Verfahren und Vorrichtung zur Detektion eines
Entgleisungszustands eines Schienenfahrzeugs
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Detektion eines Entgleisungszustands eines Schienenfahrzeugs, wobei zumindest eine kinematische Größe mittels eines ersten
Sensors bezüglich eines ersten Radsatzendabschnitts und mittels eines zweiten Sensors bezüglich eines zweiten
Radsatzendabschnitts gemessen wird und entsprechende
Messsignale gebildet, verarbeitet sowie ausgewertet werden.
Schienenfahrzeuge müssen eine hohe Fahrsicherheit aufweisen. Eine genaue Einschätzung und Vorhersage von technischen
Zuständen von Fahrzeugen, Fahrwerken und weiteren
Fahrzeugkomponenten ist daher wichtig. Insbesondere können Entgleisungen des Schienenfahrzeugs schwere Schäden an Mensch und Umwelt sowie an dem Schienenfahrzeug selbst verursachen, weshalb eine genaue und rechtzeitige Erkennung eines
Entgleisungszustands des Schienenfahrzeugs bedeutsam ist. Beispielsweise sind für einen automatischen Fährbetrieb nach GoA 4 (Grade of Automation, Stufe 4) laut IEC (International Electrotechnical Commission) 62267 Mittel zur
Entgleisungsdetektion vorgeschrieben .
Aus dem Stand der Technik ist beispielsweise die WO
2004/101343 Al bekannt, in welcher ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zur Detektion einer Entgleisung von
Schienenfahrzeugrädern offenbart ist. Aus Messsignalen eines Beschleunigungssensors, welcher auf einem Radsatzlager eines Schienenfahrzeugs vorgesehen ist, werden mittels Integration Fallgeschwindigkeiten der Schienenfahrzeugräder ermittelt und eine Entgleisung dann detektiert, wenn eine
Fallgeschwindigkeit einen definierten Grenzwert
überschreitet. Weiterhin ist eine Detektion einer Entgleisung auch anhand eines Fallgeschwindigkeitsverlaufs vorgesehen. Dieser Ansatz weist in seiner bekannten Form den Nachteil ungenauer Detektionsergebnisse auf.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein gegenüber dem Stand der Technik weiterentwickeltes Verfahren anzugeben, welches eine besser abgesicherte bzw. zuverlässigere
Detektion von Entgleisungszuständen eines Schienenfahrzeugs ermöglicht .
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst mit einem Verfahren der eingangs genannten Art, bei dem mittels zumindest einer Recheneinheit aus den Messsignalen Werte einer ersten
Fallgeschwindigkeit bezüglich des ersten Radsatzendabschnitts und Werte einer zweiten Fallgeschwindigkeit bezüglich des zweiten Radsatzendabschnitts gebildet werden und mittels eines ersten Vergleichsvorgangs der ersten
Fallgeschwindigkeit und der zweiten Fallgeschwindigkeit mit einem ersten Fallgeschwindigkeitsgrenzwert und einem zweiten Fallgeschwindigkeitsgrenzwert, welcher betragsmäßig größer ist als der erste Fallgeschwindigkeitsgrenzwert, ein
Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs zumindest dann detektiert wird, wenn die erste Fallgeschwindigkeit
betragsmäßig gleich oder größer ist als der erste
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert und die zweite
Fallgeschwindigkeit betragsmäßig gleich oder größer ist als der zweite Fallgeschwindigkeitsgrenzwert.
Durch Erfassung und Auswertung kinematischer Informationen bezüglich beider Radsatzenden, d.h. bezüglich des ersten Radsatzendabschnitts und des zweiten Radsatzendabschnitts, wird eine vorteilhafte Absicherung von Detektionsergebnissen im Hinblick auf einen Entgleisungszustand des
Schienenfahrzeugs erzielt. Bei einem Entgleisungsvorgang klettert zunächst ein erstes Rad eines Radsatzes auf einen Schienenkopf auf und gleitet anschließend von diesem ab.
Infolge eines geometrischen bzw. kinematischen Zusammenspiels von Spurweiten, Radrückenabständen und Radprofilen entgleist danach, innerhalb einer begrenzten Wegstrecke entlang der Schienen bzw. innerhalb eines begrenzten Zeitraums auf das erste Rad folgend, ein zweites Rad desselben Radsatzes.
Der beschriebene Entgleisungsvorgang wird messtechnisch in vorteilhafter Weise erfasst, da an beiden Radsatzenden
Messungen durchgeführt werden und Fallgeschwindigkeiten, d.h. die erste Fallgeschwindigkeit und die zweite
Fallgeschwindigkeit, mit zwei unterschiedlichen
Fallgeschwindigkeitsgrenzwerten, d.h. dem ersten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert und dem zweiten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert, verglichen werden.
Der zweite Fallgeschwindigkeitsgrenzwert bezieht sich auf ein nachfolgend entgleisendes Rad und ist betragsmäßig größer als der auf ein anfänglich entgleisendes Rad bezogene, erste Fallgeschwindigkeitsgrenzwert .
Werden an dem Radsatz aufeinanderfolgend sowohl eine
Entgleisung in Richtung einer Schienenaußenseite als auch eine Entgleisung in Richtung einer Schieneninnenseite
festgestellt, so wird ein Entgleisungszustand des Radsatzes bzw. des Schienenfahrzeugs detektiert. Dadurch Einbeziehung beider Räder des Radsatzes in das erfindungsgemäße Verfahren wird ein Risiko von Fehlalarmen reduziert.
Es ist günstig, dass mittels der zumindest einen
Recheneinheit aus den Messsignalen Werte eines erster
Fallwegs bezüglich des ersten Radsatzendabschnitts und Werte eines zweiten Fallwegs bezüglich des zweiten
Radsatzendabschnitts gebildet werden und mittels eines zweiten Vergleichsvorgangs des ersten Fallwegs und des zweiten Fallwegs mit einem ersten Fallwegsgrenzwert und einem zweiten Fallwegsgrenzwert, welcher betragsmäßig kleiner ist als der erste Fallwegsgrenzwert, ein Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs zumindest dann detektiert wird, wenn der erste Fallweg betragsmäßig gleich oder größer ist als der erste Fallwegsgrenzwert und der zweite Fallweg betragsmäßig gleich oder größer ist als der zweite Fallwegsgrenzwert.
Durch Einbeziehung von Fallwegen in das erfindungsgemäße Verfahren, d.h. des ersten Fallwegs bezüglich des ersten Rads des Radsatzes und des zweiten Fallwegs bezüglich des zweiten Rads des Radsatzes, wird eine Detektion eines
Entgleisungszustands des Schienenfahrzeugs zusätzlich
abgesichert. Das Risiko von Fehlalarmen im Hinblick auf eine Feststellung von Entgleisungszuständen wird weiter reduziert.
Eine Steigerung einer Detektionsgenauigkeit wird ferner erzielt, wenn ein Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs zumindest dann detektiert wird, wenn ein Erreichen oder ein Überschreiten des ersten Fallgeschwindigkeitsgrenzwerts und des zweiten Fallgeschwindigkeitsgrenzwerts durch die erste Fallgeschwindigkeit und die zweite Fallgeschwindigkeit innerhalb einer Übergangszeit oder innerhalb einer
Übergangswegstrecke erfolgt.
Durch diese Maßnahme wird eine Kopplung einer Entgleisung des ersten Rads mit einer Entgleisung des zweiten Rads
berücksichtigt .
Eine vorteilhafte Ausgestaltung erhält man, wenn eine
Zwangsbremsung des Schienenfahrzeugs ausgelöst wird, wenn ein Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs detektiert wird. Durch diese Maßnahme wird eine möglichst rasche
Wiederherstellung eines sicheren Zustands des
Schienenfahrzeugs, seiner Insassen und seiner Fracht etc. erreicht .
Eine günstige Lösung wird erzielt, wenn Informationen über einen Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs mittels Funk von dem Schienenfahrzeug an eine infrastrukturseitige
Einrichtung übertragen werden.
Durch diese Maßnahme können im Fall einer Entgleisung des Schienenfahrzeugs rasch Einsatzorganisationen zur Bergung des Schienenfahrzeugs, Versorgung von Insassen etc. aktiviert werden und Ersatzverkehre etc. eingerichtet werden.
Weiterhin kann es auch vorteilhaft sein, wenn Informationen über einen Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs an einen Führerstand des Schienenfahrzeugs übertragen und in dem
Führerstand ausgegeben werden.
Durch diese Maßnahme wird auch ein Triebfahrzeugführer unmittelbar über die Entgleisung informiert.
Nachfolgend wird die Erfindung anhand von
Ausführungsbeispielen näher erläutert.
Es zeigen beispielhaft:
Fig. 1: Ein Fahrwerk eines Schienenfahrzeugs mit einem ersten Sensor und einem zweiten Sensor sowie einen Wagenkasten des
Schienenfahrzeugs mit einer
Recheneinheit, wobei der erste Sensor und der zweite Sensor signalübertragend mit der Recheneinheit verbunden sind,
Fig. 2: Einen ersten Radsatz eines
Schienenfahrzeugs während einer
Entgleisung, und
Fig. 3: Ein Flussdiagramm zu einer beispielhaften
Ausführungsvariante eines
erfindungsgemäßen Verfahrens zur
Detektion von Entgleisungszuständen eines Schienenfahrzeugs .
Fig. 1 zeigt ein beispielhaftes Schienenfahrzeug mit einem Fahrwerk 16 und einem Wagenkasten 15.
Das Fahrwerk 16 umfasst einen primärgefederten
Fahrwerksrahmen 17, welcher über ein erstes Radsatzlager, welches ein erstes Radsatzlagergehäuse 10 aufweist und über ein zweites Radsatzlager, welches ein in Fig. 2 sichtbares zweites Radsatzlagergehäuse 11 aufweist, mit einem ersten Radsatz 13 sowie über ein drittes Radsatzlager, welches ein drittes Radsatzlagergehäuse 12 aufweist und über ein viertes Radsatzlager, welches ein viertes Radsatzlagergehäuse
aufweist, mit einem zweiten Radsatz 14 verbunden ist.
Auf dem Fahrwerksrahmen 17 ist eine Sekundärfedervorrichtung 18 angeordnet, über welche das Fahrwerk 16 mit dem
Wagenkasten 15 verbunden ist.
Auf dem ersten Radsatzlagergehäuse 10 ist ein erster Sensor 1 vorgesehen, auf dem zweiten Radsatzlagergehäuse 11 ein in Fig. 2 sichtbarer, zweiter Sensor 2. Weiterhin ist auf dem dritten Radsatzlagergehäuse 12 ein dritter Sensor angeordnet und auf dem vierten Radsatzlagergehäuse ein vierter Sensor, die jedoch nicht gezeigt sind.
Mittels des ersten Sensors 1 und des zweiten Sensors 2 werden Entgleisungen des ersten Radsatzes 13 festgestellt, mittels des dritten Sensors und des vierten Sensors Entgleisungen des zweiten Radsatzes 14.
Der erste Sensor 1, der zweite Sensor 2, der dritte Sensor und der vierte Sensor sind als piezoelektrische
Beschleunigungssensoren ausgeführt, welche Beschleunigungen, d.h. eine kinematische Größe, des Schienenfahrzeugs in drei Raumrichtungen messen, wobei auch Beschleunigungen normal zu einer Schienenebene 19 erfasst werden.
Erfindungsgemäß ist es jedoch auch vorstellbar, den ersten Sensor 1, den zweiten Sensor 2, den dritten Sensor und den vierten Sensor als Abstandssensoren, z.B. als
Laserentfernungsmesser, oder als Geschwindigkeitssensoren, z.B. als Doppler-Radarsensor, auszuführen. Erfindungsgemäß ist weiterhin eine gemischte Ausstattung denkbar, wobei
beispielsweise der erste Sensor 1 als Beschleunigungssensor ausgeführt ist und der zweite Sensor 2 als Abstandssensor bzw. als Geschwindigkeitssensor oder der erste Sensor 1 als Geschwindigkeitssensor und der zweite Sensor 2 als
Abstandssensor usw.
Ist keiner der Sensoren als Geschwindigkeitssensor
ausgeführt, so erfolgt, wie im Zusammenhang mit Fig. 3 beschrieben, eine Transformation von mittels der Sensoren aufgenommenen Beschleunigungen oder Abständen in
Fallgeschwindigkeitswerte .
Von dem ersten Sensor 1, dem zweiten Sensor 2, dem dritten Sensor und dem vierten Sensor gemessene Beschleunigungen werden als Messsignale über eine erste Kabelleitung 20, eine nicht sichtbare zweite Kabelleitung sowie, nicht dargestellt, eine dritte Kabelleitung und eine vierte Kabelleitung an eine in dem Wagenkasten 15, d.h. in einem Wagen angeordnete
Recheneinheit 5 übertragen und darin zur Detektion von
Entgleisungszuständen des Schienenfahrzeugs ausgewertet.
Der erste Sensor 1 ist über die erste Kabelleitung 20 mit der Recheneinheit 5 signalübertragend verbunden, der zweite
Sensor 2 über die zweite Kabelleitung, der dritte Sensor über die dritte Kabelleitung und der vierte Sensor über die vierte Kabelleitung .
Die Recheneinheit 5 ist über ein nicht gezeigtes
Bordstromnetz des Schienenfahrzeugs mit Elektrizität
versorgt. Die Recheneinheit 5 wiederum versorgt über die erste Kabelleitung 20, die zweite Kabelleitung, die dritte Kabelleitung und die vierte Kabelleitung den ersten Sensor 1, den zweiten Sensor 2, den dritten Sensor und den vierten Sensor mit Elektrizität.
Erfindungsgemäß kann auch vorgesehen sein, dass eine
Signalübertragung zwischen dem ersten Sensor 1, dem zweiten Sensor 2, dem dritten Sensor und dem vierten Sensor
einerseits sowie der Recheneinheit 5 andererseits mittels einer Funkverbindung erfolgt.
In Fig. 2 ist ein beispielhafter erster Radsatz 13 eines Schienenfahrzeugs, welcher auch in Fig. 1 gezeigt ist, dargestellt .
Der erste Radsatz 13 weist ein erstes Rad 21 und ein zweites Rad 22 auf, welche über eine Radsatzwelle 23 miteinander verbunden sind. Zur Verbindung des ersten Radsatzes 13 mit einem in Fig. 1 dargestellten Fahrwerksrahmen 17 sind ein erstes Radsatzlager mit einem ersten Radsatzlagergehäuse 10 und ein zweites Radsatzlager mit einem zweiten
Radsatzlagergehäuse 11 vorgesehen.
Auf dem ersten Radsatzlagergehäuse 10 ist ein erster Sensor 1 angeordnet, auf dem zweiten Radsatzlagergehäuse 11 ein zweiter Sensor 2. Der erste Sensor 1 und der zweite Sensor 2 sind als Beschleunigungssensoren ausgeführt und messen
Beschleunigungen in drei Raumrichtungen, wodurch u.a.
Beschleunigungen normal zu einer Schienenebene 19 erfasst werden. Der erste Sensor 1 misst Beschleunigungen bezüglich eines ersten Radsatzendabschnitts 3 bzw. bezüglich des ersten Radsatzlagergehäuses 10, der zweite Sensor 2 misst
Beschleunigungen bezüglich eines zweiten Radsatzendabschnitts 4 bzw. bezüglich des zweiten Radsatzlagergehäuses 11.
Der erste Sensor 1 und der zweite Sensor 2 messen also eine kinematische Größe, nämlich die Beschleunigung bezogen auf den ersten Radsatzendabschnitt 3 und den zweiten
Radsatzendabschnitt 4.
Erfindungsgemäß ist es jedoch auch vorstellbar, weitere bzw. andere kinematische Größen zu messen, z.B. Geschwindigkeiten mittels eines Geschwindigkeitssensors oder Wege bzw. Abstände zwischen dem ersten Radsatz mittels eines Abstandssensors.
Der erste Radsatzendabschnitt 3 und der zweite
Radsatzendabschnitt 4 sind Randabschnitte des ersten
Radsatzes 13 und umfassen, in Längsrichtung des ersten
Radsatzes 13 betrachtet, jeweils rund 30 % des ersten
Radsatzes 13.
Aus Beschleunigungsmesssignalen des ersten Sensors 1 und des zweiten Sensors 2 werden in einer in Fig. 1 gezeigten
Recheneinheit 5 mittels eines im Zusammenhang mit Fig. 3 beschriebenen ersten Integrationsvorgangs 8
Fallgeschwindigkeitswerte des ersten Radsatzes 13 bestimmt, nämlich Werte einer ersten Fallgeschwindigkeit vfi bezüglich des ersten Radsatzendabschnitts 3 bzw. des ersten
Radsatzlagergehäuses 10 und Werte einer zweiten
Fallgeschwindigkeit vf2 bezüglich des zweiten
Radsatzendabschnitts 4 bzw. des zweiten Radsatzlagergehäuses 11. Bei der ersten Fallgeschwindigkeit vfi und der zweiten Fallgeschwindigkeit vf2 handelt es sich um Geschwindigkeiten normal zu der Schienenebene 19.
In Fig. 2 ist ein Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs dargestellt. Das erste Rad 21 entgleist in Richtung einer Außenseite 24 eines Gleises 25, das zweite Rad 22 in Richtung einer Innenseite 26 des Gleises 25.
Die erste Fallgeschwindigkeit vfi ist kleiner als die zweite Fallgeschwindigkeit vf2, jedoch größer als ein erster
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi . Die zweite
Fallgeschwindigkeit vf2 überschreitet einen zweiten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2, welcher größer ist als der erste Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi . Der zweite
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 ist deshalb größer als der erste Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi, da das zweite Rad 22 auf das erste Rad 21, welches auf einen ersten Schienenkopf 27 aufklettert, folgend entgleist und da folglich auf das zweite Rad 22 eine größere Vorspannung einer Primärfederung wirkt als auf das erste Rad 21.
In der Recheneinheit 5 werden mittels eines im Zusammenhang mit Fig. 3 beschriebenen zweiten Integrationsvorgangs 9 aus den Werten der ersten Fallgeschwindigkeit vf2 Werte eines ersten Fallwegs Sfi und aus den Werten der zweiten
Fallgeschwindigkeit vf2 Werte eines zweiten Fallwegs Sf2 bestimmt .
Bei dem ersten Fallweg Sfi handelt es sich um einen Weg des ersten Radsatzendabschnitts 3 bzw. des ersten
Radsatzlagergehäuses 10 normal zu der Schienenebene 19, bei dem zweiten Fallweg Sf2 um einen Weg des zweiten
Radsatzendabschnitts 4 bzw. des zweiten Radsatzlagergehäuses 11 normal zu der Schienenebene 19.
Da das erste Rad 21 mit dessen Spurkranz 30 auf den ersten Schienenkopf 27 aufklettert und erst anschließend hinab gleitet, während das zweite Rad 22 unmittelbar über dessen Lauffläche 29 von einem zweiten Schienenkopf 28 abgleitet, ist, am Ende einer Entgleisung des ersten Radsatzes 13, der insgesamt zurückgelegte erste Fallweg Sfi größer als der insgesamt zurückgelegte zweite Fallweg Sf2.
Entsprechend ist ein erster Fallwegsgrenzwert sgi größer definiert als ein zweiter Fallwegsgrenzwert sg2.
In der Recheneinheit 5 werden ein auch im Zusammenhang mit Fig. 3 beschriebener erster Vergleichsvorgang 6 zum Vergleich der ersten Fallgeschwindigkeit vfi und der zweiten
Fallgeschwindigkeit vf2 mit dem ersten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi und dem zweiten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 sowie ein ebenfalls auch im Zusammenhang mit Fig. 3 erläuterter zweiter Vergleichsvorgang 7 zum Vergleich des ersten Fallwegs Sfi und des zweiten
Fallwegs Sf2 mit dem ersten Fallwegsgrenzwert sgi und dem zweiten Fallwegsgrenzwert sg2 durchgeführt.
Ein Entgleisungszustand des ersten Radsatzes 13 bzw. des Schienenfahrzeugs wird dabei dann detektiert, wenn die erste Fallgeschwindigkeit vf2 betragsmäßig gleich oder größer ist als der erste Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi, die zweite Fallgeschwindigkeit vf2 betragsmäßig gleich oder größer ist als der zweite Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2, der erste Fallweg Sfi betragsmäßig gleich oder größer ist als der erste Fallwegsgrenzwert sgi und der zweite Fallweg Sf2 betragsmäßig gleich oder größer ist als der zweite Fallwegsgrenzwert sg2.
Bei Einbeziehung des zweiten Vergleichsvorgangs 7 handelt es sich um eine besonders günstige Lösung. Erfindungsgemäß ist es jedoch auch denkbar, auf eine Bestimmung und Auswertung des ersten Fallwegs Sfi und des zweiten Fallwegs Sf2 zu verzichten und einen Entgleisungszustand des
Schienenfahrzeugs ausschließlich auf Grundlage des ersten Vergleichsvorgangs 6, d.h. auf Grundlage von
Fallgeschwindigkeiten, zu detektieren.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist selbstverständlich auch dazu eingerichtet, einen Entgleisungszustand des
Schienenfahrzeugs zu detektieren, bei welchem das zweite Rad 22 in Richtung der Außenseite 24 des Gleises 25 entgleist und das erste Rad 21 in Richtung der Innenseite 26 des Gleises 25.
Fig. 3 offenbart ein Flussdiagramm einer beispielhaften
Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen, teilweise computerimplementierten Verfahrens zur Entgleisungsdetektion für ein Schienenfahrzeug.
Von einem ersten Sensor 1 und einem zweiten Sensor 2, welche als Beschleunigungssensoren ausgeführt und, wie in Fig. 1 bzw. Fig. 2 gezeigt, auf einem Fahrwerk 16 des
Schienenfahrzeugs angeordnet sind, werden Beschleunigungen in alle Raumrichtungen, d.h. auch normal zu einer, ebenfalls in Fig. 1 bzw. Fig. 2 gezeigten Schienenebene 19 erfasst.
Diese Beschleunigungen beziehen sich, wie in Fig. 2 gezeigt, auf einen ersten Radsatzendabschnitt 3 eines ersten Radsatzes 13 mit einem ersten Rad 21 und einem zweiten Rad 22 sowie einen zweiten Radsatzendabschnitt 4 des ersten Radsatzes 13 und werden, wie in Fig. 1 dargestellt, als Messsignale über eine erste Kabelleitung 20 und eine zweite Kabelleitung an eine in einem Wagenkasten 15 des Schienenfahrzeugs
angeordnete Recheneinheit 5 übertragen.
In der Recheneinheit 5 erfolgt eine Signalverarbeitung 31 und eine Signalauswertung 32. Dabei werden aus den Messsignalen
Beschleunigungsinformationen extrahiert und in
Beschleunigungskomponenten, u.a. in eine
Beschleunigungskomponente normal zu der Schienenebene 19 transformiert. Weiterhin werden über die Signalauswertung 32 die Messsignale gefiltert, um niederfrequente Störungen, welche beispielsweise von Drifterscheinungen und
elektromagnetischen Einstreuungen verursacht sein können, zu eliminieren. Hierzu ist ein aus dem Stand der Technik bekannter Bessel- bzw. Hochpassfilter eingesetzt.
Von dem ersten Sensor 1 gemessene und auf den ersten
Radsatzendabschnitt 3 bezogene Beschleunigungen normal zu der Schienenebene 19, erste z-Beschleunigungen azi, werden
anschließend mittels eines ersten Integrationsvorgangs 8 nach einer ersten Bildungsvorschrift über eine Entgleisungsdauer t
e integriert:
Die erste Bildungsvorschrift umfasst neben der ersten z- Beschleunigung azi und der Entgleisungsdauer te weiterhin eine Zeit t, eine erste Startzeit toi, eine erste z- Geschwindigkeit vzi des ersten Radsatzendabschnitts 3 normal zu der Schienenebene 19 sowie eine erste z- Startgeschwindigkeit vzoi des ersten Radsatzendabschnitts 3 normal zu der Schienenebene 19. Die erste Startzeit toi und die erste z-Startgeschwindigkeit vzoi werden entsprechend eingesetzt, z.B. zu Beginn des erfindungsgemäßen Verfahrens mit toi = 0 und vzoi = 0, wobei natürlich auch andere
Startwerte denkbar sind.
Der erste Integrationsvorgang 8 bezieht sich weiterhin auch auf eine zweite Bildungsvorschrift, nach welcher von dem zweiten Sensor 2 erfasste und auf den zweiten
Radsatzendabschnitt 4 bezogene Beschleunigungen normal zu der
Schienenebene 19, zweite z-Beschleunigungen a
Z2, integriert werden :
Die zweite Bildungsvorschrift umfasst neben der zweiten z- Beschleunigung aZ2 und der Entgleisungsdauer te weiterhin die Zeit t, eine zweite Startzeit t02, eine zweite z- Geschwindigkeit vZ2 des zweiten Radsatzendabschnitts 4 normal zu der Schienenebene 19 sowie eine zweite z- Startgeschwindigkeit vZ02 des zweiten Radsatzendabschnitts 4 normal zu der Schienenebene 19. Die zweite Startzeit t02 und die zweite z-Startgeschwindigkeit vZ02 werden entsprechend eingesetzt, z.B. zu Beginn des erfindungsgemäßen Verfahrens mit 102 = 0 und vZ02 = 0, wobei natürlich auch andere
Startwerte denkbar sind.
Bei der Entgleisungsdauer te handelt es sich um eine
empirische Größe, welche mittels Simulationen und/oder
Betriebsbeobachtungen aus einer Vielzahl von Analysen von Entgleisungsvorgängen von Schienenfahrzeugen ermittelt wird. Sie bezieht sich auf eine maximale Zeitdauer eines
Entgleisungsvorgangs eines Rads .
Erfindungsgemäß ist es jedoch auch vorstellbar, die
Entgleisungsdauer te auf eine Zeitdauer zu beziehen, ab welcher mit Sicherheit von einer Entgleisung eines Rads ausgegangen werden kann, wobei diese Zeitdauer geringer ist als die maximale Zeitdauer eines Entgleisungsvorgangs.
Weiterhin ist es denkbar, für die erste Bildungsvorschrift eine erste Entgleisungsdauer und für die zweite
Bildungsvorschrift eine zweite Entgleisungsdauer vorzusehen, welche unterschiedliche Werte aufweisen.
Die Entgleisungsdauer te beträgt in dieser beispielhaften Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens 3 s, wobei selbstverständlich auch andere Beträge vorstellbar sind .
Aus der ersten Vorschrift wird eine auf den ersten Radsatzendabschnitt 3 bezogene erste Fallgeschwindigkeit vfi ermittelt .
Aus der zweiten Vorschrift wird eine auf den zweiten
Radsatzendabschnitt 4 bezogene zweite Fallgeschwindigkeit vf2 bestimmt .
Weiterhin erfolgt ein zweiter Integrationsvorgang 9, mittels dessen aus der ersten Fallgeschwindigkeit vfi ein erster Fallweg Sfi und aus der zweiten Fallgeschwindigkeit vf2 ein zweiter Fallweg Sf2 bestimmt werden.
Eine dritte Bildungsvorschrift zur Bestimmung des ersten Fallwegs Sfi mittels zeitfreier Integration lautet
Neben aus der ersten Bildungsvorschrift bereits bekannten Parametern umfasst die dritte Bildungsvorschrift einen ersten z-Weg szi normal zu der Schienenebene 19 sowie einen ersten z-Startweg szoi des ersten Radsatzendabschnitts 3 normal zu der Schienenebene 19 als Integrationsgrenze, welcher zu
Beginn des erfindungsgemäßen Verfahrens szoi = 0 gesetzt ist, wobei jedoch auch andere Startwerte denkbar sind.
Eine vierte Bildungsvorschrift zur Bestimmung des zweiten Fallwegs S
f2 mittels zeitfreier Integration lautet wie folgt:
Neben aus der zweiten Bildungsvorschrift und der dritten Bildungsvorschrift bereits bekannten Parametern umfasst die vierte Bildungsvorschrift einen zweiten z-Weg sz2 des zweiten Radsatzendabschnitts 4 normal zu der Schienenebene 19 sowie einen zweiten z-Startweg szo2 des zweiten Radsatzendabschnitts
4 normal zu der Schienenebene 19 als Integrationsgrenze, welcher zu Beginn des erfindungsgemäßen Verfahrens sZ02 = 0 gesetzt ist, wobei jedoch auch andere Startwerte denkbar sind .
Erfindungsgemäß ist es auch vorstellbar, anstatt der
zeitfreien Integrationen zur Bildung des ersten Fallwegs Sfi und des zweiten Fallwegs Sf2, den ersten Fallweg Sfi und den zweiten Fallweg Sf2 über zweifach-zeitliche Integrationen über die Entgleisungsdauer te aus der ersten z-Beschleunigung azi und der zweiten z-Beschleunigung az2 zu ermitteln.
Der erste Integrationsvorgang 8 mit der ersten
Bildungsvorschrift und der zweiten Bildungsvorschrift sowie der zweite Integrationsvorgang 9 mit der dritten
Bildungsvorschrift und der vierten Bildungsvorschrift werden mittels der Recheneinheit 5 numerisch durchgeführt, wobei für die erste z-Geschwindigkeit vzi, die zweite z-Geschwindigkeit vz2, den ersten z-Weg sz2 und den zweiten z-Weg sz2 je
Zeitschritt Zwischenergebnisse gebildet werden, welche wiederum als erste z-Startgeschwindigkeit vzoi, zweite z- Startgeschwindigkeit vzo2, erster z-Startweg szoi und zweiter s-Startweg szo2 für einen zeitlich auf einen ersten
Integrationsdurchgang folgenden zweiten Integrationsdurchgang eingesetzt werden.
Oben genannte Zwischenergebnisse werden in dieser
beispielhaften Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens auch zur Detektion von Entgleisungszuständen des Schienenfahrzeugs eingesetzt, d.h. mit einem ersten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi, einem zweiten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2, einem ersten
Fallwegsgrenzwert sgi und einem zweiten Fallwegsgrenzwert sg2 verglichen, und werden daher ebenfalls als erste
Fallgeschwindigkeiten vfi, zweite Fallgeschwindigkeiten vf2, erste Fallwege Sfi und zweite Fallwege Sf2 betrachtet.
Es wird ein erster Vergleichsvorgang 6 durchgeführt, bei welchem die erste Fallgeschwindigkeit vfi mit dem ersten Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi sowie dem zweiten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 verglichen wird und die zweite Fallgeschwindigkeit vf2 ebenfalls mit dem ersten Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi sowie dem zweiten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 verglichen wird.
Der erste Fallgeschwindigkeitsgrenzwertwert vgi mit einem Betrag von 3 m/s bezieht sich, wie in Fig. 2 gezeigt, auf eine Entgleisung des ersten Rads 21 in Richtung einer
Außenseite 24 eines Gleises 25, und ist kleiner als der zweite Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2, welcher sich, wie ebenfalls in Fig. 2 dargestellt, auf eine Entgleisung des zweiten Rads 22 in Richtung einer Innenseite 26 des Gleises 25 bezieht und 4 m/s beträgt.
Der erste Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi und der zweite Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 werden empirisch mittels Simulationen und/oder Betriebsbeobachtungen aus einer
Vielzahl von Analysen von Entgleisungsvorgängen von
Schienenfahrzeugen ermittelt. Abhängig von dem
Schienenfahrzeug und dessen Betrieb sowie von einer
Bahninfrastruktur können verschiedene Beträge, d.h. auch andere Beträge als die oben angeführten, für den ersten Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi und den zweiten
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 eingesetzt werden.
Darüber hinaus erfolgt ein zweiter Vergleichsvorgang 7, bei welchem der erste Fallweg Sfi mit dem ersten
Fallwegsgrenzwert sgi sowie dem zweiten Fallwegsgrenzwert sg2 verglichen wird und der zweite Fallweg Sf2 ebenfalls mit dem ersten Fallwegsgrenzwert sgi und dem zweiten
Fallwegsgrenzwert sg2 verglichen wird.
Der erste Fallwegsgrenzwert sgi beträgt in dieser
beispielhaften Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens 210 mm und bezieht sich auf eine Entgleisung des ersten Rads 21 in Richtung der Außenseite 24 des Gleises 25,
während sich der zweite Fallwegsgrenzwert sg2, welcher in dieser beispielhaften Ausführungsvariante eines
erfindungsgemäßen Verfahrens 180 mm beträgt, auf eine
Entgleisung des zweiten Rads 22 in Richtung der Innenseite 26 des Gleises 25 bezieht.
Der zweite Fallwegsgrenzwert sg2 ist aus einer Schienenhöhe bestimmt, der erste Fallwegsgrenzwert sgi darüber hinaus noch aus einer Rad-Spurkranzhöhe.
Abhängig von Schienenfahrzeug und Infrastruktur können natürlich auch andere Beträge als die oben angeführten für den ersten Fallwegsgrenzwert sgi und den zweiten
Fallwegsgrenzwert sg2 eingesetzt werden.
Die erste Fallgeschwindigkeit vfi, die zweite
Fallgeschwindigkeit vf2 sowie der erste Fallweg Sfi und der zweite Fallweg Sf2 definieren Bewegungen nach unten und sind mit positiven Vorzeichen definiert. Der erste
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi, der zweite
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2, der erste
Fallwegsgrenzwert sgi und der zweite Fallwegsgrenzwert sg2 sind ebenfalls mit positiven Vorzeichen definiert.
Ein Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs wird dann detektiert, wenn die erste Fallgeschwindigkeit vfi
betragsmäßig gleich oder größer ist als der erste
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vgi, die zweite
Fallgeschwindigkeit vf2 betragsmäßig gleich oder größer ist als der zweite Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2, der erste Fallweg Sfi betragsmäßig gleich oder größer ist als der erste Fallwegsgrenzwert sgi und der zweite Fallweg Sf2 betragsmäßig gleich oder größer ist als der zweite Fallwegsgrenzwert sg2.
Demzufolge wird ein Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs auch dann detektiert, wenn neben der zweiten
Fallgeschwindigkeit vf2 auch die erste Fallgeschwindigkeit vfi betragsmäßig gleich oder größer ist als der zweite
Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 und/oder neben dem ersten
Fallweg Sfi auch der zweite Fallweg Sf2 gleich oder größer ist als der erste Fallwegsgrenzwert sgi .
Über den ersten Vergleichsvorgang 6 bzw. den zweiten
Vergleichsvorgang 7 hinaus muss für eine Detektion eines Entgleisungszustands des Schienenfahrzeugs ein Erreichen bzw. Überschreiten des ersten Fallgeschwindigkeitsgrenzwerts vgi und des zweiten Fallgeschwindigkeitsgrenzwerts vg2 bzw. des ersten Fallwegsgrenzwerts sgi und des zweiten
Fallwegsgrenzwerts sg2 durch die erste Fallgeschwindigkeit vf2 und die zweite Fallgeschwindigkeit vf2 bzw. den ersten
Fallweg Sfi und den zweiten Fallweg Sf2 innerhalb einer
Übergangszeit tu und innerhalb einer mit der Übergangszeit tu korrelierenden Übergangswegstrecke su des Schienenfahrzeugs erfolgen. Eine Entgleisung des ersten Rads 21 muss demnach mit einer Entgleisung des zweiten Rads 22 zeitlich und örtlich gekoppelt sein.
Die Übergangszeit tu wird empirisch mittels Simulationen und/oder Betriebsbeobachtungen aus einer Vielzahl von
Analysen von Entgleisungsvorgängen von Schienenfahrzeugen ermittelt. Die Übergangswegstrecke su wird aus Multiplikation einer Fahrgeschwindigkeit des Schienenfahrzeugs mit der
Übergangszeit tu ermittelt.
In dieser beispielhaften Ausführungsvariante eines
erfindungsgemäßen Verfahrens wird eine Übergangszeit tu von 10 s eingesetzt, wobei erfindungsgemäß auch andere Beträge für die Übergangszeit tu denkbar sind.
Sind beispielsweise sowohl die erste Fallgeschwindigkeit vf2 als auch die zweite Fallgeschwindigkeit vf2 kleiner als der zweite Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 und/oder sowohl der erste Fallweg Sfi als auch der zweite Fallweg Sf2 kleiner als der erste Fallwegsgrenzwert sgi, so liegt kein
Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs vor und wird kein Entgleisungszustand detektiert.
Weiterhin liegt beispielsweise kein Entgleisungszustand vor und wird kein Entgleisungszustand detektiert, wenn die erste
Fallgeschwindigkeit vfi oder die zweite Fallgeschwindigkeit vf2 kleiner ist als der erste Fallgeschwindigkeitsgrenzwert n5i und/oder der erste Fallweg Sn oder der zweite Fallweg Sf2 kleiner ist als der zweite Fallwegsgrenzwert sg2.
Es ist natürlich möglich, dass jene Seite des ersten
Radsatzes 13 mit dem ersten Radsatzendabschnitt 3 bzw. das erste Rad 21 in Richtung der Innenseite 26 des Gleises 25 entgleist und jene Seite des ersten Radsatzes 13 mit dem zweiten Radsatzendabschnitt 4 bzw. das zweite Rad 22 in
Richtung der Außenseite 24 des Gleises 25, d.h. umgekehrt, wie für diese beispielhafte Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt. Zur Überprüfung eines derartigen Szenarios, welche in dem erfindungsgemäßen Szenario ebenfalls immer durchgeführt wird, wird der zweite Radsatzendabschnitt 4 als der erste Radsatzendabschnitt 3 betrachtet und der erste Radsatzendabschnitt 3 als der zweite Radsatzendabschnitt 4. Die Überprüfung dieses Szenarios wird nach jenem im Zusammenhang mit Fig. 3 beschriebenen Schema durchgeführt .
Bei Einbeziehung des zweiten Vergleichsvorgangs 7 in das erfindungsgemäße Verfahren handelt es sich um eine besonders günstige Lösung. Erfindungsgemäß ist es jedoch auch denkbar, auf eine Bestimmung und Auswertung des ersten Fallwegs Sfi und des zweiten Fallwegs Sf2 zu verzichten und einen
Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs ausschließlich auf Grundlage des ersten Vergleichsvorgangs 6 zu detektieren.
Messungen der Beschleunigungen, die Signalverarbeitung 31, die Signalauswertung 32, der erste Integrationsvorgang 8, der zweite Integrationsvorgang 9, der erste Vergleichsvorgang 6, der zweite Vergleichsvorgang 7, für einzelne
Verfahrensschritte erforderliche Datenübertragungen sowie eine Erzeugung von Informationen über einen etwaigen
Entgleisungszustand des ersten Radsatzes 13 bzw. des
Schienenfahrzeugs werden kontinuierlich während eines
Betriebs des Schienenfahrzeugs mit einer Frequenz von 10 Hz durchgeführt .
Erfindungsgemäß ist es natürlich auch möglich, eine andere Frequenz vorzusehen, die Frequenz zu variieren oder
unterschiedliche Verfahrensschritte mit unterschiedlichen Frequenzen durchzuführen.
Verfahrensschritte wie z.B. der erste Integrationsvorgang 8 und der zweite Integrationsvorgang 9 oder der erste
Vergleichsvorgang 6 und der zweite Vergleichsvorgang 7 können zeitlich sequentiell oder zeitlich parallel durchgeführt werden .
Bei einem detektierten Entgleisungszustand wird eine
Zwangsbremsung des Schienenfahrzeugs ausgelöst
(Zwangsbremsauslösung 33) . Hierzu ist die Recheneinheit 5 mit einer nicht gezeigten Bremsvorrichtung des Schienenfahrzeugs, für diese beispielhafte Ausführungsvariante eines
erfindungsgemäßen Verfahrens mit einem Bremssteuergerät, verbunden .
Weiterhin weist das Schienenfahrzeug eine nicht dargestellte Fahrzeugantenne auf, mit welcher die Recheneinheit 5
verbunden ist und über welche Informationen über einen
Entgleisungszustand des Schienenfahrzeugs an eine nicht gezeigte infrastrukturseitige Einrichtung, für diese
beispielhafte Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens an eine Leitzentrale, übertragen werden.
Erfindungsgemäß ist es auch denkbar, die Recheneinheit 5 über entsprechende Leitungswege mit einer Ausgabeeinheit, d.h. z.B. mit einer Anzeige und/oder einem Audiosystem, in einem Führerstand des Schienenfahrzeugs zu verbinden und
Informationen über einen Entgleisungszustand visuell und/oder akustisch an einen Triebfahrzeugführer auszugeben.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann selbstverständlich sowohl für Schienenfahrzeuge mit Radsatz-Fahrwerken als auch für Schienenfahrzeuge mit Losrad-Fahrwerken bzw. Losradsätzen,
wie sie beispielsweise für Niederflurstraßenbahnen vorgesehen sind, eingesetzt werden. Es ist keine mechanische Kopplung zwischen dem ersten Rad 21 und dem zweiten Rad 22
erforderlich .
Liste der Bezeichnungen
1 Erster Sensor
2 Zweiter Sensor
3 Erster Radsatzendabschnitt
4 Zweiter Radsatzendabschnitt
5 Recheneinheit
6 Erster Vergleichsvorgang
7 Zweiter Vergleichsvorgang
8 Erster Integrationsvorgang
9 Zweiter Integrationsvorgang
10 Erstes Radsatzlagergehäuse 11 Zweites Radsatzlagergehäuse 12 Drittes Radsatzlagergehäuse
13 Erster Radsatz
14 Zweiter Radsatz
15 Wagenkasten
1 6 Fahrwerk
17 Fahrwerksrahmen
18 Sekundärfedervorrichtung
1 9 Schienenebene
20 Erste Kabelleitung
21 Erstes Rad
22 Zweites Rad
23 Radsatzwelle
24 Außenseite
25 Gleis
2 6 Innenseite
27 Erster Schienenkopf
28 Zweiter Schienenkopf
2 9 Lauffläche
30 Spurkranz
31 SignalVerarbeitung
32 Signalauswertung
33 Zwangsbremsauslösung
Vfi Erste Fallgeschwindigkeit
vf2 Zweite Fallgeschwindigkeit n5i Erster Fallgeschwindigkeitsgrenzwert vg2 Zweiter Fallgeschwindigkeitsgrenzwert sn Erster Fallweg
sf2 Zweiter Fallweg
Sgi Erster Fallwegsgrenzwert
sg2 Zweiter Fallwegsgrenzwert
tu Übergangszeit
su Übergangswegstrecke
te Entgleisungsdauer
azi Erste z-Beschleunigung
aZ2 Zweite z-Beschleunigung
t Zeit
toi Erste Startzeit
102 Zweite Startzeit
vzi Erste z-Geschwindigkeit
vz2 Zweite z-Geschwindigkeit
vzoi Erste z-Startgeschwindigkeit
vzo2 Zweite z-Startgeschwindigkeit
szi Erster z-Weg
sZ2 Zweiter z-Weg
szoi Erster z-Startweg
szo2 Zweiter z-Startweg