Vorrichtung zum Dämpfen der Seilschwingungen von Freileitungen. Zur Verminderung der bei Freileitungen auftretenden mechanischen Seilschwingungen ist vorgeschlagen worden, mechanisch schwin gungsfähige Gebilde an der Leitung aufzu hängen. Diese Gebilde werden durch die Seilschwingungen ebenfalls zu Schwingungen erregt. Sie sind so eingerichtet, dass sie die Schwingungen der Leitung verstimmen oder dämpfend auf sie einwirken.
Nach einem der vorliegenden Vorschläge soll eine ringförmige blasse, die die Leitung umgibt, durch Federn mit ihr verbunden sein. Diese Vorrichtung erzeugt nahezu keine Dämpfung; sie kommt nur für einen äusserst engen Frequenzbereich in Frage und macht ausserdem Schwierigkeiten beim Anbringen an der Leitung.
Ein weiterer Vorschlag geht dahin, ein kurzes Stück des Leitungsseils in seiner Mitte an der Leitung so zu befestigen, dass die beiden Enden des Seilstückes frei schwin gen können. Die Enden sind mit schweren Massen versehen. Diese Vorrichtung wirk ebenfalls nur mit einem verhältnismässig kleinen Frequenzbereich; ausserdem ist die Dämpfung nur gering und bei den verschie denen Vorrichtungen trotz gleicher Länge dea verwendeten Seilstückes häufig verschieden und unbestimmt.
Durch die Erfindung werden die Vorrich tungen zum Dämpfen der Seilschwingungen mit Hilfe eines an der Leitung befestigten schwingungsfähigen Gebildes verbessert.
Erfindungsgemäss enthält die Vorrichtung einen an der Leitung aufgehängten Behälter und einen gegenüber dem Behälter bewegli chen Kolben und erzeugt bei Bewegungen beider Teile gegeneinander eine dämpfende Luftreibung.
Auf der Zeichnung sind zwei Ausführungs beispiele der Erfindung im Schnitt dargestellt. In Abb. 1 ist 1 die Freileitung, 2 der daran aufgehängte Luftbehälter und 3 der im Be hälter bewegliche Kolben. Der Kolben ist auf einer Führungsstange 4 gelagert und mit dem Gehäuse durch eine schraubenförmige Feder verbunden. Man kann auch je eine Feder auf jeder Seite des Kolbens anordnen. Die Führungsstange 4 ist im Boden des Behälters 2 und in dem abgedichteten Deckel 6 befe stigt. Ihr oberes Ende ist durch ein Kardan gelenk 7 oder dergleichen und eine Klemme 8 an der Freileitung 1 aufgehängt. Das Be hälterinnere ist nach aussen dicht abgeschlos sen und enthält keine nach aussen dringenden beweglichen Teile.
Der scheibenförmige Kolben 3 bildet die schwere Masse, die in Verbindung mit der Feder 5 ein schwingungsfähiges Gebilde dar stellt. Der Kolben. 3 ist mit Spiel in dem möglichst leichten Gehäuse 2 gelagert oder mit Löchern versehen, so dass die Luft beim Bewegen des Kolbens auf die jeweils andere Kolbenseite treten kann und die Bewegungen dämpft.
Die Vorrichtung wird in einigen Metern Entfernung von der Tragklemme an der Lei tung aufgehängt. Treten Seilschwingungen auf, so schwingt der Dämpfer mit. Dabei hat die schwere Masse 3 infolge ihrer Trägheit das Bestreben, hinter den Schwingungen des Topfes 2 zurückzubleiben. Sie gerät dadurch in Schwingungen. Federung, Masse und Luft reibung sind so bemessen, dass die-Schwin- gungen der Vorrichtung den Seilschwingungen entgegenwirken und diese dämpfen. Dabei wird ein Teil der Schwingungsenergie durch die Luftreibung in Wärme umgesetzt und vernichtet.
Die Dämpfung kann infolge der Anwendung von Luft ohne Schwierigkeit so eingerichtet werden, dass die ,Schwingungen an der Aufhängestelle nicht so stark gedämpft werden, dass hier eine Refiektionsstelle ent steht, die zu Überbeanspruchungen führen könnte.
Es hat sich gezeigt, dass für die Wirkung der Vorrichtung hauptsächlich die mit der Leitung durch eine Federung verbundene Masse, weniger aber die übrige an der Lei tung befestigte Masse massgebend ist. Um nun die weniger wirksame oder sogar störende Masse der Vorrichtung möglichst klein zu halten, kann man gemäss Abb. 2 das Gehäuse 2 als schwere Masse ausbilden. In diesem Falle besteht der Kolben 3 aus einer dünnen Scheibe. Er ist mit der Leitung fest durch die Stange 4 verbunden und entsprechend Abb. t durch eine Feder 5 gegen das Ge häuse abgestützt. Treten Schwingungen auf, so behält der Kolben 3 seine Lage in verti kaler Richtung gegenüber der Leitung 1 bei, während das Gehäuse 2 in Schwingungen gegenüber Leitung 1 gerät.
Das unwirksame Gewicht, das nur aus der Stange 4 und dem dünnen Kolben 3 besteht, ist bei dieser An ordnung wesentlich kleiner als bei der in Abb. 1. dargestellten.
Die Bestimmung der Grösse der Massen, Federungen und Dämpfungen lässt sich auf rechnerischem oder empirischem Weg durch führen. Die Rechnung kann unter Zugrunde legung der Schwingungsgleichung und des bekannten Bereiches der entstehenden Schwin gungen, sowie den bekannten Konstanten der Freileitung davon ausgehen, dass an den Ein spannstellen des Seils nur ein bestimmter maximaler Ausschlagwirikel bezw. eine be stimmte Höchstamplitude an der Aufhänge stelle der Vorrichtung zugelassen sein soll. Daraus ergeben sich die andern notwendigen Werte. Man kann aber auch die geeigneten Vorrichtungen durch Versuche bestimmen.
Zu diesem Zweck kann man zum Beispiel eine Vorrichtung so ausbilden, dass die Span nung der verwendeten Feder einstellbar oder die Luftreibung durch ein Ventil im Gehäuse veränderbar oder eine zusätzliche Belastung der schwingenden Masse möglich ist. Die durch Versuche ermittelte günstige Vorrich tung kann dann als Ausgang für die Her stellung weiterer Vorrichtungen dienen, die nunmehr nicht mit Ventilen und den für die Versuche notwendigen Hilfsmitteln ausgerüstet zu sein brauchen.