Verfahren zur Herstellung eines Haarentfernungsmittels. Die bisher benutzten Mittel zum Entfer nen der Haare von der menschlichen Haut besitzen in der Regel den Nachteil, dass sie nicht genügend schnell wirken, oder sieh an der Luft verändern, oder eine Reizwirkung auf die Haut oder den Körper ausüben, oder eine hä.ssliche Farbe aufweisen, während weisse Farbe für einen Toilettegegenstand er wünscht ist. Ausserdem weisen die bisher verwendeten Haarentfernungsmittel in der Regel einen unangenehmen oder gar wider lichen Geruch auf.
Die bisher angewandten Haarentfernungs mittel enthalten in .der Regel als wirksamen Stoff eine Schwefelverbindung, zum Beispiel ein alkalisches Sulfid, wobei ein ausserordent lich unangenehmer und Übelkeiten erregen der Geruch unvermeidlich ist, dessen Beseiti <B>gung</B> auch nicht .durch Zugabe von Parfums oder sonstigen Geruch entfernenden Mitteln gelang. Aus diesem Grund sind schwefel haltige Haarentfernungsmittel als Toilette mittel höchst ungeeignet.
Hierzu kommt, dass solche Präparate eine dunkelblaue oder dunkelgraue Farbe aufweisen, die wenig schön ist, und .dass sie sich ferner leicht an der Luft zersetzen und dadurch .ganz oder teilweise unwirksam werden, so dass sie sorg fältig von der Luft abgeschlossen werden müssen, um ihre Wirksamkeit zu erhalten. Ferner sind die verwendeten Schwefelverbin dungen auch giftig und können daher nicht ohne Gefahr an der menschlichen Haut, be sonders an den Lippen, verwendet werden, da sie Krankheiten oder sonstige Unannehm lichkeiten hervorrufen können.
Allerdings wurden auch schon Haarent fernungsmittel vorgeschlagen, welche diese unangenehmen Eigensohaften schwefelhalti ger Präparate nur zum Teil aufweisen. Ins besondere wurden zum Beispiel Thallium- salze benutzt; aber auch diese sind nachteilig, da sie giftig sind und in erster Linie nicht auf das Haar selbst, sondern vielmehr auf die Nerven und Blutgefässe einwirken, welche die Haarwurzeln umgeben, so dass erst nach mehrfacher Anwendung derartiger Präparate die einzelnen Haare lose werden und aus gezupft werden können.
Die Anwendung eines löslichen Stannites, zum Beispiel Natriumstannit (Na2Sn02) als aktives Haarentfernungsmittel bringt nun Vorteile, die mit andern Mitteln nicht in gleicher Weise erhalten werden können.
Un lösliche zweiwertige Zinnverbindungen, wie gewisse Stannosalze, sind nicht geeignet, da sie nicht in wirkungsvolle Berührung mit dem Haar gebracht werden können. Stanno- chlorid (Sn C12 .2H20). welches das gewöhn lichste zweiwertige Zinnsalz darstellt und recht leicht in Wasser löslich ist, kann des halb nicht angewendet werden, weil es das Haar überhaupt nicht an.gTeift. Wenn es jedoch mit einem alkalisch reagierenden Metallhydroxyd verbunden ist, weist es eine zersetzende Wirkung auf das Haar auf,
wo bei der Grad der Zersetzung in. erster Linie von dem Grade der Löslichkeit des gebilde ten Stannites abhängt.
So würde zum Beispiel das nahezu un lösliche Calciumstannit (Ca Sn OZ), das durch Verbindung von Stannochlorid (Sn C12) mit gelöschtem Kalk (Ca (0H)2) gebildet wird, auf das Haar hydratisierend einwirken; die Zersetzung würde aber zu langsam vor sich gehen und darum ist dieses Stannit für prak tischen, Gebrauch als Haarentfernungsmittel nicht besonders geeignet. Die Geschwindig keit der Zersetzung des Haares durch ein Haarentfernungsmittel dieser Art hängt von der Zeit ab, welche erforderlich ist, damit das Haarentfernungsmittel das.
Haar in aus reichender Konzentration durchdringt. Wäh rend die Geschwindigkeit der Wirkung da durch erhöht werden könnte, dass die Alkali- tät der Mischung vergrössert wird, so ist zu beachten, dass gewisse enge Grenzen dadurch gezogen sind, dass eine allzu grosse Alkalität das Präparat zu ätzend und irritierend für die menschliche Haut macht.
Gemäss der Erfindung wird das Verfahren zur Herstellung des Haarendernunemittels in der Weise ausgeführt, dass man eine alkali sche Stannitlösung, welche wenigstens 1/2 Gewichtsprozent Stannit, berechnet als Zinn- oxydul, und ein Stabilisierungsmittel enthält, mit einem Füllstoff vermischt.
Um ein Präparat zu erzeugen, das verhält nismässig schnell wirkt, und trotzdem nicht übermässig alkalisch ist, kann hierbei zweck mässig ein verhältnismässig lösliches Stannit als wirksames Haarentfernungsmittel verwen det werden, besonders aber ein solches, das erheblich leichter löslich ist als Calcium- stannit. Hierbei wird ein Alkalistannit, be sonders aber Natriumstannit (NaZSn OZ) be vorzugt, obwohl andere Stannite, die gleich falls löslicher als Calciumstannit sind,
zum Beispiel BaTiumstannit, ebenfalls gute Wir kungen ergeben. In manchen Fällen ist eine Mischung solcher Stannite, zum Beispiel eine Mischung von Bariumstannit mit einer gerin gen Menge Natriumstannit besonders schnell wirksam, ohne die Haut zu reizen.
Hierbei kann eine selbsttätige Überwa chung und Konstanthaltung der Alkalitä,t der Lösung dadurch erreicht werden, dass man ihr eine Substanz beifügt, die nach Art eines Puffers wirkt, das heisst ein unerwünschtes Anwachsen der Alkalität verhindert.
Diese Wirkung kann durch Zugabe einer amphote- reu Substanz in geeigneter Verbindung er reicht werden, in welcher eine Reaktion des Puffers mit überschüssigem kaustischem Alkali leicht stattfindet. Hierdurch wird die Zugabe starken Alkalis in erheblichen Men gen.
ermöglicht, um gewünschtenfalls die Geschwindigkeit der Haarzersetzung zu ver grössern, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass sich freies kaustisahes Alkali in der Lösung in solchen Mengen entwickelt, dass die Haut oberfläche während der Zeit angegriffen werden könnte, die zur Zersetzung der Haare erforderlich ist.
Zweckmässig werden als amphotere Substanz :die Hydroxyde von Zinn, Zink, Aluminium verwendet. Ein- gehende Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Hydroxyde für die gewünschte Puffer wirkung geeignet sind. Am zweckmässigsten hat sich die Verwendung von Stannohydro- xyd (Sn (0H)2) erwiesen. Die Herstellung des Haarentfernungsmit tels kann in verschiedensten Weisen erfolgen.
Ein bevorzugter Weg besteht darin, dass von Natriumstannit ausgegangen wird, das da durch gewonnen wird, dass man stabilisiertes Stannohydroxyd mit Ätznatron zur Reaktion bringt. Während. Natriumstannit bekannt lieh auch dadurch gewonnen werden kann, dass man Stannochlorid, welches.
gewöhnlich als Ausgangsmaterial für alle Zinnverbindun gen verwendet wird, mit kaustisicher Soda mischt, wird der oben beschriebene Weg vor gezogen, um .die Bildung braunen hydrati- schen Stannioxyds und grauen metallischen Zinns zu vermeiden, die bei der normalen Erzeugung von Natrzumstannit aus Stanno- chlorid und kaustischer Soda. entstehen; diese Nebenprodukte würden nämlich dem Präpa rat eine unerwünschte dunkle Farbe geben.
Ausserdem ist Natriumstannit, das bei dieser Reaktion entsteht, verhältnismässig unstabil. Deshalb wird, wie erwähnt, vorgezogen zu erst Stannohydroxyd zu erzeugen und dieses darauf durch ein Alkalisalz zu stabilisieren.
Als solches kommt, ein Salz einer mehrbasi schen organischen Säure, wie zum Beispiel Hydroxydsäuren, Weinstein- oder Zitronen säure (C,0\He bezw. CEO,HB) in Betracht. Das sieh so ergebende stabilisierte Stanno- hydroxyd wird dann zweckmässig mit einer solchen Natr-iumhydroxydlösung zur Reak tion gebracht, dass sich eine ungefähre 2 % ige Lösung es löslichen Stannits, ergibt,
welche dann mit den andern oben erwähnten Be standteilen gemischt wird.
Im folgenden sei .ein Ausführungsbeispiel des Verfahrens gegeben.
Stannohydroxyd wird durch Auflösung von 100 -r Zinnsalz (Sn Ch . 2H20) in 400 ei' Wasser hergestellt, der Lösung weitere 400 ein' Wasser zugefügt, und langsam einer Lösung von 60, gr trockenem Natriumcarbo- nat in 1000 cm' Wasser zugemischt. Das Stannohydroxyd scheidet sich als weisse gela tinöse Masse aus, die sich schnell absetzt. Dieser Niederschlag wird dekantiert und gewaschen und hierauf von überschüssiger Flüssigkeit befreit.
Die beschriebene Reak- tion wird zweckmässig bei Zimmertemperatur durchgeführt.
Um das Stannohydroxyd zu stabilisieren, wird der beschriebene Niederschlag mit 46 gr Kalium-Natrium-Weinsteinsaurem Salz (Ro- chellesalz) gemischt, welch letzteres in einer kleinen Menge Wasser aufgelöst ist.
Die hier durch erzielte Stabilisierungswirkung ist viel leicht ähnlich derjenigen des. Rochellesalzes auf Cuprioxyd in der F'ehling'schen Lösung, das heisst also, dass offenbar komplexe wein steinsaure Salze erzeugt werden, welche in Lösungen mässiger Alkalität stabil sind. Die Menge des Niederschlages, bei die dieser Be handlung erzielt wird, beträgt ungefähr 400 cm', ihr Gehalt an Zinnoxydul (Sn 0) beträgt ungefähr 56 gr. Die Konsistenz der Masse ist ähnlich einer dicken Creme.
Nun wird eine 20%ige NaOH-Lösung in solcher Menge bereitet, dass ungefähr 2 Mol Natriumhydroxyd auf je 1 Atom Zinn, bei der darauf folgenden Behandlung der sta bilisierten Stannohydroxydlösung entfallen. Hierauf werden die stabilisierte Stannohydro- xyd- und -die 20 % ige Na011-Lösung ge mischt, um das gewünschte lösliche Natrium stannit zu erhalten.
Ungefähr die Hälfte des Stannohydroxyds löst sich in dieser Menge Alkali, so dass, also eine ungefähr 2,%ige Lösung, bezogen auf Zinnoxydul (Stanno- oxyd) erhalten wird, während der Rest des Stannohydroxyds in :
der Lösung als Puffer bestehen bleibt, welcher die Alkalität über wacht. Das durch diese Reaktion erhaltene lösliche N atriumstannit ist nicht das normale unstabile Natriumstannit, sondern stellt viel mehreine mehr stabile Form dieses Stannits dar.
Tatsächlich ist es vollkommen stabil und jede Neigung zur Zersetzung an der Luft wird durch die Zugabe des Rochellesalzes zu der Mischung verhindert, so dass die haarent fernende Wirkung der Mischung praktisch für unbeschränkte Zeit bestehen bleibt, falls die Mischung nicht etwa der unmittelbaren Einwirkung des Sonnenlichtes ausgesetzt wird.
Dem so bereiteten Alkalistannit könnten etwa 10 gr Natriumoleat (pulverisierte weisse Seife) unter ständigem Rühren beigemengt werden. Die so erhaltene verhältnismässig dünne Paste wird durch Zugabe eines inerten Füllmaterials, zum Beispiel weisser Kreide, verdickt, um eine weisse Creme oder Paste zu erzeugen.
Das so hergestellte Haarentfernungsmittel ist weiss, geruchlos, ungiftig und ohne we- sentliehe Reizwirkung. s ist, wie erwähnt, durchaus stabil (ausser bei längerer unmittel barer Einwirkung des Sonnenlichts) und ausserordentlich rasch in seiner Wirkung auf das Haar.
Das Präparat zerstört den Haar aufbau so wirksam, dass wenige Minuten nach Anwendung des Mittels das Haar durch leich tes Reiben der Haut weggerieben und da ,durch entfernt werden kann.
Infolge der be schriebenen Eigenschaften stellt das Haar- entfernungsmittel einen Toilettegegenstand dar, der menschliches Haardurchschnittlich in etwa drei bis sieben Minuten zersetzt und zu entfernen gestattet, der aber auch un schädlich für die Haut bleibt, wenn er länger als die angegebene Zeit auf der Haut belas sen wird.