OPTOELEKTRONISCHES BAUELEMENT UND VERWENDUNG EINES
KUPFERKOMPLEXES IN EINER LADUNGSERZEUGUNGSSCHICHTFOLGE
BESCHREIBUNG
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein optoelektronisches Bauelement, insbesondere betrifft sie ein optoelektroni¬ sches Bauelement mit einer Ladungserzeugungsschicht , sowie die Verwendung eines Kupferkomplexes in einer Ladungserzeugungs- schichtfolge eines elektronischen Bauelements.
[0002] Ein optoelektronisches Bauelement ist zur Umwandlung elektrischer Energie in elektromagnetische Strahlung, wie bei¬ spielsweise in sichtbares Licht, oder für den umgekehrten Pro- zess ausgelegt. Man kann jeweils von einer Emittervorrichtung oder einer Detektorvorrichtung sprechen. Ein Beispiel für ein elektromagnetisches Bauelement als Emittervorrichtung ist eine lichtemittierende Vorrichtung, insbesondere eine lichtemittie¬ rende Diode (LED) . Die Vorrichtung umfasst typischerweise Elektroden, zwischen denen eine aktive Zone angeordnet ist. Über die Elektroden kann der lichtemittierenden Vorrichtung ein elektrischer Strom zugeführt werden, welcher in der aktiven Zone in optische Energie, d.h. elektromagnetische Strah¬ lung gewandelt wird. Die optische Energie wird über eine
Strahlungsauskopplungsflache aus der lichtemittierenden Vor¬ richtung ausgekoppelt.
[0003] Eine besondere lichtemittierende Vorrichtung ist die organische lichtemittierende Diode (OLED) . Eine OLED weist in der aktiven Schicht eine organische Schicht auf, um elektri¬ sche Energie in elektromagnetische Strahlung zu wandeln. Bei Kontaktierung der OLED über die Elektroden mit einer Stromquelle werden unterschiedliche Ladungsträgertypen in die orga¬ nische Schicht injiziert. Positive Ladungsträger, auch als Lö¬ cher bezeichnet, wandern von der Anode hin zur Kathode durch die organische Schicht, während Elektronen die organische Schicht von der Kathode hin zur Anode durchwandern. Dabei bil-
den sich in der organischen Schicht Anregungszustände in Form von Elektron-Lochpaaren, sogenannte Exzitonen, die unter Emission von elektromagnetischer Strahlung zerfallen.
[0004] Ein weiteres Beispiel für ein optoelektronisches Bau¬ element ist die Detektorvorrichtung, in der optische Strahlung in ein elektrisches Signal bzw. in elektrische Energie gewan¬ delt wird. Ein solches optoelektronisches Bauelement ist bei¬ spielsweise ein Photodetektor oder eine Solarzelle. Auch eine Detektorvorrichtung weist eine zwischen Elektroden angeordnete aktive Schicht auf. Die Detektorvorrichtung weist eine Strah¬ lungseintrittsseite auf, über die elektromagnetische Strah¬ lung, beispielsweise Licht, Infrarot- oder Ultraviolettstrah¬ lung, in die Detektorvorrichtung eintritt und zu der aktiven Schicht geführt wird. In der aktiven Schicht wird unter Ein¬ wirkung der Strahlung ein Exziton angeregt, das in einem elektrischen Feld in ein Elektron und ein Loch aufgeteilt wird. So wird ein elektrisches Signal oder eine elektrische Ladung erzeugt und an den Elektroden bereitgestellt.
[0005] In allen Fällen ist eine hohe Effizienz der Umwandlung elektrischer Energie in elektromagnetische Strahlung bzw. für den umgekehrten Prozess wünschenswert. Der vorliegenden Erfindung liegt das Problem zugrunde, ein optoelektronisches Bauelement mit hoher Effizienz bereitzustellen.
[0006] Dieses Problem wird durch ein optoelektronisches Bau¬ element gemäß dem Patentanspruch 1 und durch die Verwendung eines Kupferkomplexes gemäß Patentanspruch 16 gelöst.
[0007] Weiterbildungen und vorteilhafte Ausgestaltungen des optoelektronischen Bauelements sind in den abhängigen Patentansprüchen angegeben.
BEISPIELHAFTE AUS FÜHRUNGS FORMEN
[0008] Die verschiedenen Ausgestaltungen der nachfolgend beschriebenen Aus führungs formen gelten in gleicher Weise, soweit analog anwendbar, für das elektronische Bauelement und für die
Verwendung des Kupferkomplexes in einer organischen Schichtstruktur .
[0009] Verschiedene Aus führungs formen des optoelektronischen Bauelements haben eine organischen Schichtstruktur zum Trennen von Ladungsträgern eines ersten Ladungsträgertyps und Ladungs¬ trägern eines zweiten Ladungsträgertyps. Die organische
Schichtstruktur weist einen Kupferkomplex mit wenigstens einem Liganden mit der chemischen Struktur gemäß Formel I auf:
E]_ und E2 sind jeweils unabhängig voneinander eines der fol¬ genden Elemente: Sauerstoff, Schwefel oder Selen. R ist ausge¬ wählt aus der Gruppe: Wasserstoff oder substituierte oder un- substituierte, verzweigte, lineare oder zyklische Kohlenwas¬ serstoffe .
[00010] Die organische Schichtstruktur ist dabei zum Trennen von Ladungsträgern eines ersten Ladungsträgertyps von Ladungs¬ trägern eines zweiten Ladungsträgertyps eingerichtet. Bei¬ spielsweise handelt es sich bei den Ladungsträgern des ersten Ladungsträgertyps um Löcher und bei den Ladungsträgern des zweiten Ladungsträgertyps um Elektronen. Ein Beispiel für eine solche Schichtstruktur ist eine Ladungserzeugungsschichtfolge bzw. "charge generating layer" (CGL) .
[00011] Eine solche Ladungserzeugungsschichtfolge weist eine p-dotierte Schicht auf, die den oben bezeichneten Kupferkomplex als p-Dotierstoff enthält. Die p-dotierte Schicht kann über eine Potentialbarriere, bspw. in Form einer Grenzschicht oder einer isolierenden Zwischenschicht, mit einer n-dotierten Schicht verbunden sein. Der Kupferkomplex weist eine sehr gute Dotierfähigkeit auf. Er verbessert einen Ladungsträgertrans¬ port in der Ladungserzeugungsschicht, insbesondere wird die Leitfähigkeit von Löchern in dem p-dotierten Bereich erhöht. Durch die hohen Leit- und Dotierfähigkeiten kann eine starke
Bandverbiegung in der p-dotierten Schicht in Nähe der Potentialbarriere erreicht werden. Tunnelprozesse von Ladungsträgern durch die Potentialbarriere können so verbessert werden. Durch die hohe Leitfähigkeit werden durch einen Tunnelprozess trans¬ ferierte Ladungsträger leicht aus der Ladungserzeugungs- schichtfolge transportiert. Insgesamt kann so die Ladungser- zeugungsschichtfolge eine hohe Anzahl frei beweglicher La¬ dungsträger bereitstellen, wodurch eine besonders hohe Effizienz des optoelektronischen Bauelements erreicht wird.
[00012] Ein weiterer Vorteil der Verwendung von Kupferkomplexen ist die leichte Verfügbarkeit der Ausgangsstoffe und die gefahrlose Verarbeitung der Dotierstoffe, so dass eine kosten¬ günstige und umweltschonende Alternative zu bereits bekannten Dotierstoffen genutzt werden kann.
[00013] In einigen Aus führungs formen ist der Kupferkomplex ein Kupfer ( I ) penta-Fluor-Benzoat . Dieses weist die folgende Struktur auf:
wobei die Positionen 2 bis 6 durch eine Fluorierung besetzt sind. Die Auswahl des Kupfer ( I ) penta-Fluor-Benzoats ist vor allem deswegen vorteilhaft, weil mit diesem Komplex eine hohe Löcher-Leitfähigkeit und eine geringe Absorption im sichtbaren Spektralbereich verbunden ist. Für eine 100 nm dicke Schicht aus (4, 4 ',4" -tris (N- (1-naphthyl) -N-phenyl- amino ) Triphenylamin, das mit Kupfer ( I ) penta-Fluor-Benzoat do-
tiert wurde, konnte eine Transmission von mehr als 93% oberhalb einer Wellenlänge von 420nm gemessen werden.
[00014] Weiterhin ist Kupfer ( I ) penta-Fluor-Benzoat besonders für eine Verarbeitung bei der Herstellung eines optoelektronischen Bauelements geeignet. Es hat eine Verdampfungstemperatur von lediglich ca. 200°C. Andere für eine p-Dotierung verwende¬ te Dotierstoffe, wie V205, M0O3, WO3 oder F4-TCNQ (2, 3, 5, 6- Tetrafluoro-7 , 7 , 8 , 8-Tetracyanoquinodimethan) weisen eine wesentlich höhere Verdampfungstemperatur auf. Kupfer ( I ) penta- Fluor-Benzoat kann daher ohne die Verwendung besonderer Hochtemperatur-Verdampfungsquellen verarbeitet werden.
[00015] In einigen Aus führungs formen weist die p-dotierte organische Halbleiterschicht einen Dotierungsgradienten hin zu der n-dotierten organische Halbleiterschicht auf. Das bedeu¬ tet, dass die Konzentration des Dotierstoffes sich über den Querschnitt der p-dotierten organischen Halbleiterschicht verändert. Vorteilhafterweise nimmt die Dotierung der p-dotierten organische Halbleiterschicht hin zu der n-dotierten organi¬ schen Halbleiterschicht zu. Damit wird eine Beweglichkeit von Löchern in der p-dotierten organischen Halbleiterschicht gerade im Bereich der Grenzfläche der n-dotierten organische Halb¬ leiterschicht bzw. der Zwischenschicht erhöht. Dies ist für einen Abtransport von Ladungsträgern in diesem Bereich von besonderem Vorteil. Zusätzlich kann so eine Potentialbarriere an der Grenzfläche bzw. der Zwischenschicht besonders effizient gestaltet werden. Ein Dotiergradient kann dabei beispielsweise durch das Aufbringen mehrerer p-dotierter organischer Halbleiterschichten übereinander erzielt werden. Ebenso ist es denkbar, dass während eines Herstellprozesses der p-dotierten Halbleiterschicht die Zufuhr des Dotierstoffes durch einen ge¬ eigneten Prozess verändert wird, so dass mit zunehmender
Schichtdicke eine andere Dotierung der Schicht erfolgt. Die Dotierstoffkonzentration kann beispielsweise von 0% an der Grenzfläche bzw. der Zwischenschicht abgewandten Seite bis 100% an der Grenzfläche bzw. der Zwischenschicht zugewandten Seite verlaufen. In diesem Fall ist an der Grenzflä-
ehe/Zwischenschicht ein dünner Dotierstofffilm denkbar. Es ist zusätzlich denkbar, dass unterschiedliche Dotierstoffe in der p-dotierten Halbleiterschicht eingebracht sind, und dass so eine Variation in der Leitfähigkeit oder eine geeignete Ges¬ taltung der Potentialbarriere bewirkt wird.
[00016] In verschiedenen Aus führungs formen weist das optoelektronische Bauelement einen die organische Schichtstruktur umfassenden Schichtstapel auf. Dabei kann der Schichtstapel wenigstens eine aktive Schicht aufweisen. Die aktive Schicht weist beispielsweise ein elektrolumineszentes Material auf. Das optoelektronische Bauelement ist damit als strahlungsemit- tierende Vorrichtung ausgestaltet. In verschiedenen Ausführungsformen ist die organische Schichtstruktur zwischen einer ersten aktiven Schicht und einer zweiten aktiven Schicht angeordnet. Die organische Schichtstruktur hat insbesondere die Funktion, den aktiven Schichten intrinsische Ladungsträger bereitzustellen. In verschiedenen Aus führungs formen ist die organische Schichtstruktur auf einer Elektrode, insbesondere ei¬ nem Anodenkontakt, aufgebracht. Dabei unterstützt die organi¬ sche Schichtstruktur in vorteilhafter Weise einen Übertritt von positiven Ladungsträgern aus dem Anodenmaterial in organische Halbleiterschichten.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[00017] Verschiedene Ausführungsbeispiele des optoelektroni¬ schen Bauelements werden im Folgenden anhand der Zeichnungen näher erläutert. In den Figuren geben die erste (n) Ziffer (n) eines Bezugszeichens die Figur an, in denen das Bezugzeichen zuerst verwendet wird. Die gleichen Bezugszeichen werden für gleichartige oder gleich wirkende Elemente bzw. Eigenschaften in allen Figuren verwendet. Es zeigen:
Fig.la eine schematische Darstellung eines ersten Ausfüh¬ rungsbeispiels einer Ladungserzeugungsschicht ;
Fig.lb eine schematische Darstellung eines zweiten Ausfüh¬ rungsbeispiels einer Ladungserzeugungsschicht ;
Fig.2a eine schematische Darstellung der Energieniveaus in einer Ladungserzeugungsschichtfolge ohne angelegter Spannung;
Fig.2b eine schematische Darstellung der Energieniveaus in der Ladungserzeugungsschichtfolge mit angelegter Sperrspannung;
Fig.3 eine schematische Darstellung eines ersten Ausführungsbeispiels eines optoelektronischen Bauelements;
Fig. eine schematische Darstellung eines zweiten Ausführungsbeispiels eines optoelektronischen Bauelements und
Fig.5 eine schematische Darstellung eines dritten Ausführungsbeispiels eines optoelektronischen Bauelements.
LADUNGSERZEUGUNGS S SCH I CHT FOLGE
[00018] Fig.la und Fig. lb zeigen eine schematische Darstel¬ lung eines ersten bzw. zweiten Ausführungsbeispiels einer La¬ dungserzeugungsschichtfolge 100.
[00019] Die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 weist in unter¬ schiedlichen Ausgestaltungen eine Schichtfolge von dotierten organischen und anorganischen Halbleitermaterialien auf. In dem in der Fig. la dargestellten ersten Ausführungsbeispiel ist die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 als eine Schichtfol¬ ge einer n-dotierten ersten organischen Halbleiterschicht 102 und einer p-dotierten zweiten organischen Halbleiterschicht 104 ausgestaltet. Zwischen der ersten organischen Halbleiterschicht 102 und der zweiten organischen Halbleiterschicht 104 ist eine Grenzfläche 106 ausgebildet.
[00020] An der Grenzfläche 106 der n-dotierten ersten organischen Halbleiterschicht 102 und der p-dotierten zweiten orga-
nischen Halbleiterschicht 104 bildet sich unter Anlegen eines elektrischen Feldes E eine Verarmungszone. Durch Quantenfluktuationen kann an der Grenzfläche 106 spontan ein Ladungsträgerpaar 108 entstehen. Das Ladungsträgerpaar 108 umfasst Ladungsträger unterschiedlichen Ladungsträgertyps, wie etwa ein Elektron und ein Loch. Das Elektron kann aus der
p-dotierten zweiten organischen Halbleiterschicht 104 durch einen Tunnelprozess die Potentialbarriere der Grenzfläche 106 durchqueren und so einen freien Zustand in der n-dotierten Halbleiterschicht 102 besetzen. In der p-dotierten zweiten Halbleiterschicht 104 verbleibt zunächst ein unbesetzter Zu¬ stand in Form des Lochs. Man kann diese Fluktuation also derart beschreiben, dass an der Grenzfläche 106 spontan ein Ladungsträgerpaar 108 mit Ladungsträgern unterschiedlichen Ladungsträgertyps entsteht. Durch einen Tunnelprozess werden die Ladungsträger getrennt. Unter der Einwirkung des elektrischen Feldes E wandern die Ladungsträger je nach Ladungsträgertyp in Richtung der Anode bzw. der Kathode. Eine Rekombination der Ladungsträger wird somit durch den von dem elektrischen Feld E bewirkten Ladungsträgertransport zu den Elektroden vermieden.
[00021] In dem in Fig. lb dargestellten zweiten Ausführungsbeispiel ist zwischen der ersten organischen Halbleiterschicht 102 und der zweiten organischen Halbleiterschicht eine geeig¬ nete Zwischenschicht 110 (interlayer) als Potentialbarriere angeordnet. Die Zwischenschicht 110 weist beispielsweise ein Material wie CuPc (Kupferphtalocyanin) auf. Mit Hilfe der Zwi¬ schenschicht 110 kann die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 hinsichtlich der Spannungsfestigkeit stabilisiert werden. Wei¬ terhin kann mittels der Zwischenschicht 110 verhindert werden, dass es zu einer Diffusion von Dotierstoffen von einer organischen Halbleiterschicht in die andere oder zu einer chemischen Reaktion zwischen beiden organischen Halbleiterschichten bzw. deren Dotierstoffen kommt. Schließlich kann mittels der Zwischenschicht 110 die Potentialbarriere, insbesondere die Brei¬ te der Potentialbarriere, zwischen der n-dotierten organischen Halbleiterschicht 102 und der p-dotierten organischen Halblei¬ terschicht 104 gestaltet werden. Damit kann beispielweise die
Stärke eines durch Quantenfluktuationen entstehenden Tunnelstroms beeinflusst werden.
ENERGIENIVEAUS IN DER LADUNG S E R Z E U GUNG S S C H I C H T FO L G E
[00022] Fig. 2a zeigt eine schematische Darstellung der Energieniveaus in der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 ohne ange¬ legte Spannung. Die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 weist eine n-dotierte erste organische Halbleiterschicht 102 und ei¬ ne p-dotierte zweite organische Halbleiterschicht 104 auf. Der Ladungstransport in organischen Halbleitern findet im wesent¬ lichen durch hopping-Prozesse von einem lokalisierten Zustand zu einem benachbarten ebenfalls lokalisierten Zustand statt. Dargestellt sind in der Fig. 2a die Energieniveaus in der ers¬ ten organischen Halbleiterschicht 102 und der zweiten organischen Halbleiterschicht 104. Angegeben sind jeweils das Lowest Unoccupied Molecular Orbital (LUMO) -Energieniveau 200 und das Highest Occupied Molecular Orbital (HOMO) -Energieniveau 202 der ersten organischen Halbleiterschicht 102 und der zweiten organischen Halbleiterschicht 104. Das LUMO-Energieniveau 200 ist dem Leitungsband eines anorganischen Halbleiters ver¬ gleichbar und gibt den Energiebereich an, in dem Elektronen eine sehr hohe Beweglichkeit aufweisen. Das HOMO-Energieniveau 202 ist dem Valenzband eines anorganischen Halbleiters ver¬ gleichbar und gibt den Energiebereich an, in dem Löcher eine sehr hohe Beweglichkeit aufweisen. Zwischen dem LUMO- Energieniveau und dem HOMO-Energieniveau bildet sich eine Energielücke, die einem Bandabstand {band gap) in einem anor¬ ganischen Halbleiter entsprechen würde.
[00023] Die erste organische Halbleiterschicht 102 ist n-dotiert, während die zweite organische Halbleiterschicht 104 p-dotiert ist. Entsprechend weist die erste organische Halb¬ leiterschicht 102 ein niedrigeres LUMO-Energieniveau und ein niedrigeres HOMO-Energieniveau als die zweite organische Halb-
leiterschicht 104 auf. An der Grenzfläche 106 gehen die Ener¬ gieniveaus durch freie Ladungsträger oder mögliche Dipolbil¬ dungen kontinuierlich ineinander über. Es kommt zu einer Bandverbiegung an der Grenzfläche 106.
[00024] Fig. 2b zeigt eine schematische Darstellung der Energieniveaus in der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 bei einer angelegten Sperrspannung. Die Sperrspannung ist mit einem elektrischen Feld E verbunden. Aufgrund der Sperrspannung verschieben sich die Energieniveaus in den organischen Halbleiterschichten, indem sie aufgrund des Spannungsabfalls über die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 geneigt werden. An der
Grenzfläche 106 entsteht so ein Bereich, in dem das LUMO- Energieniveau 200 der ersten organischen Halbleiterschicht 102 gleiche Werte annimmt wie das HOMO-Energieniveau 202 der zwei¬ ten organischen Halbleiterschicht 104. Durch Quantenfluktuati¬ onen kann sich in dem HOMO-Energieniveau 202 der zweiten organischen Halbleiterschicht 104 ein Ladungsträgerpaar 108 an der Grenzfläche 106 bilden. Das Ladungsträgerpaar 108 besteht aus einem Elektron und einem Loch. Durch die Bandverbiegung an der Grenzfläche 106 kann das Elektron mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit in einem Tunnelprozess die Potentialbarrie¬ re an der Grenzfläche 106 durchqueren und einen freien Zustand in dem LUMO-Energieniveau 200 der n-dotierten ersten organischen Halbleiterschicht 102 einnehmen.
[00025] Das verbleibende Loch wird durch das elektrische Feld E von der Grenzschicht 106 weg aus der zweiten organischen Halbleiterschicht 104 transportiert. Das Elektron in der ers¬ ten organischen Halbleiterschicht wird durch das abfallende LUMO-Energieniveau 200 von der Grenzschicht wegtransportiert. Im Ergebnis werden unter Anlegen einer Sperrspannung aufgrund intrinsischer Anregungen an der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 zusätzliche freie Ladungsträger bereitgestellt.
[00026] Es ist denkbar, dass zur Erhöhung oder Ausgestaltung des Tunnelstroms zwischen der ersten organischen Halbleiterschicht 102 und der zweiten organischen Halbleiterschicht eine geeignete Zwischenschicht 110 (interlayer) als Potentialbar-
riere angeordnet ist. Die Zwischenschicht 110 weist beispiels¬ weise ein Material wie CuPc (Kupferphtalocyanin) auf. Mithilfe der Zwischenschicht 110 kann die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 hinsichtlich der Spannungsfestigkeit stabilisiert werden. Weiterhin kann mittels der Zwischenschicht verhindert werden, dass es zu einer Diffusion von Dotierstoffen von einer organischen Halbleiterschicht in die andere oder zu einer chemischen Reaktion zwischen beiden organischen Halbleiterschichten bzw. deren Dotierstoffen kommt. Schließlich kann mittels der Zwischenschicht die Potentialbarriere, insbesondere die Breite der Potentialbarriere, zwischen der n-dotierten organischen Halbleiterschicht 102 und der p-dotierten organischen Halblei¬ terschicht 104 gestaltet werden. Damit kann beispielweise die Stärke eines durch Quantenfluktuationen entstehenden Tunnelstroms beeinflusst werden.
[00027] Wegen der beschriebenen Funktion der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 kann diese auch als organische Schicht zum Trennen von Ladungsträgern bezeichnet werden, bzw. als CGL. Untersuchungen zu der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 sind beispielsweise aus dem Dokument [1] und dem Dokument [2] bekannt, die hiermit durch Rückbezug in die Offenbarung der vorliegenden Anmeldung aufgenommen werden.
[00028] Die erste organische Halbleiterschicht 102 ist n- dotiert. Für die n-Dotierung können Metalle mit geringer Austrittsarbeit, beispielsweise Cäsium, Lithium oder Magnesium verwendet werden. Ebenfalls sind Verbindungen als n- Dotierstoff geeignet, die diese Metalle enthalten, so bei¬ spielsweise CS2CO3, CsF oder LiF. Diese Dotierstoffe sind in ein Matrixmaterial eingebracht. Als Matrixmaterial ist bei¬ spielsweise TPBi (1, 3, 5-Tris ( l-phenyl-lH-benzimidazol-2- yl)Benzen) geeignet. Die zweite organische Halbleiterschicht 104 ist mit einem Kupferkomplex p-dotiert. Dabei können die folgenden Materialien als Teil des Matrixmaterials verwendet werden :
NPB (Ν,Ν' -bis (1-naphthyl) -Ν,Ν' -bis (phenyl) -Benzidin, ß-NPB (Ν,Ν' -bis (naphthalen-2-yl) -Ν,Ν' -bis (phenyl) -Benzidin) , TPD
(Ν,Ν' -bis ( 3-methylphenyl ) -Ν,Ν' -bis (phenyl) -Benzidin) , Ν,Ν' - bis ( 1-naphthyl ) -N, N ' -bis (phenyl ) -2 , 2-DirnethyIbenzidin, Spiro- TPD (Ν,Ν' -bis (3-methylphenyl) -Ν,Ν' -bis (phenyl) -9,9- Spirobifluoren) , Spiro-NPB (N, N ' -bis ( 1-naphthyl ) -N, N ' - bis (phenyl) -9, 9-Spirobifluoren) , DMFL-TPD (N,N'-bis(3- methylphenyl) -Ν,Ν' -bis (phenyl) -9, 9-Dimethylfluoren, DMFL-NPB
(Ν,Ν' -bis (1-naphthyl) -Ν,Ν' -bis (phenyl) -9, 9-Dimethylfluoren) , DPFL-TPD (Ν,Ν' -bis (3-methylphenyl) -Ν,Ν' -bis (phenyl) -9, 9- Diphenylfluoren) , DPFL-NPB (N, N ' -bis (naphth-l-yl ) -N, N ' - bis (phenyl) -9, 9-Diphenylfluoren) , Sp-TAD (2, 2', 7,7'- tetrakis (n, n-diphenylamino) -9, 9 ' -Spirobifluoren) , TAPC (di-[4-
(Ν,Ν-ditolyl-amino) -phenyl] Cyclohexan) , Spiro-TTB (2, 2', 7,7'- tetra(N, N-di-tolyl ) Amino-Spiro-Bifluoren) , BPAPF (9,9-bis[4-
(N, N-bis-biphenyl-4-yl-amino ) phenyl ] -9H-Fluoren) , Spiro-2NPB
(2, 2 ' , 7, 7 ' -tetrakis [N-naphthyl (phenyl) -amino] -9, 9-
Spirobifluoren) , Spiro-5 ( 2 , 7-bis [N, N-bis ( 9, 9-spiro-bifluoren-
2-yl) -amino] -9, 9-Spirobifluoren) , 2 , 2 ' -Spiro-DBP (2,2'- bis [N, N-bis (biphenyl-4-yl ) amino] -9, 9-Spirobifluoren) , PAPB (N,
N' -bis (phenanthren-9-yl) -Ν,Ν' -bis (phenyl) -Benzidin) , TNB (N,
N, N ' , N ' -tetra-naphthalen-2-yl-Benzidin) , Spiro-BPA (2,2'- bis (N, N-di-phenyl-amino) -9, 9-Spirobifluoren) , NPAPF (9,9-
Bis [4- (N, N-bis-naphthyl-amino) phenyl] -9H-Fluoren) , NPBAPF
(9, 9-bis [4- (N, N ' -bis-naphth-2-yl-N, N ' -bis-phenyl-amino ) - phenyl] -9H-Fluoren) , TiOPC ( Titanoxid-Phthalocyanin) , CuPC
(Kupferphthalocyanin) , F4-TCNQ (2, 3, 5, 6-tetrafluor-7, 7, 8, 8, - tetracyano-Quinodimethan) , m-MTDATA (4, 4 ',4" -tris (N-3- methylphenyl-N-phenyl-amino) Triphenylamin) , 2T-NATA (4, 4 ',4" - tris (N- (naphthalen-2-yl ) -N-phenyl-amino ) Triphenylamin) , 1- TNATA (4, 4 ',4" -tris (N- ( 1-naphthyl ) -N-phenyl- amino ) Triphenylamin) , NATA (4, 4 ',4" -tris (N, N-diphenylamino ) Triphenylamin) , PPDN (pyrazino [ 2 , 3- f ] [1, 10] phenanthrolin-2, 3-Dicarbonitril ) , MeO-TPD (N, N, N' ,Ν' -tetrakis (4-methoxyphenyl) -Benzidin) , MeO-Spiro-TPD (2,7- bis [N, N-bis (4-methoxy-phenyl ) amino ] -9, 9-Spirobifluoren) , 2,2'- MeO-Spiro-TPD (2,2' -bis [N, N-bis (4-methoxy-phenyl) amino] -9, 9- Spirobifluoren) , ß - NPP (N, N ' -di (naphthalen-2-yl ) -N, N ' - diphenylbenzen-1, 4-Diamin) , NTNPB (N, N ' -di-phenyl-N, N ' -di- [ 4-
(N, N-di-tolyl-amino) phenyl] -Benzidin) oder NPNPB (N,N'-di- phenyl-N, N ' -di- [ 4- (N, N-di-phenyl-amino ) phenyl ] -Benzidin) .
[00029] Als p-Dotierstoff dient ein Kupferkomplex mit wenigs¬ tens einem Liganden mit der chemischen Struktur gemäß Formel I :
[00030] E]_ und E2 sind jeweils unabhängig voneinander eines der folgenden Elemente: Sauerstoff, Schwefel oder Selen. R ist ausgewählt aus der Gruppe: Wasserstoff oder substituierte oder unsubstituierte, verzweigte, lineare oder zyklische Kohlenwas¬ serstoffe .
[00031] Der oben genannte Kupferkomplex ist im Verhältnis zu dem Matrixmaterial der zweiten organischen Halbleiterschicht 104 ein metallo-organischer Akzeptorverbund. Er dient als p- Dotierstoff. Dabei kann der Kupferkomplex ein isoliertes Mole¬ kül sein. Häufig wird der Kupferkomplex über chemische Bindun¬ gen mit Molekülen des Matrixmaterials verbunden sein, beispielsweise indem Moleküle des Matrixmaterials als Liganden einen Teil des Kupferkomplexes bilden. Üblicherweise komple- xiert das Kupferatom mit organischen Liganden. Die organischen Liganden können geeignete funktionelle Gruppen bilden, so dass eine Verbindung zu einem Oligomer oder einem Polymer ermöglicht ist.
[00032] Der Kupferkomplex kann einen einzähnigen, dreizähni- gen oder einen vierzähnigen Liganden aufweisen. Insbesondere kann er eine oder mehrere Gruppen C(=E]_)E2 enthalten, wobei we¬ nigstens eins oder mehrere der Donatoratome E]_ und E2 der Li¬ ganden und die Kupferatome komplexieren . Die C (=E]_ ) E2~Gruppe weist dabei üblicherweise eine negative Ladung auf. Ebenso können auch nicht-deprotonierte Carboxylsäuren oder Homologe von diesen als Liganden des Kupferkomplexes dienen. Allgemein
trägt der Ligand des Kupferkomplexes negative Ladung in den Komplex bei, beispielsweise durch eine negative Ladung pro Carboxylgruppe bzw. pro homologer Carboxylgruppe .
[00033] Soweit sich keine Moleküle des Matrixmaterials mit den Kupferatomen verbinden, ist der Kupferkomplex ein homolep- tischer Komplex, bei dem allein Liganden mit dem zentralen Kupferatom komplexieren . Oft weist ein solcher Komplex eine rechteckige oder lineare Molekülgeometrie auf. Dies gilt be¬ sonders, wenn Wechselwirkungen zwischen Kupferatomen vernachlässigbar sind. Soweit Moleküle aus dem Matrixmaterial mit dem zentralen Kupferatom verbinden, nimmt die Molekülgeometrie des Komplexes die Form einer pentagonalen Bipyramide an oder der Komplex erhält eine quadratisch-pyramidiale Molekülgeometrie. Dabei ist der Kupferkomplex gewöhnlich ein elektrisch neutra¬ ler Komplex.
[00034] Der Kupferkomplex kann sowohl ein mononuklearer Kupferkomplex als auch ein polynuklearer Kupferkomplex sein. In einem polynuklearen Kupferkomplex kann der Ligand lediglich mit einem Kupferatom oder mit zwei Kupferatomen verbunden sein. Dabei kann der Ligand beispielsweise eine Brücke zwi¬ schen zwei Kupferatomen bilden. Sollte der Ligand drei- oder mehrzählig sein, kann er auch mehr Kupferatome als Brücke verbinden. Im Fall eines polynuklearen Kupferkomplexes können Kupfer-Kupfer-Verbindungen zwischen zwei oder mehreren Kupferatomen bestehen. Die Verwendung polynuklearer Kupferkomplexe ist deswegen besonders vorteilhaft, weil eine derart dotierte organische Funktionsschicht eine höhere Lebensdauer als eine mit einem mononuklearen Kupferkomplex dotierte Funktions¬ schicht aufweist. Dies kann durch eine Destabilisierung des Komplexes bei einem Ladungstransport durch die Funktions¬ schicht erklärt werden. Die Wirkung des Ladungstransports wird im Fall polynuklearer Kupferkomplexe nicht nur auf ein sondern auf mehrere Kupferkomplexe verteilt.
[00035] Ein polynuklearer Kupferkomplex kann eine sogenannte "paddel -wheel/Schaufelrad"-Struktur aufweisen. Dies gilt ins¬ besondere im Fall eines Kupfer ( I I ) -Komplexes . Üblicherweise
wird eine Schaufelrad-Struktur in einem Komplex mit zwei Me¬ tallatomen angenommen, wobei zwei Kupferatome mit einem oder mehr mehrzähligen Liganden als Brücke verbunden sind.
[00036] Häufig ist der Koordinationsmodus aller Liganden hin¬ sichtlich des Kupferatoms fast identisch. Damit wird hinsicht¬ lich der Kupferatome und der Liganden wenigstens eine zweizäh- lige oder vierzählige Drehachse durch zwei der Kupferatome des polynuklearen Kupferkomplexes definiert. Dabei weisen quadra- tisch-planare Komplexe oft eine wenigstens vierzählige Dreh¬ achse auf, während linear-koordinierte Komplexe häufig eine zweizählige Drehachse aufweisen.
[00037] Das Kupferatom eines mononuklearen Komplexes oder wenigstens ein Kupferatom eines polynuklearen Kupferkomplexes kann eine Oxidationsstufe +2 aufweisen. In solchen Komplexen sind die Liganden häufig in einer quadratisch-planaren Geometrie koordiniert. Weist das Kupferatom eine Oxidationsstufe +1 auf, ist das Kupferatom häufig linear koordiniert.
[00038] Kupferkomplexe mit einem Cu (II) -Atom weisen in aller Regel eine höhere Lochleitfähigkeit auf als Kupferkomplexe mit einem Cu(I)-Atom. Letztere haben eine abgeschlossene
Schale. Die Lochleitfähigkeit ist vorrangig durch die durch die Cu ( I ) -Atome entstehende Lewis-Säure verursacht. Cu(II)- Komplexe weisen dagegen eine nicht-aufgefüllte d9- Konfiguration auf, wodurch ein Oxidationsverhalten verursacht wird. Eine teilweise Oxidation erhöht die Lochdichte. Die Ver¬ wendung von Cu ( I ) -Komplexen kann jedoch vorteilhaft sein, weil Cu ( I ) -Komplexe häufig thermisch stabiler sind als korrespon¬ dierende Cu ( I I ) -Komplexe .
[00039] Den beschriebenen Kupferkomplexen ist gemein, dass sie eine Lewis-Säure sind. Eine Lewis-Säure ist eine Verbin¬ dung, die als Elektronenpaar-Akzeptor wirkt. Das Verhalten der Kupferkomplexe als Lewis-Säure ist mit den Molekülen des Mat¬ rixmaterials verknüpft, in das der Kupferkomplex als Dotier¬ stoff eingebracht ist. Die Moleküle des Matrixmaterials wirken
in der Regel als Lewis-Base in Bezug auf die Lewissauren Kup¬ fermoleküle. Eine Lewis-Base ist ein Elektronenpaar-Donator.
[00040] Das Kupferatom in dem Kupferkomplex besitzt eine of¬ fene, d.h. weitere Koordinationsstelle. An diese Koordinati¬ onsstelle kann sich eine Lewisbasische Verbindung binden, bei¬ spielsweise ein aromatisches Ringsystem, ein Stickstoffatom oder eine Aminkomponente, die in dem Matrixmaterial enthalten sind. Dies ist beispielhaft in den Abbildungen 1 und 2 darge¬ stellt:
Es können auch Gruppen mit heteroaromatischen Ringsystemen oder ein Stickstoffatom einer Aminkomponente mit einem Kupferatom koordinieren.
[00041] Der an das Kupferatom koordinierende Ligand kann eine Gruppe R aufweisen, die eine substituierte oder unsubstituierte Kohlenwasserstoffgruppe aufweist. Die Kohlenwasserstoffgruppe kann eine lineare, verzweigte oder zyklische Gruppe sein. Diese kann 1 - 20 Kohlenstoffe aufweisen. Beispielsweise ist sie eine Methyl- oder Ethylgruppe. Sie kann auch kondensierte Substi- tuenten aufweisen, wie Decahydronaphthyl , Adamantyl, Cyclohexyl oder teilweise bzw. vollständig substituierte Alkylgruppen. Die substituierten oder unsubstituierten aromatischen Gruppen sind beispielsweise Phenyl, Biphenyl, Naphthyl, Phenanthryl, Benzyl oder ein heteroaromatischer Rest, beispielsweise ein substitu¬ ierter oder unsubstituierter Rest, der aus den Heterozyklen der Abbildung 3 ausgewählt sein kann:
[00042] Der an das Kupferatom koordinierende Ligand kann auch eine Gruppe R aufweisen, die eine Alkyl- und/oder eine
Arylgruppe umfasst. Die Alkyl- und/oder Arylgruppe enthält we¬ nigstens einen elektronenentziehenden Substituenten . Der Kup-
ferkomplex kann ebenfalls als gemischtes System eine oder meh¬ rere Typen einer Carbonsäure enthalten
[00043] Ein elektronenentziehender Substituent wird in der vorliegenden Offenbarung als ein Substituent verstanden, der die Elektronendichte in einem an den Substituenten gebundenen Atom gegenüber einer Konfiguration erniedrigt, in der an Stelle des elektronenentziehenden Substituenten ein Wasserstoffatom an das Atom bindet.
[00044] Eine elektronenentziehende Gruppe kann beispielsweise aus der folgenden Gruppe ausgewählt sein: Halogene, wie Chlor oder insbesondere Fluor, Nitrogruppen, Cyanogruppen oder Mischungen dieser Gruppen. Die Alkyl- bzw. Arylgruppe können ausschließlich elektronenentziehende Substituenten, wie die genannten elektronenentziehenden Gruppen, oder Wasserstoffato- me enthalten.
[00045] Wenn der Ligand eine Alkyl- und/oder Arylgruppe mit wenigstens einem elektronenentziehenden Substituenten aufweist, so wird die Elektronendichte an dem oder den Kupfer¬ atom (en) reduziert, wodurch der Lewis-Säuregrad des Komplexes erhöht wird.
[00046] Der Ligand kann dabei ein Anion der Kohlensäuren CHalxH3_xC00H, insbesondere CFxH3_xC00H und CC1XH3_XC00H, repräsentieren, wobei Hai ein Halogenatom und x eine ganze Zahl von 0 bis 3 sind. Auch kann der Ligand ein Anion der Kohlensäuren CR ' yHalxH3_x_yC00H sein, wobei Hai ein Halogenatom, x eine ganze Zahl von 0 bis 3 und y eine ganze Zahl wenigstens mit dem Wert 1 ist. Die Restgruppe R' ist eine Alkylgruppe, ein Wasserstoffatom oder eine aromatische Gruppe, wie bei¬ spielsweise eine Phenylgruppe oder alle bisher beschriebenen Substituentengruppen . Sie kann elektronenentziehende Substi¬ tuenten enthalten, insbesondere die weiter oben beschriebenen elektronenentziehenden Substituenten. Sie kann auch ein Derivat der Benzoesäure mit einem elektronenentziehenden Substituenten enthalten. Beispielsweise kann der Ligand ein Anion der Kohlensäure R' - (CF2 ) n-C02H sein, wobei n einen ganzzahli-
gen Wert zwischen 1 und 20 annimmt. Beispielsweise kann eine fluorierte, insbesondere eine perfluorierte, homo- oder hete¬ roaromatische Verbindung als Restgruppe verwendet werden. Ein Beispiel sind Anionen einer fluorierten Benzoesäure:
wobei x einen ganzahligen Wert von 1 bis 5 annimmt. Insbesondere können die folgenden Substituenten, bzw. solche bei denen Fluor durch Chlor ersetzt wurde, an die Carboxylgruppe binden, die alle starke Lewissäuren sind:
[00047] Weiterhin können Anionen der folgenden Säure als Liganden verwendet werden:
wobei X ein Stickstoff oder ein Kohlenstoffatom sein kann, das beispielsweise an ein Wasserstoffatom oder ein Fluoratom bin¬ det. Beispielhaft können drei der Atome X für ein Stickstoff¬ atom und zwei für eine C-F-Bindung oder C-H-Bindung (als Tria- zinderivate) stehen. Auch können Anionen der folgenden Säure als Liganden verwendet werden:
wobei der Naphtylring mit 1 bis 7 Fluorsubstituenten substituiert ist, so dass gilt y = 0 - 4 und x = 0 - 3, wobei y+x = 1 -7.
[00048] Fluor und Fluorverbindungen als elektronenentziehende Substituenten sind insbesondere deshalb vorteilhaft, weil Kup¬ ferkomplexe, die Fluoratome enthalten, bei einer Herstellung des optoelektronischen Bauelements leicht verdampft und in ei¬ ner organischen Schicht abgelagert werden können. Als weitere oder alternative Substituentengruppe kann eine Trifluor- methylgruppe genannt werden.
ERSTES AUSFUHRUNGSBEISPIEL DES OPTOELEKTRONISCHEN BAUELEMENTS
[00049] Fig.3 zeigt die schematische Darstellung eines ersten Ausführungsbeispiels eines optoelektronischen Bauelements mit einer Ladungserzeugungsschichtfolge . Das optoelektronische Bauelement 300 weist eine Anode 302 und eine Kathode 304 auf.
Die Anode 302 und die Kathode 304 dienen als Elektroden des optoelektronischen Bauelements 300. Sie sind mit einer externen Stromquelle 306 verbunden, beispielsweise mit einer Batte¬ rie oder mit einem Akkumulator. Zwischen der Anode 302 und der Kathode 304 ist ein Schichtstapel aus organischen und/oder anorganischen Halbleitermaterialien angeordnet. Die Anode 302 und die Kathode 304 weisen jeweils ein gut leitfähiges Materi¬ al auf, das hinsichtlich seiner optischen Eigenschaften gewählt sein kann. Beispielsweise kann die Anode 302 und/oder die Kathode 304 aus einem transparenten Material bestehen, das ein Metalloxid, so wie ein Indiumzinnoxid {Indium Tin Oxide oder ITO) , und/oder ein transparentes, leitfähiges Polymer enthält. Ebenso kann wenigstens eine der Anode 302 und der Ka¬ thode 304 aus einem hochleitfähigen, reflektierenden Material bestehen, das beispielsweise ein Metall, etwa Aluminium, Sil¬ ber, Platin, Kupfer oder Gold, oder eine Metalllegierung enthält.
[00050] Über die Anode 302 werden positive Ladungsträger (Löcher) in den Schichtstapel injiziert, während über die Kathode 304 negative Ladungsträger (Elektronen) in den Schichtstapel injiziert werden. Gleichzeitig liegt zwischen der Anode 302 und der Kathode 304 ein elektrisches Feld E an. Das elektri¬ sche Feld E bewirkt, dass aus der Anode 302 injizierte Löcher durch den Schichtstapel in Richtung der Kathode 304 wandern. Aus der Kathode 304 injizierte Elektronen wandern unter Ein- fluss des elektrischen Feldes E in Richtung der Anode 302.
[00051] Der Schichtstapel weist eine Reihe unterschiedlicher funktioneller Schichten auf. Unmittelbar auf der Anode 302 ist eine lochtransportierende Schicht 308 aufgebracht. Auf der lochtransportierenden Schicht 308 ist eine erste aktive
Schicht 310 aufgebracht. Die lochtransportierende Schicht 308 dient dem Transport von aus der Anode 302 injizierten Löcher in die erste aktive Schicht 310. Sie kann beispielsweise ein p-dotiertes leitfähiges organisches oder anorganisches Materi¬ al aufweisen. Für die p-Dotierung kann jedes geeignetes Material verwendet werden. Beispielsweise dient als p-Dotierstoff
ein Kupferkomplex mit wenigstens einem Liganden mit der chemi¬ schen Struktur gemäß Formel I :
[00052] E]_ und E2 sind jeweils unabhängig voneinander eines der folgenden Elemente: Sauerstoff, Schwefel oder Selen. R ist ausgewählt aus der Gruppe: Wasserstoff oder substituierte oder unsubstituierte, verzweigte, lineare oder zyklische Kohlenwas¬ serstoffe .
[00053] Weil der Ladungsträgertransport in organischen Halb¬ leitern nicht im Leitungsband sondern beispielsweise durch Hüpf- bzw. Tunnelprozesse erfolgt, kommt es zu erheblich ver¬ schiedenen Beweglichkeiten von Löchern und Elektronen. Damit eine Exzitonenbildung nicht in der Anode 302, sondern insbesondere in der ersten aktiven Schicht 310, stattfindet, kann weiterhin eine elektronentransport-blockierende Schicht zwi¬ schen Anode 302 und der ersten aktiven Schicht 310 vorgesehen sein .
[00054] Der Schichtstapel weist weiterhin eine zweite aktive Schicht 312 auf, die von der ersten aktiven Schicht 310 durch eine Ladungserzeugungsschichtfolge 100 getrennt ist. Die zwei¬ te aktive Schicht 312 ist von einer elektronentransportierende Schicht 314 und der darüber angeordneten Kathode 304 bedeckt. Die elektronentransportierende Schicht 314 dient dem Transport von aus der Kathode 304 injizierten Elektronen in eine zweite aktive Schicht 312. Sie kann beispielsweise ein n-dotiertes leitfähiges organisches oder anorganisches Material aufweisen.
[00055] Die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 dient der Be¬ reitstellung von zusätzlichen Ladungsträgern, indem sie Löcher in Richtung der Kathode 304 und Elektronen in Richtung der Anode 302 injiziert. Zwischen der Ladungserzeugungsschichtfol¬ ge 100 und der Anode 302 stehen der ersten aktiven Schicht 310
damit mehr Ladungsträger bereit. Ebenso werden der zweiten aktiven Schicht 312 mehr Ladungsträger bereitgestellt. Der Spannungsabfall über den Schichtstapel ist damit verringert. Dies hat zur Folge, dass auch bei geringen Spannungen, d.h. kleinen elektrischen Feldern im Schichtstapel, vergleichsweise hohe Ströme fließen können. Anhand des Beispiels einer OLED wird der damit verbundene Vorteil deutlich.
[00056] Im Beispiel der OLED sind sowohl die erste aktive Schicht 310 als auch die zweite aktive Schicht 312 lichtemit¬ tierende Schichten. Dazu weisen die erste aktive Schicht 310 und die zweite aktive Schicht 312 jeweils ein organisches Elektrolumineszenzmaterial auf, mittels dem die Bildung von Exzitonen aus Ladungsträgern und ein anschließender Zerfall unter Emission elektromagnetischer Strahlung hervorgerufen wird. Die Auswahl des Elektrolumineszenzmaterials ist ein sich fortlaufend weiterentwickelnder Bereich. Zu Beispielen für derartige organische Elektrolumineszenzmaterialien zählen:
• (i) Poly (p-phenylenvinylen) und seine Derivate, an verschie¬ denen Positionen an der Phenylengruppe substituiert;
• (ii) Poly (p-phenylenvinylen) und seine Derivate, an ver¬ schiedenen Positionen an der Vinylengruppe substituiert;
• (iii) Poly (p-phenylenvinylen) und seine Derivate, an ver¬ schiedenen Positionen an der Phenylenkomponente und auch an verschiedenen Positionen an der Vinylengruppe substituiert;
• (iv) Polyarylenvinylen, wobei es sich bei dem Arylen um solche Gruppen wie etwa Naphthalin, Anthracen, Furylen, Thieny- len, Oxadiazol und dergleichen handeln kann;
• (v) Derivate von Polyarylenvinylen, wobei das Arylen wie in (iv) oben sein kann und zusätzlich Substituenten an verschiedenen Positionen an dem Arylen aufweisen kann;
• (vi) Derivate von Polyarylenvinylen, wobei das Arylen wie in (iv) oben sein kann und zusätzlich Substituenten an verschiedenen Positionen an dem Vinylen aufweisen kann;
• (vii) Derivate von Polyarylenvinylen, wobei das Arylen wie in (iv) oben sein kann und zusätzlich Substituenten an verschiedenen Positionen an dem Arylen und Substituenten an verschiedenen Positionen an dem Vinylen aufweisen kann;
• (viii) Copolymere von Arylen-Vinylen-Oligomeren wie etwa
solche in (iv), (v) , (vi) und (vii) mit nichtkon ugierten Oligomeren; und
• (ix) Poly (p-phenylen) und seine Derivate, an verschiedenen Positionen an der Phenylengruppen substituiert, einschließlich Leiterpolymerderivate wie etwa Poly ( 9, 9-dialkylfluoren) und dergleichen;
• (x) Polyarylene, wobei es sich bei dem Arylen um solche
Gruppen wie Naphthalin, Anthracen, Furylen, Thienylen, Oxa- diazol und dergleichen handeln kann; und ihre an verschiede¬ nen Positionen an der Arylengruppe substituierten Derivate;
• (xi) Copolymere von Oligoarylenen wie etwa solche in (x) mit nichtkon ugierten Oligomeren;
• (xii) Polychinolin und seine Derivate;
• (xiii) Copolymere von Polychinolin mit p-Phenylen, substituiert an dem Phenylen mit beispielsweise Alkyl- oder Alko- xygruppen, um Löslichkeit zu erhalten; und
• (xiv) Starre Stabpolymere wie etwa Poly (p-phenylen-2 , 6- benzobisthiazol ) , Poly (p-phenylen-2 , 6-benzobisoxazol ) , Po¬ ly (p-phenylen-2 , 6-benzimidazol ) und ihre Derivate.
[00057] Zu anderen organischen emittierenden Polymeren wie etwa solchen, die Polyfluoren verwenden, zählen Polymere, die grünes, rotes, blaues oder weißes Licht emittieren, oder ihre Familien, Copolymere, Derivate oder deren Mischungen. Zu anderen Polymeren zählen Polyspirofluoren-artige Polymere.
[00058] Alternativ können anstatt Polymeren kleine organische Moleküle, die über Fluoreszenz oder über Phosphoreszenz emittieren, als die organische Elektrolumineszenzschicht dienen.
Zu Beispielen für kleinmolekülige organische Elektrolumines- zenzmaterialien zählen:
(i) Tris ( 8-hydroxychinolinato ) aluminium, (Alq) ;
(ii) 1, 3-Bis (N, N-dimethylaminophenyl ) -1, 3, 4-oxidazol (OXD-8);
(iii) -Oxo-bis (2-methyl-8-chinolinato) aluminium;
(iv) Bis (2-methyl-8-hydroxychinolinato) aluminium;
(v) Bis (hydroxybenzochinolinato ) beryllium (BeQ.sub.2);
(vi) Bis (diphenyl-vinyl ) biphenylen (DPVBI); und
(vii) Arylamin-substituiertes Distyrylarylen (DSA-Amin) .
[00059] Die erste aktive Schicht 310 und die zweite aktive Schicht 312 können jeweils eine weiß-emittierende Schicht sein. Das bedeutet, dass sowohl die erste aktive Schicht 310 als auch die zweite aktive Schicht 312 elektromagnetische Strahlung im gesamten sichtbaren Spektrum emittieren. Durch das Stapeln zweier aktiver Schichten braucht jede der ersten aktiven Schicht 310 und der zweiten aktiven Schicht 312 nur eine geringe Leuchtstärke, wobei trotzdem eine hohe Leucht¬ stärke des gesamten optoelektronischen Bauteils 300 erreicht wird. Dabei ist es besonderes vorteilhaft, dass die p- Dotierung der zwischen den aktiven Schichten angeordneten Ladungstransportschicht 100 eine hohe Transparenz im Bereich des sichtbaren Lichts aufweist. In Folge wird eine hohe Lichtaus¬ beute aus dem optoelektronischen Bauteil erzielt.
[00060] Durch das Vorsehen der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 wird durch die Injektion zusätzlicher Ladungsträger in die angrenzenden aktiven Schichten die Ladungsträgerdichte insge¬ samt erhöht. Prozesse, wie beispielsweise die Bildung oder die Dissoziation von Ladungsträgerpaaren oder Exzitonen, werden verstärkt. Da ein Teil der Ladungsträger in der Ladungserzeu¬ gungsschichtfolge 100, d.h. im optoelektronischen Bauelement 300 selber, bereitgestellt werden, kann eine geringe Stromdichte an der Anode 302 und der Kathode 304 erreicht werden.
[00061] Die erste aktive Schicht 310 und die zweite aktive Schicht 312 können auch in zueinander verschobenen Spektren elektromagnetische Strahlung emittieren. So kann beispielswei¬ se die erste aktive Schicht 310 in einem blauem Farbspektrum
Strahlung emittieren, während die zweite aktive Schicht 312 Strahlung in einem grünen und roten Farbspektrum emittiert. Jede andere gewünschte oder geeignete Aufteilung ist dabei denkbar. Vorteilhaft ist dabei insbesondere, dass eine Auftei¬ lung nach unterschiedlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften von Emittermaterialien getroffen werden kann. Beispielsweise kann ein oder mehrere fluoreszente Emittermateria¬ lien in der ersten aktiven Schicht 310 eingebracht sein, während ein oder mehrere phosphoreszente Emittermaterialien in der zweiten aktiven Schicht 312 eingebracht sind. Durch die Anordnung der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 wird bereits eine Trennung der Emittermaterialien erreicht. Durch das Trennen der Emissionsspektren der beiden aktiven Schichten kann insbesondere auch ein gewünschter Farbort des optoelektronischen Bauelements eingestellt werden.
[00062] Die Funktion der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 kann anschaulich so beschrieben werden, dass sie mehrere einzelne OLEDs in Form der aktiven Schichten in Serie verbindet. Durch das intrinsische Bereitstellen von Ladungsträgern können mehrere Photonen pro aus den Photonen injizierten Ladungsträgerpaaren emittiert werden. Insgesamt ist so bei allen Ausführungen die Stromeffizienz, d.h. das Verhältnis von emittierter Strahlung zu eingebrachtem elektrischen Strom (cd/A) des optoelektronischen Bauelements 300 deutlich erhöht. Weil auch mit geringen Strömen in den Elektroden eine hohe Leuchtstärke erzielt werden kann, kann bei großflächigen OLEDs ein besonders homogenes Leuchtbild erzielt werden. Weiterhin führt die geringe notwendige Leistung zu einer geringen Wärmeentwicklung. Dieser Aspekt hat seine Ursache in dem Stapeln der akti¬ ven Schichten, die nur eine geringe Leuchtdichte bereitstellen müssen. Ein wesentlicher Aspekt für das Stapeln von aktiven Schichten in einer Schichtfolge ist dabei, dass über die La¬ dungserzeugungsschichtfolge 100 genügend Ladungsträger bereit¬ gestellt werden und dass die Absorption der in der aktiven Schicht emittierten Strahlung durch die Verwendung des Kupferkomplexes weitgehend vermieden wird.
[00063] Dies gilt dabei nicht nur für das Anwendungsgebiet der Emittervorrichtungen, wie der OLED. In anderen Ausführungsbeispielen des optoelektronischen Bauelements 300 kann wenigstens eine der ersten aktiven Schicht 310 und der zweiten aktiven Schicht 312 eine Detektorschicht sein, bspw. eine pho- tovoltaische Schicht oder ein Photodetektor. Im Fall eines hybriden Systems, bei dem beispielsweise die erste aktive Schicht 310 eine emittierende Schicht und die zweite aktive Schicht 312 eine detektierende Schicht darstellt, ist es denk¬ bar, dass die zweite aktive Schicht 312 elektromagnetische Strahlung in einem Wellenlängenbereich detektiert, in dem von der ersten aktiven Schicht 310 keine oder ein geringer Anteil an elektromagnetischer Strahlung emittiert wird. Ebenso ist es denkbar, dass die zweite aktive Schicht 312 im Sinne eines De¬ tektors gerade in einem Bereich der Emissionswellenlängen der ersten aktiven Schicht 310 Strahlung detektiert.
[00064] Insgesamt bietet gerade der Aufbau eines optoelektro¬ nischen Bauelements mit einer den Kupferkomplex enthaltenden Ladungserzeugungsschichtfolge 100 die Möglichkeit, besonders effiziente optoelektronische Bauelemente bereitzustellen.
ZWEITES AUSFUHRUNGSBEISPIEL DES OPTOELEKTRONISCHEN BAUELEMENTS
[00065] Fig. zeigt die schematische Darstellung eines zwei¬ ten Ausführungsbeispiels eines optoelektronischen Bauelements 400. Dabei unterscheidet sich das zweite Ausführungsbeispiel von dem ersten Ausführungsbeispiel der Fig.3 in der Schicht¬ folge zwischen der Anode 302 und der Kathode 304. Der Schicht¬ stapel des zweiten Ausführungsbeispiels weist eine zweite La¬ dungserzeugungsschichtfolge 402 und eine dritte aktive Schicht 404 auf, die zwischen der zweiten aktiven Schicht 312 und der elektronentransportierenden Schicht 314 angeordnet sind.
[00066] Das optoelektronische Bauelement 400 weist damit eine Stapelstruktur aus drei aktiven Schichten auf. Die Stapelstruktur (oder stacked device) kann auch weitere Stapel
{stack) aus einer Ladungserzeugungsschichtfolge und einer ak¬ tiven Schicht aufweisen. Prinzipiell ist es denkbar, eine Struktur mit beliebig vielen Stacks bereitzustellen. Eine Stapelstruktur mit zwei aktiven Schichten wird beispielsweise auch als Tandemstruktur bezeichnet. Ähnliche Strukturen sind beispielsweise aus dem Dokument [3] oder dem Dokument [4] be¬ kannt, die hiermit durch Rückbezug in die Offenbarung der vor¬ liegenden Anmeldung aufgenommen werden.
[00067] Die Stapelstruktur ist insbesondere geeignet, eine OLED bereitzustellen, die weißes Licht emittiert. Dabei ist die Ausführung mit drei verschiedenen Stapeln, wie im Fall des dritten Ausführungsbeispiels, besonders vorteilhaft. So kann beispielsweise ein sogenannter "RGB-Emitter" bereitgestellt werden, in dem je eine aktive Schicht ein rotes, ein grünes oder ein blaues Farbspektrum emittiert. Damit kann ein genauer Farbort des insgesamt emittierten Spektrums eingestellt wer¬ den. Durch die Aufteilung in drei aktive Schichten kann beispielsweise jedes verwendete Emittermaterial in eine optisch optimale Position innerhalb des Schichtstapels eingebracht sein. Dabei können Effekte, wie Absorption unterschiedlicher Wellenlängen oder Brechungsindizes an Grenzflächen berücksichtigt sein.
[00068] Es ist selbstverständlich, dass das oben gesagte auch in analoger Weise für eine optoelektronische Vorrichtung 400 gilt, in der wenigstens eine der aktiven Schichten als Detektor wirkt.
DRITTES AUSFUHRUNGSBEISPIEL DES OPTOELEKTRONISCHEN BAUELEMENTS
[00069] Fig.5 zeigt die schematische Darstellung eines drit¬ ten Ausführungsbeispiels eines optoelektronischen Bauelements 500 mit einer Ladungserzeugungsschichtfolge 100. Das dritte Ausführungsbeispiel unterscheidet sich von dem ersten Ausfüh¬ rungsbeispiel dadurch, dass lediglich eine aktive Schicht vor¬ gesehen ist. Diese ist zwischen der elektronen-
transportierenden Schicht 314 und der lochtransportierenden Schicht 308 angeordnet. Die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 ist zwischen der Anode 302 und der lochtransportierenden
Schicht 308 angeordnet.
[00070] Durch die Anordnung der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 an der Anode 302 können leichter Ladungsträger, d.h. insbesondere Löcher, in den Schichtstapel eingebracht werden.
Dies ist besonders geeignet, um Effekte durch eine Austritts¬ arbeit des Anodenmaterials zu unterdrücken, die gegebenenfalls zu einer Hemmung des Transports von Löchern in den Schichtstapel führen können. Die Ladungserzeugungsschichtfolge 100 hat damit nicht die Wirkung, zusätzliche Ladungsträger in dem Schichtstapel bereitzustellen. Vielmehr unterstützt sie bei¬ spielsweise den Eintritt von Ladungsträgern von metallischen Elektroden in organische Materialien des Schichtstapels. Diese Funktion der Ladungserzeugungsschichtfolge 100 kann auch in Kombination mit den Anordnungen des optoelektronischen Bauelements des ersten oder zweiten Ausführungsbeispiels oder in be¬ liebig anderen Aus führungs formen verwendet werden.
ABSCHLIESSENDE FESTSTELLUNG
[00071] Das optoelektronische Bauelement wurde zur Veran¬ schaulichung des zugrundeliegenden Gedankens anhand einiger Ausführungsbeispiele beschrieben. Die Ausführungsbeispiele sind dabei nicht auf bestimmte Merkmalskombinationen be¬ schränkt. Auch wenn einige Merkmale und Ausgestaltungen nur im Zusammenhang mit einem besonderen Ausführungsbeispiel oder einzelnen Ausführungsbeispielen beschrieben wurden, können sie jeweils mit anderen Merkmalen aus anderen Ausführungsbeispie¬ len kombiniert werden. Es ist ebenso möglich, in Ausführungs¬ beispielen einzelne dargestellte Merkmale oder besondere Aus¬ gestaltungen wegzulassen oder hinzuzufügen, soweit die allgemeine technische Lehre realisiert bleibt.
L I TERATUR
[00072] In diesem Dokument sind die folgenden Veröffentli¬ chungen zitiert:
[1] Kröger, M. et al . " Temperature-independent field induced
Charge Separation of doped organic/organic interfaces: Ex- perimental modeling of electrical properties" : Phys . Rev. B 75, 235321 (2007) ;
[2] Meerheim, R. et al . "Ultrastable and efficient red organic light emitting diodes with doped transport layers" :
Appl. Phys. Lett. 89, 061111 (2006);
[3] EP 1 983 805 AI;
[4] Lee, T. et al . "High-efficiency stacked white organic
light emitting diodes": Appl. Phys. Lett. 92, 043301
(2008)
BEZUGSZEICHENLISTE
LadungserzeugungsSchichtfolge 100
Erste organische Halbleiterschicht 102
Zweite organische Halbleiterschicht 104
Grenzfläche 106
Ladungsträgerpaar 108
Zwischenschicht 110
LUMO-Energieniveau 200
HOMO-Energieniveau 202
Optoelektronisches Bauelement 300
Anode 302
Kathode 304
Stromquelle 306
Lochtransportierende Schicht 308
Erste aktive Schicht 310
Zweite aktive Schicht 312
Elektronentransportierende Schicht 314
Optoelektronisches Bauelement 400
Zweite Ladungserzeugungsschichtfolge 402
Dritte aktive Schicht 404
Optoelektronisches Bauelement 500
Elektrisches Feld E