Verfahren zur Einrichtung einer Apparatur für biologische Prozesse und Apparatur für biologische Prozesse
Die Erfindung betrifft eine Apparatur für biologische Prozesse sowie ein Verfahren zur Einrichtung einer solchen Apparatur. Derartige Verfahren und Apparate sind aus der Praxis bekannt.
Beispielsweise ist es bekannt, in einer Petrischale eine Zellkultur zum Wachsen zu bringen. Hierzu kann der Zellkultur eine Nährlösung hinzugegeben werden und ein oder mehrere Wachstumsfaktoren. Es kann schwierig sein, eine optimale Do sierung des Wachstumsfaktors zu finden oder die Zellen über haupt zum Wachsen zu bringen. Wird nämlich beispielsweise der Wachstumsfaktor zu niedrig dosiert, so kann es nicht zu einem schnellen Wachstum kommen. Doch auch dann, wenn der Wachstumsfaktor zu hoch dosiert ist, kann sich das Wachstum der Zellen verlangsamen oder sogar zum Stillstand kommen.
In der Praxis werden daher in wiederholter Abfolge Experimente durchgeführt, um eine optimale Dosierung zu erhalten. Diese Experimente sind sehr aufwendig. Zellkulturen werden von einer Person wiederholt neu aufsetzt, beobachtet und ausgewertet, bis ein gewünschtes Ergebnis erzielt ist. Die konkrete experimentelle Herangehensweise obliegt hierbei der Geschicklichkeit und der Strategie der jeweils das Experiment durchführenden Person. Dies ist problematisch, da diese Herangehensweise wenig effizient ist.
Vor diesem Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Einrichtung einer Apparatur für biologische Prozesse zu schaffen, welche ein effizientes Einrichten einer solchen Apparatur ermöglicht. Außerdem soll eine Apparatur für biologische Prozesse geschaffen werden, mit der Untersuchungen von biologischen Prozessen vereinfacht werden .
Soweit im Folgenden Varianten der Erfindung beschrieben werden, können diese beliebig miteinander kombiniert werden, sofern eine Kombination aus technischen Gründen nicht ausgeschlossen ist.
Zur Lösung der zuvor genannten Aufgabe schlägt die Erfindung die Merkmale von Anspruch 1 vor. Insbesondere wird somit erfindungsgemäß bei einem Verfahren der eingangs beschriebenen Art zur Lösung der genannten Aufgabe vorgeschlagen, dass für eine Mehrzahl von biologischen Prozessen jeweils computergestützt Prozessparameter vorgegeben werden, dass für jeden biologischen Prozess ein Prozesszustand automatisch erfasst wird, dass der jeweilige Prozesszustand anhand einer vorgegebenen Zielvorgabe computergestützt bewertet wird und dass aus den Bewertungen computergestützt die Apparatur durch Vorgabe von erlernten Einrichtungsparametern eingerichtet wird .
Ist die Apparatur eingerichtet, so ist die Apparatur dazu in der Lage, einen biologischen Prozess anhand der erlernten Einrichtungsparameter zu steuern. Die erlangten Einrichtungs parameter können beispielsweise erlernte Prozessparameter sein oder Zuordnungen von Prozesszuständen und erlernten Pro zessparametern .
Eine Anwendung der Erfindung kann beispielsweise im Bereich der Krebstherapie liegen. So kann beispielsweise vorgesehen sein, dass einem Patienten T-Zellen entnommen werden, in die ein neues Gen eingefügt wird (CAR-T-Zellen) . Die so modifizierten Zellen können sodann als Zellkultur dienen und in ein Gefäß der Apparatur eingebracht werden, um sie dort zum Wachstum zu bringen. Die proliferierten Zellen können sodann dem Patienten zurückgegeben werden, um die Krebserkrankung, an der der Patient leidet, zu bekämpfen. Mit dem
erfindungsgemäßen Verfahren wird ermöglicht, Einrichtungsparameter der Apparatur zu erlernen, welche zu einem optimalen Zellwachstum der modifizierten CAR-T-Zellen führen. Es wird daher ermöglicht, optimale Wachstums bedingungen und -parameter für die modifizierten CAR-T-Zellen in effizienter Weise aufzufinden.
Eine weitere Anwendung der Erfindung im Bereich der Krebstherapie kann beispielsweise vorsehen, dass mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens und einer erfindungsgemäßen Apparatur eine optimale Dosierung und Dosierungskinetik eines chemotherapeutischen Medikaments aufgefunden wird. So kann vorgesehen sein, einer Kultur von Krebszellen über eine erste Pumpe eine Nährlösung und über eine zweite Pumpe ein chemotherapeutisches Medikament wie beispielsweise Adriamycin zuzugeben. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann nun ermöglicht werden, Einrichtungsparameter der Apparatur zu erlernen, welche zu einer Elimination der lebenden Krebszellen in der Zellkultur führen unter Verwendung einer für den Menschen möglichst verträglichen Dosierung des Medikaments.
Weitere Anwendungen können auch außerhalb der Krebstherapie liegen und alle Bereiche der Medizin oder der Biologie erfassen .
Die Erfassung eines Prozesszustands für einen biologischen Prozess umfasst, dass auch mehr als ein Prozesszustand des biologischen Prozesses erfasst werden kann, beispielsweise kann vorgesehen sein, dass ein jeweils aktueller Prozesszustand des biologischen Prozesses in regelmäßigen Zeitabständen erfasst wird.
Die Vorgabe der Zielvorgabe kann sich dabei an einem zu erzielenden Ergebnis orientieren. Soll beispielsweise in einer bestimmten Zeit ein Zellwachstum maximiert werden, so kann die
Zielvorgabe dahingehend lauten, dass die Zelldichte oder die Anzahl der lebenden Zellen nach Ablauf eines bestimmten Zeithorizonts maximal sein soll.
Um eine Dosisoptimierung zu erreichen, kann in einem alternativen Experiment die Zielvorgabe dahingehend lauten, mit möglichst minimaler Zugabe eines bestimmten Medikaments eine Krebszelle vollständig zu eliminieren.
Die Zielvorgabe kann ein Bewertungskriterium zur Bewertung des jeweiligen Prozesszustands bilden oder es kann vorgesehen sein, dass aus der Zielvorgabe ein solches Bewertungskriterium abgeleitet ist. Bei dem Bewertungskriterium kann es sich beispielsweise um eine Belohnungs-, Kosten-, oder Bestrafungsfunktion handeln. So kann beispielsweise aus der genannten Zielvorgabe ein Bewertungskriterium abgeleitet sein, welches vorsieht, dass die Zelldichte der lebenden Krebszellen und die in einem bestimmten Zeitraum applizierte Menge des Medikaments bewertet werden. Der Prozesszustand kann daher in diesem alternativen Experiment neben der Zelldichte der lebenden Zellen eine gemessene Temperatur und eine kumulierte applizierte Medikamentenmenge umfassen, wobei die applizierte Medikamentenmenge separat gemessen sein kann oder auch oder aus der Vorgabe der Prozessparameter geschätzt werden kann.
Die Zielvorgabe kann beispielsweise eine gewichtete Belohnungsfunktion vorgeben. Es kann insbesondere vorgesehen sein, dass die Zielvorgabe einen Zustand in den Kategorien besser oder schlechter bewertet. Es kann vorgesehen sein, dass eine Belohnungsfunktion vorgegeben ist, die reelle Zahlen in einem Intervall annehmen kann, beispielsweise zwischen 0 und 1, wobei eine erste reelle Zahl, die näher bei 1 liegt als eine zweite reelle Zahl, besser bewertet wird als die zweite reelle Zahl. Es kann auch vorgesehen sein, dass die Zielvorgabe eine Belohnungsfunktion vorsieht, welche lediglich
zwei Zustände, beispielsweise 1 und 0 oder unendlich und 0 oder dergleichen aufweist. Es kann insbesondere vorgesehen sein, dass die Zielvorgabe einen Zustand in den Kategorien gut oder schlecht bewertet. Es kann vorgesehen sein, dass eine Belohnungsfunktion maximiert werden soll. Äquivalent hierzu kann vorgesehen sein, dass die Belohnungsfunktion eine Kostenfunktion ist, welche minimiert werden soll. Beispielsweise kann hierbei eine 0 keine Kosten verursachen und eine 1 hohe Kosten. Eine Kostenfunktion kann beispielsweise eine Anzahl von Zeitschritten abbilden. Dies kann beispielsweise zweckmäßig sein, wenn es ein Ziel ist, eine zeitoptimale Lösung zu finden, beispielsweise weil in möglichst kurzer Zeit eine bestimmte Zelldichte erreicht werden soll.
Die Erfassung eines Prozesszustands erfolgt bevorzugt, indem eine Auswahl von Parametern des Prozesszustands erfasst wird. Beispielsweise kann eine Zelldichte von lebenden oder toten Zellen einer bestimmten Zellart, eine Anzahl von Zellen oder eine von den Zellen bedeckte Fläche erfasst werden. Dies kann beispielsweise erfolgen, indem mittels einer Bildkamera der biologische Prozess beobachtet wird und mittels eines geeigneten computerimplementierten Verfahrens beispielsweise anhand von Konturen der Zellen oder Zellpopulationen erkannt wird, ob es sich um eine lebende Zelle handelt und wie viele lebende Zellen insgesamt vorhanden sind oder welche Zelldichte diese Zellen haben. Der Prozesszustand kann eine beliebige Eigenschaft des biologischen Prozesses umfassen, wozu auch auf den biologischen Prozess einwirkende externe Prozessparameter zählen können wie beispielsweise auch die vorgegebenen oder eingestellten Prozessparameter.
Bei dem Prozessparameter kann es sich um einen beliebigen Wirkparameter handeln, mit dem Einfluss auf einen oder den biologischen Prozess genommen werden kann. Hierzu zählen bei-
spielsweise Umweltbedingungen wie eine Temperatur, ein Druck oder eine Feuchtigkeit. Ein Prozessparameter kann auch durch einen Volumenstrom eines Stoffes gegeben sein, welcher dem biologischen Prozess zugeführt wird. Der Stoff kann beispielsweise wie weiter unten beschrieben ausgeführt sein.
Die Vorgabe von Prozessparametern kann auch umfassen, dass Einstellmittel, mit denen die biologischen Prozessparameter einstellbar sind, eingestellt werden. Soll beispielsweise ein Volumenstrom eines zuzuführenden Stoffs eingestellt werden, so kann vorgesehen sein, dass beispielsweise eine Pumpe oder ein Ventil in geeigneter Weise betätigt wird.
Die Vorgabe von Prozessparametern kann dabei auch umfassen, einen Zeitverlauf der Prozessparameter vorzugeben.
Die vorgeschlagene erfindungsgemäße Lösung erlaubt es daher, effiziente und klar definierte Einrichtungsstrategien anzuwenden .
Es kann vorgesehen sein, dass die Einrichtungsparameter vorgegeben werden durch ein Lernverfahren, welches aus Bewertungen erfasster Prozesszustände lernt. Bevorzugt handelt es sich bei dem Lernverfahren um ein Verfahren des ma schinellen Lernens. Besonders vorteilhafte Verfahren werden an geeigneter Stelle in dieser Erfindungsbeschreibung weiter unten genannt. Es können auch andere Lernverfahren verwendet werden, insbesondere solche, welche mit den technischen Merkmalen kompatibel sind, die im Folgenden genauer beschrieben werden.
Bei einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die Vorgabe der Prozessparameter auf einer willkürlichen Entscheidung beruht. Die technische Lehre gemäß dieser Ausgestaltung der Erfindung unterscheidet
sich diametral von einer herkömmlichen experimentellen Herangehensweise. Die von einer Person mit Erfahrung für entsprechende biologische Prozesse angewandten Verfahren beruhen nicht auf willkürlichen Entscheidungen. Der Einsatz von Zufall scheint auf den ersten Blick dem Ziel, auf effiziente Weise Einrichtungsparameter für die Apparatur zu finden, zu widersprechen. Dennoch zeigt sich, dass die Implementierung eines Zufallsereignisses zu schnelleren und besseren Ergebnissen führen kann als dies bei alternativen Verfahren der Fall ist. Insbesondere wird ermöglicht, hierdurch auch bei einer Vielzahl von Prozessparametern, Messzuständen und biologischen Prozessen auf effiziente Weise die Apparatur mit einer hohen Güte einzurichten.
Bevorzugt wird die willkürliche Entscheidung von einem Zufallszahlengenerator durch Erzeugen einer Zufallszahl getroffen oder zumindest beeinflusst. Bei dem Zufallszahlengenerator kann es sich auch um einen Pseudozufallszahlengenerator handeln. Auch wenn es sich bei einem solchen Pseudozufallszahlengenerator mathematisch betrachtet um einen deterministischen Zufallszahlengenerator handelt, erzeugt dieser bei entsprechender Einrichtung in praktischer Hinsicht voneinander unabhängige Zufallszahlen, so dass im Rahmen der vorliegenden Erfindung ein solcher Pseudozufallsgenerator als nicht deterministisch zu betrachten ist .
Alternativ kann auch vorgesehen sein, dass die Vorgabe der Prozessparameter auf einer rein deterministischen Entscheidung beruht. Auch ein solches Verfahren unterscheidet sich signifikant von herkömmlichen Verfahren, bei denen eine anstehende Entscheidung Resultat einer an Erfahrungswissen anknüpfenden, adaptiven Bewertung ist. So kann zur Vorgabe der Prozessparameter beispielsweise der von den Prozessparametern aufgespannte Raum durch ein Gitter diskretisiert werden,
welches systematisch zwischen vorgegebenen Gittergrenzen gesampled wird. Hier können beispielsweise Grid-Search- Verfahren eingesetzt werden. Derartige Verfahren bieten sich insbesondere bei Problemen mit einer geringen Anzahl von Variablen an oder auch für eine erste grobe Einrichtung der Apparatur .
Es kann auch vorgesehen sein, dass ein rein deterministisches Vorgehen kombiniert wird mit einem Vorgehen, welches auf einer willkürlichen Entscheidung beruht. Beispielsweise kann unter Verwendung eines sehr groben Gitters in einem ersten Schritt die Vorgabe der Prozessparameter rein deterministisch erfol gen. Erst in einem zweiten Schritt kann vorgesehen sein, dass die Vorgabe der Prozessparameter sodann auf einer willkürlichen Entscheidung beruht.
Es kann vorgesehen sein, dass zur Vorgabe der Prozessparameter eine Zufallszahl, beispielsweise die bereits oben genannte Zufallszahl, erzeugt wird, die eine Wahrscheinlich keitsverteilung einer bestimmten Zufallsvariable hat. Die Zu fallsvariable kann beispielsweise eine Normalverteilung auf weisen .
Besonders effizient kann ein Verfahren sein, bei dem vorgesehen ist, dass ein wahrscheinlichster Wert für die Prozessparameter rein deterministisch aus bereits erfassten Prozesszuständen und deren Bewertungen berechnet wird. Bevorzugt ist vorgesehen, dass der wahrscheinlichste Wert für die Prozessparameter die zu erwartende Bewertung und/oder den zu erwartenden Informationsgewinn eines nachfolgenden Prozessschritts maximiert. Beispielsweise können Methoden der bayesianischen Optimierung verwendet werden, um eine Gewichtung zwischen einer erwarteten Bewertung und einem erwarteten Informationsgewinn zu maximieren.
Zur Vorgabe der Prozessparameter kann vorgesehen sein, dass nach Bestimmung des wahrscheinlichsten Werts für die Prozessparameter in der Nähe dieses wahrscheinlichsten Werts ein Wert ausgewählt wird, wobei hierfür eine Zufallszahl erzeugt wird, welche vorzugsweise um den wahrscheinlichsten Wert normal verteilt ist. Es können beispielsweise evolutionäre Algorithmen oder evolutionäre Strategien verwendet werden oder ein Hill-Climbing- Algorithmus.
Es kann vorgesehen sein, dass die Vorgabe von Pro zessparametern in einer ersten Umgebung eines Parameterraums wahrscheinlicher ist als die Vorgabe von Prozessparametern in einer zweiten Umgebung des Parameterraums, wenn in der ersten Umgebung eine bereits erfolgte Bewertung besser war als eine bereits erfolgte Bewertung in der zweiten Umgebung. Die Implementierung einer derartigen positiven Erfolgserwartung kann zu einer besonders effizienten Einrichtung der Apparatur führen .
Es kann vorgesehen sein, dass ausgehend von einer ersten Schätzung geeigneter Prozessparameter in einer Umgebung dieser Schätzung ein Prozessparameter zufällig ausgewählt wird. Vorzugsweise erfolgt die zufällige Auswahl unter Verwendung einer Zufallsvariable. Alternativ kann vorgesehen sein, dass ausgehend von der zuvor genannten ersten Schätzung mittels Gradienten-basierter Verfahren eine Verbesserungsrichtung vorgegeben wird. Bevorzugt wird zur Schätzung der Verbesserungsrichtung eine Zufallszahl verwendet. Diese Zufallszahl kann insbesondere verwendet werden, um eine Schätzung einer Jacobi-Matrix und/oder einer Hesse-Matrix zu erhalten. Die Jacobi-Matrix und/oder die Hesse-Matrix werden vorzugsweise geschätzt aus bereits erfolgten Bewertungen, bereits erfassten Prozesszuständen und/oder bereits vorgegebenen Prozessparametern. Beispielsweise kann die Jacobi-Matrix und/oder die Hesse-Matrix geschätzt werden aus
bereits ermittelten Daten wie etwa den Ausgängen der bisher ausgeführten Versuche, den dabei über den Verlauf in diskreten Zeitintervallen aufgezeichneten Prozesszuständen, Prozessparametern und/oder Werten einer Belohnungsfunktion. Derartige Verfahren können zu sehr raschen Lernfortschritten führen .
Es kann weiter vorgesehen sein, dass eine Zufallszahl erzeugt wird und verwendet wird, um eine Unsicherheit einer ersten Schätzung für eine Vorgabe von Prozessparametern abzubilden und so zu einer besseren Schätzung zu gelangen.
Vorteilhaft kann die Anwendung einer policy gradient Methode sein .
Zur Steigerung der Effizienz des erfindungsgemäßen Verfahrens kann weiter vorgesehen sein, dass zur Initialisierung des Verfahrens Ergebnisse von Voruntersuchungen verwendet werden. Bevorzugt umfassen die Voruntersuchungen ein Experiment und/oder eine Computersimulation eines biologischen Prozesses. Vorzugsweise bildet die Computersimulation einen, mehrere oder alle biologischen Prozesse der Mehrzahl von biologischen Prozessen nach. Besonders bevorzugt bildet die Computersimulation die Apparatur im Betrieb nach. Eine derartige Initialisierung des Verfahrens kann zu einer verbesserten Einrichtung der Apparatur führen und/oder zu einer schnelleren Einrichtung der Apparatur, da beispielsweise weniger Prozesszustände erfasst und bewertet werden müssen.
Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass biologische Prozesse der Mehrzahl von biologischen Prozessen parallel ablaufen. Dies kann vorteilhaft sein, da hierdurch die Einrichtung der Apparatur in kürzerer Zeit erfolgen kann. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass hierdurch eine verbesserte Einrichtung erreicht
werden kann, da hierdurch systematische Fehler vermieden werden können. Derartige systematische Fehler können beispielsweise entstehen, wenn eine neue Zellkultur präpariert werden muss, um weitere Prozesszustände zu erfassen. Die Fehler können geringer sein, wenn aus einer vorbereiteten Zellkultur eine Mehrzahl von Proben entnommen wird, die sodann parallel erfasst werden. Um zu erreichen, dass die biologischen Prozesse parallel ablaufen, kann es vorteilhaft sein, ein weiter unten genauer beschriebenes Mikrofluidgerät mit mehreren Kammern zu verwenden.
Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass biologische Prozesse der Mehrzahl von biologischen Prozessen seriell ablaufen. Ein serielles Ablaufen von biologischen Prozessen kann insbesondere dann vorteilhaft sein, wenn mit einer parallelen Ausführung nicht ausreichend Daten erfasst werden können und/oder wenn die biologischen Prozesse nicht reversibel sind und/oder wenn nach Ablauf eines biologischen Prozesses zur Einrichtung der Apparatur weitere Lernschritte erforderlich sind.
Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass für mindestens zwei parallel ab laufende biologische Prozesse unterschiedliche Prozesspara meter vorgegeben werden. Hierdurch kann ein Informationsgewinn und/oder bessere Bewertungen in kürzerer Zeit erzielt werden, so dass die Einrichtung der Apparatur effizienter wird. Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass für mindestens zwei parallel ablaufende biologische Prozesse identische Prozessparameter vorgegeben werden. Dies kann beispielsweise vorteilhaft sein, um statistisch bedingte Variationen zu reduzieren.
Es kann weiter vorgesehen sein, dass ein Prozesszustand eines biologischen Prozesses zurückgesetzt wird oder dass zumindest
ein Parameter eines Prozesszustands eines biologischen Pro zesses zurückgesetzt wird. Bevorzugt wird eine biologische Probe durch eine biologische Probe mit gleichem oder zumindest weitgehend oder möglichst gleichen Anfangszustand ersetzt. Zwei Anfangszustände sind weitgehend gleich, wenn sie Folge von Variationen sind, welche bei der Präparierung von gleichen biologischen Proben auftreten. Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass ein Mikrofluidgerät mit noch unbeeinflussten Zellen erneut hergerichtet wird. Bei reversiblen biologischen Prozessen oder zumindest bei einer Reversibilität eines Parameters eines Prozesszustands des biologischen Prozesses kann ein Zurücksetzen auch ohne Auswechseln einer biologischen Probe geschehen, beispielsweise indem die Prozessparameter so gewählt werden, dass der Prozesszustand oder der Parameter des Prozesszustands erneut erreicht wird. Eine Zurücksetzung von biologischen Prozessen kann vorteilhaft sein, da hierdurch ein hoher Informationsgewinn erreicht werden kann.
Es kann weiter vorgesehen sein, dass zumindest zwei der Mehrzahl von biologischen Prozessen oder sogar alle biologischen Prozesse so eingerichtet sind, dass sie bei gleicher Beeinflussung möglichst gleich ablaufen. Dies kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass biologische Pro ben, bei denen die biologischen Prozesse ablaufen, in gleicher Weise vorbereitet werden. Hierdurch kann ein hoher Informationsgewinn in kürzerer Zeit erlangt werden.
Weiter kann vorgesehen sein, dass während des Ablaufs eines biologischen Prozesses mehrfach dessen Prozesszustand erfasst und/oder bewertet wird. Dies erfolgt vorzugsweise konti nuierlich. Bevorzugt wird die kontinuierliche Erfassung und Bewertung technisch umgesetzt, indem in konstanten oder möglichst konstanten, diskreten Zeitabschnitten eine Erfassung und/oder Bewertung erfolgt. Die Dauer der Zeitabschnitte kann hierbei an die Dynamik des biologischen Prozesses und die
erforderliche Rechenleistung angepasst sein. Beispielsweise kann der Prozesszustand alle 5 Minuten erfasst werden. Derartige Verfahren können zu einer besonders effizienten Einrichtung der Apparatur führen, da hierdurch ermöglicht wird, auf Änderungen eines Prozesszustands unmittelbar zu reagieren, ohne abwarten zu müssen, bis ein Zeithorizont des biologischen Prozesses erreicht ist oder bis dieser abgelaufen ist. Hierdurch wird eine Einrichtung in Echtzeit ermöglicht. Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass während des Ablaufs eines biologischen Prozesses mehrfach, vorzugsweise kontinuierlich, die Prozessparameter vorgegeben werden. Vorzugsweise werden die Prozessparameter mehrfach, insbesondere kontinuierlich, eingestellt. Auch insoweit kann eine technische Umsetzung durch Diskretisierung der Zeit erfolgen .
Dies ermöglicht die Optimierung einer Strategie, bei der während des Ablaufes eines biologischen Prozesses mehrfach Entscheidungen getroffen werden. Eine Entscheidung kann beispielsweise darin bestehen, die Prozessparameter zu einem Entscheidungszeitpunkt zu aktualisieren. Insbesondere kann ein Lernverfahren verwendet werden, bei dem eine Funktion aus den erfassten Prozesszuständen erlernt wird, die für jeden Prozesszustand mögliche Aktionen hinsichtlich einer erwarteten zukünftigen Belohnung bewertet. Eine solche Funktion kann auch als value function oder q-function ausgebildet sein. Ist eine solche Funktion bekannt, kann sie verwendet werden, um in jedem Prozesszustand die am besten bewertete Aktion auszuwählen. Als Lernverfahren kommen beispielsweise ein Verfahren des optimierenden Lernens (reinforcement learning) , ein Verfahren des batch reinforcement learning, des q-learning und/oder ein Verfahren, welches einen Markovschen oder mehrstufigen Entscheidungsprozess abbildet, in Betracht.
Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung
kann vorgesehen sein, dass ein Parameterraum der Prozesspara meter reduziert wird, indem Basisstrategien für zeitliche Verläufe der Prozessparameter vorgegeben werden und die Ba sisstrategie miteinander gemischt werden. Vorzugsweise ist zumindest eine Basisstrategie durch einen sinus-förmigen Zeitverlauf eines Prozessparameters gegeben. Als Parameter des sinus-förmigen Zeitverlaufs kann beispielsweise die Amplitude, die Frequenz oder eine zeitliche Verschiebung frei wählbar sein, um den sinus-förmigen Zeitverlauf des Prozessparameters zu definieren. Auf diese Weise kann erreicht werden, dass die Einrichtung der Apparatur verbessert wird. Beispielsweise können die Basisstrategien ausgebildet sein, a-priori-Wissen abzubilden. Ein weiterer Vorteil der Verwendung von derartigen Basisstrategien ist, dass die Rechenzeiten reduziert werden können, um Echtzeit-Anwendungen zu ermöglichen oder um eine Berechnung mit einer höheren Genauigkeit durchführen zu können. Besteht beispielsweise aufgrund von Vorwissen eine Vermutung, dass ein periodischer Zeitverlauf eines Prozessparameters zu guten Ergebnissen führen könnte, so ist es zweckmäßig, dies als eine mögliche Basisstrategie für diesen Prozessparameter vorzusehen. Beispielsweise hat sich gezeigt, dass eine periodische Applikation eines Wachstumsfaktors bei bestimmten Zellkulturen von Vorteil sein kann .
Zur Lösung der genannten Aufgabe kann ein Verfahren zur Steuerung einer Apparatur vorgesehen sein, wobei die Apparatur eine Mehrzahl biologischer Proben aufnimmt und gesteuert wird, indem ein Prozessparameter eingestellt wird,
wobei ein Experiment durchgeführt wird, welches eine wiederholte Anwendung eines Teilexperiments umfasst, wobei das Teilexperiment zumindest die folgenden Schritte umfasst:
- Einstellen eines aktuellen Prozessparameters gemäß einer zuvor computergestützt durchgeführten Aktualisierung,
- automatisches Erfassen eines aktuellen Zustandsparameters für jede biologische Probe und Verarbeiten und/oder Speichern der erfassten aktuellen Zustandsparameter,
- Erstellen eines Bewertungsergebnisses durch computergestütztes Bewerten eines Ergebnisses des Teilexperiments anhand einer Zielvorgabe und eines aktuellen Experimentparameters, wobei der aktuelle Experimentparameter einen aktuellen Zustandsparameter und/oder einen aktuellen Prozessparameter umfasst, sowie Verarbeiten und/oder Speichern des Bewertungsergebnisses
- Aktualisierung des Prozessparameters durch computergestütztes Ableiten aus zuvor verarbeiteten und/oder gespeicherten Experimentparametern und
Bewertungsergebnissen und Verarbeiten und/oder Speichern des aktualisierten Prozessparameters.
Das zuvor beschriebene Steuerungsverfahren kann auch mit den zuvor beschriebenen Varianten des Einrichtungsverfahrens kombiniert werden. Zudem können einzelne technische Merkmale oder auch eine beliebige Kombination der Merkmale des Steuerungsverfahrens technische Merkmale des zuvor beschriebenen Einrichtungsverfahrens bilden und umgekehrt.
Das Teilexperiment kann ein Zurücksetzen eines Prozesszustands eines biologischen Prozesses oder zumindest eines Parameters eines Prozesszustands eines biologischen Prozesses umfassen, insbesondere wie bereits zuvor beschrieben. So kann das Teilexperiment beispielsweise die Ersetzung der biologischen Proben durch andere biologische Proben vorsehen, bei denen ein beabsichtigter biologischer Prozess noch nicht abgelaufen ist.
Es kann alternativ vorgesehen sein, dass das Teilexperiment lediglich einen diskreten Zeitabschnitt im Rahmen einer kontinuierlichen Erfassung und/oder Bewertung eines Prozesszustands eines biologischen Prozesses während dessen
Ablaufs abbildet, insbesondere wie zuvor beschrieben. Hierbei kann vorgesehen sein, dass nach mehreren Zeitschritten und/oder Erreichen eines Zeithorizonts das sich jeweils anschließende Teilexperiment zusätzlich eine Zurücksetzung des Prozesszustands oder zumindest eines Parameters des Prozesszustands umfasst.
Zur Lösung der genannten Aufgabe sind erfindungsgemäß die Merkmale des auf eine Apparatur für biologische Prozesse ge richteten nebengeordneten Anspruchs vorgesehen. Insbesondere wird zur Lösung der genannten Aufgabe somit erfindungsgemäß vorgeschlagen, dass eine Apparatur für biologische Prozesse ein Gefäß zur Aufnahme einer biologischen Probe aufweist. Das Gefäß kann beispielsweise ein Reaktor, eine Petrischale, ein Zellkulturbeutel oder ein Mikrofluidgerät sein. Vorzugsweise ist vorgesehen, dass das Mikrofluidgerät eine Mehrzahl von seriellen und/oder parallelen Kammern aufweist. Die biologische Probe ist so ausgebildet, dass mit ihr eine Mehrzahl von biologischen Prozessen ausführbar ist. Die biologische Probe kann insbesondere aus einer Mehrzahl von Teilproben bestehen. Beispielsweise kann ein mehrere Kammern aufweisendes Mikrofluidgerät so hergerichtet sein, dass die Kammern jeweils eine biologische Teilprobe einfassen. Die biologische Probe kann beispielsweise eine Zellkultur und/oder eine Enzymprobe umfassen.
Bevorzugt weist das Gefäß eine Zuleitung für die Zuleitung eines Stoffes auf. Dies bedeutet, dass das Gefäß auch mehr als eine Zuleitung für die Zuleitung von Stoffen aufweisen kann. Der Stoff kann beispielsweise eine Nährlösung, ein Medium, ein Wachstumsfaktor oder ein Medikament sein.
Erfindungsgemäß weist die Apparatur Einstellmittel auf, mit denen für die biologischen Prozesse Prozessparameter ein stellbar sind. Bevorzugt umfassen die Einstellmittel ein
Mittel zum Einstellen eines Volumenstroms eines Stoffes wie etwa eines der zuvor genannten Stoffe. Dies kann beispielsweise mittels einer Pumpe oder eines steuerbaren Ventils erfolgen. Es können auch mehrere Mittel zum Einstellen verschiedener Volumenströme für verschiedene Stoffe vorgesehen sein. Weiter kann vorgesehen sein, dass Einstellmittel zum Einstellen einer Umgebungsbedingung wie etwa einer Temperatur, einem Druck oder einer Feuchtigkeit, ausgebildet sind. Bei den Prozessparametern kann es sich somit beispielsweise um einen Volumenstrom eines Stoffes handeln oder um eine Umgebungsbedingung .
Erfindungsgemäß weist die Apparatur ferner Erfassungsmittel auf, mit denen für jeden biologischen Prozess jeweils ein Prozesszustand automatisch erfassbar ist. Die Erfassungsmittel können beispielsweise eine Bildkamera und/oder einen Sensor umfassen. Es kann vorgesehen sein, dass die mit der Bildkamera und/oder dem Sensor aufgenommenen Messdaten nach relevanten Informationen gefiltert werden. Dies kann beispielsweise in einer als nächstes beschriebenen Recheneinheit erfolgen, in der vorzugsweise die gefilterten Informationen in einem Speicher hinterlegt werden.
Erfindungsgemäß weist die Apparatur weiter eine Recheneinheit auf, welche über eine Datenleitung mit den Erfassungsmitteln und über eine weitere Datenleitung mit den Einstellmitteln verbunden ist. Mit der Recheneinheit sind somit von den Er fassungsmitteln erfasste Daten empfangbar. Außerdem können von der Recheneinheit Steuersignale an die Einstellmittel gesendet werden. Es kann auch vorgesehen sein, dass über die Datenleitungen Daten zwischen der Recheneinheit und den Einstellmitteln und/oder Erfassungsmitteln austauschbar sind. Die Recheneinheit kann eine Datenverarbeitungseinheit, insbesondere eine Datenverarbeitungsanlage, umfassen.
Bevorzugt ist die Recheneinheit eingerichtet, die erfassten Prozesszustände anhand einer vorgegebenen Zielvorgabe zu be werten, die Prozessparameter vorzugeben und die Apparatur durch Vorgabe erlernter Einrichtungsparameter einzurichten.
Eine erfindungsgemäße Apparatur mit Merkmalen wie zuvor beschrieben kann einfach und kostengünstig hergestellt werden. Außerdem ist sie besonders gut verwendbar, um das zuvor beschriebene Verfahren auszuführen. Eine erfindungsgemäße Apparatur teilt somit unter anderem die Vorteile, welche mit dem erfindungsgemäßen Verfahren und seiner Varianten erzielbar sind. Entsprechendes gilt für die als nächstes beschriebene Apparatur .
Zur Lösung der genannten Aufgabe wird ferner eine Apparatur für biologische Prozesse vorgeschlagen, bei der Mittel ausge bildet und eingerichtet sind, ein Verfahren auszuführen, das erfindungsgemäß, insbesondere wie zuvor beschrieben und/oder nach einem der auf ein Verfahren gerichteten Schutzansprüche, ausgebildet ist. Bevorzugt ist die Apparatur wie zuvor be schrieben ausgebildet, wobei die Apparatur eine beliebige Kombination der zuvor genannten technischen Merkmale aufweisen kann .
Die Erfindung wird nun anhand einiger weniger Ausführungsbei spiele näher beschrieben, ist jedoch nicht auf diese wenigen Ausführungsbeispiele beschränkt. Weitere Ausführungsbeispiele ergeben sich durch die Kombination der Merkmale einzelner oder mehrerer Schutzansprüche untereinander und/oder mit einzelnen oder mehreren Merkmalen der Ausführungsbeispiele.
Es zeigt:
Fig. 1 ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Appa ratur für biologische Prozesse,
Fig . 2 ein Flussdiagramm eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur Einrichtung der in Fig. 1 gezeigten Apparatur.
Bei der nachfolgenden Beschreibung der Erfindung erhalten in ihrer Funktion übereinstimmende Elemente auch bei abweichender Gestaltung oder Formgebung übereinstimmende Bezugszahlen.
In Fig. 1 ist ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Apparatur 1 für biologische Prozesse 3 gezeigt. Der Apparat 1 hat ein Gehäuse 34, in dem die übrigen Komponenten des Apparates 1 angeordnet sind. Der Apparat 1 weist eine Größe und ein Gewicht auf, welche so bemessen sind, dass ein Nutzer des Apparats 1 von durchschnittlicher Konstitution den Apparat 1 mit eigenen Händen tragen und transportieren kann. Es kann daher auch gesagt werden, dass der Apparat 1 transportabel ist. Bei einem alternativen Ausführungsbeispiel kann der Apparat 1 eine beliebige Größe oder Gewicht aufweisen oder auch so ausgebildet sein, dass nicht alle Komponenten in einem Gehäuse 34 angeordnet sind.
In dem Apparat 1 ist ein Gefäß 5 angeordnet. Bei dem Gefäß 5 handelt es sich in dem hier beschriebenen Ausführungsbeispiel um ein Mikrofluidgerät 21, welches mehrere Zuleitungen 7 hat und eine Ableitung 8. In dem Mikrofluidgerät 21 sind mehrere eingangsseitig nicht miteinander verbundene Kanäle ausgebil det, wobei jeder Kanal mehrere hintereinander angeordnete Kammern aufweist. Ausgangsseitig werden die Kanäle zu der gemeinsamen Ableitung 8 zusammengeführt. Jeder Kanal ist ein gangsseitig mit zwei Zuleitungen 7 verbunden. Eine der beiden Zuleitungen 7 ist mit einem Reservoir 10 verbunden, in dem ein Stoff 9 aufnehmbar ist. Die andere Zuleitung 7 ist mit einem weiteren Reservoir 10 verbunden, in dem ein weiterer Stoff 9 aufnehmbar ist.
Das Reservoir 10 ist zur Ausführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens im hier beschriebenen Ausführungsbeispiel mit einer Nährlösung für eine Zellkultur 23 befüllt. In dem weiteren Reservoir 10 befindet sich ein Wachstumsfaktor für die Zellkultur 23. In jeder der Kammern des Mikrofluidgeräts 21 befindet sich eine biologische Teilprobe. Die biologischen Teilproben bilden zusammen eine biologische Probe 4, die im hier beschriebenen Ausführungsbeispiel von der Zellkultur 23 gegeben ist. Der Apparat 1 ist daher bereits so vorbereitet, dass biologische Prozesse 3 in ihm ablaufen können. Der Apparat 1 kann auch in beliebig anderer Weise vorbereitet sein .
Das Mikrofluidgerät 21 ist durch ein alternativ ausgebildetes Mikrofluidgerät 21 oder auch durch ein anderes Gefäß 5 austauschbar. Auch die Anschlüsse und Anzahl der Zuleitungen 7 und Reservoirs 10 sind anpassbar. Es kann allerdings auch vorgesehen sein, dass ein alternativer Apparat 1 keine derartige Flexibilität zulässt.
Die Ableitung 8 ist mit einem Behälter 20 verbunden, in dem aus dem Gefäß 5 austretendes Material aufgefangen werden kann.
An den Zuleitungen 7 ist jeweils ein Ventil 24 angeordnet. Die Ventile 24 können jeweils über eine weitere Datenleitung 19 gesteuert werden. Dabei sind die Ventile 24 so einstellbar, dass ein Volumenstrom eines in einer der Zuleitungen 7 fließenden Stoffs 9 einstellbar ist. Weiter ist ein Heizelement 26 ausgebildet, welches ebenfalls über die weitere Datenleitung 19 steuerbar ist. Mittels des Heizelements 26 ist eine Temperatur einstellbar, welche in dem Gefäß 5 herrscht. In einem alternativen Ausführungsbeispiel kann auch vorgesehen sein, dass für jeden Kanal des Mikrofluidgeräts 21 ein separates Heizelement 26 vorgesehen ist, sodass die Temperatur
in den Kammern des jeweiligen Kanals für jeden Kanal individuell einstellbar ist.
Weiter ist ein als Sensor 22 ausgebildetes Erfassungsmittel 13 vorgesehen, wobei in dem hier beschriebenen Ausführungs beispiel der Sensor 22 ein Temperatursensor ist. Mit dem Tem peratursensor ist eine Temperatur innerhalb des Gefäßes 5 messbar. Ein Ausgangssignal des Temperatursensors kann über die Datenleitung 17 an eine Recheneinheit 15 übermittelt werden. Außerdem ist eine Bildkamera 14 als Erfassungsmittel 13 vorgesehen. Die Bildkamera 14 ist auf das Gefäß 5 ausge richtet. Mit der Bildkamera 14 sind daher Bildinformationen aufnehmbar, wobei die Bildkamera 14 so eingerichtet ist, dass in ausreichender Auflösung ein interessierender Prozesszustand der biologischen Prozesse 3 mit hinreichender Genauigkeit ermittelbar ist. Die Bildkamera 14 ist über eine Datenleitung 17 mit der Recheneinheit 15 verbunden. Die aufgenommenen Bildinformationen können so an die Recheneinheit 15 übertragen werden .
Die Recheneinheit 15 ist somit über die Datenleitungen 17 mit den Erfassungsmitteln 13 und über die weitere Datenleitung 19 mit den Einstellmitteln 11, hier die Ventile 24 und das Heizelement 26, verbunden. Der Recheneinheit 15 können somit Informationen über Prozesszustände zugeführt werden. Weiter sind mit der Recheneinheit 15 Prozessparameter vorgebbar, welche über die weitere Datenleitung 19 und den Einstellmitteln 11 eingestellt werden können. Die Recheneinheit 15 umfasst Peripheriegeräte 28 wie beispielsweise ein Eingabemittel wie etwa eine Tastatur, um der Apparatur 1 Steuerbefehle manuell zu erteilen oder auch Ausgabemittel, um Informationen des Apparates 1, der biologischen Prozesse 3 oder eines mit dem Apparat 1 ausgeführten Verfahrens ausgeben zu können. Weiter weist die Recheneinheit 15 Schnittstellen 29 auf, um die Recheneinheit
15 über die Datenleitungen 17 und 19 mit den Erfassungsmitteln 13 und den Einstellmitteln 11 zu verbinden oder um die Rechen einheit 15 an eine externe Datenquelle, über die auch In struktionsbefehle eingespielt werden können, anzuschließen. Die Recheneinheit 15 hat einen Prozessor, mit dem Computer programme ausführbar sind. Außerdem hat die Recheneinheit 15 flüchtige und permanente Speicher 30. In den Speichern 30 sind Computerprogramme hinterlegbar, mit denen insbesondere Teilschritte des weiter unten beschriebenen Verfahrens zur Einrichtung einer Apparatur 1 ausführbar sind. Außerdem können in den Speichern 30 die über die Datenleitungen 17 empfangenen Daten oder hieraus weiterverarbeitete Daten gespeichert werden .
Die Recheneinheit 15 umfasst ferner Mittel zur Erzeugung einer Zufallszahl. Hierzu kann beispielsweise ein separates Bauteil vorgesehen sein und/oder ein in einem der Speicher 30 hinterlegtes Computerprogramm.
Fig. 2 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Verfahrens, mit dem in dem hier beschriebenen Ausführungsbeispiel die Apparatur 1 eingerichtet ist.
In einem ersten Schritt 100 wird das Verfahren initialisiert. Hierzu wird die Apparatur 1 zunächst wie bereits oben be schrieben so eingerichtet, dass die biologischen Prozesse 3 ablaufen können. Die Reservoirs 10 werden somit mit den be nötigten Stoffen 9 gefüllt und das Gefäß 5 mit den biologi schen Probe 4. Außerdem werden Initialwerte für die Prozessparameter vorgegeben. Beispielsweise kann zur Initialisierung über den gesamten Zeithorizont eine konstante Temperatur vorgegeben werden, es kann ein bestimmter Volumenstrom für die Nährlösung eingestellt werden und der Volumenstrom für den Wachstumsfaktor kann beispielsweise auf null gesetzt werden. Es kann somit auch gesagt werden, dass
die biologischen Prozesse 3 in einen Anfangszustand versetzt werden .
Alternativ kann die Initialisierung auch umfassen, die Ergeb nisse aus einer Voruntersuchung in dem Speicher 30 des Appa rats 1 zu hinterlegen. Alternativ kann auch eine Simulations routine gestartet werden, um eine Initialisierung zu erhalten.
In Schritt 100 wird zudem eine Zielvorgabe festgelegt, anhand derer die jeweiligen Prozesszustände bewertet werden sollen. Beispiele einer Zielvorgabe sind bereits weiter oben dargelegt worden. Zur Maximierung eines Zellwachstums kann beispielsweise die Zielvorgabe dahingehend lauten, die Anzahl der Zellen nach Ablauf eines bestimmten Zeithorizonts zu optimieren. Um eine Bewertung zu ermöglichen, wird daher festgelegt, dass die von der Bildkamera 14 erhaltenen Bildinformationen dahingehend gefiltert werden, dass die An zahl der lebenden Zellen ermittelt wird. Ein geeigneter Algorithmus ist daher auszuwählen, der diese Informationen filtern kann.
In Schritt 102 wird sodann für jeden biologischen Prozess 3 ein Prozesszustand automatisch erfasst. Hierzu werden mit der Bildkamera 14 Daten aufgenommen und wie beispielsweise zuvor beschrieben gefiltert, es werden Daten mit den übrigen Erfassungsmitteln 13 aufgenommen und gegebenenfalls weitere Daten aus den vergangenen erfassten Prozesszuständen und vor gegebenen Prozessparametern geschätzt. Beispielsweise kann ein Zeitintegral über einen eingestellten Prozessparameter geschätzt werden.
In dem sich anschließenden Schritt 104 werden die erfassten Prozesszustände bewertet anhand der zuvor festgelegten Ziel vorgabe, wobei hierzu insbesondere ein geeignetes
Bewertungskriterium, welches eine Belohnungsfunktion darstellen kann, vorgegeben sein kann.
In Schritt 106 werden sodann aus den Bewertungen mittels eines in Schritt 100 vorgegebenen Lernverfahrens die vorzugebenden Prozessparameter aktualisiert. Bei dem Lernverfahren kann es sich um eines der bereits weiter oben beschriebenen Verfahren handeln, wie insbesondere solche des maschinellen Lernens. Zur Berechnung der aktualisierten Prozessparameter wird dabei insbesondere das, was das Lernverfahren bereits an Relevantem in der Vergangenheit gelernt hat, berücksichtigt.
In einem nächsten Schritt 108 wird sodann entschieden, ob die Apparatur 1 hinreichend eingerichtet ist oder ob das Verfahren fortgesetzt werden soll. Es wird daher ein bereits in Schritt 100 festgelegtes Abbruchkriterium ausgewertet. Das Abbruchkriterium kann den Ablauf eines bestimmten Zeitraums vorsehen, die Unterschreitung eines Grenzwertes, welcher angibt, dass die Apparatur 1 bereits so gut eingerichtet ist, dass nur noch geringe Verbesserungen zu erwarten sind oder ein beliebiges anderes Abbruchkriterium.
Bei einer Anwendung, bei der sich die biologischen Prozesse immer in einem weitgehend gleichen Anfangszustand befinden und bei der eine Bewertung immer nur nach Ablauf eines definierten oder vollständigen Prozesszeitraums vorgenommen wird, kann vorgesehen sein, dass die erlernten Einrichtungsparameter den zuletzt erlernten Prozessparametern entsprechen. Insbesondere dann, wenn das Verfahren auch unterschiedliche Anfangszustände der biologischen Prozesse berücksichtigt und/oder wenn Bewertungen auch während des Ablaufs eines biologischen Prozesses stattfinden, beispielsweise in Echtzeit, so kann es besonders vorteilhaft sein, wenn die erlernten
Einrichtungsparameter Zuordnungen von Prozesszuständen und
Prozessparametern umfassen, Dies gilt über das hier beschriebene Ausführungsbeispiel hinaus .
Ist das Abbruchkriterium in Schritt 108 erfüllt, so wird das Verfahren in Schritt 110 beendet. Hierzu werden die erlernten Einrichtungsparameter zur späteren Vorgabe abgespeichert.
Ist das Abbruchkriterium in Schritt 108 nicht erfüllt, wird in Schritt 112 entschieden, ob das Gefäß 5 mit einer neuen biologischen Probe 4 hergerichtet werden soll oder ob das Verfahren ungehindert weitergeführt werden soll. Eine erneute Herrichtung des Gefäßes 5 kann beispielsweise erforderlich sein, wenn ein bestimmter Zeithorizont erreicht ist oder wenn ein Ereignis eingetreten ist, bei dem eine unmittelbare Weiterführung des Verfahrens nicht zu einer effizienten Verbesserung der Einrichtung der Apparatur 1 führen würde. Sollen beispielsweise Krebszellen eliminiert werden und ist dies vollständig erreicht, ohne dass die Population sich erholen könnte, so ist eine erneute Herrichtung zweckmäßig und erforderlich. Auch kann dies erforderlich sein, wenn ungewollte Signalpfade von Zellen der Zellkultur 23 aktiviert wurden .
Soll somit eine Neuherrichtung erfolgen, wird dies in Schritt 114 durchgeführt. Das Verfahren wird sodann in Schritt 102 fortgesetzt .
Ist eine Neuherrichtung nicht erforderlich, so wird das Verfahren unmittelbar nach Schritt 112 in Schritt 102 fortgesetzt .
Es wird somit zusammenfassend vorgeschlagen, bei einem Ver fahren zur Einrichtung einer Apparatur 1 für biologische Pro zesse 3 vorzusehen, dass für eine Mehrzahl von biologischen Prozessen 3 jeweils computergestützt Prozessparameter vorgege-
ben werden, dass für jeden biologischen Prozess 3 ein Pro zesszustand automatisch erfasst wird, dass der jeweilige Pro zesszustand anhand einer vorgegebenen Zielvorgabe computerge stützt bewertet wird und das aus den Bewertungen computerge- stützt die Apparatur 1 durch Vorgabe von erlernten Einrichtungsparametern eingerichtet wird. Weiter wird eine Apparatur 1 für biologische Prozesse 3 vorgeschlagen, welche Mittel aufweist, mit denen das vorgeschlagene Verfahren in besonders vorteilhafter Weise ausführbar ist.
\Bezugszeichenliste
Bezugszeichenliste
I Apparatur
3 biologischer Prozess
4 biologische Probe
5 Gefäß
7 Zuleitung
8 Ableitung
9 Stoff
10 Reservoir für 9
II Einstellmittel
13 Erfassungsmittel
14 Bildkamera
15 Recheneinheit
17 Datenleitung
19 weitere Datenleitung
20 Behälter
21 Mikrofluidgerät
22 Sensor
23 Zellkultur
24 Ventil
26 Heizelement
28 Peripheriegerät
29 Schnittstelle
30 Speicher
32 Prozessor
34 Gehäuse
100 Initialisierung
102 Erfassung von Prozesszuständen
104 Bewertung von Prozesszuständen
106 Aktualisierung von Prozessparametern
108 Entscheidung für Fortsetzung des Verfahrens
110 Verfahrensbeendigung
112 Entscheidung über Neuherrichtung des Gefäßes 5
114 Neuherrichtung des Gefäßes 5
/ Ansprüche