Verfahren und Anlage zur Dekontamination von Phosphorsäurelösung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren nach den Merkmalen des ersten Patentanspruches und eine Anlage nach den Merkmalen des Anspruches 7.
Die Erfindung ist überall dort anwendbar, wo bei einer chemischen und/oder
elektrochemischen Dekontamination von der Oberfläche radioaktiv verschmutzter Anlagenteile in einer Phosphorsäurelösung Eisen(ll)lonen vorliegen und die
Phosphorsäurelösung von den Eisen(ll)lonen zu reinigen ist, damit sie wieder für die Dekontamination radioaktiv verschmutzter Anlagenteile einsetzbar ist.
Die Erfindung ist besonders geeignet für den Einsatz in kleinen und mobilen Anlagen, in denen die Phosphorsäure im Dekontaminationsbad kontinuierlich gereinigt und dem Bad wieder zugeführt wird.
Phosphorsäure-Elektrolyt-Bäder werden zur elektrochemischen Dekontamination seit langem eingesetzt. Nach längerem Einsatz steigen der Eisengehalt und die Aktivität in der Elektrolytlösung an. Bei einer bestimmten Eisenkonzentration im Phosphorsäure- Elektrolyt-Bad von beispielsweise 100 g Fe/pro Liter wird der Einsatz des Elektrolyten unwirtschaftlich, weil der Dekontaminationserfolg ausbleibt und der Zeitaufwand extrem hoch wird. Deshalb werden die Elektrolyten verworfen und entsorgt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die wäßrige Phosphorsäurelösung des
Dekontaminationsbades aufzubereiten und dem Dekontaminationsbad wieder zuzuführen.
Der Dekontaminationseffekt besteht darin, daß von einer Stahlkomponente mittels Phosphorsäure die Oberfläche ca. 0,03 mm tief ab-/aufgelöst wird. Der aufgelöste Stahl bzw. das Eisen ist nicht radioaktiv sondern nur der auf der Oberfläche haftende
Schmutz. Dieser wird zusammen mit dem Eisen gefällt, macht aber nur einen minimalen Anteil des Volumens aus.
Eine Möglichkeit zur Aufbereitung von wäßriger Phosphorsäurelösung ist in
EP 026125527 beschrieben. Bei diesem Verfahren wird chargenweise
Phosphorsäurelösung mit wäßriger Oxalsäure gemischt, wobei Eisenoxalat ausfällt und abgetrennt werden kann. Die verdünnte Phosphorsäure wird aufkonzentriert und der Dekontamination wieder zugeführt (rezykliert). Das gebildete Eisenoxalat wird in einer Thermolyse konditioniert.
BESTÄTIGUNGSKOPIE
Die Thermolyse ist eine chemische Reaktion, bei der ein Ausgangsstoff durch Erhitzen in mehrere Produkte zersetzt wird. Im Gegensatz zur thermischen Zersetzung (Pyrolyse) wird die Thermolyse gezielt zur Darstellung definierter Produkte oder reaktiver
Zwischenstufen eingesetzt.
Da das Verfahren diskontinuierlich durchgeführt wird, müssen für Reinigung der
Phosphorsäurelösung entsprechend große Behältnisse zur Verfügung stehen, was eine entsprechend große Anlage voraussetzt und das Verfahren verteuert. Damit ist insgesamt relativ viel radioaktives Material im Umlauf, was ein höheres
Gefährdungspotential nach sich zieht. Mobile Anlagen dieser Art mit kleineren Mengen Phosphorsäure sind wenig rentabel und kaum realisierbar.
Es ist daher Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine Anlage zur Rezyklierung einer Phosphorsäurelösung aus einem Dekontaminationsbad mit geringem
Gefährdungspotential zu entwickeln, bei dem kleinere Mengen der Phosphorsäurelösung im Umlauf sind.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren nach den Merkmalen des ersten
Patentanspruches und eine Anlage nach den Merkmalen des Anspruches 7 gelöst.
Unteransprüche geben vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung wieder.
Die erfindungsgemäße Lösung sieht ein Verfahren zur Rezyklierung von
Phosphorsäurelösung aus einem Dekontaminationsbad vor, die durch radioaktive Anteil verschmutzt ist, wobei die verbrauchte Phosphorsäure mit wäßriger Oxalsäurelösung verdünnt wird, um Eisenoxalat abzutrennen und die Phosphorsäurelösung zur
Dekontamination weiterer Anlagenteile einzusetzen.
Erfindungsgemäß wird der Eisenionengehalt in der Phosphorsäure im
Dekontaminationsbad kontinuierlich entnommen und gemessen. Die kontinuierliche
Entnahme kann durch eine Person oder durch eine Entnahmeeinrichtung erfolgen. Für die Einstellung der Prozessparameter sind die Eisen(ll)lonen relevant, da die ebenfalls in der Flüssigkeit vorhandenen Eisen(lll)lonen nicht gefällt werden und den Prozeß unverändert durchlaufen. Die kontinuierliche Messung kann online, minütlich, stündlich oder tageweise erfolgen.
Erfindungsgemäß wird dem Dekontaminationsbad kontinuierlich Phosphorsäure entnommen und durch konzentrierte gereinigte Phosphorsäure ersetzt, so daß eine bestimmte Konzentration von gelöstem Eisen nicht überschritten wird. Diese Eisenkonzentration im Dekontaminationsbad sollte bei 40 bis 120 g Fe/Liter, vorzugsweise bei 75 bis 95 g Fe/Liter, liegen.
Vorteilhaft ist es, der mit gelöstem Eisen verunreinigten Phosphorsäure Oxalsäurelösung zuzugeben. Das kann stöchiometrisch oder unterstöchiometrisch erfolgen. Vorteilhaft ist eine unterstöchiometrische Zugabe. Damit wird zwar ein optimaler Wirkungsgrad nicht erreicht, aber verhindert, daß Oxalsäure den gesamten Prozeß unnötig belastet. Die Zugabe kann kontinuierlich, durch eine Person oder durch eine Zugabeeinrichtung erfolgen. Weiterhin ist es vorteilhaft, das Vermischen von mit gelösten Eisenionen verunreinigter Phosphorsäure und Oxalsäure in einem mehrstufigen Mischprozeß durchzuführen. Geeignet ist ein zwei- bis vierstufiger Mischprozeß. Dieser Mischprozeß kann mittels für den Verfahrenstechniker bekannten Maßnahmen erfolgen. Dazu sind dem
Verfahrenstechniker Rührer, Mischer oder für einen Mischprozeß geeignete Aggregate bekannt.
Weiterhin ist es vorteilhaft, wenn der aus der verdünnten Phosphorsäure abgetrennte Eisenoxalatschlamm mit einem Erhitzer kontinuierlich in Eisenoxid, C02 und CO getrennt wird.
In einer weiteren Ausführungsvariante ist es vorteilhaft, dem Erhitzer einen Katalysator zur Oxidation von CO zu C02 nachzuschalten.
Die erfindungsgemäße Anlage zur Rezyklierung von mit Eisenionen verunreinigter Phosphorsäure besteht aus einem Dekontaminationsbad mit der verunreinigten
Phosphorsäure, dem Behälter mit Oxalsäure und dem Absetzbecken.
Die Anlage zeichnet sich durch einen kontinuierlich betriebenen Mischer aus, in dem Oxalsäure und mit Eisenoxid verunreinigte Phosphorsäure gemischt werden. Weiterhin ist eine Austragseinrichtung nach den Mischkammern des Mischers, beispielsweise ein Überlauf von dem Mischer zum Absetzbecken, angeordnet, wobei
dem Absatzbecken kontinuierlich Eisenoxalatschlamm und verdünnte Phosphorsäure entnommen werden.
Vorteilhaft ist es, einen Nachklärtank mit einem Überlauf zum Verdampfer anzuordnen, wobei vom Verdampfer eine Leitung für konzentrierte Phosphorsäure zum
Dekontaminationsbad führt.
Die erfindungsgemäße Anlage weist weiterhin einen Bandofen auf, in dem Eisenoxalat kontinuierlich in Eisenoxid, C02 und CO zerlegt wird.
Vorteilhaft ist es, wenn die Anlage eine Meßeinrichtung zur kontinuierlichen Messung des Eisenionengehaltes im oder am Dekontaminationsbad aufweist.
Weiterhin ist es vorteilhaft, wenn die Anlage eine Vorrichtung zur kontinuierlichen Zugabe von konzentrierter Phosphorsäure in das Dekontaminationsbad aufweist. Das kann beispielsweise durch eine Dosiereinrichtung, z. B. eine regelbare Pumpe, vorgenommen werden.
Darüber hinaus ist es vorteilhaft, wenn die Anlage eine Vorrichtung zur kontinuierlichen Zugabe von Oxalsäure in den Mischer aufweist.
Die Zugabe von konzentrierter Phosphorsäure und/oder Oxalsäure kann mittels
Schwerkraft erfolgen, wenn der Puffertank hoch genug angeordnet ist. Sofern das nicht der Fall ist, ist es vorteilhaft, eine oder mehrere Pumpen anzuordnen.
Um den Mischprozeß mehrstufig durchführen zu können, ist es vorteilhaft, mehrere
Mischer mit Mischkammern und Austragseinrichtungen zwischen beispielsweise zwei bis vier Mischern anzuordnen.
Als Austragseinrichtungen in der Anlage sind Überläufe, Pumpen oder Ventile einsetzbar.
Die erfindungsgemäße Lösung hat den Vorteil, daß in einer Anlage zur Rezyklierung einer Phosphorsäurelösung aus einem Dekontaminationsbad nur kleine Mengen der Phosphorsäurelösung im Umlauf sind, wobei das benötigte Arbeitsvolumen in den Anlagetanks erheblich reduziert wird. Daraus resultierend ist es möglich, die Reinigung von Phosphorsäurelösung von Eisen(ll)lonen aus der elektrochemischen
Dekontamination mit mobilen Anlagen vorzunehmen.
Im Folgenden soll die Erfindung an einem Ausführungsbeispiel und einer Figur der Anlage näher erläutert werden.
Die Figur zeigt eine Anlage zur Dekontamination von Phosphorsäurelösung 3b, bestehend aus dem Dekontaminationsbad 4, in dem sich Phosphorsäure mit gelöstem Eisen (II) und Eisen (III) befindet. Dieses wird durch die Leitung und eine Pumpe einem mehrstufigen Mischer 10 zugeführt, in dem Rührer 20 angeordnet sind. Aus einem weiteren Behälter wird Oxalsäure 9 in den mehrstufigen Mischer 10 gepumpt. Zwischen den Behälter dem mehrstufigen Mischer 10 sind Überläufe 16 angeordnet. Aus dem Mischer 10 abgepumpt wird verdünnte Phosphorsäure 3, die in den Sedimentationstank 11 gelangt, in dem durch einen Absatzvorgang verdünnte Phosphorsäure 3 und
Eisenoxalatschlamm 1 entstehen. Am unteren Teil des Sedimentationstanks 11 befindet sich ein Schwingmechanismus 17. Dieser sorgt dafür, daß der Sedimentationsschlamm sich nicht verfestigt und einwandfrei nach unten ausgetragen werden kann. Unter dem Sedimentationstank 11 ist der Erhitzer angeordnet, der einen Bandofen 2 darstellt, wobei im vorliegenden Fall mehrere Heizelemente 18 über einem Band den feuchten
Eisenoxalatschlamm trocknen und thermisch zerlegen, der als Eisenoxid 5 abgeworfen und weiter verarbeitet werden kann. Zur Beschleunigung des Trocknungsvorganges und zur Oxidation wird Zuluft 19 über das Band geleitet, wobei über dem Band ein Filter 8 angeordnet ist, in dem Stäube herausgefiltert werden.
Die verdünnte Phosphorsäure 3 des Sedimentationstanks 1 1 wird im vorliegenden Beispiel in einen Nachklärtank 12 gepumpt, in dem Restmengen von
Eisenoxalatschlamm 1 abgesetzt werden. Aus diesem Nachklärtank 12 wird verdünnte Phosphorsäure 3 in den Puffertank 14 geleitet, nach dem ein Verdampfer 13 angeordnet ist, den konzentrierte Phosphorsäure 3a verläßt, die in das Dekontaminationsbad 4 zurückgeführt wird.
Liste der verwendeten Bezugszeichen
1 Eisenoxalatschlamm
2 Erhitzer/Bandofen
3 Phosphorsäure, verdünnt
3a Phosphorsäure, konzentriert
3b Phosphorsäure mit gelöstem Eisen(ll) und Eisen (III)
4 Dekontaminationsbad
5 Eisenoxid/Eisenphosphat
6 C02
7 CO
8 Filter/Katalysator
9 Oxalsäure
10 Mehrstufiger Mischer
11 Sedimentationstank/Absetzbecken
12 Nachklärtank
13 Verdampfer
14 Puffertank
15 Wasser
16 Überlauf
17 Schwingmechanismus
18 Heizung
19 Zuluft
20 Rührer