wassermolekülen bei Temperaturen über 1.200°C diese zu Wasserstoff und Sauerstoff zerfallen, der Sauerstoff mit Kohlenstoff zu Kohlenmonoxid und der Wasserstoff mit Kohlenstoff zu Methan reagiert. Später kann das erzeugte Synthesegas einer thermodynamischen, z.B. ottomotorischen Verwendung zugeführt
werden, um die im Gas gespeicherte chemische Energie in mechanische und/oder elektrische Energie umzuwandeln.
Letztlich weist die Vorrichtung den zweiten Oxidationsbereich O* auf, der sich direkt unterhalb des ersten Oxidationsbereichs M* unterhalb des Rostes N* befindet. Glühende Holzkohle fällt aus dem ersten Oxidationsbereich M* nach Unterschreiten eines Mindestdurchmessers von 1 ,5 cm durch den Rost und bildet den zweiten Oxidationsbereich*. In den zweiten Oxidationsbereich O* wird gerade so viel Sauerstoff eingebracht, dass die Holzkohle rot glüht, aber keine offene Flammenbildung durch Luftüberschuss entsteht. Das hierbei erzeugte Kohlendioxid dient als Vergasungsmittel im ersten Oxidationsbereich und ermöglicht damit die weitgehende Vergasung des Kohlenstoffs. Als Abfallprodukt bleibt letztlich nur mineralische Asche übrig.
In der Fig. 4 sind einerseits die Entstehung der chemischen Verbindungen, der Ort ihrer Entstehung wie auch die Temperaturverteilung innerhalb der Vorrichtung zu erkennen.
Index zu den Fig. 1 und 2:
A Brennstoffeinbringung durch eine luftdichte, z.B. Zellradschleuse (Schleuse in Fig. 1 und Fig. 2 nicht eingezeichnet)
B Oxidationsbereich
C Pyrolysebereich
D zentrales Rohr zur Brenngasabsaugung und gleichzeitig Hohlleiter für die vom Resonator erzeugtem HEM-Wellen
E Reduktions-bzw. Vergaserzone mit einem Hot Spot von 1.4000C
F Resonator zur Erzeugung von HEM-Wellen mit einer Frequenz von2,45 GHz oder 5,8 GHz
G Brenngasaustritt, abgesaugt durch einen z.B. Sauggasmotor
H Luftdrossel zur Regulierung der Luftzufuhr in den Oxidationsbereich
I gusseiserner Ascherost
lndex zu den Fig. 3 und 4:
A* Schleuse zum Einbringen des Primärbrennstoffes (Holz)
B* Rührwerk zum gleichmäßigen Verteilen des eingebrachten Brennstoffes
C* Magnetron
D* Hohlleiter für den Transport der Mikrowellen in den ersten Oxidationsbereich
E* Schwelen, Verkohlung des eingebrachten Brennstoffes
F* Primärluftzufuhr in den ersten Oxidationsbereich
G* Primärluftzufuhr in den zweiten Oxidationsbereich
H* Getriebemotor für das Rührwerk
I* Füllstandsüberwachung durch z.B. Pendel mit Initiator
K* Absaugrohr des Brenngases
L* Trocknen, Trockenbereich des eingebrachten Brennstoffes, Pyrolyse
M* erster Oxidationsbereich
N* Rost
O* zweiter Oxidationsbereich
P* Glimmerplatte