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Verfahren zur Veredlung von Textilgut aus regenerierter Zellulose
Bei der Behandlung von Regeneratzellulose mit alkalischen Quellmitteln muss bekanntlich das überschüssige Alkali rasch entfernt bzw. in möglichst kurzer Zeit neutralisiert werden, um eine Faserschädigung beim Auswaschen oder Neutralisieren zu vermeiden. Zu diesem Zwecke wurde bisher mit grossen Mengen kalten oder heissen Wassers ausgewaschen oder auch das Alkali mittels Salzlösungen oder kalter Säuren entfernt.
Nach dem erfindungsgemässen Verfahren wird vorgeschlagen, das alkalische Quellmittel durch Neutralisation mittels saurer Lösungen bei höheren Temperaturen zu beseitigen, wobei das im Textilgut befindliche Alkali direkt nach der Quellbehandlung bei Temperaturen von mindestens 30 G C, vorzugsweise aber bei Temperaturen von 50 0 C bis zum Siedepunkt der betreffenden Lösung gebunden wird.
Bei dieser Arbeitsweise treten überraschenderweise ausser der Neutralisation des Alkalis, die hier viel rascher wie sonst üblich erfolgt, zusätzlich noch besondere Effekte auf dem so behandelten Textilmaterial auf. So wird insbesondere der durch die 1 Quellmitteleinwirkung erzeugte Glanz gegenüber einem nur kalt abgesäuerten Material wesentlich veredelt und verfeinert. Die verfahrensgemäss erhältliche Ware zeigt einen weicheren Griff und stellt ein technisch und wirtschaftlich wertvolleres Material dar, welches auf den bekannten Wegen nicht in gleicher Qualität erreicht werden kann.
Die erfindungsgemässe Nachbehandlung geschieht mit schwach sauren Lösungen, sei es von anorganischen oder organischen Säuren oder von sauren Salzen (Alkalisalzen), wobei diese Agentien selbst keine Einwirkung als Quellmittel in der erfindungsgemäss angewendeten Konzentration auf die Faser haben dürfen, sondern nur zum Abstumpfen und Neutralisieren des vorher zur Anwendung gebrachten alkalischen Quellmittels dienen. Als Säuren kommen insbesondere Schwefelsäure, Salzsäure, Essigsäure, Ameisensäure, Oxalsäure u. dgl. zur Anwendung, u. zw.
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Weise können auch Lösungen von sauren Salzen, z. B. von sauren Alkalisalzen, wie sie bei der Neutralisation der vorerwähnten Säuren ent- stehen können, für die erfindungsgemässe heisse Absäuerung herangezogen werden.
Die Ware muss so lange mit der sauren Lösung in Berührung sein, bis zum mindesten eine vollkommene Bindung des freien Alkalis auf der Faser stattgefunden hat.
Vorteilhaft wird die Säuerungsflotte wie üblich durch Spritzrohre gleichmässig auf das zu behandelnde Gut aufgespritzt, so dass ständig unverbrauchte Säurelösung zufliesst, wobei es unbenommen bleibt, das Textilgut dann noch ein mit dieser Flotte beschicktes Bad passieren zu lassen.
Die vorausgehende Alkali-Quellbehandlung der regenerierten Zellulose kann nach den bekannten Vorgehensweisen durchgeführt werden, sei es mit kaltem oder heissem Alkali, wobei vorher noch andere z. B. saure Quellmittelbehandlungen vorangegangen sein können. Das erfindungsgemässe direkte Absäuern bei erhöhter Temperatur erfolgt naturgemäss immer direkt nach jeder alkalischen Quellungsoperation, sei diese für sich allein angewendet oder in Kombination mit noch anderen Quellmittelveredlungen z. B. mit Säuren, organischen Basen, anorganischen Salzen (Chlorzink, Kupferoxydammoniak, Kalziumthiocyanat) in entsprechenden Konzentrationen, wobei diese zusätzlichen Behandlungen in beliebiger Kombination angewendet werden können.
Durch geeignete Anpassung der Bedingungen bei dem erfindungsgemässen Vorgehen kann ein ganz wesentlicher Einfluss auf den Ausfall des Effektes ausgeübt werden, insbesondere durch die Wahl der zu verwendenden Säuren oder sauren 1 Salze, besonders aber durch die Behandlungstemperatur. Wird bei höherer Temperatur abgesäuert, wobei auch kochende Lösungen zur Anwendung kommen können, so sind die Effekte im allgemeinen klarer, weicher und transparenter als wenn mit der gleichen Lösung bei 30-45 C gearbeitet wird. Andererseits besteht auch ein ganz wesentlicher Unterschied im Ausfall bei der Anwendung verschiedener Säuren, wobei z. B. eine Behandlung mit 5% iger Essigsäure bei 85 C einen viel weicheren und stärker glänzenden Finish ergibt, als die gleiche Behandlung mit 5% tiger Schwefelsäure.
Die vorgehende alkalische Quellmittelveredlung kann mit oder ohne Spannung erfolgt sein und
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das für das erfindungsgemässe Verfahren zu verwendende Textilmaterial, welches regenerierte
Zellulose für sich allein, als Mischgewebe oder
Mischgespinst enthalten kann, sei es als lang- gesponnene Kunstseidenfäden oder als Stapel- faser (Zellwolle), kann als Gewebe, Wirkware,
Strang oder loses Material zur Behandlung kommen. Dabei ist unter regenerierter Zellulose,
Viskosekunstseide, Kupferoxydammoniakseide, denitrierte Nitroseide oder allgemein auch Zellu- losehydrat-Kunstseide zu verstehen, während als
Komponenten für die Mischgewebe, Misch- gespinste usw., andererseits animalische oder vegetabilische Fasern, Ester-oder Ätherseiden oder Polymerisat-bzw. Polykondensatfasern wie
Nylon, Vinyarn, PC-Fasern usw.
Verwendung finden können.
Je nach der Art des nach dem Verfahren ver- edelten Textilgutes und nach den Bedingungen, die dabei zur Anwendung gelangen, erhält man erfindungsgemäss in Verbindung mit alkalischen
Quellmittelbehandlungen Steifgewebe, Opaleffekte, Transparente (Organdies), Wollimitationen und Leinenfinishes, wobei man diese Ausrüstungen auch gemustert herstellen kann, wenn man vor der Veredlung entsprechende Reserven gegen die Quellmittel gemustert aufdruckt. Naturgemäss können Mischgewebe aus regenerierter Zellulose mit Baumwolle (Rohbaumwolle) auch in Verbindung mit dem erfindungsgemässen Nachbehandeln merzerisiert werden, ohne dass die Kunstseidenkomponente Schaden leidet.
Beispiel 1 : Viskose-Zellwollmusseline wird vorerst mit NaOH von 25 0 Bé unter Spannung während 1 Min. bei 15" C imprägniert und hierauf sofort breit mit Essigsäure 5% ig bei 85 C so lange behandelt, bis alles freie Alkali neutralisiert ist. Darauf wird gespült, ausgewaschen und ramiert. Es wird dadurch ein wertvoller, federnd biegsamer und geschmeidiger Zellwolltransparent erhalten mit schön klarem egalem Aussehen. Der Glanz ist gegenüber einem kalt abgesäuerten, aber sonst gleich behandelten Material, welches als steifes Gewebe erhalten wird, bedeutend feiner und edler.
Beispiel 2 : Viskose-Zellwollmusseline wird mit NaOH von 23 C Bé bei 100 C während 35 Sek. imprägniert und hierauf sofort mit Schwefel- säure 5% ig bei 70 C abgesäuert, ausgewaschen und ramiert. Das Gewebe hat mehr leinen- artiges Aussehen und besitzt einen edleren Glanz und einen feineren und weicheren Griff als das bei der Abstumpfung mit kalter Schwefelsäure erzielbare Gut.
Die Erfindung ist nicht auf die obigen beispiels- weise angegebenen Ausführungsformen be- schränkt, sondern umfasst alle Verfahrensweisen, wo im Zuge einer alkalischen Quellmittelver- edlung ein direktes Absäuern bei mindestens
30 C stattfindet, wobei die Quellmitteleinwirkung in üblicher Weise auch mit anderen Veredlungs- verfahren kombiniertseinkann. DenAbsäuerungs- flotten können naturgemäss beliebige Zusätze bei- gegeben werden, z. B. Textilhilfsmittel zum Netzen, Durchdringen oder zum Hydrophobieren oder Weichmachen usw. ebenso Appreturmittel oder Farbstoffe usw. Auch können die nach dem Verfahren zu behandelnden oder behandelten Textilien in irgendeiner Phase der Veredlung gefärbt, bedruckt, hydrophobiert, imprägniert, permanent geformt, schrumpffrei-oder knitterfrei ausgerüstet werden.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zum Veredeln von Textilgut aus regenerierter Zellulose oder solche enthaltendem Textilmaterial mit alkalischen Quellmitteln, wobei nach jeder alkalischen Quellmittelbehandlung ohne Zwischenwaschung abgesäuert wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Neutralisierung des in der Ware befindlichen Alkalis mit sauren Lösungen bei höheren Temperaturen, also mindestens bei 30 C, vorzugsweise bei einer Temperatur von 500 C bis zum Siedepunkt der betreffenden Lösung. derart erfolgt, dass das Alkali sofort bis zur Unschädlichkeit für die regenerierte Zellulose abgestumpft wird.