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Verfahren zur städtebaulichen Nutzung von Befestigungsanlagen, insbesondere von Flak- türmen
Im Laufe des Krieges sind in vielen Städten Befestigungsanlagen entstanden, bei deren Errichtung ein besonderes Armierungsverfahren angewendet wurde ; dieser Umstand im Verein mit der Tatsache, dass diese Bauten mit ungewöhnlichen Wandstärken - 2 m und mehrausgeführt wurden, macht es unmöglich, sie mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln wieder zu entfernen. Soweit es sich dabei um Hochbauten handelt, wie sie z. B. in Form von Türmen zur Aufnahme von Flugabwehrbatterien, Funkmessanlagen u. dgl., den sogenannten Flaktürmen, errichtet wurden, stehen diese meistens im verbauten Stadtgebiet und beeinträchtigen das Stadtbild in höchst nachteiliger Weise.
Die Ausnutzung dieser Bauten für zivile Zwecke stösst wegen der vorhandenen aussergewöhnlichen Stärke der Wände und Zwischendecken, des Fehlens einer genügenden Zahl von Fenster- öffnungen und überhaupt der praktischen Unmöglichkeit, grössere bauliche Änderungen nachträglich vornehmen zu können, auf die grössten Schwierigkeiten.
Die Erfindung schlägt vor, Befestigungshochbauten der genannten Art einer städtebaulichen Nutzung dadurch zuzuführen, dass an die Aussenseiten dieser Bauten, unter Belassung derselben als tragender Kern, städtebaulich nutzbare Zubauten, vorzugsweise für Wohnzwecke, in der Weise angefügt werden, dass dieser tragende Kern mindestens einen wesentlichen Teil des Gewichtes dieser Zubauten trägt. Es wird hiebei von der Erwägung ausgegangen, dass bei der Errichtung von Hochbauten ein wesentlicher Teil der gesamten Baukosten auf die Durchführung der Ausschachtungsarbeiten und Fundamentierungen entfällt ; dadurch, dass nun erfindungsgemäss das Gewicht der genannten Zubauten auf den starren Befestigungsbau übertragen wird, wird dieser Teil der Baukosten fast zur Gänze eingespart.
Weitere Ersparnisse ergeben sich dadurch, dass die Zubauten direkt an die Aussenwand der Befestigungsanlage angebaut werden, wodurch die bezüglichen Wände des Zubaues ebenfalls erspart werden. Der Befestigungsbau als solcher kann zweckmässig der Aufnahme von zentralen Versorgungsanlagen für den gesamten, im Sinne der Erfindung entstehenden Wohnblock nutzbar gemacht werden.
Um die Übertragung des Gewichtes der Zubauten oder eines wesentlichen Teiles dieses Gewichtes auf die Befestigungsanlagen, z. B. den Flakturm, zu erreichen, wird im Sinne eines Kennzeichens der Erfindung der an den Seitenwänden der Befestigungsanlage vorgesehene Teil der Zubauten als Skelettbau ausgeführt.
Das starre Skelett wird hiebei in der Weise in dem massiven Turm verankert, dass dieser wenigstens einen Teil des Gewichtes der Zubauten trägt, eine Massnahme, die bei der praktisch unbegrenzten Tragfähigkeit dieser Massivbauten ohne weiteres zulässig erscheint. Dadurch wird erreicht, dass teure Fundamentierungsarbeiten für diese Zubauten entfallen können. Die so auch entfallenden Kellerräumlichkeiten werden durch Heranziehung von Teilen der Innenräume der Befestigungsanlagen für Einkellerungszwecke ersetzt.
Weitere Kennzeichen der Erfindung seien im folgenden an Hand der schematischen Zeichnung, die ein Ausführungsbeispiel für eine Verbauung eines Flakturmes in teilweisem Schnitt zeigt, erläutert.
In der Zeichnung sei 1 ein sechsgeschossiger Flakturm, dessen Kellergeschoss unter dem Strassenniveau 2 liegt. Dieser Turm besitzt, wie dies den wirklichen Verhältnissen oft entspricht, eine galerieartig um den ganzen Turm laufende Plattform 3, ebenfalls von beträchtlicher Tragfähigkeit. Die einzelnen Geschosse stehen durch nicht gezeichnete Stiegenaufgänge, Aufzüge u. dgl. in Verbindung ; dargestellt sind lediglich Durchbrechungen 4 in den Zwischendecken. Die Decke des Turmes, die früher der Aufnahme der Abwehrkanonen oder der Messgeräte diente, kann eben sein, oder ebenfalls noch weitere, z. B. turmartig Aufbauten tragen, die jedoch nicht dargestellt sind.
Sind solche vorhanden, so werden sie entweder entfernt, was bei diesen Aufbauten immerhin noch möglich sein wird, oder sie werden, falls sich ihre Entfernung als unzweckmässig erweist, in die erfindungsgemässe Nutzung einbezogen.
In den Seitenwänden des Turmes 1 wird nun ein starres, z. B. aus Profilträgern zusammengenietetes oder geschweisstes Skelett 5 verankert. Diese Verankerung erfolgt im dargestellten Beispiel durch Einbetonieren von Widerlagern der
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Skeletteile in Ausnehmungen der lotrechten Wandungen des Turmes, in die zu diesem Zwecke zuerst Hohlräume eingestemmt werden müssen.
Durch Vorsehung einer geeigneten Verstrebung (Streben 6) wird das Skelett zu einem starren Rahmenwerk zusammengefasst ; seine Verankerung an den Turmwänden erfolgt nach den Regeln, die die Technik für die Verankerung von starren Rahmen entwickelt hat und die auch auf die Möglichkeit der Durchführung von Wärmedehnungen usw. Bedacht nehmen ; auf diese Einzelheiten braucht hier nicht näher eingegangen zu werden.
Ein solcherart verankertes Skelett 5, 6 wird offensichtlich imstande sein, mindestens einen wesentlichen Gewichtsteil des Zubaues, der durch Vermauerung des Skelettes in an sich bekannter Weise erhalten wird, auf den Turm selbst zu übertragen. Auf diese Weise erübrigen sich teure Fundamente für diese Zubauten oder es genügen einfache Hilfsfundamente, wie bei 7 angedeutet, Pfahlroste oder im Abstand voneinander angeordnete Betonstützen od. dgl. ; diese sind aber mit vergleichsweise geringem Kosten-und Materialaufwand herstellbar.
Die nutzbaren Zubauten, z. B. Wohnungen werden nun in entsprechender Weise der im wesentlichen als unveränderlich hinzunehmenden Form des Flakturmes angepasst. Im dargestellten Beispiel, das einen sechsgeschossigen Turm zeigt, ist in den Raum zwischen Strassengleiche und umlaufender Galerie 3 ein ebenfalls sechsgeschossiges Wohnhaus eingebaut. Die umlaufende Galerie 3 und der Teil des Zubaudaches, der noch über diese Galerie nach aussen ragt, wird terassenartig ausgestaltet und kann z. B. zur Aufnahme eines Gastgewerbebetriebes dienen. Aus ästhetischen Gründen kann dem ganzen noch eine weitere umlaufende Galerie 8 nachträglich angefügt werden.
Die oberste Plattform des Turmes 1 kann ebenfalls zur Aufnahme eines auch mehrgeschossigen Wohnblockes herangezogen werden ; sie kann aber auch, wie dies bei amerikanischen Hochbauten häufig ist, sport-
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das als Teil eines Freiluftbades gedacht ist. Die durch die Speicherung der hiefür nötigen erheblichen Wassermengen bedingte Mehrbelastung des Gebäudes spielt hiebei bei der massiven Ausführung solcher Befestigungsanlagen keine Rolle.
Sie kann unter Umständen sogar erwünscht sein, z. B. bei Flaktürmen mit sogenannter schwimmender Lagerung.
Die in den Zubauten untergebrachten Wohnungen werden durch Stiegenaufgänge und Aufzüge erreicht, die in den Zubauten selbst, oder, wenn die Bauweise des Turmes 1 dies zulässt, in diesem untergebracht sind. Zweckmässig wird man im Abstand von der Massivwand des Turmes Trennwände 10 ziehen, die umlaufende Korridore ergeben, von denen aus die einzelnen Wohnungen erreichbar sind. Diese Korridore müssen entweder künstlich oder dadurch erleuchtet werden, dass die Wohnungstüren lichtdurchlässig ausgebildet sind. Im besonderen wird sich die erfindunggemässe Verbauung von Flaktürmen. dann empfehlen, wenn an die Erstellung von Kleinwohnungen für alleinstehende Personen gedacht ist.
In diesem Falle können die Innenräume des Turmes mit Vorteil zur Unterbringung von zentralen Anlagen, die allen Mietern dienstbar sind, verwendet werden. Als solche Anlagen kommen in Betracht : Zentralwaschküche, Kesselanlage für Heiz-und Warmwasserversorgung, Bäder, insbesondere Dampfbäder, Klimaanlage, Saferaum, Vorratsräume u. dgl.
Bemerkt sei, dass die beschriebene Ausgestaltung von Befestigungsanlagen auch dann von Vorteil ist, wenn auf die Unterkellerung der Zubauten nicht verzichtet werden soll. In diesem Falle ergeben sich durch die Anlehnung des Hochbaues an den Befestigungsbau immer noch Vorteile bautechnischer Art und es wird der Rahmen der Erfindung bei Ausführung des Verfahrens mit ganzer oder teilweiser Unterkellerung der Zubauten nicht verlassen.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur städtebaulichen Nutzung von Befestigungshochbauten mit in sich starrem Tragwerk, insbesondere von Flaktürmen, dadurch gekennzeichnet, dass an die Aussenseite dieser Hochbauten unter Verwendung derselben als tragender Kern städtebaulich nutzbare Zubauten, vorzugsweise für Wohnzwecke, in der Weise angefügt werden, dass der tragende Kern mindestens einen Teil des Gewichtes der Zubauten aufnimmt.