Verfahren zum Spinnen gut färbbarer Kunstseide von hoher Dehnbarkeit. Beim Spinnen von Viskoseseide hatte man bisher das Bestreben, den Faden mög lichst weitgehend koaguliert dem Aufnahme organ zuzuführen.
Das gelingt im allgemei nen auch beim Spinnen der üblichen gereif ten Viskose ohne weiteres schon bei Anwen dung von kurzen Fällbadstrecken. Beim Spinnen von Viskose von geringem Zell stoffgehalt, zum Beispiel aus ungereifter N'iskose aus ungereifter Alkalizellulose, hat man anscheinend festgestellt, dass längere Fällbadstrecken zur Koagulation des Fadens notwendig sind. In der Literatur werden zum Beispiel Fällbadstrecken von (i0 cm, von 2 m und mehr aufgeführt.
Einzelne Verfahren arbeiten auch so, dass sie einen ganz schwach koagulierten, noch wasserlöslichen Faden dem Aufnahmeorgan zuführen.
Eingehende Versuche haben nun gezeigt, dass bei allen diesen Verfahren die bisher allgemein übliche starke Knickung durch die Fadenführung für die Güte des entste henden Fadens hinsichtlich gleichmässiger Färbbarkeit und genügender Dehnbarkeit sehr schädlich ist. Dieser .Schwierigkeit hat man schon beim Zentrifugenspinnen ver sucht dadurch zu begegnen, dass man den Faden von der ,Spinndüse ohne Knickung über die Abzugsrolle der Zentrifuge zu führte.
Hierbei ist aber übersehen worden, dass beim Austritt des Fadens aus dem Spinntrichter in die Zentrifuge eine starke Knickung erfolgt, die insbesondere bei lang sam koagulierender Viskose die vorher ge nannte Schädigung verursacht.
Eingehende Versuche haben ergeben, dass selbst bei Spinnbädern mit verhältnismässig hohem Säuregehalt und Fällbadstrecken von mehr als 4 m ein vollständig; fertig koagu lierter Faden noch nicht entsteht, selbst wenn man noch eine längere Luftstrecke zwischen Fällbad und Aufnahmeorgan zur Verfügung hat.
Der Gegenstand der Erfindung bezieht sich auf die Anwendung der auseinander gesetzten Erkenntnis auf das .Spulen.spinn- verfahren, bei dem allein der Faden ohne wesentliche Knickung dem Aufnahmeorgan zugeführt werden kann. Die genannten Schwierigkeiten werden überwunden, wenn man den auflaufenden Faden von der Spinn düse zum Aufnahmeorgan durch die Faden führung derärt führt, da.ss er entweder gar keine oder nur eine ganz geringe Knickung in einem stumpfen Winkel erfährt.
Insbesondere bei Herstellung von fein- fädiger Seide (Einzeltiter unter 3,0 Den.) hat sich diese Arbeitsweise als geradezu not wendig erwiesen. Während man zum Bei spiel unter sonst gleichen Umständen bei Herstellung einer ,Seide von 1 Den.
Einzel titer eine Bruchdehnbarkeit von nur 10 bis 12 Prozent erreicht, wenn man den Faden beim Auflaufen in der Fadenführung auf dem Wege zum Aufnahmeorgan einen rech- ten Winkel machen lässt, erhält man Deh nungen von 18 Prozent und mehr, wenn man den Faden in der Fadenführung gar nicht knickt oder ihn einen stumpfen Winkel von nicht. geringer als 150 im Fadenführer ma.ehen lässt. Auch Verringerungen der sonst üblichen Abzugsgeschwindigkeit von .I0 m wirken günstig.
Der Faden läuft locker auf das Aufnahmeorgan auf und ist nach dem Wa schen und Trocknen wesentlich leichter ab zuzwirnen (insbesondere bei Verwendung von Viskosen mit geringem Zellstoffgehalt, , bei denen ein starkes Schrumpfen der Fäden eintritt). Bei dieser Spinnweise gelingt. es sogar, gute Kunstseide mit reinem Schwefel säurebad herzustellen, insbesondere bei Ver- -wendung von Viskosen mit geringem Zell stoffgehalt und hoher Viskosität, zumal wenn man feine Einzeltiter spinnt.
Die Spinnbadlänge braucht nicht mehr so lang, wie das früher angegeben wurde, genommen zu werden; mau kann mit der Fällbadstrecke ohne weiteres unter hfl cm bis auf wenige Centimeter, je nach dem gesponnenen Einzel titer und nach der Stärke des gewählten Fällbades, zurückgehen. Am besten lässt sich die Arbeitsweise ausführen, wenn man den Faden senkrecht aus dem Spinnbade heraus treten lässt.
Wie ersichtlich, ist der Gegenstand der Erfindung nur ausführbar, wenn man auf die sonst, besonders in der Viskosetechnik, üblicher- Oberbäder verzichtet. Es hat sich aber gezeigt, dass man das bei der beschrie benen Arbeitsweise unbeschadet tun kann.
Man kann zum Beispiel wie folgt arbei ten: In Fig. 3 ist das .Spinnverfahren bildlich dargestellt. g ist die Spinndüse, aus der der Faden durch das. Spinnbad h auf die Spinn spule<I>f</I> beziehungsweise f, austritt und die bei Spulenwechsel von links nach rechts ver schoben wird. A ist der hin- und hergehende Fadenführer, der die richtige Verteilung des Fadens auf der Spinnspule besorgt.
In den Fig 1, la und 2 ist dieser Fadenführer etwa in natürlicher Grösse dargestellt. Fig. 1 ist eine Vorderansicht, die freien Schenkel des Fadenführers sind etwas abwärts gebogen, damit die abgestrichene Spinnsäure an den spitz ausgeführten Enden b abtropfen kann. la. stellt denselben Fadenführer von oben ge sehen dar. Der Schlitz e zwischen dem hin teren Schenkel a und dem vorderen freien Schenkel ist möglichst eng gewählt, so dass der im Querschnitt gezeichnete Seidenfaden d möglichst immer etwas an den Fadenfüh rer streift.
In Fig. 2 ist eine etwas andere Form des im übrigen gleichwertigen Fadenführer dargestellt, bei dem die freien Schenkel nach oben gebogen sind und das Abtropfen der Spinnsäure an den Spitzen hl vor sich geht.