Verfahren zur Gewinnung von Schwefelwasserstoff aus Er dalkalisulfaten. Man hat bereits vorgeschlagen, Schwefel wasserstoff aus Erdalkalisulfaten durch Auf lös, n dieser in Salzen in schmelzflüssigem Zustand zu gewinnen. Bei diesem Verfahren wird zwecks Erzeugung von Erdalkalisulfid Kohlenstoff entweder in Form gewöhnlicher, das heisst nicht entgaster Kohle oder in Form reduzierender Gase verwendet.
Es hat sich nun gezeigt, dass gewöhnliche Kohle sich mit der Schmelze nicht gut mi schen lässt. Die Kohle erfährt durch die Ent gasung einen Auftrieb und verbrennt sehr rasch an der Oberfläche, ohne dass sie für die Reduktion ausgenutzt wird. Die Reduk tion ist daher nur unvollständig und erfor dert einen erheblichen Aufwand an Kohle. Von dem bekannten Verfahren unterscheidet sich das den Gegenstand der vorliegenden Erfindung bildende Verfahren dadurch, dass der Kohlenstoff in Form von Koks verwendet wird, wobei aus dem gebildeten Erdalkalisul- fid Schwefelwasserstoff erzeugt wird.
Der Koks lässt sich mit der Schmelze gut mischen und wirkt sehr rasch redu zierend.
Man hat für die Herstellung von Schwe felnatrium und Schwefelkalium aus den be treffenden Sulfaten mittelst Kohle und Al kalisalzen die Benutzung von Koks bereits vorgeschlagen J bei der Behandlung von Erd- alkalisulfaten dagegen ist Koks bisher noch nicht zur Anwendung gekommen.
Das Verfahren wird beispielsweise derart ausgeführt, dass das Erdalkalisulfat in ge schmolzenem Chlornatrium gelöst wird. Als dann wird Kohlenstoff zugegeben, welcher das Sulfat zu Erdalkalisulfid reduziert. Nach der Reduktion erfolgt eine Trennung des A1- kalichlorids von dem Erdalkalisulfid durch Sedimentation. Das Alkalichlorid wird oben abgelassen, während das Erdalkalisulfid durch Behandlung mit Dampf in Erdalkaliogyd und Schwefelwasserstoff übergeführt wird.
Zweckmässig wird der Schmelze vor oder nach der Reduktion mit Koks Magnesium chlorid beigeschmolzen. Hierdurch wird die Umwandlung der Er-dalli:alisulfide in Erd- alkalichloride bewirkt.
Man hat zwar bereits Magnesiunrchlorid bei der Gewinnung voll Schwefelwasserstoff auf nassem Wege angewendet. Dieses Ver fahren ist aber kostspielig und führt zur Ver unreinigung der Abwässer.
Bei der Anwendung von Magnesiumchlorid wird das Verfahren zum Beispiel in der Weise durchgeführt, dass man nahezu entwässertes Magnesiumehlorid in die die Erdalkalisulfide enthaltende Alkalichloridschnrelze einträgt. Es entweichen alsdann grosse Mengen Schwe- felwasserstoffgas unter Abscheidung von Mag nesiumoxyd, während aus den in der Schmelze unlöslichen Erdalkalisulfiden Erdalkalichloride entstehen, die in den geschmolzenen Alkali chloriden leicht löslich sind.
Man leitet dann Wasserdampf in die Schmelze ein und es entsteht sehr schnell eine von Erdalkalisulfiden freie, leicht flüssige Schmelze, die aus Alkali- und Erdalkalichlo- riden besteht. In dieser Schmelze setzt sich das Magnesiumoxyd rasch ab, so dass es leicht entfernt werden kann.
Wenn man die von Magnesia befreite, nur noch den überschüssigen Koks enthal tende Schmelze aus Alkalichloriden und Erd- alkalichloriden erneut zum Lösen und Redu zieren von Erdalkalisulfaten benutzt, so kann man erstens den Arbeitsgang kontinuierlich gestalten und zweitens die dem nassen Ver fahren anhaftenden Mängel in technisch ein facher Weise beseitigen, die in der kost spieligen Gewinnung der Erdalkalichloride durch Verdampfung oder in der Verunrei nigung der Flüsse durch die Abwässer be stehen.
Dadurch, dass die Magnesia durch Sedi- mentation immer entfernt und das sich bil dende Erdalkalichlorid in den Kreislauf zu rückgeführt wird, erhält man schliesslich eine reine, aus Alkali- und Erdalkalichloriden be stehende Schmelze, deren Aufbereitung sehr einfach ist und keine wertlosen, die Flüsse verunreinigenden Ablaugen entstehen lässt.
An Stelle von Chlornatrium kann man auch andere Alkalisalze oder 'Mischungen solcher Salze zurr Einschmelzen der Erd- alkalisulfate verwenden. Geeignet sind solche Salze, die wasserfrei schmelzbar sind und in geschmolzenem Zustand auf Erdalkalisulfate keine zersetzende Wirkung ausüben.
Es hat sich nämlich gezeigt, dass sich die Erdalkalisulfate nicht nur in geschmol zenem Chlornatrium, sondern auch in andern geschmolzenen Alkalisalzen, sowie in ge schmolzenen Gemischen derselben leicht zu einer klaren dünnflüssigen Schmelze auflösen. Besonders geeignet sind die Sulfate der Al kalien, sowie die Fluoride der Alkalien für sich allein oder in Mischung mit andern Alkalisalzen.
Die auf diese Weise aus Erdalkalisulfaten finit Alkalisalzen hergestellten Schmelzflüsse können dann zur Gewinnung des Schwefel wasserstoffes auf die gleiche Weise, wie oben beschrieben, weiterbehandelt werden, indem Koks irr die Schmelze eingerührt wird, wo durch das Erdalkalisulfat zu Erdalkalisulfid reduziert und dieses weiterhin durch Einbla sen von Wasserdampf in Erdalkalioxyd und Schwefelwasserstoff zerlegt wird, der dann in bekannter Weise auf Schwefel oder Schwefel verbindungen verarbeitet werden kann.
Verwendet man solche Alkalisalze, die einzeln oder gemischt firn Schmelzbad beim Einblasen voll Wasserdampf Säure abspalten, zum Beispiel ein Gemisch von Alkalichlori- den und Alkalipyrosulfaten, so gelingt es, nach beendeter Reduktion der Erdalkalisul- fate das entstandene Erdalkalisrrlfid durch Einblasen von Wasserdampf in Erdalkalisalz und Schwefelwasserstoff zu zerlegen,
da die sich bei der Einwirkung von Wasserdampf auf das Schmelzbad bildende Säure in statu nascendi auf das Erdalkalisrrlfid einwirkt.