Verfahren zum Chlorieren von Wolle oder anderem .tierischen Haar. Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Chlorieren von tierischem Haar, insbe sondere Wolle. Es ist schon vorgeschlagen worden, tierisches Haar, insbesondere Wolle, mit Hypochloriten, Chlorwasser oder gas l'örmigem Chlor zu behandeln, um den Glanz desselben zu erhöhen. Diese bisher benutz- ien Methoden führten jedoch stets zu einer sehr nachteiligen Wirkung auf das Haar, zum Beispiel die Wolle, nämlich zu einer Verringerung der mechanischen Festigkeit und selbst zur raschen Zerstörung des behan delten Gutes und insbesondere zu einem voll ständigen Verlust der Walk- oder Filzfähig keit der Haare.
Es hat sich gezeigt, dass nach dem Ver fahren der Erfindung dem Gut Walk- oder Filzfähigkeit erteilt oder die bereits vorhan dene wesentlich gesteigert werden kann, ohne irgend eine schädliche Wirkung auf das Haar. Bei sorgfältiger Prüfung der Ein wirkung von Chlor auf tierisches Haar und Wolle hat sich ergeben, dass die nachteiligen Wirkungen des Chlors auf Haar dadurch -vermieden werden können, daB man das Vor handensein oder die Bildung von Hypochlo- riten oder unterchloriger Säure vermeidet, während die Bildung von Chlordioxyd (C102) sogar eine vorteilhafte Wirkung zu äussern scheint.
Dadurch, dass man diesen Bedingungen genügt, werden Wolle oder anderes tierisches Haar zum Walken oder Filzen besonders geeignet gemacht. So wer den zum Beispiel Hasen- und Kaninchen haar, die für gewöhnlich ohne besondere Vorbereitung oder Beizung, die bisher mit Quecksilbernitrat und Salpetersäure vorge nommen wurde, nicht gewalkt oder gefilzt werden können, durch das vorliegende Ver fahren vortrefflich walkfähig gemacht.
An dere Arten von tierischem Haar, zum Bei spiel gewisse grobe Wollarten, wie Cross- bredwolle, die durch keines der bisher be kannten Verfahren walkfähig oder filzbar gemacht werden konnten, können, wenn sie dem vorliegenden Verfahren unterzogen wer- den, leicht zu Filzhutstumpen verarbeitet werden.
Das vorliegende Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass man das Haar mit wäs serigen Lösungen eines Chlorträgers und eines Sauerstoffträgers zusammenbringt, welch letzterer aus dem Chlorträger Chlor zu entbinden vermag und die beiden Träger in Berührung mit dem Haar miteinander zur Reaktion bringt.
Die Konzentration dieser wässerigen Lö sungen wird, zweckmässig so niedrig gehal ten, dass in der Kälte keine Reaktion zwi schen ihnen auftritt, durch welche Chlor entbunden wird, aber doch derart, dass diese Reaktion durch Erwärmung der Mischung auf 50 bis<B>100'</B> C oder durch die beim Trocknen auftretende Erhöhung der Kon zentration der Mischung hervorgerufen wird.
Man kann diese wässerigen Lösungen in irgend einer geeigneten Art auf das zu be handelnde Gut aufbringen, . entweder gleich zeitig oder aufeinanderfolgend, sei es durch Aufspritzen oder mittelst Bürsten oder Pin seln oder durch-einfaches Eintauchen des zu behandelnden Gutes in die wässerigen Lö sungen oder Gemische der Lösungen und darauf folgendes Entfernen .der überschüssigen Flüssigkeit durch Ausdrücken oder Zentri fugieren. Oder man kann das zu behandelnde tierische Haar, zum Beispiel Wolle, einfach in das Gemisch der wässerigen Lösungen eintauchen und dann das Ganze auf 5 0 bis 100 C erwärmen.
Die beim vorliegenden Verfahren benutz ten Chlorträger können organische oder an organische Chloride mit Einschluss von Chlorwasserstoff, oder Gemische von Stof fen, welche' solche Chloride zu liefern ver mögen sein. Die Sauerstoffträger können Wasserstoffsuperoxyd, Perschwefelsäure oder Persulfate, Chlorsäure oder Chlorate oder andere sauerstoffreiche Stoffe sein, die aus Chloriden Chlor zu entbinden vermö gen.
In manchen Fällen kann man neben den wässerigen Lösungen von Chlorträgern und Sauerstoffträgern auch noch zur Erleichte rung oder Beförderung der Chlorentbindung dienende Ansäuerungsmittel verwenden, das sind wässerige Lösungen von andern Säuren, als den ials Sauerstoffträger dienenden Säuren, oder Salze, die in wässerigen Lösungen sauer reagieren. Solche Ansäuerungsmittel sind Oxal- oder Weinsäure und selbst Sal petersäure, oder Salze von Eisen, Kupfer, Nickel, Kobalt, Chrom, Mangan, Molybdän. oder Wolfram.
Wie Versuche ergaben, wird beim Er wärmen oder Trocknen der wässerigen Lö sungen in Berührung mit dem Haar das Chlor, so wie es entbunden wird, sofort vom Haar aufgenommen und da das Chlor, das manchmal von Chlordioxyd begleitet sein kann, verhältnismässig langsam entbunden wird, so wird jede schädliche Wirkung auf das Haar vermieden.
Werden die wässerigen Lösungen auf Wolle oder anderes tierisches Haar zum Bei spiel am Fell oder durch Aufspritzen oder Bestreichen oder mittelst Bürsten oder Pin seln aufgetragen und nachher die überschüs sige Flüssigkeit entfernt, so kann man die Menge des entbundenen und aufgenommenen Chlors genau vorherbestimmen. Soll geschnit tenes Haar nach dem vorliegenden Verfah ren behandelt werden, so ist es vorzuziehen, dasselbe in ein Gemisch der genannten wäs serigen Lösung einzutauchen und das Ganze auf 50 bis 100 C zu erwärmen.
Bei dieser Ausführungsart des Verfahrens wird die Konzentration der wässerigen Lösungen vor teilhaft viel geringer gehalten, etwa ein Fünftel bis ein Zwanzigstel von derjenigen, die bei den vorher besprochenen Ausfüh rungsformen vorteilhaft verwendet wird.
Die für das Verfahren geeigneten wäs serigen Lösungen haben vorteilhaft eine ver hältnismässig geringe Konzentration. Die Menge des Chlors, die aus geeigneten Gemi schen entbunden werden kann, liegt zum Beispiel zwischen 0,1 bis 3 %. Die Menge des in den wässerigen Lösungen vorhandenen Sauerstoffträgers wird zweckmässig so be messen, dass diese Menge Chlor aus dem Chlorträger entbunden werden kann: in den angegebenen Chlormengen ist das in dem etwa gebildeten Chlordioxyd enthaltene in begriffen.
Es wird ausdrücklich betont, dass unter- chlorige Säure und Hypochlorite nicht zu den für das Verfahren gemäss der Erfindung geeigneten Chlorträgern gehören.
Für das angegebene Verfahren wird der Schutz nur soweit beansr,#ucht, als es sich nicht um eine für die Textilindustrie in Be tracht kommende Behandlung von Textilfa sern handelt.
Ausf ührungsbeispiele: 1. Vom Fell abgeschnittenes Haar zum Beispiel Wolle wird während etwa einer halben Stunde in ein Bad eingelegt, das aus einer wässerigen Lösung von 0,05 bis 0,2 Salzsäure als Chlorträger besteht und 0,25 bis 1 % Wasserstoffsuperoxyd als Sauerstoff träger enthält und dem 0,01 bis 0,1 % eines sauren Salzes, wie Kupfersulfat oder Man ganchlorid als Ansäuerungsmittel zugesetzt werden kann. Nach dem Entfernen der über schüssigen Flüssigkeit, beispielsweise durch Pressen oder Schleudern, wird das Haar, zum Beispiel die Wolle, bei einer Tempera tur von 70 bis 100 C getrocknet.
Man kann auch das Haar zunächst in eine wäs serige Lösung von Chlornatrium einlegen, der man idiann Wasserstoffsuperoxyd und Schwefelsäure zusetzt, oder man kann das mit Chlornatriumlösung getränkte Haar in eine wässerige Lösung von Wasserstoff superoxyd und Schwefelsäure bringen. Es zeigt sich dann, dass das Haar und die Wolle vorzüglich walk- oder filzfähig ist.
2. Auf Wolle oder anderes tierisches Haar, auf dem Fell wird durch Aufspritzen oder Bestreichen eine wässerige Lösung von 1 o Kaliumchlorat und 3 % Salzsäure auf getragen und hierauf werden die Felle bei 70 bis<B>100'</B> C getrocknet. Das Haar, zum Beispiel die Wolle, wird dadurch vorzüglich -walk- oder filzfähig. Die Wirkung des be schriebenen Bades kann dadurch erheblich befördert werden, dass man ihm 0,5 bis<B>6</B> Oxal- oder Weinsäure als Ansäuerungsmittel zusetzt.
Es ist vorzuziehen, ungefärbte Chlorträ ger und Sauerstoffträger zu benützen. Da durch wird ein Verfärben des Haares oder der Wolle vermieden, was besonders bei der Erzeugung von hellfarbigen Hüten oder an dern Waren von Wichtigkeit ist.
Ferner ist es vorzuziehen, die Chlor- und Sauerstoffträger so zu wählen, dass im Ver lauf der Reaktion keine festen Niederschläge auf dem Haar oder der Wolle gebildet wer den, die die Walk- oder Filzfähigkeit des Haares oder der Wolle beeinträchtigen wür den. Das gleiche gilt vom Ansäuerungsmit- tel.