Mehrfaebkammer für Aufnahmen aus dem Flugzeug. In der Photogrammetrie aus Luftfahr zeugen ist es von Wichtigkeit, mit einem r, inzigen Belichtungsaugenblick ein möglichst grosses Bildfeld zu erfassen, damit einer seits aus wirtschaftlichen Gründen die Vor teile der von einem Luftstandpunkt aus sich bietenden Übersicht auch wirklich aus genützt werden, anderseits um dadurch, dass möglichst viel Gelände durch gleichzeitige photographische Abbildung in perspektiven Zusammenhang gebracht ist, bei der nach folgenden Verarbeitung der Aufnahmen zu einem irgendwie gearteten kartographischen Gebilde ein Minimum an Orientierungs arbeiten leisten zu müssen.
Nach dem heu tigen Stand der Optik kann man mit einem einzigen Objektiv die sich vom Luftfahrzeug bietende Übersicht nur zu einem kleinen Bruchteil ausnützen. Es wurden deshalb bereits Vorrichtungen bekannt, welche durch Aufnahmen, die mit verschiedenen Kam mern, deren gegenseitige Orientierung be kannt ist, nach verschiedenen Richtungen hin gleichzeitig erfolgen, mehr aufgenom menes Gelände in perspektiven Zusammen- hang bringen, als dies mit einer Kammer mit einem Objektiv möglich ist. Solche Mehrfachkammern scheiden sich in zwei Typen 1.
Der erste Typ ümfasst Vorrichtungen, welche eine oder mehrere Aufnahmen von unbekanntem Gelände (nach dem Fortschritt des Auswerteprozesses beurteilt) mit einer oder mehreren Aufnahmen von bekanntem Gelände verbinden, um nach letzteren die Orientierung der ersteren abzuleiten und dadurch der Auswertung zugänglich zu machen. Wesentlich an diesen Vorrichtungen ist, dass :es dem Zweck der Vorrichtung ent sprechend nicht nötig ist, dass die auf den einzelnen Aufnahmen abgebildeten Gelände teile lückenlos aneinanderschliessen, da es sich nur um die Übertragung von Orientie rungselementen handelt.
2. Der zweite Typ umfasst Vorrichtungen, welche als primären Zweck die lückenlose Überdeckung eines möglichst grossen Ge sichtsfeldes .durch mehrere gleichzeitig er folgende Aufnahmen anstreben. Das Wesent liche dieses Typs ist, dass die von den ein- zelnen Teilbildern der Mehrfachkammer bei einer Belichtung aufgenommenen Gelände teile lückenlos aneinanderschliessen. Durch Entzerren einer solchen Aufnahmegruppe auf eine geeignete mittlere Aufnahmerich tung, zum Beispiel die Aufnahmerichtung des mittleren Objektivs entsteht dann ein zu sammenhängendes, beschlossenes, lückenloses Bild, ohne einspringende Ecken nach Arteiner Weitwinkelaufnahme mit einem einzigen Ob jektiv,
welches insbesondere auch alle Per spektiven Eigenschaften einer solchen Weit winkelaufnahme besitzt. Dieser Typ, wel cher die Erfassung des grösstmöglichen Rau mes zum Ziele hat, ist dadurch charakteri siert, dass die einzelnen Teilaufnahmen sym metrisch zum Lot liegen, und zwar so, dass ein Mittelbild a' (Fig. 1) mit annähernd ver tikaler Aufnahmerichtung von der Form eines regulären Polygons von sektorenför- migen Seitenbildern mit geneigten Auf nahmerichtungen so umschlossen wird, dass nach einer projektiven Umformung (Ent zerrung) der Seitenbilder b' auf die Brenn weite und Aufnahmerichtung des Mittel bildes ein lückenloses Zusammenfügen sämt licher Teilbilder zum einzigen Bild möglich ist,
welches dann die Eigenschaften einer einzigen Aufnahme mit einem weitwinke- ligen Objektiv von gleicher Brennweite auf weist.
Eine Sonderform dieses Typs verzichtet auf das Mittelbild, besteht also nur aus einem Kranz von sektorförmigen :Seiten bildern, welche konzentrisch um die Sym- metrie-Achse der ganzen Anordnung herum gelagert sind.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung be trifft den unter Ziffer 2 beschriebenen Typ von Mehrfachkammern. Bei den bekannten Vorrichtungen dieser Art liegen die Bild- (Fokal-)Ebenen der einzelnen Objektive in Flächen eines Polyeders. Da die Herstel lung polyedrischer Aufnahmekörper prak tisch nicht möglich ist, auch deren Verwen dung bei der nachfolgenden Auswertung er hebliche Schwierigkeiten bereiten würde, muss jede Polyeder-Fläche, das ist Bild- ebene durch eine mit den übrigen Bildebenen nicht in starrem Zusammenhang stehende ebene Platte (Film)
ersetzt werden ünd da mit geht ein wichtiger Vorteil der Konstruk tion wieder verloren, nämlich der unmittel bare Zusammenhang der einzelnen Teil bilder, der erst nachträglich mit Hilfe von Justiervorrichtungen für jedes einzelne Teil bild wieder hergestellt werden muss. Ausser dem bietet die Wechslung des zu den ein zelnen Teilbildern gehörigen Aufnahmema terials (Platten bezw. Filme) in der in Flug zeugen zwischen zwei aufeinander folgenden Belichtungsmomenten zur Verfügung ste henden kurzen Zeitspanne praktisch kaum 7.11 überbrückende Schwierigkeiten.
Die er findungsgemässe Vorrichtung umgeht die ge- na.nnnten Mängel dadurch, dass durch Ein schaltung dreiseitiger Prismen mit je zwei reflektierenden Flächen in den Strahlengang sämtlicher die sektorenförmigen Seitenbilder erzeugenden Objektive deren Bild-(Fokal-) Ebenen in eine einzige Ebene, nämlich die Bild-(FOlial-)Ebene des Mittelbildes zu sammenfallen, so dass sämtliche Aufnahmen auf eine einzige ebene Platte (Film) gemacht werden können und so einerseits stets in ihrem Zusammenhang bleiben,
anderseits die Wechslung des Aufnahmematerials für sämtliche Teilbilder durch Wechslung eines einzigen Schichtträgers (Platte bezw. Film) vorgenommen. werden kann. Die Einschal tung von Prismen mit je zwei reflektierenden Flächen ist deshalb notwendig, damit die Seitenbilder nicht spiegelverkehrt werden.
Der erfindungsgemässen Vorrichtung ähn liche Anordnungen sind bei Mehrfach kammern des im Vorstehenden. -unter Ziffer 1 angeführten Typs mehrfach bekannt ge worden.
Bei diesen Vorrichtungen werden jedoch im Gegensatz zu der Kammer nach vorliegender Erfindung zur Ablenkung des Strahlenganges entweder einfache Spiegel oder dreiseitige Prismen mit nur einer reflektierenden Fläche verwendet, welche keine seitenrichtigen Bilder liefern, oder es sind mehrere Spiegel oder Prismen zur An wendung gebracht oder Prismen mit mehr als drei Seiten. Der naheliegende Schluss, dass durch einfache Vermehrung der Ob,
jektivzahl und der zugehörigen Spiegel bezw. Prismen mit den bekannten Vorrich tungen dieser Art auch eine mit Hilfe der vorliegenden Erfindung erzielbare gleich wertige Wirkung, nämlich die lückenlose Erfassung eines Geländeabschnittes auf einer Platte, zu erreichen wäre, ist jedoch nicht berechtigt, weil die Form der be kannten Spiegel- und Prismenanordnungen bei einer Häufung derselben stets zur Ab blendung erheblicher Gesichtsfeldteile der einzelnen Objektive zwingt, so dass ein lückenloser Zusammenschluss der einzelnen Teilbilder überhaupt nicht oder nur bei gleichzeitiger starker Verringerung des ge samten Gesichtsfeldes möglich ist.
Dem- aegenüber gestattet die erfindungsgemässe Kammer die Erfassung eines geschlossenen, lückenlosen Gesamtgesichtsfeldes von min destens 140,' Bildwinkel, wobei trotzdem die Dimensionen der ganzen Kammer sehr klein gehalten werden können. was für die Verwendung der Kammer im Flugzeug wichtig ist.
Fia. 2 zeigt ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemässen Mehrfachkammer. In einem starren Kammerkörper K sind das Mittelobjektiv n. und sechs Seitenobjektive b, sowie die in den Strahlengang der Seiten objektive eingeschalteten dreiseitigen Pris- inen c mit je zwei reflektierenden Flächen fest montiert. Der Kammerkörper K ist lichtdicht durch Zwischenwände d in ein zelne Zellen unterteilt, welche je eine Ein telkammer darstellen.
Die Bildebene sämt licher Objektive liegt in der Ebene der licht empfindlichen Schichte. Bei der gleichzeitig erfolgenden Betätigung des Verschlusses sämtlicher sieben Objektive werden im Ge lände die lückenlos aneinanderschliessenden Teilstücke<I>a.'</I> und<I>b'</I> aufgenommen.