CH179936A - Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel für die Besatzung, insbesondere für Kampfflieger. - Google Patents
Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel für die Besatzung, insbesondere für Kampfflieger.Info
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Description
Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel für die Besatzung, insbesondere für Kampfflieger. Bekanntlich werden durch die Presse tag t:äglieh neue Flugzeugunfälle gemeldet, die Statistik besagt, dass die meisten aller Unfälle Menschenleben fordern, Flugzeugunfälle wer den sieh, eben so wie bei Land- und Wasser fahrzeugen, wohl nie ganz vermeiden lassen, daher ist es auch nicht zu erwarten, dass allein durch die technische Vollendung der Luftfahrzeuge der gewünschte Sicherheits grad erreicht werden kann, zudem scheint die Geschwindigkeitssteigerung ein neuer Unfall faktor zu werden.
Obwohl die seit Jahren mit dem Fall schirm angestellten Versuche seine Vollkom menheit und Brauchbarkeit durchaus bestä tigen, vernimmt man ganz selten, dass die Rettung vermittelst Fallschirm aus einem manöverierunfähig gewordenen Flugzeug geglückt sei. Die vielfach bestehende irrige Ansicht, der Pilot oder gar die Besatzung könne sich durch die Benützung des Fall sehirmes im letzten Augenblick aus der hoff uungslosen Lage befreien, kann nicht nur durch die Tatsachen der unzähligen Un glücksfälle im internat. Luftverkehr, sondern auch durch einfache psychologische Über legung widerlegt werden. Von einem Kampf flieger, der dem Maschinengewehrfeuer und sein Apparat der Zerstörung ausgesetzt ist, schon gar nicht zu sprechen.
Die gewaltige Zunahme der Sport-, Mili tär- und Verkehrsfliegerei und die im Zusam menhang stehende Unfallstatistik weckt das Bedürfnis nach einem geeigneten Mittel, das im Moment der höchsten Gefahr zur Rettung der Besatzung benützt werden könnte.
Die Erfahrung lehrt und beweist, dass bei stürzenden Flugzeugen die Besatzung selten in der Lage ist, aus eigener Kraft eine manöverierunfähig gewordene Maschine zu verlassen. Die vorliegende Erfindung sucht dieser Aufgabe in jeder Situation gerecht zu werden.
Vorliegende Erfindung betrifft eine Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Ret tungsmittel für die Besatzung, insbesondere für Kampfflieger, und ist gekennzeichnet, durch einen am Flugzeug befestigten, den Träger des Sitzes einer Person bildenden Zylinders, der mindestens zwei ineinanderlie gende Kolben führt, von denen der innere mit dem Sitz lösbar verbunden ist, während der äussere zur Verlängerung des Zylinders be stimmt ist, ferner gekennzeichnet durch eine im Zylinder unterhalb, der beiden Kolben an geordnete, mit Zündhütchen versehene Pa trone und einen im innern Kolben geführten, unter Federwirkung stehenden Schlagstift, der durch die den Zylinder mit dem Sitz ver bindende Vorrichtung ausgelöst werden kann, das Ganze derart,
dass durch Lösen der letztgenannten Vorrichtung die Patrone zur Entzündung gebracht wird, wodurch die Kolben verschoben werden und damit der Sitz mit der auf ihm ruhenden Person aus dem Flugzeug hinausgeschleudert wird.
Der Erfindungsgegenstand ist auf bei liegender Zeichnung in einer beispielsweisen Ausführungsform zur Darstellung gebracht.
Fig. 1 zeigt die Schleudereinrichtung mit Pilotensitz im Schnitt, Fig. 2 ein Detail aus Fig. 1 (Verschluss), Fig. 3 die Schleudereinrichtung im Flug zeug eingebaut, Fig. 4 die Schleudereinrichtung in Funk tion, und Fig. 5 dieselbe Einrichtung in einem Pas sagierflugzeug zur Anwendung gebracht. Die ganze Apparatur, Fig. 1, ist äusserst einfach und sinnreich konstruiert, bis auf einige kleine Details, ist alles aus Leicht metall hergestellt, somit auch relativ sehr leicht. Die beiden ineinander geschobenen Leichtmetallkolben 2 und 3, wovon der innere 3 den Pilotensitz 4 trägt, während der äussere 2 die Laufrohrverlängerung bildet, sind in den ans Flugzeug befestigten Zylinder oder Laufrohr 1 eingeführt, der resp. das den Sitz 4 trägt. Am Fuss, im Patronenlager, befindet sich die Spezialpatrone 5 mit dem Zündhüt chen 6.
Wird nun der Notgriff 7, der am Pilotensitz 4 angeordnet ist, kräftig ange zogen, so wird die Sicherung 15, die das un- gewollte Betätigen vorbeugen soll, wegge sprengt, die Kupplungsstange 8 verschiebt sich nach links und hat zur Folge, dass die dickeren Teile der letzteren sowohl aus der Laufrohrbohrung 9, wie auch aus dem Ver schluss 10 herausgezogen werden. Die dün neren Teile der Kupplungsstange 8 aber kön nen, siehe Fig. 2, die Öffnung 11. ungehindert passieren, dadurch wird einerseits die feste Verbindung zwischen Pilotensitz 4 und Lauf rohr 1 aufgehoben und anderseits der Ver schluss 10 für die Zündung freigegeben.
Die Zündung der Patrone 5 erfolgt durch den Schlagbolzen 12, der ständig unter der Span nung der Feder 13 steht und durch den Ver schluss 10 - gemäss der umschriebenen Not griffbewegung - entsichert wird. Die Ver schlusskonstruktion entspricht derjenigen der Fig. 2. Durch die Expansion der Gase wer den die beiden Kolben 2 und 4 aus dem Lauf rohr 1 getrieben, der äussere, 2, wird durch den Anschlag 14 im Laufrohr aufgehalten und bildet die Laufrohrverlängerung, wäh rend der innere Kolben 3 seinen Beschleu nigungsweg fortsetzen kann und den Piloten aus dem Flugzeug herausschleudert. Wie Fig. 5 zeigt, können auch mehr als zwei in einandergeschobene Kolben vorgesehen sein.
Ebenso könnte neben der mechanischen Zün dung noch eine elektrische Fernzündung vor gesehen sein.
Diese beschriebene Neuerung lässt sich nicht nur auf offene, sondern auch auf ge schlossene Flugzeuge anwenden, indem der Sitz mit dem darüber liegenden Rumpfteil zusammengebaut wird und im Gebrauchsfall, zur Vorbereitung der nötigen Öffnung, den fraglichen Rumpfteil mitführt.
Damit der Pilot horizontal heraus- oder vertikal nach oben ernporgeschleudert werden kann, bedarf es einer Beschleunigungs periode, die vermittelst Laufrohr erzielt wird. Bekanntlich kann aber der menschliche Kör per nicht irgend einer beliebigen, in diesem Falleiner gewünschten, Beschleunigung aus gesetzt werden, sondern muss in den hierfür gesetzten Grenzen gehalten sein. Die Kon stitution eines gesunden, normalen mensch- liehen Körpers gestattet eine Beschleunigung von etwa 40 m/sec2. Da die Beschleunigungs periode bei der fraglichen Vorrichtung kaum eine halbe Sekunde dauert, kann man eine solche mit 40 m/sec' gut ansetzen, ohne be fürchten zu müssen, dass die Insassen einen gesundheitlichen Schaden tragen.
Nachdem nun die Beschleunigung mit a - 40 m/sec' und der Beschleunigungsweg mit s = 150 cm angesetzt sind, findet man vermöge der Formel
EMI0003.0002
die Endgeschwindigkeit mit 11 m/sec. Die Steighöhe s' vertikal nach oben mit 6 m wird gemäss der Gleichung
EMI0003.0004
ermittelt, indem. man das Quadrat der End- bezw. Anfangsgeschwindigkeit durch die doppelte Erdschwerebeschleunigung dividiert.
Mitunter wird es vorkommen, dass der Pilot aus einem wagrecht fliegenden Apparat em porgeschleudert werden muss, was aber trotz dem eine überaus geenügend grosse Entfer nung vom havarierten Flugzeug ausmachen würde, vielmehr bewegt sich ein verunfall tes Flugzeug vertikal nach unten und der Pilot müsste demnach wagrecht herausge schleudert werden, dies hat eine bedeutend grössere Distanzierung zur Folge, und zwar da, s - v³t ist, und die Anfangsgeschwindigkeit mit 11 m/sec gefunden wurde, so ist die horizon tale Flugweite der geschleuderten Masse in der ersten Sekunde gleich 11 m. Dass der Körper in der gleichen Zeit sinkt und dass er sich auch in der zweiten Sekunde vom Apparat entfernt, interessiert weiter nicht besonders.
Der Luftwiderstand kann in diesem Falle vollkommen vernachlässigt werden, da gemäss der Gleichung
EMI0003.0009
bei gegebener Widerstandsfläche und Ge schwindigkeit, der Luftwiderstand maximal <B>2</B> kg ausmachen kann, was eine Wegvermin derung von höchstens 20 bis 40 cm bedeutet.
Ist sich der Flieger seiner Lage bewusst. so braucht er nur den Notgriff, welcher vor ihm am Sitz angeordnet sein kann, zu ziehen, um in kaum einer halben Sekunde herausge schleudert zu werden. Der Fallschirm, den der Pilot auf dem Rücken trägt, oder welcher auch zweckmässig unter dem Pilotensitz an geordnet werden kann, gelangt dann auto matisch oder auch durch Handabzug zur Ent faltung. Die kleinste Entfernung vom Boden genügt, um die Rettung sicherzustellen, da die ganze Manipulation kaum eine Sekunde dauert, die Entscheidung kann somit noch im letzten Augenblick, ja 50 m vom Boden entfernt, vorgenommen werden.
Bei einer durch den Zwang der Verhältnisse bedingten Notlandung auf einem Gelände, das die Si cherheit der Besatzung in Frage stellen könnte, Wald, Gebirge oder unebenes Ge lände, geringer Landungsraum, Notlandung bei Nacht<B>USW.,</B> verlohnt es. sich nicht, auf ein Experiment einzugehen, das oft mit dem Ein satz des Lebens endet. Die Benützung des Fallschirmes, selbst bei geringster Höhe, wird durch die vorbeschriebene Vorrichtung mög lich.
In Kriegsfällen kommt dieser Sicher heitsvorrichtung eine nicht zu unterschät zende Bedeutung zu, sei es, dass der Apparat in Brand gerät oder der Pilot durch das Ma schinengewehrfeuer kampfunfähig gemacht wird usw., in jedem Fall, selbst bei Verwun dung wird sich der Flieger der Rettungs vorrichtung schnell und sicher bedienen kön nen, nachdem er die Auswegslosigkeit seiner Lage erkannt hat.
Claims (1)
- PATENTANSPRUCH: Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel für die Besatzung, insbeson dere für Kampfflieger, gekennzeichnet durch einen den Trägerdes Sitzes einer Person bil denden, am Flugzeug befestigten Zylinder, in dem mindestens zwei ineinanderliegeride Kolben vorgesehen sind, von denen der innere mit dem Sitz lösbar verbunden ist, während der äussere zur Verlängerung des Zylinders bestimmt ist, ferner gekennzeichnet durch Eine im Zylinder unterhalb der beiden Kol ben angeordnete, mit Zündhütchen versehene Patrone und einen im innern Kolben ge führten, unter Federwirkung stehenden Schlagstift, der durch die den Zylinder mit ,dem Sitz verbindende Vorrichtung ausge löst werden kann, das Ganze derart,dass durch Lösen der letztgenannten Vorrichtung .die Patrone zur Entzündung gebracht wird, wodurch die Kolben verschoben werden und damit der Sitz mit der auf ihm ruhenden Person aus dem Flugzeug hinausgeschleudert wird. UNTERANSPRÜCHE 1. Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass die beschleuni- gende Kraft vermittelst einer Pulver ladung erzeugt wird. 2. Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass neben der me chanischen Zündung auch eine elektrische Fernzündung vorgesehen ist. 3.Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, .dass der Sitz zu einer Kabine ausgebaut ist und bei der Abfeuerung, zur Erzielung der nötigen Öffnung, einen Rumpfteil mitführt. 4. Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel nach Patentanspruch, da durch gekennzeichnet, dass der Notgriff gegen ungewolltes Betätigen mit einer Sicherung ausgestattet ist.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| CH179936T | 1934-11-19 |
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| Publication Number | Publication Date |
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ID=4429617
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| CH179936D CH179936A (de) | 1934-11-19 | 1934-11-19 | Schleudereinrichtung an Flugzeugen als Rettungsmittel für die Besatzung, insbesondere für Kampfflieger. |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| CH (1) | CH179936A (de) |
Cited By (8)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| US2459948A (en) * | 1945-04-12 | 1949-01-25 | Ml Aviation Co Ltd | Safety device for aircraft pilots |
| US2467763A (en) * | 1945-02-28 | 1949-04-19 | Martin James | Launching means for airplane seats |
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| US2516902A (en) * | 1947-01-10 | 1950-08-01 | Musser Clarence Walton | Telescopic gun for aircraft personnel catapult and other uses |
| US2524355A (en) * | 1941-10-17 | 1950-10-03 | Nordquist Elis | Ejecting device for parachutists |
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| US2992793A (en) * | 1956-02-17 | 1961-07-18 | Devantier Karl Edmund | Aircraft provided with a device for hurling a location signal emitter in cases of accidents |
-
1934
- 1934-11-19 CH CH179936D patent/CH179936A/de unknown
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