Visier-Iiompass. hie vorliegende Erfindung bezieht sich < < uf einen Visier-Iiompass. Derselbe zeichnet sich erfindunbsäemäss dadurch aus, dass das Kompassgehäuse mit der Deklinationsnadel zwischen zwei zueinander -eneigten Plan spiegeln gelabert ist.
das Ganze derart, dass man im einen Spiegel bei horizontaler Blick richtung und bei horizontalem Iiompass- gehäuse das Bild der Kreisteilung in aufrech ter, natürlicher Labe und zugleich auch von dem zur Iiompassablesuns bestimmten Zeiger (las Spiegelbild erblickt, welches mit Hilfe eines Visiereinschnittes die Ziellinie nach einem beliebigen Punkte des Geländes fest legt. so dass ein genaues Visieren und gleich- zeitiges Ablesen auf der Skala. ermöglicht wird.
Bekanntlich sehen wir von einem Gegen stand, der zwischen zwei parallelen Plan spiegeln liegt, in jedem derselben eine lange Reihe von Bildern. Dabei sind die Bilder ungerader Ordnung verkehrt, die Bilder ge rader Ordnung dagegen (also das zweite. vierte etc.) in natürlicber Labe. Nun kann man durch passende Neigung des einen Spie gels bewirken. dass wir im andern Spiegel das zweite Bild des Gegenstandes in auf rechter. natürlicher Laue erblicken.
Die Zeichnung stellt ein Ausführungsbei- spiel des ErfindunuIsgegenstandes dar. Fis. 1 zeigt eine Draufsicht des Beispiels. Fis. eine Seitenansicht desselben: Fis. 3 ist eben falls eine Seitenansicht mit der Spiegelstel lung, wie sie beim Visieren erforderlich ist, und Fis. -t ist eine Darstellung des Spiegel bildes. das man beim Visieren beobachtet.
Auf der rechteckigen Platte -1 ist ganz nahe an einer Schmalseite das Kompass- 7ehäuse befestigt. Die beiden Spiegel B und C sind umlesbar um die Scharniere D und E. Der Spiegel C ist nur etwa halb so gross als der andere, aber bei beiden muss die spie gelnde Fläche sich bis zur äussern Schmal seite erstrecken. Im Iiompassgeliäue F ist auf der Deklinationsnadel der geteilte Kreis befestigt. Die Skala zeigt. rechts lieruinlau- fend. die übliche Einteilung in 36(l .
Der Nullpunkt der Teilung liegt<B>9</B> ' rechts vom Nordpol der Nadel, weil gegenwärtig in Mit teleuropa die westliche Deklination ungefähr diesen Betrag aufweist. Die Skala kann auch ohne Schwierigkeit auf andere Deklination eingestellt werden. Die beiden Punkte 0 und<B>180</B> fallen also bei diesem Kompass immer mit dem geographischen Meridian zu sammen, denn. der geteilte Kreis hat eine un veränderliche Lage. weil er mit der #.Iagnet- nadel fest verbunden ist.
Zum Visier-gompass gehören der Visier einschnitt G am äussern Rande des Spiegels ss und der zweimal rechtwinklig gebogene Messing- oder Aluminiumstreifen H. Dieser ist am einen Ende auf die Platte A auf geschraubt. am andern Ende trägt er eine Spitze k9, die als Zeiger für die Kompass- ablesung dient und nur wenig von dem Glas deckel des Kompassgehäuses absteht.
Von diesem Zeiger aus verläuft über die 'Titte des Streifens H ein roter Strich R, der mit dem Mittelpunkt des Teilkreises und dem Visier einschnitt G in einer lotrechten Ebene lieft. Der genannte Zeiger mit dem roten Striche liesse sich ersetzen durch einen feinen Faden, der auch über den --eteilten Kreis gespannt werden könnte.
Beim Visieren bringt man die Spiegel B und C in die Lage, wie sie durch Fig. 3 dar gestellt wird. 13 bildet mit der Horizontalen ungefähr einen Winkel von 50 , C einen sol chen von 85 . Die Spiegel lassen sich ohne weiteres auf diese beiden Winkel einstellen. Nun bringt. man den Kompass in Augenhöhe und zielt durch den Einschnitt G nach dem Bilde des roten Striches R im Spiegel C.
In diesem sehen wir nämlich das aufrechte Bild der Skala in natürlicher Lage und darüber das Bild der Spitze S und des roten Striche R, das sich lotrecht nach oben bis zum Rande des Spiegels C erstreckt (Fig. d). Durch den Einschnitt G und (las Bild des roten Striches R wird nun eine ganz bestimmte Visierlinie festgelegt, die annähernd eine horizontale Lage hat und nach irgend einem Punkte des Geländes gerichtet werden kann. In Fig. ist auch der Gander Strahlen angedeutet.
die von zwei verschiedenen Punkten der Skala ausgehen und in das bei 0 befindlic@lie Auge gelangen.
Soll man beispielsweise die Süd-Nord- richtung bestimmen, so visiert man in der angegebenen Weise und dreht sich dabei so weit, bis der rote Strich mit dem Null- oder Nordpunkt der Skala zusammenfällt. Die Vi- sierlinie zeigt alsdann nach Norden, und man wird im Gelände leicht einen Punkt finden. der in dieser Richtung liegt (Berggipfel. Turm, Kamin, Baum, Haus etc.). Ebenso verfährt man, wenn irgend eine andere Him melsrichtung, zum Beispiel Südwest. an gegeben werden soll.
In diesem Falle muss der rote Strich auf die Buchstaben SZI' der Skala, oder auf die Gradzahl ??5 zeigen. Umgekehrt lässt sich auch sofort von jedem sichtbaren Geländepunkt die Himmelsrich tung angeben. in der er liegt.
Der dargestellte Visier-Kompass eignet sich auch gut zur Winkelmessung im Ge lände. Beobachten wir von unserem Stand punkt aus in der Ferne einen Berggipfel, so kann es sich darum handeln, den Winkel zu bestimmen, den die Richtung nach diesem Gipfel mit der Süd-Nordrichtunt, bildet. Wir haben weiter nichts zu machen, als nach diesem Bertrgipfel zu visieren. Die Grad zahl, die wir beim roten Strich ablesen, gibt die Grösse des gesuchten Winkels an.
Hier ma#r noch bemerkt werden, dass wir sämt iiche Winkel vom Nordpunkt aus rechts herum messen, also im Sinne der Bewerun:y, der Uhrzeiger, von 0 bis<B>360</B> . Da. beim 3b.lesen der Gradzahl unser Blick senkrecht auf die Skala gerichtet ist, so stellen sich keine parallaktischen Verschiebungen ein, die sonst häufig die Ursache von groben Fehlern sind.
Mit Hilfe des vorhin -einessenen Winkels sind wir auch imstande, auf möglichst direk tem We,#e nach dein Ber;--e zuwandern, aueli wenn derselbe während unseres Marsches zeitweilig- unsichtbar wird. Wir brauchen nur den roten Strich auf die gemessene Grad zahl einzustellen, und die Visierlinie weist alsdann nach dem Ziel unserer Wanderung.
Bei den angeführten Verwendungsarten des dargestellten Visier-Kompasses ist keine Einstellung von Zeigern oder das Einspielen von Harken erforderlich. Der Kompass ist daher sehr bequem zu handhaben, und er ent spricht in einfacher 'ZTeise den wichtigsten Anforderungen. die man auf Wanderungen im Gelände an einen Kompass stellt.
Es bereitet auch keine Schwierigkeiten. mit diesem Visier-Kompass auf der Karte Winkel zu messen oder im Gelände gemessene Winkel auf der Karte abzutragen. Die Lösung dieser Aufgaben ist am einfachsten, wenn man die auf dem Tisch ausgebreitete Karte zunächst orientiert. Zu diesem Zwecke wer den die beiden Spiegel vollständig auf geklappt. so dass sie mit der Platte r4 zusam inen ein Lineal bilden, das bei den in Be tracht kommenden Arbeiten unentbehrlich ist.
Nun legt man das Instrument so auf die Karte. dass die Kante<I>DE</I> in die Richtung eines Kartenmeridians kommt. Nachher dreht man die Karte samt dem auf ihr lie genden Kompass so weit, bis der rote Strich mit dem Nullpunkt der Skala zusammen fällt. Die Karte ist nun orientiert.
Hein Standort auf der Karte heisse X, ein beliebiger anderer Ort auf dieser Karte sei Z, und e. ist der Winkel zu messen, den die Richtung von X nach Z mit dem geographi schen Meridian bildet. Man legt die Kante DE des Kompasses in die Richtung XZ, was beim Winkelmessen im Gelände dem Visie ren entspricht und liest am roten Strich die gesuchte Gradzahl ab. i\Tir haben dabei wohl zu beachten, dass unser Standort der Scheitel des zu messenden 'N#@Tinkels ist.
Der Kompass muss folglich derart auf die Karte g-elent werden. class seine durch einen Pfeil auf der Platte :1 angedeutete Visierlinie von dem Standort X nach Z hinweist.
Hat man auf der Karte im Punkte X einen -egebeilen Winkel abzutragen. so legt man die Kante DE an den Punkt X und dreht den Kompass um denselben. bis der rote Strich mit der -e-ebenen Gradzahl 7u- sammenfä.llt. Man kann aber die Winkel auf der Karte auch messen. ohne,dass diese vorher orientiert werden muss.
Zu diesem Zwecke wurde der obere Teil des Kompassehäuses drehbar ge macht lind daran inwendic auf gleicher Höhe mit dem geteilten Kreis eine Marke 1l an- 0.ebracht. Ist die Karte auf dem Tische \--anz beliebig ausgebreitet. so legt man den Kom- pass wieder zunächst so darauf. dass die Kante<I>DE</I> in die Richtung eines Karten meridians fällt.
Anstatt nun die Karte zu drehen. dreht man den obern Teil des Kom- passgehäuses. his die Marke @ll mit dem Null punkt zusammenfällt. Nachher legt man wie vorhin die Kante<I>DE</I> des Kompasses in die Richtung XZ. nur liest man jetzt die Grad zahl an der Narke 3I ab. Diese Art der Ab lesung hat noch den Vorteil, class keine Feh ler der Parallaxe gemacht werden können.
Ebenso verfährt man, wenn bei nicht orientierter Karte im Punkte X ein gegebenes Winkel abgetra < "en werden soll. Nachdem der Kompass in die Rlchtun"' eines Karten ineridians gebracht wurde. lässt man zunächst ctie Marke<B>31</B> finit dem Nullpunkt zusammen fallen. Nachher legt man die Kante<I>DE</I> an den Punkt X und dreht den Kompass um denselben, bis die Marke 31 auf die gegebene Gradzahl zeigt.
Das Messen und Abtragen von M'inkeln auf der Karte ist bei der Lösung verschie dener Aufo-aben erforderlich. zum Beispiel: Im Gelände erblicken wir \'o11 unserem Standpunkt Z aus verschiedene: l)er(rgipfel, die uns unbekannt sind.
Wir visieren nach jedem einzelnen. notieren die Gradzahl. tra gen auf der Karte vom Standorte X aus die gemessenen ZÄ"iiilzel ab, wobei allemal der Schenkel TZ nach einem der gesuchten Berge zeigt.
Auf der harte bestimmen wir rings um einen Punkt X herum die Lage einer Anzahl von Ber',gipfeln. Ortschaften ctc. und notie ren die beztiglichen CTriiclzahleil. -N\Tenli wir uns nachher ini Gelände auf den Punkt i. begeben. so werden wir durch einfaches Vi- ieren die genannten geographischen Objekte leicht auffinden können.
Wir beobachten im Gelände in verschie dener Richtung zwei bekannte Berggipfel, die auf der Karte verzeichnet sind. Wir ken nen jedoch unsern Standort x nicht und möchten denselben ermitteln. Wir visieren nach dem ersten der beiden Gipfel und zie hen durch dessen Kartenbild eine Gerade, deren Richtung mit der Visierlinie überein stimmt. Dasselbe machen -wir mit dem an dern Bergb pfel. Wo sich die beiden Ge raden schneiden. ist unser Standort.
Bewe gen wir uns am Ufer eines bekannten Flusses oder am Rande eines grösseren Waldes, so benü7t auch eine der angegebenen Operatio nen zur Bestimmung unseres Standorte.
Es werden auch Bussoleninstrumente zur @Ä'inkelmessun7 in der Geodäsie verwendet. aber zur Erzielung hinreichender Genauig keit ist dabei der Gebrauch eines Stativs un bedingte Erfordernis. Handelt es sich da- gegen um räsche .Aufnahme einer Web- oder Geländeskizze, so kann der beschriebene Vi- sier-Kompass gute Dienste leisten.