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Die Erfindung bezieht sich auf eine bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit här- tende Beschichtungsmasse.
Bei Anwendung einer bekannten Beschichtungsmasse mit einer filmbildenden wässrigen Kunst- harzdispersion (DE 197 11 664) werden die Nachteile vorbekannter Systeme (EP 059 977 sowie
EP 728 822) vermieden, die auf der Verdunstung des Wassers beruhen, um durch Koaleszenz der
Kunstharzteilchen des organischen Bindemittels zu einem zusammenhängenden Film zu führen.
Sie bestehen darin, dass bei kalter und feuchter Witterung die Trocknung der Beschickung weitge- hend verhindert wird. Ausserdem ist bei dieser bekannten Beschickung aufgrund ihres den Gefrier- punkt erniedrigenden hohen Salzgehalts sowie der Vernetzer, welche durch eine pH-Wert-
Einstellung > 9 mit Ammoniak blockiert sind, bis durch Ammoniakverdunstung der Vernetzungsme- chanismus in Funktion tritt, bereits bei nächtlicher Unterschreitung des Gefrierpunktes in der
Trocknungsphase das Entstehen von Frostschäden eingeschränkt. Auch die weiteren Nachteile von ebenfalls bekannten Systemen (DE 32 09 854) werden vermieden, die zur Erreichung der
Verarbeitbarkeit auch bei kalter Witterung einen aus ökologischer Sicht sehr hohen Gehalt an organischen Lösemitteln erfordern.
Ferner sind die Nachteile dispersionsgebundener Beschichtun- gen vorbekannter Systeme (DE 35 36 261, DE 35 36 262), die durch chemische Reaktion härten und als Voraussetzung einen hohen Bindemittelgehalt erfordern, ausgeschaltet.
Bekannt ist auch eine wasserhaltige dispersionsgebundene Farbe (EP 728 822), die durch die
Zugabe von Glykol schnelltrocknend und auch bei tiefen Temperaturen einsetzbar ist. In dickeren
Schichten aufgetragen, verhindert jedoch der Anteil an Glykol eine durchgehende Trocknung, da nach einer Oberflächenfilmbildung die weitere Trocknung unterbunden wird. Ein Ablösen bzw.
Abscheren des Systems ist die Folge.
Bei Anwendung des eingangs erwähnten Gedankens nach der DE 197 11 664 auf die vorge- nannten Dispersionen gemäss EP 728 822 hat sich nun gezeigt, dass der Fall gegeben sein kann, in dem der Mechanismus der Vernetzung in der Beschichtungsmasse nicht einwandfrei funktioniert, nämlich dann, wenn es sich bei den Untergründen um alkalische Untergründe handelt, d. h. wenn die Applikation auf einen alkalischen, d. h. zement- oder kalkhaltigen Untergrund erfolgt. Das Ver- sagen einer schnellen Abbindung ist umso deutlicher, je frischer und noch nicht vollständig abge- bunden und abgewittert (d. h. neutralisiert) die Untergrundoberfläche ist, z. B. bei frischem Beton.
Diese negative Eigenschaft lässt sich nicht durch gewöhnliche, wässrige Grundierungen beseitigen.
Auch verhindern Grundierungen, die einen sauren neutralisierenden Charakter haben, die weitere Abbindung des Untergrundes und mindern somit die Festigkeit beträchtlich.
Die vorstehend noch einmal erläuterte Besonderheit der erfindungsgemässen Beschichtungs- masse ist keiner der 4 Entgegenhaltungen entnehmbar und wird durch diese auch nicht nahege- legt.
Die Erfindung betrifft nun spezielle Beschichtungsmassen der eingangs genannten Art, bei denen die filmbildende wässrige Kunstharzdispersion Ammoniumsalze enthält.
Aus dem Stand der Technik ist der Einsatz von Ammoniumsalzen für die verschiedensten Zwecke bekannt.
So beschreibt die EP 438 284 eine Polymeremulsion mit reduziertem Formaldehydgehalt, wo- bei die Reduktion des Formaldehydgehaltes durch spezielle Zusätze so stabil ist, dass selbst bei pH-Werten unter pH 7 Formaldehyd nicht frei wird. Diese Bedingungen entstehen, wenn der Emul- sion "latent catalysts", unter anderem auch Ammoniumsalze, zugegeben werden, um sie gegen Lösemittel und Wasser beständig zu machen. Bei dieser Anwendung der Ammoniumsalze wird die pH-Wert-senkende Wirkung des Ammoniumsalzes eher als Nachteil betrachtet.
In der EP 208 194 ist ein Bindemittel für Korrosionsschutzanstriche offenbart, dem Zinksalzlö- sungen beigegeben werden (Spalte 2, Zeile 38-43). Hier kommt es auf die Zugabe einer Zink enthaltenden Verbindung an, bei der es sich eher zufällig um eine Zinkammoniumverbindung handelt, um die korrosionsverhindernde Wirkung des Zinks zu erhalten. Dem Ammoniumsalz an sich wird in dieser Schrift keine besondere Funktion zugedacht.
Die US 4,985,286 behandelt Beschichtungen für Glasflaschen, um diese vor übermässigem Ab- rieb zu schützen. Eingesetzt werden Ammoniumsalze, um die Haltbarkeit der Beschichtung zu verbessern.
Aus der JP 73 022 984 /Abstract ist die Aufgabe des Ammoniumsalzes nicht ersichtlich. Die Beschichtung wird jedoch durch Elektroabscheiden aufgebracht. Dieses Verfahren aus dem Stand
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der Technik kann offensichtlich nicht für Bautenanstriche herangezogen werden.
Die vorstehend behandelten Schriften betreffen somit die unterschiedlichsten Anwendungen von Ammoniumsalzen, berühren jedoch nicht die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe, die vorbekannte Beschichtungsmasse der vorgenannten Art unter Beseitigung der erwähnten Nachtei- le so weiter auszugestalten, dass mit ihr auch alkalisch reagierende Untergründe, wie Beton, Grundputz, Spachtelungen sowie Armierungsmassen der Wärmedämmverbundsysteme auf Ze- ment- oder Kalkbasis selbst in Jahreszeiten mit niedrigen Temperaturen und hoher relativer Luft- feuchtigkeit beschichtet werden können und zu einem schnellen Abbinden führen.
Die Beschichtungsmasse nach der Erfindung, bei der diese Aufgabe gelöst ist, zeichnet sich im wesentlichen dadurch aus, dass 0,01 bis 5 Gew. -%, vorzugsweise 0,1 bis 2,0 Gew. -% Ammonium- salz einer mono-, bi- oder trivalenten organischen Carbonsäure bis zu 12 Kohlenstoffatomen oder deren Mischsalze mit mehrwertigen Metallionen, wie z. B. des Zirkoniums, Titans, Zinks, Alumini- ums, oder 0,01 bis 5 Gew. -%, vorzugsweise 0,1 bis 1,0 Gew.-% Ammoniumsalz einer mono-, bi- oder trivalenten anorganischen Säure beigemischt sind.
Durch diese Beimischung, die in Form einer separaten Lösung (Verdünnung) vor der Anwen- dung der Beschichtungsmasse zugegeben werden kann oder direkt bei der Produktherstellung der Formulierung beimischbar ist, erhält man eine schnellhärtende Beschichtungsmasse, die universell an allen tragfähigen Untergründen anwendbar ist, und zwar insbesondere an alkalisch reagieren- den Untergründen, wie Beton, Grundputz, Armierungen, Spachtelmassen, an denen ebenfalls eine schnelle Abbindung erreicht wird.
Es hat sich allerdings gezeigt, dass bei Temperaturen um 10 C und höher die "offene Zeit" die- ser Formulierungen stark verkürzt wird, wodurch die handwerkliche Verarbeitung erheblich beein- trächtigt sein kann. Die schnell abbindenden Formulierungen bilden bei diesen Temperaturen zu rasch einen Schutzfilm an der Oberfläche, was die weitere Verarbeitung verhindert. Dies ist beson- ders im Falle der erfindungsgemässen Zugabe der beschriebenen Ammoniumsalze sehr markant.
Überraschenderweise hat sich in weiterer erfindungsgemässer Ausbildung der Beschichtungs- masse gezeigt, dass die vorerwähnten Schwierigkeiten behoben werden können, wenn der pH-Wert mit einem wassermischbaren Aminoalkohol (z. B. 2-Amino-2-Methyl-1-Propanol) auf > pH 9,5, vorzugsweise auf- pH 10,0 eingestellt ist. Mit dieser Massnahme lässt sich die offene Zeit generell in überraschender Weise verlängern.
Nachstehend sind Beispiele einer bei niedrigen Temperaturen und/oder hoher Luftfeuchtigkeit schnellhärtenden, wässrigen Beschichtungsmasse, die auch an frischen alkalisch reagierenden Untergründen schnell abbindet, angegeben:
BEISPIEL 1
EMI2.1
<tb> Spachtelmasse: <SEP> Gew. <SEP> -%
<tb>
<tb> Bindemittel <SEP> Primal <SEP> WDV <SEP> 3317
<tb> (Acrylat-Dispersion <SEP> gemäss <SEP> EP <SEP> 0 <SEP> 728 <SEP> 822) <SEP> 13,00
<tb> Quarzmehl <SEP> 74,00
<tb> Glasfaser <SEP> 0,25
<tb> Konservierung <SEP> 0,20
<tb> Filmbildehilfsmittel <SEP> 1,00
<tb> Dispergiermittel <SEP> 0,25
<tb> Verdickungsmittel <SEP> 0,20
<tb> Wasser <SEP> 10,10
<tb> Ammoniumsulfat <SEP> 1,00
<tb>
100,00
Die Formulierung wird mit einem Aminoalkohol wie z.B. AMP 90 (2-Amino-2-Methyl-1Propanol) auf pH 9,5 eingestellt.
BEISPIEL 2
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Putzbeschichtung : Gew.-%
EMI3.1
<tb> Bindemittel <SEP> Primal <SEP> WDV <SEP> 3317
<tb>
<tb>
<tb> (Acrylat-Dispersion <SEP> gemäss <SEP> EP <SEP> 0 <SEP> 728 <SEP> 822) <SEP> 13,00
<tb>
<tb>
<tb>
<tb>
<tb> Marmorsand <SEP> 77,00
<tb>
<tb>
<tb>
<tb> Pigment/Ti02 <SEP> 2,00
<tb>
<tb>
<tb>
<tb>
<tb> Glasfaser <SEP> 0,25
<tb>
<tb>
<tb>
<tb> Konservierung <SEP> 0,20
<tb>
<tb>
<tb>
<tb> Filmbildehilfsmittel <SEP> 1,00
<tb>
<tb>
<tb>
<tb>
<tb> Dispergiermittel <SEP> 0,25
<tb>
<tb>
<tb>
<tb> Verdickungsmittel <SEP> 0,20
<tb>
<tb>
<tb>
<tb>
<tb> Wasser <SEP> 6,10
<tb>
100,00
Die Einstellung auf pH - 10 erfolgt bei dieser Beschichtungsmasse mit konzentrierter NH40H.
Vor der Anwendung der Masse bedarf es des Einrührens einer wässrigen Lösung von 1,0 Gew.-% Zinkammoniumacetat in die Formulierung.
Mit den erfindungsgemäss geschaffenen schnellhärtenden Beschichtungsmassen lassen sich auch alkalisch reagierende Untergründe, wie Beton, Grundputz, Spachtelungen sowie Armie- rungsmassen der Wärmedämmverbundsysteme auf Zement- oder Kalkbasis selbst in Jahreszeiten mit niedrigen Temperaturen und hoher relativer Luftfeuchtigkeit beschichten.
PATENTANSPRÜCHE:
1. Bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit härtende Beschichtungsmasse mit einer filmbildenden wässrigen Kunstharzdispersion, die Ammoniumsalze enthält, dadurch gekennzeichnet, dass 0,01 bis 5 Gew.-%, vorzugsweise 0,1 bis 2,0 Gew. -%, Ammonium- salz einer mono-, bi- oder trivalenten organischen Carbonsäure bis zu 12 Kohlenstoffato- me oder deren Mischsalze mit mehrwertigen Metallionen, wie z. B. des Zirkoniums, Titans,
Zinks, Aluminiums oder 0,01 bis 5 Gew. -%, vorzugsweise 0,1 bis 1,0 Gew.-% Ammonium- salz einer mono-, bi- oder trivalenten anorganischen Säure beigemischt sind und dass der pH-Wert der Beschichtungsmasse mit Ammoniumhydroxid auf > pH 9,5, vorzugsweise # pH 10,0, eingestellt ist.