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Verfahren zur Zerfaserung von Leder und Lederabfällen, insbesondere Hartleder.
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur schonenden Zerkleinerung auf trockenem Wege von Leder und Lederabfällen, insbesondere von Hartleder und andern organischen Stoffen von faseriger Struktur.
Es ist allgemein bekannt, zur Zerkleinerung von Stoffen aller Art Zerkleinerungsmaschinen zu verwenden, die mit Sieben und Windsichtung versehen sind. Mit Hilfe dieser bekannten Zerkleinerungsvorrichtungen ist es jedoch bekanntlich nicht möglich, eine trockene Zerfaserung von Lederabfällen od. dgl. in technisch brauchbarer Weise durchzuführen. Die bisher erhaltenen Produkte stellen eine mehr oder weniger fein gemahlene Masse dar, in der die Faserstruktur des Leders zerstört ist. Die Mahlprodukte sind ferner untermischt mit unzerkleinerten oder in der Maschine hart geschlagene Lederteilchen ; besonders aber verlieren durch das unvermeidliche Erhitzen des Mahlgutes in der Zerkleinerungsvorrichtung das Leder bzw. die Lederteilchen die natürliche Biegsamkeit der Lederfasern und verbrennen teilweise.
Maschinen, welche nur durch den umlaufenden Mühlenteil einen Luftdurchzug durch die Mühle und das Mahlgut verursachen, führen zu keiner Abhilfe der angeführten Mängel.
Es ist nun gefunden worden, dass es gelingt, die genannten Stoffe auf trockenem Wege in ein gleichmässig zerkleinertes faseriges Material überzuführen, wenn man die zur Zerkleinerung benutzten Vorrichtungen während des Zerkleinerungsvorganges einer zusätzlichen Ventilation durch Einwirkung einer starken Gasströmung, insbesondere eines starken Luftstromes von gewöhnlicher Temperatur unterwirft. Vorzugsweise eignen sich für die Zerfaserung schnellaufende Schlagmühlen oder ähnlich wirkende Vorrichtungen. Der Vorgang ist folgender :
Mit dem zu zerfasernden Leder, das beispielsweise in Stücken anfällt, wird z. B. eine Schlagkreuzmühle a (Fig. 1 und 2) beschickt, deren Ausgangsöffnung in einen der Mühlengrösse angepassten Luftkanal b-c mündet.
Das andere Ende des Luftkanals steht mit einem Ventilator d oder andern Luftsaugevorrichtungen in Verbindung. Während des Zerkleinerungsvorganges wird der Ventilator auf starke Saugwirkung eingestellt, um im Luftkanal ein kräftiges Vakuum und ein starkes Durchblasen der Mühle zu bewirken. Je nach Beschaffenheit des zu zerfasernden Materials erfolgt die Zerkleinerung in zwei bis drei Stufen mit Sieben verschiedener Schlitzweite. Für den ersten Zerkleinerungsvorgang wird z. B. ein Sehlitzmass von 50 X 10 mm verwendet. Das Leder wird in kurze Stücke zerrissen ; daneben entsteht schon ein Teil wolliges Material, das durch den Luftstrom in den hinteren Kanalteil c getragen und dort abgelagert wird.
Der grössere Teil der Fasern hängt noch an den zerrissenen Lederstüekchen, welche im ersten Teil b des als Sichter dienenden Luftkanals niederfallen. Dieses Material wird noch einem zweiten und eventuell dritten Zerkleinerungsgang mit entsprechend kleineren Siebschlitzen unterworfen. Durch den heftigen Luftstrom in der Mühle wird jedes losgetrennte Lederteilchen ohne Verzug in den Kanal oder Sichter geführt ; eine schädliche Erwärmung des Mahlgutes wird dadurch zuverlässig verhindert. Eine weitere Abkühlung erfährt die losgetrennte Faser im luftverdünnten Raum des Sichters durch teilweises Verdunsten des im Leder enthaltenen Wassers ; die erzielte Wasserverdunstung beträgt bis zu 70%.
Beispielsweise wird das beschriebene Verfahren so ausgeführt, dass durch die Zerkleinerungsvorrichtung, deren Rauminhalt 6 mus beträgt, je Minute 60m3 gesaugt werden. Dieser Rauminhalt von 6 m umfasst die Mühle und die daran angeschlossenen Sichtkammern. Der innerhalb der Mühle
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befindliche eigentliche Mahlraum, der von den Sieben umschlossen ist, nimmt natürlich nur einen verhältnismässig kleinen Teil des Gesamtraumes ein, nämlich zirka 25-30 l. Einen derartigen Mahl- raum weisen Schlagkreuzmühlen im allgemeinen auf. Da der gesamte Luftstrom vom 60 m3 je Minute diesen Mahlraum passieren muss, so ergibt sich für diesen Mahlraum ein etwa 2000-2400facher Luft- wechsel je Minute.
Diese praktisch erprobte Luftgeschwindigkeit entspricht ungefähr der 1 Wachen
Windgeschwindigkeit bei Sturm (= 25 m pro Sekunde). Im allgemeinen kann gesagt werden, dass ein etwa über 1000facher Luftwechsel je Minute innerhalb des eigentlichen Mahlraumes gemäss der vor- liegenden Erfindung bewirkt werden soll.
Eine zweckmässige Kombination besteht, dass mehrere Zerkleinerungsvorrichtungen al, a2, a3 (Fig. 3 und 4) zur Ausführung des Zerfaserungsprozesses unmittelbar hintereinandergeschaltet werden, wobei die Siebe in jeder folgenden Mühle enger sind als in der vorangehenden. Aus der letzten Maschine wird das zerkleinerte Leder in den Luftkanal überführt, der somit für alle drei Arbeitsstufen aus- reichend ist.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Zerfaserung von Leder und Lederabfällen, insbesondere Hartleder und andern organischen Stoffen faseriger Struktur in geeigneten, mit Sieben und Windsichtung versehenen Zer- kleinerungsmaschinen, dadurch gekennzeichnet, dass durch den Zerkleinerungsraum zwecks schneller
Entfernung der losgetrennten Teile ein starker Gasstrom von solcher Stärke geblasen wird, dass in dem Mahlraum eine Strömungsgeschwindigkeit von etwa 1000 und mehr Gaswechsel je Minute vorliegt, worauf das Zerkleinerungsprodukt zweckmässig in Kammern gesammelt wird, die dauernd dem Durchstreichen von Gasen von vermindertem Druck ausgesetzt sind.