Vorrichtung und Verfahren zur optischen Überprüfung einer Probe
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur optischen Überprüfung einer Probe mittels spektraler Interferometrie , sowie eine Vorrichtung zur Durchführung eines solchen Verfahrens .
Spektrale Interferometrie ist eine für die Optik- und Lasertechnik sehr bedeutende Messmethode. Sie wird u.a. zur Bestimmung der Oberflächenqualität von Optiken, in der Spektroskopie, für Dispersionsmessungen (V. N. Kumar and D. N. Rao, "Using interference in the frequency domain for precise determination of thickness and refractive indices of normal dispersive materials," J . Opt. Soc. Am. B 12, 1559-1563 <1995>) , aber auch - im Zusammenhang mit einem nichtlinearen Effekt - zwecks Charakterisierung der Pulsdauer eingesetzt (C. laconis and I. A. almsley, "Spectral Phase Interfero- metry for Direct Electric- field Reconstruction of ültrashort Opti- cal Pulses," Optics Letters 23, 792-794 <1998>} .
Zwei zeitlich relativ zueinander verzögerte Lichtstrahlen werden räumlich überlagert, und die Intensität der überlagerten Strahlen wird spektral aufgelöst gemessen. Das gemessene Spektrum weist eine Modulation (spektrales Interferenzmuster) auf; aus diesem spektralen Interferenzmuster können die Verzögerung zwischen den zwei Lichtsignalen und die Differenz zwischen den spektralen Phasen der zwei Lichtsignalen ermittelt werden. Diese Informationen werden aus dem spektralen Interferogramm mittels einer an sich bekannten, auf der Fast Fourier Transform (FFT rasche Fouriertransformation) basierenden numerischen Methode ermittelt („Interferogram Analysis", D. W. Robinson and G. T. Reid, Eds., Institute of Physics Publishing, Bristol <1993>, Seiten 141-193) .
Für manche Anwendungen {z.B. Dispersionsmessungen) ist es jedoch notwendig, nicht nur die spektrale Phase, sondern auch die Gruppenverzögerungsdispersion (Group Delay Dispersion, GDD, die zweite Ableitung der Phase nach der Kreisfrequenz) zu bestimmen. Diese GDD kann offensichtlich mittels einer zweifachen numerischen Ableitung der gemessenen spektralen Phase bestimmt werden. Die numerische Ableitung ist jedoch bekanntlich ein instabiles numerisches Verfahren, und die Fehlerpropagationsanalyse zeigt, dass kleine Messfehler in der spektralen Phase zu unzulässig ho-
hen Fehlern in der GDD führen können (A. N. Tikhonov and V. Y.
Arsenin, „Solutions of Ill-Posed Problems", Wiley <1977>) .
Es wäre daher vorteilhaft, die GDD oder zumindest die GD (die einfache Ableitung der spektralen Phase nach der Kreisfrequenz) direkt aus der Messung zu ermitteln, und es ist Aufgabe der Er¬ findung, dies auf einfache Weise zu ermöglichen.
Zur Lösung dieser Aufgabe sieht die Erfindung ein Verfahren wie eingangs angegeben vor, das dadurch gekennzeichnet ist, dass ein von einer Strahlungsquelle abgegebener Strahl auf die Probe so¬ wie ein Referenzstrahl auf eine Referenzprobe gerichtet werden und die spektrale Interferenz der beiden Strahlen nach Reflexion an den Proben oder Passieren der Proben mittels eines Spektro- graphen aufgenommen wird, und dass das so erhaltene Interfero- gramm I (ω) numerisch nach der Kreisfrequenz ω abgeleitet wird, wonach für die so erhaltene Funktion I λ (ω) die Nullstellen ω± numerisch als Lösungen der Gleichung I λ (ω) = 0 berechnet werden und danach aus den Nullstellen ω± die frequenzabhängige Gruppen¬ verzögerung τ (ω) entsprechend der Gleichung τ (ωη) = π/ (ω±+ι -ω±) , mit i = 1,2... und ωη = (ωι+ι +ω±)/2, berechnet wird.
Dabei ist es weiter einfach möglich, wenn die frequenzabhängige Gruppenverzögerungsdispersion GDD durch numerische Ableitung der Gruppenverzögerung τ (ω) nach der Kreisfrequenz ω berechnet wird.
Auch ist es günstig, wenn durch numerische Integration der Grup¬ penverzögerung τ (ω) über die Kreisfrequenz die spektrale Phase ermittelt wird. Dabei ist es ferner vorteilhaft, wenn durch Fou¬ riertransformation eines vorgegebenen Spektrums unter Berücksichtigung der ermittelten spektralen Phase die zeitabhängige Phase ermittelt wird; oder wenn durch Fouriertransformation eines vorgegebenen Spektrums unter Berücksichtigung der ermittelten spektralen Phase die zeitabhängige Intensität eines Strahl- Impulses ermittelt wird.
Als Strahlungsquelle bzw. Lichtquelle wird beispielsweise eine Laser (puls ) quelle oder eine Glühbirne oder auch eine Leuchtdiode eingesetzt .
Eine vorteilhafte Anwendung der Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass als Probe eine Dünnschicht-Beschichtung auf einem Sub¬ strat untersucht wird, wobei die spektrale Interferenz eines von einer Dünnschicht auf einem Substrat reflektierten Strahls mit einem von einem Referenzreflektor reflektierten Strahl aufgenommen wird.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung zur Durchführung des vorliegenden Verfahrens ist in entsprechender Weise gekennzeichnet durch eine Interferometereinrichtung mit einer Strahlungsquelle, mit einer Einrichtung, z.B. einem Strahlungsteiler, zur Erzeugung eines Referenzstrahls und eines Messstrahls, und mit einem
Spektrographen, mit dem eine Recheneinheit verbunden ist, welche konfiguriert ist, um ein mit Hilfe des Spektrographen erhaltenes Interferogramm numerisch nach der Kreisfrequenz abzielten, wonach für die so erhaltene Funktion I λ (ω) die Nullstellen ω± nume¬ risch als Lösungen der Gleichung I λ (ω) = 0 berechnet werden und danach aus den Nullstellen ω± die frequenzabhängige Gruppenverzö¬ gerung τ (ω) entsprechend der Gleichung τ (ωη) = π/ (ω±+ι -ω±) , mit i = 1,2... und ωη = (ω±+ι +ω±) /2 (d.h. ωη ist der Mittelwert von ω±+ι und (Oi) berechnet wird.
Dabei ist es von Vorteil, wenn die Recheneinheit überdies einge¬ richtet ist, um die frequenzabhängige Gruppenverzögerungsdisper¬ sion GDD durch numerische Ableitung der Gruppenverzögerung τ (ω) nach der Kreisfrequenz ω zu berechnen.
Weiters ist es günstig, wenn die Recheneinheit eingerichtet ist, um durch numerische Integration der Gruppenverzögerung τ (ω) über die Kreisfrequenz die spektrale Phase zu ermitteln.
Auch ist es vorteilhaft, wenn die Recheneinheit ferner ein Fou¬ riertransformationsmodul aufweist, um durch Fouriertransformati¬ on eines vorgegebenen Spektrums unter Berücksichtigung der ermittelten spektralen Phase, die zeitabhängige Phase zu ermit¬ teln; auch kann die Recheneinheit ein Fouriertransformationsmo¬ dul aufweisen, um durch Fouriertransformation eines vorgegebenen Spektrums unter Brücksichtigung der ermittelten spektralen Phase, die zeitabhängige Intensität eines Strahl-Impulses zu ermit¬ teln .
Im Fall einer reflektiven Untersuchung einer Probe kann ein Referenzspiegel zur Reflexion des Referenzstrahls vorgesehen sein.
Die Erfindung basiert somit auf einer Technik einer direkten spektralen Auswertung (Direct Spectral Evaluation, DSE) , die gegenüber der herkömmlichen, auf der FFT basierenden Methode (s. o. „Interferogram Analysis", D. W. Robinson and G. T. Reid) auch folgende Vorteile hat:
(1) Die Verwendung der FFT ist nicht nötig und die Anzahl der mathematischen Operationen ist viel kleiner; somit ist die DSE- Methode viel schneller. Dadurch, dass die FFT nicht eingesetzt werden muss, ist es auch nicht notwendig, das gemessene Inter- ferogramm zu interpolieren und zu extrapolieren, um die für die FFT notwendigen Bedingungen zu erfüllen. Dadurch ist die Anzahl der Werte, die verarbeitet werden muss, um ungefähr einen Faktor 4 kleiner. Weiters wird die zweifache FFT durch eine numerische Ableitung und eine Interpolation ersetzt. Dadurch ist die DSE- Methode um mindestens einen Faktor 100 schneller als die herkömmliche Methode. Dank dieser Rechengeschwindigkeit kann die Methode in Quasi-Echtzeit zur Charakterisierung der Dispersion in dynamischen Prozessen eingesetzt werden, z.B. zwecks Überwachung des Wachstums der Schichtdicken von dispersiven Spiegeln während des Beschichtungsprozesses .
(2) Das vorgeschlagene Verfahren erlaubt die direkte Auswertung der Gruppenverzögerung (Group Delay, GD, die erste Ableitung der spektralen Phase nach der Kreisfrequenz); somit muss die numerische Ableitung nur ein Mal angewendet werden, um die GDD zu erhalten. Dadurch wird die ungünstige Propagation der Messfehler durch die numerische Ableitung der Phase deutlich verringert.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen und unter Bezugnahme auf die Zeichnung noch weiter erläutert. Es zeigen:
Fig.l ein Beispiel eines spektralen Interferogramms , nämlich der Intensität I (ω) , in beliebigen Einheiten, über der Wellenlänge λ ( in nm) ;
Fig. 2 die Ableitung I λ (ω) dieses Interfrerenzsignals I (ω) nach
der Kreisfrequenz, also I λ (ω) dl/dco , über der Kreisfrequenz ω ( in rad/ fs ) ;
Fig. 3 in einem Diagramm die aus dem Interfrenzsignal I (ω) von Fig. 1 berechnete Gruppenverzögerung τ(ίη fs) über der Kreisfrequenz ω;
Fig. 4 in einem Diagramm die aus dem Interferenzsignal I (ω) be¬ rechnete Gesamt- Gruppenverzögerungsdispersion GDDt(in fs2) über der Wellenlänge λ(ίη nm) ;
Fig. 5 in einem Diagramm die aus I (ω) berechnete Gruppenverzöge¬ rung GDDS, die von einem Musterspiegel pro Reflexion herbeige¬ führt wird; und
Fig. 6 schematisch eine Vorrichtung mit einem Interferometer .
Fig. 1 zeigt ein typisches spektrales Interferogramm, d.h. Interferenzsignal I (ω) , und zwar in beliebigen Einheiten („arb. u." - arbitrary units) . Dieses spektrale Interferenzsignal I (ω) wird nach der Kreisfrequenz ω abgeleitet. Die dadurch entstehende Funktion I' (ω) ist in Fig. 2 anhand des Beispielspektrums aus Fig. 1 dargestellt. Die Nulldurchgänge ω± der Funktion I' (ω) (d.h. G)i = alle Lösungen der Gleichung I' (ω)= 0 in dem für die Messung relevanten Frequenzbereich) werden mittels eines an sich bekannten numerischen Algorithmus (z.B. durch lineare oder nichtlineare Interpolation) ermittelt.
Aus den Kreisfrequenzwerten ω± wird die Gruppenverzögerung τ als Funktion der Kreisfrequenz ω wie folgt berechnet: τ(ωη)= π/ (ω±+ι- ω±) , mit ωη= (ωι+ι+ωι) /2.
Die auf diese Weise aus dem in Fig.l abgebildeten Interferogramm berechneten Gruppenverzögerungswerte τ sind in Fig. 3 darge¬ stellt.
Falls für die Anwendung nötig, kann aus der Gruppenverzögerung τ mittels numerischer Ableitung die Gruppenverzögerungsdispersion GDD berechnet werden. Diese GDD ist für das in Fig. 1 abgebilde¬ te Interferogramm in Fig. 4 dargestellt.
Aufgrund des Aufbaus des Weisslichtinterferometers , das für die hier gezeigte Messung eingesetzt wurde, setzt sich die Gesamt- dispersion GDDt wie folgt zusammen: GDDt=l 6*GDDS+2*GDDFS, wobei GDDS die Dispersion ist, die bei der Reflexion auf einem Muster¬ spiegel herbeigeführt wird, ist und GDDFS die Dispersion einer Glasplatte aus Quarzglas (Fused Silica) mit einer Dicke von 6,35 mm ist. Somit kann die Dispersion des Musterspiegels GDDS (die für eine Reflexion herbeigeführt wird) wie folgt berechnet wer¬ den: GDDS= (GDDt-2*GDDFS) / l 6. Die dadurch erhaltene Dispersion GDDS des zu charakterisierenden Musterspiegels ist in Fig. 5 darge¬ stellt.
Fig.6 zeigt eine mögliche Ausführung eines Michelson- Interferometers zur Erzeugung des Interferogramms I (ω) . Sowohl diese Ausbildung als auch andere Ausführungen eines Michelson- Interferometers (z.B. mit mehrfachen Reflexionen auf dem Musterspiegel) als auch andere, an sich bekannte Arten von Interfero- metern (wie z.B. Mach-Zender-Interferometer ) können eingesetzt werden, beispielsweise um - gemäß Fig. 6 - einen Spiegel 5 zu messen .
Im einzelnen zeigt Fig. 6 beispielhaft eine schematische Dar¬ stellung eines Michelson-Interferometers für spektrale Interfe- rometrie, wobei ein mit einer Lichtquelle 1 erzeugter Strahl 2 mittels eines Strahlteilers 3 geteilt wird. Ein Referenzstrahl 2' wird mittels eines als Rückreflektor eingesetzten Referenzspiegels 4 (dessen Dispersionseigenschaften gut bekannt sind) reflektiert. Ein Messstrahl 2'' wird von dem zu messenden Spiegel 5 reflektiert. Der Spiegel 5 kann auch als mehrfacher Falt¬ spiegel eingebaut werden, um die dadurch herbeigeführte GDD und somit die Messgenauigkeit zu erhöhen. Der Referenzstrahl 2' und der Messstrahl 2'' werden mittels des Strahlteilers 3
wieder in räumliche Überlagerung gebracht, s. Strahl 22. Von diesem Strahl 22 wird das spektrale Interferogramm mittels eines Spektrographen 6 aufgenommen.
Aus dem so erhaltenen Interferenzsignal I (ω) kann die Differenz zwischen der Gruppenverzögerung des Referenzstrahles 2' und der
Gruppenverzögerung des Messstrahles 2'' wie oben erläutert be¬ rechnet werden. Hierzu ist eine entsprechend konfigurierte Re¬ cheneinheit 7 an den Spektrographen 6 angeschlossen; die Ergebnisse, z. B. GD, GDD usw., werden mittels einer Ausgabeeinheit ausgegeben, z.B. angezeigt und/oder ausgedruckt.
Dank der hohen Mess- und Auswertungsgeschwindigkeit kann die be schriebene Technik z.B. zur Überprüfung eines Beschichtungsvorgangs bei einer Dünnschichtbeschichtung eines Substrats, etwa bei der Herstellung eines dispersiven Spiegels, in Echtzeit wäh ren des Beschichtungsvorgangs verwendet werden.