Verfahren. und Vorrichtung zur Herstellung von kolloiden Stoffen auf mechanischem Wege. Die kolloiden Stoffe, welche für viele Industriezweige heute von sehr grosser Be deutung sind, werden meist auf chemischem Wege gewonnen. Man hat auch schon die Herstellung auf mechanischem Wege versucht. Die bisher bekannt gewordenen Vorrichtungen haben jedoch kein einwandfreies Resultat er geben. Zur mechanischen Zerkleinerung dienen Mühlen, insbesondere Schleuder- und Schlag kreuzmühlen, die unter Anwendung ver schiedenster Elektrolyten, die als Dispersator en dienen und unter Zusatz von Schutzkolloiden durch längeres Mahlen die Zerkleinerung des Gutes .bis auf die gewünschte Feinheit er reichen sollen.
Dann wird das gewonnene Gut aus der Mühle entfernt, in einen Sam- melbehälter gebracht und von diesem zu einer Trockenvorrichtung befördert. Zuweilen muss bei solchen Verfahren die Flüssigkeit, welche die Mühle verlässt, eine komplizierte Zentri fuge passieren, welche die Scheidung des kolloidgelösten Anteils von den gröberen Bei mengungen bewirken soll. Die in der Lösung suspendierten Teilchen müssen dann durch irgendein Trockenverfahren in den für die betreifende Verwendungsart brauchbaren Zu stand übergeführt werden.
Es hat sich ergeben, dass das gewonnene Gut nur einen. sehr niedrigen Prozentsatz von kolloidalen Stoffen bei diesem Verfahren auf weist, der am meisten über 1 /o nicht hinaus geht. Der Rest des behandelten Stoffes zeigt eine mehr oder minder grobe Beschaffenheit. Dieses ist daher zu erklären, dass die ge wonnene Suspension schon nach kurzer Zeit anfängt zu koagulieren, wodurch ein beträcht licher Teil der kolloiden Teilchen ausfällt. Auch durch Dispersatoren und Schutzkolloide kann dieser Vorgang der Koagulierung nicht völlig verhindert werden. Ausserdem stellen derartige Schutzmittel eine Verteuerung des ganzen Verfahrens dar.
Die Ausbeute an kolloiden Stoffen wird durch das neue Verfahren bedeutend erhöht. Dieses Verfahren besteht darin, dass die in irgendeiner Flüssigkeit geschlämmten Stoffe ohne Zusatz von Dispersatoren oder Schutz kolloiden zunächst in einer Mühle beliebiger Bauart, also beispielsweise Schlag-, Schleuder- oder Reibmühle bis zur Erreichung des kol loidalen Zustandes bearbeitet werden.
Hierauf wird die Flüssigkeit, ohne in irgendwelche Sammelbehälter zu gelangen, sofort durch eine Zerstäubungsvorrichtung in eine Trocken vorrichtung bekannter Art befördert, uin hier unmittelbar nach dein Verlassen der illühle aus dem flüssigkolloiden Zustand in den trockenen Zustand übergeführt zu werden.
Eine Vorrichtung zur Ausführung des Ver fahrens ist auf der Zeichnung dargestellt. Fig. 1 zeigt eine Mühle im Längsschnitt, Fig. 2 einen Querschnitt durch die den Mahlvorgang bewirkenden Nuten ; Fig. 3 zeigt die Mühle mit der Zerstäu- bungsvorrichtung und der unmittelbar ange schlossenen Trockenvorrichtung.
Die Mühle besteht aus einem konischen Läufer A, der ans besonderem Stahl her gestellt wird und gradlinige oder schrauben förmige Nuten a (Feg. 2) von rundem oder eckigem Querschnitt trägt. Der Läufer arbeitet zusammen mit dein feststehenden Gehäuse B, das entsprechende Nuten aufweist und durch Wasser oder eine andere Flüssigkeit gekühlt wird. Beide Teile können zylindrische oder konische Form besitzen. Die konische Form hat den Vorteil, dass man die Mühle sehr genau einstellen kann.
Die in den beiden Teilen angeordneten Nuten wirken als Schlag- und Reibungswiderstände und verarbeiten bei der schnellen Umdrehung des Läufers, die wenigstens 3000 in der Minute beträgt, das in die Müble hineingebrachte Material so vollständig, dass die Stoffe in den kolloiden Zustand übergehen. Durch die Leitung C tritt die Flüssigkeit mit dem aufgeschlämmten Mahlgut tangential in den Raum E ein, wel cher zum Läufer hin trichterförmig ausge bildet ist.
Auf der Welle F des Läufers, die in irgendeiner Weise angetrieben wird, sitzt ein schraubenförmiger Zubringer III, welcher das Mahlgut zwingt, in den Schlag- und Mahlraum einzutreten. Nachdem das Mahl gut in der Mühle zerkleinert worden ist, tritt es am andern Ende der Mühle wieder aus. Hier ist gleichfalls ein Schraiibeiiflügel N an gebracht, der das austretende Glut sofort iri den Stutzen 0 befördert, welcher gleichfalls tangential angeordnet ist.
Der Stutzen 0 selbst kann düsenförmig ausgebildet sein. Oberhalb des Stutzens < l sitzt dann eine Düsenkammer G, in welche eine gegebenen falls mit heif)er Pressluft betriebene Diise K eingreift, welche die kolloide Lösung zunächst gegen eine schi,iige Prallplatte I wirft.
Die Pressluftdüse übt also zwei verschiedene Wir kungen aus, und zwar wird einmal durch die als Injektor wirkende Düse die kolloide Lii- sung in die Düsenkammer G hineingerissen und dadurch die Mühle selbst entlastet, so dass der Kraftverbrauch der Mühle leerab gesetzt werden kann; zweitens bewirkt die Düse K eine feine Zerstäubung der kolloiden Lösung, welche durch die Prallfläche I noch vergrössert wird.
Die Flüssigkeitsnebel treten nun sofort in die Trockenkammer H ein, die in irgendeiner bekannten Weise ausgebildet sein kann, und hier erfolgt die Trocknung der kolloiden Stoffe.
Durch die beschriebene Arbeitsweise der Mühle wird ein kontinuierliches Arbeiten be wirkt. Schädliche Räume, durch die bei Mühlen andern Systems ein Teil des Mahlgutes der Schlagwirkung entzogen wird, fallen hier voll ständig fort; das Mahlgut wird vielmehr zu einer ständigen Bewegung gezwungen und tote Ecken und Winkel sind vermieden. Vor allen Dingen wirkt der schraubenförmige Zu bringer dafür; dass das gesamte Mahlgut auch in die Mühle eintritt. Durch die injektorartige Wirkung der Düsen wird im Mahlraum ein Unterdruck oder eine Saugwirkung hervor gerufen, die gleichfalls befördernd auf den Umlauf des Gutes einwirkt.
Auch wird durch die sofortige Zerstäubung und Trocknung des Gutes nach dem Mahlen das gewünschte Pro dukt auf schnellstem Wege hergestellt, und es fällt dabei jeder Zusatz von Dispersatoren und Schutzkolloiden fort, weil die Überfüh rung aus dem flüssigen kolloiden Zustand in den trocknen unmittelbar bewirkt wird. In folgedessen ist auch eine Zentrifuge nicht notwendig, und der Mahlprozess ist von kurzer Dauer. In der Mühle können hochkonzentrierte Aufschlämmungen bearbeitet werden, deren Konzentration nur von der AustrittsmögliCh- keit in den Düsen begrenzt wird.