Simulationsverfahren zur Entwicklung eines Herstellungsverfahrens
Beschreibung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Entwicklung eines Herstellungsverfahrens, bei dem ein Bauteil schichtweise durch Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle und anschließendem Erstarren des aufgeschmolzenen Pulvermaterials aufgebaut wird. Die Erfindung betrifft ferner eine Anlage zur generativen Fertigung von Bauteilen. Durch generative Fertigungsverfahren, auch bekannt als„Rapid Prototyping" oder„Additive Fertigung", lassen sich komplexe Bauteile direkt aus einem Computermodell erstellen. Ein weit verbreitetes generatives Fertigungsverfahren ist das Strahlschmelzen. Beim Strahlschmelzen wird das Bauteil schichtweise durch Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle und anschließendem Erstarren des aufgeschmolzenen Pulvermaterials aufgebaut. Gewöhnlich ist das Pulvermaterial metallbasiert und als Strahlquelle wird ein Laser bzw. ein Elektronenstrahl verwendet.
Wechselwirkungen zwischen chemischen Zusammensetzungen des Pulvermaterials,
Fertigungsparametern und finalen Eigenschaften des jeweiligen Bauteils werden empirisch ermittelt. Die empirische Ermittlung ist jedoch zeit- und kostenaufwendig. Auswirkungen von Abweichungen einzelner Parameter in einem Schritt der Fertigungskette auf Folgeschritte sind nicht quantifizierbar. Dies erschwert Abweichungsbewertungen und schränkt
Weiterentwicklungen wie zum Beispiel die Verwendung von alternativen Werkstoffen und andere Prozessparameter ein.
In der US 20100174392 AI ist ein Verfahren zum Verbessern von Fertigungsteilen gezeigt, die mittels Rapid-Prototyping hergestellt werden. Hierzu wird entsprechendes Material verwendet und es wird auf einen Satz Eingabedaten und einen Informationssatz zugegriffen, der
Informationen zu Herstellfaktoren enthält, die in einen vorangegangenen Produktionslauf eines Fertigungsteils enthalten sind. Das Verfahren beinhaltet ein Durchführen eines Produktionslaufs, der Ausgabekomponenten erzeugt, ein Vergleichen der Ausgabekomponenten mit dem Satz Eingabedaten zum Erzeugen eines resultierenden Datensatzes, wobei der resultierende Datensatz Abweichungen zwischen dem Satz Eingabedaten und den Ausgabekomponenten enthält,
Integrieren des resultierenden Datensatzes in den Informationssatz und Anpassen des
Informationssatzes zum Verringern der Abweichungen zwischen dem Satz Eingabedaten und den Ausgabekomponenten im Vergleich zu mindestens einem vorangegangenen Produktionslauf. Die Ausgangskomponenten umfassen eine Kombination mindestens eines Fertigungsteils mit mindestens einem iterativen Verbesserungsprüfkörper, wobei die iterativen
Verbesserungsprüfkörper Z-Dehnungsanordnungen, Dichtewürfel, Dimensionspyramiden, Biegeproben oder Kombinationen beinhalten.
Aufgabe der Erfindung ist es, eine Technik/Methoden zu schaffen, mittels der sich eine generative Herstellung eines Bauteils schnell und zuverlässig entwickeln lässt.
Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 , ein oder mehrere Speichermedien gemäß Patentanspruch 10 und eine Anlage mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 1 . Vorteilhafte Ausführungsformen sind in den Unteransprüchen und der Beschreibung offenbart.
Bei einem erfindungsgemäßen Verfahren zur Entwicklung eines Herstellungsverfahren, bei dem ein Bauteil schichtweise durch Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle und anschließendem Erstarren des aufgeschmolzenen Pulvermaterials aufgebaut wird, werden in einem ersten Verfahrensabschnitt in Abhängigkeit von Prozessparametern werkstoffspezifische Eigenschaften eines Werkstoffs losgelöst von einer Bauteilgeometrie in einer multiskaligen Simulationskette ermittelt. In einem zweiten Verfahrensabschnitt wird unter Berücksichtigung der Prozessparameter und der werkstoffspezifischen Eigenschaften ein additiver Aufbau des Bauteils mit diesem Werkstoff simuliert.
Ein erfindungsgemäßes Speichermedium bzw. mehrere erfindungsgemäße Speichermedien enthält/ enthalten computerlesbare Instruktionen, die, wenn sie von einem Computer ausgeführt werden, ein erfindungsgemäßes Verfahren gemäß einer der in dieser Schrift offenbarten
Ausführungsformen durchführen.
Eine erfindungsgemäße Anlage zur generativen Fertigung von Bauteilen umfasst eine
Vorrichtung zum schichtweisen Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle sowie eine Rechnereinheit (bzw. einen Computer), die dazu eingerichtet ist, ein
erfindungsgemäßes Verfahren gemäß einer der in dieser Schrift offenbarten Ausführungsformen durchzuführen, dabei im zweiten Verfahrensabschnitt ein Computermodell für ein jeweils zu fertigendes Bauteil zu generieren und die Vorrichtung zum schichtweisen Aufschmelzen von Pulvermaterial auf Grundlage des generierten Computermodells zu steuern.
Durch das erfindungsgemäße Simulationsverfahren erfolgt eine ganzheitliche Betrachtung der Fertigungskette und insbesondere eine multiskalige interdisziplinäre physikalische
Betrachtungsweise. Hierdurch kann ein Herstellungsprozess bzw. eine Prozesskette zuverlässig entwickelt werden. Dabei findet im ersten Verfahrensabschnitt eine physikalisch basierte Modellierung und im zweiten Verfahrensabschnitt eine phänomenologische Modellierung statt. Es kann vor der eigentlichen generativen Herstellung des Bauteils festgestellt werden, ob die Bauteile ihre im Computermodell definierten belastungsorientierten Soll-Anforderungen aufweisen oder ob es Abweichungen zu den Soll-Anforderungen gibt. Umfange für zeit- und kostenintensive Versuche und Erprobungen des gefertigten Bauteils können deutlich reduziert werden. Mit anderen Worten, durch das erfindungsgemäße Simulationsverfahren erfolgt eine Prozessentwicklung durch ein Abstecken von möglichen sinnvollen
Parametern/Parameterfenstern für neue Anlagengenerationen, Anlagenparameter, Materialien, und dergleichen. Es wird eine spezifische Bauteilgeometrie und Scanstrategie für additiv gefertigte Bauteile für eine endkonturnahe Fertigung definiert und optimiert. Im Rahmen einer Sensitivitäts- und Abweichungsbewertung erfolgt eine Analyse und Bewertung von
Abweichungen vom definierten Herstellungsprozess; derartige Abweichungen werden vorzugsweise mindestens teilweise automatisch von einem/dem Computer erkannt.
Konsequenzen auf die Bauteileigenschaften und Bauteilqualität aufgrund der Abweichungen können aufgezeigt werden, beispielsweise an einem Anzeigegerät wie insbesondere einem Bildschirm. Durch zielgerichtete Experimente, welche durch umfangreiche
Simulationsergebnisse ermöglicht werden, wird der Aufwand für die Prozessentwicklung und Sensitivitätsstudien sowie für Abweichungsbewertungen reduziert. Weiterhin werden schwer aufschlüsselbare Größen und Effekte bewertbar bzw. zugänglich gemacht. Das Simulieren des additiven Aufbaus im zweiten Verfahrensabschritt umfasst vorzugsweise ein Generieren eines Computermodells des additiven Aufbaus des Bauteils mit mindestens einem Computer.
Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung eines Bauteils umfasst ein Durchfuhrens eines Verfahrens zur Entwicklung eines Herstellungsverfahrens gemäß einer der in dieser Schrift offenbarten Ausführungsformen, wobei das Simulieren ein Generieren des additiven Aufbaus des Bauteils in einem Computer umfasst. Ein derartiges Verfahren umfasst weiterhin einen dritten Verfahrensabschnitt, in dem ein schichtweises Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle und anschließendem Erstarren des aufgeschmolzenen Pulvermaterials gemäß dem generierten Computermodell erfolgt.
Um die oben beschriebene Prozessentwicklung sowie Sensitivitäts- und Abweichungsbewertung korrekt und fundiert durchführen zu können, ist eine multiskalige physikalisch basierte
Simulationskette zwingend erforderlich.
Simulationskette bedeutet an dieser Stelle die Kopplung sich bedingender bzw. aufeinander aufbauender Simulationsmethoden.
Physikalisch basiert bedeutet an dieser Stelle, dass die einzelnen Modelle bzw. Methoden oder die Kopplung dieser Modelle bzw. Methoden die dominierenden prozessrelevanten
physikalischen Effekte mittels passenden Ansätzen, basierend auf werkstoff-physikalischen Eingangsdaten, korrekt beschreiben.
Multiskalig bedeutet an dieser Stelle, dass, resultierend aus den physikalischen Ansatz heraus, die Modelle bzw. Methoden einzelne Effekte auf entsprechenden und unterschiedlichen Größen- und Zeitskalen beschreiben müssen. Erst durch die Kopplung der einzelnen Methoden können die prozessrelevanten Effekte ganzheitlich für das generative Verfahren beschrieben und der Einfluss von Prozess und Prozessparametern auf die Werkstoffeigenschaften und die resultierende lokale
Materialfestigkeit dargestellt werden. Der erste Verfahrensschritt beinhaltet diese multiskalige, physikalisch basierte Simulationskette bestehend aus folgenden 5 Schritten zur Verknüpfung von Fertigungsprozess mit Mikrostruktur und lokaler Materialfestigkeit.
Der erste Verfahrensabschnitt umfasst die Verknüpfung der folgenden fünf Schritte zu einer Simulationskette:
a) - Ermitteln eines Temperaturfeldes auf Basis einer Schmelzbadbewegung und eines
Schmelzbaderstarrungsverlaufs,
b) - Ermitteln einer lokalen Erstarrungsgeschwindigkeit auf Basis des Temperaturfeldes und resultierenden Seigerungen,
c) - Ermitteln einer werkstofflichen Kornstruktur auf Basis des Temperaturfeldes und der Erstarrungsgeschwindigkeit,
d) - Ermitteln einer werkstofflichen Ausscheidungsstruktur auf Basis des Temperaturfeldes, der Kornstruktur und einer Wärmebehandlung, und
e) - Ermitteln lokaler, mechanischer Eigenschaften auf Basis des Temperaturfeldes, der
Kornstruktur und der Ausscheidungsstruktur.
Im ersten Schritt a) werden beispielsweise eine Energieeinkopplung und das jeweilige Material vorgegeben und dann unter Berücksichtigung der Energieeinkopplung und des gewählten
Materials ein Schmelzbaddynamik und Schmelzbaderstarrung berechnet. Vorzugsweise wird das Temperaturfeld auf Grundlage derart vorgegebener und/oder berechneter Daten (für die
Energieeinkopplung und das jeweilige Material) numerisch von einem Computer berechnet. Bevorzugterweise wird eine Lattice Boltzmann Methode angewendet; damit sind unter anderem Betrachtungsebenen von ca. 1 mm2 möglich.
Im zweiten Schritt b) wird eine lokale dendritische Rascherstarrung auf Basis des
Temperaturfeldes/Temperaturgradienten aus dem ersten Schritt a) ermittelt. Zudem wird eine Seigerung bzw. chemische Inhomogentität auf Basis des
Temperaturfeldes/Temperaturgradienten ermittelt. Bevorzugterweise erfolgt die jeweilige Berechnung nur für unterschiedliche kleine Ausschnitte aus dem ersten Schritt a) mit der Phasenfeld-Methode.
Im dritten Schritt c) wird eine Kornstruktur (Morphologie wie Korngröße und
Streckungsverhältnis, sowie Textur) resultierend aus den im ersten Schritt a) als sinnvoll identifizierten Parametern und Temperaturfeldern, sowie aus den Erstarrungsgeschwindigkeiten aus dem Schritt b) mit einem zellulären Automaten (CA) berechnet.
Im vierten Schritt d) wird eine Ausscheidungskinetik unter dem Einfluss des Parameterfensters und Temperaturfelds aus dem ersten Schritt a), der Kornstruktur aus dem dritten Schritt c) und der einem Herstellungsprozess nachgeschalteten Wärmebehandlung berechnet. Eine geeignete Methode ist hier ein CALPHAD basierter Ansatz, beispielsweise umgesetzt durch einen
Kampmann-Wagner-Algorithmus.
Im fünften Schritt e) erfolgt eine kristallphysikalische Berechnung der lokalen Festigkeit für sinnvoll identifizierte Parameter aus den Schritten a) bis d). Der zweite Verfahrensabschnitt umfasst bevorzugterweise einen sechsten Schritt f), mit dem eine Eigenspannungs- und/oder Verformungssimulation im zu fertigenden Bauteil durchgeführt wird. Es erfolgt eine abstrahierte Berechnung des additiven Herstellungsprozesses mit abstrahierter schichtweiser Wärmeeinkopplung und vereinfachten Werkstoffgesetzten zur Beschreibung von Festigkeit und Verformung des zu fertigenden Bauteils.
Es erfolgt vorzugsweise eine Rückführung der im sechsten Schritt f) optimierten
Prozessparameter an den ersten Verfahrensabschnitt und somit an den Anwender der jeweiligen Anlage bzw. an eine Konstruktionsabteilung. Durch die Rückführung bzw. Rückkopplung kann die Prozessentwicklung bzw. Bauteilfertigung im Sinne veränderter Scanparameter und/oder Scanstrategie zur Erzielung minimaler Eigenspannungen und Verzüge optimiert werden.
Eine Betrachtungsebene kann bei dem zweiten Schritt b) kleiner als eine jeweilige
Betrachtungsebene beiden Schritten a) und c) sein. Hierdurch wird bei einem vertretbaren Rechneraufwand ein gutes Ergebnis erzielt. Grundsätzlich ist beim zweiten Schritt b) auch eine größere Betrachtungsebene vorstellbar, beispielsweise im mm2 bzw. mm3-Bereich, allerdings sind hierfür entsprechend leistungsstarke Rechnersysteme notwendig. Bevorzugterweise sind die Betrachtungsebenen im ersten und dritten Schritt a), c) gleich groß.
Eine Betrachtungsebene beim sechsten Schritt f) kann größer als bei den vorhergehenden Schritten a) bis e) sein. Durch die größere Betrachtungsebene, beispielsweise im cm3 Bereich, und die verwendeten Modelle kann die Größe des Bauteils berücksichtigt werden, so dass die Simulation deutlich schneller durchlaufen werden kann.
Ein erfindungsgemäßes Verfahren wird vorzugsweise mindestens teilweise von einem Computer durchgeführt. Insbesondere erfolgen einige oder alle Berechnungen in den Schritten a) - f) vorzugsweise durch einen Computer. Sonstige vorteilhafte Ausführungsbeispiele der Erfindung sind Gegenstand weiterer
Unteransprüche.
Im Folgenden werden bevorzugte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung anhand von Zeichnungen näher erläutert. Es versteht sich, dass die schematisch dargestellten einzelnen Elemente und Komponenten auch anders kombiniert und/oder ausgebildet sein können als gezeigt und dass die Erfindung nicht auf die gezeigten Ausführungsvarianten beschränkt ist.
Es zeigen schematisch: Figur 1 : ein stark vereinfachtes Ablaufdiagramm eines exemplarischen erfindungsgemäßen
Verfahrens; und
Figur 2: eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Anlage.
Figur 1 zeigt das erfindungsgemäße Verfahren 1 anhand eines stark vereinfachten
Ablaufdiagramms. Ein Bauteil soll schichtweise durch Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle und anschließendem Erstarren des aufgeschmolzenen Pulvermaterials generativ hergestellt werden. Das Pulvermaterial ist beispielsweise metallbasiert und als Strahlquelle wird ein Laser verwendet. Vor der physischen Herstellung des Bauteils soll ein Herstellungsprozess zur generativen Herstellung des Bauteils mit optimalen
Festigkeitseigenschaften entwickelt werden. Hierzu werden in einem ersten Verfahrensabschnitt 2 in Abhängigkeit von Prozessparametern spezifische Eigenschaften eines Werkstoffs losgelöst von einer Bauteilgeometrie ermittelt. Dann wird in einem zweiten Verfahrensabschnitt 4 unter Berücksichtigung der Prozessparameter und der spezifischen Eigenschaften ein Bauteil mit diesem Werkstoff aufgebaut.
Der erste Verfahrensabschnitt umfasst eine multiskalige physikalisch basierte Modellierung. Er umfasst in dem hier gezeigten Ausführungsbeispiel die folgenden fünf Schritte:
a) - Ermitteln eines Temperaturfeldes auf Basis einer Schmelzbadbewegung und eines
Schmelzbaderstarrungsverlaufs,
b) - Ermitteln einer lokalen dendritischen Erstarrungsgeschwindigkeit auf Basis des
Temperaturfe 1 des,
c) - Ermitteln einer werkstofflichen Kornstruktur auf Basis des Temperaturfeldes und der Erstarrungsgeschwindigkeit,
d) - Ermitteln einer werkstofflichen Ausscheidungsstruktur auf Basis des Temperaturfeldes, der Kornstruktur und einer Wärmebehandlung, und
e) - Ermitteln lokaler, mechanischer Eigenschaften auf Basis des Temperaturfeldes, der Kornstruktur und der Ausscheidungsstruktur.
Mittels der fünf Schritte a) bis e) werden Prozessparameter- und Werkstoffoptimierung für bedarfsgerechte optimale Festigkeiten des Grundwerkstoffes aus den Anforderungen an das makroskopische Bauteil bzw. an einzelne Bauteilzonen abgeleitet. Eine Bauteilgeometrie und Scan- / Herstellstrategie der additiven Fertigung werden optimiert, um Eigenspannungen und Verzüge zu minimieren, um endkonturnah fertigen zu können.
Im ersten Schritt a) werden Parameter wie Energie, Scangeschwindigkeit, Schichtstärke hergeleitet und identifiziert, mittels welchen eine hohe Bauteildichte im Volumen und in der Randkontur eine geringe Rauheit erreicht bzw. gewährleistet werden kann. Eine
Betrachtungsebene beläuft sich bevorzugterweise auf ca. 1 mm2.
Im zweiten Schritt b) werden werkstoffspezifische dendritische Erstarrungsgeschwindigkeiten als Funktion der thermischen Bedingungen wie Temperatur- und Temperaturgradientenfeld aus dem ersten Schritt a), Seigerungskoeffizienten und dergleichen für die einzelnen Elemente auf Grundlage von den im vorergehenden Abschnitt genannten Berechnungsergebnissen aus Schritt a) ermittelt. Hier kann beispielsweise die Phasenfeld Methode Anwendung finden. Eine Betrachtungsebene bewegt sich hier bevorzugterweise im nm2 bis μιη2 bzw. nm3 bis μπι3 Bereich.
Es wird eine lokale Rascherstarrung auf Basis des Temperaturfeldes/Temperaturgradienten aus dem ersten Schritt a) ermittelt. Zudem wird eine Seigerung bzw. chemische Inhomogentität auf
Basis des Temperaturfeldes/Temperaturgradienten ermittelt. Bevorzugterweise erfolgt die jeweilige Berechnung nur für unterschiedliche kleine Ausschnitte aus dem ersten Schritt a).
Im dritten Schritt c) wird ermittelt, welche Kornstruktur (Morphologie wie Korngröße und Streckungsverhältnis, sowie Textur) mit der jeweils spezifischen Energiequelle und den gewählten/ möglichen Parametern erreicht werden kann bzw. in dem möglichen
Parameterfenster erzielt werden kann. Beispiele sind eine kollumnare bzw. stangenartige Kornstruktur oder eine globulitische bzw. eine in alle Richtungen gleich gerichtete Kornstruktur. Weitere Beispiele sind gradierte Übergänge zwischen beiden Kornstrukturen, welche gezielt in unterschiedlichen Zonen des Bauteils eingestellt werden können, um die jeweiligen
Festigkeitsanforderungen zu erfüllen. Der dritte Schritt c) wird bevorzugterweise unter
Verwendung der Methode Zellulärer Automat erreicht. Eine Betrachtungsebene liegt bevorzugterweise bei ca. 1 mm2 und somit im Bereich der bevorzugten Betrachtungsebene des ersten Schritts a). Grundlage bilden die im vorhergehenden Abschnitt genannten
Berechnungsergebnissen aus dem ersten Schritt a) und dem zweiten Schritt b).
Im vierten Schritt d) wird ermittelt, welche Teilchengrößen und Volumenanteil und welche Phasen überhaupt nach dem Prozess vorliegen und welchen Einfluss die Wärmebehandlung auf deren Entwicklung hat. Eine geeignete Methode ist hier eine CALPHAD basierte Methode zur Beschreibung von thermokinetischen Ausscheidungsreaktionen. Diese Methode erlaubt eine Betrachtungsebenen im bevorzugten Bereich von nm3 bis 1 mm2. Jedoch ist auch eine
Betrachtungsebene größer als 1 mm2 vorstellbar. Es wird eine Ausscheidungskinetik unter dem Einfluss des Parameterfensters und Temperaturfelds aus dem Schritt a), der Kornstruktur aus dem Schritt c) und der einem Herstellungsprozess nachgeschalteten Wärmebehandlung berechnet.
Im fünften Schritt e) werden lokale Festigkeiten aus der Kornstruktur (Morphologie und Textur) und Ausscheidungszustand (Teilchengröße, Phasenvolumenanteil und dergleichen) für unterschiedliche Bauteilbereiche abgeleitet. Der fünfte Schritt e) lässt sich durch eine
Kristallplastizitätsmethode modellieren. Eine Betrachtungsebene liegt bevorzugterweise im mm3-Bereich. Es erfolgt eine kristallphysikalische Berechnung der lokalen Festigkeit für alle möglichen und sinnvollen Kombinationen aus den vorhergehenden vier Schritten a) bis d).
Der zweite Verfahrensabschnitt 4 betrifft die Modellierung der Bauteilebene. Er umfasst einen sechsten Schritt f), mit dem auf Basis von Werkstoffmodellen eine Eigenspannungssimulation und Verformung im zu fertigenden Bauteil durchgeführt wird. Mittels des sechsten Schritts f) werden mit dem Input aus der im Bauauftrag hinterlegten Scanstrategie Eigenspannungen und Verzüge aus dem Prozess resultierend errechnet. Es werden Optimierungsmaßnahmen für die Bauteilgeometrie, Scanstrategie, und dergleichen abgeleitet, um Eigenspannungen und Verzüge zu reduzieren und um eine endkonturnahe Fertigung zu ermöglichen. Bevorzugterweise befindet sich eine Betrachtungsebene beim sechsten Schritt f) im cm3 Bereich und ist somit größer als bei den vorhergehenden Schritten a) bis e).
Der zweite Verfahrensabschnitt 4 hat hier eine Schnittstelle zum ersten Schritt a); und zwar kann die abstrahierte Wärmekopplung bzw. verwendete Ersatzwärmequelle aus Verfahrensschritt 4 mit den Daten aus der hochaufgelösten physikalisch basierten Schmelzpoolsimulation aus Schritt a) kalibriert und optimiert werden, ohne weiteren experimentellen Aufwand. Zudem hat der zweite Verfahrensabschnitt eine Schnittstelle zum fünften Schritt e); und zwar die Kalibrierung der im Verfahrensabschnitt 4 hinterlegten bzw. verwendeten vereinfachten Werkstoffgesetze anhand der hochaufgelösten physikalisch basierten lokalen Festigkeitsberechnung aus Schritt e). Mit anderen Worten, Ziel der Schnittstelle ist die Verbesserung der abstrahierten, vereinfachten Modelle durch die Schritte a) und e).
Über eine Sensitivitätsenscheidung bzw. eine Abweichungsbewertung 6 kann eine Rückführung 8 von Parametern von dem zweiten Verfahrensabschnitt 4 an den ersten Verfahrensabschnitt 1 und somit an den Anwender der jeweiligen Anlage bzw. an eine Konstruktionsabteilung erfolgen. Hierdurch kann die Prozessentwicklung ständig optimiert werden.
In Figur 2 ist eine exemplarische Ausführungsform einer erfindungsgemäße Anlage 100 zur generativen Fertigung von Bauteilen dargestellt. Die gezeigte Anlage umfasst eine Vorrichtung 10 zum schichtweisen Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle 1 1 , um so ein Bauteil 20 herzustellen. Die Anlage 100 umfasst weiterhin eine Rechnereinheit (bzw. einen Computer) 30, die dazu eingerichtet ist, ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Entwicklung eines Herstellungsverfahrens gemäß einer der in dieser Schrift offenbarten Ausführungsformen durchzuführen und dabei insbesondere einen additiven Aufbau des Bauteils zu simulieren. Die dargestellte Rechnereinheit 30 umfasst einen Bildschirm 31 , auf dem ein im Rahmen der
Simulation generiertes Computermodell 21 des Bauteils 20 angezeigt wird. Über Eingabemittel 32 können dabei Parameter wie beispielsweise das jeweilige Material und/oder eine
Energieeinkopplung vorgegeben werden. Vorzugsweise ist die Rechnereinheit 30 dazu eingerichtet, vor der Herstellung des Bauteils 20 festzustellen, ob das Computermodell 21 definierten belastungsorientierten Soll-Anforderungen genügt oder ob es Abweichungen zu derartigen Soll-Anforderungen gibt, sowie ggf. daraus resultierende Konsequenzen auf die Bauteileigenschaften und Bauteilqualität aufgrund der Abweichungen aufzuzeigen, beispielsweise am Bildschirm 31.
Das generierte Computermodell determinierende Daten werden im dargestellten Beispiel auf einem mobilen Datenträger 50 gespeichert und damit auf eine zur Vorrichtung 10 gehörige Rechnereinheit 40 übertragen. Alternativ könnten die Daten über eine kabellose
Kommunikationsverbindung oder mittels eines Datenübertragungskabels von der Rechnereinheit 30 auf die Rechnereinheit 40 übermittelt werden. Die Rechnereinheit 40 ist dazu eingerichtet, die Vorrichtung 10 zum schichtweisen Aufschmelzen von Pulvermaterial auf Grundlage des generierten Computermodells 21 zu steuern.
Gemäß einer alternativen Ausführungsform ist die ein erfindungsgemäßes Verfahren
durchführende (insbesondere den additiven Aufbau des Bauteils zu simulierende) Rechnereinheit 30 an die Vorrichtung 10 zum schichtweisen Aufschmelzen von Pulvermaterial (kabellos oder mittels eines Datenübertragungskabels) angeschlossen und dazu eingerichtet, das Aufschmelzen des Pulvermaterials auf Grundlage des generierten Computermodells 21 zu steuern. Gemäß dieser Ausführungsform kann somit auf eine zweite, externe Rechnereinheit verzichtet werden.
Instruktionen zum Durchführen des erfindungsgemäßen Verfahrens können beispielsweise auf einem computerlesbaren Medium gespeichert sein und einer derartigen, an die Vorrichtung 10 angeschlossenen Rechnereinheit zur Verfügung gestellt werden. Offenbart ist ein Verfahren zur Entwicklung eines Herstellungsverfahren, bei dem ein Bauteil schichtweise durch Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle und
anschließendem Erstarren des aufgeschmolzenen Pulvermaterials aufgebaut wird, wobei in einem ersten Verfahrensabschnitt in Abhängigkeit von Prozessparametern werkstoffspezifische
Eigenschaften eines Werkstoffs losgelöst von einer Bauteilgeometrie in einer multiskaligen, physikalisch basierten Simulationskette ermittelt werden und in einem zweiten
Verfahrensabschnitt unter Berücksichtigung der Prozessparameter und der werkstoffspezifischen Eigenschaften ein additiver Aufbau des Bauteils mit diesem Werkstoff simuliert wird, welcher minimale Verzüge und Einspannungen sicher stellt. Offenbart ist ferner eine Anlage zur Herstellung eines Bauteils, die eine Rechnereinheit umfasst, die dazu eingerichtet ist, ein Verfahren zur Entwicklung eines Herstellungsverfahren durchzuführen und eine Vorrichtung zum schichtweisen Aufschmelzen von Pulvermaterial mittels einer Strahlquelle auf Grundlage eines im Rahmen des Verfahrens generierten Computermodells zu steuern.
Bezugszeichenliste
Verfahren
2 erster Verfahrensabschnitt
4 zweiter Verfahrensabschnitt
6 Sensitivitätsenscheidung bzw. Abweichungsbewertung
8 Rückführung
a) Schritt
b) Schritt
c) Schritt
d) Schritt
e) Schritt
f) Schritt
10 Vorrichtung zum schichtweisen Aufschmelzen von Pulvermaterial
1 1 Strahlquelle
20 Bauteil
21 Computermodell
30 Rechnereinheit
31 Bildschirm
32 Eingabemittel
40 Rechnereinheit
50 Datenträger
100 Anlage zur generativen Fertigung von Bauteilen