Mehrschlägiges Seil. Bei der Verlegung von Seilen, insbeson dere von Fernleitungen, wurden Seilrisse be obachtet, obwohl die spezifische Beanspru- chung nur etwa 50 % der laboratoriummässig festgestellten Bruchfestigkeit betrug. Die Seile waren entsprechend den V. D. E.-Vor- achriften hergestellt. Die Untersuchungen haben ergeben, dass diese Risse auf die vor geschriebene Seilform zurückzuführen sind.
Die Drähte sind bekanntlich nicht parallel zur Seilachse, sondern schraubenlinienförmig auf diese aufgebracht, was die Entstehung von Querkräften zur Folge hat, die entspre chend der Grösse ihres Hebelarmes Dreh momente ausüben. Nachdem die Schlagrich tungen (Windungsrichtungen) wechseln, so sind auch diese Drehmomente entgegengesetzt gerichtet. Ergänzen sich die Drehmomente nicht auf den Wert Null, so wird das resul tierende Differenzdrehmoment das Seil drehen und dadurch d:e gleichmässige spezifische Belastungsverteilung stören. Es ist daher an zustreben, derartige Differenzdrehmomente zu vernichten, d. h. die Differenz gleich Null zu machen.
Theoretische Untersuchungen haben nun ergeben, dass für Seile, bei denen eine gleich mässige Verteilung der Zugkraft über den Seilcjuers,chnitt angenommen werden kann, d. h. bei denen die Schlaglängenzahlen der verschiedenen Lagen und die Elastizitäts- moduln der Einzeldräbte nicht stark vonein ander abweichen, das Differenzdrehmoment der Seele praktisch gleich Null wird, wenn das Seil der Bedingung
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genügt, wobei D = mittlerer Durchmesser der Lage, Z = Zahl der Elemente der Lage,
a = Schlaglängenzahl (nach V. D. E.-Vor- schriften = 11-14), J = Durchmesser eines Elementes ist, während ;- die linke, - die rechte Schlagwindungsrichtung und die In dizes 1, 2<B>...</B> n die Ordnungszahlen der La gen von der Seele aus gerechnet bedeuten.
In der Praxis ist es vorteilhafter, die Grössen D und Z in dieser Gleichung durch die Grössen ö auszudrücken, so dass die Glei chung ausschliesslich die Grössen 8 und e enthält.
Für ein dreischlägiges Seil mit wechseln der Schlagricbtung und 8o = 81. = ö2 ergibt dietheoretischeAbleitung folgende Bedingung:
xs(a@i-b@2)+c7rVsx2+dz#sx +er@s=0; hierbei ist
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8o = Durchmesser des Seelendrahtes, während a-e reine Zahlen darstellen, und zwar a=12; b=48; c==25; <I>d = 10;</I>e = 1. Fürei ist in dieser Gleichung vorteilhaft der nach Vor schriften maximal zulässige Wert (nach V. D. E. - 14), für e2 der minimale Wert (nach V. D. E. = 11) und für es wieder der maximale Wert (nach V. D. E. = 14) einzu setzen.
Es steht fest, dass die aussenliegenden Schläge infolge ihren grösseren Hebelarmes ein grösseres Drehmoment hervorbringen als die inneren Schläge. Infolgedessen mass man darnach trachten, die äussern Drehmomente möglichst klein zu machen. Dies kann man neben der Querschnittsänderung auch da durch erreichen, dass der Steigungswinkel möglichst gross gemacht wird. Wenn die Drähte parallel zur Seilachse verlaufen wür den, so würde ja das Drehmoment gleich 0 sein. Aus diesem Grunde gibt man dem äussern Schlag einen möglichst grossen Stei gungswinkel; dies drückt sich dadurch aus, dass der e-Wert möglichst gross gewählt wird.
Wenn der innerste Schlag bei einem drei- schlägigen Seil ebenso gerichtet ist, wie der äussere Schlag, so muss hier im gleichen Sinne verfahren werden. Dem entgegenge setzt gerichteten mittleren Schlag, der ein kleines Drehmoment aufweist, muss nach Möglichkeit ein grösseres aufgedrückt werden. Dies ist dadurch möglich, dass der Steigungs winkel kleiner gemacht wird. Man geht hier auch mit Rücksicht auf die Praxis auf das zulässige Mass herunter.
Die beiliegende Fig.1 zeigt ein Aus führungsbeispiel eines derartigen dreischlägi- gen Seils im Querschnitt.
Hierbei ist Z1 (d. h. die Drahtzahl des Schlages 1) = 6, Z2 = 12, Zs = 31. Die Durchmesser do des Seelendrahtes, d1 eines Drahtes des Schlages 1 und 82 eines Drahtes des Schlages 2 sind gleich gross. Der Durch messer es eines Drahtes des äussersten Schla-
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ges <SEP> 3 <SEP> ist <SEP> ungefähr <SEP> = <SEP> <U>1 <SEP> 77</U> <SEP> . <SEP> Im <SEP> Verhältnis
<tb> zum <SEP> Gesamtseildurchmesser <SEP> d <SEP> ergibt <SEP> sich
<tb> <I>do <SEP> = <SEP> e1 <SEP> = <SEP> d2 <SEP> = <SEP> 0</I> <SEP> 1 <SEP> und <SEP> es <SEP> = <SEP> # <SEP> .
Innerhalb der Schlaglängenzahlen e = 11 bis 14 lassen sich noch andere Drahtdurch messer und Drahtzahlen festlegen, die jedoch bezüglich der praktischen Brauchbarkeit un günstiger liegen.
Für ein dreischlägiges Seil mit zwei inneren gleichgerichteten (z. B. links gerich teten) und einem äussern, entgegengesetzt ge richteten Schlag lautet bei 8o =ö1 <I>=</I> ös die Be dingung für die Drallfreiheit x3 <I>(- a</I> @i-b @2) + <I>c</I> z,
#s x2 + d 7r @s <I>x</I> -E- <I>e</I> 7r res <I>= 0.</I>
In diesem Falle ist vorteilhaft ei als Mini mum, e2 ebenfalls als Minimum, es als Maxi mum der bestehenden Vorschriften einzu setzen. Die Zahlen a-e bleiben gegenüber dem vorstehenden Beispiel unverändert. In Fig. 2 ist ein Ausführungsbeispiel eines sol chen dreisehlägigen Seils im Querschnitt wiedergegeben. Die Schläge l und 2 sind links gerichtet, der äussere Schlag 3 rechts gerichtet gedacht. Abweichend von dem vor ausgehender) Beispiel ist hier Zs = 25.
In eben derselben Weise lassen sich die Gleichungen für vier- und mehrschlägige Seile ermitteln.