Verfahren zum Schmieren von Achslagern, insbesondere f r Schienenfahrzeuge.
Vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Schmieren von Aehs- lagern mittelst eines Schmiermittelfilmes, insbesondere f r Schienenfahrzeuge, bei wel- chen ausser der den Achsschenkel aufnehmen- den Tragschale eine im AchslagergehÏuse starr befestigte, vom Achsschenkel um die Schmiermittelfilmdicke entfernt angeordnete, nachstellbare Gegenschale zur Tragschale vorgesehen ist. Derartige Achslager sind im
Anschluss an Bauarten von Stossfängern ent wickelt worden, die man zur Aufnahme der Stosse des Achsschenkels unterhalb dieses letzteren anordnete.
Es zeigte sich jedoch, daB bei diesen Sto¯fÏngern durch die Ver nichtung der StoBkräfte Formänderungen der lagernden'und gelagerten Teile des Achslagers auftraten, welche seine Gleiteigen- sehaften verschlechterten. Durch den Über- gang zu den Achsschenkeln mit Wirkung einer schmierenden Gegenschale zur Tragschale aufnehmenden Unterschalen als Stossfängern konnten diese Nachteile beseitigt werden, zumal man die Nachstellung der Unterschale so verfeinerte, daB sie nur noch um die Dicke des Schmiermittelfilmes vom Achsschenkel entfernt war.
Diesen Schmiermittelfilm aber erzeugte man ausschliesslich mit Hilfe der Tragschale, indem man das' Schmiermittel entweder auf den Achsschenkel auftropfte oder an den Achsschenkel anstrahlte ; die
Einführung in die Lagerfläohe erfolgte dabei ber keilförmige EinlaufrÏume, die man zwischen Achsschenkel und Tragschale vor sah. Vorliegende Erfindung geht nun von der Erkenntnis aus, dass die Erzeugung des
Schmiermittelfilmes von der Tragschale aus
Nachteile besitzt. Die obere Schale bezw.
Tragschale ist nämlich derjenige Achslagerteil, der die Belastung auf den Achsschenkel überträgt und dadurch der zwischen Achsschenkel und Tragschale sich entwickelnden Reibungswärme in vollem Masse ausgesetzt ist. Sie nimmt also im Betriebe-höhere Temperaturen an als die übrigen Achslagerteile, so daB das Schmiermittel, das entsprechend d den Bestrebungen der neueren Lagertechnik der Verbrauchsstelle zur Erhaltung seiner Schmierfähigkeit in m¯glichst kaltem Zustand zugeführt werden soll, einen Teil der entwickelten Reibungswärme aufnimmt ;
es wird dadurch dünnflüssig, so daB sieh seine Gleiteigenschaften zwischen Förderung und Verbrauch unnötig verschlechtern. Vorlie- gende Erfindung stellt sich die Aufgabe, diese Nachteile zu beseitigen. Das geschieht erfindungsgemäB bei den eingangs angeführ- ten Achslagern dadurch, da¯ der Schmiermittelfilm von der Gegenschale zur Tragschale aus erzeugt wird.
Diese Gegenschale ist im allgemeinen am Kraftfluss nicht betei ligt, so dass sie weit geringere Temperaturen annimmt als die Tragschale. Die Erzeugung des Schmiermittelfilmes von der Gegenschale aus hat also den Vorteil, dass das Schmier- mittel mit den Temperaturen an den Achsschenkel herangebracht wird, bei denen es seine vollen Gleiteigenschaften entwickelt, so dass nicht nurdieReibungsverhältnissedes Achslagers verbessert werden,
sondern durch die grössere Zähigkeit des Schmiermittels auch ein fester haftender und vollkommen geschlossener Schmiermittelfilm mit einer alle statischen und dynamischen Beanspru- chungen überwindenden Oberflächenspan- nung hergestellt wird.
Neben der Erzeugung des Schmiermittelfilmes durch die Gegenschale zur Tragsahale kann die obere bezw. die Tragschale nach wie vor zur Anlieferung von Schmiermittel auf den Achsschenkel herangezogen werden ; dieses Schmiermittel vermag die günstigen Wirkungen des durch die Unterschale auf den Achsschenkel aufgebrachten, verhältnis- mässig kalten Ílfilmes nicht zu st¯ren, da eine Vermischung mit dem auf dem Achsschenkel durch Oberflächenspannung festgehaltenen, aus kaltem und zähem Schmiermittel bestehenden Schmiermittelfilm unmöglich ist. Erhalten bleibt dabei jedoch die Hilfs-oder Sicherheitswirkung der von der Tragschale bewirkten Schmierung.
Die Zeichnung zeigt eine beispielsweise Ausführung eines Achslagers, das zur Durchführung des Verfahrens gemäss der Erfindung eingerichtet ist, und zwar gibt
Fig. 1 einen senkrechten Querschnitt durch dasselbe wieder, während
Fig. 2 eine Aufsicht auf die aus dem GehÏuse ausgebaute Gegenschale zeigt;
Fig. 3 stellt einen senkrechten Längs- schnitt nach Linie III-III der Fig. 1 durch die Gegensehale dar.
In der Zeichnung bezeichnet l den Achsschenkel, der in der Tragsehale 2 gelagert ist. Die Tragsehale 2 ist im AchslagergehÏuse fest angeordnet und gegen achsiale Verschie- bung gesichert. Zur Tragschale 2 ist eine Gegenschale 8 in an sich bekannter Weise so angeordnet, da¯ zwischen ihr und dem Achsschenkel ein Abstand verbleibt, dessen Grosse der Dicke des auf dem Achsschenkel zu bil denden Schmiermittelfilmes entspricht.
Während bei den bisher bekannten Achslagerbauarten der Schmiermittelfilm ausschliesslich von der Tragschale aus erzeugt wurde, wird er erfindungsgemäss von der Gegenschale 8 aus erzeugt, zu welchem Zwecke dieser Schale das hierzu benötigte Schmiermittel auf irgendeine Weise zugeleitet wird. Durch die Erzeugung des Schmiermittelfilmes von der Gegenschale aus entsteht der Vorteil, dass das zur Bildung des Schmiermittelfilms verwendete Schmier- mittel kalt und zÏh ist, so dass es seine Gleiteigenschaften in vollem Masse entwickelt und einen vollkommen geschlossenen, kräftigen Schmiermittelfilm auf dem Achsschenkel mit einer solchen Oberflächenspannung zu entwickeln vermag, dass er auch unter dem Einfluss der grössten statischen und dynamischen Beanspruchungen nicht zerrissen werden kann.
Beibehalten ist beim dargestellten Lager die an sich bekannte Versorgung des Achsschenkels mittelst Tropfkanten 7 der Tragschale 2, denen das Schmiermittel über Bohrungen 6 und KanÏle 5 von einer nicht gezeichneten Fördereinrichtung aus zuge- führt wird.
Da die Erzeugung und Bildung des Schmiermittelfilmes von der Gegenschale 8 aus erfolgt, dient das auf diese Weisedem Achssehenkel zugeführte Schmiermittel nicht zur Filmbildung, sondern in dieser Zufüh- rung des Schmiermittels ist lediglieh eine Hilfs- und Sicherheitsschmierung zu sehen, die auch dann wirksam bleibt. wenn die Er zeugung des Filmes von der Unterschale aus ausfallen sollte.
Da sich der Achsschenkeldurchmesser im Betriebe verÏndert, beispielsweise von einem gr gr¯¯ten Durchmesser, gegeben durch den I (reis 1', bis zu einem kleinsten Durchmesser, gegeben durch den Kreis 1", abnimmt, wo durch die Bildung des Schmiermittelfilmes von der Gegenschale aus ungünstig beeinflusst wird, ist die Gegenschale einstellbar eingerichtet. Zu diesem Zweek ist sie mit seitliehen Pratzen 9 und 10 zwischen Ge häusevorspriinge 11 und 12 angeordnet. Die Pratzen 9 tragen Stehbolzen 13, deren Gewinde sich in einer entsprechenden Gewindebohrung der Pratzen 9 f hrt.
Die Stehbolzen weisen auf ihrer Unterseite Vierkantkopfe 14 auf, wobei die Eantenlänge dieser Stehbolzenköpfe so bemessen ist, da¯ eine Flachseite stets an den seitliehen Wandungen 15 des Gehäuses 3 anliegen muss. Hierdurch ist eine selbsttätige Veränderung der Stehbolzeneinstellung bei eingebauter ETntersehale 8, bezw. im Betriebe, ausgeschlossen. Mittelst dieser Stehbolzen kann eine so feine Einstel- lung der Gegenschale zur Tragschale bei entsprechend feiner Gewindesteigung vor- genommen werden, da¯ allen Durchmesserveränderungen des Achsschenkels im praktisch brauchbaren Ausma¯e gefolgt werden kann.
Die Axialstösse des Achsschenkels werden unmittelbar auf die e obere Schale 2 durch den Achssehenkelbund und durch den
Achsschenkelnotlauf bertragen. Die untere Gegenschale hat also keine Axialstösse aufzunehmen und an das Gehäuse abzuleiten. Sie ist demgemäss nur vor selbsttäti- gem Verlassen ihrer Lage zu sichern. Zu diesem Zweck weist sie auf ihrer einen Endseite einen Lappen 16 auf, mit dem sie sich an die Stirnseite des betreffenden Gehäuse- vorsprunges 11 anlegt, wobei sie mit diesem mittelst der Schraube 17 fest verbunden werden kann.
Selbstverständlich kann die Anordnung auch so getroffen werden, dass die Gegenschale die Axialstosse aufzunehmen und an das Achslagergehäuse abzugeben vermag.
Da die vom Achsschenkel auf die Gegen- schale zur Tragschale ausgeübten Stosskräfte verhältnismässig grosse Werte erreichen, besteht die Gefahr, dass sich die Gegenschale unter dem Einfluss dieser Sto¯krÏfte blei- bend durehbiegt oder zum mindesten durch- federt. Beide Vorgänge haben ungünstige e R ckwirkungen auf die Erzeugung des Filmes auf dem Achsschenkel mittelst der Ge genschale, so dass es zweckmässig ist, die Ge genschale in der Mitte ihres Rückens oder in der NÏhe der Rückenmitte abzustützen.
Fig. 1 zeigt in striehpunktierter Darstellung diese Abstützung der Gegenschale. Zwischen einem Gehäusesteg 18 und einem Ansatz 21 der Gegenschale 8 liegt zu diesem Zweck ein Stützglied. Dieses St tzglied besteht aus zwei Teilen 19 und 20, deren Anlagefläehen unter einem spitzen Winkel zur Achsschen- kelachse verlaufen.
Wird also die Lage eines der Teile 19,20 gegen den andern Teil ver schoben, so verändert sich die Dicke des Stützgliedes entsprechend dem jeweiligen Abstand der Gegenschale vom Steg 18, der mittelst der Stehbolzen 13 in Anpassung an den wechselnden Durchmesser des Achsschen- kels eingestellt wird ; bei jeder neuen Einstellung der Stehbolzen 13 ist entsprechend die gegenseitige Ijage der Teile 19,20 des Stützgliedes zu verändern. Diese Lage kann durch Schrauben oder durch in der Anlage- flache der beiden Stützgliedteile angeordnete Rippen, Zacken oder dergleichen herbeigeführt und gesichert werden.
Der untere Teil des Stützgliedes 19 ist in der Gehäuserippe 18 schlittenartig gef hrt, so da¯ der Einund Ausbau des Stützgliedes und seine Nachstellung keine Schwierigkeiten macht ; in der Endstellung wird das Stützglied in einfach- ster Weise gegen unwillkürliche Verschiebungen innerhalb der Schlittenführung gesichert. Hierzu können beispielsweise dieselben Mittel 16,17 dienen, die in Fig. 3 für die Gegenschale selbst gezeigt sind. Beispielsweise kann der St tzgliedteil 19 in der Mitte einen Vorsprung 16 aufweisen, um ber diesen lappenartigen Vorsprung mittelst einer Schraube, Ïhnlich der Schraube 17, mit einem Quersteg des Gehäuses verbunden zu werden.