Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Schnüren als Ersatz für Darmsaiten. Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung von Schnüren als Ersatz für Darmsaiten, bei spielsweise zur Verwendung für Tennissehlä- ger, Netze, Angelschnüre oder als Musik instrumente.
Das neue Verfahren zur Herstellung von Schnüren besteht darin, dass Fäden aus einem Faserstoff, beispielsweise Seide, Ramie, Baumwolle, künstliche: Seide, oder andern künstlichen oder natürlichen Fasern, die von einem Spulrahmen ablaufen, durch ein Im prägnierbad geleitet und in einer 7wirnvor- richtung zu einer Schnur verflochten werden, worauf diese mit einer Hülle versehen,
in einen trockenfesten Zustand übergeführt und schliesslich auf einer Spule aufgewickelt wird. Zur Ausführung dieses Verfahrens ist eine neue Einrichtung vorgesehen, die einen Spulrahmen, einen Behälter mit Imprägnier lösung, eine Zwirnvorrichtung, eine Vorrich@ tung zur Erzeugung einer äussern Hülle und eine Aufwickelspule aufweist.
Das Überführen der Schnüre in den trockenfesten Zustand kann durch Vulkani- sieren oder durch Trocknen der Schnüre er folgen. Die Fäden können um eine Seele verflochten werden, welche ebenfalls aus einer geflochtenen, imprägnierten Schnur be stehen kann. Die Schnur kann in einem Bad von bestimmter Lösung mit der äussern Hülle zum Beispiel aus viskoser Zellulose umgeben werden, welches Bad hinter der Zwirnvor- richtung angeordnet ist.
Nach dem Zellulose- bad kann die Schnur durch ein koagulieren- des Bad, zum Beispiel aus Schwefelsäure oder Natriumsulfat, geführt werden. Das Verfahren kann beispielsweise in folgender Weise ausgeführt werden: Fäden aus Seide, Ramie, Baumwolle, Wolle, Hanf, Jute, künstlicher Seide oder aus künstlichen oder natürlichen Fasern werden auf einem umdrehenden Spulrahmen aufgewickelt.
Sie laufen dann durch ein Bad, wo sie mit einer Lösung imprägniert werden, die aus viskoser Zellulose, aus Gummilösung, aus Guttaperelia, aus Balata bestehen kann, die an sich bekannt ist. Nach dem Durchgang durch dieses Bad werden die Fäden schliesslich zusammen verzwirnt. Es bilden sich dann die :Schnüre, die durch eine Kammer laufen, in der die Schnüre eine Hülle von gewünschter Dicke erhalten.
Die Schnüre laufen dann weiter durch ein koa- gulierendes Bad zu einer Vulkanisier- oder Trockenkammer.
Die fertige Schnur wird dann auf einer Rolle für den Gebrauch aufgespult.
Soll eine Schnur mit einer mittleren Seele hergestellt werden, so kann man einen zusätzlichen Spulrahmen anordnen, ein Bad zum Imprägnieren, Zwirneinrichtung und eine Kammer zum Anbringen der Hülle. Wenn nötig, wird noch eine Kammer zum Koagulieren vorgesehen, um die innere Seele herzustellen, und diese läuft dann über einen zweiten Spulrahmen, wonach weitere Fäden nach der Imprägnierung auf der Seele ver flochten werden. Des weiteren kann man noch Einrichtungen treffen, um eine Schnur mit verschiedenen Lagen herzustellen.
In. der beiliegenden Zeichnung ist die Vorrichtung zur Herstellung von Schnüren in zwei beispielsweisen Ausführungsformen, sowie mehreren Teilvarianten dargestellt.
Fig. 1 ist eine schematische Ansicht der neuen Vorrichtung; Fig. 2 ist eine andere Ausführungsform mit der Anordnung einer mittleren Seele; Fig. 3 zeigt das koagulierende Bad der Vorrichtung; Fig. 4 ist ein Schnitt durch das Im prägnierbad mit Zwirnvorrichtung; Fig. 5 ist eine perspektivische Ansicht des Spulrahmens; Fig. 6, 6a, 6b zeigen verschiedene Spann vorrichtungen;
Fig. 7 ist die Einzelansicht der Zwirn- vorrichtung; Fig. 8 zeigt die Kammer zur Anfertigung der Hülle im Schnitt; Fig. 9 ist ein Schnitt durch die Vulkani- sier- oder Trockenkammer.
In der Zeichnung sind die Fäden 1 auf in einem Kreis angeordneten Spulen 2 auf gewickelt. Man kann jedoch auch jeden an dern Fadenkörper bei unwesentlichen Ab- änderungen der Vorrichtung, etwa Kreuz wickel, verwenden.
In den Figuren ist nur ein Spülenkreis dargestellt; man kann aber auch natürlich mehrere solcher Kreise anordnen, je nach der gewünschten Dicke der Schnur. Die Spulen 2 sind auf einem sich drehenden Spulrahmen 3 angebracht (Fig. 1 und 5), der in geeigneter Weise auf irgend eine bekannte Art an getrieben wird. Die Fäden 1 laufen von den Spulen 2 über Führungen 4 eines Rah rnens 5, der auf der Spulrahmenplatte 3a befestigt ist, und von dort durch Bohrun gen 6 der Platte 7 in das Imprägnierbad B.
Die Führungen 4 können als Schlitze auf dem kreisförmigen Flansch 5a des Rah mens 5 angeordnet sein, über welche die Fäden unmittelbar von den Spulen nach der Platte 7 laufen. Anderseits können diese Führungen auch als Spannvorrichtungen ausgebildet sein.
Nach Fig. 5 und 6 laufen die gewöhn lichen Fäden von den Spulen zu der ersten Schlaufe 4a der Führung 4 und von dort durch die Schlaufen 4b und 4e nach der Platte 7. Ein farbiger Faden läuft nur über die Schlaufe 4b, so dass seine Spannung gerin ger ist und er immer das Bestreben hat, an der Oberfläche der entstehenden Schnur zu bleiben. . Von diesen Führungen laufen die Fäden weiter über die Führungsplatte 7 in das Imprägnierbad 8 und durch dieses zu der Zwirnvorrichtung (Fig. 7).
In den Fig. 4 und 7 liegt die Führungsplatte 9 in einer etwa zylindrischen Verlängerung 10 des Imprägnierbades, in der ebenfalls eine Lö sung enthalten ist. Um das Zwirnen der Fäden zu erleichtern, hat die Führung 9 Schlitze 9a oder Bohrungen und wird in ihrer Lage in der Verlängerung des Im prägnierbades durch einen geteilten Stell ring 11 festgehalten. Diese Führungsplatte hat eine konische Verlängerung 9b, um das Brechen der Fäden in einem zu scharfen Winkel nahe der Führungsplatte zu ver hindern.
Die gedrehten Fäden laufen dann in Form einer Schnur 12 durch eine Zwinge 18, vor zugsweise aus Glas, an der die Schnur 12 mit einer dünnen Haut der Lösung bedeckt wird.
Dann läuft die Schnur durch die Kam mer 14 (Fig. 8) zum Überziehen mit einer Hülle, beispielsweise aus viskoser Zellulose, von wo sie durch eine weitere Zwinge 15 von genügender Weite läuft, um die erfor derliche Stärke der Hülle auf der Schnur zu erzeugen. Die Zwinge 15 ist ebenfalls aus Glas, was der Schnur erfahrungsgemäss die beste glatte Oberfläche gibt.
An dieser Kammer für die Anfertigung der Hülle ist eine weitere Zwinge 15a an geordnet, um den Durchmesser der Fäden beim Eintritt in die Kammer zu verkleinern, da die Fäden sieh in der Imprägnierflüssig keit leicht spreizen.
Das Imprägnierbad 8 und die Kammer 14 für die Hülle können, wie in Fig. 5 gezeigt, durch gewundene Dampfrohre 8a und 14a beheizt werden.
Aus der Kammer für die Hülle läuft die Schnur in die Vulkanisier- oder Trocken kammer 16, die aus einer einfachen, beheiz ten Röhre bestehen kann. Die Heizung er folgt mit heisser Luft oder durch Umhül lung der Schnur mit einem spiralförmigen Dampfrohr, um die Lösung zu vulkanisie ren oder, wenn dies nicht der Fall sein soll, sie zu trocknen (Fig. 2, 3 und 9).
Anderseits kann man, wie in Fig. 9 dargestellt, diese Kammer 16 in einer wei teren Kammer 16a anordnen, in welcher beisse Luft oder Dampf durchströmt. Bei dieser Anordnung kann die Kammer 16 auch als Kühlkammer benutzt werden, indem nach der fertigen Vulkanisierung kaltes Wasser oder Luft durch die umschliessende Kammer 16a anstatt heisser Luft oder Dampf durch geleitet wird. In Fig. 9 ist nur das obere Ende der Kammer dargestellt, wobei das un tere Ende in ganz gleicher Weise ausgebil det ist.
Die Schnur wird schliesslich auf einer Spule 17 fertig zum Gebrauch aufgewunden. Die Umlaufgeschwindigkeit dieser Spule wird im Verhältnis zu der des Spulrahmens so gewählt, dass ein Enderzeugnis mit der erforderlichen Verdrehung erhalten wird.
Man kann anderseits auch die Schnur auf andere Weise auf ihrem Weg halten oder führen., zum Beispiel durch eine oder mehrere Zwingen in der Kammer 14 für die Hülle.
Verwendet man eine Zelluloselösung mit Koabgulierung als Imprägnierstoff, dann wird die Schnur 12 nach dem Verlassen der Kam mer 14 durch Rollen 18 und 18a (F'ig. ä) durch ein Bad 19 mit einer entsprechenden Koagulierflüssigkeit, etwa Schwefelsäure oder schwefelsaures Natrium, hindurch geführt und von dort durch die Trocken kammer 16 der Spule 17 zugeleitet.
Anstatt der mehrfachen Schlaufenfüh- rung kann auch eine Führung verwendet werden, welche dem Grundsatze folgt, dass die Spannung in einem Faden sich entspre chend dem Druck ändert, der zwischen zwei entgegengesetzt liegenden Flächen des Fa dens ausgeübt wird.
In Fig. 6a und 6b sind zwei weitere Ausführungsformen von Spannvorrichtungen dargestellt.
Nach der Fig. 6a läuft der Faden von den Spulen zwischen zwei mit Filz 4e be legten Scheiben 4d durch, wobei diese durch verstellbare Federn 4f auf den auf den Fa den auszuübenden Druck eingestellt werden können. Diese Federn werden durch Muttern 49 geregelt oder auch durch ein kreisförmi ges Stück mit schiefer Fläche, mit dem man die Federn bis zu der gewünschten Spannung anziehen kann. Diese letztere An ordnung ist aber in der beiliegenden Zeich nung nicht dargestellt.
Bei der Ausführung nach Fig. 6b sind anstatt der Scheiben Rollen 411 angeordnet, zwischen denen die Fäden auf ihrem Weg nach dem Imprägnierbad 8 durchlaufen. Der durch diese Rollen auf den Faden aus geübte Druck ist durch geeignete Mittel ver änderbar, wie etwa durch verstellbare, nicht gezeichnete Federn.
Soll eine zusammengesetzte Schnur her gestellt werden, das heisst eine Schnur mit mittlerer Seele aus irgend einem geeigneten Stoff und mit einer oder mehreren Schich ten aus Fasern oder feinen Fäden, dann müssen eine entsprechende Zahl Vorrichtun gen vorgesehen sein, die aus dem Spulrahmen, dem Imprägnierbad, der Zwirnvorrichtung, der Kammer für die Hülle und, wenn nötig, der Koa.gulierkammer bestehen. In der Fig. 2 ist diese Ausführungsform dargestellt, die die Herstellung einer zusammengesetzten Schnur mit einer mittleren Seele 12a und einer Hülle 12 zeigt, die beide auf die oben dargestellte Art hergestellt sind.
Eine als Führung dienende Röhre 1?u ist über der Zwirnvorrichtung der untern Einrichtung angeordnet. Besteht die Seele aus anderem Stoff als die Fasern oder feinen verzwirnten Fäden, so kann die obere Vor- i-ichtung weggelassen werden, und die Seele wird unmittelbar vor ihrer Spule abgezogen.
Wenn auch mit den oben beschriebenen Ausführungsformen der Vorrichtung die Schnüre in einem fortlaufenden Arbeits gang aus den Fäden bis zum Enderzeugnis hergestellt werden, so kann man natürlich den einen oder den andern Arbeitsvorgang, zum Beispiel die Vulkanisierung oder die Koagulierung, getrennt vornehmen.
-Will man mit der Vorrichtung zum Bei spiel eine Schnur nach Art der Grandrelle Cord herstellen, bei der einer der Fäden eine andere Farbe als die übrigen hat, so muss man Vorsorge dafür treffen, dass dieser Fa den immer an der Aussenseite der Schnur gehalten wird.
Bei der beschriebenen Vorrichtung wird dies dadurch erreicht, dass die Spannung in allen Fäden mit Ausnahme des gefärbten erhöht wird, wobei die Anordnung derart sein kann, dass die Spannung einer Schnur sich erhöht, wenn diese abgebogen wird.