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Die Erfindung betrifft ein Profilsystem zur Querschnittsausbildung von Flachschlüsseln mit im Wesentlichen ebenen und annähernd parallelen Flachseite sowie von korrespondierenden Schlüsselkanälen in Schliesszylindern, insbesondere für den Aufbau von Schliessanlagen, mit in die Flachseite des Flachschlüssels einschneidenden Nuten, die als Variationsprofilelemente und als Führungsprofilelemente vorgesehen sind, wobei von mindestens einer Nut, insbesondere des Führungsprofils, mindestens eine weitere Nut als Abzweignut ausgeht und die Einstechrichtungen von Nut und Abzweignut unterschiedlich sind und beispielsweise um 600 divergieren. Die Erfindung betrifft ferner einen Flachschlüssel im Rahmen dieses Profilsystems.
Der Schutz des Lebens, der Privatsphäre und des Eigentums stehen an höchster Stelle. Daher kommt einem Schloss und einem Schlüssel eine besondere Bedeutung zu. Bei Schliessanlagen werden Zutrittsbereiche definiert und durch die Zuordnung jedes Anlagenschlüssels zu einem oder zu mehreren Schlössern realisiert. Diese Zuordnung bzw. der Ausschluss von Schlüssel und Schloss hinsichtlich der Sperrfunktion wird bei Schliessanlagen auf der Basis von Schliesszylindern mit Flachschlüsseln durch das Querschnittsprofil der Schlüssel und den Querschnitt des Schlüsselkanals erreicht. Nur dann, wenn die Kontur eines Schlüsselkanalquerschnitts einem Flachschlüsselquerschnitt genau entspricht oder diesen einhüllt, dann passt der Schlüssel in das Schloss.
Sobald die Kontur des Flachschlüsselquerschnitts jene des Schlüsselkanalquerschnitts schneidet, hat der Schlüssel bezüglich des vorgenannten Schliesszylinders keine Sperrberechtigung.
Natürlich gilt diese Zuordnung zwischen Schlüssel und Schliesszylinder über das Profil - also den Querschnitt von Schlüssel, insbesondere Flachschlüssel und Schlüsselkanal des Schliesszylinders - auch für den Einzelzylinder und den Einzelschlüssel, der nicht unmittelbar Teil einer Schliessanlage ist.
Dem Sicherheitsbedürfnis entspricht es, wenn ein Schlüssel nicht ohne weiteres kopiert werden kann. Über Sicherungsscheine und strenge Identitätskontrollen kann ein Ersatzschlüssel beim Originalhersteller vom Berechtigten beschafft werden. Sofern Schlüsselrohlinge im Handel erhältlich sind, könnte ein Schlüsseldienst mit einer Kopierfräseinrichtung durch Herstellen einer Zahnung an der Schlüsselbrust einen Ersatzschlüssel problemlos herstellen. Sofern eine Kopierfräseinrichtung darüber hinaus im Stande ist, auch ein Querschnittsprofil an den Flachseite eines Originalschlüssels abzutasten und entsprechende Fräswerkzeuge vorhanden sind, kann ein Ersatzschlüssel auch aus einem Metallplättchen spanabhebend herausgearbeitet werden.
Wenn also bisher durch Beschränkung der freien Zugänglichkeit auf dem Markt die Herstellung von Ersatzschlüsseln für gesperrte Schlüsselprofile mangels eines entsprechenden Rohlings nicht möglich war, so sind heute bereits die technischen Möglichkeiten für Schlüsseldienste vorhanden, Kopien eines Schlüssels sowohl hinsichtlich der Zahnung als auch hinsichtlich des Profils anzufertigen.
Das Abtasten eines Schlüsselprofils erfolgt mechanisch oder optisch von der Seite. Dem Ergebnis dieser seitlichen Abtastung folgt das Einstechen bzw. der Vorschub eines oder mehrerer Fräser zur Herstellung von U-förmigen, V-förmigen oder rechteckförmigen Nuten. Durch Schrägstellen des Schlüsselrohlings können Nuten auch schräg zur Mittellinie des Profilquerschnitts, z. B. als hinterschnittene Nuten, hergestellt werden.
Die zum Anmeldezeitpunkt unveröffentlichte DE 100 29 113 C1 zielt ebenfalls darauf ab, ein Nacharbeiten eines Schlüsselprofils zu erschweren, sodass die Schlüsselherstellung aus technischen Gründen praktisch nur mit den industriellen Mitteln der Schlossfabrik möglich ist. Es wird ein Verfahren zur Herstellung eines Flachschlüssels vorgeschlagen, bei dem vorerst Grundprofile in eine oder beiden Seitenflächen des Flachschlüssels eingebracht und von diesen ausgehend eine erste Hinterschneidung sowie von dieser ersten Hinterschneidung ausgehend eine zweite Hinterschneidung hergestellt wird. Grundprofil und die beiden aneinander anschliessenden Hinterschneidungen haben jeweils unterschiedliche Richtungsachsen. Diese Ausbildung bleibt invariant und ist für das Grundprofil nächst dem Schlüsselrücken vorgesehen.
Aus der DE 31 36 314 A1 ist ein Schlüssel bekannt, der seitlich über gedachte Seitenlinien eines fiktiven zentralen Querschnitts hinausgehende, weit ausladende Rippen aufweist, sodass dieser Schlüssel nicht über ebene und annähernd parallele Flachseite verfügt. Diese ausladenden Rippen tragen in Bewegungsrichtung der Kernstifte eingeschnittene Nuten. Wenn man die ausladenden Rippen im Schlüssel wegfeilt, dann kann man den Schlüssel ohne weiteres in den Schlüsselkanal einschieben und allenfalls sogar sperren. Ein Schlüsselprofil sollte so gestaltet sein, dass
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ein Umarbeiten durch Flachschleifen nicht zum Erfolg führt. Die seitlich in den Schlüssel eingear- beiteten Nuten weisen keinerlei Besonderheiten wie etwa Hinterschneidungen oder Abzweignuten auf.
Die Erfindung zielt darauf ab, ein Profilsystem zur Querschnittsausbildung von Flachschlüsseln mit im Wesentlichen ebenen und annähernd parallelen Flachseite sowie von korrespondierenden Schlüsselkanälen in Schliesszylindern so auszubilden, dass ein Herausarbeiten des Profils in einem Arbeitsvorgang mit einer modernen Schlüsselprofilfräseinrichtung, wie sie bei Schlüsseldiensten zum Einsatz kommen könnte, nicht möglich ist. Dies wird bei Flachschlüsseln mit im Wesentlichen ebenen und annähernd parallelen Flachseite sowie bei korrespondierenden Schlüsselkanälen mit den Merkmalen des einleitend genannten Oberbegriffs dadurch erreicht, dass die Abzweignut bzw.
Abzweignuten von einer Seitenflanke bzw. den Seitenflanken der Nut im Abstand zum Nutengrund ausgehen. Korrespondierend dazu sind im Schlüsselkanal Abzweigrippen vorgesehen, die im Abstand vom Ende der Profilrippe auskragen. Solche in vorgegebenen Abständen zum Nutengrund angeordnete Abzweignuten im Schlüssel müssten durch Umspannen des Rohlings und neuerliches Abtasten des Originals hergestellt werden. Das Umspannen für eine zur ursprünglichen Einstechrichtung einer Profilnut abweichende Winkelstellung der Mittellinie der Profilnut einerseits und die spezielle Lage der Abzweignuten führen unweigerlich zu seitlichen Verschiebungen, sodass eine Abzweignut bzw. eine seitlich von einer Nut ausgehende weitere Nut weder massund funktionsgerecht noch kostengünstig mit den Mitteln der Schlüsseldienste herstellbar ist.
Dies ist in der Praxis nur in der Schlossfabrik möglich, die über Profilräummaschinen sowie über grosse Fräszentren verfügt, wobei Umspannfehler nicht auftreten, da fehlerverursachende separate Arbeitsgänge mit neuerlichem Vermessen einer Ausgangsposition nicht erforderlich sind. Der Origi- nalschlüssei kann bei erfindungsgemässer Ausbildung weiterhin ohne nennenswerte Profilschwächung hergestellt werden.
Die Herstellung von Abzweignuten, die vom Inneren einer von einer Schlüsselflachseite eingestochenen Nut im Abstand vom Nutengrund ausgehen, ist ebenso schwierig, wie die darauf abgestimmte Herstellung des Schlüsselkanalprofils im Schliesszylinder. Durch die Anordnung der Abzweignut im Abstand vom Nutengrund ergibt sich eine deutliche Gabelung der Nuten in zwei oder mehr Richtungen, die kaum nachgearbeitet werden kann. Im Hinblick auf eine Garantie, dass diese Abzweignut oder Abzweignuten jedenfalls auch bei im Profil variierenden Schliessanlagen aus Sicherheitsgründen stets (also auch beim untergeordnetsten Schlüssel) vorhanden sind, ist es zweckmässig, wenn Nut und Abzweignut bzw. Rippe und Abzweigrippe als Führungsprofilelemente vorgesehen sind.
Das Führungsprofil ist innerhalb einer Schliessanlage bei jedem Schlüssel vollständig ausgebildet, sodass somit die angestrebte Sicherheit jedenfalls gegeben ist. Dabei ist es vorteilhaft, wenn die Führungsprofilelemente als von beiden Schlüsselflachseiten bzw. Schlüsselkanalseitenwänden einander entgegengerichtete überlappende Profilelemente mit mindestens einer Abzweignut an einer Nut bzw. Abzweigrippe an einer Rippe des Führungsprofils vorgesehen sind. Wenn man versuchen wollte, ein gewissermassen übergeordnetes Profil durch Ausschleifen der Abzweignut herzustellen, dann würde dies infolge Vergrösserung der Nut eine Schwächung des gesamten Querschnitts und in den meisten Fällen auch das Auseinanderfallen des Querschnitts bewirken.
Es sind somit der Herstellung eines Ersatzschlüssels mit den gebräuchlichen Mitteln Grenzen gesetzt, die ein unlauteres Schlüsselkopieren ausschliessen. Bei der üblichen Anordnung eines erfindungsgemäss ausgestalteten Führungsprofils im Rückenbereich eines Schlüssels würde beim Wegschleifen nur der Schlüsselrücken wegfallen und das Fragment könnte nach wie vor sperren. Zu beachten ist, dass die Herstellung eines dem Original nicht entsprechenden Schlüssels als strafrechtlich verfolgbare Herstellung eines Einbruchswerkzeuges anzusehen ist und dass durch einen solchen Schlüssel in wettbewerbswidriger Weise die Schliessanlage entwertet wird.
Es ist herstellungstechnisch bzw. aus Sicherheitsgründen zweckmässig, wenn die Einstichbreite der Abzweignut bzw. -nuten etwa ein Drittel der Länge der Flanke bzw. des Nutengrundes der Nut beträgt, von welcher die Abzweignut ausgeht. Ein Flachschlüssel mit im Wesentlichen ebenen und annähernd parallelen Flachseite und mit in diese einschneidenden Nuten, wobei eine weitere Nut als Abzweignut ausgeht und wobei die Einstechrichtungen von Nut und Abzweignut unterschiedlich sind und beispielsweise um 600 divergieren, ist dadurch gekennzeichnet, dass die Abzweignut bzw.
Abzweignuten von einer Seitenflanke bzw. den Seitenflanken der Nut im Flachschlüssel im Abstand zum Nutengrund ausgehen, wobei diese Nut insbesondere eine mit einer entgegengerich-
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teten Nut überlappende Nut ist und die überlappenden Nuten vorzugsweise im Mittelbereich des Schlüsselbartquerschnitts angeordnet sind. Ein solcher Flachschlüssel kann ein Anlagenschlüssel oder auch ein Einzelschlüssel sein. Infolge der besonderen Lage der Abzweignut innerhalb der Nut ist ein solcher Schlüssel sehr schwer herzustellen und die Festigkeit des Schlüssels wird weniger geschwächt als eine allenfalls ganz unten liegende Abzweignut im Bereich des Nutengrundes der Hauptnut.
Ausführungsbeispiele zum Erfindungsgegenstand sind in den Zeichnungen dargestellt. Fig. 1 bis 4 zeigen Schlüsselquerschnitte, Fig. 5 einen Schlüsselkanalquerschnitt.
Ein Schlüssel 1 einer Schliessanlage weist im Querschnitt des Schlüsselbartes etwa in seiner Längsmitte ein überlapptes Führungsprofil mit Nuten 2,3 auf, die jeweils die Profilmittellinie überragen. Eine solche Ausführung erfüllt die Aufgabe eines Führungsprofils, also der Positionierung des Schlüssels im Schlüsselkanal und deckt die Kernstifte kopfseitig ab, dient also der Abtastsicherheit des Schliesszylinders. Von einer Seitenflanke der Nut 2 geht eine Abzweignut 4 als Dreiecknut aus. Die Einstechrichtung (Pfeil 5) zur Herstellung der Nut 2 und die Einstechrichtung (Pfeil 6) der Abzweignut 4 sind unterschiedlich. Somit sind zwei Arbeitsgänge und ein Umspannen des Rohlings für die geänderte Bearbeitungsrichtung erforderlich.
Fig. 2 zeigt einen Schlüssel 7 und zusätzlich in der Nut 3 desselben eine rechteckige Abzweignut 8. In Fig. 5 ist der korrespondierende Schlüsselkanal 9 dargestellt : Dieser weist Rippen 2'und 3'und Abzweigrippen 4'und 8'auf. Ein Schlüssel gemäss Fig. 1 könnte infolge fehlender Abzweignut 8 in den Schlüsselkanal 9 nicht eingeschoben werden.
Wenn einem Schlüsseldienst ein Originalschlüssel 7 gemäss Fig. 2 zur Herstellung eines Ersatzschlüssels vorliegen würde, dann könnten bloss die Nuten 2 und 3 in der einen Einstechrichtung ausgebildet werden. Wollte man versuchen, durch tieferes Einstechen die Nuten 2 und 3 so auszubilden, dass sie die Abzweignuten 4 und 8 mit umfassen, dann würde der Schlüssel 7 auseinanderbrechen. Die Konturen eines tieferen Einstechens sind in Fig. 2 strichliert dargestellt.
In Fig. 3 ist ein Schlüssel 10 wiedergegeben, der über ein Führungsprofil gemäss Fig. 1 mit den Nuten 2 und 3 und der Abzweignut 4 hinausgehend noch die Nuten 11,12 und 13, 13'sowie 14, 14'als Variationsprofil ausgestattet ist. In der Nut 11 ist ein Beispiel für ein Variationssystem angegeben.
In Fig. 4 ist ein Schlüssel 15 dargestellt, der als Führungsprofil die Nuten 2,3 und die Abzweignut 4 umfasst. In der Nut 16, die, so wie alle anderen nicht gekennzeichneten Nuten, dem Variationsprofil angehört, ist eine Abzweignut 17 als Teil des Variationsprofiles vorgesehen, die von einer Seitenflanke mit unterschiedlicher Einstechrichtung als Fräsers gegenüber der Nut 16 ausgeht. Diese Abzweignut 17 weist einen Nutengrund auf, der schräg zur Ebene der Seitenflanke der Nut 15 liegt. Dadurch wird ein Nacharbeiten eines Schlüssels noch weiter erschwert. Es können somit nicht nur die Profilelemente des Führungsprofils, sondern auch jene des Variationsprofils mit Abzweignuten an den Seitenflanken bzw. am Nutengrund (z. B. bei Rechtecknuten oder Trapeznuten) ausgebildet sein.
Wenn vom Schlüssel, den Nuten und der oder den Abzweignuten die Rede war, dann gilt dies sinngemäss für die korrespondierenden Rippen und Abzweigrippen im Schlüsselkanal. Die Erfindung betrifft den Einzelschlüssel ebenso wie den Anlagenschlüssel, wobei letzterer die Abzweignut in einem Profilbereich aufweist, der bei allen Schlüsseln der Anlage zwangsläufig vorhanden ist, damit der Sicherheitseffekt bei allen Schlüsseln in Verbindung mit dem oder den korrespondierenden Schliesszylindern gewährleistet ist.
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