Anlage mit rasch laufenden Drehöfen. In den schweizer. Patenten Nr. 117228 und 124086 ist ein Verfahren angegeben, bei welchem Drehöfen mit hoher Umdrehungs- zahl angewendet werden. Die hohen Dreh zahlen, die ein vielfaches derjenigen sind, die man heute bei Drehrohröfen anwendet, näm lich bis einige hundert pro Minute dienen einerseits dazu in bequemer Weise ein Heiz- element durch Zentrifugalwirkung zu formen, zwecks elektrischer Innenheizung des Ofens, anderseits ebenfalls durch Zentrifugalwir- kung sowohl das den Wärmeschutz be sorgende Material, als auch die zu er hitzenden Stoffe auf der Ofenwand auszu breiten und festzuhalten,
wobei alle diese der Zentrifugalwirkung zu unterwerfenden Stoffe im Zustande grosser innerer Beweglichkeit, das heisst flüssig oder wenn fest in ausrei chend unterteiltem Zustande angewendet wer den.
Bei einer insbesondere für chemische Re aktionen zweckmässigen Durchführungsform dieses Verfahrens wird als rasch umlaufen des äusseres Gefäss ein eiserner oder stä.hlener Zylinder mit horizontaler Drehachse verwen det. An den Stirnseiten dieses zylindrischen Ofenmantels sind als Stromzuführungen zweckmässig starke Kohleblöcke eingesetzt, zwischen denen sich die leitenden Bestand teile des Ofeninhaltes zum hohlzylindrischen Heizelement anordnen.
Zum Zwecke der Beschickung des Ofens, der Zu- und Abfuhr von Reaktionsteilneh mern, zum Beispiel von Gasen während der Rotation, werden zweckmässig in den Stirn flächen des Rotiergefässes zentrale Öffnun gen von beträchtlicher Grösse angebracht. Dies bedingt die Verwendung hohler Achsen von bedeutender Weite im Falle der gewöhn lichen normalen Lagerung in festen Lagern.
Abgesehen davon, dass bei grossen Ofen sich so Achsenkonstruktionen ergeben wür den, die mechanisch nicht leicht auszuführen wären, verbieten sich jedoch feste Lager mit Rücksicht darauf, da.ss es schwierig ist, einen vollkommenen Massenausgleich des Ofeninhaltes zu erzielen. Mangelhafter Mas senausgleich führt bei hohen Umlaufszahlen zu unruhigem Gang, der insbesondere bei hohlen Achsen von sehr grossem Durchmesser zu rascher Zerstörung von Lagern und Ach sen führen müsste. Hinzu kommt, dass die Achsen, zumal wenn sie von heissen Ofenab gasen durchströmt sind, sich erhitzen, so dass Festklemmungen eintreten würde.
Diese Schwierigkeiten können, wie Ver suche gezeigt haben in überraschender Weise vermieden werden, wenn man eine Anlage mit rasch rotierenden Drehöfen verwendet, die ge mäss vorliegender Erfindung gebaut ist. Diese besteht darin, dass der Ofenkörper mittelst ge schlossener, ihn umschlingender Tragschleifen an Tragrädern oder Trabrollen frei drehbar aufgehängt ist. Ofenkörper und Tragräder Tragräder sind demnach durch die Tragschleifen in derselben Weise verbunden wie bei einer ge wöhnlichen Transmission die Transmissions räder, mit dem Unterschied, dass bei der hier geschilderten Anlage das eine Transmissions rad, nämlich der Ofenkörper, keine feste La gerung besitzt, sondern einfach in die Trag schleife, die dem Transmissionsriemen ent spricht, eingehängt ist, diese durch sein Ge wicht spannend.
Als Tragschleifen können die bei Trans missionen verwendeten üblichen Transmis sionsmittel vorgesehen sein, z. B. Riemen, Seile, Ketten usw. Je nach der Art der Trag schleife erhält der Ofenkörper an der Stelle, wo er von der Schleife gestützt ist eine zweckentsprechende Ausgestaltung durch Anbringen von Rillen, zum Beispiel für Seile und Riemen oder von Zähnen für Ketten. Entsprechende Ausgestaltung erfahren auch die Tragräder.
Bei Anlagen, wie vorstehend beschrieben, verhält sich der raschumlaufende Ofenkörper wie ein Kreisel. Es besteht demnach das Be streben des Ofenkörpers die freie Achse der Drehung festzuhalten, woraus eine fast voll kommene Stabilität des rasch rotierenden Ofenkörpers, was seine ,Lage anbetrifft, re- sultiert. Unvollkommener Massenausgleich macht sich nur in kleinen unschädlichen Schwingungen bemerkbar.
Die Vorteile, die durch die beschriebene Anlage erreicht werden, sind hauptsächlich die folgenden: 1. die beiden Stirnseiten des Ofens sind unbeschränkt zugänglich; 2. Es ergibt sich eine überraschend einfache An triebsweise des Ofenkörpers.
Statt nämlich den Antrieb des Ofenkör pers unmittelbar am Ofen selbst, entweder an der Achse oder am Ofenumfang vorzuneh men, wie das bei den bisher bekannten Dreh ofenkonstruktionen gemacht wird, erfolgt ge mäss der vorliegenden Erfindung der Antrieb indirekt. Der Antriebsmotor wirkt zunächst auf die Tragräder, von diesen wird die Dre hung vermittelst der Tragschleifen auf den Ofenkörper übertragen, entsprechend dem Vorgang bei einer Transmission. Versuche haben gezeigt, dass man auf diese Weise auch schwere Drehöfen in rasche sehr stabile Ro tation versetzen kann. Für diese Antriebs weise ist natürlich das bedeutende Gewicht des beschickten Drehofens von Vorteil.
Es ist häufig zweckmässig, den motori schen Antrieb an einem einzigen Tragrad an gTeifen zu lassen, -die übrigen dagegen als blosse Mitläuferräder auszubilden.
Da die Tragschleife die Tragräder und die Ofenaussenwand, welche zweckmässig me tallisch ist, über grosse Teile der Umfänge mit kräftiger Pressung berührt, ergibt sich bei Ofen mit elektrischer Heizung eine be queme Art der Stromzuführung. Verwendet man nämlich als Tragschleifen metallische Bänder, zum Beispiel Drahtseile, Stahlbän der oder Ketten, so können diese ohne weite res dazu dienen, dem Ofen den elektrischen Strom aus dem Netz über die Tragräder zu zuführen, wobei zweckmässig an den Tragrä dern Schleifbürsten angebracht sind.
In Anlagen gemäss der vorliegenden Er findung lassen sich nicht ohne weiteres Dreh öfen von sehr grossem Durchmesser, zum Bei spiel 2 m und darüber anwenden, weil in diesem Falle hohe Umfangsgeschwindigkei ten und daher unter Umständen unzulässig hohe Geschwindigkeit der Tragschleifen, also des Transmissionsmittels resultieren. Bei spielsweise dürfte bei Kettenaufhängung die Geschwindigkeit der Transmissionskette zirka. 6 ni nicht wesentlich übersteigen. Man kann dieser Schwierigkeit leicht begegnen, indem man den Ofenkörper auf den beiden Stirnseiten ausreichend verjüngt und die Tragschleifen auf diese verjüngten Stellen wirken lässt.
Mit Rücksicht auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Transmissionsmit tels sind Querschnittsver jüngung des Ofen körpers auf 0,5 bis 1 m bei den erforderlichen Drehzahlen vollkommen ausreichend, so dass die Weite der stirnseitigen Öffnungen für die Zwecke der Ofenbeschickung, der even tuellen Gaszu- und -Abfuhr vollkommen aus reichend sind. Tragschleifen sind in diesen Fällen demnach nur an beiden Enden des Ofens anzuordnen. Man wird daher zweck mässig nicht allzugrosse Bauläugen der Dreh öfen verwenden. sondern falls es sich um sehr grosse Leistungen handelt, eine Reihe von Einzelöfen zu einem Ofenstrang zusammen fügen, in Serie schalten. Ein solches Zusam menschliessen ist leicht und bequem durch zuführen, wenn die Öfen in der beschriebenen Weise frei drehbar aufgehängt sind.
Dabei ergibt sich noch der besondere betriebstech nische Vorteil, dass die Einzelöfen leicht auch während des Betriebes zwecks Beschickung und Entleerung dem Ofenstrang zu- bezw. von ihm abgeschaltet werden können.
Vorliegende Erfindung ist nicht auf Drehöfen mit elektrischer Heizung be schränkt, sondern kann auch vorteilhaft zur Anwendung kommen in allen Fällen, wo Drehöfen in horizontaler Lagerung mit re lativ grossen Drehzahlen umlaufen, derart, dass der Ofeninhalt oder mindestens Teile des selben unter dem Einfluss der Zentrifugal kraft auf der Ofeninnenwand ausgebreitet und festgehalten wird.
Es kann die Erfindung selbstverständlich auch so zur Anwendung kommen, dass an Stelle weniger zum Beispiel zweier Tragbän der mehrere schwächer dimensionierte benützt werden.
Die Zeichnung stellt einige Ausführungs weisen der Erfindung dar. In Fig. 1 ist die Aufhängung eines zylindrischen Ofenkörpers an zwei Tragrädern mittelst Seilen darge stellt, wobei die Tragräder mit Rillen ver- sehen sind. Fig. 2 zeigt den Fall, wo die Tragschleifen nicht am eigentlichen Ofen körper, sondern an einer zylindrischen Ver jüngung desselben angreifen. Das Tragband als welches hier eine Kette angenommen ist, ist sowohl auf dem Tragrad als auf der Ver jüngung des Ofenkörpers durch eine Rille in seiner Lage fixiert.
Die Figur veranschau licht zugleich noch den Fall, wo bei elektri scher Heizung des Ofens der Heizstrom über das Tragrad und die Tragkette dem Ofen zu- geführt wird, indem am eine Schleif bürste die Verbindung mit dem Kraftnetz vermittelt.