Vorrichtung zum Stillsetzen von elektrisch angetriebenen Webstüblen oder andern elektrisch angetriebenen Arbeitsmaschinen, die im Störungsfalle sofortiges Stillsetzen verlangen. Im Betrieb von Webstühlen hat es sich als notwendig erwiesen, bei Fadenbrüchen den Webstuhl vor dem nächsten Schützen sehlag bei offenem Webfach stillzusetzen. Eine Verzögerung der Stillsetzung ruft be kanntlich Webfehler hervor, deren Behebung zu erheblicher Mehrarbeit und entsprechen den Produktionsausfällen führt.
Es ist bekannt, zur raschen Abbremsung elektrisch angetriebener Webstühle die Ge genstrombremsung zu verwenden. Die bisher bekannten Anordnungen haben, ebenso wie die bekannten mechanischen Bremsvorrich- tungen,den Nachteil zu grosser Trägheit, wo- dureh das Einsetzen der Gegenstrombrem sung derart verzögert wird, dass eine recht zeitige Stillsetzung nicht mehr erfolgt. Die ser Übelstand wird hervorgerufen durch .die Trägheit der bisher angewendeten Schalt elemente.
Die vorliegende Erfindung, die sich auch der Gegenstrombremsung bedient, überwin- det die genannten Schwierigkeiten. Erfin dungsgemäss macht im Störungsfalle das eigentliche Schaltorgan, das bis zur vollstän digen Stillsetzung die drei bekannten Steuer vorgänge, nämlich a) Abschaltung des Motors vom Netz, b) Gegenstrombremsung, e) endgültiges Stillsetzen des Motors bei Umkehr der Drehrichtung. auszuführen hat, für diesen Zm-eck eine Reihe freier, nur durch Federn beeinflusster Bewegungen.
Zweckmässig dient zur Auslösung der Steuerbewegungen in den drei genannten Steuerphasen nur eine einzige Feder (Schalt feder), die bei Inbetriebnahme der Anlage durch den bekannten Handhebel gleichzeitig gespannt, im ;Störungsfalle innerhalb der beiden ersten Steuerphasen entspannt und anschliessend durch die - bei Störung übli che - Auslösung des federbelasteten Hand hebels aufs neue gespannt wird, um bei Um- kehr der Drehrichtung des Motors wieder entspannt zu werden.
Die Vorrichtung gemäss der Erfindung gestattet es, auch nachträglich an vorhan denen Webstühlen verschiedenartiger Sy steme angebracht zu werden.
Die Erfindung ist in einem Ausführungs beispiel veranschaulicht, das einen elektrisch angetriebenen Webstuhl darstellt. Der elek trische Antriebsmotor wird gleichzeitig mit dem Webstuhl in und ausser Betrieb gesetzt. Der Webstuhl selbst ist schematisch und nur insoweit dargestellt, als es zum Ver ständnis der Erfindung dient. Für diesen Zweck sei daran erinnert, dass ein normal ge bauter Webstuhl einen mit einer Rückzug feder versehenen Handhebel hat, der in einem .Schlitz geführt ist.
Der Schlitz be sitzt eine Aussparung, in welche der Hand hebel bei Inbetriebnahme gegen die Wir kung der Rückzugsfeder gebracht wird und in der er dann festgehalten wird. Weiterhin ist an dem Brustbaum des Webstuhls der sogenannte Brustbaumhebel drehbar gelagert, der im Störungsfalle von dem Störungs wächter erfasst und in Drehung versetzt wird. Der Brustbaumhebel drückt bei dieser Drehung den Handhebel aus der Aussparung des Führungsschlitzes heraus, worauf der Handhebel unter dem Einfluss der Rück zugsfeder ruckartig in die Ruhelage gebracht wird.
Fig. 1 und 2 zeigen den Brustbaum .des Webstuhls samt Brustbaumhebel und Hand hebel in Ansicht und Grundriss, Fig. 3 die schematische Darstellung .der Weblade samt Antriebswelle, Fig. 4 die schematische Dar stellung des eigentlichen Schaltorganes nebst Zubehörteilen.
Soll der Webstuhl in Betrieb genommen werden, so wird der bekannte Handhebel 1 in die in Fig. 1 und 2 gezeichnete Lage ge bracht, in welcher er durch eine Aussparung des Führungsschlitzes 2, entgegen der Wir kung der Feder 3, festgehalten wird. Bei dieser Bewegung bringt .der Handhebel das eigentliche Schaltorgan 6 mit der Welle 34 aus der Ausschaltstellung 0 in die Betriebs stellung 1r, und zwar auf folgende Weise: Der Handhebel 1 bewegt über ein Ge stänge 4, 5 die Welle 30, über die eine Schraubenfeder 7 geschoben ist. Auf der Welle 30 ist eine Scheibe 23 befestigt, an der ein Stift 32 sitzt. Die Achse 34 ist von der Achse 30 getrennt., befindet sich jedoch in der geradlinigen Verlängerung dieser Achse.
Auf der Welle 34 ist eine Scheibe 31 befestigt, an der ein Stift 33 sitzt. Die Stifte 32 und 33 sind parallel zueinander an geordnet und befinden sich in der Ruhestel lung so übereinander, dass ihre Achsen mit der Achse der Welle 30 in einer Ebene lie gen, so dass sich ein Stift an dem andern ungestört vorbeibewegen kann. Die beiden Enden der Schraubenfeder 7 legen sich an diese beiden Stifte an. Wird zum Beispiel die Achse 34 in ihrer Lage festgehalten und die Achse 30 in einem bestimmten Sinne ge dreht, so wird das eine Federende am Stift 33 festgehalten, während das andere Feder ende von dem sich drehenden Stift 32 mit genommen wird.
Die Feder wird auf diese Weise in der einen Richtung gespannt. Die Feder wird auf ähnliche Weise in der an dern Richtung gespannt, wenn die Welle 30 in der Gegenrichtung gedreht wird.
Die Feder 7 stellt also ein elastisches Kupplungsglied zwischen dem Handhebel 1 und dem Schaltorgan 6 dar.
Der Hebel 5 hat drei ausgeprägte Stel lungen F,<I>G, H.</I> Bei der Inbetriebnahme der Anlage mittels des Handhebels 1 gelangt der Hebel 5 von der Stellung F über die Stellung G in die Stellung H. In der Stel lung G ist das Schaltorgan 6 in die Stellung V gelangt, da in diesem Abschnitt der Be wegung das Schaltorgan 6 ungehindert ist und die Feder 7 daher als unmittelbare Kupplung wirkt.
In der Stellung V fällt eine Klinke 8 in eine Rast .der Scheibe 31 ein und verriegelt so das Schaltorgan in der Betriebsstellung. Daher wird die Feder 7 bei der Weiter bewegUng des Hebels 5 von G nach H ge spannt. In Fig. 3 ist die betriebsmässige Dreh richtung der Webstuhlwelle 41 durch den Pfeil 36 und die Stellung .dieser Welle beim Schützenschlag durch den Punkt A angedeu tet. Ferner ist schematisch dargestellt, wie sich die Drehung der Webstuhlwelle 41 über eine Kurbel 42 und eine Stange 43 auf .die hin- und hergehende Bewegung der Web lade 44 überträgt.
Beim Schützenschlag er folgt erfahrungsgemäss die am häufigsten vorkommende Störungsursache, nämlich der Fadenbruch.
Nach Eintritt eines solchen Fadenbruches findet der bekannte Fadenfühler keinen Faden und fällt daher herunter. Kommt die Webstuhlwelle beim Weiterlauf in Stellung B, so wird eine Zugstange 9 (Fig. 1 und 2) durch den Einfluss der Bewegung der Web- lade 44 zu einer hin- und hergehenden Be wegung veranlasst. Diese Bewegung dauert so lange an, bis die Webstuhlwelle die Stel lung E (Fig. 3) erreicht hat, und zwar be wegt sieh .die Zugstange 9 nach rechts, bis die Webstuhlwelle in die .Stellung C gelangt, sodann bewegt sich die Zugstange wieder zu rück.
Dicht hinter Stellung B der Web stuhlwelle schliesst die Zugstange den Hilfs kontakt 10 (Fig. 1), wodurch das Relais 11 (Fig. 4) erregt wird und seinen um 12 dreh baren Anker 13 gegen die Wirkung der Fe der 14 anzieht. Der Anker 13 schlägt hier bei die Klinke 8 heraus. Der nunmehr frei gegebene Schalter 6 schnellt unter dem Ein e, der Feder 7 sofort in die Gegenstrom- stellung R, in welcher er durch die mit 8 elastisch verbundene Klinke 15 in der Aus schaltrichtung gesperrt wird.
Kommt die Webstuhlwelle beim weiteren Vorwärtslauf in die Stellung C, so drückt die Zugstange 9 über den Stift 16 und den Brustbaumhebel 17 den Handhebel 1 heraus, welcher unter dem Einfluss der Feder 3 die Feder 7 von H nach F über G vorspannt.
Der Webstuhl muss seine Drehrichtung vor erneutem Ein tritt in die Schützenschlagstellung A um kehren (Pfeil 37) und soll anschliessend un gefähr in die Stellung D der offenen Web- lade zurücklaufen, Letzteres wird dadurch erreicht, dass ein auf der Webstuhlwelle festgebremster, zwi schen den Anschlägen 20 beweglicher Hebel 18 nach Umkehr der Drehrichtung den Hilfsschalter 19 öffnet, welcher durch Un terbrechung der Spule des Relais 11 über dessen Anker .die Klinke 15 auslöst, worauf der Schalter 6 von .der Feder 7 aus der Ge genstromstellung R nach rückwärts über die Vorwärtsbetriebsstellung p in die Ausschalt stellung 0 gebracht wird.
Letztere Massnahme hat den Zweck, zu verhindern, dass die Rücklaufbewegung des Motors nach dem Abschalten unzulässig lange anhält. Der Motor erhält nämlich auf diese Weise vor dem endgültigen Ausschal ten noch einen kurzen Stromimpuls im Sinne des betriebsmässigen Vorwärtslaufes. Die Dauer dieses Impulses kann nach Bedarf eingestellt werden. Durch Verstellung des untern Anschlages 20 (Fig. 3) kann der Rücklaufweg des Webstuhls in praktisch ausreichenden Grenzen eingestellt werden.
Tritt zum Beispiel ein Bruch des Schuss- fadens ein und ist der Webstuhl mit Hilfe der beschriebenen Sicherheitseinrichtung zum .Stillstand gebracht worden, so muss die .Stö rung durch Einsetzen einer neuen Spule be seitigt werden. Man ist hierbei genötigt, den Faden unter den Fadenfühler zu legen, da mit der Webstuhl bei Wiederinbetriebnahme nicht unnütz vor dem ersten Schützenschlag ausgeschaltet wird.
Um dem Bedienungs- manndie Arbeit zu ersparen, .die Nadel über den Faden zu legen, kann ein Hilfskontakt 21 vorgesehen werden, welcher sich nach Einschalten des Handhebels 1 unter der Einwirkung eines Verzögerungsmittels 22 (zum Beispiel einer Ölbremse) langsam schliesst und so die Auslösefähigkeit der Klinke 8 so lange verhindert, bis der erste Schützenschlag vorbei ist.
Der Kontakt 21 sitzt am Ende eines Hebels 26 und wird bei .der Drehung der ujelle 30 von der Scheibe 23 aus gesteuert, die für diesen Zweck als Nockenscheibe aus gebildet ist. Auf dem Nocken läuft eine Rolle 3,8, die an dem Hebelarm 24 gelagert ist. Der Hebelarm 24 hat, ebenso wie der Hebelarm 26 einen stationären Drehpunkt bei 39. Die Nockenscheibe 23 steuert den Hebel 24 gegen die Wirkung der Feder 27. Ausserdem sind die beiden Hebel 24 und 26 durch die Feder 25 miteinander gekuppelt.
Bei der Drehung des Hebels 5 von F nach H, infolge der Betätigung des Hand hebels 1, gelangt die Rolle 38 in die ge zeichnete Lage. Der Hebel 24 vollführt hier bei eine Drehung im Sinne des Uhrzeigers. Er hat einen Anschlag 40, mit dem er den Kontakthebel 26 mitnimmt. Diese Bewe gung wird durch das Hemmwerk 22 ver zögert.
In der dargestellten Ausführung wirkt die Verzögerungseinrichtung 22 auch bei Öffnung des Kontaktes 21. Auf diese Weise kann sich das Stillsetzen der Anlage un gestört vollziehen. Denn beim Herausfallen des Handhebels 1 darf der Kontakt 21 nicht sofort unterbrochen werden, damit der Kon takt 19 zur Geltung gelangen und seine Wirkung äussern kann. Nur auf diesem Wege gelangt die Gegenstrombremsung zü ihrer vollen Wirkung, und der Motor wird erst bei Umkehr der Drehrichtung still gesetzt.
Es kann der Fall eintreten, dass der Fadenfühler nach Fadenbruch nur kurz mit der Zugstange 9 gekuppelt wird und dann wieder loslässt. In diesem Falle würde zwar der Kontakt 10 vorübergehend geschlossen werden, -aber der Handhebel 1 in seiner Be triebsstellung stehen bleiben und daher nicht imstande sein, die Feder ? für die Bewälti gung der letzten Steuerphase erneut zu spannen. Daher würde der Motor, wenn Klinke 8 durch vorübergehendes Schliessen des Hilfskontaktes 10 ausgelöst wurde, der Handhebel 1 jedoch nicht herausfällt, rück wärts laufen und nicht abgeschaltet werden.
Auch in diesem Fall kann die Stillsetzung dadurch erzwungen werden, dass zum Bei spiel durch einen vom Hilfskontakt 10 gleichzeitig mit 11 eingeschalteten Elektro magneten der Handhebel 1 zwangläufig her ausgedrückt wird. Im vorliegenden Fall würde jedoch, da ja: Hilfskontakt 10 nach kurzem Schliessen so fort wieder geöffnet würde, die für das An sprechen des Kontaktes 19 erforderliche Zeit fehlen und daher das Relais 11 bereits ent- regt werden, bevor der Motor seine Dreh- rihtung geändert hat.
Hier kann der ord nungsgemässe Verlauf der Stillsetzung zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass der Hilfskontakt 10 derart ausgebildet wird, dass er sieh nach dem Aufhören des Einschalt impulses nicht sofort, sondern verzögert wie der öffnet, so dass das' endgültige Stillsetzen erst durch Öffnen des Kontaktes 19 erfolgt.
Ein anderer Störungsfall am Webstuhl tritt ein, wenn das Webstuhlschütz das Ende seiner Wurfbahn nicht erreicht, sondern vor her stehen bleibt. Die bekannte Sicherheits einrichtung hierfür besteht aus Frosch und Stecher, wobei beim Einfallen des .Stechers .der Webstuhl eine gewaltsame Hemmung seiner Bewegung erfährt (Bockbremse). Diese Einrichtung führte häufig zu Rahmen brüchen. Bei Benutzung der Erfindung lässt man beim Einfallen des Stechers zunächst einen elektrischen Kontakt auslösen, der parallel zu dem Hilfskontakt 10 geschaltet ist, so dass beim Schliessen eines solchen Kon taktes wiederum das Relais 11 erregt und die Gegenstrombremsung eingeleitet wird.
Der mechanische Anprall des Stechers ge gen den Frosch wird durch die bereits ein setzende Gegenstrombremsung stark ge mildert.
Weiter kann das Schaltorgan 6 derart ausgebildet werden, dass es nach entspre chender Verlängerung des Führungsschlitzes 2 durch Bewegung .des Handhebels 1 aus der Ausschaltstellung nach links willkürlich in die Gegenstromstellung gebracht werden kann, um den Webstuhl nach Bedarf rück wärts laufen zu lassen.
Der Schalter kann ferner mit einem Wellenende versehen werden, mit Hilfe des sen er durch ein Gestänge oder dergleichen bei ausgeschaltetem Handhebel entgegen der Feder 7 in die Gegenstromstellung gebracht werden kann, Es sei noch darauf hingewiesen, dass zur Auslösung des Bremsvorganges bei Web stühlen jede Art von Fadenwächter, das heisst sowohl der ,Schussfadenwächter, als auch die Kettfadenwächter herangezogen werden können.
Die Anwendung der Erfin dung ist auch nicht auf Webstühle be schränkt, sondern kann für alle Textilmaschi nen bezw. ganz allgemein für alle elektrisch angetriebenen Arbeitsmaschinen verwendet werden, bei. denen das verarbeitete Gut auf einwandfreie Herstellung laufend kontrol liert und hiervon die sofortige Stillsetzung der Arbeitsmaschine abhängig gemacht wer den soll. Welcher Art die betreffende Ar beitsmaschine ist und welches Material ver arbeitet wird, ist hierbei gleichgültig, ebenso kann die Art des endgültigen Stillsetzens, das heisst die Benutzung einer Rückwärts bewegung des Antriebsmotors oder derglei chen, je nach dem Arbeitsprozess verschie den eingerichtet werden.