AT67822B - Verfahren zur Gewinnung und Spinnbarmachung der in der Rinde der Nesselarten (Urticeen) enthaltenen Fasern. - Google Patents

Verfahren zur Gewinnung und Spinnbarmachung der in der Rinde der Nesselarten (Urticeen) enthaltenen Fasern.

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Oswald Dr Richter
Friedrich Pick
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Oswald Dr Richter
Friedrich Pick
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Description


   <Desc/Clms Page number 1> 
 



  Verfahren zur Gewinnung und Spinnbarmachung der in der Rinde der   Ne88elarten     (Urttceen)   enthaltenen Fasern. 
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   Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zum Isolieren und Spinnbarmachen der in den Nesselarten (Urticeen) enthaltenen Fasern, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass vorerst die die Faser begrenzende Pektinlamelle zerstört, die freigelegte Faser im trockenen oder nassen Zustande einem Hechelprozess unterworfen, hierauf   behufs   Erlangung einer spinnbaren Faser bis zu einer Stunde in einem Seifenbade gekocht und schliesslich im   nassen   oder trockenen Zustande wiederholt gebrochen und   gehecbe1t   wird. 



   Die Entfernung der Pektinlamelle kann hiebei auf verschiedene Arten, und zwar entweder durch Behandlung der von der trockenen oder grünen Pflanze abgezogenen Rinde Illit Ammoniaklösung oder durch ein Rottungsverfahren sowie schliesslich auch durch einen mechanischen Vorgang erfolgen. 



     Die Neuheit   des Verfahrens liegt einerseits in der kombinierten, hintereinander erfolgenden Anwendung der   ohgekennzeichneten Vorgänge   sowie anch darin, dass die zur Entfernung der   Pektinlamelle zur Anwendung gelangenden   Verfahren sich von den bisnun bekannten Behandlungen mit Alkalien bzw. von den bekannten Rottungsprozessen ganz wesentlich unterscheiden. 



   Dieses unterscheidende Merkmal liegt hinsichtlich der Alkalienbehandlung darin, dass die Ammoniaklösung bei nur wenig   erhöhter   Normaltemperatur zur Verwendung gelangt. so dass jede durch Hitze oder Druck   bedingte Schädigung   der Faser vermieden wird. 



   Das der Erfindung gemäss zum Entfernen der Pektinlamelle zur Anwendung ge langende Rottungsverfahren unterscheidet sich von den bekannten gleichartigen Vorgängen dadurch, dass demselben ein auf Entziehung des etwa 7- bis 8%igen Fruchtzuckergehaltes   gerichtetos Auslaugeverfahren vorhergeht,   so zwar, dass der Rottungsprozess selbst erst 
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 Zuckerentfernung wird weiter unten erörtert ; an dieser Stelle soll nur hervorgehoben werden, dass sowohl die Tatsache, dass die Nesseiarten (Urticeen) einen so hohen Gehalt an Fruchtzucker aufweisen, als auch jene, dass der Zucker im Interesse des glatten Verlaufes der Rottung vor Einleitung derselben entfernt werden muss, bisnun nicht bekannt waren. 



   Im nachfolgenden sollen vorerst die der Erfindung gemäss zur Zerstörung der Pektinlamelle zur Anwendung kommenden Verfahrensvarianten beschrieben werden. 



   Die Zerstörung der Pektinsubstanz kann auf drei Arten, und zwar auf chemischem, biologischem oder mechanischem Wege erfolgen :
Das die Basis all dieser Verfahren bildende Rohmaterial ist die von der Nessel- 
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 suche der Erfinder erwiesen, auch von der trockenen Pflanze abgezogen werden kann, wenn dieselbe vorher durch   1/2 bis   2 Stunden in gewöhnlichem Wasser aufgeweicht wird. 



   Nach dem chemischen Verfahren wird die von der grünen oder getrockneten und aufgeweichten   Nesselpflanze   abgezogenen Rinde bei etwa 30 bis 40  C in einer Ammoniaklösung   mazeriert   und im trockenen oder nassen Zustande einem Hechelprozesse unterworfen. 



   Die Dauer der Mazeration hängt von der Konzentration der Ammoniaklösung ab 
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   Aus ökonomischen Gründen erfolgt die Entfernung des Zuckers aus der Rinde durch   zwei-bis zehnstündiges   Einlegen in 10 bis   1 & *   C Leitungswasser, obwohl auch ohne diesen Vorgang die Mazeration glatt vor sich geht. 



   Auf biologischem Wege erfolgt das Entfernen der   Poktinaubstanz   durch Bakterieneinwirkung im Wege eines Rottungsprozesses. Da die bei dem Rottungsprozesse neben den   Pektingärern   aufkommenden, auch die Fasersubstanz zerstörenden Bakterien gerade durch den Zucker in ihrer Entwicklung ausserordentlich gefördert werden und dadurch die Entwicklung jener Bakterien verhindern, welche die Pektinsubstanz angreifen, so ist es bei Ausführung dieses Verfahrens unbedingt notwendig, die Rinde vor Beginn des Rottungsprozesses vom Zuckergehalt zu befreien, was durch   zwei-bis fünfstündiges   Auslaugen derselben in Wasser bei einer Temperatur von 10 bis 150 C erfolgen kann.

   Zur Durchführung des Rottungsprozesses wird die nach dem Auslaugen aus dem Wasser ontnommene Rindensubstanz durch 24 bis 72 Stunden dem   Rottungsprozess   unterworfen, durch welchen ein vollkommenes Zerstören der Pektinsubstanz erzielt wird. Die gerottete Rinde wird im feuchten oder trockenen Zustande einem   Brech-oder Hechelprozesse   unterworfen. 



  Die Dauer des Rottungsprozesses hängt in bekannter Weise von der Temperatur   ab,   bei welcher sich der Prozess vollzieht. 



   Es ist aber auch möglich, die Pektinlamelle einfach durch mechanische Einwirkungen zu zerstören, wobei insbesondere auch vorheriges Auslaugen der Rinde vom   ZuckPrgplla1t   stattfinden   soll.   Dieses mechanische Verfahren besteht darin, dass die nach der Zuckerauslaugung erhaltene Rinde entweder in noch feuchtem Zustande, direkt gehechelt oder nach erfolgter Trocknung vorerst einem Brechprozess und erst nachher dem   Hechelprozesse   unterworfen wird. 



   Alle drei Verfahren ergeben eine pektinfreie, aber rauhe und wenig biegsame Faser. 



  Um die so gewonnene pektinfreie Faser in verspinnbare Form überzuführen, wird das Produkt durch eine Viertelstunde bis eine Stunde in einem Seifenbade gekocht und sofort nach dem Seifenbade in noch nassem Zustande oder nach vorheriger Trocknung bis zur Erlangung einer vollkommen spinnfähigen Faser wiederholt gehechelt und gebrochen. 
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1.

   Verfahren zur Gewinnung und Spinnbarmachung der in der Rinde der Nesselarten (Urticeen) enthaltenen Fasern, dadurch gekennzeichnet, dass vorerst die die Faser begrenzende Pektinlamelle dadurch zerstört wird, dass die von der Pflanze im trockenen und aufgeweichten oder grünen Zustande abgezogene Rinde bei einer Temperatur von 30 bis 400 C in   5-bis 27 /iger Ammoniaklösung mazeriert,   die freigelegte Faser im trockenen oder nassen Zustande einem Hechelprozesse unterworfen, hierauf behufs Erlangung einer spinnbaren Faser bis zu einer Stunde in einem Seifenbade gekocht und schliesslich im nassen oder trockenen Zustande wiederholt gebrochen und gehechelt wird.

Claims (1)

  1. 2. Bei einem Verfahren nach Anspruch 1 eine besondere Ausführungsform zur Zerstörung der Pektinlamelle, dadurch gekennzeichnet, dass die im grünen oder trockenen und nachher aufgeweichten Zustande von der Pflanze abgezogene Rinde behufs Entfernung der in derselben enthaltenen Zuckerarten durch 2 bis 5 Stunden mit gewöhnlichem Wasser ausgelaugt und hierauf an Stelle der Ammoniakbehandlung einem durch 10 bis 72 Stunden währende bakteriogischen Rottnngsprozesse überlassen wird.
    3. Bei einem Verfahren nach Anspruch 1 eine besondere Ausführungsform zur Zerstörung der Pektinlamelle, dadurch gekennzeichnet, dass die im grünen oder im trockenen und aufgeweichten Zustande abgezogene Rinde nach eventuellem, zur Entziehung der Zuckerarten erfolgtem Auslaugen an Stelle der Ammoniakbehandlung entweder im feuchten Zustande direkt gehechelt oder nach dem Trocknen einem Brechprozesae unterworfen und erst hierauf gehechelt wird.
AT67822D 1914-02-05 1914-02-05 Verfahren zur Gewinnung und Spinnbarmachung der in der Rinde der Nesselarten (Urticeen) enthaltenen Fasern. AT67822B (de)

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