Verfahren zur Herstellung von Flüssigkeiten und Pasten von hoher Kapillaraktivität, insbesondere von hohem Netz-, Wasch-, Reinigungs-, Emulgier- und Disper gierv er mögen. Es ist bekannt, dass die technische Ver wendung von Seifen in hartem Wasser inso fern auf Schwierigkeiten stösst, als die Car- bonsäuren durch die in dem harten Wasser enthaltenen Erdalkalisalze als unlösliche Ver bindungen ausgefällt werden.
Es wurde nun gefunden, dass man Flüs sigkeiten und Pasten von hoher Kapillarakti- vität, insbesondere von hohem Netz-, Wasch-, Reinigungs-, Emulgier- und Dispergiervermö- gen herstellen kann, wenn man bei der Her stellung dieser Flüssigkeiten und Pasten an Stelle von Seifen als kapillaraktive Mittel höhere organische aliphatische Säuren, die eine mindestens einmal durch mindestens ein mehrwertiges heterogenes Atom mit gerad- zahliger Wertigkeit unterbrochene Kohlen stoffkette aufweisen,
wobei mit der Carboxyl- gruppe ein niederer aliphatischer Rest ver bunden bleibt, während an dem der Carboxyl- gruppe entgegengesetzten Ende der Kette ein höherer aliphatischer bezw. cycloalipha- tischer Rest mit mindestens 8 zusammen hängenden Kohlenstoffatomen verbleibt, bezw. Salze solcher Säuren, verwendet. Säuren mit einmaliger Unterbrechung der Kohlenstoff kette können durch die allgemeine Formel R. X.
R'. COOH illustriert werden, wobei R einen höheren aliphatischen bezw. cyclo- aliphatischen Rest, R' einen niederen ali- phatisehen Rest und g mindestens ein mehr wertiges heterogenes Atom mit geradzahliger Wertigkeit bedeutet. ' Eine Säure mit zwei maliger Unterbrechung der Kohlenstoflkette kann durch die Formel R. g . R". g . R'.
COOH veranschaulicht werden, wobei R, g und R' die oben angegebene Bedeutung ha ben, während R" einen Alkylenrest bedeutet.
Als Beispiel für den Fall einer einmaligen Unterbrechung der Kohlenstoffkette durch zwei mehrwertige heterogene Atome mit ge-- radzahliger Wertigkeit können die Disulfide; die die Gruppierung -S . S- enthalten, als Beispiel für.den Fall einer mehrmaligen Un terbrechung die durch höhere aliphatische Alkyloxyalkyloxyreste substituierten niederen aliphatischen Karbonsäuren angeführt wer den.
Als Beispiel einer Säure mit einem höhere cycloaliphatischen Rest sei eine Gly- kolsäure, die mit dem durch Reduktion von Harzsäure erhältlichen Harzalkohol veräthert ist, erwähnt.
Die genannten Verbindungen sind in be merkenswertem Masse gegen die Härtebildner des Wassers, insbesondere gegen die Kalk salze, beständig. Sie eignen sich dabei- aus gezeichnet zur Verwendung als kapillaraktive Mittel, insbesondere Netz-, Wasch-, Reini- gungs-, Ernulgier- und Dispergiermittel.
Der höhere aliphatische bezw. cycloali- phatische Rest (R in den obigen Formeln) kann gesättigter oder ungesättigter Natur sein. Er kann beispielsweise aus dem Dode- cyl- oder Tetradecylrest oder dergleichen be stehen.
Der niedere aliphatische Rest (R' in den obigen Formeln) kann beispielsweise von dem Methan-, Äthan-Propanrest oder dergleichen gebildet werden.
Es sollen vornehmlich niedere aliphatische Carbonsäuren, die durch höhere aliphatische Alkylogy-, Alkylmercapto-oder Alkylsulforryl- reste substituiert sind, als kapillaraktive Mit tel verwendet werden.
Neben den genannten Carbonsäuren sind für die gleichen Verwendungszwecke auch deren Substitutionsprodukte hervorragend ge eignet. In den vorstehend angegebenen all gemeinen Formeln können daher sowohl R als R' durch Gruppen, wie Oxygruppen, Äthergruppen, Estergruppen und dergleichen substituiert sein.
Diese Verbindungen können, wie gefun den wurde, vorteilhaft überall da zugesetzt werden, wo die kapillaraktiven Eigenschaften von Flüssigkeiten, insbesondere wässerigen Flüssigkeiten, erhöht werden sollen. Beson ders ausgeprägt treten die vorteilhaften Ei genschaften) der genannten Stoffe bei Erwär mung der Flüssigkeiten hervor. Vorzugsweise lassen sich die löslichen Salze der genannten Verbindungen, z. B. die Natrium-, Kalium-, Triäthanolaminsalze und dergleichen für die angegebenen Zwecke ver wenden.
Die nach dem vorliegenden Verfahren hergestellten Flüssigkeiten und Pasten kön nen infolge ihrer kapillaraktiven Eigenschaf ten beispielsweise zur Schaumerzeugung, zum Emulgieren, Dispergieren, Peptisieren, Egali sieren, Imprägnieren, Stabilisieren, Lösen, Verteilen und dergleichen, in den verschie densten Industrien verwendet werden. Sie lassen sich z. B. in der Leder-, Pelz- und insbesondere in der Textilindustrie bei den verschiedenartigsten Arbeitsverfabren verwen den.
Die genannten Stoffe zeigen ihre Wirk samkeit auch im Gemisch mit andern Stoffen ausser Wasser, so können z. B. Flotten her gestellt werden, die ausser den genannten Stoffen auch andere Zusätze, z. B. alkalische Mittel, Perverbindungen und dergleichen ent halten. <I>Beispiele:</I> 1.
Den üblicher) Behandlungsflotten zum Waschen, Vornetzen, sowie Beuchen von Tex tilien wird als Seifenersatz das Natriumsalz der Dodecylmer-captoessigsäure in geeigneten Konzentrationen zugesetzt. Man hat dabei nicht nötig, enthärtetes Wasser zu verwen den, sondern kann mit gewöhnlichem Fabrik wasser arbeiten, ohne befürchten zu müssen, dass die Ware infolge Bildung störender Kalk salze fleckig oder streifig wird. In gleicher Weise kann die genannte Verbindung zur Herstellung eines Bades zum Färben von Baumwolle verwendet werden.
In ähnlicher Weise wie das Natriumsalz der Dodecylmercaptoessigsäure können auch die löslichen Salze folgender Stoffe verwen det werden.- Dodecylsulfonylessigsäure, Dode- cyloxyäthoxyessigsäure, ferner die Oxyessig- säure, die mit dem durch Reduktion der Kokosnussölfettsäuren erhältlichen Alkohol gemisch veräthert ist.
Dieses Verbindungs gemisch wird beispielsweise nach an sich bekannten Verfahren durch Umsetzung der aus den Kokosriussölfettalkoholen, Formalde hyd und Salzsäure erhältlichen Chlormethyl- äther mit Cyankali und anschliessende Ver- seifung des entstehenden Nitrilgernisches ge wonnen. In gleicher Weise können auch entsprechende andere Verbindungen benutzt werden.
2. 28 Teile Carrageenschleim (1 : 19) wer den mit 35 Teilen reinem Glyzerin unter Erwärmen auf etwa 80 C gemischt. In diesem Gemisch werden 7 Teile eines Ge misches derNatriurnsalze von Octyloxyäthoxy- essigsärrre,Decyloxyäthoxyessigsäure und Do- decyloxyäthoxyesaigsäure gelöst, dann 30 Teile reines gefälltes Calciumkarkonat unter dauern dem Rühren langsam eingetragen und abge kühlt.
Vor dem Abfüllen wird das Gemisch in üblicher Weise mit Pfefferminzöl und Menthol versetzt. Man erhält auf diese Weise eine neutrale Zahnpasta von vorzüglichen Eigenschaften.
3. 10 Gewichtsteile eines Gemisches der Natriumsalze von Octyloxyäthoxyessigsäure, Decyloxyäthoxyessigsärire und Dodecyloxy- äthoxyessigsäure werden in 90 Teilen Wasser gelöst und mit Portugal parfümiert. Man erhält auf diese Weise ein ausgezeichnetes, gut schäumendes Haarwaschmittel.
4. 70 Gewichtsteile Natriummetasilikat werden mit 30 Gewichtsteilen des Natrium salzes einer Glykolsäure, die mit dem durch Reduktion von Harzsäure erhältlichen Harz alkohol veräthert ist, versetzt und die erhal tene Mischung als netzendes Stabilisierungs mittel einem Bleichbad von geeigneter Kon zentration zugesetzt. Dieses Bad kann man zum Bleichen von Baumwollgarn verwenden. Die oxydative Wirkung des Bleichmittels erfolgt über die ganze Faserfläche gleichzei tig und gleichmässig.