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Die Erfindung betrifft ein sulfatisch-hydraulisches Bindemittel.
Aus der DE 39 37 432 C ist ein Bindemittel enthaltend Rauchgasgips und alpha-Halbhydrat bekannt. Die EP 673 896 A beschreibt einen rissefreien Zementfliessestrich, dessen Bindemittel eine reaktive Kalziumsulfat-Verbindung enthält. Ein Fliessestrich, der Zement als Bindemittel, Zuschlagstoffe und Zusatzmittel enthält, ist aus DE-U-295 03 540 bekannt. Um Schwindungen während der Erstarrungs-und Erhärtungsphase zu vermeiden, werden Kalziumsulfat und eine Kombination aus Kohlenwasserstoffen und Fettderivaten als Zusatzmittel verwendet.
Ziel der Erfindung ist es, ein schwindungsarmes, sulfatischhydraulisches Bindemittel zur Verfügung zu stellen, das insbesondere für das Herstellen von (Fliess-) Estrichen und von Putz oder Mörtel geeignet ist. Insbesondere soll der Putz oder der Mörtel und der Estrich, der unter Verwendung des erfindungsgemässen sulfatischhydraulischen Bindemittels hergestellt worden ist, schwindungsarm sein.
Gelöst wird die Aufgabe erfindungsgemäss mit einem Bindemittel, das die Merkmale des Anspruches 1 aufweist.
Bevorzugte und vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
Von Vorteil bei dem erfindungsgemässen sulfatisch-hydraulischen Bindemittel ist, dass die Gips- und die Zementhärtung parallel zueinander ablaufen, wobei die Härtungsreaktion im wesentlichen durch die Gipskristallisation eingeleitet wird. Durch die Überlagerung der beiden Erhärtungsreaktionen ist beispielsweise ein mit dem erfindungsgemässen Bindemittel hergestellter Fliessestrich schon nach vier Stunden begehbar.
Von Vorteil ist weiters, dass der Einsatz von (rechnerisch nach Bogue) C3A-freiem Zement die Ettringitbildung weitgehend verhindert. Dies bedeutet, dass Probleme aufgrund der möglichen Umwandlungsreaktionen von Ettringit vermieden werden und die Temperaturwechselbeständigkeit und die Raumbeständigkeit verbessert wird.
Durch den Einsatz entsprechender Zusatzmittel können mit dem erfindungsgemässen Bindemittel sowohl Trocken- als auch Nassmörtel hergestellt werden. Bevorzugt ist es, dass Nassmörtel mit einem Fahrmischer an den Einsatzort transportiert werden.
Verarbeitungsrelevante Parameter, wie die Offenzeit oder das Ausbreitmass, können bei Verwendung des erfindungsgemässen sulfatisch-
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hydraulischen Bindemittels durch den Einsatz (üblicher) Hilfs- bzw.
Zusatzstoffe wie Verzögerer, Beschleuniger, Entschäumer, Verdicker oder Fliessmittel gesteuert werden.
Wenn das erfindungsgemässe sulfatisch-hydraulische Bindemittel für das Herstellen von Putz- und Mauermörteln verwendet wird, ist ein Zusatz von Kalkhydrat und, falls zur Ausbildung besonderer Eigenschaften gefordert, spezieller Zuschläge möglich. Ein solcher Zuschlag kann beispielsweise der Einsatz von geblähtem Perlit sein, wodurch eine höhere Ergiebigkeit und eine geringere Wärmeleitfähigkeit des Putz- oder Mauermörtels erzielt wird. Eine beispielsweise Zusammensetzung des erfindungsgmässen sulfatisch-hydraulischen Bindemittels ist die folgende :
Zement, vorzugsweise ein rechneriscch C3A-freier Portlandzement wird mit einem Sulfatträger, vorzugsweise Stuckgips oder Anhydrit, je nach dem Einsatzzweck mit entsprechenden Sanden und chemischen Zusätzen vermischt. Das Mengenverhältnis Zement zu Gips beträgt beispielsweise 1 : 1 bis 3, 5 : 1.
Auf einen Massenanteil Bindemittel können 1, 0 bis 4, 0 Massenanteile Zuschläge enthalten sein. Bei Putzmörteln enthält das Bindemittel teilweise zusätzlich bis zu 5 % Kalkhydrat sowie bis zu 300 Liter/to geblähten Perlit. Zusatzmittel können in einer Gesamtmenge zwischen 0, 1 und 3 % bezogen auf das Bindemittel vorliegen.
Nachfolgend werden Beispiele für mit dem erfindungsgemässen Bindemittel hergestellte Fliessestriche und für einen Putz
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Beispiel 1 : Fliessestrich : 16 % hochsulfatbeständiger Portlandzement, 10 % Stuckgips, 74 % Kalksteinsand 0/2 mm und Zusatzmittel : 0, 25 % Melaminformaldehydharz als Fliessmittel 0, 03 % Natriumbehenat als Entschäumer, 0, 02 % Methylcellulose als Verdicker, 0, 15 % Apfelsäure als Verzögerer, Natriumlaurylsulfat als Luftporenmittel und Natriumcarbonat als Beschleuniger.
Beispiel 2 : Fliessestrich :
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18 % hochsulfatbeständiger Portlandzement, 16 % Stuckgips, 66 % Kalksteinsand 0/2 mm und Zusatzmittel : 0, 25 % Melaminformaldehydharz als Fliessmittel, 0, 03 % Natriumbehenat als Entschäumer, 0, 02 % Methylcellulose als Verdicker, 0, 25 % Apfelsäure als Verzögerer, Natriumlaurylsulfat als Luftporenmittel und Natriumcarbonat als Beschleuniger.
Beispiel 3 : Nassmörtel zum Transport in einem Fahrmischer : 21 % hochsulfatbeständiger Portlandzement, 16 % Stuckgips, 63 % Kalksteinsand 0/2 mm und Zusatzmittel : 0, 25 % Melaminformaldehydharz als Fliessmittel, 0, 04 % Natriumbehenat als Entschäumer, 0, 03 % Methylcellulose als Verdicker, 0, 35 % Apfelsäure als Verzögerer, Natriumlaurylsulfat als Luftporenmittel und Natriumcarbonat als Beschleuniger.
Beispiel 4 Putz : 15 % hochsulfatbeständiger Portlandzement,
5 % Stuckgips, 77 % Kalksteinsand 0/1 mm, 200 Liter Perlit/to, 1% Kalkhydrat und Zusatzmittel : 0, 1 % Methylcellulose und Stärkeether als Verdicker, 0, 005 % Natriumlaurylsulfat als Luftporenmittel,
EMI3.1
In der nachstehenden Tabelle sind die den Beispielen 1 bis 4 zugeordneten Mörteldaten wiedergegeben.
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EMI4.1
<tb>
<tb>
Beispiel <SEP> Wasser- <SEP> Druckfest <SEP> n <SEP> 28 <SEP> Erstarrungs- <SEP> Estarrungs- <SEP> Begehbarfaktor <SEP> [%] <SEP> Tagen <SEP> [N/mm2] <SEP> beginn <SEP> [min] <SEP> ende <SEP> [min] <SEP> keit
<tb> 1 <SEP> 0, <SEP> 19 <SEP> 32, <SEP> 2 <SEP> 48 <SEP> 110 <SEP> ca. <SEP> 4 <SEP> Std <SEP>
<tb> 2 <SEP> 0, <SEP> 20 <SEP> 33, <SEP> 4 <SEP> 55 <SEP> 125 <SEP> ca. <SEP> 5 <SEP> Std <SEP>
<tb> 3 <SEP> 0, <SEP> 21 <SEP> 36, <SEP> 1 <SEP> 125 <SEP> 380 <SEP> ca. <SEP> 1 <SEP> Tag <SEP>
<tb> 4 <SEP> 0,23 <SEP> 4,3 <SEP> 100 <SEP> 230
<tb>
Zusammenfassend kann ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wie folgt wiedergegeben werden :
Ein sulfatisch-hydraulisches Bindemittel für Putz, Mörtel und Estriche enthält Zement, vorzugsweise rechnerisch C3A-freien Portlandzement, und einen Sulfatträger, vorzugsweise Stuckgips oder Anhydrit, wobei das Mengenverhältnis Zement zu Gips 1 : 1 bis 3, 5 : 1 beträgt. Weiters kann das sulfatisch-hydraulische Bindemittel, das insbesondere zum Herstellen von Fliessestrichen sowie von Nass-und Trockenmörteln geeignet ist, Zusatzmittel wie Verzögerer, Beschleuniger, Entschäumer, Verdicker und/oder Fliessmittel in einer Gesamtmenge zwischen 0, 1 und 3 % bezogen auf den Bindemittelanteil enthalten. Wenn das erfindungsgemässe Bindemittel für das Herstellen von Putzmörteln verwendet wird, enthält es bevorzugt bis zu 10 % Kalkhydrat sowie allenfalls bis zu 300 Liter/to geblähten Perlit als Leichtzuschlagstoff.
Bei Verwendung des beschriebenen sulfatisch-hydraulischen Bindemittels können schwindungsarm erhärtende Mörtel und zwar sowohl Trocken- als auch Nassmörtel sowie Estriche, insbesondere Fliessestriche, hergestellt werden.