Verfahren und Einrichtung zur Detektion eines Inselbetriebs von Ener- gieerzeugungsanlagen
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Detektion eines Inselbetriebs von Energieerzeugungsanlagen, die zur Erzeugung elektrischer Energie eingerichtet und mit einem Verbundnetz im Einspeisebetrieb koppelbar sind, wobei die Energieerzeugungsanlage im Inselbetrieb gegenüber dem Verbundnetz arbeitet und dabei kein Energieaustausch zwischen der Energieerzeugungsanlage und dem Verbundnetz erfolgt, mit den Schritten :
- Erfassen des zeitlichen Verlaufs der Frequenz der Netzspannung
(Netzfrequenz), die am Anschlussbereich der Energieerzeugungsanlage mit dem Verbundnetz vorliegt, und
- Auswerten des zeitlichen Verlaufs der Frequenz der Netzspannung zur Detektion eines Inselbetriebs. Die Erfindung betrifft weiterhin eine Einrichtung zur Detektion eines Inselbetriebs von Energieerzeugungsanlagen, die zur Erzeugung elektrischer Energie eingerichtet und mit einem Verbundnetz im Einspeisebetrieb koppelbar sind, wobei die Energieerzeugungsanlage im Inselbetrieb gegenüber dem Verbundnetz arbeitet und dabei kein Energieaustausch zwischen Energieer- zeugungsanlage und dem Verbundnetz erfolgt. Die Einrichtung hat eine an den Anschlussbereich der Energieerzeugungsanlage mit dem Verbundnetz anschließbare Netzfrequenz-Messeinheit zur Erfassung des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz sowie eine Auswerteeinheit, die an die Netzfrequenz- Messeinheit angeschlossen ist.
Bei der dezentralen Einspeisung elektrischer Energie durch dezentrale Ei- generzeugungsanlagen, wie beispielsweise Windenergieanlagen oder Solaranlagen in ein Verbundnetz, ist von dem Betreiber des Verbundnetzes si-
cherzustellen, dass die zulässigen Spannungs- und Frequenzgrenzen eingehalten werden. Um einen sicheren Betrieb des Verbundnetzes zu gewährleisten, sind auf Basis einer Spannungsmessung, einer Frequenzmessung und einer I mpedanzmessung zur Erkennung von Inselnetzbildung Abschalt- kriterien definiert. Dabei stellt die Erkennung eines ungewollten Inselbetriebs der Eigenerzeugungsanlage ein Problem dar.
Bekannte Lösungen zur Erkennung eines unbeabsichtigten Inselbetriebs werden in passive Verfahren und aktive Verfahren untergliedert. Bei den passiven Verfahren ist eine Überwachung der Netzspannung in zeitlicher oder Raumzeiger bezogener Darstellung sowie der Netzfrequenz hinsichtlich sprungförmiger Veränderungen vorgesehen. Es kann auch der Obersschwingungsgehalt der Netzspannung betrachtet werden, der unter dem Einfluss des betreffenden Wechselrichters steht. Bei den aktiven Verfahren wird Energie zu Prüfzwecken in das Netz übertragen. Dadurch wird eine Bestimmung der Netzimpedanz ermöglicht, die einen Rückschluss auf den Zustand der elektrischen Verbindung zum Verbundnetz zulässt. Bei aktiven Verfahren der Netzspannungs- und Netzfrequenzverschiebung wird ermittelt, inwieweit sich die genannten Netzparameter durch die Wirkung des Einspeise- Wechselrichters beeinflussen lassen. Zur Kategorie der aktiven Verfahren zählt auch das Pilotton-Verfahren, das die Einprägung eines hochfrequenten Signals an zentralen Netzpunkten vorsieht, welches von den Eigenerzeu- gungsanlagen als Beleg für die vorhandene Verbindung zum Netz erfasst werden kann.
Neben passiven und aktiven Verfahren werden zudem noch auf Kommunikations- und Informationssysteme basierende Verfahren getrennt behandelt.
E. Handschin, E. Hauptmeier, W. Horenkamp, S. Malcher:„Inselnetzerken- nung bei Eigenerzeugungsanlagen", ETZ Heft 1 2/2004, Seiten 48 bis 50 beschreiben Messverfahren zur Inselnetzerkennung bei Eigenerzeugungsanlagen mit ihren Vor- und Nachteilen. Dabei werden die bekannten Verfahren der Erkennung von Netzimpedanzen, der dreiphasigen Spannungsüberwa-
chung, des Spannungsshift- und Frequenzshift-Verfahrens und des Pilotton- Verfahrens beschrieben.
N. Strath :„Island Detection in Power Systems", in : Licentiate Thesis, Lund University, Department of Industrial Electrical Engineering and Automation, 2005 beschreibt passive Verfahren zur Inselnetzerkennung durch Spannungsmessung, Frequenzmessung, Messung der Änderungsrate der Frequenz, des Vektorshifts, der Spannungsfluktuation und der Änderungsrate der Spannung und Änderung im Leistungsfaktor. Das hei ßt, als passives Ver- fahren wird beispielsweise ein Vergleich der Änderungsrate der Frequenz an zwei Standorten in dem Netz beschrieben.
E. Rosolowski, A. Burek, L. Jedut:„A new method for islanding detection and distrubted generation", Wroclaw University of Technology, Poland, Eleco's 2007 5th International Conference of Electrical and Electronics Engineering offenbaren ein Verfahren zur Erkennung des Inselbetriebs einer Eigenerzeu- gungsanlage durch Quasi-Logik-Analyse der drei Parameter, Änderung der Spannung, Änderungsrate der Frequenz und Änderungsrate der aktiven Leistung.
H.H. Zeineldin, T. Abdel-Galil, E. F. El-Saadany, M.M.A. Salama:„Islanding detection of grid connected distributed generators using TLS-ESPRIT", Electric Power Systems Research 77 (2007), S. 1 55-1 62 schlagen die Nutzung der Oszillationsfrequenz und des Dämpfungsfaktors von verteilten Eigener- zeugungsanlagen als zwei Parameter zur Inselnetzerkennung vor.
T. Pujhari :„Islanding detection in distributed generation", Department of Electrical Engineering, National Institute of Technology, Rourkela, May 2009 schlägt eine Erkennung des Inselnetzbetriebs mit Hilfe einer Wavelet-Trans- formation zur Überwachung der Änderungen interessierender Parameter, insbesondere des Leistungsspektrums vor.
Die wesentlichen bekannten Verfahren zur Erkennung von Inselnetzbetrieben
für Eigenerzeugungsanlagen sind in W. Bower, M. Ropp:„Evaluation of is- landing detection methods for photovoltaic-utility interactive power Systems, I EA PVPS International Energy Agency I mplementing Agreement on Photo- voltaic Power Systems, Task V Grid Interconnection of Building Integrated and other Dispersed Photovoltaic Power Systems, Report I EA PVPS T5- 02 :2002, März 2002 zusammengefasst.
Der Eintrag elektrischer Energie zu Prüfzwecken in den aktiven Verfahren hat den Nachteil, dass hierdurch die Qualität der Netzspannung negativ be- einflusst werden kann. Die auf Kommunikations- und Informationssystemen beruhenden Lösungen erfordern einen relativ großen technischen und finanziellen Aufwand. Die bekannten passiven Verfahren sind nur begrenzt zuverlässig, da die Schwierigkeit besteht, aus den ermittelten zeitlichen Veränderungen von Netzspannung und Netzfrequenz den Status der elektrischen Verbindung zum Verbundnetz ausreichend genau zu bestimmen. Ein Problem liegt auch darin, dass die Festlegung entsprechender Grenzwerte nicht einheitlich erfolgen kann. Durch die Auswertung sprungförmiger Veränderungen, die im Mittelpunkt der passiven Verfahren stehen, kann auch nicht zuverlässig auf das Vorliegen eines Inselbetriebs geschlossen werden.
Ausgehend hiervon ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein verbessertes Verfahren und eine entsprechende Einrichtung zur Detektion eines Inselbetriebs von Energieerzeugungsanlagen zu schaffen, um einen Inselbetrieb einer Energieerzeugungsanlage möglichst einfach und zuverlässig er- kennen zu können.
Die Aufgabe wird mit dem Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und der Einrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 8 gelöst. Durch das Auswerten des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz mittels Analyse des statistischen Verhaltens des Rauschsignals des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz und durch Detektion eines Inselbetriebs anhand von bei der Analyse erkannten statistischen Verhaltensmerkmalen gelingt die einfa-
che und zuverlässige Detektion des Inselbetriebs von Energieerzeugungsanlagen.
Während bislang zur Detektion eines Inselbetriebs nur eine Analyse von Merkmalen des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz vorgenommen wird, sieht das vorliegende Verfahren eine Analyse statistischer Eigenschaften des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz vor, die bevorzugt in Form zeitdiskret aufgenommener Einzelwerte erfasst wird. Es hat sich gezeigt, dass die Anwesenheit eines Verbundnetzes durch statistische Merkmale charakterisiert ist, die aus dem zeitlichen Verlauf der Netzfrequenz und bevorzugt aus den Einzelwerten der Netzfrequenz isoliert werden können.
In einem Verbundnetz werden nämlich auch in kleinen Zeitspannen eine sehr große Zahl an Lasten zu- oder abgeschaltet. Die hierdurch verursachte last- bedingte Frequenzveränderung im Verbundnetz äu ßert sich jedoch nicht mehr in Form auflösbarer Rückgänge und Zunahmen, die den Einzellasten zugeordnet werden können, sondern in Gestalt eines Frequenzrauschens. Rauschphänomene ihrerseits unterliegen statistischen Gesetzmäßigkeiten, die bei dem vorliegenden Verfahren herangezogen werden.
Damit gelingt es auf einfache und zuverlässige Weise, einen Inselbetrieb zu detektieren.
Das Auswerten erfolgt bevorzugt in Zeitintervallen des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz, z. B. in Zyklen von 5 Sekunden.
Bevorzugt erfolgt ein Bestimmen der über die Frequenz aufgetragenen statistischen Häufigkeitsverteilung der Signaleinzelwerte des Rauschanteils des erfassten zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz und eine Detektion eines In- selbetriebs in dem Fall, dass ein Abschnitt des Verlaufs der ermittelten statistischen Häufigkeitsverteilung signifikant au ßerhalb eines festgelegten Bereiches um den Verlauf einer Gau ßsche Normalverteilung aufgefunden wird.
Die Häufigkeitsverteilung der Signaleinzelwerte des Rauschens weist im Falle des Vorliegens einer Verbindung zum Verbundnetz detektierbare statistische Besonderheiten auf. Im Falle des Vorliegens einer Verbindung zum Verbundnetz weist die Häufigkeitsverteilung der diskret aufgenommenen Werte des Rauschanteils der gemessenen Netzfrequenz einen Verlauf entsprechend der Gau ßschen Häufigkeitsverteilung bzw. Normalverteilung mit ihren charakteristischen Kennwerten und der kennzeichnenden Gestalt auf. Eine Verbindung der Eigenerzeugungsanlage zum Verbundnetz liegt somit dann vor, wenn sich die Gau ßsche Häufigkeitsverteilung bzw. Normalvertei- lung der gemessenen Frequenzänderung der Spannung am Anschlusspunkt der Eigenenergieerzeugungsanlage erkennbar bestimmen lässt. Liegt hingegen keine Verbindung zum Verbundnetz vor, so zeigen ggf. anderweitig verursachte Frequenzveränderungen der Spannung am Anschlusspunkt nicht die genannten statistischen Merkmale, so dass dann auf einen Inselbetrieb geschlossen werden kann.
Bevorzugt erfolgt ein Erfassen der Frequenzveränderung der Spannung am Anschlusspunkt der Energieerzeugungsanlage zum Verbundnetz und ein Auswerten dieser Frequenzveränderung als zeitlicher Verlauf der Netzfre- quenz.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn der zeitliche Verlauf einer virtuellen Wirkleistung einer simulierten Synchronmaschine erfasst wird, die mit der Energieerzeugungsanlage im Übergang zum Verbundnetz gekoppelt ist. Dabei erfolgt dann ein Auswerten der virtuellen Wirkleistung als Maß für den zeitlichen Verlauf der Netzfrequenz. Dies hat den Vorteil, dass der zeitliche Verlauf der Netzfrequenz nicht elektronisch gemessen werden muss, sondern die als Datenstrom vorliegende virtuelle Wirkleistung einer mit Hilfe einer Datenverarbeitungsanlage simulierten Synchronmaschine herangezogen wer- den kann, um das statistische Verhalten des Rauschanteils des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz bzw. der virtuellen Wirkleistung heranzuziehen. Wird die auf der Datenverarbeitungsanlage eingerichtete simulierte Synchronmaschine mathematisch mit einem Rotor ausgestattet, der ein unend-
lieh gro ßes Masseträgheitsmoment besitzt, so folgt die virtuelle Wirkleistung der simulierten Synchronmaschine unmittelbar allen Veränderungen der Netzfrequenz, was bedeutet, dass der Rauschanteil des zeitlichen Verlaufs der Frequenz der Netzspannung auf die virtuelle Wirkleistung der simulierten Synchronmaschine übertragen wird. Hiermit wird es möglich, die Änderung einer Frequenzgrö ße und damit die Änderung einer alternierenden Grö ße als besser erfassbare Änderung einer Gleichgrö ße abzubilden. Die Methode nutzt eine simulierte Synchronmaschine mit unendlich großem Masseträgheitsmoment somit als besonders geeigneten Frequenzdemodulator.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn ein Abschalten der Energieerzeugungsanlage von dem Verbundnetz für den Fall erfolgt, dass ein Inselbetrieb detek- tiert wurde. Auf diese Weise ist auch eine automatische, rechnergesteuerte Sicherung des Verbundnetzes an der Einspeisestelle zu einer dezentralen Energieerzeugungsanlage mit relativ geringem Aufwand möglich.
Hierzu hat die Einrichtung einen Netzschalter (ein- oder mehrphasig), der von der Auswerteeinheit mittels eines Steuersignals angesteuert wird, um den Netzschalter zur Trennung der Energieerzeugungsanlage vom Verbund- netz umzuschalten, wenn von der Auswerteeinheit ein Inselbetrieb erkannt wurde.
Die Auswerteeinheit der Einrichtung zur Detektion eines Inselbetriebs ist vorzugsweise eine Datenverarbeitungseinheit mit einem zur Durchführung eines Verfahrens geeigneten programmierten Prozessor (Mikroprozessor, Mikro- controller, FPGA, ASIC etc.).
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels mit den beigefügten Zeichnungen näher erläutert.
Es zeigen :
Fig. 1 - Blockdiagramm der Anschaltung einer Eigenerzeugsanlage in ein elektrisches Verbundnetz mit einer Einrichtung zur Detektion eines Inselbetriebs und einer Netztrennvorrichtung;
Fig. 2 - Blockschaltbild einer Einrichtung zur Detektion eines Inselbetriebes von Energieerzeugungsanlagen.
Figur 1 lässt eine Skizze eines Verbundnetzes 1 erkennen, an das eine Vielzahl von Energieerzeugern 2a, 2b, 2c, 2d als Energieerzeugergruppe 2 und einer Vielzahl von als Lastgruppen 3 bezeichnete Lasten 3a, 3b, 3c, 3d an- geschlossen sind.
Über eine Trennvorrichtung 4 in Form eines Netzschalters ist eine (dezentrale) Eigenerzeugungsanlage 5 an das Verbundnetz 1 angeschlossen. Bei einer solchen Eigenerzeugungsanlage kann es sich z. B. um eine Windener- gieanlage, eine Solarenergieanlage oder ähnliches handeln.
Mit der Eigenerzeugungsanlage 5 ist vorzugsweise am Einspeisepunkt der Eigenerzeugungsanlage zum Verbundnetz 1 eine Einrichtung 6 zur Detektion eines Inselbetriebs der Eigenerzeugungsanlage 5 angeschlossen, die zur Ansteuerung der Trennvorrichtung 4 mit einem Steuerungssignal S verbunden ist. Auf diese Weise kann die Trennvorrichtung 4 mit Hilfe des Steuersignals S umgeschaltet und die Eigenerzeugungsanlage 5 vom Verbundnetz 1 getrennt werden, wenn die Einrichtung einen Inselbetrieb der Eigenerzeugungsanlage 5 detektiert.
Die Detektion des Inselbetriebs der Eigenerzeugungsanlage 5 beruht auf der Spezifik der Veränderlichkeit der Netzfrequenz in Verbundnetzen 1 . Diese
Veränderlichkeit der Netzfrequenz wird durch die Erzeugergruppen 2 und die Lastgruppen 3 hervorgerufen. Die Erzeugergruppen 2 des Verbundnetzes 1 werden zur Erhaltung der Netzfrequenz i m Bereich ihres Soll-Wertes wie skizziert frequenzgeregelt betrieben. Die Proportionalregelung der Netzfre- quenz durch die einzelnen Kraftwerksein heiten (Erzeuger 2a, 2b, 2c, 2d) führt prinzipbedingt zu verbleibenden Regelfehlern, so dass in den meisten Fällen der exakte Sollwert nicht eingestellt werden kann. Jedoch ni mmt mit der Zahl der netzaktiven Kraftwerksein heiten (Erzeuger 2a, 2b, 2c, 2d) oder mit der Höhe der gewählten Proportionalfaktoren die Grö ße des Regelfehlers ab.
Frequenzabweichungen i m Verbundnetz 1 werden wesentlich vom Verhalten der gro ßen Gesamtheit der in der Netzeinheit installierten Lastgruppen 3 bestim mt. Die Zuschaltung jeder Einzellast 3a, 3b, 3c, 3d fü hrt, wenn das Ver- bundnetz 1 zu diesem Zeitpunkt stationär und keine Aktivität anderer Betriebsmittel zu verzeichnen ist, in einem Verbundnetz 1 mit proportional frequenzgeregelten Erzeugern 2a, 2b, 2c, 2d stets zu einem - wenn auch infinitesi mal kleinen, aber der Last proportionalen - Frequenzrückgang. Da in einem Verbundnetz 1 auch in kleinen Zeitspannen eine sehr gro ße Zahl an Lasten zu- oder abgeschaltet wird, äu ßert sich die lastbedingte Frequenzveränderung i m Verbundnetz 1 nicht mehr in Form auflösbarer Rückgänge oder Zunah men, die den einzelnen Lasten 3a, 3b, 3c, 3d zugeordnet werden können, sondern in Gestalt eines Frequenzrauschens. Rauschphänomene i hrerseits unterliegen statistischen Gesetzmäßigkeiten , die bei dem Verfahren zur Detektion eines Inselbetriebs und der entsprechenden Einrichtung herangezogen werden . I m betrachteten Fall ist dies die statistische Verteilung der Signaleinzelwerte des Rauschanteils der Frequenz der Netzspannung, deren Auftrag die Gau ßsche Häufigkeitsverteilung bzw. Normalverteilung mit i hren charakteristischen Kennwerten und der kennzeichnenden Gestalt abbildet. Die Gau ßsche Häufigkeitsverteilung bzw. Normalverteilung beschreibt die Verteilung einer Zufallsgrö ße, wie das Frequenzrauschen , bei der die graphische Darstellung der Wahrscheinlichkeitsdichte die Form einer Glockenkurve, auch Normalverteilungskurve genannt, besitzt. Die Normalverteilungskur-
ve ist symmetrisch und weist rechts und links vom Mittelwert gleich große Flächenanteile auf. Die meisten der gemessenen Einzelwerte beschreiben mit ihren Häufigkeiten den mittleren Bereich der Normalverteilungskurve. Für die technische Auswertung des Rauschens ist weiterhin wesentlich, dass das Frequenzrauschen und nicht das Amplitudenrauschen des aufgenommenen Signals am Anschluss der Eigenerzeugungsanlage 5 zum Verbundnetz für die weitere Verarbeitung herangezogen wird. Damit liegt eine Un- empfindlichkeit gegenüber Amplitudenänderungen zugrunde. Eine vergleich- bare Unempfindlichkeit des Verfahrens zur Detektion eines Inselbetriebs besteht bezüglich Netzfrequenzveränderungen in Zeitmaßstäben typischer Tagesgänge, wenn entsprechend kleine Zeitintervalle des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz ausgewertet werden. Die Einrichtung 6 zur Erkennung des Inselnetzbetriebs ist eingerichtet, um den zeitlichen Verlauf der Netzfrequenz durch Analyse der statistischen Eigenschaften des Rauschanteils des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz auszuwerten und einen Inselbetrieb anhand von bei der Analyse erkannten statistischen Merkmalen zu detektieren. Dies kann in dem beschriebenen bevorzugten Ausführungsbeispiel dadurch erfolgen, dass ein Verbundnetzbetrieb, d. h. kein Inselbetrieb vorliegt, wenn sich gemäß der Richtlinien über die Abschaltung von Eigenerzeugungsanlagen 5 zur Vermeidung des unbeabsichtigten Inselbetriebs in Zyklen von 5 Sekunden jeweils die Gau ßsche Häufigkeitsverteilung bzw. Normalverteilung aus der Menge der in diesen Zeitabschnitten diskret gemessenen Frequenzveränderungen der Spannung am Anschlusspunkt der Eigenerzeugungsanlage 5 zum Verbundnetz 1 erkennbar bestimmen lässt. Liegt hingegen keine Verbindung zum Verbundnetz 1 vor, zeigen ggf. anderweitig verursachte Frequenzveränderungen der Spannung am Anschlusspunkt nicht die genannten statistischen Merkmale und damit eine signifikant von der Verlaufsform der Gau ßschen Häufigkeitsverteilung bzw. Normalverteilung abweichende Form der Häufigkeitsverteilung und die Trennvorrichtung 4 der Eigenerzeugungsanlage 5 wird in der Folge der Detektion eines Inselbetriebs durch die Einrichtung 6 betätigt.
Figur 2 lässt ein Blockdiagramm einer solchen Einrichtung 6 zur Detektion eines Inselbetriebs erkennen, die mit Hilfe eines Steuersignals S eine Trennvorrichtung 4 zwischen Eigenerzeugungsanlage 5 und Verbundnetz 1 an- steuert, wenn ein Inselbetrieb detektiert wurde. Hierzu ist zwischen der Eigenerzeugungsanlage 5 und dem Verbundnetz 1 die Trennvorrichtung 4 in Form eines Netzfreischalters zur Abschaltung der Eigenerzeugungsanlage 5 im Falle eines unbeabsichtigten Inselbetriebs vorgesehen. Zur Erfassung des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz ist ein Potential trennender Netzspannungswandler 7 an das Verbundnetz hinter der Trennvorrichtung 4 von der Eigenversorgungsanlage 5 aus in Richtung Verbundnetz gesehen geschaltet. Dieser potentialtrennende Netzspannungswandler 7 führt den Spannungs-Zeit-Verlauf der an seinem Anschlusspunkt aufgenom- menen dreiphasigen Netzspannung der Einrichtung 6 zur Detektion eines Inselbetriebs zu. Diese Einrichtung 6 ist vorzugsweise als Datenverarbeitungseinheit ausgebildet und durch geeignete Programmierung zur Auswertung des zeitlichen Verlaufs der Netzfrequenz und Detektion eines Inselbetriebs eingerichtet. Denkbar ist es aber auch, dass die Einrichtung 6 aus ent- sprechend spezialisierten Signalverarbeitungseinheiten gebildet ist.
In der Einrichtung 6 sind die nachfolgend beschriebenen algorithmischen Komponenten implementiert. Das aufgenommene Netzspannungssignal wird einem Rechenmodell einer virtuellen Synchronmaschine 8 zugeführt, wie sie beispielweise in der DE 1 0 2006 047 792 A1 beschrieben ist. Das virtuelle Masseträgheitsmoment der virtuellen Synchronmaschine 8 kann über eine Umschalteinrichtung 9 zwischen dem Nennwert des Maschinenmodells J = JN und einem unendlich großen Masseträgheitsmoment J = -> °° gewechselt werden. Am Ausgang der virtuellen Synchronmaschine 8 liegt die virtuelle Wirkleistung Pv an, die an ein Tor 1 0 geführt ist. Der Ausgang des Tors 1 0, das über eine Ablaufsteuerung 1 1 angesteuert wird, ist am Messwertspeicher 1 2 angeschlos-
sen, der ebenfalls von der Ablaufsteuerung 1 1 angesteuert wird. Dem Messspeicher 1 2 ist die Auswerteeinheit 1 3 zur statistischen Auswertung des aufgezeichneten zeitlichen Verlaufs der virtuellen Wirkleistung Pv, die proportional zu m zeitlichen Verlauf der Netzfrequenz ist, nachgeschaltet und einge- richtet und wird ebenfalls von der Ablaufsteuerung 1 1 angesteuert. Der Auswerteein heit 1 3 ist die Mustervergleichsfunktion 1 4 nachgeschaltet, deren Ausgang der Ablaufsteuerung 1 1 zugefü hrt wird.
Die Ablaufsteuerung 1 1 löscht vor dem Beginn jeder 5-sekündigen Messperi- ode bei zuvor gesperrtem Tor 1 0 den Messwertspeicher 1 2, während das virtuelle Masseträgheitsmoment der virtuellen Synchronmaschine 8 an hand der U mschaltung 9 auf den Wert J = J N gesetzt wird, u m das virtuelle Polrad der virtuellen Synchronmaschine 8 zu entspannen . Ein Messintervall beginnt mit der Öffnung des Tores 1 0 und der U mschaltung des virtuellen Masse- trägheitsmomentes auf den Wert J = -> <*>. Binnen der in den Richtlinien zur Trennung von Eigenerzeugungsanlagen 5 angegebenen Dauer von 5 Sekunden werden die zeitdiskret ermittelten Werte der virtuellen Wirkleistung Pv der virtuellen Synchronmaschine 8 im Messwertspeicher 1 2 aufgezeichnet. I n dieser Phase fü hrt jede auch sehr kleine Veränderung der Netzfrequenz zur Entstehung eines Polradwinkels im Modell der virtuellen Synchron maschine 8, da sich deren Drehzahl aufgrund der unendlich gro ßen virtuellen Masse J nicht verändern kann. Nach Ablauf jeder Messphase wird zunächst das Tor 1 0 gesperrt und das virtuelle Masseträgheitsmoment J auf den Nennwert J = J N zurückgesetzt. Aus den i m Messwertspeicher 1 2 aufgezeichneten diskre- ten Werten der virtuellen Wirkleistung Pv wird anhand einer statistischen Funktion in der Auswerteein heit 1 3 un mittelbar die Häufigkeitsverteilung aus den Stützwerten der virtuellen Wirkleistung Pv ermittelt. Besteht eine elektrische Verbindung mit dem Verbundnetz 1 , so entspricht der Verlauf der Häufigkeitsverteilung dem der Gau ßschen Häufigkeitsverteilung bzw. der Nor- malverteilung. Mit Hilfe einer Mustervergleichsfunktion 1 4 wird die Verlaufsform der ermittelten Häufigkeitsverteilung unter Berücksichtigung zulässiger Abweichungen und Bildung eines Schaltbefehls zur Betätigung der Trennvorrichtung 4 über einen Schaltverstärker 1 5 validiert, u m die Netztrennung der
Eigenerzeugungsanlage 5 vom Verbundnetz 1 für den Fall zu vollziehen, indem die Verlaufsform der ermittelten Häufigkeitsverteilung der diskreten Werte der virtuellen Wirkleistung Pv von der Verlaufsform einer typischen Gau ßschen Häufigkeitsverteilung bzw. einer Normalverteilung wesentlich abweicht. Nach der Ausführung des Vergleichs der Verlaufsform der Häufigkeitsverteilung der diskreten Werte der virtuellen Wirkleistung Pv mit der typischen (hinterlegten) Verlaufsform der Gau ßschen Häufigkeitsverteilung bzw. der Normalverteilung startet die Ablaufsteuerung 1 1 einen neuen Messzyklus. Für die fortlaufende Überwachung des Netzes hinsichtlich Insel- betrieb werden Messzyklen beliebiger Anzahl hintereinander ohne Pausen ausgeführt.