Schutzeinrichtung für parallele Leitungsstrecken. Die Erfindung betrifft eine unabhängig verzögert wirkende Schutzeinrichtung für parallele Leitungsstrecken, insbesondere eine Differentialschutzeinrichtung mit vom Diffe renzstrom erregten Maximalrelais und besteht darin, dass die Schutzmittel an den Enden der parallelen Leitungsstrecken miteinander in Verbindung stehen und dass bei Betrieb nur einer an sich beliebigen der parallelen Leitungen die Einrichtung wie eine auf dem Vergleich derEnergierichtung an den Strecken enden beruhende Schutzeinrichtung mit von den Betriebsgrössen der Leitung unabhängiger Zeitverzögerung wirkt.
Die Zeichnung zeigt ein Ausführungsbei spiel der Erfindung.
In der Figur sind zwei parallele Leitungen einphasig gezeichnet. Die Leitung 1 kann durch Öffnung der Schalter 2 und 3 abge schaltet werden. Die Leitung 4 besitzt ent sprechende Schalter 5 und 6. An den Enden sind die Leitungen durch Sammelschienen 7 bezw. 8 miteinander verbunden. Der Strom in den Leitungen 1 und 4 erregt über zwei Stromwandler 9 und @10, welche in der soge- nannten Achterschaltung angeordnet sind, ein Überstromrelais 11 und das Stromsystem eines Energierichtungsrelais 12. Die für das andere Ende der Doppelleitung notwendigen genau übereinstimmenden Teile sind zwar darge. stellt, aber nicht alle mit Kennziffern versehen.
Die Einrichtung enthält ferner noch Aus lösespulen für die Schalter 2 und 5, sowie mit diesen Leitungsschaltern gekuppelte Um schaltkontakte 13 und 14. Der Auslösestrom- kreis für den Leitungsschalter 5 ist über den Hilfskontakt 13 des Leitungsschalters 2 ge führt. Umgekehrt verläuft der Stromkreis für die Auslösespule des Schalters 2 über Hilfs kontakte des Leitungsschalters 5. Die Er regerstromkreise für die beiden Auslösespulen sind an die Hilfsleitung nur dann angeschlos sen, wenn jeweilig der Schalter der andern Leitung geschlossen ist.
,Wenn das Überstrornrelais 11 anspricht, weil die Differenz der Ströme in den Lei tungen 1 und 4 entsprechend gross geworden ist, dann wird ein Zeitrelais 15 eingeschal tet. Das Zeitrelais 15 besitzt einen Anker 16, der nach kurzer Verzögerungszeit einen Stromkreis für den Hilfsmagneten 17 des Energierichtungsrelais 12 einschaltet. Das Energierichtungsrelais 12 wird ausser vom Differenzstrom der Leitungen 1 und 4 noch über einen Spannungswandler 18 von der ge meinsamen Spannung der Leitungen 1 und 4 erregt.
Wenn der Fehler auf der Strecke 1 entstanden ist, ist die Ausschlagsrichtung des Energieriehtungsrelais derartig, dass ein Strom kreis für die Auslösespule des Leitungsschal ters 2 über den in der -gezeichneten Lage stehenden Hilfskontakt 14 des Leitungsschal ters 5 geschlossen wird. Bei einem- Fehler auf der Leitung 4 schlägt das Energierich- tungsrelais nach der andern Seite aus; so dass dann die Auslösespule des Schalters 5 über den in der gezeichneten Lage stehenden Hilfskontakt 13 des Leitungsschalters 2 er regt wird.
Falls die Abschaltung versagen sollte, wird nach Ablauf einer grösseren Ver zögerungszeit durch den Anker 19 des be reits genannten Zeitrelais 15 ein Stromkreis zur Erregung der Auslösespulen beider Schal ter 2 und 5 geschlossen, der aber ebenfalls über die Hilfskontakte der Ölschalter verläuft und nur bei noch geschlossenen Schaltern eine Wirkung haben kann.
Wenn beispielsweise die Strecke 1 abge schaltet ist, das heisst der Hilfskontakt 13 in der obern Lage steht, dann soll die Ein richtung als Streckenschutzeinrichtung wir ken. Zu dein Zweck wird durch die Stellungs änderung des Hilfskontaktes 13 die Aus lösung des Leitungsschalters 5 direkt vorn Richtungsrelais 12 aus unmöglich gemacht. Wenn das Richtungsrelais wiederum die Kon taktstellung einnimmt, welche bei Betrieb der Doppelleitung zur Erregung der Auslösespule des Leitungsschalters 5 geführt hat, dann wird jetzt an Stelle der Auslösespule die eine Wicklungshälfte eines Hilfsrelais 20 ein geschaltet.
Dem Hilfsrelais 20 entspricht ein Hilfsrelais 29 am selben Doppelleitungsende. Diese beiden Relais besitzen eine zweiteilige Wicklung und erhalten, sobald das Über stromrelais 11 anspricht, Strom für die eine Wicklungshälfte. Die Relais besitzen Ruhe kontakte 21 bezw._ 28. Die Ruhekontakte wer den geöffnet, sobald eine Wicklungshälfte der Erregerwicklungen dieser Relais Strom führt. Sie werden aber wieder geschlossen, sobald auch die zweite Erregerwicklungshälfte Strom bekommt, weil die beiden Wicklungshälften einander entgegengesetzte Magnetfelder her vorrufen.
Über die parallel geschalteten Kontakte 21 und 28 verläuft ein Ruhestromkreis von Plus über den geschlossenen Kontakt 21 (oder 28), die Wicklung eines Hilfsrelais 22, die eine Ader 23 einer zweiadrigen Fernleitung und entsprechend am andern Streckenende der Doppelleitung über die Wicklung eines dein Relais 22 entsprechenden Hilfsrelais 24 und über die normalerweise geschlossenen paral lelgeschalteten Kontakte 25 und 31 zweier Relais 26 und 30, welche den Relais 20 und 29 am andern Doppelleitungsende entsprechen und zurück über die zweite Ader 27 der Hilfslei tung nach Minus. Die Stromquellen für diesen Stromkreis sind in dem Ausführungsbeispiel auf die beiden Doppelleitungsenden verteilt, was an sich nicht notwendig ist.
Sobald das Überstromrelais 11 anspricht, werden die Relais 20 und 29 so erregt, dass sie die Ruhe kontakte 21 und 28 öffnen, wodurch der Ruhe stromkreis über die Fernleitungen 23 und 27 und die Relais 22 und 24 unterbrochen wird. Von dem Ausschlag des Energierichtungs- relais 12 und der Stellung der Hilfskontakte 13 und 14 hängt es dann ab, ob die zweite Erregerwicklungshälfte des Relais 20 oder des Relais 29 geschlossen wird. Dadurch kehrt darin der Kontakt 21 oder der Kontakt 28 in die Ruhelage zurück, was zur Folge hat, dass der Ruhestromkreis an diesem Dop pelleitungsende wieder geschlossen wird. Die Schliessung des Ruhestromkreises stellt dann die normale Lage der Relais wieder her.
Sie erfolgt aber erst, nachdem das Richtungsrelais seinen Kontakt geschlossen hat. Solange das Relais 22 stromlos ist, weil der Rubestrom unterbrochen ist, sind die Kon takte 33 und 34 des Hilfsrelais 32 offen. Es wird dann für diejenige Auslösespule, deren Schalter geschlossen ist, der Auslösestrom- kreis vollendet, wenn das Richtungsrelais den richtigen Kontakt schliesst. Zur Auslösung des Leitungsschalters 5 beispielsweise muss das Richtungsrelais einen Kontakt schliessen, der den Stromkreis vom Minuspol der Orts batterie über die Auslösespule des Schalters 5, über den Kontakt 34 den in der Ausschalt stellung stehenden Hilfskontakt 13 vollendet.
Gleichzeitig muss das Richtungsrelais am andern Leitungsende nach einer solchen Seite ausschlagen, dass auch dort der Ruhestrom kreis wieder geschlossen wird; das heisst es muss, wenn an einem Doppelleitungsende das Hilfsrelais 29 oder 20 den Korntakt 28 bezw.21 schliesst, am andern Ende das Richtungsrelais dementsprechend nach solcher Seite ausschla gen, dass dann- der Kontakt 25 oder der Kon takt 31 geschlossen wird. Weil die Leitung zur Erregung der zweiten Wicklungshälfte der Relais 20 und 29 bezw. 26 und 30 über die Hilfskontakte der Ölschalter geführt ist, kann der Ruhestromkreis nur dann geschlos sen werden, wenn beide Energierichtungsrelais nach einer bestimmter) Seite ausschlagen.