Verfahren zur Herstellung von durehsiehtigen, pralltiseh planparallelen Scheiben aus Kunstmassen, welche mindestens ein Kondensationsprodukt organischer Verbindungen enthalten.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von durchsichtigen, praktisch planparallelen Scheiben aus Kunstmassen, welche mindestens ein Kondensationsprodukt organischer Verbindungen enthalten und be zweckt den Ersatz von Glasscheiben, beson ders in solchen Fällen, w o die Eigenschaft des Glases, scharfkantige Splitter zu liefern, unerwünscht ist.
Die bisher bekannten Scheiben dieser Art zeigen den Nachteil, ,dass1 sie bei länge rem Gebrauch oder Lagern instabil sind. Man hat zwar schon behauptet, dass diese Instabilität ausschliesslich durch Änderung der chemischen Zusammensetzung, sowie durch die Art des Kondensationsvorganges vollständig beseitigt werden könne.
Anhand von zahlreichen Versuchen mit Scheiben be- trächtlicllen Ausmasses wurde jedoch fest gestellt, dass die. bisherigen Vorschläge nicht t -iu, sschliesslich genügten. Es hat sich nun gezeigt, dass man nur durch Kombination ganz bestimmter Bedin gungen, wie im folgenden gezeigt wird, zu Scheiben kommt, die eine vollkommene Sta bilität hinsichtlich ihrer mechanischen, phy sikalischen und chemischen Eigenschaften aufweisen.
Die Erfindung stützt sich auf die Er kenntnis, dass man zur Erzielung des genann ten Zweckes vor allem die Planparallelität der Formlinge und die Art und Dauer des Trocknungsvorganges. beachten muss. Erfin dungsgemäss wird zur Erzielung der Plan parallelität der Formlinge das Giessen der flüssigen Kondensationsmasse in geschlos senen Formen aus nicht metallischem Mate rial, vorzugsweise saurem Gestein, Gläsern, Sperrholz' und dergleichen vorgenommen.
Ferner werden die erstarrten Formlinge der Trocknung bis zu bei Zimmertemperatur kon stantem spezifischem Gewicht in feuchtem Medium unterworfen, wobei gegebenenfalls vor Beendigung der Trocknung eine Pres sung der Formlinge vorgenommen wird.
Das Verfahren kann sowohl mit reinen Harnstoff - Formaldehyd - Kunstmassen, als auch mit allen Aquivalenten, also beispiels weise mit Kondensationsprodukten des Thio- harnstoffes, Polymeren des Formaldehyds und auch mit solchen Kondensationsproduk ten ausgeführt werden, in .die neben den genannten Kondensationsprodukten auch an dere Kondensationsprodukte verarbeitet sind, wie beispielsweise solche aus mehrwertigen Alkoholen und mehrbasischen Karbonsäuren. Gegebenenfalls können :
diesen Kondensations produkten auch Weichmacher beigefügt sein, wie zum Beispiel Äthylacetanilid, Triacetin, Benzyllactat usw.
Die Benutzung geschlossener Gussfo:rmen verbürgt, dass die Formlinge nach der Ent nahme aus der Form auf allen Seiten hin sichtlich ihrer Beschaffenheit vollkommen übereinstimmen. Die Wahl nicht metallischer Materialien für die Giessformen sichert die erwünschte Planparallelität der Formlinge;
denn :die Benutzung dieser Materialien für die Gussformen an Stelle der sonst üblichen Metalle vermeidet den Nachteil,derletzteren, sich in der Hitze stark zu verwerfen. Dieser Machteil könnte bei metallischen Formen nur dadurch vermieden werden, .dass sie in un wirtschaftlich und technisch unbrauchbar grosser Materialstärke hergestellt werden.
Da die genannten nicht metallischen Mate rialien nur zum Teil dem Angriff der flüs sigen Kondensationsmasse widerstehen, wer den zweckmässig die in Berührung mit der Gussmasse kommenden Oberflächen der For men mit einer .dünnen Lage aus solchem Metall bedeckt, welches von der Konden sationsmasse nur schwer angegriffen wird. Beispielsweise lassen sich so Kalkstein-Giess- formen :durch einen Überzug aus Aluminium schützen, der nach mehrmaliger Benutzung erneuert wird.
Die Trocknung :der erstarrten Formlinge erfolgt erfindungsgemäss in feuchtem Me dium, wobei der Feuchtigkeitsgehalt des Mediums mit steigender Trocknung vorzugs weise allmählich verringert wird. Beispiels weise beginnt man die Trocknung mit einem Gehalt des Trocknungsmediums an dem zur Darstellung der Kunstmassen benutzten dis pergierenden Lösungsmittel, der etwa 101'o unterhalb des Sättigungsgehaltes liegt, und beendet sie, wenn der Gehalt an Lösungs mittel etwa 50 5o unter den Sättigungsgehalt gesunken ist.
Als besonders vorteilhaft beim Troek- nungsvorgang muss eine allseitig gleiche Durchtrocknung im Verlauf der Trocknung bezeichnet werden. Diese allseitig gleiche Durchtrocknung kann dadurch erreicht wer den, dass man :die erstarrten Formlinge der Einwirkung des ständig bewegten Trock- nungsmediums unterwirft und im Verlauf der Trocknung wiederholt umwendet. Dies kann zweckmässig durch eine automatische Wendevorrichtung erreicht werden, mittelst deren die Formlinge in gegebenen Zeitabstän den ohne Beeinträchtigung ihrer Form um gewendet werden.
Die allseitig gleiche Durchtrocknung der Platten kann weiterhin dadurch gefördert werden, dass man die Stirnseiten (das heisst die zur Scheibenebene senkrechten Beb enzungsflächen) der Form- linge abdeckt, zum Beispiel mit einem schnell trocknenden Lack, oder mit leicht schmelzbaren Massen. Je nach Art und Stärke des verwendeten Überzuges kann dieser auch über die Kanten der Stirnseiten übergreifen, um die erwünschte gleich schnelle Trocknung der Rand- und. Mittel teile zu gewährleisten.
Die Abdeckung der Stirnseiten kann natürlich auch durch Um lage eines dauernd anliegenden vorgeformten Körpers erfolgen, beispielsweise durch ein Gummiband, durch federnd gelagerte Holz leisten und dergleichen.
Die Anwendung feuchter Trocknungsluft bezweckt, dass der Unterschied zwischen -dem Dampfdruck des .dispergierenden Lösungs mittels in :dem Formling und dem Teildruck desselben im Trocknungs.medium möglichst gering ist. Man kann das gleiche Ergebnis auch dadurch erreichen, dass man die Form- linge mit porösen Umhüllungen umgibt, zum Beispiel aus porösem Ton, mikroporösem Kautschuk, Filz und anderem.
Die Wirkung dieser porösen Materialien beruht darauf, dass durch die poröse Umhüllung hindurch die Tension des Disperungsmittels von der Tension im zu trocknenden Formling bis zur Tension im Trooknungs@medium ganz allmäh- lieh abfällt. Dieser Abfall kann durch die Dicke und Porengrösse der porösen Schieht weitgehend beeinflusst werden.
Als weiterer Vorteil dieser Trocknungsart ergibt sich die Möglichkeit, auch solche Trocknungsluft zu verwenden, in der .die Tension des Disper- sionsmittels nur ganz gering ist. Auch lässt sich bei der zuletzt genannten Art der Trock nung das Umwenden gegebenenfalls völlig vermeiden. Beide Arbeitsweisen können in verschiedenen Stadien -der Trocknung auch miteinander kombiniert werden.
Für bestimmte Veiiv en.dungszwecke, bei spielsweise bei Ersatz von Spiegelglasschei ben in Fahrzeugen, ist eine besondere Ober flächenbeschaffenheit der Scheiben er wünscht. Diese kann ausser durch Abschlei fen und Polieren in einfachster Weise durch eine Pressung der noch nicht völlig getrock neten Formlinge bewirkt werden.
Dabei kann man beispielsweise so verfahren, dass man Formlinge der nachfolgend im Beispiel 1 gegebenen Zusammensetzung bis. zu einem spezifischen Gewicht, das zweckmässig zwi- sehen 1.,.16 und 1,47 liegt, trocknet, dann heiss verpresst und nach erfolgter Pressung, bei welcher, wie Versuche ergaben, eine mess bare Änderung des spezifischen Gewichtes der Platten nicht eintritt, wie oben beschrie ben, zu Ende trocknet.
In manchen Fällen ist es vorteilhafter, die Trocknung nahe bis zum Ende zu führen und die Formlinge vor dem Pressen der Einwirkung von Wasser zu unterwerfen. vorzugsweise durch kurzes Einlegen in Wasser bei Temperaturen zwi schen 50 und<B>80'</B> C, oder durch Behandeln mit feuchtigkeitsgesättigter Luft. Die zu letzt genannte Art des Verfahrens führt be sonders dann zum Ziel, wenn weitgehend ge trocknete Formlinge beim direkten Verpres- sen ohne die genannte Behandlung Trübun gen aufweisen. Diese Trübungen lassen sich dann vermeiden.
Die Wirkung .der zuletzt genannten Massnahme besteht vielleicht dar in, dass eine Homogenisierung -der Form- linge hinsichtlich des Trocknungsgrades ein tritt, ohne dass man dies allerdings anhand von wesentlichen Gewichtsveränderungen wahrnimmt.
Zur Erzielung einer spiegelglatten Ober fläche der Formlinge erfolgt zweckmässig die Pressung zwisohen Spiegelglasscheiben, die in an sich bekannter Weise gehärtet sind. Man könnte zwar auch absolut plangeschlif fene Metallplatten als Pressunterlage verwen den, jedoch widerstehen nur ganz wenige Metalle bei den hohen Presstemperaturen den chemischen Einflüssen der Formlinge auf die Dauer und können, wenn überhaupt, nur mit beträchtlichem Kostenaufwand in solcher spiegelglatten Oberflächenbeschaffenheit wie die Spiegelglasscheiben hergestellt werden,
so dass .die Spiegelglasscheiben auch aus wirt schaftlichen Gründen vorteilhafter .sind. Ist die Erzielung der spiegelglatten Oberfläche auf beiden Seiten der Scheibe erwünischt, dann können natürlich auf beiden Seiten des Formlings Pressunterlagen aus gehärteten Spiegelglasscheiben verwendet werden.
Die Pressung wird vorzugsweise erst in einem solchen Stadium der Trocknung vor genommen, wo die bisher vorgeschlagenen Pressverfahren nicht mehr anwendbar sind. Zweckmässig wird die Pressung der in ,diesem Stadium der Trocknung befindlichen Form- linge nach Erhitzung auf eine die Konden sationstemperatur nicht wesentlieh über schreitende Temperatur von etwa 115 bis <B>130'C</B> derart vorgenommen, @dass die Druck steigerung durch lange Zeiten hindurch vor genommen und der Druck gegebenenfalls während langer Zeiten aufrecht erhalten wird.
Die Eigenschaften der fertigen Scheiben können auch mitbestimmt werden durch die Art des Kondensationsvorganges und die chemische Zusammensetzung der dabei be- tei,ligten: Stoffe. So kann man mittelst Harn- stoff und Formaldehyd besonders leicht giess bare Massen erzielen, wenn man :die Konden sation bei erhöhter Temperatur in vorzugs weise nichtsaurer Lösung bis zur Bildung von beim Stehen oder Abkühlen gelatinieren- den Massen durchführt und unmittelbar vor dem Vergiessen so viel Säure zusetzt; dass das p$ der Lösung kleiner als 7 ist.
Diese Ver fahrensweise beruht auf der neuen Erkennt nis, dass man die Kondensation in nicht saurem, zum Beispiel alkalischem Medium bis zu Ende durchführen kann und lediglich zur rascheren Gelatinierung und zur Beein flussung der kolloid-chemischen Eigenschaf ten der Endprodukte Säure zufügt.
Die Stabilität der Endprodukte lässt sich insbesondere dadurch günstig beeinflussen, dass man Kondensationsprodukte aus mehr wertigen Alkoholen und mehrbasischen Ka-r bonsäuren bezw. :deren Derivaten mit ver wendet. Die vollkommene Lichtbeständig keit derartiger Produkte kann dadurch er zielt werden, dass als mehrbasische Karbon säuren aliphatische Karbonsäuren bezw. deren Derivate zur Anwendung kommen.
Bei der Mitverwendung der Kondensationspro dukte von mehrbasischen Karbonsäuren und mehrwertigen Alkoholen bezw. deren Deri vaten handelt es sich offensichtlich nicht um eine feste Lösung dieser Produkte in den Endprodukten, sondern um eine Konden sation mit den noch freien A:minobo-ruppen, die dem zur Kondensation verwendeten Harn stoff entstammen.
Die Mitverwendung der genannten Kon- densationsprodukte aus mehrbasischen Säuren und mehrwertigen Alkoholen bietet den wei teren Vorteil, :dass. man die Herstellung der Giessmassen auch anders, als oben angegeben, gestalten kann.
Man kann .dabei so ver fahren, dass- man zunächst in wässerigem Medium kondensiert, :dann durch beliebige Trocknung das Kondensationsprodukt prak tisch vollkommen von Wasser befreit und die trockene Masse .durch Erhitzen mit nie drigsiedenden Lösungsmitteln, gegebenen falls unter Druck, verflüssigt.
Zur rasche ren Durchführung der Trocknung und auch der Verflüssigung empfiehlt sieh eine weit gehende Zerkleinerung der primären Konden sationsprodukte. Mittelst dieser zuletzt be schriebenen Arbeitsweise ist es möglich, :die entstandenen Lösungen direkt der Gelatinie- rung und nachträglichen Härtung zu unter werfen oder diese Lösungen bei der Konden sation in wässeriger Lösung teilweise mit zu verwenden.
Dadurch kann erreicht werden, dass man auch Abfallprodukte, die im Ver lauf oder nach Beendigung der Fabrikation oder im Gebrauch entstehen, wieder in den Fabrikationsgang einführen kann.
Erfahrungsgemäss gelatinieren Harnstoff- Formaldehyd - Kondensationsprodukte, deren pH kleiner als 7 ist, in der Hitze und Kälte verhältnismässig schnell. Dies kann bei der Durchführung des Giessverfahrens im grossen gewisse Schwierigkeiten verursachen. Diese Schwierigkeiten lassen sich umgehen, indem man das Giessverfahren dadurch kontinuier lich gestaltet, dass man die Kondensation in nichtsaurem, insbesondere alkalischem -Me dium in grossen Gefässen vornimmt und den Zusatz von Säuren jeweils nach Massgabe des Bedarfes nur zu kleineren Portionen Konden sationslösung bewirkt.
Im nicht kontinuier lichen Betrieb kann man zum gleichen Ziel gelangen, wenn man von der neuen Erkennt nis Gebrauch macht, dass sieh die Gelatinie- rungszeit der sauren Kondensationslösungen ohne Entfernung .des Wassers durch Zusatz niederer Alkohole in entsprechender Menge vorbestimmen lässt. Natürlich können beide Massnahmen auch in Kombination, benutzt werden.
Für bestimmte Verwendungszwecke der Scheiben ist es zweckmässig, zur Erzielung einer grossen Oberflächenhärte an bestimmten Stellen die Scheibe einseitig mit einer ganz dünnen Glasfolie zu belegen.
Die gemäss dem vorliegenden Verfahren hergestellten Seheiben zeichnen sich dadurch aus, dass sie praktisch vollkommen stabil sind. So erweisen sie sich auf Grund von Ver suchen über lange Zeit hinweg stabil gegen über von Wasser und von atmosphärischen Einflüssen, wie Licht, Sonne, Temperatur- Wechsel, Regen.
Auch in geheizten Räumen, w o sie innenseitig der warmen Zimmerluft, aussenseitig der kalten Winterluft ausgesetzt waren, zeigten sie keine Veränderung. Auch zeigen derartige Scheiben bei lang andauern der Lagerung keine von den Rändern aus gehende Rissbildung, wie die bisher bekannten Scheiben.
Auf Grund von vergleichenden Zertrüm- merungsversuchen zeigen die nach dem Ver fahren gemäss: der vorliegenden Erfindung hergestellten Scheiben Vorteile gegenüber dem Silikatglas und den sogenannten Sicher- heitsglä@.ern. Sie liefern im Vergleich mit Silikatglas keine scharfkantigen Splitter;
im Vergleich zu den sogenannten Sicherheits gläsern lassen sie sich leicht und gefahrlos auch finit menschlichen Körperteilen zertrüm mern, wodurch bei Unglücksfällen .schwere Verletzungen vermieden werden.
Es folgen nun einige Ausführungsbei- spiele des Verfahrens.
Beispiel <I>1:</I> 80 kg Paraformaldehyd, 50 kg Wasser und 63 kg Harnstoff werden nach Zusatz von 4 Liter ?-n Sodalösung unter Umrühren erwärmt. bis alles in Lösung gegangen ist, worauf eine Stunde am Rückflusskühler ge kocht wird. Dann werden 10 kg eines .dick flüssigen Kondensationsproduktes zugesetzt, das aus 330 G.-T. Glyzerin und 67 Cr.-T. Adipinsäure durch mehrstündiges Erhitzen unter Abdestillieren des in Freiheit. gesetzten Wassers zubereitet worden war.
Schliesslich wird noehinals eine halbe Stunde am Rück flusskühler gekocht. Nunmehr setzt man 6 kg ?-n Schwefelsäure zu, in der \? kg Harnstoff gelöst sind. Man kocht so lange am Rückfluss, bis das Ganze klar geworden ist, wozu einige Minuten notwendig sind.
Dann wird in die vorbereiteten Formen ge- gossen. Diese bestehen aus vertikal stehen den, geschliffenen und polierten Platten aus feinkörnigem Schwedisch - Neugrün - Diagas, die durch Eisenrahmen von der gewünschten Stärke des zu giessenden Formlings ausein- andergehalten werden.
Verwendet man For- irren, deren Ausmasse 125 mal 80 cm betra gen, so reicht bei 6 mm Gussdicke der Form- linge der angegebene Ansatz für etwa zehn Scheiben. Man lässt in der Form .erkalten und öffnet nach 6 bis 8 Stunden. Dann löst sich der Formling leicht von der hier ange gebenen Form.
Die aus der Form entnommenen allseitig homogenen und völlig planparallelen Form- linge werden der Trocknung zugeführt. Dies geschieht in der Weise, dass über die Form linge Luft von ganz allmählich steigender Temperatur und allmählich abnehmender Feuchtigkeit geführt wird, wobei der Feuch tigkeitsgehalt am Anfang .der Trocknung zirka 90ö und gegen Ende der Trocknung zirka. .10 /o des Sättigungsdruckes des Was serdampfes bei der jeweiligen Trocknungs- temperatur beträgt.
Man hat im Verlauf der Trocknung durch eine Vorrichtung dafür zu sorgen, (lass die auf ebenen Unterlagen ruhenden Platten, solange sie weich sind und wenig )Viderstandskraft gegen Formände rung zeigen, ständig gewendet werden, so dass sie im Verlauf der ganzen Trocknung stets gleichmässig von der Trocknungsluft umspült werden.
Besitzen die Platten genü gend Widerstandskraft gegen Formverände rung, so kann man -die Weitertrocknung auch in geeigneter Weise mit aufgehängten Plat ten vornehmen, muss jedoch auch in diesem Falle :dafür sorgen, dass die Troeknungsluft stets gleichmässig und von allen Seiten die Platten bespülen kann. Durch geeignete Strömungsgeschwindigkeit der Trocknungs- luft in Verbindung mit -dem richtigen Feuch tigkeitsgehalt bringt man es dahin, dass die Platten sich im Verlauf des Trockenvor ganges nicht verwerfen.
Es hat sich als zweckmässig erwiesen, nicht die gesamte zuni Trocknen verwendete Luft kontinuierlich zu erneuern, sondern jeweils einen Teil der stets formaldehydlialtigen Luft in den Trock- nungsvorgang wieder einzuführen.
<I>Beispiel 2:</I> Man kondensiert und gzsst die Masse wie im Beispiel 1 beschrieben und umhüllt die noch plastischen Formlinge .allseitig mit etwa 1 cm starkem Wollfilz. Der Filz war durch Auflegen auf wabenföiznige dünne Rahmen versteift. Der eingehüllte Formling wird in einem Trockenkasten aufgehängt, dessen Temperatur in gen-iinschter Weise eingestellt werden kann. Durch dieser.
Trockenkasten wird Zimmerluft von allmäh lich steigender Temperatur mit einer solchen Geschwindigkeit gesaugt, dass die Luft in dem Trockenapparat in zirka fünf Minuten einmal erneuert wird. Beispiel <I>3:</I> Man l@ondensiert, ,giess.t und trocknet, wie im Beispiel 1 oder 2 beschrieben, jedoch wer den zwei oder drei Tage nach Beginn der im ganzen mehrere Wochen dauernden Trock nung die Formlinge an den Stirnseiten mit einem Überzug aus einem Acetylzelluloselaek versehen, der .gegebenenfalls im Verlauf der weiteren Trocknung erneuert wird.
<I>Beispiel</I> I: 16 kg Paraformaldehyd, 13 kg Harnstoff, 9 kg Wasser, 800 cm' 2-n Sodalösung wer den mehrere Stunden am Rückflusskühler ge kocht. Dann wird die Erwärmung unter brochen und der noch heissen Lösung 1200 cm' 2-n Schwefelsäure langsam zuge setzt. Die gut flüssige heisse Kondensations masse wird dann ,sofort in Formen gemäss Beispiel 1 gegossen, in denen sie nach kurzer Zeit erstarrt. Die Trocknung ,der Formlinge wird gemäss Beispiel 1 vorgenommen.
An Stelle -der 1.200 em.3 2-n Schwefelsäure können auch 1100 em3 2-n Salzsäure oder 2400 cm-' einer 2-n. Weinsäure verwendet wer den.
<I>Beispiel 5:</I> Formlinge, die gemäss Beispiel 1 her gestellt wurden, werden so lange getrocknet, bis das. spezifische Gewicht ungefähr zwi schen 1,46 und 1,47 liegt. Nunmehr werden die Formlinge in eine heizbare hydraulische Presse zwischen etwa 5 mm starken, polier ten Chrom-Nickel-Stahlplatten oder hoch glanzpolierten verchromten Messingplatten eingesetzt. Die Temperatur der fresse stellt inan auf 120 <B>C</B> ein und unterwirft das Ma terial allmählich während etwa 30 bis 50 Minuten bis zu 250 bis 300 Atm. steigenden Drucken.
Man hält dann noch einige Zeit (zirka 15 bis 30 Minuten) beim Höchstdruck, stellt die Heizung der Presse ab und lässt ohne Verminderung des Druckes so lange er kalten, bis die Temperatur auf 40 bis 50 C' gesunken ist. Eine messbare Änderung des angegebenen spezifischen Gewichtes der Formlinge erfolgt bei -der Pressung nicht. Die losgelösten Presslinge werden bis zur völligen Erkaltung zwischen ebenen Schutzplatten aufbewahrt. Nach erfolgter Pressung wird die Trocknung der Platten gemäss Beispiel 1 vorgenommen, bis das spezifische Gewicht konstant bleibt.
<I>Beispiel 6:</I> Formlinge, die gemäss Beispiel 1 herge stellt wurden, aber fast völlig getrocknet waren, wurden in Wasser von etwa.<B>80'</B> C während etwa zehn Minuten eingelegt, nach dem Herausnehmen oberflächlich getrocknet und dann in der in Beispiel 5 beschriebenen Weise verpresst. An Stelle der Metallunter lagen wurden Spiegelglasplatten von etwa 5 mm Stärke verwendet, welche in an sich bekannter Weise gehärtet waren. Der bei der Pressung verwendete Druck lag zwischen 100 bis 150 Atm., die Presstemperatur betrug zirka<B>110'</B> C.
Die weitere Trocknung erfolgt nach Beispiel 1 bis zti konstantem spezifi schem Gewicht. Beispiel <I>7:</I> Man kondensiert gemäss Beispiel 1 und giesst die Masse auf eine Unterlage. Nach ,denn Erstarren zerkleinert man .den Kuchen zu erbsengrossen :Stücken und trocknet meh rere Tage bei einer Temperatur von zirka. <B>80.'</B> C.
Das Trockengut hat jetzt eine solche Beschaffenheit, dass es sich staubfein zer mahlen lässt. Das. pulverförmige Produkt wird dann praktisch zu Ende getrocknet, wo zu bei der angegebenen Temperatur zwei bis drei Tage erforderlich .sind. Man überzeugt sich von der Beendigung .der Trocknung, die rauch im Vakuum ausgeführt werden kann, durch Wasserbestimmung im Trockengut.
300 -r des trockenen Kondensationspro duktes wurden nun in der .gleichen Gewichts menge Methylalkohol bei zirka 120 C im Autoklaven unter Rühren aufgelöst. Die vollkommen klare Lösung wurde dann durch Destillation vom grössten Teil des Lösungs mittels befreit und nach Zugabe von zirka. 3 gr Ameisensäure in der Hitze vergossen.
Die durch Auflösen erhaltenen Giessmas sen werden zweckmässig in Formen gemäss Beispiel 1 gegossen, die mit Papier, vorzugs weise urgeleimtem, belegt sind. Man er reicht dadurch. dass der Formling sieh mit seiner Papierunterlage leicht von der Guss form loslösen lässt. Im Verlaufe, oder auch nach Beendigung des Trockenprozesses ge mäss Beispiel 1, lässt sieh das Papier, bei spielsweise durch Abschleifen, entfernen.
Selbstverständlich. lässt sich das Papier auch durch ein Textilgewebe ersetzen. Auch kann man die Giessform mit einer Folie aus einem solchen Material auskleiden. das. im Verlaufe der Trocknung oder nach der Beendigung derselben mit einem geeigneten Lösungsmit tel heruntergelöst werden kann.
<I>Beispiel 8:</I> 8,0 kg Paraformaldehycl, 6,3 kg Harn stoff, 7,0 kg Wasser und 400 cm' 2-n Soda- läsung werden am R.iiekflusskühler einige Zeit gekocht. Danach gibt man 500 cm" 2-n Schwefelsäure zu und, kocht so lange, bis die Masse zähflüssiger zri werden beginnt und ein herausgenommener Tropfen schnell er starrt. Zu der noch heissen Masse gibt man dann 6000 cm' Alkohol<B>(96%)</B> und lässt er kalten. Die kalte Lösung hält sich mehrere Tage flüssig, bevor sie gelatiniert.
Durch entsprechend geringeren Zusatz von Alkohol, der von Fall zu Fall festzustellen ist, lässt sich jede gewünschte Dauer der Gelatinie- rungszeit einstellen. Verfährt man bei der Herstellung des Kondensationsproduktes nach Beispiel 1 oder 2, so lässt sieh auch hier die Gelatinierungszeit durch Äthyl- oder Me- thylalkoholzusatz in entsprechender Weise beeinflussen.
Das Ausgiessen der Gussmasse in Formen und die Trocknung der erhaltenen Formlinge erfolgt entsprechend den Angaben des Beispiels 1.