AT113987B - Verfahren zum Beschweren und gleichzeitigem Mattieren von Seide. - Google Patents

Verfahren zum Beschweren und gleichzeitigem Mattieren von Seide.

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Rene Dr Clavel
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  Verfahren zum Beschweren und gleichzeitigem Mattieren von Seide. 



   Bei den bisherigen Verfahren zum Mattieren von Natur-und Kunstseiden, sei es in   Strängen   oder in fertigen Geweben, wird das Textilgut in den Färbereien kurz nach dem Färben in einem Bariumchloridbade behandelt, dem man entweder nach und nach Schwefelsäure oder lösliche Sulfate zusetzt oder auf das man ein Bad von verdünnter Glaubersalzlösung folgen lässt, wodurch auf der Faser Bariumsulfat ausgefällt wird, dessen Überschuss durch Waschen entfernt wird. In den Appreturen zieht man die Gewebe durch eine Suspension von Bariumsulfat oder anderer schwerlöslicher Erdalkaliverbindungen. 



  Es wird auch so gearbeitet, dass man die Gewebe mit Bariumehlorid-oder Bariumazetatlösungen imprägniert und dann der Wirkung von Gasen aussetzt, um unlösliche Verbindungen dieser Salze auf der Faser zu erhalten. 



   Alle diese   Ausfällungen   oder   Imprägnierungen haften nicht   gut auf der Faser und können gewöhnlich schon durch einfaches Klopfen entfernt werden. Namentlich aber widerstehen sie nicht einem starken Waschen, insbesondere mit heissem oder gar kochenden Seifenbädern. 



   Diese Nachteile werden gemäss der Erfindung dadurch vermieden, dass die zur Beschwerung von Seide üblichen Metallverbindungen, z. B. Zinnchlorid, Bleiazetat od. dgl., in und auf der Faser in milchige Komplexverbindungen umgesetzt werden, die praktisch unlöslich sind und die mattierende Wirkung hervorrufen. Diese chemischen Verbindungen stellen keine rein mechanische Ein-oder Auflagerung in der Faser dar, sondern werden an diese wahrscheinlich chemisch gebunden. Auf alle Fälle haften sie so fest an der Faser, dass sie beim Waschen nicht entfernt werden können. 



   Zur Ausführung des neuen Verfahrens verfährt man z. B. so, dass man die Seide in Strängen oder in fertigen Geweben zunächst in ein Metallsalzbad, z. B. ein Zinnehloridbad, einbringt und nach dieser Behandlung gegebenenfalls ohne vorheriges Auswaschen, Absäuern oder Neutralisieren mit alkalisch reagierender Alkaliphosphatlösung, z. B. Dinatriumphosphatlösung, in Berührung bringt. Dadurch entstehen im Gegensatz zu der üblichen Seidenbeschwerung, bei der die Seide vor dem Eintritt in das Phosphatbad gründlich ausgeschwungen wird, Niederschläge in und auf der Faser, die sie beschweren und ihr gleichzeitig einen matten Glanz verleihen. Man kann aber auch umgekehrt verfahren und die Seide zunächst durch ein alkalisch reagierendes Alkaliphosphatbad, z. B. Dinatriumphosphatlosung, hindurchgehen lassen und darauffolgend mit Metallsalzlösung, z.

   B.   ZinnchloridIösung,   Bleiazetatlösung od.   dgl.,   in Berührung bringen. Die Menge des zur Beschwerung erforderlichen Metallsalzes kann herabgesetzt werden, wenn man die Metallsalzlösung mit in ihr löslichen Erdalkaliverbindungen streckt. Diese Erdalkaliverbindungen werden, wenn sie mit   Alkaliphosphatlösung   in   Berührung   kommen, ebenfalls als matte Phosphate ausgefällt, die fest in und an der Faser haften ; es besteht auch die   Möglichkeit,   dass komplexe Verbindungen zwischen dem Metall, dem Erdalkali und dem Phosphat entstehen. Anstatt die Erdalkaliverbindungen zum Metallsalz zuzusetzen, kann man auch die Seide vorher mit Lösungen dieser Erdalkaliverbindungen tränken.

   Geht man dann in ein Metallsalzbad und darauffolgend in ein alkalisch reagierendes Alkaliphosphatbad, so erhält man ebenfalls eine gut beschwert Seide von mattem Glanz. 



   Die trübe Niederschlagsbildung aus den Metallsalzen und den alkalisch reagierenden   Alkaliphos-   phaten, die der Faser jedes glänzende Aussehen nimmt bzw. sie glanzlos macht und der Seide gleichzeitig eine hohe Beschwerung erteilt und das Volumen des Gespinstes wesentlich hebt, wird auch erhalten, wenn man die Seide aufeinanderfolgend'mit Lösungen von Metallsalz und Lösungen von Erdalkaliphosphat, die zweckmässig leicht angesäuert werden, in Berührung bringt. Auch hier entsteht eine fest haftende und die Seide glanzlos machende und beschwerende Niederschlagung von milchigen
Komplexverbindungen. 



   Unter Umständen kann es auch empfehlenswert sein, die Seide vor dem Mattbeschweren mit 
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 handeln oder dem Metallsalzbad solche Säuren oder sauren Salze gegebenenfalls in Gegenwart von Schutzkolloiden zuzusetzen. Man muss dann aber darauf achten, dass die Säurebehandlung nicht zu intensiv ist, weil dann nicht die gewünschte Mattierung erreicht wird. Durch Regelung dieser   Säurebehandlung.   gelingt es auch, den   Mattigkeitsgrad   nach Wunsch abzustufen. 



   Ferner ist auch ein Auswaschen der Seide zwischen den einzelnen Bädern möglich, sofern die Seide nicht genügend ausgeschwungen wird. Es haften nämlich dann in der Faser solche   überschüssige   Mengen des vorhergehenden Bades, dass trotz dem Auswaschen ein milchiger Niederschlag entsteht. 



   Der gemäss der Erfindung erzeugte milchige Niederschlag in und auf der Faser ist gegen kochendes   Wasser, Säuren und Alkalien so widerstandsfähig, dass gemäss der Erfindung mattierte und gleichzeitig beschwert Gewebe, z. B. Crepe-Gewebe aus Seide oder Kunstseide mit kochenden Seifenlösungen beliebig   

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 lange gewaschen werden können, was bekanntlich bei in üblicher Weise mit   Bariumsalzen   mattierter Seide nicht möglich war. Man kann also unbehandeltes Textilgut mattierend beschweren und alsdann den üblichen   Färberei-und Ausrüstungsprozessen   unterwerfen, ohne dass das Gewebe sein glanzloses Aussehen verliert. 



   Die gemäss der Erfindung mattierten und beschwerten Gewebe sind im Gegensatz zu den mit Bariumsulfat behandelten Seidengeweben   geschmeidig, stäuben nicht   und ergeben vollen Seidengriff. 



  Das neue Verfahren bietet ferner noch den Vorteil, dass man wegen des eventuellen Fortfalles der   Waschungen   Seidengewebe auf Maschinen fortlaufend in einwandfreier Weise beschweren und mattieren kann. 



   Es bleibt unbenommen, das Mattbeschwerungsverfahren gemäss der Erfindung auf gefärbte, eventuell schon ausgerüstete Ware aus Seide, Kunstseide oder Mischgeweben anzuwenden. Auch kann 
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 unterwerfen. 



   Beispiel I : Ein Seidengewebe wird mit einer Chlorzinnlösung von 15  Bé behandelt, die gegebenenfalls etwas Monochloressigsäure enthält. Hierauf geht man ohne zu waschen in eine schwach saure   3% ige   Magnesiumphosphatlösung oder Dikalziumphosphatlösung ein, quetscht aus und wiederholt den gesamten Vorgang einige Male bis zur gewünschten Beschwerung. Hierauf   wäscht   man   tüchtig   aus und färbt das so mattierte und beschwerte Gewebe. 



   Beispiel II : Gefärbte Kunstseiden werden in einer Lösung von 80 Be Chlorzinn, die pro Liter 100 g Magnesiumchlorid und 100 g Kalziumchlorid enthält, umgezogen. Man schwingt nach kurzer Behandlung aus und geht in eine   8% ige Dinatriumphosphatlösung ein, wäscht   und trocknet. 



   Beispiel III : Ein Seidengewebe wird zunächst durch eine   10% ige Magnesiumehlorid   und   10%   Kalziumchlorid enthaltende Lösung, dann durch eine Chlorzinnlösung   80 Bé   langsam hindurchgeführt und wie im Beispiel II weiter behandelt. 



   Beispiel IV : Ein Viskosegewebe legt man in eine kalte   12% ige Bleiazetatlosung. Nach fünf   Minuten wird das Gewebe herausgenommen und in eine   2% igue   Dinatriumphosphatlösung bei   300 C   eingebracht. Das Gewebe wird einige Male umgezogen, alsdann gewaschen und getrocknet. 



   Beispiel V : Ein Mischgewebe, bestehend aus Naturseide und Kunstseide, wird durch eine   4% ige   Dinatriumphosphatlösung geführt. Dann wird das Gewebe auf einem Kalander ausgequetscht und durch 
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15   g   konzentrierte Essigsäure enthält. Es wird getrocknet, tüchtig gewaschen und gefärbt. 



   Beispiel VI : Ein leicht chargiertes, gefärbtes   Seidentüllrewebe   wird in einer 2% igen Di-   natriumphosphatlösung   einige Male umgezogen. Man presst das Gewebe ab und geht in eine 2% ige Chlor-   zinnlösung ein, die pro Liter 50 g Kochsalz enthält. Man zieht das Gewebe einige Male um und wäscht dasselbe alsdann in fliessendem Wasser tüchtig aus.   



   Beispiel VII : Ein Seidengewebe wird mit einer Chlorzinnlösung von   150 Bé   behandelt. Hierauf geht man ohne zu waschen in eine 3%ige Diatriumphosphatlösung ein, quetscht aus, und wiederholt den gesamten Vorgang einige Male bis zur gewünschten Erschwerung und Mattierung. Hierauf wäscht man tüchtig aus und färbt das so mattierte, erschwerte Gewebe. 



   PATENT-ANSPRÜCHE : 1. Verfahren zum Beschweren und gleichzeitigem Mattieren von Seiden beliebiger Herkunft und in jeder Form, dadurch gekennzeichnet, dass die zur Beschwerung üblichen Metallsalze, z. B. Zinnchlorid,
Bleiazetat, in und auf der Faser als milchige, unlösliche Verbindungen niedergeschlagen werden.

Claims (1)

  1. 2. Verfahren nach Anspruch l, dadurch gekennzeichnet, dass die zu beschwerende Seide zunächst EMI2.3 lösung, oder zunächst mit alkalisch reagierender Alkaliphosphatlösung und dann mit Metallsalzlösung in Berührung gebracht wird, wobei gegebenenfalls auf ein Auswaschen, Absäuern oder Neutralisieren der Seide beim Übergang von einem Bade in das andere verzichtet werden kann.
    3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Seide vor dem Eintritt in das Metallsalzbad mit Erdalkalilösungen behandelt oder dass dem Metallsalzbad in ihm lösliche Erdalkaliverbindungen zugesetzt werden.
    4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Seide zunächst mit Metallsalz- lösungen und dann mit Erdalkaliphosphatlösungen oder zunächst mit Erdalkaliphosphatlösungen und dann mit Metallsalzlösungen behandelt wird.
    5. Verfahren nach Anspruch 1 oder den Unteransprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass die Seide mit Säuren oder sauren Salzen, gegebenenfalls bei Gegenwart von Schutzkolloiden vorbehandelt oder dass die Metallsalze bei Gegenwart von Säuren oder sauren Salzen. gegebenenfalls auch von Schutz- kolloiden auf die Seide zur Einwirkung gebracht werden.
AT113987D 1927-12-30 1928-01-20 Verfahren zum Beschweren und gleichzeitigem Mattieren von Seide. AT113987B (de)

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