Selektivschutzeinrichtung bei vermaschten Boehspannungsnetzen mit mehreren Speisepunkten. In Hochspannungsnetzen mit mehreren Speisepunkten, die zum Zwecke des Be lastungsausgleiches durch Verbindungslei tungen miteinander verbunden und vermascht werden, wird ein Selektivschutz dadurch er lieblich erschwert, dass bei Auftreten eines Kurzschlusses oder Überstromes die Fehler stelle von verschiedenen Seiten gespeist wird.
Gemäss der Erfindung wird diese Schwie rigkeit dadurch behoben, dass in jede Verbin dungsleitung zwischen je zwei Speisepunkten ein selbsttätiger Überstromschalter eingebaut ist, welcher bei Überstrom die Verbindung der Speisepunkte untereinander nach einer bestimmten Zeit a aufhebt, so dass ein einge tretener Fehler nur von einer Speiseleitung gespeist wird.
In den Speiseleitungen werden dabei vor teilhaft Überstromrelais angeordnet, welche bei Überstrom die Speiseleitungen in der Zeit a + <I>b</I> öffnen. Die Anordnung kann ferner so getroffen sein, dass die in den Verbin dungsleitungen liegenden Überstromschalter sich selbsttätig nach der Zeit ca + b -I- c wie der einschalten, sofern die zusammenzuschal tenden Teile die volle Spannung haben.
Die Abb. 1 zeigt beispielsweise ein ver- maschtes Hochspannungsnetz mit einer Se lektivschutzeinrichtung gemäss der Erfin dung in schematischer Darstellung.
Von dem Kraftwerk 1 führen die Speise leitungen 2, 3, 4, 5 und 6 zu den einzelnen Speisepunkten 7, 8, 9, 10, 11. Die einzelnen Speisepunkte sind durch Verbindungsleitun gen 12, 13, 14, 15, 16 und 17 miteinander verbunden. In sämtlichen Verbindungsleitun gen der Speisepunkte liegen selbsttätige Überstromschalter 18. In den Speiseleitun gen 2 bis 6 liegen Überstromrelais 19.
Die selbsttätigen Überstromschalter 18 sind so ge baut, dass sie bei Auftreten eines Überstro- mes nach der Zeit a sich selbsttätig aus schalten und nach der Zeit a + b + c sich selbsttätig wieder einschalten, sofern die von ihnen zu verbindenden Leitungen die vorge schriebene volle Spannung führen. Die in den Speiseleitungen liegenden Überstrom relais 19 öffnen die Speiseleitungen bei Auf treten eines Überstromes in der Zeit a + b.
Tritt beispielsweise an der Stelle 20 auf der Verbindungsleitung 17 ein Kurzschluss auf, so fliesst dem Fehler Energie nicht allein durch die Speiseleitungen 2 und 6 über die Verbindungsleitung 17 zu, sondern in der Regel auch über benachbarte Verbindungs leitungen, zum Beispiel 12 und 16. Nach der Zeit a unterbrechen infolgedessen die Über stromschalter 118 die Verbindungsleitungen 16, 17 und 12, so dass die Fehlerstelle 20 nur noch von der Speiseleitung 6 gespeist wird. Diese wird durch ihr Überstromrelais 19 nach der Zeit a -E- b abgeschaltet.
Nach der Zeit a + b -'t- c versuchen darauf die geöff neten Überstromschalter sich selbsttätig wie der einzuschalten. Die in den Verbindungs leitungen 12, 13, 14 und 15 liegenden Über stromschalter werden sich auch nach dieser Zeit schliessen, da die von ihnen zu verbin denden Leitungen die volle Spannung über die Speiseleitungen 2 bis 5 erhalten.
Die in den Speiseleitungen 16 und 17 auf beiden Seiten der Fehlerstelle 20 liegenden Über- s@romschalter können sieh ,jedoch nicht ein- scbalten, da die Speiseleitung 6 und die an sie angeschlossenen Teile der Verbindungs leitungen 16 und 17 spannungslos sind. Durch diese Anordnung wird erreicht, dass durch einen Fehler an irgend einer Stelle nur eine Speiseleitung und somit nur der Teil des Netzes abgeschaltet wird, der von dem Feh ler betroffen ist.
Der gesunde Teil des Net zes wird nicht nur mit Energie weiter belie fert, sondern auch soweit wie möglich wieder vermascht. Ist dann der Fehler in dem kran- ken-Netzteil beseitigt, kann die Speiseleitung 6 vom Kraftwerk aus wieder eingeschaltet werden, darauf schliessen sich dann auch die in den Verbindungsleitungen 16 und 17 liegenden Überstromschalter 18,. da die von ihnen zu verbindenden Leitungen jetzt wie der die volle Spannung haben.
Die Abb. 2 zeigt einen für die Zwecke der Erfindung besonders ausgebildeten über stromschalter in schematischer Darstellung. Die Speiseleitungen 2 und 6, sowie die Ver bindungsleitung 17 mit dem Überstromschal- ter 18 sind hier angedeutet. 21 ist die Aus lösespule und 22 die Einschaltspule des Schalters. Bei Auftreten eines Überstromes wird die an einen Stromwandler 23 ange schlossene Überstromspule 24 erregt und zieht eine Klinke 2!5 entgegen der Wirkung der Feder 26 an. Hierdurch wird die mit einem Zeitv#erk 27 gekuppelte Scheibe 28, die normalerweise von der Sperrklinke 25 festgehalten wird, freigegeben.
Sie dreht sich entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn. Nach der Zeit a kommt das Kontaktstück 2'9, das mit dem einen Pol einer Hilfsstromquelle 30 verbunden ist, mit der Kontaktbürste 31 iii Verbindung. Dadurch wird der Stromkreis der Auslösespule 21 geschlossen und der Schalter ausgelöst. Das Zeitwerk läuft wei ter und nach der Zeit<I>a</I> + b + <I>c</I> kommt das Kontaktstiick 29 mit der Bürste 32 in Berüh rung, die mit der Einschaltspule 22 verbun den ist.
Der Stromkreis der Einschaltspule ist iiber die Kontakte 33 und 34 der Volt meter (oder Spannungsrelais) 35 und 36 "ge- führt. Das Voltmeter 35 ist an den Teil der Verbindungsleitung 17 angeschlossen, der mit der Speiseleitung 2 verbunden ist, wäh rend das Voltmeter 36 mit dem andern von der Speiseleitung 6 gespeisten Teil verbun den ist. Haben beide Leitungsteile die volle Betriebsspannung, so sind die beiden Kon takte 33 und 34 geschlossen.
In dem Augen blick, wo nun die Bürste 32 mit dem Kon taktstück 29 in Berührung kommt, ist der Stromkreis der Einschaltspule 32 geschlossen und der Schalter wird wieder eingeschaltet. -Das Zeitwerk 27 dreht nun die Scheibe 28 weiter bis in die Stellung, bei der die Klinke 25 unter der Wirkung der Feder 26 in den auf der Scheibe befindlichen Einschnitt ein greift. Damit ist dann der normale Betriebs 7ustand wieder hergestellt. Der Antrieb des Zeitwerkes 27 kann entweder durch ein Uhr werk erfolgen, welches in bekannter Weise aufgezogen werden kann, oder er kann auch von der Hilfsstromquelle 30 aus bewirkt wer den.
Ist dagegen mindestens eine Speiseleitung spannungslos, kann sich der Schalter 18 nicht einschalten, da der Stromkreis seiner Ein schaltspule mindestens an einem von den bei den Kontakten 33 oder 34 unterbrochen ist. In der Stellung der Scheibe 28, in der sie von der Klinke 25 festgehalten wird, muss die Bürste 32 noch gerade das Kontaktstück 29 berühren, damit in dem Augenblick, wo die Spannung nach längerer Zeit wiederkehrt und der eine bezw. beide Kontakte 33, 34 geschlossen werden, der Schalter selbsttätig durch die Einschaltspule wieder eingeschal tet werden kann.
Damit die Einschaltspule nicht dauernd unter Spannung steht, ist es auch möglich in bekannter Weise durch einen Schleppschalter den Stromkreis der Ein- schaltspule-. nach erfolgter Einschaltung des Schalters zu unterbrechen. Die Erfindung lässt sich auch in Netzen verwenden, die nicht nur von einem einzigen Kraftwerk, sondern von mehreren parallel arbeitenden Kraftwerken gespeist werden.
Dabei kann die Anordnung entweder so ge troffen sein, dass beim Auflösen des Netzes durch die Uberstromschalter die Kraftwerke nicht gänzlich voneinander getrennt werden, sondern gekoppelt bleiben, zum Beispiel durch Leitungen, die unmittelbar von einem Kraftwerk zum andern führen. Nachdem die kranke Leitung unschädlich gemacht ist, schalten sich die Überstromschalter in dersel ben Weise wie oben beschrieben wieder ein.
Die Anordnung kann aber auch so ge troffen werden, dass bei Entmaschung des Netzes die Kraftwerke völlig voneinander getrennt werden. In diesem Falle ist es er forderlich, die Kraftwerke vor der Wieder- zUsaniinenschaltung zu synchronisieren.
Erst wenn dies geschehen ist, dürfen sich die i;"berstromschalter selbsttätig wiedereinschal- ten. Soll die Wiedereinschaltung auch bei dieser Anordnung vollkommen selbsttätig er folgen, so empfiehlt es sich, besondere Schalt stellen ein für alle Mal auszuwählen, an denen die automatischen Sy nchronisierungs- einrichtungen angeordnet werden. Die Zeit spanne c, innerhalb der auch die übrigen Schalter sich wieder schliessen, muss länger bemessen werden, als die grösste, für die Synchronisierung erforderliche Zeit.
In Abb. 3 ist ein Ausführungsbeispiel für diese Anordnung schematisch dargestellt. 18 sind wieder die Überstromschalter in den Verbindungsleitungen der verschiedenen Speisepunkte und 19 die Überstromrelais in den zu den einzelnen Speisepunkten führen den Speiseleitungen. Mit den Zahlen 40, 41, 42 sind die Kraftwerke bezeichnet. Die Schalter 43 sind mit automatischen Sy nchro- n.isierungseinrichtungen versehen und schal ten sich bei Auftreten eines Überstromes ebenso wie die Überstromschalter 18 in dnr Zeit a aus.
Das Netz wird dadurch in drei voneinander getrennte Netzteile zerlegt, von denen jeder von einem einzigen Kraftwerke gespeist wird. Nach der Zeit b wird die> kranke Leitung durch ihr Überstromrelais 19 abgeschaltet. Darauf fangen die autornati- sch.en Synchronisierunseinrichtungen an zii arbeiten lind schalten# nach erfolgter Syn chronisierung der Netzteile diese an den be treffenden Stellen zusammen.
Nach der Zeit spanne c, die länger bemessen ist als die grösste, für die Synchronisierung erforder liche Zeit. schalten sich auch die Überstrom- schalt er 18 wieder ein. mit Ausnahme der zu beiden Seiten der abgeschalteten, kranken Speiseleitung liegenden Überstromschalter. Diese schalten. sich nach Beseitigung des Fehlers wieder selbsttätig ein.